18. Dezember 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Hula-Hoop, ein Pferd und kein Corona mehr – Wünsche ans Christkind

Bücher, Spiele und Bastelsachen: Unter dem Weihnachtsbaum dürften in diesem Jahr wieder vor allem Spielzeug-Klassiker liegen. Aus vielen Wunschzetteln ans Christkind geht aber auch ganz deutlich hervor: Die Kinder haben Corona wirklich satt.

Nordrhein-Westfalen, Engelskirchen: «Mein größter Wunsch dieses Jahr ist, dass Corona nicht mehr da ist», heißt es auf dem Wunschzettel eines Kindes, der in der Christkindpostfiliale in Engelskirchen im Wunschzettel-Büro liegt. Foto: dpa

Von Petra Albers
Engelskirchen/Himmelstadt (dpa) – Spielzeug, ein Haustier oder mehr Zeit mit Papa: Die Weihnachtswünsche der Kinder sind vielfältig. Zehntausende Wunschzettel stapeln sich im Advent in den sieben deutschen Weihnachtspostämtern und werden von fleißigen Helfern beantwortet. «Gefragt sind dieses Mal vor allem Dinge, die man im Haus machen kann, etwa Gesellschaftsspiele und Bastelsachen», beobachtet Britta Töllner, Sprecherin der Deutschen Post für die Christkindpostfiliale Engelskirchen. Wie schon im vergangenen Jahr spiele die Corona-Krise in vielen Zuschriften eine große Rolle.

«Ich wünsche mir, dass Corona schnell vorbei ist», schreibt Benjamin in krakeliger Kinderschrift. Auch Clara hofft, «dass Corona wieder aufhört» und hat dazu einen Regenbogen gemalt. «Mein größter Wunsch dieses Jahr ist, dass Corona nicht mehr da ist», heißt es in einem anderen Brief.
«Corona ist sehr präsent bei den Kindern», schildert Töllner. «Sie möchten mit den Großeltern Weihnachten feiern, sind genervt vom Masketragen und enttäuscht, weil Veranstaltungen abgesagt wurden, zu denen sie gerne hingegangen wären.»

Ähnliches berichtet auch Rosemarie Schotte, ehrenamtliche Leiterin des Weihnachtspostamts im unterfränkischen Himmelstadt. «Corona kommt in sehr vielen Zuschriften vor», sagt sie. Deshalb gehe das Himmelstädter Christkind in seinem Antwortbrief auf das Thema ein. «Vor allem Ihr Kinder und Jugendlichen musstet unter der Corona-Pandemie leiden», heiße es da. «Aber Ihr habt alles ohne Murren ertragen. Dafür muss ich Euch sehr loben.»

Unter den Spiel- und Bastelsachen dominieren nach Angaben der Weihnachtspostämter wie immer die Klassiker: Puppen, Lego, Playmobil, Backzubehör, Bücher, Gesellschaftsspiele, Autos, Zauberkästen, Puzzles, Malstifte oder Bügelperlen. Im Trend lägen auch Hula-Hoop-Reifen und Springseile. Oft hätten Kinder natürlich auch ganz konkrete Vorstellungen, etwa «einen türkisen Luftballon», einen «blauen Boxsack» oder eine «Puppe mit Windpocken», erzählt Schotte.

Die Spielwarenhändler sehen dem Weihnachtsgeschäft trotz Lieferengpässen «vorsichtig optimistisch» entgegen. Seit Beginn der Corona-Krise seien Spielwaren gefragter denn je, teilte der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) jüngst mit. «Die Pandemie macht uns zu Spielern», sagt BVS-Geschäftsführer Steffen Kahnt. Und: «In unsicheren Zeiten wurde bei den Kindern immer zuletzt gespart.»

Häufig finden sich auf Wunschzetteln auch «lebende Geschenke». Jannis etwa wünscht sich «ein Geschwisterchen zum Spielen». Ein Mädchen träumt von einem Pferd, ein anderes von einer kuscheligen Katze. Miriam hätte gerne «einen echten Hund, am liebsten natürlich einen Boxer-Schäferhund-Mix-Welpen».

Manche Briefe gehen den Weihnachtspostamt-Mitarbeiterinnen besonders nahe, etwa wenn ein Kind sich wünscht, dass es selbst oder ein schwer kranker Angehöriger gesund werden möge, sagt Töllner. Oder der Brief des kleinen Frederik aus Erftstadt: Er hat bei der Flutkatastrophe im Juli sein Zuhause verloren und wünscht sich vom Christkind nun ein neues Kinderzimmer mit Spielzeug.

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Sport

Bobpilot Friedrich holt 60. Weltcupsieg – Nolte siegt im Zweierbob

Winterberg: Weltcup, Viererbob, Männer, 1. Durchgang. Pilot Francesco Friedrich, Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller aus Deutschland starten in den Eiskanal. Foto: dpa

Winterberg (dpa) – Auch nach seinem 60. Weltcupsieg hat Francesco Friedrich Lust auf mehr. Die Marke des norwegischen Biathleten Ole Einar Björndalen mit 94 Erfolgen ist das Ziel des Bobpiloten. «Ich habe das mal durchgerechnet, ich müsste pro Saison neuneinhalb Siege einfahren, dann könnte ich es bis Cortina 2026 schaffen», sagte der Doppel-Olympiasieger vom BSC Oberbärenburg, der bei den Rennen in Winterberg gleich zwei Erfolge in zwei Tagen verbuchte.

Erst wehrte er am Samstag den Angriff von Johannes Lochner um fünf Hundertstel ab, in dem er von Rang drei auf eins fuhr. Dann änderte er etwas an der Material-Einstellung und fuhr am Sonntag mit 0,30 Sekunden einen größeren Vorsprung heraus. Mit seinem Team Thorsten Margis (SV Halle), Candy Bauer (BSC Oberbärenburg) und Alexander Schüller (SV Halle) setzte er sich vor dem Briten Brad Hall durch. Dritter wurde der Österreicher Benjamin Maier. «Wir sind größeres Risiko heute gegangen und wurden belohnt», sagte Friedrich, der zudem seinen 22. Sieg in Serie einfuhr.

Der für Stuttgart fahrende Berchtesgadener Johannes Lochner kam nach Platz zwei zuvor diesmal auf Rang fünf. Christoph Hafer vom BC Bad Feilnbach landete nach Rang vier im ersten Rennen auf Platz acht. «Wenn ich wüsste, was er anders macht, dann würde ich es auch so machen», meinte Lochner.

Bei den Frauen holte Laura Nolte auf ihrer Heimbahn den dritten Saisonsieg im Zweierbob. Nachdem es am Vortag im Monobob nur für den vierten Platz reichte, raste sie am Sonntag beim deutschen Dreifacherfolg mit Anschieberin Deborah Levi zum Weltcupsieg. Zweierbob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka vom BRC Thüringen kam mit Deutschlands schnellster Sprinterin, Alexandra Burghardt aus Burghausen, auf Rang zwei. Sie verbuchte neben ihrer Olympia-Qualifikation den ersten Podestplatz in diesem Winter. Die Wiesbadenerin Kim Kalicki landete mit Leonie Fiebig auf Platz drei.

«Für mich war es supercool, erster Podestplatz im Weltcup, ich bin superhappy, dass Mariama mich mitnimmt. Ich bin superfroh mit der Entwicklung. Da ist noch viel Potenzial am Start, doch die Startzeiten heute waren okay», sagte Burghardt und betonte: «Es ist ja nicht nur Anschieben, sondern es gibt auch drumherum enorm viel zu tun.» Jamanka ärgerte sich ein wenig über die nicht ganz fehlerfreien Fahrten, meinte aber: «Es geht in die richtige Richtung».

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Feuilleton

Opern-Ikone José Carreras wurde 75

12.12.2019, Sachsen, Leipzig: Der spanische Tenor Jose Carreras steht während der Jose Carreras Gala auf der Bühne. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Barcelona/Andorra (dpa) – Opern-Weltstar José Carreras feierte am 5. Dezember seinen 75. Geburtstag im Kreise seiner großen Familie in seiner Wahlheimat Andorra. Und seinen endgültigen Abschied von den Bühnen. Im Interview der Zeitung «El Mundo» nannte er auch eine konkrete zeitliche Frist. «Es wird an der Zeit, dass ich in den Ruhestand gehe. Ich werde noch ein oder zwei Jahre singen, ich glaube nicht, dass es länger dauern wird», sagte das ehemalige Mitglied der legendären «Drei Tenöre» im Herbst nicht ohne Wehmut. Altersmüdigkeit? Keineswegs. Es sei für ihn immer noch «bewegend», auf die Bühne zu gehen, erzählte er nach einem Auftritt in Sevilla mit Flamenco-Tänzerin Sara Baras (50), bei dem er mit einer Ovation gefeiert wurde. Aber er werde «ein Dreivierteljahrhundert alt». Da komme man schon ins Grübeln. «Vielleicht sollte ich mehr mit meinen Enkelkindern sein». Der schicksalserprobte Mann, der auf seinem Karriere-Höhepunkt eine Leukämie-Erkrankung besiegte, weiß, dass «auch die wunderbarsten Dinge im Leben irgendwann enden» müssen. Doch vorerst müssen Ruhestand und Enkelkinder noch etwas warten, denn er plant noch zwei Konzerte.

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Gesundheit

Ski geht auf die Knie:

Wintersportarten im Risiko-Check

Beim Abfahrtsski sind die Knie den größten Belastungen ausgesetzt.  Foto: Annette Riedl/dpa

Von Tom Nebe
München/Innsbruck (dpa) – Einmal im Jahr eine Woche Vollgas auf der Skipiste: So sieht bei vielen Deutschen der Winterurlaub aus. Für manche endet der lang ersehnte Trip in die Berge im Krankenhaus.

Der Drang, aus den Ferientagen ein Maximum an Schnee-Erlebnissen rauszuholen, ist laut dem Orthopäden und Unfallchirurgen Prof. Mirco Herbort ein Hauptrisikofaktor dafür.

«Wie verrückt ist es, was wir machen?», fragt der Mediziner von der Münchener OCM-Klinik. «Wir kommen aus dem Job und gehen sonst vielleicht einmal die Woche Joggen. Und dann machen wir Skiurlaub und fahren eine Woche lang jeden Tag sechs, sieben Stunden Ski und belasten uns an unsere Grenzen.» Ein Himmelfahrtskommando sei das.

Herbort behandelt jeden Winter viele Verletzte aus den Alpen-Skigebieten südlich von München. Außer vergangenes Jahr: «Da war es wirklich ruhig. In dem Sinne war Corona eine der größten Präventionsmaßnahmen für Sportverletzungen in der Weltgeschichte.»

Diesen Winter aber wird es wieder viel mehr Wintersporttourismus geben. Und damit auch wieder mehr Arbeit für die Chirurginnen und Chirurgen in den Kliniken. Wir geben einen Überblick über typische Verletzungen bei den beliebtesten Schnee-Sportarten – und wie sie sich womöglich vermeiden lassen.

Abfahrtsski: Voll auf die Knie
Knieverletzungen sind der Klassiker unter den Skiverletzungen. «Die Knie sind der größten Belastung ausgesetzt. Wir haben den ganzen Winter viele Kreuzband- und Meniskusverletzungen», sagt Prof. Rohit Arora. Als Direktor der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck hat er in jeder Skisaison viele verletzte Wintersportlerinnen und Wintersportler aus den umliegenden Tiroler Skigebieten auf dem OP-Tisch liegen.

Die kürzeren und stärker taillierten Carving-Ski haben aus Sicht des Münchner Chirurgen und Kniespezialisten Herbort dazu beigetragen, dass die Knie zum anfälligsten Körperteil im Alpin-Ski wurden.

Zum einen erleichtern die Carving-Ski Anfängern das Lernen, sodass sie schneller den Berg runterkommen – manchmal zu schnell. Zum anderen sei das Material so gut, dass die Kräfte, die die Ski aufs Knie bringen, teilweise dessen Belastungsfähigkeit überstiegen, sagt Herbort.

Oftmals allerdings passieren die Knieverletzungen gar nicht bei hochrasanten Stürzen, sondern auf denkbar unspektakuläre und bittere Art und Weise. Vor allem beim Benutzen der Lifte ist laut Herbort Vorsicht geboten. «Beim Ausstieg nicht aufgepasst, einen Ski im Schnee verkantet und die Beine X-bein-artig verdreht: Da geht durch die Hebelwirkung der Ski schnell das Kreuzband kaputt.»

Snowboard: Gefahr für Schulter, Arm und Handgelenk Unterarmbrüche, ausgerenkte Schultern und Ellenbogen, gebrochene Handgelenke und Schlüsselbeine: Beim Snowboarden sind eher die oberen Extremitäten verletzungsgefährdet.

Zum Schutz der Handgelenke haben Snowboard-Handschuhe oft Protektoren integriert. Mirco Herbort findet diese Schützer sinnvoll, auch wenn sie von vielen als unbequem empfunden werden. «Frakturen im Handgelenkbereich können schwerwiegend sein», sagt er.

Man sollte es nicht unterschätzen, wenn das Gelenk nach einem Sturz schmerzt und anschwillt. «Operiert man es zu spät oder stellt es zu spät ruhig, kann Knochen absterben, weil in dem Bereich die Durchblutungssituation oft schwierig ist», erklärt er. Schlimmstenfalls versteift das Gelenk.

Rohit Arora behandelt auch immer wieder Snowboarder mit schweren Wirbelsäulenverletzungen. «Weil sie beim Tiefschneefahren im Wald etwa gegen einen Baum geprallt sind.»

Gesunde Selbsteinschätzung unverzichtbar
Egal, ob man auf Ski oder Snowboard die Piste herunterbrettert: Um verletzungsfrei und mit Spaß durch den Urlaub zu kommen, ist ein gesundes Maß an Reflexion und Risikowahrnehmung ratsam. «Das Schlimmste ist die Selbstüberschätzung», sagt Arora. «Gerade am Anfang, nachdem man ein Jahr lang nicht gefahren ist.»

Außerdem sollte man seine Fahrweise immer an die Witterungsverhältnisse anpassen. Speziell bei schlechter Sicht sind vereiste Stellen oder sulzige Hügel auf der Piste rasch übersehen. Wer dann zu schnell unterwegs ist, riskiert schlimme Stürze.

Damit einem am zweiten oder dritten Tag nicht die Kraft in den Muskeln fehlt, um Schläge auf der Piste abzufedern, rät Mirco Herbort: In den Wochen vor dem Urlaub gezielt die Beine kräftigen, etwa mit Kniebeugen. Und vor jedem Pistentag mit Skigymnastik aufwärmen. Man sollte zudem auf seinen Körper hören: Fühlt er sich müde an, lässt man es lieber langsam angehen oder macht mal einen Tag komplett Pause – auch wenn man eigentlich voll innerem Elan ist, die Pisten herunter zu brettern.

Skilanglauf: Immer richtig hinfallen
Langlauf gilt als die risikoarme Alternative zum Alpin-Ski. Gemütlich die Loipen entlangziehen – was soll dabei schon passieren?

Tatsächlich nicht viel, zumindest solange es geradeaus oder bergauf geht, wie Rohit Arora sagt. Manchmal halten die Langlaufstrecken aber auch kleine Abfahren bereit. Vor allem dabei kommt es zu Verletzungen, wenn Wintersportler die Kontrolle über die langen, schmalen Ski verlieren und stürzen.

«Weil sie dabei oft in die Grätsche gehen, kommt es etwa zu Symphysen-Frakturen im Becken», sagt Arora. Sein Rat: Immer seitlich fallen, wenn man merkt, dass man nicht mehr sicher zum Stehen kommt.

Vorsicht ist außerdem mit den langen Langlauf-Stöcken angebracht. «Wir haben pro Jahr sicher drei, vier schwere Augenverletzungen», so der Innsbrucker Chirurg. Etwa, wenn jemand seitlich fällt und der Stock dabei verkantet und ins Auge sticht.

Schlitten fahren: Lieber mit Helm
Als Gaudi und Abwechslung betreiben viele Skigebiete eigene Rodelpisten. Nicht sehr breit, rasant und kurvenreich führen sie oft mitten durch einen Wald. Vor allem Nachtrodeln ist beliebt. Manche trinken erst eine paar Biere und Obstler auf dem Berg und wagen sich danach auf die beleuchtete Rodelpiste.

Doch gerade die Kombination Nachtrodeln und Alkohol ist gefährlich, warnt Arora. Er kennt die Folgen von ungebremsten Abflügen mit dem Rodel gegen einen Baum. Das Ergebnis seien schlimme Schädel-Hirn-Traumen und Verletzungen an der oberen Wirbelsäule.

Gerade wenn die Rodelpiste durch den Wald führt, sollte man deshalb immer einen Helm tragen. Schließlich kann es einem auch im nüchternen Zustand passieren, dass man die Kurve einmal nicht kriegt. Auch ein Rückenprotektor kann im Zweifel nie schaden, sondern nur helfen.

Für die Beine ist Schlittenfahren ebenfalls nicht ohne Risiko. Geht beim Bremsen oder Kurvenfahren etwas schief, kann durchaus ein Sprunggelenk oder ein Unterschenkel zu Bruch gehen. Manchmal passiert es, dass man beim Fahren mit dem Bein irgendwo hängen bleibt.

«Das Bein wird nach außen weggerissen, das kann zu schweren Mehrfachverletzungen im Knie führen», sagt Mirco Herbort.

Und das ist nicht alles. Wer mit dem Schlitten über einen Hügel hüpft, merkt nach kurzem Flug spätestens bei der Landung: Autsch, gefedert ist das Gefährt nicht! Tatsächlich können die Aufschläge nach so einem Hüpfer derart hart sein, dass das Steißbein in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Folgen bleiben dann für einige Zeit bei jedem Hinsetzen spürbar. «Das verheilt gut», sagt der Münchener Chirurg. «Aber die sechs Wochen danach sind kein Spaß.»

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Reise

Deventer im Osten der Niederlande

Mit der Kleinen Overstraat verfügt Deventer auch über eine ansehnliche Einkaufsstraße. 
                                 Foto: Christoph Driessen/dpa

Deventer (dpa) – Im Osten der Niederlande ticken die Uhren etwas anders. Wer schon immer wissen wollte, was der Unterschied zwischen Holland und den Niederlanden ist, ist hier in Deventer richtig. Die Luft schmeckt schon nach frischer Brise, Möwen kreischen in der Ferne, aber am Meer ist man noch nicht. In den Straßen schmiegen sich Häuser in allen Variationen von Backstein aneinander. Sie sind hier oft nur zwei Stockwerke hoch, anders als in Amsterdam. Grachten gibt es kaum, dafür Flüsse und Seen. Deventer ist auch eine Festivalstadt. Zur Weihnachtszeit kann man sich in den engen Stiegen der Altstadt in das London des 19. Jahrhunderts versetzt fühlen. Dann läuft hier das Dickens-Festival mit Hunderten von verkleideten Teilnehmern – zu Ehren des englischen Schriftstellers Charles Dickens (1812-1870). Deventer besitzt eine geschlossene historische Altstadt von erstaunlichem Ausmaß. Und die Stadt war im Mittelalter eine Hansestadt.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Weihnachtsmann appelliert: Kinder und Alte nicht vergessen

Für Willi Dahmen ist der Dezember eigentlich die schönste Zeit des Jahres, doch die Pandemie hat alles verändert. Der Santa-Claus-Darsteller klagt darüber, dass viele Auftritte abgesagt wurden. Wie geht es der Weihnachtsmänner-Branche?

Celle: Weihnachtsmann Willi Dahmen sitzt vor einer Fototapete in seinem Büro und lächelt in die Kamera Foto: dpa

Von Christina Sticht
Celle (dpa) – Vor einem Jahr hat Weihnachtsmann Willi Dahmen wegen der Pandemie alle Auftritte abgesagt, jetzt können ihm zumindest einige Kinder wieder live begegnen. Der 69-Jährige mit dem weißen Rauschebart hat ein Büro auf dem Weihnachtsmarkt in Uelzen. Dort nimmt er freitags und samstags coronakonform Wunschzettel an – wenn die Infektionslage es zulässt, noch bis zum 18. Dezember. «So glückliche Kinder habe ich noch nie erlebt», sagte der Santa-Claus-Darsteller der Deutschen Presse-Agentur. Er tritt seit mehr als drei Jahrzehnten als Weihnachtsmann auf und schult und vermittelt auch andere Darsteller.

Allerdings bringt die vierte Corona-Welle derzeit Hunderte Miet-Weihnachtsmänner in ganz Deutschland um ihre Jobs. Dutzende Weihnachtsmärkte sowie Hunderte bereits vereinbarte Auftritte in Einkaufszentren oder bei Firmenfeiern wurden abgesagt.

«Mich ärgert, dass immer noch Tausende ins Fußballstadion gehen dürfen, aber Kinder und alte Menschen außen vor gelassen werden», sagte Dahmen. Er habe Mädchen und Jungen erlebt, die Angst hätten, dass der Weihnachtsmann wegen Corona gar nicht kommt. Seniorenheime richteten keine Adventsfeiern mehr aus. In diesem Jahr bietet der Weihnachtsmann aus Celle Online-Sprechstunden und Online-Bescherungen an. Weihnachten 2020 sei das schlimmste seines Lebens gewesen, erzählte der gebürtige Rheinländer. «Meine Mutter lag im Sterben und ich durfte nicht zu ihr.»

Dahmen befürchtet weitere von der Pandemie überschattete Weihnachtsfeste 2022 oder gar 2023. Er will sich vorbereiten und berichtet von einem Kollegen in den USA, der auf einer Empore sitzt und Geschenke über ein durchsichtiges Kunststoffrohr den Kindern übergibt. «Das könnte ich mir auch vorstellen

Früher war Weihnachtsmann-Darsteller ein typischer Studentenjob, doch zahlreiche Studierendenwerke sind aus der Vermittlung ausgestiegen. Auch andere Behörden sind in der Branche aktiv. In Bremen habe die Weihnachtsmann-Vermittlung eine 40-jährige Tradition, sagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven. In der Hansestadt können in diesem Jahr 13 Weihnachtsmänner und zwei Engel über die Agentur gebucht werden, in Bremerhaven sieben Santa-Claus-Darsteller.

In Zeuthen bei Berlin hat Petra Henkert ihr Weihnachtsbüro. «Vor sechs Wochen habe ich noch gedacht, Weihnachten wird wie vor Corona, jetzt ist es fast so schlimm wie letztes Jahr», sagte die Organisatorin von Events rund ums Fest. Sie hat Checklisten für einen coronakonformen Besuch des Weihnachtsmannes erstellt – abgehakt werden können unter anderem die Punkte Corona-Test, Lüften, Mund-Nasen-Schutz und Kinder glücklich machen. Trotz der Einschränkungen ruft Henkert zu Gesten des Miteinanders auf: «Zum Beispiel Weihnachtssterne für ältere Menschen basteln, einen Brief schreiben oder bewusst öfter zum Telefon greifen

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

appelliert – makes an appeal
Darsteller – portrayer
Auftritte – appearances
abgesagt – cancelled
begegnen – encounter
Rauschebart – luxurious beard
nimmt an – accepts
coronakonform – while conforming to Corona rules
Wunschzettel – wish lists
Infektionslage – state of infections
zulässt – allows
glückliche – happy
Jahrzehnten – decades
schult – instructs
vermittelt – is an agent
bring um – is killing
Miet – for-rent
Dutzende – dozens
bereits – already
vereinbarte – pre-arranged
ärgert – angers
außen gelassen – left out
richteten aus – arrange
bietet an – offers
Bescherungen – distribution of Christmas gifts
schlimmste – worst
lag im Sterben – lay dying
befürchtet – fears
überschattete – overshadow
Empore – high on a platform
über – via
durchsichtiges – see-through
Kunststoffrohr – plastic tube
vorstellen – imagine
Vermittlung ausgestiegen – stopped making these deals
Engel – angels
erstellt – compiled
abgehakt – checked-off
Lüften – ventilation
Einschränkungen – limitations
Gesten – gestures
Miteinanders – togetherness
basteln – hand-make
bewusst – intentionally
greifen – reach for

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*