Nordamerikanische Wochen-Post

163RD YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Home

Services

German Churches

German Clubs

German Radio

Contact Us

Archives

Sport

sport

Erster deutscher WM-Synchronschwimmer: "Emotional was Besonderes"

Von Thomas Esser und Christian Kunz

Seit 2015 duerfen auch Maenner bei Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen starten. Zwei Jahre nach der Premiere feiert der erste Deutsche seine WM-Debuet. Die Freude ist bei Niklas Stoepel jedoch etwas getruebt.

Budapest (dpa) - Tropfnass, in enger blauer Badehose und ein bisschen unzufrieden - direkt nach dem ersten WM-Finale ueberwiegt bei Synchronschwimmer Niklas Stoepel der Aerger ueber die sportliche Leistung. "Eigentlich ist hier alles gut, aber wir sind scheisse geschwommen", sagt der 25 Jahre alte Glatzkopf bei strahlendem Sonnenschein am extra errichteten Pool im Stadtwaeldchen von Budapest. Als erster deutscher Mann war er in seiner Sportart bei einer Weltmeisterschaft gestartet. Mit Amelie Ebert wurde er im Mixed Duett am Montag Achter.

"Wir sind ja als Sportler hier und nicht als Touristen", erklaerte Stoepel seine Enttaeuschung. Wenig spaeter zeigte er dann doch etwas Freude ueber seine Premiere auf ganz grosser Buehne in Ungarn. "Das erste Finale war emotional schon was Besonderes", meinte er. Ebert bestaetigte ihn: "Es war eine Ehre im Finale zu schwimmen. Das Allergroesste, was man erreichen kann."

Tennis, Grand Slam Wimbledon, Damen, Achtelfinale am 10.07.2017 im All England Lawn Tennis Club in Wimbledon, London (Grossbritannien); Angelique Kerber aus Deutschland spielt im Spiel gegen Muguruza aus Spanien eine Vorhand. Foto: dpa

Als erstes der zehn Paaren hatten die beiden am Morgen die Freiluftanlage direkt am Heldenplatz betreten. Mit durchgedrueckten Ruecken und nach vorne gereckter Brust winkten sie ins Publikum. "Vor so vielen Zuschauern wie hier sind wir noch nie geschwommen", sagte Ebert.

Mit 70,3147 Punkten lagen die Bochumer am Ende rund 17 Zaehler hinter Bill May und Kanako Kitao Spendlove aus den USA, die auf den Bronzerang kamen. Den Titel holten die Italiener Manila Flamini und Giorgio Minisini vor Michaela Kalantscha und Alexander Malzew aus der ansonsten dominierenden Synchronschwimm-Nation Russland.

Seit 2015 in Kasan sind maennliche Athleten bei Weltmeisterschaften in der Frauen-Domaene zugelassen. Doch Drei-Tage-Baerte und Koteletten im Synchronschwimmbecken bleiben selten, sieben von neun Entscheidungen sind weiter den Damen vorbehalten.

"Man legt auf ganz andere Sachen Wert", sagt Ebert zum Synchronschwimmen mit einem Mann. "Man kann mehr Hebefiguren und ganz andere Elemente einbauen", erklaert sie den Unterschied zum reinen Frauen-Synchronschwimmen.

Obwohl das fruehere Reigenschwimmen Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein reiner Maennersport war, gab es Widerstand, als in Kasan zum ersten Mal Maenner um WM-Ehren schwimmen sollten. Russlands Sportminister Witali Mutko hatte die neue Aera in der Sportart als "dumme" und "fehlerhafte" Entscheidung gegeisselt. Auch von einigen Athletinnen hatte es Kritik gegeben. Olympiasiegerin Swetlana Romaschina hatte sich "kategorisch gegen Maenner in unserer Sportart" ausgesprochen.

Bei Olympia sind Maenner im Synchronschwimmen weiter ausgeschlossen. "Da ist das Problem natuerlich noch da", sagt Stoepel. Dass Maenner in seiner Sportart nicht an den Spielen teilnehmen duerfen ist fuer ihn "Unrecht". Und Ebert sagt: "Wir hoffen, dass sich das demnaechst aendert."

Erst einmal steht am Freitag noch der Vorkampf und am Samstag das Finale in der freien Kuer bei der WM an. "Wir hoffen auf einen neunten Platz", gibt Stoepel das Ziel vor. "In erster Linie wollen wir besser schwimmen als heute." Sollte das gelingen, koennten sie als WM-Neulinge die Atmosphaere in Budapest voll und ganz geniessen. Schliesslich sind sie ja nicht als Touristen da.

Aus aller Welt

Sport

Feuilleton

Gesundheit

Reise

Tipps and Trends

Aus Alle Staaten

Aus Alle Staaten

© 1996-2017 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.