Nordamerikanische Wochen-Post

163RD YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Home

Services

German Churches

German Clubs

German Radio

Contact Us

Archives

Reise

reise

Schifffahrt: In Wedel Schiffchen winken und Globalisierung erleben

Mit dem ersten Stahlschnitt hat der Bau einer neuen Generation von Aida-Kreuzfahrtschiffen begonnen. Diese werden deutlich groesser als alle bisherigen der Rostocker Reederei.

Hamburg (dpa) - Am Anleger vor dem Café mit Elbblick wartet ein Onkel mit seinen zwei Neffen gespannt auf Schiffe. Das ist die Stunde von Eckart Bolte, 68, Begruessungskapitaen. Sein Arbeitsplatz ist eine Kabine mitten im Lokal, dem "Schulauer Faehrhaus“. Es beherbergt die weltweit aelteste Schiffsbegruessungsanlage Willkomm-Hoeft. Hier in Wedel an der Unterelbe vor Hamburg werden ein- und auslaufende Schiffe mit Fanfare, Hymne und Fahne begruesst oder verabschiedet. Die haeufigste Frage der Gaeste lautet: "Wann kommt der naechste dicke Pott?“.

Immer ein Auge auf den Schiffsmeldedienst

Das "Schulauer Faehrhaus“ mit seinem Anleger Willkomm-Hoeft begruesst seit 60 Jahren Schiffe aus aller Welt. Foto: dpa

Bolte beugt sich ueber seinen Rechner, scannt die Webseitemarinetraffic.com Er vergleicht das Ergebnis mit den Faxnachrichten vom Schiffsmeldedienst. Der Kapitaen hat gute Nachrichten fuer die Neffen: "Jetzt kommt wohl zuerst das kleinere Containerschiff "Rumba“ aus dem Hamburger Hafen, und ein paar Minuten spaeter muesste von der Nordsee das grosse kommen.“ Der Blick geht aus dem Fenster elbabwaerts. "Da kann man ihn schon sehen.“

Tatsaechlich dauert es nicht mehr lange, und es kommt Schwung ins Lokal. Neffen und Onkel stehen mit gezuecktem Handy auf dem Ponton, Bolte am Mikrofon. Der Begruessungskapitaen verkuendet die Ankunft der "Hanjin Green Earth“, wahrlich ein dicker Pott: 366,5 Meter misst das Schiff, es kann 13 092 Standardcontainer aufnehmen.

Das von Bolte angekuendigte Containerschiff "Rumba“ wurde von dem Saugbagger "Bartolomeu Dias“ ueberholt, der Schlick aus dem Hamburger Hafen in die Nordsee kippt. ueber das Wasser toenen erst eine Fanfare aus Richard Wagners "Fliegendem Hollaender“ ("Steuermann haelt die Wacht“), dann ein Stueck Hamburg-Hymne mit dem Ruf "Welcome to Hamburg“, schliesslich die englische Nationalhymne, weil die "Green Earth“ der suedkoreanischen Reederei Hanjin unter englischer Flagge faehrt.

Doch mit der Begruessung per Lautsprecher ist die Zeremonie noch nicht vorbei: Eine elektrische Winde zieht die Hamburg-Flagge am hohen Mast vor dem Faehrhaus nach unten. Das wirkt ein wenig wie ein Kniefall, heisst unter Seeleuten "Dippen“ und ist ein uralter Brauch, um friedliche Absichten zu bekunden.

Ein kleiner Einblick in die Globalisierung

ueberhaupt will das Willkomm-Hoeft zur Voelkerverstaendigung beitragen. Zumindest lernen Landratten und "Pottkieker“, wie die Besucher hinter vorgehaltener Hand genannt werden, ein Stueck Globalisierung kennen - etwa wenn ein in Kroatien erbauter Saugbagger einer belgischen Reederei unter Luxemburg-Flagge mit dem Namen eines portugiesischen Seefahrers nun den Hamburger Hafen schlickfrei haelt.

Bolte traegt einen grauen Bart, ein weisses Diensthemd mit Epauletten und Schlips - ganz Kapitaen, aber er ist nie zur See gefahren. "Wir sind alle keine echten Kapitaene“, gesteht er mit Blick auf die vier Kollegen: gestandene Maenner im Rentenalter, die taeglich von 11.00 Uhr bis Sonnenuntergang Schiffe ab 1000 Bruttoregistertonnen Groesse an- und abmoderieren. Bolte ist der Dienstaelteste auf der Lokalbruecke.

Verschiedene Nationen bringen Abwechslung

"Beim Hafengeburtstag habe ich schon mal 72 Schiffe an einem Tag begruesst“, erzaehlt der Kapitaen. So etwas geht nicht ohne eine gewisse Routine und zugleich Spass an der Abwechslung. Etwa als ein Schiff unter mongolischer Flagge vorbeifuhr und die Nationalhymne noch gar nicht vorlag. Da erkundigte sich Bolte nach der Nationalitaet der Besatzung und spielte die lettische Hymne. "Die klingt nicht nur toll, die zeigt Wirkung. Ploetzlich gingen alle Tueren auf dem Schiff auf, die Jungs haben sich gefreut und gejubelt.“

Auch auf dem Kreuzfahrtschiff, das in der Daemmerung das Willkomm-Hoeft passiert, winken und wippen die Gaeste - zur eigenen Diskomusik an Bord. Zu diesem Zeitpunkt haben der Onkel und seine Neffen mit ihren Raedern laengst die Grenzen Hamburgs ueberschritten. Von Blankenese mag man den schoensten Blick ueber die Elbe haben, das schoenste Echo vom anderen Ende der Welt gibt es in Wedel. www.schulauer-faehrhaus.de/

Aus aller Welt

Sport

Feuilleton

Gesundheit

Reise

Tipps and Trends

Aus Alle Staaten

Aus Alle Staaten

© 1996-2017 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.