27. November 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Der «deutsche Elvis» – Rock‘n‘Roller Ted Herold ist tot

Mit Songs wie «Moonlight» und «Hula Rock» brachte der «deutsche Elvis» Ted Herold Ende der 50er Jahre Schwung auf die Tanzflächen. In den 70ern bescherte ihm Udo Lindenberg dann ein Comeback. Nun ist der Musiker mit 79 Jahren bei einem Wohnungsbrand gestorben.

ARCHIV – 27.11.2004, Bremen: Sänger Ted Herold präsentiert seinen Hit “Moonlight”. Der deutsche Rock’n’Roll-Musiker ist am 20.11.2021 bei einem Wohnungsbrand in Dortmund ums Leben gekommen. Das bestätigte am Sonntag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund. Herold wurde 79 Jahre alt. Foto:dpa

Von Yuriko Wahl, Jana Wolf und Erich Reimann
Dortmund (dpa) – Für seine Fans war er der «deutsche Elvis». In den 50er Jahren sorgte der Rock‘n‘Roll-Musiker Ted Herold mit Hits wie «So schön ist nur die allererste Liebe», «Hula Rock» oder seinem größter Erfolg «Moonlight» für Bewegung auf den Tanzflächen im Nachkriegs-Deutschland und belegte Top-Plätze in den Hitparaden. Am Samstagabend starb der Musiker, der eigentlich Harald Schubring hieß, bei einem Wohnungsbrand in Dortmund, wie ein Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilte. Herold wurde 79 Jahre alt. Zuerst hatten die «Bild-Zeitung», T-Online und das Newsportal «ruhr24» berichtet.

Der verhängnisvolle Brand war nach Angaben der Feuerwehr am Samstagabend im ersten Stock des kleinen Zweifamilienhaus in Dortmund-Berghofen ausgebrochen, in dem Herold seit Jahren wohnte. Mit ihm starb nach Angaben der Polizei seine 48-jährige Ehefrau. Herolds Schwiegereltern, die im Erdgeschoss des Hauses wohnen, wurden mit dem Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Sie hatten zuvor die Retter alarmiert, als sie Rauch in Herolds Wohnung bemerkten. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Doch gab es zunächst keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Die Karriere des am 9. September 1942 in Berlin geborenen Rock‘n‘Rollers hatte schon als Schüler in den 1950er Jahren begonnen – immer orientiert an seinen Vorbildern Bill Haley, Buddy Holly und Elvis Presley. Schon seine erste Schallplatte («Ich brauch‘ keinen Ring»/«Lover Doll») belegte auf Anhieb dreimal den ersten Platz der Hit-Parade von Radio Luxemburg. Einige Jahre lang gab er vor allem deutsche Cover-Versionen von Elvis Presley zum Besten. Nach eigenen Angaben aß Herold mit dem «King of Rock‘n‘Roll» sogar einmal ein Eis, als der noch als Soldat in Deutschland stationiert war.

Doch hielt der Höhenflug nicht an, schon nach einigen Jahren kam ein Karriere-Knick. «1961 war der Rock‘n‘Roll dann praktisch tot. Die Leute wollten was Neues», erinnerte sich Herold 2012 zu seinem 70. Geburtstag. Twist war angesagt, dann kamen die Beatles und die Rolling Stones. So wurde es Ende der 60er deutlich ruhiger um den deutschen Rock‘n‘Roller.

Seinen frühen Ruhm betrachte Herold im Rückblick durchaus kritisch. «Auf der Bühne galt ich als eine Art Rebell. Ein falsches Image. Ich besaß nicht mal ein Auto. Für den Führerschein war ich zu jung», erzählte er 2002 dem «Stern». «Alles wurde von Fremden für mich entschieden.» Später habe er festgestellt, dass seine Mutter seine Gagen verpulvert und sich auf seine Kosten eine 100 000 Mark teuer Jacht gekauft habe.

Auch bei seinem Künstlernamen Ted Herold habe er kein Mitspracherecht gehabt. «Meine erste Platte «Ich brauch‘ keinen Ring» lag unter dem Pseudonym bereits im Laden, als der Produzent mir das zu erzählen wagte. Aus meinem Vornamen Harald hatte er Herold gemacht. So ist es geblieben.» Nach dem Ende seiner Zeit als Teenageridol habe er Mitte der 60er Jahre einen richtigen Beruf erlernt und später als Elektrotechniker eine Fernsehreparaturwerkstatt geleitet, bis ihn Udo Lindenberg zurück auf die Bühne holte und sein zweite Karriere begann.

Lindenberg gewann Herold 1977 für seine Platte «Panische Nächte». Und der Rock‘n‘Roller begleitete Lindenberg dann auch bei dessen Deutschlandtour. Ein neuer Durchbruch für Ted Herold, neue Songs und Verträge folgten. Seine alten Titel kamen allesamt als CD auf den Markt. Der Sänger war wieder obenauf, gab Konzerte, war gefragter Gast bei Gala-Veranstaltungen oder in TV-Sendungen und bei Oldie-Nights.

«Als Kultfigur lebe ich halt von der Nostalgie», urteilte der Musiker kurz nach der Jahrtausendwende über sich selbst. 2016 nahm Ted Herold Abschied von der Bühne.

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Sport

Geister-Sorgen und 2G-Debatten: Profisport droht knallharter Winter

Volles Haus in Berlin und fast 60 000 in Dortmund. Doch die Frage ist: Wie lange noch? An den ersten Orten kehren die finanziell und stimmungstechnisch gefürchteten Geisterspiele zurück. Für die ungeimpften Fußballprofis wird es immer ungemütlicher.

20.11.2021 Dortmund: Bor. Dortmund – VfB Stuttgart ,Signal Iduna Park: Fußballfans warten auf den Spielbeginn. Auf einer Videoleinwand werden coronabedingte Verhaltensregeln angezeigt. Foto: dpa

Von Patrick Reichard
Frankfurt/Main (dpa) – Gänsehaut-Szenen im pickepackevollen Stadion An der Alten Försterei, knapp 60 000 ausgelassene Fans in Dortmund: Die Bilder vom Bundesliga-Wochenende begeisterten Fußballfans, könnten angesichts der drastischen Corona-Lage und dem nächsten drohenden knallharten Pandemie-Winter aber schon sehr bald der Vergangenheit angehören. In Sachsen kehren ab kommender Woche ein weiteres Mal die Geisterspiele zurück, in Bayern dürfen maximal ein Viertel der Fans in die Stadien – und das nur, wenn sie geimpft oder genesen und zusätzlich negativ getestet sind.

Inmitten der finanziell und stimmungstechnisch extrem gefürchteten Drohkulisse Geisterspiele tobt weiter die Debatte um ungeimpfte Profis wie Nationalspieler Joshua Kimmich, der sich als Kontaktperson erneut in Quarantäne begeben müsste. Die Politik um die beiden Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Hendrik Wüst (CDU) erhöht angesichts der aktuellen Lage und den bevorstehenden Monaten immer mehr den Druck. Söder hatte 2G für den Profifußball als «sinnvoll» beschrieben, auch wenn das rechtlich schwierig durchzusetzen sei.

Einfacher durchzusetzen ist da für die Länder, die Fans nach dem Frühjahr 2020 und dem Herbst 2020 ein drittes Mal pandemiebedingt aus den Stadien zu verbannen. Die derzeit besonders schwer von Corona betroffenen Bundesländer Bayern und Sachsen haben erste größere Maßnahmen in diese Richtung ergriffen, die in der Bundesliga besonders RB Leipzig betreffen.

Der Vize-Meister sieht «einen sportlichen Wettbewerbsnachteil, da wir derzeit der einzige Erstligist sind», der seine kommenden Heimspiele vor leeren Rängen austragen müsse. «Natürlich sind wir enttäuscht, aber die Situation in der Gesellschaft ist wichtiger jetzt als das, was im Stadion passiert», sagte Trainer Jesse Marsch. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke merkte an, Fußball sei ein Freiluftsport.

«Und ich bin schon der Meinung, dass wir uns nicht in Kollektiv-Haftung mit anderen Regionen nehmen lassen dürfen, die sich weniger haben impfen lassen und deshalb ganz andere Zahlen haben.»
Dortmund vor bis zu 70 000 und Leipzig vor Geisterkulisse? Da stellt sich unausweichlich die Frage, wie lange eine so krasse Schere Bestand haben wird. Im bisherigen Pandemie-Verlauf glichen sich die Regeln in den einzelnen Bundesländern meist schnell aneinander an, sowohl bei Verschärfungen als auch bei Lockerungen. Fakt ist aber auch: Nie unterschied sich die Pandemie-Lage geografisch so sehr wie jetzt, wo neben den reinen Inzidenzzahlen und Krankenhausbelegungen auch die jeweiligen Impfquoten entscheidend geworden sind.

Nach den Vorboten aus Bayern und Sachsen, die unter anderem auch den Handball, Basketball und den Wintersport betreffen, sorgen sich auch andere Fußballclubs vor erneuten Spielen ohne Publikum. Union-Trainer Urs Fischer sagte bei Sky: «Am Ende müssen auch wir uns an Bestimmungen halten. Das machen wir glaube ich sehr gut bei Union. Am Schluss geht es auch darum, Entscheidungen zu akzeptieren.» Er selbst befürworte Zuschauer, räumte aber auch ein: «Du kannst es nie allen recht machen.»

Die 22 012 Fans beim Berliner Stadtderby waren ein besonders markantes Sinnbild der «alten Normalität», die auch in vielen anderen Stadien am Wochenende herrschte. Hertha Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic beklagte die exponierte Stellung des Fußballs in den derzeit so vielschichtigen Debatten. «Da wird mir zu viel über den Fußball gequatscht, man muss über den Sport reden.» Man wolle nicht «Spielball der Politik» sein.

In den zum Teil populistisch angehauchten Diskussionen um eine mögliche Impfpflicht oder 2G für Profisportler wirkte der Fußball zuletzt aber genau wie ein solcher «Spielball». Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bedauerte den Ausfall seines Topspielers Kimmich beim 1:2 in Augsburg zwar, sagte aber auch: «Ich weiß nicht, warum Profisportler jetzt eine Impfpflicht brauchen und andere nicht.» Der ehemalige Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte bei «Sky90 – die Fußballdebatte»: «Es ist eine Debatte, die den Verein langsam auch nervt. Alle haben versucht, das Thema Nichtimpfen zu bereinigen oder eine Lösung zu finden. Das ist nicht geglückt bis dato.»

Ob eine flächendeckende Impfung sämtliche Corona-Probleme des deutschen Profisports überhaupt lösen würde, erscheint mehr als fraglich. Am Samstag hatte das Handball-Spiel der SG Flensburg-Handewitt bei der TSV Hannover-Burgdorf abgesagt werden müssen, weil es bei der SG Durchbrüche von vier vollständig geimpften Spielern gegeben hatte. Allgemein häufen sich derzeit wieder Spielabsagen und Verlegungen wegen positiven Fällen und den folgenden Quarantäne-Anordnungen. Eine logische Folge der bundesweit steigenden Corona-Zahlen.

Andere sind in Sachen Impfpflicht schon deutlich weiter. Der millionenschwere Basketball-Star Kyrie Irving sitzt bei den Brooklyn Nets seit NBA-Saisonbeginn draußen, weil er ungeimpft ist. Die Stadt New York City verlangt von Hallensportlern einen Impfnachweis – weil Irving diesen nicht erbringen will, wird er derzeit vom Titelanwärter überhaupt nicht mehr berücksichtigt.

Auch bei den Olympischen Winterspielen in Peking (vorab drei Wochen Quarantäne für Ungeimpfte) und den Australian Open der Tennisprofis (nur geimpfte Teilnehmer) kommen Athleten kaum oder gar nicht am in Deutschland derzeit diskutierten 2G-Modell vorbei. Der Serbe Novak Djokovic ließ seine Teilnahme bei dem Turnier in Melbourne deshalb offen. «Wir werden sehen. Wir werden warten müssen und sehen», sagte der 20-malige Grand-Slam-Sieger, über dessen Impfstatus seit Monaten gerätselt wird.

Das gilt seit dem Wochenende auch für Fußballtrainer Markus Anfang, dessen Impfpass-Affäre für den Profifußball zu einem sehr unpassenden Zeitpunkt kam. Der 47-Jährige gab sein Amt als Chefcoach von Werder Bremen am Samstagmorgen auf und reagierte damit auf Vorwürfe, ein gefälschtes Impfzertifikat benutzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag Ermittlungen eingeleitet, der Trainer bestreitet die Vorwürfe.

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Feuilleton

Oberammergau rüstet sich für Passion

Der Spielleiter der Passionsspiele Christian Stückl spricht während einer Pressekonferenz zum „Haar –und Barterlass“ für die wegen Corona auf 2022 verschobenen Passionsspiele. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Oberammergau (dpa) – Entstanden vor fast 400 Jahren aus einem Pestgelübde, im vergangenen Jahr an Corona gescheitert: Die berühmten Passionsspiele in Oberammergau sollen nächstes Jahr nachgeholt werden. In einem halben Jahr, am 14. Mai 2022, soll Premiere sein – zwei Jahre später als geplant.

Jetzt startet der oberbayerische Ort wieder in die Vorbereitungen. Derzeit werden die Requisiten ausgepackt, in der Schneiderei laufen Anproben: Die Kostüme müssen angepasst werden. Noch im November sollen Chorproben beginnen, wegen Corona vorerst ausschließlich in kleiner Besetzung. Die textlichen Proben sollen im Januar starten.

Im März 2020 hatte Spielleiter Christian Stückl die berühmte Passion, die nur alle zehn Jahre stattfindet, wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben.

Man sei sehr zuversichtlich für die Premiere, der Vorverkauf laufe gut, sagt eine Sprecherin der Passionsspiele. Rund 70 Prozent der Karten für die rund 100 Vorstellungen seien verkauft. Die Passion geht auf ein Pestgelübde zurück. Im Jahr 1633 versprachen die Oberammergauer, alle zehn Jahre die Passion aufzuführen, wenn niemand mehr an der Seuche sterbe – was der Legende nach eintrat.

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Gesundheit

Der Anteil fettleibiger älterer Menschen in Deutschland steigt

Immer mehr Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge fettleibig.       
Foto: Jens Büttner/dpa

Berlin (dpa) – Immer mehr Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge fettleibig. Besonders über 80-Jährige bekämen häufiger die Diagnose Adipositas, teilte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in einem Bericht mit.

2009 seien der Versorgungsatlas-Studie zufolge 6,4 Prozent der Männer zwischen 85 und 89 Jahren fettleibig gewesen. Im Jahr 2018 habe sich der Anteil auf 12,9 Prozent etwa verdoppelt. Bei Frauen in dem Alter ist ein höherer Anteil von der Diagnose betroffen. So wurden 2009 etwa 8,3 Prozent dieser Frauen für fettleibig erklärt, 2018 waren es rund 14,8 Prozent.

Bei Kindern und Jugendlichen hingegen scheine sich die Diagnosehäufigkeit von Adipositas allmählich zu verlangsamen, teilte das Institut mit. 2018 seien bei 4,6 Prozent der Mädchen und 4,7 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren Adipositas diagnostiziert worden. 2009 waren es bei den Mädchen der Altersgruppe 4,3 Prozent und bei den Jungen 4,1 Prozent. In einigen Altersbereichen bei Kindern und Jugendlichen zeigte sich dem Institut zufolge seit 2014 eine Stabilisierung oder sogar ein leichter Rückgang der Prävalenz.

Bei der Studie wurden auch geografische Unterschiede festgestellt. So seien in den östlichen Bundesländern mehr Menschen von Fettleibigkeit betroffen als im restlichen Deutschland. Spitzenreiter sei Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Inwiefern die Altersstruktur dabei eine Rolle spielt, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Das Institut hat Zahlen von gesetzlich Krankenversicherten in einem Zeitraum zwischen 2009 und 2018 erhoben. Im Jahr 2009 erhielten demnach insgesamt 9,2 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten die Diagnose Adipositas, 2018 waren es 11,2 Prozent.

«Als eine der großen Bevölkerungskrankheiten, nicht nur in der westlichen Welt, geht die Adipositas häufig mit komplexen Begleit- und Folgeerkrankungen einher», sagte der Institutsvorsitzende Dominik von Stillfried. Diese würden nicht nur einen hohen Leidensdruck, sondern auch enorme medizinische Versorgungskosten verursachen.

Als adipös gelte ein Mensch, wenn sich der Körperfettanteil stärker vermehrt als im Normalfall, schreibt das Institut. Laut Weltgesundheitsorganisation sind Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 fettleibig. Den BMI erhält man, indem man sein Gewicht durch die Körpergröße zum Quadrat teilt.

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Reise

Schatzinsel Puerto Rico: Kaleidoskop der Kulturen in der Karibik

Farbige Fassaden: Im Stadtviertel La Perle in San Juan wirken manche Häuser
 wie bunte Bonbons. Foto: Heike Schmidt Windhoff/dpa

Von Heike Schmidt Windhoff
San Juan (dpa) – Sie lesen das hier an einem grauen, nasskalten Tag im Spätherbst? Gut, dann Szenenwechsel. Wir nehmen Sie mit auf eine immergrüne Antilleninsel zwischen Atlantik und karibischer See. Wie ein flüssiges Firmament funkeln Puerto Ricos schimmernde Meeresbuchten, befeuert von einem Universum winziger Wasserwesen. Weltweit soll es nur eine Handvoll dieser empfindlichen, fluoreszierenden Ökosysteme geben, drei davon hier, auf dem heutigen US-Territorium. Und das Funkeln ist nur eine Facette – also los.

Es dämmert über Fajardo am Nordostzipfel der Insel als die Kajak-Kolonne vom Sandstrand ablegt und leise plätschernd in den düsteren Mangrovenwald gleitet. «Immer schön hintereinander», tönt Tourguide Noel Cruz munter von weit, weit vorn. So ein Paddelprofi hat gut rufen. Schmal und kurvig ist der zwei Kilometer lange Kanal zur Laguna Grande.

In der starken Strömung rumpeln die roten Plastikboote lustig zusammen und verfangen sich im Dschungel kniedicker Uferwurzeln. Schrill schimpfend fliegt ein weisser Reiher auf, als die Karawane aus dem dichten Blättertunnel endlich in die große Lagune einbiegt. Blass flimmern die ersten Sterne.

Wie Glühwürmchen im Wasser
Auch im dunklen Wasser blitzen grünblaue Galaxien auf, wenn man die Hände eintaucht und mikroskopisch kleine Geisseltierchen ordentlich aufmischt: Zu Milliarden leben sie in dieser gut geschützten Bucht.

Dinoflagellaten glimmen wie Glühwürmchen der Meere. Bei mechanischer Stimulation geben sie ein wundersames biologisches Neonlicht ab. Die Intensität, erklärt Noel seinen andächtigen Schützlingen, hänge von Temperatur und Nährstoffen ab. Mosquito Bay auf der kleinen Nebeninsel Vieques gilt sogar als hellste Biolumineszenz-Bucht der Welt. Dort soll jeder Paddelstrich ein submarines Feuerwerk aufwirbeln und die Heckwelle der Kayaks wie ein Kometenschweif erstrahlen.

Isla del Encanto nennen die spanisch sprechenden Einheimischen ihre Heimat stolz. Und wirklich scheint auf dieser Insel ein natürlicher «Zauber» zu liegen mit ihren leuchtenden Lagunen, märchenhaften Stränden und den uralten Baumriesen im El Yunque-Regenwald. Dort leben Zwergfrösche klein wie ein Daumennagel.

Statt Hilfe folgten Zwangsarbeit und Untergang
Die geballte Charmeattacke ist zugleich Verhängnis. Puerto Rico heißt zu Recht «reicher Hafen». Konquistador Juan Ponce de Léon und sein Chef Christoph Kolumbus beschlagnahmten das rechteckige Eiland 1493 für die kastilische Krone. Bedrängt von kriegerischen Karibenstämmen hofften die lokalen Taínos auf Verstärkung und empfingen die Fremden mit offenen Armen. Doch Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten beschleunigten nur ihren Untergang.

Im archäologischen Freilichtmuseum Centro Ceremonial Indígena sind ihre struppigen Strohhütten nachgebaut. Lehnworte wie Hurrikan, Kanu und Mais blieben von den Ureinwohnern übrig. Ungerührt importierten die Kolonialherren fortan aus Westafrika frische Arbeitskräfte für ihre florierenden Plantagen – Tabak, Kaffee und Zuckerrohr. Aus dessen Restprodukt Melasse wurde bald kostbarer Rum produziert.

Heute betreibt die Bacardí-Familie hier die weltgrößte Destillerie mit Probiertouren für Touristen. Lokalfavorit bleibt jedoch Don Q-Rum aus der Serrallés Brennerei an der Südküste in Ponce.

Lange schützten wehrhafte Bauten das spanische Territorium
Proviantstopp, Handelsplatz, Militärstützpunkt und Trophäe – ihre Schatzinsel schützten die Spanier mit mächtigen Steinfestungen wie dem 1539 begonnenen Castillo San Felipe del Morro. Auf sechs Stockwerke wuchs das Fort über die nächsten 250 Jahre mit meterdicken Mauern, runden Wachhäuschen, Leuchtturm und einem wirren Labyrinth von Tunneln, Kasematten und Kasernen.

Jetzt liegen hier wieder ordentlich gefaltete Uniformen auf den Holzpritschen. Kinder lassen bunte Drachen auf den windigen Burgwiesen steigen. Heute ist die Zitadelle Unesco-Weltkulturerbe und mit US-Dollars sorgfältig restauriertes Nationaldenkmal. War El Morro für Freibeuter wie Sir Francis Drake noch uneinnehmbar, so hatte das mittelalterliche Gemäuer gegen moderne Waffen der amerikanischen Navy keine Chance. Als Kriegsverlierer mussten die Spanier ihre Perle der Karibik 1899 herausrücken. Seither ist Puerto Rico ein US-Außenterritorium.

Das Paradies und seine Schattenseiten
«Älteste Kolonie der Welt» passt besser, sagt Margarita Pastor leise. Mit Ehemann Eddie eröffnete sie 2013 das sonnengelbe «Casa Sol» als erstes Bed & Breakfast im historischen Teil der Hauptstadt San Juan.

Dank amerikanischer Fördermittel ist das relativ reiche Puerto Rico ein sicheres Reiseziel mit guter Infrastruktur in einer oft instabilen Region. Trotzdem sind die Menschen hier ärmer als auf dem Festland. Ohne nationales Wahlrecht fühlen sich viele Puerto Ricaner besonders bei mangelhafter Hilfe während Naturkatastrophen wie Wirbelsturm Maria 2017 als US-Staatsbürger zweiter Klasse.

«Wir wollen endlich selbst entscheiden», sagt Margarita. Die Mehrheit stimmte im Referendum gegen den Status Quo. Ob das Territorium aber autonom oder ein vollberechtigter 51. Bundesstaat sein sollte, darüber ist sich weder die Insel noch die US-Regierung einig.

Bunte Fassaden und gusseiserne Laternen
Schatten verweilen nicht lang unter heiterem Tropenhimmel. Karibische Leichtigkeit verschmolz mit spanischem Erbe und amerikanischer Moderne zu einer einzigartigen kulturellen Identität – wohl nirgends besser verkörpert als in Viejo San Juan, einem Altstadtviertel wie aus dem Bilderbuch.

Die Putzfassaden der zweistöckigen Reihenhäuser im Kolonialstil sind in fröhlichen Bonbonfarben angemalt, mit weißen Rahmen um die Fenster und gusseisernen Straßenlaternen neben den Türen. Rot blühende Bougainvilleen ranken von den schmalen Holzbalkonen. Sogar die buckligen Pflastersteine aus Eisenschlacke schillern in einem tiefen Blau.

500 Jahre – die älteste Stadt in den USA
1521 gegründet, ist San Juan die älteste Stadt in den USA. Eigentlich findet fast jedes Wochenende irgendwo auf der lebensfrohen Insel eine Party statt – ein Karnevalsumzug in Ponce, ein Ananasfest in La Parguera, die Maskenparade für Schutzpatron Santiago Apóstol in Loíza.

Wegen der Coronapandemie beschränkt sich die Geburtstagsfeier erst auf geführte Gratis-Rundgänge durch 500 Jahre lebendige Geschichte: An der zwölf Meter hohen Stadtmauer El Muralla entlang und durch das einzig noch erhaltene Tor La Puerta de San Juan hindurch, wo rostrote Leguane in schattigen Nischen faulenzen.

An der für eine Wunderrettung erbauten barocken Christus-Kapelle mit kleinem Turm und großem Kreuz tragen flatternde Tauben Dankgebete himmelwärts. Straßenmusiker spielen Gitarre auf den Treppen der mittelalterlichen Catedral de San Juan. Doch das Herz der Stadt schlägt auf den vielen quirligen Plätzen wie dem Plaza de Armas mit dem vanillefarbenen Rathaus, Marmorbrunnen, den Straßencafés und vielen Restaurants.

Frittierte Kochbananen und Piña Colada
Fast alle servieren das geheime Nationalgericht Mofongo, ein kulinarisches Allerlei aus Taíno, spanischen und afrikanischen Zutaten – sogar eine Pizzeria wie Barí. Die frittierten grünen Kochbananen zerstampft man hier selber in einem groben Holzmörser. Das geht erstaunlich gut. Doch wie kriegt man das bloß raus? Tourguide Itzel Romàn-Padilla lacht: «Du darfst auslöffeln». Verfeinert wird mit Mayoketchup, einer Insel-eigenen Kreation aus den beliebtesten amerikanischen Soßen plus Knoblauch.

Dazu gibt es natürlich eine Piña Colada aus Kokosmilch, Sahne, Ananassaft und Rum. Seit über 50 Jahren streitet das Hotel «Caribe Hilton» mit dem Restaurant Barrachina, an wessen Bar der Kult-Cocktail nun erfunden wurde. Am besten probiert man beide aus.

Jazz, Reggae, Salsa, Hip-Hop – oder alles zusammen?
Am Wochenende schwappt Livemusik aus Bars und Clubs bis auf die Straßen. Tagsüber noch braver Marktplatz mit unscheinbaren Obst- und Gemüseständen, verwandelt sich La Placita de Santurce nachts in eine hippe Freiluft-Disco. Musikvereine schleppen ihre Fasstrommeln auf den Plaza de Armas. Beide heißen Bomba – die bauchigen Schlaginstrumente und der afro-karibische Musikstil, geboren auf den Sklavenplantagen von Loíza.

Dabei dirigieren Tänzer, wie Maribella Burgos von der örtlichen Tanzgruppe zeigt, mit ihren schwingenden Rockbewegungen die Trommeln. Aus Bomba entwickelte sich Plena, folkloristische Tanzmusik mit Liedtexten wie «gesungene Tageszeitungen.» Vermischt mit einem ordentlichen Schuss Jazz von der US-Ostküste, wurden aus alter Volksmusik heiße Salsa-Rhythmen.

Reggaetón heisst die neueste Fusion aus Tradition, Hip Hop und Reggae, inspiriert von den Nuyoricans, der um New York lebenden puerto-ricanischen Diaspora. Der internationale Sommerhit Despacito von Luis Fonsi, der im Video mit Daddy Yankee zwischen den bunten Zementhäusern von San Juans La Perla Stadtviertel tanzt, ist eine musikalische Liebeserklärung an die Insel und ihre vielschichtige Kultur. So klingt Symbiose.

Info-Kasten: Puerto Rico
Reiseziel: Puerto Rico ist ein US-amerikanisches Außengebiet in der Karibik. Auf der kleinsten Insel der Großen Antillen leben 3,2 Millionen Menschen. Landessprachen sind Spanisch und Englisch.
Klima und Reisezeit: Das Klima in Puerto Rico ist warm, feucht und tropisch. Hauptreisezeit ist von Dezember bis März.
Einreise und Corona-Lage: Das Robert-Koch-Institut stuft die USA aktuell als Hochrisikogebiet ein. Die Pandemie-Maßnahmen liegen in der Verantwortung der einzelnen Bundesstaaten. Seit dem 8. November sind touristische Einreisen für vollständig Geimpfte wieder möglich. Darüber hinaus ist ein negativer Corona-Test (PCR oder Antigen) nicht älter als drei Tage oder ein Bescheid über eine überstandene Corona-Krankheit in den vergangenen 90 Tagen vorgeschrieben.
Übernachtung: Im Großraum San Juan säumen Hotelburgen amerikanischer Ketten in vielen Preisklassen zwischen Flughafen und Altstadt.
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Herzlich oder würzig: Adventskalender mal ganz ohne Schokolade

Kleine nummerierte Päckchen als Adventskalender-Türchen passen auch an jedes Treppengeländer. Foto: Mascha Brichta/dpa

Von Claudia Wittke-Gaida
Köln/Bonn (dpa) – Sie finden einen mit Schokolade gefüllten Adventskalender zu langweilig? Oder zu kalorienreich? Klar, gibt es auch Alternativen gefüllt mit Spielzeugautos oder kleinen Einhörnern für die Kleinen im Handel.

Großen Adventsfreunden kann man natürlich auch mit Kosmetik, Gewürzen oder erotischen Spielsachen hinter den Türchen kommen. Aber richtig groß raus kommt man, wenn man seine Lieben mit selbst gemachten «Türchen» überrascht.

Wie wär‘s mit Plätzchen, Gewürzmischungen, Gutscheinen oder Botschaften – abgefüllt in aufgehübschten Gläschen, etwa mit angesprühten Deckel und aufgeklebten Sternen? «Gläser haben den nachhaltigen Vorteil, dass man sie jedes Jahr wieder benutzen kann», sagt Katja Fischborn von der DIY Academy in Köln.

Und damit sie nach dem täglichen Leeren nicht blöd rumstehen, könne man sie weiter als Deko verwenden. «Etwa mit Lichterketten füllen», schlägt die Sprecherin der Kreativitätsschule.

Schwebender Adventskalender aus Pappbechern
Gar nicht groß rumstehen müssen schwebende Adventskalender aus alten Pappbechern. «Sie schweben als Mobile an Wollfäden von der Decke oder Lampe, werden bunt beklebt und von 1 bis 24 nummeriert. Als Boden reichen einfach mit Gummi befestigte Stoffreste», sagt Katja Fischborn.
Und an was für Gutscheine denkt sie so? Fischborn sprudelt vor Anregungen: Mal wieder ins Kino gehen, einen Escape-Room online aufsuchen, einen Abend babyfrei, 5 x den Geschirrspüler ausräumen, einen Fahrrad-Ausflug ins Waldlokal.

Hinter den nummerierten Glas-Türchen könnten aber auch kleine Botschaften stecken, die ans Herz gehen. «Einfach mal Danke sagen für Dinge, die selbstverständlich scheinen», regt Fischborn an. Etwa «Danke, dass du immer mein Lieblingsduschbad für mich mitbringst» oder «Danke, dass du so oft meine Lieblingslinsensuppe kochst, obwohl du sie selber gar nicht magst».

24 Gewürzmischungen in Reagenzgläschen
Ob dekorierte Pappbecher, leere Klopapierrollen oder Gläschen – für die Füllungen hat das Bundeszentrum für Ernährung kulinarische Vorschläge parat. Etwa einen selbst gemachten Gewürzkalender – verpackt in kleinen Reagenzgläsern mit einer kurzen Beschreibung und vielleicht noch einer Rezeptidee.

Für mediterrane Mischungen werden etwa frische Küchenkräuter wie Oregano, Rosmarin und Thymian gewaschen, trocken geschüttelt und ohne Stiele sehr fein gehackt. Mit Meersalz vermischen, abfüllen und verschließen. Eine tolle Gewürzmischung ist zum Beispiel auch Bratapfelgewürz, das auch Kuchen und Desserts verfeinern kann. Einfach das Mark einer Vanilleschote, gemahlenen Zimt, Gewürznelken, Anis, Muskatnuss und Kardamom mit braunem Zucker vermischen. So kommt vorweihnachtliche Stimmung auf.

Plätzchen mit zuckersüßen Nummerierungen
Weniger aufwendig ist ein Adventskalender aus süßem Gebäck. Selbst gebackene Plätzchen lassen sich gut aufbewahren und können auch nummeriert werden. Mit Ausstechformen oder Stempeln entstehen Adventsmotive wie Tannenbäumchen, Engel, Weihnachtsmännern und Sterne.

Aus Puderzucker und Zitronensaft wird ein Guss zubereitet und in eine Spritztüte gefüllt. Damit werden dann die Plätzchen von 1 bis 24 beschriftet. Sie können dann einfach in einer dekorativen Blechdose überreicht werden oder in einzelne kleine Schachteln gepackt werden.

Zu süß? Dann nimmt man einfach tolle Teesorten. Teeliebhaber freuen sich immer über außergewöhnliche Tees. Und Pastafans über eine bunte Mischung italienischer Nudelsorten, die portionsweise in Tütchen gefüllt werden können.

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Aus Allen Staaten

“Weihnachts-Singfest” in Frankenmuth

St. Lorenz Church in Frankenmuth, Michigan will host the 29th annual “Weihnachts-Singfest” on Sunday, Nov. 28 at 3:00 p.m.  All are welcome to join for an hour of singing favorite German carols and hearing German readings of Advent and Christmas.  This year’s program also marks 175 years since St. Lorenz began a Chippewa mission school and dedicated its first church, a log structure, for Christmas 1846.  The Parish Handbell Choir will play pre-service music, and the program includes singing “Stille Nacht” with guitar accompaniment.   After the Singfest, volunteer guides will describe the church interior and adjacent historic sites (weather-permitting):  the founders’ bells from Nürnberg, the church museum of immigrant and Native American artifacts, and the replica log cabin.   St. Lorenz Lutheran Church is located at 1030 W. Tuscola, Frankenmuth MI 48734.  St. Lorenz congregation and Frankenmuth were established in 1845 by a group of 15 Franconian immigrants including Pastor August Craemer.  Their goals were mission work with the Native American Chippewa and establishing a church congregation and school for the hundreds of German immigrants who arrived in subsequent years.

The service will also be livestreamed (and stored) on the St. Lorenz website at http://stlorenz.org/stream.  At ‘Traditional Services” (on the left side), select the German service.  Broadcast can also be accessed on your Smart TV (Roku, Apple TV, etc.) by typing in “St. Lorenz Church and School” and adding the channel or on Facebook on the Frankenmuth-Gunzenhausen Sister Cities page.  Prior German worship services can be viewed at https://vimeo.com/showcase/stlorenz-german.
 
For more info about the Weihnachts-Singfest and tours afterward, call 989-652-3563 or email danhauben@hotmail.com or bethanybernthal@yahoo.com; Frankenmuth visitor information is at http://www.frankenmuth.org.

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