Nordamerikanische Wochen-Post

164TH YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Home

Services

German Churches

German Clubs

German Radio

Contact Us

Archives

Aus aller Welt

ausallerwelt

Doener und Currywurst in SA: "Beliebtestes Hand-Essen Deutschlands"

Von Johannes Schmitt-Tegge

Aus deutschen Innenstaedten ist der Doener Kebab nicht wegzudenken, Currywurst gilt nicht nur in Berlin als kulinarischer Klassiker. Aber wie bekannt sind Snacks vom deutschen Imbiss unter Amerikanern, die bei "German food" meist an Braten, Brezn und Bierzelt denken?

New York (DPA) - Logan Laughlin koennte man sich auch in einem Imbiss am Berliner Hermannplatz vorstellen. Ihre Lederjacke ist ein bisschen zerknautscht, ihr Handgelenk ziert ein Tattoo von David Bowie. Gerade hat sie sich in einer Markthalle in Brooklyn einen Doener bestellt - fuer 12,75 Dollar, also mehr als zehn Euro. Wer den tuerkisch inspirierten Strassen-Snack in New York probieren will, muss dafuer auch New Yorker Preise zahlen. Laughlins Fazit: "Ich wuerde es wieder bestellen. Die Sosse war sehr gut."

Wenn Amerikaner ueber deutsche Kueche sprechen, denken sie oft an Deftiges: an Braten und Wuerste, an Brezn und Sauerkraut, an Kartoffelsalat oder auch mal das (oesterreichische) Schnitzel. Vom Doener Kebab, Lieblingsessen fuer Millionen Deutsche, haben viele noch nie gehoert. Architekt German Carmona etwa, der in Brooklyn gerade den ersten Doener seines Lebens verspeist hat. Carmona musste erstmal im Internet nachlesen, woher die Fladenbrottasche mit Fleisch und Salat eigentlich kommt. Gern wird der Doener auch fuer ein Gyros-Sandwich gehalten oder gleich im Doener-untypischen Pitabrot verkauft.

Der aus Berlin-Kreuzberg stammende Erkan Emre, Inhaber des Imbiss "Kotti Berliner Doener Kebap" bereitet einen Doener Kebap zu. Foto: dpa

Der in Berlin-Kreuzberg geborene Erkan Emre will die kulinarische Bildungsluecke schliessen. "Kotti Berliner Doener Kebab" heisst sein Stand - schon der Name soll verraten, woher das Ding stammt. Das "vertikal gebratene Haehnchen", wie das Fleisch vom Spiess beworben wird, gibt es bei ihm auch im Hamburger oder im "Doener Cone", einer zum Kegel geformten Teigtasche. Auf einem Wandgemaelde rollt eine Berliner U-Bahn ueber die Brooklyn Bridge, dahinter ragen Berliner Fernsehturm und Brooklyns Wolkenkratzer in den Himmel. Berlin und New York sind hier Geschwister - dem Doener sei dank.

Mehr als 100 mehr oder weniger typische Doener-Laeden findet Google in den USA, von tuerkischen Restaurants bis zu Fast-Food-Staenden. "Spitz" in Utah verkauft Doener etwa in den Versionen "Berlin", "mediterran" und "Strassenstand", beim "Berlin Street Grill" in Kalifornien werden die Taschen im Blau-Weiss der bayerischen Landesfahne serviert. Das "Doener Bistro", das im Raum Washington mehrere Filialen hat, nennt den Snack das beliebteste "Hand-Essen" Deutschlands (Gummibaerchen von Haribo und Milka-Schokolade gibt es als Nachtisch).

"Street Food Nummer Eins in Deutschland" wirbt auch der Stand "Berlin Currywurst" im Chelsea Market in New York, Ableger eines Restaurants aus Los Angeles. Dessen Website erzaehlt vom "magischen Geist" der Currywurst-Staende, die in Berliner Naechten zum "Treffpunkt in der Nachbarschaft" werden. An den Waenden haengen Fotos von der Berliner Mauer und - natuerlich - von einem innerdeutschen Grenzuebergang mit dem Strassenschild: "You are leaving the American sector".

An Berliner oder Hamburger Originale reicht die Currywurst hier auf jeden Fall heran. "Das war schon nah dran", sagt Rita Henrichs, die aus Bielefeld zu Besuch ist. Deutsches Street Food sei aehnlich deftig wie das in den USA, sagt Henrichs. "Das koennen die schon mit ihrem Gaumen vereinbaren." Ihre Tochter Anna, die gerade ein Jahr Arbeit in Kalifornien hinter sich hat, "konnte es nicht mehr abwarten", bevor sie zurueck nach Deutschland reist.

Die Amerikaner personalisieren gern, ob das Sandwich im Deli-Markt oder den Vanille-Soja-Latte im Café. Im Chelsea Market gilt deshalb: Wer eine Wurst (Brat, Bock, Paprika, Nuernberger, Rind, Kaese, Haehnchen, Tofu) bestellt, kann neben Curryketchup auch Orange-Ingwer- oder Knoblauchsosse waehlen und um Schaerfe auf einer Skala von Null bis Vier bitten. Auch Erkan Emre erklaert: "Wir haben sechs verschiedene Arten, den Doener zusammenzustellen." Den "Doener Cone" erfand seine sechsjaehrige Tochter in einer Anspielung auf Eiscreme-Waffeln.

Nach Catering-Auftraegen fuer die deutsche Regierung und die Bayerische Landesbank in den USA ist Emre im Business angekommen - das schien kaum denkbar, als er vor rund 20 Jahren nach New York zog. Eigentlich wollte er dort Architektur studieren, doch der Mann hatte Hunger und kaufte sich fuer 400 Dollar einen kleinen Spiess, um fuer Verwandte und Freunde ein Doener-Barbecue zu veranstalten. Es folgten Probelauf mit einer Fokusgruppe, Businessplan, eintaegige Reise nach Berlin zum Doener-Test. "Kein Risiko, kein Gewinn", sagt Emre, der seinen alten Job kuendigte, um sich ganz dem Doener-Geschaeft zu widmen.

Erklaeren, was genau jetzt ein Doener ist und wo der herkommt, muss der Sohn tuerkischer Migranten noch immer. "Das ist ein bisschen Teil der Kulturaufarbeitung", sagt Emre, man muesse die Bevoelkerung in den USA auch "an der Hand halten". Dabei helfen inzwischen 20 Mitarbeiter, ab April ist der "Kotti Doener" wieder beim jaehrlichen Essens-Festival Smorgasburg in Brooklyn zu Gast. Der eine oder andere Amerikaner wird dort den ersten Doener seines Lebens essen. "Die denken, dass Kartoffeln bei uns alles sind", sagt Emre.

Aus aller Welt

Sport

Feuilleton

Gesundheit

Reise

Tipps and Trends

Aus Alle Staaten

Aus Alle Staaten

© 1996-2018 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.