18 November, 2014

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Von Milwaukee nach Washington DC

Wendy Wurlitzer

Ein Wurlitzer Baby Grand Piano findet eine neue Heimat im German-American Heritage Museum of the USA™

Washington - Das einzige Museum in den USA, das sich auf nationaler Ebene der 400 Jahre alten Geschichte deutscher Einwanderung widmet, konnte sich vor kurzem über einen ganz besonderen Neuzugang freuen: ein Original Wurlitzer Baby Grand Piano, gebaut um etwa 1930.

Die großzügige Spenderin dieses wunderbaren Instruments, das sie von Alexander Brusilovsky für $11.000 restaurieren ließ, ist ein Mitglied der Wurlitzer Familie selbst: Wendy Wurlitzer, seit Mai 2014 neue Schatzmeisterin der German-American Heritage Foundation of the USA®, der Trägerorganisation des Museums in Washington DC.

„Wendy hätte uns keine größere Freude machen können,” erklärt Petra Schürmann, seit Anfang diesen Jahres Direktorin des Museums. „Der Präsident unserer Stiftung, Hardy von Auenmüller, hatte schon seit langem vor, eine klassische Konzertserie in unserem Museum einzuführen. Ein Instrument aus dem Hause Wurlitzer, das nicht nur deutsch-amerikanische Geschichte repräsentiert sondern auch Musikgeschichte geschrieben hat, setzt unserer Konzertserie ein besonderes Glanzlicht auf.”

Wendys Lebenslauf selbst ist eine wunderbare deutsch-amerikanische Geschichte.  Wendy wurde in Milwaukee, bekannt als Bierhaupstadt der Welt, geboren, wo sie auch aufwuchs. Ihre familiären Wurzeln gehen einerseits auf die berühmte Pabst-Bierbrauerei-Familie zurück, andererseits auf die Wurlitzer Familie aus Sachsen.

Auch Wendy zog es nach der Schule bald nach Deutschland und so verbrachte sie während ihres Studiums am Lewis & Clark College ein Jahr an der Universität München. Anschließend erhielt sie ein Stipendium von der Marquette University, um ihren Master in Deutsch zu machen. Nachdem Wendy erst zwei Jahre als Deutschlehrerin arbeitete, wurde sie Bankkauffrau und kam nach einem 18-monatigen Trainee-Programm zur Citizens Bank of Delavan in Wisconsin, einer der besten Regionalbanken in den USA. Dort machte sie eine steile Karriere bis hin zur Vorstandsvorsitzenden. Offensichtlich war der Berufswechsel richtig gewesen.

 „Die Tradition der Wurlitzer Familie, Musikinstrumente zu bauen, geht auf Nicholas Wurlitzer zurück, der Lauten im 17. Jahrhundert in Markneukirchen im Vogtlandkreis von Sachsen herstellte,” erzählt Wendy. „Im Jahre 1831 wurde mein Ururgroßvater, Franz Rudolph Wurlitzer, in dem nahegelegenen Marktflecken Schöneck geboren.”  Heute ist das Städtchen als bedeutender Musik- und Wintersportort im östlichen Teil von Deutschland bekannt.

„Sein Vater hatte die Familientradition der Anfertigung von Musikinstrumenten fortgesetzt,” fährt Wendy im Gespräch mit der Wochenpost fort, „und zwar spezialisierte er sich auf Blas- und Streichinstrumente. Rudolph lernte dieses Handwerk von seinem Vater; aber er sehnte sich nach neuen Erlebnissen. Mit 80 Dollar in der Tasche brach er auf nach Bremen, und von dort ging es per Schiff weiter in Richtung USA, wo er 1851 in Hoboken, New Jersey, landete.”

Da er weder wohlhabend war, noch der englischen Sprache mächtig, arbeitete Rudolph zunächst als Gehilfe in einem Lebensmittelladen, und später als Verkäufer von Türen in Cincinnati.  Seine finanzielle Lage verbesserte sich, als er 1854 bei Heidelberg & Seasonground, der ersten Investmentbank der Stadt, eine Anstellung fand.  Sein starkes Interesse an Musikinstrumenten wurde von neuem wieder geweckt, und so fing er an, diese von seiner Familie in Sachsen zu importieren.  Dabei stellte er fest, dass sie nicht nur von besserer Qualität waren, sondern auch billiger.  Seine erste Investition von 700 Dollar brachte ihm einen Gewinn von 1.500 Dollar ein!  

 Im Jahre 1856 kaufte er das Masonic Building von Cincinnati und gründete die Rudolph Wurlitzer Company.  Die Firma wuchs so schnell, dass er zwei Jahre später in ein größeres Gebäude umzog.  Er produzierte und importierte Schlagzeuge für die Continental Army, und konnte somit seine Arbeit als Banker aufgeben.  Das Geschäft der Firma florierte, und 1865 hatte sie die größte Auswahl von Musikinstrumenten in den Staaten.

1868 heiratete Rudolph Wurlitzer Leony Farny.  Sie hatten sechs Kinder – drei Söhne und drei Töchter.  Der älteste war Wendys Urgroßvater, Howard Eugene Wurlitzer, der seinem Vater folgte und in der Firma mitarbeitete. Das erste Wurlitzer Klavier wurde 1880 gefertigt.  Später folgten die ersten münzbetriebenen, elektrischen Klaviere, die unter dem Namen Wurlitzer Tonaphone ab 1899 hergestellt wurden.  Als der Umsatz wuchs, stiegen die beiden anderen Söhne, Rudolph Henry und Farny Reginald ebenfalls ins Geschäft ein.

Der Erfolg der Firma hielt an und 1908 wurde eine große Fabrik in Tonawanda, New York, erbaut.  „Das Wachstum der Firma war so enorm,” berichtet Wendy weiter, „dass man bald ein sechsstöckiges Gebäude bezog.”

Zwei Jahre später wurde die Hope Jones Company erworben. Mit Rudolphs Tod im Jahre 1914 übernahmen seine Söhne die Geschäftsleitung. Orchestrions wurden in der folgenden Dekade produziert, und den ersten Stummfilmen folgte die Produktion von Wurlitzer Theatre Organs, allgemein bekannt als Mighty Wurlitzers. 1933 kaufte Farny das Herstellungspatent für den Mechanismus der Jukeboxes und engagierte Experten für Design und Marketing.  Gegen Ende der 30er Jahre erreichten die Produktion der Musikboxen ein Volumen von 45.000 Stück im Jahr!

„Obwohl das Bankwesen in unserer Familie immer einen hohen Stellenwert hatte,” sagt Wendy, „war ich in Milwaukee zunächst mehr mit der Brauereikultur vertraut, doch die Wurlitzer-Musiktradition hat auch heute noch in meinem Leben einen wichtigen Platz. Derzeit bin ich mit der Restaurierung der Byrd Wurlitzer Theater Orgel in Richmond, Virginia, beschäftigt.”  

Wendy hofft, dass ihr Geschenk des Wurlitzer–Babys an das German-American Heritage Museum in Washington, DC, vielen Menschen Freude bereiten wird. Die Konzertserie soll im Herbst beginnen.

Mehr Information unter www.gahmusa.org oder telefonisch unter (202)4675000.

Original Wurlitzer Baby Grand Piano, gebaut um etwa 1930.

Das Gebäude des German-American Heritage Museum of the USA™.

 

 

Last modified on:07/09/2014

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