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Eine Reise in die Vergangenheit

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Von Berlin nach Stettin, Kolberg, Stolp, Danzig, Thorn, Posen, Breslau, Glatz, Prag, Eger, Rothenburg und Schwaebisch Gmuend mit dem GBU Saxonia Rheingold Gemischtem Chor

Der Wunsch, mit dem Chor mal wieder eine Reise nach Deutschland zu machen, hatte die Gemueter schon eine ganze Weile beschaeftigt. Auf die Laenge - zweiWochen - hatte man sich relativ schnell geeinigt. Die Diskussion ueber die Reiseroute dauerte dafuer etwas laenger. Das Stichwort “Polen” war gefallen. Verwandtschaftliche oder langjaehrige freundschaftliche Beziehungen zu Choeren in Polen hatten wir zwar nicht. Doch gelang es von hier aus Verbindungen herzustellen. Unser Peter Herrmann nahm die Planung in die Hand. Er machte Vorschlaege fuer die Reiseroute, kuemmerte sich um Kontaktaufnahmen und arbeitete die Details aus. Und wenn sich mit polnischen Choeren etwas anknuepfen liess, koennte man es doch auch in der Tschechei versuchen. Auch das gelang und so ergab sich folgende Reiseroute: von Berlin nach Stettin, Kolberg, Stolp, Danzig, Thorn, Posen, Breslau, Glatz, Prag, Eger, Rothenburg und Schwaebisch Gmuend.

Die mitreisenden Saenger/innen aus unserem Chor und ebenfalls mitreisende Freunde und Bekannte trafen sich am 3. September morgens in Berlin am Flughafen Tegel. Einige von uns kamen an dem Morgen direkt aus Detroit an. Die andern hatten schon vorher etwas Zeit in Deutschland zugebracht und trudelten aus verschiedenen Richtungen ein. Und alle waren puenktlich! Unser Bus wartete schon. Alle Koffer wurden unten drin verstaut und wie geplant ging es um 10:00 los. Unser Fahrer stellte sich vor und 2 Wochen lang hatten wir die Freude, von einem absolut zuverlaessigen, freundlichen und sicheren Fahrer betreut zu werden. Wir wuenschen ihm alles Gute. In 6 Monaten geht er in den Ruhestand, er freute sich schon auf sein Rentnerdasein!

Unser erstes Ziel war Stettin, bzw. Szczecin, die Hafenstadt an der Oder. Von Berlin aus erreicht man es in gut 2 Stunden. Dort stieg eine Begleiterin zu, die uns bis zu unserem letzten Tag in Polen begleitete. Das war Katarzyna Herkoperec-Kasperczyk. Sie laechelte und meinte, wir sollten sie Katrina nennen, das sei fuer unsere Zungen einfacher!

Fuer die relativ kurze Stadtrundfahrt, bzw. Besichtigung von Stettin kam noch eine Fremdenfuehrerin dazu. An das alte Stettin erinnert heute nur ganz wenig, dabei hat es eine lange, interessante Geschichte. 1243 erhielt es Stadtrecht, 1278 trat es der Hanse bei. 1630 fiel es an Schweden, wurde 1720 vom Preussischen Koenig zurueck gekauft. 1843 gab es die erste Zugverbindung nach Berlin und seit 1894 hatte es einen Freihafen. Doch bei den Flaechenbombardierungen von 1944 wurden ca. 60% der Stadt zerstoert, und von 1945 bis 1955 behielten sich die Sowjets die alleinige Benutzung des Hafengelaendes vor. Sorgfaeltig restauriert sind nur wenige Baudenkmaeler: das Koenigstor (hiess auch mal Anklamer Tor, auch mal Piastentor), das Schloss, das Alte Rathaus, Peter-und-Paul Kirche, Johanniterkirche, das Berliner Tor. Heute hat Stettin wieder eine Werftindustrie und kulturell ist es eine der fuehrenden Staedte in Polen, mit einer Universitaet, mehreren Hochschulen, Theatern, Konzertsaelen.

Unsere Stettin-Fuehrerin zeigte und erklaerte soviel wie moeglich und verabschiedete sich dann. Wir fuhren weiter nach Kolberg, bzw. Kolobrzeg. Dort wartete das Hotel Diva Spa auf uns. Kolberg liegt direkt an der Ostsee und ist heute bekannt und geschaetzt als Kurort. Haette man viel Zeit, koennte man vielleicht noch Teile von Gebaeuden aus der spannenden Geschichte Kolbergs finden. Schon im Jahr 1000 wurde ein Bistum gegruendet. Die Stadt wurde auch Mitglied der Hanse und wegen seiner Salzgewinnung sehr wohlhabend. Unter Friedrich II. war es eine starke preussische Festung und beruehmt sind bis heute Gneisenau und Nettelbeck, die Kolberg 1806/1807 erfolgreich gegen Napoleons Truppen verteidigten. Am Ende des 2. Weltkriegs sah es dann anders aus: fast 90% der Stadt waren zerstoert. Der Wiederaufbau fand statt, im sozialistischen Einheitsstil. Inzwischen ist Kolberg wieder ein beliebtes Touristenziel: als Urlaubs- und Kurort.

Das Hotel, in ganz ruhiger Lage, war dicht bei der Kurpromenade. Man konnte vorm Abendessen noch einen kleinen Spaziergang auf der Promenade machen und gleich noch einen Blick auf den Strand und die Ostsee werfen. Dann fing der Regen an. Die Schirme blieben trocken, die hatten wir natuerlich im Hotel vergessen.

Am naechsten Morgen wurden wir mit dem Bus durch Kolberg gefahren. Dann ging es weiter in nordoestlicher Richtung, nach Stolp, bzw. Slupsk. Auch Stolp hatte mal das Luebecker Stadtrecht, war der Hanse beigetreten und hatte durch Bernsteinverarbeitung und Bernsteinhandel einigen Wohlstand erreicht. Die Stadt soll auch mal sehr elegant gewesen sein und wurde oefter als “Paris von Hinterpommern” erwaehnt. Nach der Eroberung 1945 wurde es in Brand gesteckt und erlebte den spaeter ueblichen, monotonen Wiederaufbau.

Von Stolp aus war es nicht mehr weit - immer in Richtung nord-ost, zum Slowinski Nationalpark, von manchen auch als “polnische Sahara” bezeichnet. Dieser Park wurde 1967 gegruendet und ist ueber 18000 ha gross. Zum Park gehoeren 2 Kuestenseen, Suempfe, Torfmoore und kleine Kiefenwaelder. All das bietet seltenen Vogelarten Lebensraum. Die Hauptattraktion sind allerdings die bis zu 40 m hohen Wanderduenen. Staendig schieben sich diese Duenen landeinwaerts in die Kiefernwaelder hinein und begraben sie so nach und nach. Wir wurden bis zum Rand der Duenen gefahren und sahen irgendwo in der Ferne die Ostsee. Dazwischen die gewaltigen Sandberge. Doch die Sonne schien so schoen und diese einmalige Gelegenheit lockte einige trotz der erwarteten Strapaze. Durch den Sand zu stapfen, bis ans Ufer der Ostsee, unter Zeitdruck ist schon eine Herausforderung. Ausser Puste, aber strahlend kamen sie zurueck: Geschafft!!! Wir alle waren froh uns im Bus entpsannen zu koennen.

Weiter ging es nach Danzig, bzw. Gdansk. Wir erreichten die Stadt im Abendlicht und freuten uns auf einen ruhigen Abend im Hotel.

E.H.

Fortsetzung folgt.

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