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Von Richard Janssen und Marc Zeilhofer
Berlin
(dpa) - Britta Steffen lässt sich von Weltrekordwelle und
Wunderanzug zu neuen Taten tragen. «Ich kann vielleicht hinten raus noch
eine Zehntel schneller schwimmen. Aber das heben wir uns auf», kündigte die
Weltklasseschwimmerin an, nachdem sie beim Rekordfestival in Berlin ihre
erst zwei Tage alte Welt-Bestzeit über 100 Meter Freistil in 52,56 Sekunden
pulverisiert hatte. Bei der WM in drei Wochen in Rom will die
Doppel-Olympiasiegerin wieder angreifen und ihre Sammlung mit dem noch
fehlenden WM-Titel komplettieren. Paul Biedermann (Halle/Saale) über 200
Meter Freistil und Marco Koch (Darmstadt) über 200 Meter Brust empfahlen
sich am Schlusstag der deutschen Meisterschaften mit Europarekorden für Rom.
Neue Anzüge machen den Weg frei in eine
andere Zeitrechnung: Drei Weltrekorde, drei Europarekorde sowie 13 nationale
Bestmarken lassen das deutsche Team nach den Enttäuschungen von Peking
wieder auf gute Zeiten hoffen. Bundestrainer Dirk Lange freute sich über die
«Aufbruchstimmung» im Team, warnte aber auch: «Man darf das nicht
überbewerten.» Leid ist er die Anzug-Diskussion. «Es braucht sich keiner zu
entschuldigen, wenn er eine gute Zeit schwimmt. Alle nutzen nur das aus, was
erlaubt ist.» Die große Frage: Greift die Strukturreform oder machen Kleider
schnelle Schwimmer?
Britta Steffen verbeugte sich nach
ihrem Fabelrekord vor ihren Fans. Nach ihren goldenen Aufholjagden in Peking
hatte sie es mal mit einem Blitzstart probiert - und gewann das einsame
Rennen gegen sich selbst und die Uhr. «Das Wichtigste ist, dass man Freude
hat an dem, was man tut. Das ist eigentlich das ganze Geheimnis», verriet
sie. Und: «Der Anzug macht nicht alles aus, schwimmen muss man alleine. Der
Schwimmer muss die technische Entwicklung auch umsetzen.» Über 50 Meter
zum Abschluss löste sie locker und ohne Rekord das WM-Ticket. «Heute war ein
bisschen die Luft raus, aber das zeigt, dass ich auch nur ein Mensch bin»,
stellte sie fest. Rom bereitet ihr kein Kopfzerbrechen: «Ich weiß, dass ich
für die WM die Favoritenrolle innehabe, aber ich werde daran wachsen.»
Biedermann (Halle/Saale) konnte nach
seinem Europarekord über 200 Meter Freistil in 1:44,71 Minuten endlich
aufatmen: «Das war ein optimales Rennen.» Trotz fünf Wochen Trainingsausfall
wegen einer Viruserkrankung hatte er tags zuvor in 3:46,67 Minuten bereits
den 21 Jahre alten deutschen Uralt-Rekord von Uwe Daßler über 400 Meter
Freistil geknackt und eine neue Bestmarke über 100 Meter (48,39 Sekunden)
hingelegt, dabei aber jeweils die WM-Norm verpasst. Biedermann, der im alten
Outfit antrat: «Ich habe es satt, dass alle Welt nur von Neoprenanzügen
spricht. Ich wollte zeigen, dass man auch mit normalen Anzügen schnell
schwimmen kann.» Koch überraschte sich in 2:08,33 Minuten über 200 Meter
Brust selbst: «Ich habe gewusst, dass ich schnell bin», sagte er, «aber dass
es gleich so gut wird, hätte ich nicht gedacht.»
Nationale Bestmarken markierten Hendrik
Feldwehr (Essen), der als erster Deutscher über 100 Meter Brust in 59,45
Sekunden unter einer Minute blieb, Benjamin Starke (Berlin/51,47 Sekunden)
über 100 Meter Schmetterling), Helge Meeuw (Wiesbaden/53,08) über 100 Meter
Rücken) und Annika Mehlhorn (Baunatal) in 58,45 über 100 Meter
Schmetterling. Daniela Samulski (Essen) verpassten nach ihrem sensationellen
Weltrekord über 50 Meter Rücken in 28,22 («Die Zeit dürfte für den WM-Titel
nicht reichen») am Sonntag als Siegerin über 100 Meter die WM-Norm.
Das WM-Team dürfte trotz der «härtesten
Kriterien der Welt» (Lange) größer ausfallen als erwartet. Am Wochenende
lösten trotz hoher Qualifikationsnormen auch Siegerin Sarah Poewe
(Wuppertal) und Caroline Ruhnau (Essen) über 100 Meter Brust, Isabelle Härle
(Heidelberg/1500 Meter Freistil), Felix Wolf (Potsdam/ 200 m Rücken),
Johannes Neumann (Riesa/100 Meter Brust) und Jan Wolfgarten (Würzburg/800
Meter Freistil) das Rom-Ticket. |