Nordamerikanische Wochen-Post

164TH YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

1 US $ = 0,8294 Euro

1 Euro = 1,2057 US $

Home

Services

German Churches

German Clubs

German Radio

Contact Us

Archives

Gesundheit

gesundheit

Roboter als Entertainer im Altenheim - Die Pflege von morgen?

Von Christina Sticht

Altenpflege: Koennen Roboter oder andere technische Loesungen Fachkraefte entlasten oder gar ersetzen?

Hannover (dpa) - Er ist 1,20 Meter gross, hat kugelrunde Augen und bewegt sich auf Rollen freundlich auf die Menschen zu. Roboter "Pepper" koennte bald in deutschen Pflegeheimen zum Einsatz kommen und Bewohner mit Musik und Pantomime unterhalten oder zu Bewegungsuebungen anleiten. Das von Informatikern der Universitaet Siegen programmierte Geraet soll auch eine gesellschaftliche Diskussion ueber den Einsatz von Robotern in der Pflege anregen.

Kuerzlich machte "Pepper" auf seiner Deutschland-Tour Station bei der dreitaegigen Messe Altenpflege in Hannover, die das Thema Digitalisierung als Schwerpunkt hatte.

Roboter Pepper steht bei der Messe Altenpflege 2018. Foto: dpa

In Japan ist der menschenaehnliche Roboter bereits auf dem Markt und unterhaelt Senioren zum Beispiel mit Tai-Chi oder Ratespielen. Dort seien die Veraenderungen schon viel weiter vorangeschritten, sagt Rainer Wieching, der das gemeinsame Projekt der Universitaet Siegen, der Computerfirma C&S und der Fachhochschule Kiel koordiniert. Auch weil in Japan die Bevoelkerung extrem ueberaltert ist, sollen dort verstaerkt Maschinen Betreuungsaufgaben uebernehmen. Schon laenger im Einsatz ist etwa eine Roboterrobbe mit kuscheligem Fell, eine Art Haustierersatz fuer Altenheim-Bewohner.

In Deutschland sind der juengsten Statistik von 2015 zufolge knapp 2,9 Millionen Menschen auf ambulante und stationaere Pflege angewiesen, die Zahl koennte sich bis zum Jahr 2030 auf etwa 3,6 Millionen erhoehen. Schon jetzt herrscht Fachkraeftemangel, Stellenangebote fuer examinierte Altenpfleger bleiben im Schnitt 171 Tage unbesetzt.

"Der Roboter kann den Menschen nicht ersetzen", betont Lukas Sander, Pflegeexperte beim Messeveranstalter Vincentz Network. Bei den digitalen Angeboten auf der Messe ueberwiegen Hilfen, die den Alltag erleichtern. So gibt es Systeme, die an die Medikamenten-Einnahme erinnern. Ein intelligentes Pflegepflaster erkennt ueber Sensoren die Gefahr des Wundliegens und benachrichtigt das Personal. "Absolut im Kommen ist auch das sogenannte Smart Home", sagt Sander. Damit gemeint sind Assistenzsysteme, die Senioren unterstuetzen, um moeglichst lange in den eigenen vier Waenden bleiben zu koennen.

Bereits Preise eingeheimst hat der interaktive Therapieball des Start-up-Unternehmens Ichó. Die in verschiedenen Farben leuchtende Kugel unterscheidet, ob sie geworfen, gehalten oder gestreichelt wird. Man kann sie auf die individuellen Beduerfnisse des Nutzers einstellen. Steffen Preuss, Absolvent der Hochschule Duesseldorf, hat Ichó mit zwei Kommilitonen gegruendet. Hintergrund war die Demenzerkrankung seiner Grossmutter. Mit dem Ball sollen Demenzkranke spielerisch Kontakt untereinander oder zu Angehoerigen aufnehmen. Es gebe auch schon Anfragen aus Therapieeinrichtungen fuer behinderte und psychisch kranke Menschen, sagt Preuss. Ende 2018 soll der Ball auf den Markt kommen.

Wie die Pflege von morgen technisch unterstuetzt werden kann, ist eine zentrale Frage. Unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt wird dies seit Jahresbeginn auch in vier sogenannten Pflegepraxiszentren in Hannover, Freiburg, Nuernberg und Berlin. Das Bundesforschungsministerium stellt fuer diesen Verbund "Zukunft der Pflege" bis 2022 bundesweit 20 Millionen Euro zur Verfuegung.

Roboter "Pepper" koenne und solle keine echten pflegerischen Taetigkeiten wie Waschen, Kaemmen oder Ankleiden ausfuehren, betont Projektleiter Wieching. Es sei extrem wichtig, jetzt in Gesellschaft und Politik ethische und rechtliche Fragen zu Pflegerobotern zu beantworten. Denn: "Viele Forschungsgruppen arbeiten schon an Nachfolgemodellen."

Aus aller Welt

Sport

Feuilleton

Gesundheit

Reise

Tipps and Trends

Aus Alle Staaten

Aus Alle Staaten

© 1996-2017 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.