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Das Superkunstjahr - Kunst für die Massen oder Massenkunst?

Von Dorothea Hülsmeier

Documenta, Biennale Venedig, Skulptur-Projekte Münster, Art Basel - Mega-Kunstevents reihen sich aneinander. Hunderte Künstler präsentieren ihre Werke vor Hunderttausenden Besuchern. Kunst oder Kommerz? Kann die Qualität noch mithalten?

Duesseldorf (dpa) - Alle zehn Jahre gibt es ein "Superkunstjahr" - dann fallen die documenta, die Biennale in Venedig und die renommierten Skulptur-Projekte in Münster zusammen. Dieses Jahr müssen Kunstbeflissene ihre Reisen noch besser planen, weil die documenta als weltweit wichtigste Grossausstellung zeitgenössischer Kunst an zwei Orten, Athen und Kassel, gleichberechtigt spielt.

Massen an Kunst von Hunderten Künstlern werden für die Mega-Events in Athen, Kassel und Venedig produziert und transportiert. Münster ist da mit nur 35 Positionen etwas bescheidener, aber selbstbewusst genug, die Eröffnung gleichzeitig zur Kasseler documenta-Eröffnung am 10. Juni anzusetzen. Fünf Tage später zieht die Karawane der Kunst dann schon weiter in die Schweiz zur alljährlichen Art Basel, der Weltmesse für Kunst.

Blick auf das Fridericianum mit documenta-Banner zwischen den Säulen in Kassel (Hessen). Die documenta wird am 10. Juni in Kassel eröffnet. Foto: dpa

Die documenta in Athen läuft bereits seit Anfang April, nächster Stopp ist seit 13. Mai die Biennale Venedig. Etwa eine halbe Million Besucher werden bis Ende November durch die Länderpavillons strömen und Werke von rund 120 Künstlern begutachten. Rund eine Million Besucher werden zur Doppel-documenta in Athen und Kassel erwartet. Und mehr als 500 000 Menschen sollen nach Schätzungen die über das Stadtgebiet von Münster verteilten Kunstprojekte abklappern - dafür werden extra Fahrräder zur Verfügung gestellt. Ob man sich am Ende noch an Namen einzelner Künstler erinnern wird?

"Für Amerikaner ist es sicher ganz toll, wenn sie nach Europa fliegen und von einer Grossausstellung zur anderen reisen können", sagt Gerhard Finckh, Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums. Das Interessante an den Grossausstellungen sei, dass sie von verschiedenen Kuratoren gemacht würden, mit unterschiedlichen Blicken auf die Welt. "Wenn man Glück hat, sind es drei unterschiedliche Ansätze", sagt Finckh. Es können "ganz tolle Neuentdeckungen» dabei sein, aber auch "viel Altbekanntes" werde auftauchen.

Es gibt auch eine andere Seite. "Man darf da nicht blauäugig sein, das ist ganz klar auch Kommerz", sagt Finckh. Grossausstellungen seien auch "riesige wirtschaftliche Unternehmen», die ein Massenpublikum anziehen sollen. Galerien versuchten, in sogenannten Huckepack-Geschäften zusätzlich zu den angefragten Künstlern auch andere aus ihrem Portfolio unterzubringen. "Die Galeristen sind massiv daran interessiert, denn im Nachhinein werden die Geschäfte abgeschlossen."

Aus der Kunstszene ist zu hören, dass viele Künstler bei ihrer Produktion schon auf die grossen Events schielten. Die grossen Galerien, die den Markt beherrschen, hätten vor allem auch bei der Biennale in Venedig ihre Finger im Spiel.

"Es gibt sicherlich eigens für diese Ausstellungen konzipierte Kunst, aber nicht jedes dort gezeigte Werk wird eigens für diese Grossausstellungen produziert", sagt der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab. Dass es bei den Mega-Schauen vor allem um Vermarktung gehe, sieht Pfab nicht so. Die Ausstellungen seien "mit üppigen Etats ausgestattet" und könnten so auch Künstlern, die ausserhalb des Marktes arbeiten, die Möglichkeit bieten, sich einem breiten Publikum, Museen und Kritikern zu präsentieren.

Auch der Kunsthistoriker und Professor Wolfgang Ullrich ("Siegerkunst") sagt: "Vieles, was auf Biennalen oder auch auf der documenta gezeigt wird, ist ausdrücklich nicht für den Markt produziert." Im Gegenteil, gerade Künstler, die sich in Distanz zum Markt hielten, seien dort vertreten. "Typisch für diese Art von Kunst ist nicht, dass sie direkt nach dem Event teuer verkauft oder versteigert wird, sondern dass sie auf dem Müll landet und eher ein Umweltproblem darstellt."

Da ist die Frage nach der Qualität der temporären Massenkunst, die von Kassel bis Venedig präsentiert wird, nicht weit. "Man sieht ihnen oft an, dass sie ein wenig mehr Dauer auch gar nicht aushalten würden – weder materiell noch intellektuell", sagt Ullrich. Über eine "einfache oder krude Symbolik» gelange vieles nicht hinaus. "Marktferne bedeutet also keineswegs automatisch künstlerische Qualität."

Selbst in der Künstlerschaft regt sich Widerstand gegen die Mega-Kunstausstellungen. In einem Pamphlet erklären über 70 Künstler, warum sie nicht zur documenta 14 wollen. "Wir haben eindeutig etwas gegen Dinosaurier! Und die Documenta ist so ein Saurier», heisst es in einem Interview auf ihrer Website. "Wir sind gegen alles was zu gross ist."

Und weiter heisst es: "(...) der Himmel ist so voll von diesen Biestern, überall diese Biennalen, Triennalen, Quadriennalen, Festivals, Kulturveranstaltungen, Wettbewerbsausstellungen, Kunstvereine, Privatmuseen usw., die Sonne kommt kaum noch durch."

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