|
Von Hanns-Jochen Kaffsack
Rom
(dpa) - Das kann teuer werden, im Sommer in Italien Sandburgen zu bauen oder
den Latin Lover im Auto zu küssen. Immer mehr Verbote für Strände und
Straßen machen den Urlaub zum Slalomlauf. Dabei muss man erst einmal wissen,
was überhaupt tabu ist.
Schluss ist mit dem Eisschlecken auf der Straße im
westsizilianischen Trapani. Im venezianischen Eraclea ist es untersagt, am
Strand Löcher in den Sand zu buddeln oder gar Burgen zu bauen. In der
Lagunenstadt selbst so wie auch im toskanischen Lucca drohen einem bis zu
500 Euro Strafe, wenn man die Tauben füttert. Und auf der beliebten
Urlaubsinsel Capri ist es tabu, auf der Straße mit Holzlatschen zu klappern.
Willkommen in Italien, das zu einem
Land der oftmals ab-strusen Verbote zu verkommen droht! Jedes Jahr scheinen
die Bürgermeister mit Wonne neue Ideen auszutüfteln, wie sie die kommunalen
Kassen auffüllen und sich als Ordnungshüter im Stiefelstaat beweisen können.
Mehr als 150 „örtliche Anordnungen” ist dieser Berg der Verbote inzwischen
hoch. Und es trifft natürlich vor allem auch die Urlauber an den Stränden
und in den Gassen der pittoresken Städte Italiens.
Besonders umzingelt von Vorschriften
und von Bußbescheiden bedroht scheinen die Touristen in den nördlichen
Städten zu sein, in denen die rechtspopulistische Lega Nord gern aufräumen
möchte. Aber nicht nur: Im kampanischen Eboli kann es 500 Euro kosten, wenn
sich zwei im Auto küssen. Nach bestem amerikanischen Vorbild ist in Is
Aruttas auf Sardinien das Rauchen in der Öffentlichkeit „out”. Und auch in
Rom sieht man es ungern, wenn das Panino auf der Straße vertilgt wird.
„Es ist jetzt der dritte Sommer, an dem
man Slalom um die Verbote fahren muss, wobei oft doch niemand diese
Verordnungen kennt”, klagt die unabhängige Turiner Zeitung „La Stampa”
darüber, „dass alles untersagt wird”. Und listet weitere fantasievolle
Einfälle von Bürgermeistern auf, denen ein nationales Gesetz der Regierung
Silvio Berlusconi von 2008 Rückendeckung leistet „bei allem, was die
Sicherheit und was die öffentliche Ordnung betreffen kann”. Also darf
niemand etwa im ligurischen Lerici im Badeanzug auf die Straße gehen oder
die nassen Handtücher auf seinen Balkon hängen. Im nordostitalienischen
Pordenone drohen demjenigen saftige Strafen, der mit der Verlobten offen
streitet. Und in San Remo spricht man nicht mit Prostituierten.
Hunde und Katzen gehören nicht
unbedingt an den Strand, das kann noch mancher nachvollziehen. Auch die
Taubenplage muss man doch nicht auch noch fördern! Am Dante-Strand in der
Gegend von Ravenna scheint aber auch fast alles andere untersagt, fand die
Journalistin Flavia Amabile heraus: „Keine laute Musik von 13.00 bis 16.00
Uhr, keine Werbezettel, nicht topless sonnenbaden und auf den ersten 200
Metern des Lidos darf man zwar laufen, nicht jedoch sich dort an den Strand
legen.”
Da sollte also niemand mehr ahnungslos anreisen und sich
einfach locker unter die italienische Sonne begeben. Auch wenn oft nicht
klar ist, was denn nun überhaupt noch erlaubt bleibt, so kann man sich auf
eine laxe italienische Handhabung nicht verlassen: In Venedig hagelt es
öfter drastische Strafen, in Brescia musste eine 54-Jährige 100 Euro
hinblättern, weil sie sich an einer Piazza auf die Stufen eines historischen
Monuments gesetzt hatte. Verboten! Und im lombardischen Gallarate waren
glatt 500 Euro fällig, als ein junger Mann mit einem Bier in der Hand zu
mitternächtlicher
Stunde durchs Stadtzentrum zog. |