19 August, 2008

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Dom-Sanierung mit Hubschrauber und Bergsteigern

Ein Bo 105 Hubschrauber kreist in Mainz um den Dom. In nur 12 bis 15 Meter Entfernung umkreiste er die Türme des Mainzer Doms. Dabei wurden mit einer Spezialkamera Aufnahmen für exakte Messpläne gefertigt. Diese Dokumentation ist Bestandteil der seit 2001 laufenden und 25 Millionen Euro teuren Dombausanierung. 2009 feiert der Dom in Mainz sein 1000-jähriges Jübiläum. Foto: dpa

Von Jens Albes

Mainz (dpa) - Verblüfft blicken Passanten und Touristen nach oben. Näher, immer näher kommt der infernalisch laute Hubschrauber. In nur 12 bis 15 Meter Entfernung umkreist er die Westtürme des Mainzer Domes, immer wieder, stundenlang. Eine Spezialkamera fertigt 250 Aufnahmen als Grundlage für exakte Messpläne. Die Dokumentation des Zustandes jedes einzelnen Steines in diesem Juni ist Bestandteil der 2001 begonnenen großen Dom-Sanierung. 25 Millionen Euro will die katholische Kirche investieren. Zugleich steht schon nächstes Jahr ein Jubiläum an: 2009 feiert die Kirche die Fertigstellung des Domes vor 1000 Jahren.

Danach geht die Sanierung weiter. Eigentlich ist es eine ewige Baustelle im Herzen von Mainz: Wenn wir vielleicht in 20 Jahren fertig sind, müssen wir wieder von vorne anfangen", sagt Dom-Dekan Heinz Heckwolf. Für eine Komplettrenovierung binnen weniger Jahre wären die Ausmaße des Domes mit einem Jahrtausend Baugeschichte und sechs Türmen zu gewaltig: Er ist so lang wie ein Fußballfeld und so hoch wie ein Mammutbaum.

Das einstige geistige und politische Zentrum des größten Erzbistums des Abendlandes hat seit den 1970er Jahren wieder wie im Mittelalter eine eigene Dombauhütte. Mehr als 20 Handwerker kümmern sich hier um die Erhaltung des Doms und anderer Kirchen des Bistums Mainz.

Den Dom kennen sie in- und auswendig. Wenn man weiß, wie viel Arbeit in den jahrhundertealten Steinen steckt, ist schon Ehrfurcht da", sagt der junge Steinmetz Tobias Janz. Die Steinbearbeitung hat sich wenig geändert: Wir haben zwar heute moderne Hilfsmittel wie Trennschneider und Sägen, aber Hauptwerkzeuge sind immer noch Hammer und Meißel wie im Mittelalter." Auch die Maler der Dom-Hütte verwenden wieder selbst gefertigte Kalkfarben. Die Schreiner versuchen ebenfalls, das Holz so wie früher zu bearbeiten.

Zu sanieren und umzubauen gab es in der wechselvollen Jahrtausendgeschichte des Domes immer etwas. Die Historiker berichten von Beschießungen und Bombardements, von Feuer und Blitzschlag und auch von der Nutzung als Stall und Soldatenlazarett.

Im 18. und 19. Jahrhundert verwendeten die Baumeister auch brüchige Steine an teils falschen Stellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwiesen sich die Fundament-Eichenpfähle im Untergrund als morsch: 1925 wurde der Dom aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen. Ein Einsturz kann nur knapp abgewendet werden", heißt es in einer Broschüre über die Dombauhütte. Im Zweiten Weltkrieg fielen Bomben auf die Bischofskirche. Sie bekam ein Notdach. Durch die glaslosen Fensteröffnungen wehte Schnee. Der Wiederaufbau zog sich lange hin. Schon in den 70er Jahren stellten Experten erneut erhebliche Schäden im Ostbau fest - wieder kam es zu einer umfassenden Renovierung.

In der jetzigen dritten langen Sanierungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Dombauhütte unter anderem die Arbeiten am Ostflügel abgeschlossen. Spektakulär war die Sanierung des mittleren Vierungsturms", berichtet Dom-Dekan Heckwolf. Er wurde nicht eingerüstet, sondern es kam eine Spezialfirma mit Bergsteigerausrüstung." Saniert wurden auch schon der nördliche sogenannte Obergaden sowie mit Moselschiefer die Dächer des südlichen Langhauses und des Querriegels.

Derzeit eingerüstet ist das nördliche Querhaus. Da hat die Bauforschung entdeckt, dass die Säulen ursprünglich auch aus schwarzem Schiefer waren. Die werden jetzt wieder genauso gefertigt", erklärt Heckwolf. Die Forscher machten zudem einen Steinbruch zwischen dem nahen Oppenheim und Nierstein als Ursprungsort für die Kalksteinquader des Domes aus: Da dürfen wir jetzt wieder abbauen", sagt der Domdekan. In den kommenden Jahren geht die Sanierung am Langhaus und am Westbau weiter.

Auch innen wird sie fortgesetzt. Schon erneuert worden ist zum Beispiel die Heizung", berichtet Heckwolf. Sie funktioniert mit Fernwärme und ist computergesteuert." Dabei geht es weniger um die Jahreszeiten als vielmehr um die Feuchtigkeit: Wird es im Sommer feucht, springt die Heizung automatisch an, ist es im Winter trocken, geht sie aus. Da habe ich schon viele böse Briefe von Besuchern bekommen, die das nicht verstehen."

 

 

Last modified on:06/30/2008

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