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175. Jubiläum des Komponisten Johannes Brahms:  Schleswig-Holstein ist Zentrum deutscher Brahms-Forschung

Der deutsche Komponist Johannes Brahms (1833 - 1897) starb am 3. April 1897 in Wien im Alter von 63 Jahren. Foto: Archiv/dpa

Von Wolfgang Runge

Kiel/Lübeck (dpa) - Johannes Brahms war schon im 19. Jahrhundert ein Star. Die Musikwelt feiert seinen 175. Geburtstag - und darf dank norddeutscher Wissenschaftler auf eine neue Gesamtausgabe der Kompositionen hoffen.

Im letzten Drittel seines Lebens galt der Komponist, Pianist und Dirigent als führende Persönlichkeit der internationalen Musikszene. Seine Kompositionen umfassen neben Orchester-, Gesangs-, Kammermusik-, Klavier- und Orgelmusikwerken auch Chorgesänge, Duette und Klavierlieder.

Johannes Brahms (1833 - 1897) wurde bewundert, verehrt, und mit Auszeichnungen überschüttet. Dazu gehörten die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau im Jahr 1879 und 1889 die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Hamburg. Nach Dirigententätigkeiten in Detmold und Hamburg war Brahms 1862 nach Wien gezogen. Als er dort 1897 starb, ordnete der Hamburger Senat nicht nur für die Hansestadt, sondern auch für die Schiffe im Hafen Halbmast-Beflaggung an.

 

Wiege der Brahms-Pflege" liegt in Schleswig-Holstein

Der gebürtige Hamburger Brahms ist auch ein Sohn Schleswig-Holsteins. Das meinen jedenfalls viele Musikliebhaber im Norden. Er hatte stets Sehnsucht nach Heide, denn hier wurde sein Vater geboren", sagt der Vorsitzende der in der Dithmarscher Kreisstadt ansässigen Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Prof. Eckart Besch. Wir betrachten uns als eine Wiege der Brahms-Pflege", betont er. Besch verweist auf die internationale Bedeutung des weltweit einmaligen Brahms-Preises, mit dem seit 1988 alljährlich Künstler gewürdigt werden, die sich um die Pflege Brahms'scher Musik und seines künstlerischen Erbes verdient gemacht haben".

Das Zentrum deutscher Brahms-Forschung befindet sich in Kiel. Dort ist am Musikwissenschaftlichen Institut der Christian-Albrechts-Universität die Forschungsstelle der Johannes Brahms Gesamtausgabe angesiedelt. Da die alte Brahms-Gesamtausgabe von 1926/27 unvollständig und wissenschaftlich stark veraltet ist, arbeiten die Kieler Wissenschaftler in Verbindung mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien an einer Neuausgabe.

 

Lang verschollene Handschriften in Lübeck

Dazu werden unter anderem die noch vorhandenen handschriftlichen Manuskripte und historischen Drucke der Notentexte akribisch miteinander verglichen. Dabei müssen die Experten immer wieder entscheiden, ob es sich bei Unterschieden um gewollte Änderungen des Komponisten handelt. Auch die zeitliche Einordnung der zumeist undatierten Briefe bereitete manche Mühe.

Hilfe bekommen die Kieler Wissenschaftler aus Lübeck. Dort wurde an der Musikhochschule 1990 mit dem Kauf der weltweit größten privaten Brahms-Sammlung das Brahms-Institut gegründet. Seitdem wurden die Bestände durch Ankäufe und Schenkungen von Handschriften, Stichvorlagen, Erst- und Frühdrucken immer weiter vermehrt. Darunter sind auch das einzige erhaltene Autograph (eigenhändige Niederschrift des Komponisten) der Brahms-Motette "Es ist das Heil uns kommen her" (Opus 29, Nr. 1), und das lange verschollen geglaubte Autograph des Liedes Liebesglut" (Opus 47, Nr. 2).

Heute besitzt Lübeck die weltweit größte Sammlung an Erst- und Frühdrucken der Werke von Johannes Brahms sowie rund 700 zeitgenössische Fotografien, Zeichnungen und Gemälde. In den Archiven lagert auch ein großer Teil von Brahms' persönlicher Fotosamm-lung. Dazu kommen zahllose Pro-grammzettel zu wichtigen Ur-, Erst- und Folgeaufführungen, die meist aus dem unmittelbaren Nachlass von Johannes Brahms stammen.

 

 

Last modified on:05/13/2008

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