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Nazi-Vergangenheit des Begriffs "Deutsche Weinkoenigin" Historiker kratzt an Krone

Der Historiker Christof Krieger fordert die Weinbranche zu einer Erforschung ihrer Vergangenheit waehrend der NS-Zeit auf. Auch ueber dem Begriff "Deutsche Weinkoenigin" liege ein brauner Schatten.

Mainz (DPA) - Die zentrale Werbebotschafterin spielt eine wichtige Rolle in Kriegers Forschungsarbeit. Der Historiker hat 2015 an der Uni Trier eine 500-seitige Dissertation zur Nazi-Propaganda in der Weinbranche verfasst und untersucht die Hintergruende, die 1935 zur Umetikettierung der "Pfaelzischen" in die "Deutsche Weinstrasse" fuehrten.

Krieger vertritt die These, die Bezeichnung der "Deutschen Weinkoenigin" gehe auf NS-Funktionaer Josef Buerckel zurueck, der so das Weinbaugebiet Pfalz habe foerdern wollen. Die "Deutsche Weinkoenigin" statt der pfaelzischen sei eine Wortschoepfung des NSDAP-Parteiblatts im Gau Saarpfalz gewesen.

Historiker kratzt am strahlendem Image der "Deutschen Weinkoenigin" Foto: dpa

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Herausgeber war der damalige Gauleiter der Saarpfalz Buerckel. Der NS-Funktionaer hat aber nicht nur die Pfalz zum deutschen Weinbaugebiet schlechthin stilisiert. Er steht auch fuer NS-Terror im Suedwesten und liess Tausende Juden verfolgen. Vor diesem Hintergrund fordert Krieger, die Weinbranche muesse sich intensiver als bisher mit der NS-Zeit beschaeftigen.

"Mein Eindruck ist aber, dass man die Konfrontation mit der braunen Vergangenheit scheut", kritisiert der Historiker, der das Mittelmosel-Museum in Traben-Trabach leitet. Aus seiner Sicht waere es ein Anfang, das Deutsche Weininstitut (DWI) in Bodenheim wuerde sich dem Thema widmen. Er habe dem Institut seine Expertise angeboten. Vor 80 Jahren, im Mai 1937, wurde die "Deutsche Weinwerbung GmbH" unter der Aegide der Nazis gegruendet. Das war die Vorgaengerorganisation des DWI.

DWI-Geschaeftsfuehrerin Monika Reule weist darauf hin, dass die NS-Zeit in frueheren Schriften des Instituts behandelt worden sei. Das DWI sei fuer Werbung, nicht fuer Geschichtsforschung zustaendig. Auch Rudolf Nickening, der Generalsekretaer des Deutschen Weinbauverbands sagt, man habe sich durchaus mit der NS-Zeit auseinandergesetzt.

Fuer neue Erkenntnisse sei die Branche aufgeschlossen, sagt Nickening. Aber nach seiner Kenntnis und auch nach einem Gespraech mit Krieger gebe es diese offenbar nicht. Wie DWI-Geschaeftsfuehrerin Reule empfiehlt auch er, der Historiker solle sich an die Gesellschaft fuer Geschichte des Weines wenden.

Das hat Krieger getan, ist nun sogar Mitglied. Er wirft dem DWI aber vor, in seinen Publikationen wichtige Fakten zu vernachlaessigen. So solle offenbar verhindert werden, "dass ein dunkler Schatten auf die aktuellen Marketing-Aktivitaeten faellt und dabei vor allem die 'Deutsche Weinkoenigin' in Misskredit gebracht werden koennte".

Die Gesellschaft fuer Geschichte des Weines mit Sitz in Wiesbaden hebt hervor, dass Untersuchungen zur NS-Vergangenenheit der Branche wissenschaftlichen Kriterien standhalten muessten. "Ein solches Thema laesst sich ja auch skandalisieren", gibt ihr Praesident Hans Reinhard Seeliger zu bedenken.

Als Foerderer der Gesellschaft fuer Geschichte des Weines koennte das DWI einen Forschungsauftrag vergeben. Vom DWI liege dazu nichts vor, sagt Seeliger. Vor einem neuen Forschungsprojekt aber muesse erst die Finanzierung geklaert werden.

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