18 November, 2014

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Schüler der Deutschen Sprachschule Cleveland gewinnt Wettbewerb

Julian (mit dem Vizekonsul des Deutschen Generalkonsulats in Chicago) zeigen das Plakat mit der Geschichte des Fleischermeisters Adolf Brueck.

Olmstead Falls - Der 13jährige Julian De Georgia vertrat die Deutsche Sprachschule Cleveland in einem Sprachwettbewerb der Region „Midwest” mit dem Titel „Deutsch in meiner Umgebung”. Schüler von deutschen Sprachschulen, internationalen Schulen sowie deutschen Ganztagsschulen aus Minnesota, Missouri, Illinois, Wisconsin, Indiana, Michigan und Ohio trafen sich Anfang Dezember in Chicago für die Endausscheidung eines Wettbewerbs, der vom Deutschen Konsulat in Chicago und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen des Deutschen Kultusministeriums organisiert wurde. Um sich auf seine 5-minütige Präsentation über das Geheimnis der deutschen Bratwurst in Ohio vorzubereiten, hatte Julian einen pensionierten Metzger aus Cleveland, Adolf Brueck, im Internet aufgespürt. Er interviewte Herrn Brueck und sah sich seine Wurstfabrik an. Er besuchte ausserdem Clevelands hundertjährigen West Side Market, um mit ehemaligen Kunden von Herrn Brueck sowie anderen Wurstmachern zu sprechen. Julian lernte dabei, warum die Bratwurst der Donauschwaben so etwas Besonderes ist (kleiner Hinweis: es ist ungarisches Paprikagewürz). Er machte zahlreiche Fotos, steckte 80 Stunden Arbeit in seine Recherche, bereitete seine Präsentation sorgfältig vor, schrieb mehrere Aufsätze und übte seinen Vortrag täglich.

Julians erster Platz ist um so bemerkenswerter, da er mit einer deutschen Mutter und einem amerikanischen Vater in den USA aufgewachsen ist und selbst nie in Deutschland gelebt hat. Er geht in die achte Klasse, spielt Fussball und wohnt in Shaker Heights, Ohio. Seit vielen Jahren schon opfert er wöchentlich einen Abend seiner kostbaren Freizeit, um die Deutsche Sprachschule im Deutsch-Amerikanischen Kulturzentrum der Donauschwaben zu besuchen.

Die Deutsche Sprachschule Cleveland ist ganz besonders stolz auf diesen hartarbeitenden, ehrgeizigen Mitbewerber, der den ganz grossen, ersten Preis aus Chicago mit nach Hause nehmen konnte: einen iPod touch mit besonderer Gravur zur Erinnerung.

Der Präsentationswettbewerb in Chicago

Von Julian De Georgia

In Chicago habe ich sehr viel erlebt. Die Reise ging früh morgens um 5:45 Uhr am Samstag los, denn meine Präsentation war am gleichen Tag um 14:30 Uhr! Die Fahrt sollte ungefähr 7 Stunden dauern, und wir wußten nicht, ob wir in den Schnee kommen. Die Fahrt kam mir nicht lang vor, weil ich mit dem neuen DVD Spieler, der deutsche DVDs abspielen kann, mehrere deutsche Filme angeschaut habe. Nach der Ankunft haben wir kurz im Hotel angehalten, und ich habe mich schnell umgezogen und meinen Anzug angezogen. Beim Dankhaus Chicago, wo der Präsentationswettbewerb stattfand, habe ich meine Präsentation noch ein letztes Mal geübt. Nach 20 Minuten wurde ich reingerufen. Ich habe mein Poster über „Herrn Brueck, den Heidelberger Fleischermeister in Cleveland, Ohio” präsentiert. Dann habe ich den Prüfern ein Stück Wurst gegeben. Alles ist gut gelaufen. Ich musste danach ein paar Fragen beantworten. Glücklicherweise wußte ich die Antworten auf alle gestellten Fragen. Die Prüfer waren beindruckt, und ich war glücklich, dass alles so gut gelaufen ist. Ich hatte viele Wochen jeden Tag an dem Projekt gearbeitet und geübt. Nun war es einfach vorbei, und das Warten auf die Preisbekanntgabe fing an. Das war sehr spannend und aufregend.

Nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel sind wir mit der U-Bahn zum Christkindelmarkt von Chicago gefahren. Es war beißend kalt draußen. Ich habe gebrannte Mandeln gekauft und sie sehr genossen. Es gab sehr viele Buden auf dem Markt, und es wurde überall Deutsch gesprochen. Ich habe auch eine deutsche Bratwurst gegessen. Die war sehr lecker. Wir sind alle müde ins Bett gefallen an dem Abend.

Am nächsten Tag sind wir zur Preisverleihungsfeier im DANK Haus gefahren. Dort konnten wir alle Poster der anderen Kinder anschauen. Nach einer Weile habe ich herausgefunden, dass ich den 1. Preis gewonnen hatte! Es wurden viele Fotos gemacht und ich habe mich riesig über den iPod gefreut, den ich gewonnen habe. Ich habe ihn nun immer bei mir.

Das Ganze war eine tolle Erfahrung, die ich NIE vergessen werde.

 

Ein Fleischermeister aus Heidelberg in Cleveland

Von Julian De Georgia

Adolf Brueck (urspünglich Adolf Brück) ist ein Fleischermeister aus Heidelberg, der 1976 ganz alleine als junger Mann nach Cleveland gekommen ist. Er ist heute 71 Jahre alt und seit diesem Herbst pensioniert. 29 Jahre lang hatte er einen erfolgreichen Familienbetrieb „Schoepf Meat Company“ in Cleveland auf der Storer Road in der Nähe vom Zoo. Ich habe Information über ihn und sein Geschäft im Internet gefunden und auch seine Telefonnummer. Ich habe ihn einfach zusammen mit meiner Mutter diese Woche angerufen. Er war sehr freundlich und offen und hat mir fast eine Stunde lang von seiner Lebensgeschichte erzählt. Ich glaube, er hat sich über mein Interesse an seinem Leben und seinem Wunsch deutsche Tradition nach Amerika zu bringen gefreut.

1966 hatte Fleischermeister Brueck als 27 jähriger seine Meisterprüfung zum Fleischermeister in Heidelberg bestanden. Er musste dafür vorher 3 Jahre als Lehrling und 5 Jahre als Geselle in einer Fleischerei arbeiten bevor er die Prüfung machen durfte! Er war und ist frustriert, dass die meisten Amerikaner nicht verstehen, wie angesehen ein „Fleischermeister“ ist und wieviel er dafür gelernt hatte.

1976 war er in Amerika bei seiner Schwester zu Besuch, die gerade in Pennsylvanien geheiratet hatte und machte dort die folgende Beobachtung: „Die Wurst hier in Amerika ist einfach nicht gut“. Er war zu der Zeit in Heidelberg angestellt, war aber nicht zufrieden mit seinem Job. So sagte er sich, dass er für 2 Jahre nach Amerika kommen würde, um zu sehen, ob er hier glücklicher sein würde. „Nun sind die 2 Jahre doch zu 34 Jahren geworden.“ Zuerst war er in Pennsylvanien und hat dort in einer Schinkenfabrik gearbeitet und nur $3.50/Stunde verdient. Ein Freund hat ihn im Herbst mitgenommen zum Oktoberfest in Berea, und er hat sich entschieden nach Cleveland umzuziehen und hier sein Glück zu versuchen. In Cleveland war er auch zuerst in mehreren Fleischfertigungsanlagen angestellt und wurde auch hier schlecht bezahlt.

1981 entschied er sich seinen eigenen Laden aufzumachen, und kaufte im Februar 1981 einen Fleischereibetrieb auf und begann „Schoepf Meat Company“. Sein „Shop“ wie er ihn nennt, war direkt angebaut an das Haus, in dem er mit seiner Frau Olga und Tochter wohnte. Der Anfang seines Geschäfts war sehr schwer. Er erzählte mir, daß er eine Weile lang „oft grade mal zwanzig Dollar die Woche verdient hat. Aber Deutsche sind gut erzogen und geben nicht so schnell auf. Deshalb habe ich weitergemacht und wurde immer erfolgreicher.“ Er hat zuerst sehr viele verschiedene Würste hergestellt, wie in einer deutschen Metzgerei eben: Mettwurst, Blutwurst, Leberwurst, Zungenwurst, Bratwurst, und Schwartenmagen.

Mit der Zeit hat er sich aber auf die Bratwurst spezialisiert, weil sie sich am Besten verkaufte. Viele Jahre hat er keinen Urlaub gemacht, „weil man so einen kleinen Betrieb nicht so leicht einfach zumachen kann“. Er hat mir erzählt dass er die Rezepte für alle seine Wurste selber erfunden hat und auch alle Gewürze selber gemischt hat. Er hat nie Gewürzmischungen benutzt, wie amerikanische Fleischerläden. Er ist stolz darauf, in deutscher Tradition keine Kompromisse zu machen wenn es darum geht, die bestmögliche Qualität herzustellen. Deshalb hat er nur Fleisch aus den „Amish country“ benutzt, weil die Fleischqualität und der Geschmack besser ist und er die Massenhaltung von Tieren ablehnt. Mit der Zeit hat er bessere Maschinen in Deutschland gekauft und herüberfliegen lassen. Er hatte keinen Laden für Einzelkunden, sondern hat für den Großhandel gearbeitet und andere Wurstgeschäfte beliefert. 95% seiner Kunden sind Amerikaner gewesen, und er hat in ganz Amerika Kunden: „von Florida bis nach Alaska“ wurden seine Würste geschickt. Auf dem West Side Market hatte er mehrere Kunden, die seine Bratwürste verkauft haben z.B. die Bratwurst-Sandwiches mit Senf, die dort so beliebt und ein echter lokaler Klassiker sind. Auch Oktoberfeste zum Beispiel in Berea und in Akron hat er viele Jahre beliefert.

Er lebt heute zufrieden mit seiner Frau (und seiner Tochter im Nebenhaus) in einem schönen Haus in Parma, wo er „einen großen deutschen Garten“ hat. Er sagt, er hat ein gutes Leben gehabt und ist stolz auf alles, was er in seinem Leben geleistet hat. Seine Tochter war eine Weile auch auf der deutschen Schule in North Olmsted. Sie kann gut deutsch schreiben und lesen. Er war vor 5 Jahren das letzte Mal in Deutschland und freut sich auf den nächsten Besuch. Er hat eine große Gefriertruhe, in der er einen großen Vorrat von Würstchen eingefroren hat, die er gemacht hat bevor er seinen „Shop“ im August 2010 aus gesundheitlichen Gründen geschlossen hat.

Er versucht im Moment sein Haus und die Fleischfertigungsanlage auf der Storer Avenue zu verkaufen, ist aber nicht sicher, ob sich ein geeigneter Käufer finden wird.

Fleischermeister Brueck hat mich eingeladen mit ihm zusammen seine Wurstfertigungsanlage und sein Haus anzuschauen, wo er 22 Jahre lang mit seiner Familie gelebt hat.

Ich werde ihn bald besuchen und freue mich darauf. Ich habe vor, dort viele Fotos zu machen von der Wurstküche und den Maschinen, die er aus Deutschland eingeflogen hat für das Poster für Chicago. Es gibt dort auch eine Gewürzküche, die er mir zeigen will. Ich werde auch auf den West Side Market gehen dieses Wochenende und dort Fotos machen von den Wurstständen und dort die Wursthändler an den Ständen fragen, was ihre Erinnerungen sind an den Adolf Brück.

Christkindlmarkt Chicago: Julian am Bratwurststand.

 

 

Last modified on:02/25/2014

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