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Ein Mythos broeckelt - Vor 100 Jahren wurde Mata Hari verhaftet

Von Sabine Glaubitz

Mata Hari gilt als die groesste Spionin der Geschichte. Doch Zweifel an ihrer Rolle als Meister-Verraeterin mehren sich. 100 Jahre nach ihrer Verhaftung in Paris erscheint die schoene Agentin in neuem Licht.

Paris (DPA) - Ein Jahrzehnt lang wurde ihr Tanz bewundert und ihr Koerper begehrt: Mata Hari regte als indische Bajadere-Taenzerin zu Zeiten der Belle Epoque die Fantasien der Bohème in Europa an. Und als Kurtisane weihte die schoene Niederlaenderin Botschafter, Minister, Fuersten und Militaers in ihre Kunst der Liebe ein. Um ihr abenteuerliches und geheimnisvolles Leben ranken sich unzaehlige Geschichten. Nicht alle entsprechen der Wahrheit. 100 Jahre nach ihrer Verhaftung am 13. Februar 1917 in Paris broeckelt der Mythos der vermeintlich groessten Spionin der Geschichte.

Mata Hari, die urspruenglich Margaretha Geertruida Zelle hiess, wurde im Morgengrauen in einem Pariser Luxushotel festgenommen und dem Untersuchungsrichter des Kriegsgerichts, Hauptmann Pierre Bouchardon, vorgefuehrt. Bis zu ihrem Prozess rund fuenf Monate spaeter am 24. Juli sass sie im Frauengefaengnis Saint-Lazare. Der Prozess fand unter Ausschluss der oeffentlichkeit statt. Die Richter waren Berufsmilitaers. Nur einen Tag spaeter wurde sie wegen Doppelspionage und Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 15. Oktober wurde sie in Vincennes bei Paris als "Agentin H 21" durch Erschiessen hingerichtet. Als sie starb, war sie 41 Jahre alt.

Das undatierte Bild zeigt die niederlaendische Taenzerin Mata Hari mit buergerlichem Namen Margaretha Geertruida Zelle. Sie gilt als die groesste Spionin aller Zeiten. Doch die Zweifel an ihrer Rolle als Meister-Verraeterin mehren sich. 100 Jahre nach ihrer Verhaftung in Paris taucht die schoene Agentin in neuem Licht auf. Foto: dpa

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Soweit die wesentlichen und unumstrittenen Daten ihrer letzten Monate. Aber seit der britische Geheimdienst Anfang 1999 ihre Akten freigegeben hat, bekommt der Mythos der Meisterspionin Risse. Laut Erkenntnissen der britischen Behoerden liess sich die am 7. August 1876 in Leeuwarden geborene Schoenheit zwar waehrend des Ersten Weltkriegs vom deutschen Konsul in Amsterdam als Spionin fuer eine fuenfstellige Summe anwerben. Doch kriegsentscheidende Informationen habe sie den Deutschen nicht zugespielt, so der Geheimdienst, der zu der Schlussfolgerung kam: Die Aufgabe sei fuer die verschwenderische Frau nur eine bequeme Einkommensquelle gewesen.

Weitere Informationen aus den Akten des britischen Geheimdienstes kamen im Fruehling 2014 zutage. Mata Hari hatte demnach nie ein vollstaendiges Gestaendnis abgelegt und waehrend ihrer Verhoere vor allem ueber Klatsch und Tratsch in Paris berichtet. Wesley Wark, Spezialist fuer Sicherheit und Terrorismus an der Universitaet Ottawa, geht noch weiter. Politik sei nicht ihre Sache gewesen, sagt er.

Die franzoesischen Gerichtsakten sind noch unzugaenglich. Erst in den naechsten Monaten sollen sie geoeffnet werden. Doch selbst in Frankreich, wo ihr im Schnellverfahren und ohne Geschworene der Prozess gemacht wurde, erscheinen immer mehr Buecher und Filme, die sie eher als Suendenbock fuer das Heer toter franzoesischer Soldaten im Ersten Weltkrieg darstellen. Eine Theorie, die schon der im Dezember 2003 verstorbene Mata-Hari-Kenner Léon Schirmann oeffentlich gemacht hatte. Das Verfahren sei von den franzoesischen Behoerden 1917 manipuliert wurden, erklaerte der Franzose.

Man habe der Angeklagten Aussagen in den Mund gelegt oder sie in das Gegenteil verkehrt, meinte Schirmann. In seinen Buechern versuchte der Franzose nachzuweisen, dass der Prozess rein propagandistischen Zwecken diente. Auf der Grundlage seiner Recherchen stellte im Oktober 2001 der Pariser Staranwalt Thibault de Montbrial einen Revisionsantrag, der jedoch abgelehnt wurde. Auch die niederlaendische Mata-Hari-Stiftung hatte 1998 versucht, den Prozess neu aufzurollen.

Das Leben der schillernden Figur hat die Seiten von mehr als 250 Romanen und zahlreichen Drehbuechern gefuellt. Unter dem Titel "Mata Hari und Mademoiselle Docteur" kommt auch 2017 in Deutschland wieder ein Doku-Drama heraus. Es erzaehlt von der Begegnung Mata Haris mit der deutschen Geheimdienstchefin Dr. Elisabeth Schragmueller.

Margaretha Geertruida Zelle war ein Luxusgeschoepf. Die verwoehnte Tochter eines prahlerischen Hutmachers haette Kindergaertnerin werden sollen. Doch stattdessen antwortete sie auf die Heiratsanzeige eines um Jahre aelteren Kolonialoffiziers. So wurde sie Lady MacLeod, lebte einige Jahre auf Java und Sumatra, wo sie die Kunst des asiatischen Tanzes erlernte. Wenige Jahre spaeter ging die Ehe in die Brueche und sie nach Paris.

In der franzoesischen Hauptstadt begann sie unter dem Kuenstlernamen Mata Hari als Nackttaenzerin und Edelprostituierte eine fulminante Karriere. Als ihr Stern zu sinken begann, geriet die Diva in Finanznoete. Und in den Dunstkreis der Geheimdienste, die hofften, Vorteile aus ihren Beziehungen zu ziehen, zunaechst fuer die Deutschen, dann fuer die Franzosen.

Den Briten war sie unter anderem aufgefallen, weil sie Mitte 1915 unter dem Namen Gertrud Benedix nach England eingereist war. Bei der Landung in Southampton wurde sie abgefangen und dem Leiter des britischen Spionageabwehrdienstes vorgefuehrt. Im Verhoer erzaehlte sie, dass sie die Geliebte eines deutschen Militaerattachés namens Benedix sei. Sir Basil Thomson, der mit Spionen viel Erfahrung gehabt haben soll, glaubte ihr. Ob sie die Wahrheit gesagt hat, konnte nicht festgestellt werden.

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