Nordamerikanische Wochen-Post

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 Die Wochen-Post-Geschichte

Rückblick auf das Werden und Nicht-Vergehen der "Nordamerikanischen Wochen-Post"

 

Von Marie-Therese Leopold

 

Aus aus vielen kleinen Geschichtchen wird eine ansehnliche Geschichte. Auf eine solche kann die "Nordamerikanische Wochen-Post" nach fast 150 Jahren zurückblicken.

 

Angefangen hatte es ganz harmlos. August Marxhausen, der am 2.4.1833 in Kassel geboren wurde, folgte seinem Bruder Conrad in die Neue Welt. Dort richteten sie zunächst ihr Unwesen bei der "New Yorker Handelszeitung" an. Als er über eine Anzeige stolperte, die einen "praktischen deutschen Zeitungsmann" suchte, um eine deutschsprachige Zeitung in Detroit zu beginnen, packte der gelernte Schriftsetzer seine Klamotten und stemmte mit Dr. Peter Klein 1853 den "Michigan Demokrat" aus dem Boden. Doch die Gebrüder Marxhausen kriegten sich recht bald mit ihrem Chef in die Haare. Die Fetzen flogen als es um die Sklavenfrage ging.

 

Warum nicht seinen eigenen Kram machen, dachten sich die unternehmungslustigen Brüder. Am 3. November 1854 konnten sie sich stolz Zeitungsgründer des "Michigan Journal" schimpfen. Damit erblickte die erste deutschsprachige Tageszeitung von Detroit das Licht der Welt. August, der als ein energischer Mann beschrieben wird, war noch nicht zufrieden. Er sah, daß die vielen neu ankommenden deutschen Immigranten einen fast unstillbaren Nachrichtenhunger hatten, und brachte zusätzlich 1866 eine Wochenzeitung, "Die Familienblätter", heraus.

 

Ehrgeizig wie Marxhausen war, nutzte er den guten Draht zu seinen republikanischen Freunden, um das Konkurrenzblatt an die Wand zu spielen. Mit dem berühmten Redakteur Carl Schurz holte sich Marxhausen einen wichtigen und einflußreichen Mann ins Haus. Den hielt es aber nur solange in Detroit, bis sich das neue Blatt gefestigt hatte. Im Jahre 1866 hing der Haussegen in der East Jefferson Avenue wohl ziemlich schief. Ältere historische Berichte notieren für dieses Jahr ganz lakonisch: Die Brüder trennten sich. Ganz so friedlich wird's nicht gewesen sein, denn während August mit einer "Täglichen" und einem "Wöchentlichen Michigan Journal" weitermachte, kochte Conrad sein eigenes Süppchen und brachte das "Sonntagsblatt zum Michigan Journal", welche sich ab 1869 "Detroiter Sonntagszeitung" nannte, auf den Markt.

 

Inzwischen hatte sich August nicht auf die faule Haut gelegt. Als tüchtiger Geschäftsmann wußte er zu genau, daß eine gut gemachte Tageszeitung immer noch seine Abnehmer finden würde. Modernisiert und mit einem frischen Anstrich versehen, führte er das einstige "Michigan Journal" ab 1868 als "Detroiter Abend-Post" weiter. Der Familienzwist weitete sich aus und wurde zu einem Kampf um Sein oder Nichtsein. Die Tageszeitung verschluckte viel Geld. Jeden Tag kamen die Redakteure mit neuen Geschichten, jeden Tag mußten die Wörter im Bleisatz gesetzt werden, jeden Tag mußte die Druckerpresse in Gang gesetzt werden, jeden Tag schrumpfte der Papiervorrat. Jeden Tag wurde das Geldsäckel etwas schlapper. Harte Arbeit und sein unbeugsamer Wille, ließen August durch diese finanzielle Misere gehen. "Die Einnahmen aus den Familienblättern reichten kaum hin, das Defizit der Abend-Post zu decken", ist in der 75. Jubiläumsausgabe zulesen.

 

Kaum, daß die ärgsten Nöte ausgestanden waren und sich ein Lichtstrahl von Erfolg am Horizont abzeichnete, tauchte wie aus dem Nichts ein neuer Störenfried auf. Pastor Robert Reitzel, der mit seiner Zeitung "Der arme Teufel" mit viel Humor gegen den zugeknöpften, und ach so seriösen und konservativen August Marxhausen mit spitzer Feder anschrieb, zog der "Detroiter Abend-Post" viele Leser ab. Doch wieder bewies "sturdy August" den längeren Atem und ging als Sieger aus dem "großen Zeitungskrieg" hervor.

 

Einmal auf Erfolgskurs wuchs die Abend-Post allmählich aus ihren Kleidern. Von der Jefferson Avenue zog die Zeitungstruppe 1866 in das Eckgebäude an Larned and Bates Street. Um 1880 zählte August seine Gröschelchen und entschied, ein eigenes Gebäude an Broadway und Grand River errichten zu lassen. Gestärkter Kragen und weiße Manschetten gaben dem "alten Herrn" oder "Papa" Marxhausen, wie ihn seine unzähligen Freunde nannten, ein distinguiertes Aussehen. Als er 1910 im Hause seiner Tochter Louise für immer die Augen schloß, hinterließ er ein gefestigtes Zeitungsimperium. Im selben Jahr schluckte die "Detroiter Abend-Post" ihre langjährige Konkurrenz. Der "Michigan Demokrat", inzwischen fusioniert mit dem "Michigan Volksblatt", wurde von den Verlegerherren Marxhausen aufgekauft.

 

Ein stattliches Erbe, was der junge August Marxhausen 1910 antrat. Er übernahm die Geschäftsleitung und managete das Ganze eher schlecht als recht. Als Hitzkopf verschrien bewies er nur in einem Punkt ein glückliches Händchen: Der ehemalige deutsche Schiffskapitän Hoffmann leitete als Chefredakteur die inhaltlichen Geschicke der "Detroiter Abend-Post". Lediglich elf Jahre lagen die Fäden in August Marxhausen Junior's Händen. Er starb im Jahre 1921. Das Zeitungsunternehmen bleibt in Familienhand, und August Marxhausens Tochter Louise Burghard nahm als Präsidentin im Chefsessel Platz. Die junge Frau, die bereits in den Vereinigten Staaten geboren wurde, wird als "die Güte selbst" mit "vornehmster Gesinnung" beschrieben. Unter ihrer Leitung begeht die Detroiter Abend-Post ihr 75. Jubiläum.

 

Doch die Korken knallen nicht in Detroit. Die Prohibition verbannte die Feiernden auf die kanadische Seite des Detroit Rivers. Mit der neuen Chefin erhielt die Zeitung 1921 auch ein neues Zuhause an der Brush Street, Ecke Gratiot. Waren es nicht die journalistischen Gegenspieler, dann machten andere Umstände der engagierten Frau zu schaffen und die Hölle heiß. Zwei Feuersbrünste in der Brush Street zerstörten Teile der Redaktion. 1928 brannte as oberste Stockwerk aus, Menschen kamen nicht zu Schaden. 1938 wüteten die Flammen durch die Produktionsräume und vernichteten nahezu die ganzen Anlagen. Gleichzeitig drückte die Zeit der Depression aufs Gemüt und den Kontostand. Die Geschäftslage war schlecht. Als Louise Burghard 1934 verstarb hinterließ sie ihrem Sohn Robert Burghard dank der excellenten Geschäftsleitung eines Herrn William Roeglin ein gesundes Unternehmen. Da Robert aber recht bald starb und offensichtlich kein Familienmitglied Interesse an der "Abend- Post" zeigte, wurde der Verkauf der Zeitung beschlossen.

 

Nach über 80 Jahren im Schoße der Familie Marxhausen/Burghard wurde dieses deutschsprachige Blatt auf den freien Markt geworfen. Ein gewisser Ernest K. Sahlmann griff zu und wirtschaftete die Abend-Post in Kürze total ab. Die roten Zahlen nahmen Überhand. Die Schulden wurden drückend, die Gläubiger auch. Im Oktober 1938 schien der Abend-Post das letzte Stündchen zu schlagen. Unter dem Hammer des Bundesgerichts hauchte die älteste deutschsprachige Tageszeitung Detroits ihr Leben beinahe aus. Der Masseverwalter waltete seines Amtes. Am 18. November 1938 sollte die "Detroiter Abend-Post" öffentlich versteigert werden.

 

Im letzten Augenblick rafften sich eine handvoll couragierter Deutsch-Amerikaner auf, legten ihre Ersparnisse zusammen und retteten die Zeitung aus den Klauen des Fiskus. Als Käufer der "Detroiter Abend-Post" traten Oscar F.Keydel, Kurt Krause, Willy Schäfer, die Post Printing Co., John Mayer und Paul Schmidt auf den Plan.

 

Die Quellen schweigen still, wenn es um die Aufarbeitung der Kriegsjahre geht. Was sich in der deutschen Gemeinde von Detroit tat und wie sich die "Detroiter Abend-Post" über Wasser hielt, während in Europa der Zweite Weltkrieg tobte, bedarf einer intensiveren Nachforschung. Eines bleibt indes unbestritten, mit der Familie Keydel hatte die Zeitung gute, neue Adoptiveltern gefunden. Als Präsident lancierte Oscar Keydel das Blatt durch raues Gebiet. Ihm zur Seite stand der gelernte Buchdrucker Kurt Krause, der über die pikunäre Lage wachte und als Geschäftsführer für die Zukunft plante. Über die Jahre mauserte sich Keydel zum alleinigen Anteilhaber, er erwarb die gesamte Zirkulation.

 

Einen Gedenkstein setzte sich Berthold Vogt als langjähriger und aufmerksamer Redakteur. Bei den deutschen Vereinen beliebt, schrieb er bis zu seinem 50. Arbeitsjubiläum zunächst alltäglich, denn ab dem 5. Oktober 1942 drei Mal wöchentlich, dann zwei Mal wöchentlich und schließlich nur noch ein Mal pro Woche über Wohl und Wehe der Deutsch-Amerikaner in Michigan. Die Krankheit in den Knochen, kämpfte Berthold Vogt bis zu seinem Dienstjubiläum. Am 50. Jahrestag überbrachte die neue Geschäftsleitung Glückwünsche und Blumen ins Krankenhaus. In der selben Nacht verstarb der treueste Redakteur, der der "Detroiter Abend-Post" ein halbes Jahrhundert ihr Gesicht gegeben hat.

 

In den 40er Jahren drückte der Post Printing Company der Schuh. Supermärkte überschütteten die Druckerei mit Aufträgen für Anzeigenblättchen. Die Maschinen mußten ausgelastet werden. Die Abend-Post geriet zwar nicht unter die Räder, wurde aber abgestoßen. Post Printing Chef, Erwin Shoe, hielt dennoch seine schützende Hand mit Rat und Tat und harter Währung über den Zeitungsexoten. Als er 1960 verstarb und auch die Chefetage der "Abend-Post" etwas müde wurde, schaute man sich nach einem jungen, fleißigen Mann um.

 

Knuth Beth betrat die Szene. Über Kanada, wo er eigentlich nur seine Englisch-Kenntnisse aufbessern wollte, kam der gebürtige Koblenzer nach Detroit. Als gelernter Schriftsetzer staunte er über die antiquierte Einrichtung in der Brush Street. Dort standen im Maschinensaal vier Linotypes, und einer pappte die Nummer Sechs auf der Seite: Die sechste, die um 1890 die Werkstatt des Erfinders Mergenthaler verlassen hatte, mußte noch acht Jahrzehnte später zweimal wöchentlich die Neuigkeiten des Tages in deutscher Sprache Schwarz auf Weiß ausspucken.

 

Beth bewies, daß er nicht zwei linke Hände, sondern ein Geschick fürs Zeitungsmachen hatte, und schon bald boten die Geschäftsmänner Kurt Krause, Kurt Keydel und sein Bruder Oscar dem frischen Import die Übernahme an. Nun war Knuth Beth aber nicht mit vollen Taschen über den Atlantik gekommen und Goldtaler fielen nachts auch nicht vom Detroiter Himmel. Mit Krause hatte er sich schnell geeinigt, das er sein Drittel kauft und über fünf Jahre seine Schuld abstottert. Gleichzeitig versprach er auch den Keydel-Anteil zu übernehmen. 1968 und 1972 gingen noch einmal Anteile über den Tisch. Jetzt war Knuth Beth sein eigener Chef und der der "Detroiter Abend-Post".

 

Frischer Wind bließ durch die Brush Street. Als erstes wurden die abgenutzen Bleischriften ersetzt und moderne Schriften angeschafft. Dann wurde der gute alte Buchdruck durch das neue Offset-Verfahren ersetzt. Schnelleres und aktuelleres arbeiten wurde möglich. Bilder zierten wie Make-up die in neuem Glanz erstrahlende Abend- Post. Donnerstag, den 9. Mai 1968 war für Tage der Lack ab. Ein Brand verursachte zwar keinen großen Schaden, doch die Löscharbeiten setzten die Zeitung unter Wasser. Aufgeweicht und naß ging eine Nummer baden. Die Abend-Post konnte nicht erscheinen. Steigende Produktionskosten veranlaßten Knuth Beth die "Detroiter Abend-Post" am 13. Oktober 1973 auf eine wöchentliche Ausgabe zurückzufahren.

 

Vom 5. April 1980 an schmückt sich deshalb die Abend-Post mit einem zweiten Titel: die "Nordamerikanische Wochen-Post" war geboren. In den 70er und 80er Jahren gaben sich etliche Reporter und Redakteure die Klinge in die Hand. Unter ihnen Namen wie Frau Hoffmann, Frau Rambaum, Monika Ziegler, Birgit Kroon, Gisela Fife, Mechthild Claussen, Ruth Körbel, Hans Appel und nicht zu vergessen die Schwester des Herausgebers, Adelgund Fuchs.

 

Doch der Vorrat an guten Journalisten, für die die deutsche Sprache täglich Brot war, schrumpfte zusammen. Stets innovativ kam Beth auf die Idee, junge Leute aus Deutschland nach Amerika zu holen. Zusätzlich verpflichtete er sich zwei von der Free Press in den Ruhestand versetze Kundendienst-Fachleute. Ihre Vorschläge nahmen konkrete Formen an: Zeitungsboxen, freie Exemplare auf Fluglinien, in Universitätsbibliotheken und Verkauf in Buchläden. Nur wer den Horizont erweitert, hat Zukunft, lautet Knuth Beth's Motto.

 

Und er erweiterte sich: Im Jahr 1991 kaufte Knuth Beth zwei deutschsprachige Zeitungen, und bewahrte sie somit vor dem Untergehen - die Chicago Abendpost/ Sonntagspost und die Milwaukee Deutsche Zeitung. Die Leser dieser Zeitungen wurden in die Riege der Wochen-Post Leser aufgenommen.

 

Als im November 1989 die Berliner Mauer fiel, brachte die Wochen-Post im Oktober 1990 eine Sonderausgabe heraus, die sich diesem historischen Wendepunkt der deutschen Geschichte widmete. Im Oktober des Jahres 1994 wurde die Zeitung 140 Jahr alt und wieder hatte die Wochen-Post einen Grund zum Feiern: Sie hat uberlebt. Sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Sie hat stets ihren Dienst getan: als Sprachrohr der Deutsch-Amerikaner, als seelische Stutze, als Trost, Heimatersatz, Informationsquelle und vieles mehr.

 

Am 2. Oktober 2004 feierten wir den 150. Jahrestag unserer Zeitung mit einer 80-seitigen Sonder-Ausgabe, mit auserwählten Berichten über die Deutschen in Amerika in den letzten 150 Jahren.

 

Auf eine weitere gute Zukunft!

 

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