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Von Gudrun Janicke,
Coswig
(dpa) - Lange war sie nur ein Geheimtipp für
Kenner: die Aroniabeere. Geschätzt werden Geschmack und Inhaltstoffe, die
der Gesundheit auf die Beine helfen sollen. Doch Deutschlands fast
vergessene Obstsorte wird wieder bekannter. In Westeuropas größter
Aroniaplantage in Coswig an der Elbe in Sachsen machen derzeit Radfahrer und
Spaziergänger Halt und bewundern die Blütenpracht. Aufgrund ihrer Seltenheit
hat die Pflanze heute fast Exotenstatus. Ein Umstand, den der Verein der
Freunde der Aroniabeere mit viel Enthusiasmus ändern will.
Die violettschwarze, ursprünglich aus Nordamerika stammende Beere gehört zu
den Rosengewächsen. Die kleinen weißen Blütendolden sind zum Teil rosa
eingesprenkelt. Zum Ausgang des Sommers werden die Früchte reif. Sie sehen
aus wie winzige Äpfel, erinnern farblich an schwarze Johannisbeeren und
haben Kirsch-ähnliches Fruchtfleisch. Da die Aroniabeere heute fast nur noch
in Sachsen professionell in Plantagen angebaut wird, hat die Apfelbeere auch
den Beinamen Sächsische Gesundheitsbeere" erhalten. Auf mehr als 33 Hektar
wachsen und gedeihen im Raum Coswig tausende Pflanzen in einem Agrarbetrieb.
Nach der Pflanzung brauchen sie kaum noch Aufmerksamkeit", sagt Jörg
Holzmüller, Vorsitzender des Aronia- Vereins. Für die Ernte können heute zum
Teil Johannisbeer- Erntemaschinen genutzt werden.
In
der ehemaligen Sowjetunion war die Apfelbeere sehr bekannt. Der russische
Pflanzenzüchter Iwan Mitschurin (1855-1935) beschäftigte sich mit ihr und
züchtete zahlreiche neue Sorten. Dazu wurden auf Aronia-Basis Medikamente
zur Behandlung von Bluthochdruck, Arteriosklerose und bestimmter
Magen-Darm-Erkrankungen entwickelt. Die Vorzüge der Sächsischen
Gesundheitsbeere" werden jetzt wissenschaftlich untersucht. Rund 700000 Euro
stellte der Bund für ein Forschungsprojekt zur Verfügung. Darin arbeiten die
Universitäten Potsdam und Braunschweig, die Bundesforschungsanstalt für
Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe und das Deutsche Instituts für
Ernährung Potsdam-Rehbrücke zusammen.
Die Beere sowie der daraus hergestellte Saft enthalten beachtliche Mengen an
sekundären Pflanzenstoffen aus der Gruppe der Polyphenole, sagt die
Lebensmittelchemikerin Prof. Sabine Kulling von der Universität Potsdam. Das
sind bestimmte Stoffe in der Pflanze, die Tumore und auch Entzündungen
hemmen. Dazu gibt es Hinweise, dass der Saft eine günstige Wirkung auf den
Blutzuckerspiegel hat. In aller erster Linie können aus dem Obst Säfte,
Konfitüren, Kuchen und Eis hergestellt werden. Neueste Kreation ist eine
Bratwurst mit Aronia. |