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Von Susanne
Schmetkamp
Hamburg
(dpa) - Dieser Tage, da die Sonne ihre heiß ersehnten Strahlen aussendet,
sind sie wieder zu Hunderten in den Cafés zu sehen, an den Uferpromenaden
und in den Fußgängerzonen: Mütter mit Kinderwagen, mit Kleinkindern an den
Händen, mit Keksen und Kakao - die Mütter dominieren auch in Zeiten
zunehmender Elternzeit von Vätern noch immer das Straßenbild. Gefeiert wurde
das wieder am 11. Mai, am traditionsreichen Muttertag. Doch eines hat sich
geändert: Junge Frauen wollen heute nicht nur Kinder oder Karriere, sondern
sie wollen beides, wie Studien und Buchneuerscheinungen belegen.
So steht zum
Beispiel Barbara Streidl (35), Autorin aus München und Mitverfasserin des
Buches Wir Alphamädchen", für das neue Selbstbewusstsein von Frauen, das
auch eine Studie im Auftrag der Zeitschrift Brigitte" jüngst bescheinigte.
In 30 Jahren hat sich viel geändert: von der Einstellung zum Stillen über
die Qualität von Windeln bis zum Selbstver-ständnis, dass eine Mutter
berufstätig sein kann", sagte Streidl der dpa. Die 35-Jährige gehört zu
einer Rige junger Autorinnen, die zurzeit mit einem neuen Feminismus" auf
sich aufmerksam machen, der sich neuen Wünschen und Lebensumständen heutiger
Frauen anpassen soll.
Den Muttertag
feierte sie nicht, die Erfindung finde ich komisch. Ich brauche nicht extra
einen Tag, um meinen Status als Mutter zu feiern". In ihrem Buch Wir
Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht", das sie zusammen
mit ihren Kolleginnen Meredith Haaf und Susanne Klingner verfasst hat, räumt
sie mit Mythen und Vorurteilen auf und fordert von den Frauen, zuzugeben,
dass wir auch ehrgeizig sind", wie es in dem Buch heißt. Streidl ist Mutter
eines fünf Monate alten Sohns und teilt sich die Kinderbetreuung
gleichberechtigt mit ihrem Mann.
Allerdings", so
gibt Petra Gerstkamp, stellvertretende Geschäftsführerin des
Müttergene-sungswerks in Berlin, trotz aller Veränderungen zu Bedenken, sind
Frauen auch heute noch immer für alles, was Kinder und Erziehung angeht,
verantwortlich". Für viele sei es aber gleichzeitig selbstverständlich, auch
berufstätig zu sein. Sie wollen sich verwirklichen und zugleich Mutter sein."
Die grundlegenden Wünsche der Mütter hätten sich jedoch in den vergangenen
30 Jahren nicht geändert: Anerkennung, Respekt und mehr Unterstützung suchen
die Frauen auch heute noch."
Die Forderung,
dass Frauen auch Karriere machen sollen, hat der neue Feminismus, mit dem
klassischen Feminismus gemein, für den in Deutschland vor allem Alice
Schwarzer steht. Den neuen Feminismus, repräsentieren zurzeit neben den drei
Münchner Alpha-mädchen" noch Charlotte Roche, Autorin des Bestsellers
Feuchtgebiete" und Mutter einer fünfjährigen Tochter, sowie die Berliner
Autorinnen Elisabeth Raether und Jana Hensel (Neue deutsche Mädchen").
Neu scheint unter
anderem, dass die neuen jungen Mütter versöhnlicher mit Männern umgehen und
den Ausweg aus dem Dilemma Beruf und Familie" nicht in einer
Entweder-oder-Entscheidung sehen. Dennoch stoßen sie laut dem Münchner
Autorentrio auch immer wieder auf Widerstände. Die Gesellschaft denke immer
noch Kinder und anspruchsvolle Vollzeitjobs würden nicht zusammenpassen."
Die berufstätige Mutter tauche als neues Rollenmodel, etwa in der Werbung,
noch gar nicht auf.
Auch Charlotte
Roche (30) wehrt sich gegen klassische Rollenmuster, aber auch gegen Verbote
seitens des klassischen Feminismus. Die ehemalige Viva-Moderatorin bringt
Karriere und Familie durch eine Kinderfrau und ein vernünftiges
Zeitmanagement unter einen Hut, wie die Autorin in einem Spiegel-Interview
sagte.
Gerstkamp vom
Müttergene-sungswerk hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass junge Frauen
dadurch, dass sie alles wollen", schnell unter einer Mehrfachbelastung
leiden. Vor allem allein erziehende Mütter hätten es schwer. Aber auch
Mütter, die einen Partner hätten, litten unter Erschöpfungszuständen, da sie
nicht nur eine gute Mutter, sondern genauso auch eine gute Partnerin und gut
im Beruf sein wollten". Dann noch die Pflege von Freundschaften, Hobbys oder
ähnlicher Aktivitäten, und die mehrfache Belastung ist perfekt.
Streidl kann das
aus Erfahrungen von anderen Frauen bestätigen. Sie selbst liebt alle Seiten
ihres Mutterdaseins: schlaflose Nächte ebenso wie die Freude an sonnigen
Ferientagen". Es gibt keine Schablone für die perfekte Mutter. Jede Frau ist
anders, ebenso wie jedes Kind." |