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Von Birgitta von Gyldenfeldt
Arbeiten wo andere Urlaub
machen. An Nord- und Ostsee versorgen zahlreiche Wasserretter derzeit
Schnittwunden oder ziehen erschöpfte Badegäste aus den Fluten.
Ihr Erkennungszeichen: Die roten
Hosen und T-Shirts der DLRG.
Eckernförde
(dpa) - Sommer, Sonne, Meer. Wie so viele ist Kai Wessollek aus Neustadt am
Rübenberge bei Hannover am Strand von Eckernförde. Er hat Urlaub - arbeitet
aber trotzdem. Der 30-Jährige ist Wachleiter bei der DLRG, der Deutschen
Lebens-Rettungs- Gesellschaft. Er verbringt seine Ferien genauso wie viele
andere Rettungsschwimmer an Nord- und Ostsee: Sie retten Badegäste vor dem
Ertrinken, bringen verloren gegangene Kinder zu ihren Eltern oder versorgen
Wunden. Die Helfer sind in diesen Wochen besonders stark gefragt: Die DLRG
geht davon aus, dass es in dieser Saison angesichts der vielen Hitzetage und
prallvollen Strände mehr Badeunfälle geben wird als in anderen Jahren.
«Wir sind nicht hier, um
Geld zu verdienen», sagt Wessollek, vielmehr aus sozialer Verantwortung.
Wegen des Geldes würde sich die Aufgabe auch nicht lohnen: 75 Prozent der
Fahrtkosten werden erstattet, dazu gibt es eine kostenlose Unterkunft und
entweder Vollverpflegung wie im schleswig-holsteinischen Eckernförde oder
ein Tagegeld von 20 Euro.
Im vergangenen Jahr konnten sich die Rettungsschwimmer der DLRG noch direkt
bei den Ortsvereinen um eine Stelle an den Küsten von Schleswig-Holstein,
Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bewerben. Seit Anfang dieses Jahres
gibt es eine zentrale Koordinierungsstelle im niedersächsischen Bad Nenndorf,
bei der man sich bewerben muss.
Bisher hätten sich
Ehrenamtliche beispielsweise gleichzeitig um eine Stelle auf Borkum, Föhr
und Rügen bemüht, und alle drei Länder hätten zugesagt. «Dann haben unterm
Strich zwei Einsatzleiter in die Röhre geguckt und mussten jemand anders
suchen», sagt der Geschäftsführer des DLRG-Landesverbands
Schleswig-Holstein, Thies Wolfhagen. Insgesamt sind in den drei Ländern 90
Wachen an Nord- und Ostsee über die Koordinierungsstelle zu besetzen, 45
davon in Schleswig-Holstein.
Mindestvoraussetzungen für
den einfachen Dienst sind das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber und der
Große Erste-Hilfe- Schein. Geeignete Leute zu finden, ist nach Wolfhagens
Worten kein Problem. «In der Ferienzeit haben wir teilweise sogar mehr
Bewerbungen als Plätze.» Schwieriger sei es eher in der Vorsaison, weil
Schüler und Studenten dann noch keine Ferien haben. Wolfhagen kritisiert
deshalb auch die Schulferienregelung, weil die Länder sehr geballt Ferien
haben und nicht mehr so verteilt wie früher.
An Schleswig-Holsteins
Küsten sind zwischen Mitte Mai und Mitte September insgesamt rund 2000
ehrenamtliche Rettungsschwimmer der DLRG im Einsatz, fast alle Strände
werden von den jungen Männern und Frauen in den roten Hosen und T-Shirts
bewacht. «Die Ehrenamtlichen kommen aus der ganzen Bundesrepublik, den
größten Anteil haben die Nordrhein-Westfalen mit 46 Prozent», sagt
Wolfhagen. Aus dem nördlichsten Bundesland selbst sind es nur 6,5 bis 7
Prozent.
Am Strand
von Eckernförde wachen 15 Leute darüber, dass den Sonnenanbetern und
Schwimmern nichts passiert. Alle zwei Stunden werden sie abgelöst. «Man kann
nicht länger als zwei Stunden permanent aufs Wasser gucken», erklärt
Wachleiter Kai Wessollek.
Zumal es keinen
richtigen Schutz vor der Sonne gibt, die in diesem Juli besonders
erbarmungslos scheint. |