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Neue Seilbahn zur Zugspitze in Betrieb - "Der liebe Gott ist dabei"

Von Paul Winterer

Sonnenschein pur und ein atemberaubender Panoramablick. Bei Kaiserwetter hat die neue Seilbahn zur Zugspitze den Betrieb aufgenommen. Sie bringt bis zu 580 Gaeste stuendlich auf Deutschlands hoechsten Berg. Die Pendelbahn wartet mit drei Weltrekorden auf.

Garmisch-Partenkirchen (DPA) - ?Fast majestaetisch schwebt die bodentief verglaste Kabine in die Hoehe. Als sie die 127 Meter hohe Stuetze passiert, gibt es einen leichten Ruck - es kribbelt in der Magengrube. Kurz vor dem Einlaufen in die Bergstation verraet ein leises Knistern des Eises auf den Seilen, dass es draussen bitterkalt ist. Bei minus sieben Grad, Sonnenschein und einem atemberaubenden Panoramablick ist am Donnerstag die neue Seilbahn der Superlative auf die 2962 Meter hohe Zugspitze offiziell in Betrieb gegangen - nach drei Jahren Planung und drei weiteren Jahren Bauzeit.

Die Festgaeste, darunter bayerische Polit-Prominenz wie die stellvertretende Ministerpraesidentin Ilse Aigner, Innenminister Joachim Herrmann und Umweltministerin Ulrike Scharf (alle CSU), klatschen Beifall, als die Kabine am Gipfel von Deutschlands hoechstem Berg stoppt. Skilegende Rosi Mittermaier haelt den Moment mit der Handykamera fest. "Es ist ein Jahrhundertbauwerk, und der liebe Gott ist dabei", sagt sie mit Blick auf das Traumwetter zur Eroeffnung.

Die Gondel der neuen Seilbahn zur Zugspitze faehrt am 21.12.2017 in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) auf die Zugspitze, im Hintergrund der Ort Garmisch-Partenkirchen (l). Die neue Seilbahn wartet mit drei Weltrekorden auf. Mit 3213 Metern Abstand von der einzigen Stuetze bis zur Bergstation ist die zu ueberwindende Entfernung so gross wie bei keiner anderen Seilbahn. Einzigartig ist auch der Hoehenunterschied von 1945 Metern zwischen Tal- und Bergstation. Und keine andere Pendelbahn der Welt hat mit 127 Metern eine derart hohe Stahlbaustuetze. Foto: dpa

Ihr Ehemann Christian Neureuther raet den Machern des unvollendeten Berliner Pannen-Flughafens BER, sich mit den Seilbahn-Planern am Gipfel umzuschauen: "Dort waren mehr technische Herausforderungen als am Flughafen zu meistern." Zu Bedenken einer Uebererschliessung der Zugspitze meint Neureuther, der dem Aufsichtsrat der Zugspitzbahn-AG angehoert: "Der Berg ist bereits erschlossen, er muss perfektioniert werden. Andere Berge soll man dafuer in Ruhe lassen."

Muenchens Erzbischof Reinhard Marx schaut auf das erst vor einer Woche nach der Restaurierung wieder aufgestellte goldglaenzende Gipfelkreuz und sagt zu den Superlativen, mit denen die neue Seilbahn aufwartet: "Man kann auch Schoepfung und Technik zusammenbringen." Es sei ein "erhebendes und zutiefst demuetig machendes Gefuehl", auf dem Gipfel der Zugspitze zu stehen. In der Talstation in Grainau hatte der Kardinal zusammen mit der evangelischen Regionalbischoefin Susanne Breit-Kessler der Seilbahn den kirchlichen Segen erteilt.

Bei der Eroeffnungsfeier ist neben der Begeisterung ueber die termingerechte Fertigstellung der gut 50 Millionen Euro teuren Bergbahn auch vom Klimawandel und den Folgen fuer die Natur die Rede. Das Eis im Fels, der Permafrost, ist von der Erderwaermung betroffen. Doch Chefgeologe Heiner Bertle verspricht, dass die Seilbahn die naechsten 100 Jahre "standsicher sein wird".

Daniel Hermann steuert in der Kabine die Jungfernfahrt. "Es ist schon etwas Besonderes", sagt der 42-Jaehrige, auch wenn er schon zahlreiche der rund 50 Testfahrten zuvor mitgemacht hat.

Die Seilbahn wartet mit drei Weltrekorden auf: Mit 3213 Metern Abstand von der einzigen Stuetze bis zur Bergstation ist die zu ueberwindende Entfernung so gross wie bei keiner anderen Seilbahn. Einzigartig ist auch der Hoehenunterschied von 1945 Metern zwischen Tal- und Bergstation. Und mit 127 Metern hat keine andere Pendelbahn der Welt eine hoehere Stahlbaustuetze.

Die neue Seilbahn loest auf fast derselben Trasse die 1963 eroeffnete Eibsee-Seilbahn mit zwei Stuetzen ab. Waehrend die im Fruehjahr stillgelegte alte Bahn maximal 240 Gaeste pro Stunde befoerdern konnte, bringt die neue bis zu 580 Richtung Gipfel. Die Berg- und Talfahrt kostet 45 Euro. An die 550 000 Menschen besuchen schon jetzt jedes Jahr die Zugspitze. Kuenftig sollen es bis zu 600 000 sein.

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