18 November, 2014

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Zum Andenken an meine Mutter Eva Hildebrandt

Eva Hildebrandt mit ihren Schülern - wer erkennt sich wieder?

Von Linda Hildebrandt

Mein Opa kaufte sich ein Akkordeon, denn es war sein Lieblingsinstrument, und er wollte es spielen lernen.  Mutti hat sich dann auch in das Akkordeon verliebt. Also Opa überließ Mutti die Unterrichtstunden, die er so gern für sich selbst gehabt hätte. Ich glaube, sie war 11 oder 12 Jahre alt, als sie das Vorspielen mit ihrem Akkordeon anfing.  Meine Mutter hatte sich beim Rias in Berlin beworben und wurde angenommen. 

Als der Krieg anfing, spielte sie für die deutschen Soldaten über das Radio.  Dann kamen die Russen.  Es konnte Mitternacht sein oder vieleicht war Mutti beim Haare waschen, aber wenn die russischen Soldaten „Effi, Effi!“ riefen, da musste sie sich schnell anziehen und sofort zum Vorführen gehen.  Die Russen haben ihr Hemd mit Brot, Wurst, Zucker und Butter gefüllt, als sie ihr Akkordeon spielte, und so hatten meine Mutter und meine Oma etwas mehr zum Leben. . . . .  Dann kamen die Amerikaner. 

 Was für eine aufregende Zeit!  Die Amerikaner zahlten meiner Mutter viel Geld.  Sie bekam monatlich, was ein Arbeiter in einer Fabrik im Jahr verdiente.  Das war unglaublich für eine kleine siebzehn Jährige.  Sie bekam ihren eigenen Autofahrer.  Alles war in Trümmern, aber sie musste zu ihren Vorstellungen.  Die amerikanischen  Soldaten waren so froh, sie zu haben, denn es gab keine Noten für die neue Musik.  Die Soldaten konnten die neuen Melodien der Mutti summen, und sie konnte das neue Lied dann mit ihrem Akkordeon arrangieren. Die Amerikaner haben sich sehr mit Mutti amüsiert, als sie die Liedtexte lernen sollte.  Zum Beispiel: „I want to have some secrets in my diary“,  wurde zu: „I want to have some cigarettes in my diary.”  Das musste ein Spaß gemacht haben – solch ein hübsches Mädchen, die so schön Akkordeon spielte und die Liedertexte so gut verdrehen konnte. Mutti machte Vorführungen in Krankenhäusern, auf Bühnen und in Clubs.  Die Soldaten haben sich sehr an ihr erfreut.

Meine Mutter hatte sich dann in einen amerikanischen Soldaten verliebt.  Sie zogen zuerst nach Bing-hamton New York und dann nach Johnson City.  Sie arbeitete in Johnson City für Endicott Johnson und wurde eine der besten Arbeiter. In ihrer Freizeit unterrichtete sie Akkordeon bei Grinnells.  Leider ging die Ehe auseinander.

Gott sei Dank - ihre Eltern kamen und konnten ihr ein bischen helfen.   Dann zog sie mit den Eltern nach Detroit, kaufte ein Haus und eröffnete ihr Studio.  In der Zwischenzeit folgte mein Vater ihr nach, und ich bin angekommen.  Es dauerte nicht lange, und mein Vater war wieder fort.  Die Ehe endete nach 12 Jahren. Meine Mutti war nun eine alleinstehende Frau. Die Zeiten waren nicht leicht.  Sie musste sich dauernd nach neuen Studenten umsehen.  Kaum zu glauben, aber dass fiel ihr schwer, weil sie eigentlich schüchtern war.  Um Geld zu sparen, hat sie auch schwer zu Hause gearbeitet. Ich kann mich noch entsinnen wie sie auf einer Leiter stehend, das Haus ganz oben gestrichen hat.  Ich war 4 oder 5 Jahre alt.  Ich hatte Angst, dass sie runterfallen würde.  Meine Mutter hatte immer für ihre Zukunft gesorgt.  Sie wollte mir nie zur Last fallen.

 Muttis  Akkordeon Studio baute sich langsam auf, und sie konnte sich damit ein Leben machen. Sie liebte die Kinder und das Vorführen.  Meine Mutter hatte zwei Studenten, die sich durch ihr Studio kennen lernten, verliebten und dann heirateten.  Patty und Paul sind noch verheiratet und haben einige Kinder. 

Muttis Akkordeon Gruppe trat überall auf: im Fernsehen; „Twin Pines” mit Milky the Clown; Romper Room; Poop Deck Paul; Good Morning Detroit mit Ed Allen, Carol Duvall und Sonny Elliot.  Dann auch bei den vielen deutschen Picknicks, beim Freedom Festival im Ford Auditorium und auf der Hart Plaza, mit den Feuerwerken am vierten Juli . . . .  Muttis Akkordeon Gruppe hatte einen kleinen, schönen Erfolg!

Im Jahr 1989 wurde es still um Muttis Akkordeon Gruppe.  Die Kinder hatten kein Interesse mehr.  Aber Mutti blieb fleißig. Sie kaufte ein Zwei-Familienhaus in Grosse Pointe Park und vermietete das alte Haus in Detroit. Nach einigen Jahre verkaufte sie das alte Haus und erkrankte an Alzheimer.

Einige Jahre später kam sie zu mir ins Haus und lebte bei mir bis zu ihrem Tod am 12. März, 2013.  Die letzten Monate waren schwierig, und sie hat ein bischen gelitten. Aber es war klar: Wir haben einander sehr lieb gehabt. . . . 

Mutti, ich denke an das Lied, das Du immer zum Ende Deiner Schau gespielt hast: Aufwiedersehen, Aufwiedersehen, das eine glaube mir,  nachher wird es nochmal so schön, das Wiedersehen mit Dir. 

Mit all meiner Liebe, Linda

 

 

 

Last modified on:08/25/2014

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