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Schuften statt Schule: Myanmar will Kinderarbeit bekaempfen

Von Rik Glauert

Millionen Minderjaehrige weltweit muessen taeglich hart arbeiten. In Myanmar sind es fast zehn Prozent aller Kinder. Nun soll sich das aendern.

Rangun (dpa) - Geschaeftig eilt die zehnjaehrige Khine Sabai durch den Teeladen in Myanmars Handelszentrum Rangun. Sie wischt Tische ab, nimmt Bestellungen auf und bereitet Essen zu. Sieben Tage die Woche arbeitet sie, von vier Uhr morgens bis elf Uhr abends. Ihre Freunde, die auf die Schule gehen, beneidet das Maedchen. "Ich will lernen", sagt sie. Doch ihre Familie braucht die 60 000 Kyats (38 Euro), die Khine Sabai im Monat verdient.

Nach Schaetzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiteten 2016 weltweit rund 218 Millionen Kinder unter 17 Jahren. Davon waren 152 Millionen so wie Khine Sabai in Verhaeltnissen, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. Laut der ILO arbeiteten in Myanmar 2015 mehr als 1,1 Millionen Kinder. Statt zur Schule zu gehen, schuften sie in Fabriken, Lokalen oder wie der mit 60 Prozent groesste Teil von ihnen in der Landwirtschaft.

Ein 13jaehriger Junge traegt bei Strassenbauarbeiten Myanmar, Dagon, einen Korb mit Steinen auf seinem Kopf. Foto: dpa

Bei gefaehrlichen Arbeiten, etwa in Minen oder auf Baustellen setzen rund 600 000 Kinder ihre koerperliche und psychische Gesundheit aufs Spiel. Inmitten des Strassenverkehrs verkauft der neunjaehrige Aung Phone Mo Wasserflaschen und Betelnuesse an Autofahrer. "Ich habe nur noch meine Mutter. Deshalb muss ich arbeiten und kann nicht in die Schule gehen", sagt er.

"Wenn Familien ihre Kinder nicht zur Schule schicken koennen, entsteht ein Kreislauf der Armut. Myanmar benoetigt qualifizierte Arbeitskraefte, nicht guenstige", kritisiert Selim Benaissa von der ILO vor dem Internationalen Tag gegen Kinderarbeit (12. Juni). Denn die Arbeit beeinflusse nicht nur Gesundheit und Zukunftsaussichten der Kinder - eine junge Generation ohne Schulbildung gefaehrde in Zukunft auch die Wettbewerbsfaehigkeit des Landes, warnen Experten.

Auch dringend benoetigte Investitionen aus dem Ausland stehen auf dem Spiel. Internationale Konzerne wie der Kleidungshersteller H&M muessen in Myanmar, wo die Anzahl arbeitender Kinder ueber dem regionalen Durchschnitt liegt, vorsichtig handeln. In seinen 40 Zulieferfabriken bildet H&M Fuehrungskraefte und Mitarbeiter aus. Bei regelmaessigen Kontrollen stellte sich im vergangenen Jahr heraus, dass vier Arbeiter juenger als 15 Jahre waren. "Wir haben sie zurueck zu ihren Familien gebracht", sagt Felix Ockborn, Nachhaltigkeits-Koordinator des Unternehmens. Gemeinsam mit einer Nichtregierungsorganisation fuer Kinderrechte habe H&M dann einen Plan fuer die weitere Ausbildung der Kinder erstellt.

Telenor, eines von Myanmars fuehrenden Telekommunikationsunternehmen, fuehrte bei der Errichtung seiner 8000 Sendemasten seit 2014 eine Null-Toleranz-Politik bei Kinderarbeit ein. Unangekuendigte Kontrollen brachten im vergangenen Jahr dem Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens zufolge keine Faelle von Kinderarbeit ans Licht. "Die soziale Akzeptanz von Kinderarbeit und Armut sind die zentralen Probleme", sagt Min Thu, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit. "Genau wie die fehlenden Alternativen dazu."

Als die demokratische Regierung von Aung San Suu Kyi 2016 die jahrzehntelange Militaerdiktatur abloeste, kuendigte sie an, Kinderarbeit im Land zu bekaempfen. In ihren zwei ersten Amtsjahren hob die neue Regierung das Mindestalter in Fabriken und im Einzelhandel von 13 auf 14 Jahre an und verbot die Vollzeitanstellung von Kindern unter 16 Jahren. Einen Gesetzesentwurf aus dem vergangenen Juli diskutiert die Regierung seit Monaten. Er soll Minderjaehrigen verbieten, gefaehrliche Arbeiten zu verrichten.

"Wir muessen geduldig sein", sagt Nyunt Win vom Arbeitsministerium. Er ist Teil eines im Februar gegruendeten Komitees, das den nationalen Aktionsplan zur Bekaempfung der Kinderarbeit umsetzen soll. Besonders die ueberpruefung der Betriebe sei eine Herausforderung, erklaert er, denn die finanziellen und personellen Ressourcen der Abteilung fuer Arbeitsrecht seien "sehr begrenzt".

"Die Gesetzgebung ist nur ein Teil der Loesung", warnt auch Teona Aslanishvili von der Hilfsorganisation Unicef Myanmar. Die Tatsache, dass der Grossteil der Kinderarbeit in Myanmar in der Landwirtschaft stattfindet, erschwere die Durchsetzung der Richtlinien. Erforderlich sei nun "eine differenzierte Strategie und langfristiger Einsatz", fordert Aslanishvili.

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