Nordamerikanische Wochen-Post

163RD YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Home

Services

German Churches

German Clubs

German Radio

Contact Us

Archives

Sport

sport

Deutsche Truempfe stechen im WM-Endspurt: "Unruhe nicht verstanden"

Von Andreas Schirmer und Ulrike John

Nach einer langen Durststrecke konnten die deutschen Leichtathleten ihre Bilanz noch ordentlich aufbessern. Vier Medaillen gab es am vorletzten WM-Tag auf einen Schlag - darunter das Goldstueck von Johannes Vetter im Speerwurf. Am Sonntag kam kein Edelmetall dazu.

London (dpa) - Im Endspurt haben die Truempfe des Deutschen Leichtathletik-Verband doch noch gestochen. «Ich habe die Unruhe nicht verstanden», sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska am Ende «komplizierter Weltmeisterschaften», die durch den Ausbruch eines Magen-Darm-Virus beeintraechtigt wurden. Verbandspraesident Clemens Prokop urteilte aber auch: «London ist ein klarer Arbeitsauftrag: Wir muessen staerkere Anstrengungen bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio unternehmen.»

Nach einem fruehen Silbergewinn durch die Siebenkaempferin Carolin Schaefer gab es eine Durststrecke von fuenf Tagen - bis am Samstag auf einen Schlag vier Medaillen hinzukamen. «Der Zeitplan ist eben nicht auf die deutschen Medaillenhoffnungen ausgerichtet gewesen», meinte Prokop. Mit fuenf Edelplaketten reihte sich Deutschland im Medaillenspiegel hinter den als «Neutrale Athleten» angetretenen Russen (6) und vor Tschechien auf dem zehnten Platz ein.

Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter beisst bei der Siegerehrung in seine Goldmedaille. Foto: dpa

Das am Ende gute Abschneiden zeige, dass die nur drei Medaillen ein Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ein Ausrutscher gewesen seien, sagte Prokop. «Wir haben uns wieder nach oben gearbeitet und sind fuer die Zukunft gut geruestet.»

Herausragend war der Gold-Triumph von Johannes Vetter. «Wir koennen uns ueber die Entwicklung im Speerwurf freuen», sagte Gonschinska. «Nach dem Olympiasieg von Thomas Roehler ist einer naechster Athlet unmittelbar in seine Fussstapfen getreten.» Roehler verpasste Bronze nur um sechs Zentimeter. Im Zehnkampf holten Rico Freimuth und Kai Kazmirek gleich Bronze und Silber. «Wenn man das Potenzial sieht, kann man die Hoffnung auf einen deutschen Olympiasieger 2020 in Tokio haben», sagte Prokop.

Fuer einen ueberraschungserfolg sorgte Pamela Dutkiewicz, die ueber 100 Meter Huerden Dritte wurde. «Pam ist ueber sich hinausgewachsen», sagte Gonschinska und attestierte den schnellsten Athleten im deutschen Team: «Wir sind im Sprint deutlich nach vorne gekommen.»

Dies gilt auch fuer Gina Lueckenkemper, die mit 10,95 Sekunden im 100-Meter-Vorlauf in die Weltklasse sprintete, aber im Halbfinale ausschied. ueberhaupt bringt der Generationswechsel den Laufbereich in Schwung. Mittelstrecklerinnen wie Hanna Klein, die ueber 1500 Meter ins Finale kam, oder Konstanze Klosterhalfen draengen ohne Furcht in die Weltspitze. Pech hatte Hindernis-Ass Gesa Krause, die im Finale stuerzte und nur Neunte wurde.

Die Erfolge auf der WM-Zielgeraden und die beachtlichen Ergebnisse junger Talente uebertuenchen die Probleme in einigen Disziplinen, in denen lange Zeit Medaillengaranten am Werk waren, nicht. Ohne die Ex-Weltmeisterin Christina Schwanitz (Babypause) laeuft im Kugelstossen nix, ebenso im Hammerwurf ohne Betty Heidler (Ruecktritt).

Im Speerwurf enttaeuschte nach den Ruecktritten von Christina Obergfoell und Linda Stahl die als Weltmeisterin von 2015 angereiste Katherina Molitor. Ex-Champions Raphael Holzdeppe erlebte schon bei der Anfangshoehe einen Absturz im Stabhochsprung. Zudem konnten weder der dreimalige Diskus-Weltmeister Robert Harting als Sechster noch Kugelstoss-Ass David Storl ueberzeugen: Er kam nicht mal ins Finale.

Auch Hartings Ehefrau Julia, immerhin EM-Zweite, und die WM-Dritte von 2015 im Diskuswurf, sowie Nadine Mueller konnten als Neunte und Sechste nicht ueberzeugen. Zwei fuenfte Plaetze erreichten Mateusz Przybylko im Hochsprung und Christopher Linke ueber 20 km Gehen. Am Ende konnte auch die 4x400-Meter-Staffel der Frauen die Medaillenbilanz mit Rang sechs nicht mehr verbessern.

«Ich will es nicht schoenreden. In manchen Disziplinen haben wir nur einen Athleten von Weltklasseformat - und danach klafft eine Luecke», bekannte Prokop. aehnlich sieht es Johannes Vetter. «Es ist wichtig, dass der Nachwuchs in Deutschland motiviert wird», sagte der erst dritte deutsche Speerwurf-Weltmeister nach Matthias de Zordo (2011) und dem Berliner Detlef Michel (1983). Er nimmt dabei die etablierten Athleten in der Pflicht: «Es ist eine der groessten Aufgaben, die die Leistungstraeger die naechsten Jahre vor sich haben: Die Nachwuchs-Leichtathletik voranzubringen.»

In einer Leichtathletik-Welt mit mehr als 200 Laendern und fast 35 Nationen, die bei der WM in London Medaillen gewannen, ist das kein einfaches Unterfangen - auch in der bisherigen Domaene Wurf nicht. «Die klassischen Medaillengaranten, also nahezu sichere und fast planbare Medaillen, gibt es nicht mehr», erklaerte Gonschinska.

Bei der WM war er weniger als Chefcoach gefragt, sondern als Krisenmanager, der nach den Erkrankungen retten musste, was mit Bedacht auf die Gesundheit der Sportler zu retten war. «Kompliment an die Athleten, die unter wirklich komplizierten Bedingungen die Freude an der Weltmeisterschaft behalten haben», sagte Gonschinska.

Aus aller Welt

Sport

Feuilleton

Gesundheit

Reise

Tipps and Trends

Aus Alle Staaten

Aus Alle Staaten

© 1996-2017 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.