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Slalom-Sieg in Levi: Neureuther feiert "unwirklichen" Saisonstart

Von Manuel Schwarz

Seine Form aus dem Sommertraining war sehr gut - das erste Rennen des Winters aber toppte dann alle Erwartungen. Mit einem Sieg ist Ski-Ass Neureuther in die Olympia-Saison gestartet. Der Jung-Papa selbst war in Finnland baff und schickte einen tierisch suessen Gruss nach Hause.

Levi (dpa) - Diesen perfekten Start in die Olympia-Saison konnte Felix Neureuther erst kaum fassen - dann wurde er hoch oben im finnischen Lappland emotional. Nach seinem Erfolg beim ersten Weltcup des Winters im Slalom von Levi bekam der Ski-Routinier als traditionellen Siegerpreis ein Rentier ueberreicht, dem er wie alle seine Sieger-Vorgaenger in den vergangenen Jahren einen Namen geben sollte. Eigentlich wolle er das Tier Matilda nennen, so wie seine erst einen Monat alte Tochter. "Aber es ist ein Rentier-Junge", fand er dann heraus. "Deswegen nenne ich es Matti, das ist der Spitzname von der kleinen Matilda und das passt auch fuer einen Jungen."

Mit zwei starken Laeufen verwies Neureuther Ex-Seriensieger Henrik Kristoffersen aus Norwegen (+0,37 Sekunden) und den Schweden Mattias Hargin (+0,45) auf die Plaetze zwei und drei. Nach getaner Arbeit galten die Gedanken dann schnell wieder seiner jungen Familie. "Das ist schon speziell. Mein erstes Rennen als Vater, gleich gewonnen, und heute ist hier oben auch noch Vatertag. Alles passt zusammen."

Alpin: Weltcup, Slalom, Herren, am 12.11.2017 in Levi bei Kittilae (Finnland). Felix Neureuther aus Deutschland streichelt waehrend der Siegerehrung ein Rentier. Foto; dpa

Fuer den deutschen Rekordchampion war es der 13. Erfolg im Weltcup und der erste seit Februar 2016. "Unwirklich" bezeichnete er diesen Jubeltag, Alpinchef Wolfgang Maier attestierte eine "ganz souveraene Leistung". In der Saison 2016/17 war Neureuther ohne Sieg geblieben.

Neureuther profitierte vom Ausfall des nach dem ersten Lauf fuehrenden Dave Ryding. Dieser war kurz davor, erster britischer Weltcup-Sieger zu werden. Nach klarer Zwischenbestzeit rutschte Ryding dann auf dem Innenski weg. Wegen des Pechs des Konkurrenten hielt sich die Freude bei Neureuther im Ziel zunaechst auch in Grenzen. "Ich muss schon sagen, dass ich heute Glueck hatte, dass Dave ausgeschieden ist - er war extrem schnell unterwegs", raeumte Neureuther im ORF ein.

Dann aber wich das Mitleid der eigenen Freude und Neureuther begann zu schwaermen. "Das erste Rennen als Vater, das macht es noch spezieller", berichtete Neureuther. "Wenn man mit daheim telefoniert, die Freundin sieht, die kleine Matilda - dann denkt man sich schon: Das Leben koennte nicht schoener sein." Nach mehreren Trainingstagen in Levi freut sich nun auf das Wiedersehen in Garmisch-Partenkirchen. "Ich kann es nicht erwarten, endlich nach Hause zu kommen."

Auch Fritz Dopfer begeisterte aus deutscher Sicht: Er kam bei seinem Comeback nach einjaehriger Verletzungspause wegen eines Schien- und Wadenbeinbruchs auf Rang 15 und schaffte die halbe Olympia-Norm. "Das freut mich ganz speziell", sagte Herren-Cheftrainer Mathias Berthold. "Ueber sein Comeback gab es viele Zweifel. Es war ein Kampf."

Dopfer war auch schneller als Oesterreichs Star Marcel Hirscher, der nach seinem Comeback nach nur wenigen Trainingstagen 17. wurde.

Fuer Linus Strasser, der dem DSV im Vorjahr beim Parallel-Slalom von Stockholm den einzigen Weltcup-Sieg beschert hatte, endete das Rennen im zweiten Lauf nach einem Fehler bei einer Kuppe und dem Aus. Auch andere haderten: Der 24-jaehrige David Ketterer etwa zeigte in seinem dritten Weltcup einen famosen ersten Lauf und raste mit fuenftbester Zwischenzeit dem Ziel entgegen, ehe er ausschied. Stefan Luitz patzte bei einer Vertikalen und fiel aus. "Jedes Mal!", bruellte er, schmiss die Skistoecke gegen einen Fangzaun und legte sich in den Schnee.

Samstag hatte es auch bei den oft gescholtenen Slalom-Damen des DSV eine positive Ueberraschung gegeben. Lena Duerr fuhr auf Platz sechs und machte in ihrem ersten Rennen die Qualifikation fuer Olympia klar. "Man kann schlechter in eine Saison starten", urteilte Damen-Bundestrainer Juergen Graller. Der in der Vergangenheit oft wechselhaften Bayerin traut der Coach viel zu. "Sie macht viele Sachen sehr gut, und die muessen wir staerken", sagte Graller. "Lena muss zeigen, dass sie besser ist, als in den Ranglisten steht."

Den Sieg holte ueberraschend Petra Vlhova aus der Slowakei vor US-Star Mikaela Shiffrin. "Es wird ein cooler Kampf mit ihr in diesem Winter", sagte Olympiasiegerin Shiffrin. "Das ist aufregend."

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