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Fliegen mit Hund und Katze

Wer mit Hund oder Katze in den Urlaub fliegen moechte, muss viel beachten. Nicht alle Airlines bieten diesen Service an. Und den Tieren wird durch die Flugreise einiges abverlangt.

Muenchen (dpa) - Manche nehmen den Hund oder die Katze im Auto mit in den Urlaub. Auf Flugreisen sieht es aber oft anders aus. Das Problem ist dann: Wer kuemmert sich waehrend der Abwesenheit um den Vierbeiner? Doch es gibt auch die Moeglichkeit, Hund und Katze im Flugzeug mitzunehmen.

Tierische Reisedokumente

Katze in den Koffer stecken? Nein, so einfach gehen Tiere nicht auf eine Flugreise - Besitzer muessen einiges beachten. Foto: dpa

Vor dem Spass am Strand wird es fuer Tierhalter noch einmal zaeh: Sie muessen sich mit rechtlichen Vorschriften befassen. Innerhalb der EU ist seit Oktober 2004 ein EU-Heimtierausweis erforderlich. Nach Angaben des Bundesministeriums fuer Ernaehrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kann jeder niedergelassene Tierarzt, der eine entsprechende Ermaechtigung vom Veterinaeramt besitzt, das Dokument ausstellen. Darin werden Informationen ueber den Gesundheitszustand des Tieres, seine Registrierungsnummer sowie Nachweise ueber Impfungen etwa gegen Tollwut festgehalten.

Jedes Land hat andere Regeln

Wichtig ist dann, die genauen Reisebestimmungen des Ziellandes zu kennen. Das BMELV raet, bei der Botschaft oder dem Tourismusamt Auskuenfte zu den aktuellen Einreisebestimmungen einzuholen. Von Land zu Land koennen etwa Leinen- und Maulkorbpflicht, die Liste mit verbotenen Hunderassen ("Kampfhunde”) und erforderliche Behandlungen gegen Parasiten variieren. Bei Ausreise in ein Nicht-EU-Land sollten Tierbesitzer zudem die Wiedereinreisebedingungen in die EU und nach Deutschland (Tiergesundheitsnachweis, Impfschutz) kennen. Seit 2011 ist die Kennzeichnung eines Tieres mit einem Microchip innerhalb der EU Pflicht. Naehere dazu erteilt der Zoll.

Hund an Bord? Auf die Airline kommt es an

Grundsaetzlich gilt: Nicht bei jeder Airline sind Tiere erlaubt. Urlauber muessen sich also vor der Buchung informieren. Bei Easyjet und Ryanair zum Beispiel duerfen Tiere nicht an Bord. Bei Eurowings ist lediglich die Mitnahme von leichten Hunden oder Welpen sowie Katzen mit einem Gewicht von maximal acht Kilo (inklusive Transporttasche) in der Kabine moeglich. Die Tiere werden im Fussraum unter dem Vordersitz verstaut und duerfen waehrend des Fluges nicht herausgenommen werden.

Fuer den Transport von Boxen mit groesseren Katzen und Hunden im Gepaeckraum sind die Eurowings-Maschinen nicht flaechendeckend ausgestattet. "Das heisst, es sind nicht auf allen Flugzeugen entsprechende Belueftungs- und Heizsysteme im Frachtraum vorhanden”, sagt Sprecherin Laura Karsten. Daher werde der Service mit Ruecksicht auf das Wohlbefinden der Tiere nicht angeboten.

Frachtraum oder Kabine? Das Gewicht zaehlt

Beim Ferienflieger Tuifly wurden 2017 rund 10.000 Hunde und Katzen gezaehlt. "5400 Tiere wurden dabei im Frachtraum befoerdert, 4700 Tiere sind in der Kabine mitgeflogen”, sagt Sprecher Soeren Ladehof. Erlaubt ist ein maximales Gesamtgewicht von sechs Kilo, wenn Hund oder Katze in der Kabine mitfliegen . Die Zahl der Tiere pro Flug ist begrenzt, daher sollte der Vierbeiner frueh angemeldet werden.

Bei Lufthansa muss jedes Tier spaetestens 24 Stunden vor Abflug angemeldet und bestaetigt sein. Passagiere, die ihr Tier (bis acht Kilo) in der Kabine mitnehmen wollen, sollten etwa zwei Stunden vor Abflug am Check-in erscheinen. Generell sei die Mitnahme in jeder Reiseklasse moeglich. In Transporttaschen sind Hunden und Katzen sogar Aufenthalte in den Lufthansa-Lounges erlaubt. Fuer den Fall, dass der Mitflug im Frachtraum geplant ist, sollten sich die Passagiere etwa drei Stunden vor Abflug am Schalter fuer Sperrgepaeck melden.

Tierwohl im Fokus

Fuer den Transport von Tieren im Flugzeug gibt es Vorgaben des Airline-Dachverbandes IATA. Die Organisation informiert auf ihrer Webseite ueber die Moeglichkeiten des Tiertransports. Auch die deutschen Airlines geben entsprechende Hinweise. Am Flughafen Muenchen hat Lufthansa-Mitarbeiterin Kerstin Lindner, die unter anderem fuer die Heimtierabfertigung am Boden zustaendig ist, mit ihrem Team ein waches Auge auf die Transportboxen.

Die sogenannten Kennel werden am Sperrgepaeckschalter abgegeben und von dort zum Frachtraum der Maschine gebracht. Ob die Groesse der Box passt, wird bereits am Check-in ueberprueft. "Der Hund oder die Katze muessen darin stehen koennen. Sie sollten sich drehen, liegen und eine natuerliche Haltung einnehmen koennen”, sagt Lindner. Im Zweifel werde das Tier aus der Box geholt und zur ueberpruefung daneben gestellt.

Auch die Kennel selbst muessen bestimmten Anforderungen genuegen. "Die Transportboxen werden im Frachtraum fest auf Holzbohlen verzurrt. Billigimporte sind dann sofort beschaedigt”, so Lindner. Neben stabilen Verschluessen achtet sie auf ausreichende Luftschlitze. Zudem sollten ein oder zwei Wasserbehaelter am Kaefig befestigt sein, die von aussen mit Wasser gefuellt werden koennen. Fuer den Fall, dass eine Transportbox die Anforderungen nicht erfuellt, kann ein geeigneter Kennel am Check-in erworben werden.

Ist das Tier "ready to fly”?

Die Expertin legt Wert darauf, dass die Tiere einen wachen und aufgeweckten Eindruck machen: "Sie duerfen nicht verletzt, frisch operiert oder krank sein.” Nur wenn Hund oder Katze auf Ansprache reagieren und klare Augen haben, gibt sie ihr Okay: "ready to fly”. Allerdings sind nicht alle Hunderassen fuer den Flug mit der Lufthansa zugelassen. Kampfhunde muessen am Boden bleiben. Kurznasige Tiere wie Perser-Katzen und Moepse duerfen nur zu bestimmte Zeiten fliegen. "Bei hohen Temperaturen im Sommer ist das Risiko zu gross, dass sie nicht genuegend Luft bekommen und kollabieren”, sagt Lindner.

Vorbereitung kann helfen

Um die Reise so angenehm wie moeglich zu gestalten, empfiehlt die Heimtierexpertin, fuer den Flug zu trainieren. "Das Ausharren in der Transportbox und auch das "sich darin wohlfuehlen” kann mit Training erreicht werden”, sagt Ross. Beruhigungsmittel haelt sie fuer wenig sinnvoll. Diese haetten haeufig nur eine beruhigende Wirkung auf den Koerper des Tieres und nicht auf den Kopf. Das verstaerke in vielen Faellen den Stress.

Tiere sollte man grundsaetzlich nicht angeleint in der Box lassen, andernfalls droht Strangulierungsgefahr. Bereits mehrere Stunden vor dem Flug die Gabe von Futter vermeiden - Luftveraenderung, Geraeusche und Stress koennen sonst zu uebelkeit und Erbrechen fuehren. Platz und Luft in der Box nicht mit Spielzeug oder Decken einschraenken. Luftzirkulation muss gewaehrleistet sein. Keine Plastiktueten und kein Futter in die Box legen.

Schon lange vor dem Flug kann man Hunde und Katzen an die Transportbox gewoehnen. Box mit einer Decke auslegen, die das Tier kennt, und mit saugstarkem Fliess. Kurz vor der uebergabe in die Obhut der Airline noch eine Runde mit dem Hund gehen. Zwei von aussen befuellbare Wassernaepfe an der Box befestigen. Einen davon mit Wasser fuellen, den anderen mit Eiswuerfeln bestuecken oder komplett gefroren anbringen. Rollen an der Box abmontieren, damit diese im Frachtraum fest steht. Aufkleber mit Adresse und Handynummer des Halters sowie Namen des Tieres auf der Box befestigen.

Was kostet das Fliegen mit Hund oder Katze?

Bei Tuifly 40 Euro in der Kabine, 60 Euro im Gepaeckraum. Dies gilt fuer internationale Fluege. Bei kurzfristiger Anmeldung beim Check-in: zusaetzliche Bearbeitungsgebuehr von 25 Euro. Bei Eurowings 55 Euro in der Kabine. Bei Lufthansa zwischen 50 Euro (innerdeutsche Strecken) und 110 Euro (interkontinentale Routen) in der Kabine, im Frachtraum entsprechend 80 oder 190 Euro. Oder besser doch mit dem Auto?

Die Expertin raet, die Notwendigkeit eines Fluges genau abzuwaegen. "Hunde hoeren viel besser als Menschen, deshalb ist fuer sie allein der Laerm im Gepaecksystem immens.” Allerdings reagierten nicht alle Hunde nervoes auf den Trubel in der Gepaeckanlage. "Es gibt Tiere, die moegen das Kino hier”, sagt Lindner. Sie beobachteten alles und wuerden ruhiger, wenn sie sich umsehen koennen.

Sarah Ross, Heimtierexpertin der Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten , ergaenzt: "Fuer Tiere ist Fliegen sehr anstrengend, das sollte nicht unterschaetzt werden.” Bei einem kurzen Urlaub sollte man die Tiere zu Hause betreuen lassen oder ein Reiseziel waehlen, das per Auto erreichbar ist.

Katzen, die als besonders umgebungstreu gelten, sollten nach Ansicht von Ross sogar generell zu Hause bleiben. Fuer sie bedeute nicht nur der Flug, sondern auch eine fremde Umgebung immensen Stress, so Ross.

Wenn sich die Flugreise mit dem Tier nicht vermeiden laesst, raet Ross auf jeden Fall zu einem Direktflug. "Je kuerzer der Flug, desto besser.” Die maximal vertretbare Flugdauer haenge individuell vom Tier ab. Im Frachtraum reisende Hunde seien wegen Wartezeiten, Laerm, Druckunterschieden, Klima, Bewegungsmangel und der Trennung von der Bezugsperson hohen Belastungen ausgesetzt. Kleine, leichte Hunde, die als Bordgepaeck reisten, koennten immerhin Kontakt zum Besitzer halten.

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