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Schwarz-rot-GOLD: Dressen feiert historischen Sensationssieg auf der Streif

Von Maximilian Haupt und Manuel Schwarz

Es ist das wichtigste Rennen im Weltcup - und erstmals seit fast vier Jahrzehnten darf sich wieder einmal ein Deutscher feiern lassen! Der junge Oberbayer Thomas Dressen kroent sich in Kitzbuehel zum Abfahrts-Champion und schreibt damit Ski-Geschichte.

Kitzbuehel (DPA) - Ganz oben auf dem Podest im Zielraum der Streif schloss Thomas Dressen die Augen und genoss den Moment nach seiner famosen Fahrt in die Geschichtsbuecher des alpinen Skisports. "Ich habe versucht alles aufzunehmen, damit ich mich lange daran erinnere", sagte der Sensations-Gewinner der legendaeren Abfahrt in Kitzbuehel. Mit seinen 24 Jahren zaehlt der Skirennfahrer vom SC Mittenwald seit Samstag zum exklusiven Kreis derjenigen, die auf der Streif gewonnen haben - und wie Hahnenkamm-Rekordsieger Didier Cuche aus der Schweiz gelang auch Dressen in Tirol noch dazu sein erster Weltcup-Sieg. Auf der schwersten Strecke der Welt!

"Es war immer von klein auf mein Traum, ins Ziel zu fahren und in Fuehrung zu liegen hier in Kitzbuehel", sagte Dressen. "Einfach nur geil." Bei der Olympia-Abfahrt in drei Wochen ist der juengste deutsche Abfahrer im Weltcup-Team nun viel mehr als nur ein Geheimfavorit. "Ich sehe mich trotzdem immer noch als Aussenseiter", betonte Dressen, fuer den vor dem Abflug nach Pyeongchang in Suedkorea noch das Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen am kommenden Wochenende ansteht. "Ich bin noch jung und muss viel lernen."

Ski alpin: Weltcup, Abfahrt, Herren, am 20.01.2018 in Kitzbuehel (Oesterreich). Der Deutsche Thomas Dressen kuesst waehrend der Siegerehrung auf dem Podium die Trophaee nachdem er den ersten Platz belegt hat. Foto: dpa

Als erst dritter Deutscher nach Sepp Ferstl in den Jahren 1978 und 1979 und Ludwig Leitner in der Vor-Weltcup-Aera 1965 gewann Dressen die Abfahrt in Kitzbuehel und bekommt nun im Sommer seine eigene Gondel bei der Hahnenkammbahn. Auf der Pressekonferenz gab es Applaus von Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz, der sich Dressen um 0,20 Sekunden geschlagen geben musste und von Hannes Reichelt aus Oesterreich, der Dritter wurde. "Auf so einer Strecke, in dem Alter, ist schon eine Topleistung", lobte Reichelt.

Ferstl Senior, dessen Sohn Josef am Samstag 20. wurde, war froh ueber den Sieg. "Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgeloest bin, weil das haeltst du auf Dauer nicht aus", sagte er. "Aber das ist ein armer Hund jetzt, weil er alles durchmachen muss. Jetzt geht's ja erst richtig los fuer den."

Schon Minuten nach seiner Fahrt stiefelte der sympathische Bayer unglaeubig und mit einem breiten Dauer-Grinsen von Interview zu Interview, nahm die Glueckwuensche entgegen fuer seinen Sieg im wichtigsten Weltcup-Rennen des Jahres und schuettelte immer wieder den Kopf. "Ich kann es gar nicht glauben", meinte Dressen voellig ueberwaeltig von dem Coup, auf den der Deutsche Skiverband 39 Jahre warten musste. Im Weltcup war es erst der siebte DSV-Abfahrtssieg bei den Herren, der erste seit Max Rauffers Erfolg in Groeden vor 13 Jahren.

Vor Zehntausenden Zuschauern hatte sich Dressen nach der Zieldurchfahrt feiern lassen und seine Freude wild in den blauen Tiroler Himmel gebruellt. Die Betreuer des DSV lagen sich in dem Moment in den Armen und auch der am Kreuzband verletzte Felix Neureuther kam als Gast an der Streif aus dem Staunen kaum noch heraus. "Das ist ein denkwuerdiger Tag fuer den deutschen Skisport", sagte Neureuther. "Ich habe selten so eine Gaensehaut gehabt bei einem Rennen."

Bei idealen Bedingungen war Dressen mit Nummer 19 gestartet und hatte Feuz noch abgefangen. "Ich musste zweimal hinschauen, um das zu glauben", sagte Dressen. "Ich hab es gar nicht glauben koennen. Ich habe gemeint, die wollen mich verarschen."

Als Dressen dran war, drang die Sonne erstmals so richtig durch die Wolken. "Wer weiss, vielleicht hat von oben jemand zugeschaut und die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir", sagte er und spielte damit auf seinen 2005 toedlich verunglueckten Vater an. "Der Dank geht nicht nur nach oben, sondern auch zu meiner Mama."

Nach seiner erst zweiten Abfahrt auf der beruechtigten Streif steht Dressen in der Siegerliste nun neben Namen wie Franz Klammer, Hermann Maier oder Cuche. Der grosse Norweger Aksel Lund Svindal dagegen gewann die Abfahrt nie, er wurde am Samstag Achter.

Eine starke Leistung zeigt auch Teamkollege Andreas Sander mit Platz sechs. Dabei lag er bis wenige Sekunden vor dem Ziel auf Podiumskurs, ehe er einen Fehler machte und zurueckfiel. "Jetzt ueberwiegt mehr die Enttaeuschung, was sich in den naechsten Tagen sicher aendern wird", kommentierte Sander nach dem besten Abfahrts-Rang seiner Karriere.

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