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Bratwurstkrone und Nudeldiadem - Deutschlands kuriose Regenten

Weinkoeniginnen kennt jeder - aber es gibt auch Herrscher ueber weit ausgefallenere Gebiete. Ob Nudeln, Bratwurst, Kaesekuchen oder Rettich - eine uebersicht ueber die schraegsten Regenten des Landes.

Steuden (DPA) - An die Pasta auf dem Kopf gewoehnt es sich schnell. Schliesslich sind sie Teil des Diadems der deutschen Nudelkoenigin. Zeiten der Monarchie sind hierzulande vorbei, was manche Anhaenge royaler Familien in Europa bedauern. Dafuer lassen sich hier Dutzende Menschen als Botschafter allerlei Spezialitaeten kroenen. Sie tragen dann freiwillig goldene Bratwuerste und Mini-Nussknacker auf dem Kopf - oder eben Nudeln. Eine Auswahl ungewoehnlicher Regenten:

DEUTSCHE NUDELKoeNIGIN: Die amtierende Hoheit im Namen der Pasta ist seit Mai Patricia I. Die 29-Jaehrige wurde im sachsen-anhaltischen Steuden gekroent und ist jetzt zwei Jahre lang auch optisch als Nudelkoenigin unterwegs. Die Krone der Hallenserin ist mit Nudeln verziert. «Anfangs war es wirklich seltsam, ich in diesem pompoesen Kleid und immer etwas auf dem Kopf», gibt sie zu. Inzwischen habe sie sich daran gewoehnt und geniesse es, zwei bis dreimal im Monat als kulinarische Monarchin zu Festen und Veranstaltungen eingeladen zu werden. Dort verteile sie Nudeln - und Autogrammkarten, die durchaus begehrt seien, sagt Patricia I. Die Wahl meisterte sie gegen zwei Konkurrentinnen mit ihrem Pasta-Wissen. Kein Wunder: Patricia Schenk ist normalerweise Einzelhandelskauffrau in einem Supermarkt und verantwortet dort die Nudelabteilung.

Der Thueringer Bratwurstkoenig Gerhard Herbst (l) und die Wurstkoenigin Anne Sonntag beissen in Erfurt (Thueringen) in eine Bratwurst. Er wird nicht gekroent, er muss sich den goldenen Kopfschmuck, ueber dem eine Wurst schwebt, erarbeiten: Thueringens Bratwurstkoenig.Foto: dpa

EBERSWALDER SPRITZKUCHENKoeNIGIN: Jenny I. vertritt ein Gebaeck, das dem brandenburgischen Eberswalde zu einiger Beruehmtheit verholfen hat. Sie selbst laeuft mit glitzerndem Diadem, sonnengelben Puenktchenkleid im Rockabilly-Stil und schwingendem Petticoat sowie der unausweichlichen Schaerpe auf. AUch sie kenn ihr Produkt vom Hauptberuf: Jenny Bechly-Guenzel ist gelernte Konditorin. Spritzkuchen sind ein Brandteig, in Kringel gespritzt und schwimmend in Fest ausgebacken. «Es ist toll, welche Leckerei aus wenigen Rohstoffen entstehen kann», sagt sie. Auf die Idee, eine Spritzkuchenkoenigin zu kroenen, kam Baeckermeister Bjoern Wiese. «Ein Stueck Geschichte sollte wieder in Erinnerung gerufen werden», sagt er. Der Baecker und Konditor Gustav Louis Zietemann (1807-1880) verkaufte seine Spritzkuchen auf dem Bahnhof Eberswalde.

NUssKNACKERKoeNIGIN: Wohl in keinem anderen deutschen Landstrich als dem Erzgebirge kann eine Nussknackerkoenigin gewaehlt werden - dort, wo die Figuren aus Holz seit der ersten Haelfte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat haben. Derzeitige Amtsinhaberin ist die 26-jaehrige Christin Kopitzke. Die Nussknackerkoenigin wird im erzgebirgischen Neuhausen seit 2005 gekuert. Die Majestaet soll die Stadt, die Region, das Handwerk und das Nussknackermuseum selbst bekannter machen. Letzteres schaffte schon vier Eintraege ins Guinness-Buch der Rekorde - etwa als groesste Nussknackersammlung der Welt: Mehr als 5500 Exemplare von 49 Millimeter bis mehr als zehn Meter Hoehe gibt es zu sehen. Zwei der beruehmten Holzfiguren traegt auch die Monarchin auf dem Kopf - im Miniformat an ihrer Krone.

BRATWURSTKoeNIG: Er wird nicht gekroent, er muss sich den goldenen Kopfschmuck, uber dem eine Wurst schwebt, erarbeiten: Thueringens Bratwurstkoenig. Der Repraesentant der Thueringer Nationalspeise wird in einem Wettbewerb gekuert. Die Majestaet muss einen Rost anwerfen und dabei auch noch Spaesse machen koennen. Ganz wichtig: Wuerste werden gebraten. Wer Wuerste grillen will, ist gleich durchgefallen. Es heisst schliesslich Bratwurst, sagt Uwe Keith vom Verein der Freunde der Thueringer Bratwurst. Derzeit traegt Gerhard I., ein pensionierter Metzgermeister, Krone und Zepter, das an eine hoelzerne Wurtzange erinnert. Wenn Gerhard Herbst, so heisst der Regent, nicht in Wurstangelegenheiten bei Festen und Messen unterwegs ist, haelt er schon mal Audienz im Bratwurstmuseum in Holzhausen bei Arnstadt. Thueringens Wurstkult zieht sich durch ganz Europa: Seit der Anerkennung als regionale Spezialitaet durch die EU stieg der Absatz stark. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 40 000 Tonnen.

RETTICHKoeNIG: Er ist der erste Mann auf diesem Thron. Im pfaelzischen Schifferstadt schwingt Rettichkoenig Lukas I. das Zepter. Der 22-jaehrige Lukas Kopping traegt den Rettich-Titel, der mit Unterbrechungen seit 1936 vergeben wird - bislang aber nur an Frauen. Kopping ist nun fuer zwei Jahre «Botschafter des Rettichanbaus» und der «Rettichmetropole», wie sich Schifferstadt nennt. Und was macht der Koenig so? Zum Beispiel repraesentieren. Er habe beim jaehrlichen Rettichfest bereits viele Eindruecke gesammelt, sagt Lukas I., der bei Auftritten einen Janker, eine Weste und eine Jeans traegt. «Es ist auf jeden Fall spannend.»

KaeSEKUCHEN-KoeNIGIN: Die leidenschaftliche Hobbybaeckerin Heidi Mick ist als Kaesekuchen-Koenigin die erste ihrer Zunft. Die junge Frau aus Bous bei Saarbruecken wurde im Oktober vom Landkreis Saarlouis zum 200-jaehrigen Bestehen des Kreises gekuert, nachdem sie zuvor am Ofen ueberzeugte. Sie habe schon immer gerne gebacken, sagt sie. Was das Geheimnis ihres koeniglichen Kuchens ist? «Viel Schmand, viel Quark und viel Sahne.» In der Region ist Kaesekuchen super beliebt: An saarlaendischen Festtafeln soll mindestens ein leckeres Exemplar zu finden sein.

DEUTSCHE HUTKoeNIGIN: Diese Monarchin traegt keine Krone, sondern einen Hut. In Lindenberg im Allgaeu dreht sich alles um diese Form der Kopfbedeckung - die Stadt hat eine lange Tradition der Hutmacher. Auch das deutsche Hutmuseum ist hier beheimatet. Vor sieben Jahren wurde deshalb die erste Deutsche Hutkoenigin gewaehlt. Seit 2016 ist Janine Halder die amtierende Repraesentantin der Hutmacher-Stadt. Ihre verschiedenen Kopfbedeckungen sind dabei mal sportlich oder klassisch schick, mal ueppig garniert oder ganz schlicht.

WALDKoeNIGIN: «Das Schoenste ist die Resonanz der Leute», sagt Maria Dolge zu ihrem Amt als Sachsen-Anhalts Waldkoenigin. Besonders Kinder seien bei ihren Auftritten auf Festen und Veranstaltungen ganz aus dem Haeuschen. Auch Erwachsene erzaehlten ihr oft, was sie mit dem Wald verbinden. «Jeder hat eine Beziehung zum Wald.» Seit September 2016 soll Dolge die Aktivitaeten der Forstwirtschaft bekannter machen - als erste Waldkoenigin des Landes. Rund 50 Veranstaltungen hat sie seither absolviert, war auch auf der Gruenen Woche. Ihren Titel bekam Dolge ganz unkompliziert: «Ich arbeite in der Forstverwaltung, wurde gefragt und habe ja gesagt.»

SPARGELHERZOGIN: Auch koenigliches Gemuese braucht Regenten. Elin I. herrscht im Kreis Herzogtum Lauenburg im Sueden Schleswig-Holsteins. Seit 2016 bekleidet Elin Lippert (20), wie sie mit buergerlichem Namen heisst, dieses Amt. Ein mit ihren Eltern bekannter Spargelbauer habe sie auf die Idee gebracht, sich zu bewerben, sagt Elin I. «Schon mein Grossvater hat im Garten Spargel angebaut.» In der kurzen Spargelsaison von Ende April bis zum 24. Juni bereist sie Spargelfeste und Wochenmaerkte in der Region.

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