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Gefangen im Muttermythos? Neuer Feminismus will Kinder und Karriere

Drei Mütter aus dem brandenburgischen Sieversdorf (Oder-Spree) schieben ihre Kinderwagen durch den Ort (dpa Archivfoto vom 14.02.2007).

Von Susanne Schmetkamp

Hamburg (dpa) - Dieser Tage, da die Sonne ihre heiß ersehnten Strahlen aussendet, sind sie wieder zu Hunderten in den Cafés zu sehen, an den Uferpromenaden und in den Fußgängerzonen: Mütter mit Kinderwagen, mit Kleinkindern an den Händen, mit Keksen und Kakao - die Mütter dominieren auch in Zeiten zunehmender Elternzeit von Vätern noch immer das Straßenbild. Gefeiert wurde das wieder am 11. Mai, am traditionsreichen Muttertag. Doch eines hat sich geändert: Junge Frauen wollen heute nicht nur Kinder oder Karriere, sondern sie wollen beides, wie Studien und Buchneuerscheinungen belegen.

So steht zum Beispiel Barbara Streidl (35), Autorin aus München und Mitverfasserin des Buches Wir Alphamädchen", für das neue Selbstbewusstsein von Frauen, das auch eine Studie im Auftrag der Zeitschrift Brigitte" jüngst bescheinigte. In 30 Jahren hat sich viel geändert: von der Einstellung zum Stillen über die Qualität von Windeln bis zum Selbstver-ständnis, dass eine Mutter berufstätig sein kann", sagte Streidl der dpa. Die 35-Jährige gehört zu einer Rige junger Autorinnen, die zurzeit mit einem neuen Feminismus" auf sich aufmerksam machen, der sich neuen Wünschen und Lebensumständen heutiger Frauen anpassen soll.

Den Muttertag feierte sie nicht, die Erfindung finde ich komisch. Ich brauche nicht extra einen Tag, um meinen Status als Mutter zu feiern". In ihrem Buch Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht", das sie zusammen mit ihren Kolleginnen Meredith Haaf und Susanne Klingner verfasst hat, räumt sie mit Mythen und Vorurteilen auf und fordert von den Frauen, zuzugeben, dass wir auch ehrgeizig sind", wie es in dem Buch heißt. Streidl ist Mutter eines fünf Monate alten Sohns und teilt sich die Kinderbetreuung gleichberechtigt mit ihrem Mann.

Allerdings", so gibt Petra Gerstkamp, stellvertretende Geschäftsführerin des Müttergene-sungswerks in Berlin, trotz aller Veränderungen zu Bedenken, sind Frauen auch heute noch immer für alles, was Kinder und Erziehung angeht, verantwortlich". Für viele sei es aber gleichzeitig selbstverständlich, auch berufstätig zu sein. Sie wollen sich verwirklichen und zugleich Mutter sein." Die grundlegenden Wünsche der Mütter hätten sich jedoch in den vergangenen 30 Jahren nicht geändert: Anerkennung, Respekt und mehr Unterstützung suchen die Frauen auch heute noch."

Die Forderung, dass Frauen auch Karriere machen sollen, hat der neue Feminismus, mit dem klassischen Feminismus gemein, für den in Deutschland vor allem Alice Schwarzer steht. Den neuen Feminismus, repräsentieren zurzeit neben den drei Münchner Alpha-mädchen" noch Charlotte Roche, Autorin des Bestsellers Feuchtgebiete" und Mutter einer fünfjährigen Tochter, sowie die Berliner Autorinnen Elisabeth Raether und Jana Hensel (Neue deutsche Mädchen").

Neu scheint unter anderem, dass die neuen jungen Mütter versöhnlicher mit Männern umgehen und den Ausweg aus dem Dilemma Beruf und Familie" nicht in einer Entweder-oder-Entscheidung sehen. Dennoch stoßen sie laut dem Münchner Autorentrio auch immer wieder auf Widerstände. Die Gesellschaft denke immer noch Kinder und anspruchsvolle Vollzeitjobs würden nicht zusammenpassen." Die berufstätige Mutter tauche als neues Rollenmodel, etwa in der Werbung, noch gar nicht auf.

Auch Charlotte Roche (30) wehrt sich gegen klassische Rollenmuster, aber auch gegen Verbote seitens des klassischen Feminismus. Die ehemalige Viva-Moderatorin bringt Karriere und Familie durch eine Kinderfrau und ein vernünftiges Zeitmanagement unter einen Hut, wie die Autorin in einem Spiegel-Interview sagte.

Gerstkamp vom Müttergene-sungswerk hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass junge Frauen dadurch, dass sie alles wollen", schnell unter einer Mehrfachbelastung leiden. Vor allem allein erziehende Mütter hätten es schwer. Aber auch Mütter, die einen Partner hätten, litten unter Erschöpfungszuständen, da sie nicht nur eine gute Mutter, sondern genauso auch eine gute Partnerin und gut im Beruf sein wollten". Dann noch die Pflege von Freundschaften, Hobbys oder ähnlicher Aktivitäten, und die mehrfache Belastung ist perfekt.

Streidl kann das aus Erfahrungen von anderen Frauen bestätigen. Sie selbst liebt alle Seiten ihres Mutterdaseins: schlaflose Nächte ebenso wie die Freude an sonnigen Ferientagen". Es gibt keine Schablone für die perfekte Mutter. Jede Frau ist anders, ebenso wie jedes Kind."

 

 

Last modified on:05/13/2008

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