01. Juni 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Prozess um Burg Rheinfels – Hohenzollern-Chef will sie wieder haben

Eine malerische Ruine hoch über dem Rhein gehört seit fast 100 Jahren dem Städtchen St. Goar. Plötzlich hat der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Besitzansprüche angemeldet.

Rheinland-Pfalz, St. Goar: Die Luftaufnahme mit einer Drohne zeigt Burg Rheinfels. Foto: dpa
Georg Friedrich Prinz von Preußen Foto: dpa

Von Jens Albes
Koblenz (dpa) – Der Chef des Hauses Hohenzollern fordert den einstigen Familienbesitz Burg Rheinfels zurück. Doch das Landgericht Koblenz verpasst Georg Friedrich Prinz von Preußen einen Dämpfer. Dessen Klage bezieht sich auf das riesige Gemäuer hoch über St. Goar im Herzen des Welterbes Oberes Mittelrheintal. Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. ist bei der einstündigen mündlichen Verhandlung am Donnerstag nicht anwesend. Am 25. Juni will die Kammer ihre Entscheidung verkünden. Diese könnte auch noch ein oder zwei weitere Instanzen beschäftigen, vermutet der Vorsitzende Richter Christian Stumm.

Der in Potsdam lebende Prinz von Preußen hat das Land Rheinland-Pfalz,
die Stadt St. Goar und das an die Ruine angrenzende Burghotel verklagt. Laut dem St. Goarer Stadtbürgermeister Horst Vogt (CDU) wäre ein Verlust der Burg dramatisch: Stadt, Land und Hotel hätten hier Millionen investiert. «Die Burg Rheinfels ist das Herz von St. Goar», betont Vogt vor der Verhandlung. «Für mich hat das den Anschein eines kleinen Beutezugs der Hohenzollern, die ernten wollen, was sie nicht gesät haben.» Der Anwalt des Prinzen, Eckart Putzier, weist im Prozess derartige Vorwürfe zurück.

Das Haus Hohenzollern hatte Burg Rheinfels seit dem 19. Jahrhundert besessen. Nach dem Untergang des Kaiserreichs wurde die Stadt St. Goar 1924 Eigentümerin, mit der Auflage, das Gemäuer nicht zu verkaufen. 1998 schloss das Städtchen mit dem Hotel direkt neben der Burgruine einen Erbpachtvertrag für 99 Jahre mit der Option auf eine ebenso lange Verlängerung. Der Prinz von Preußen argumentiert, dieser Vertrag komme einem untersagten Verkauf gleich.

Richter Stumm betont, nach dem Untergang des Kaiserreichs sei das «gebundene Staatsvermögen» des preußischen Königs an die damalige Krongutsverwaltung gegangen. Diese habe bei der Übertragung der Burg Rheinfels auf die Stadt St. Goar ein Rücktrittsrecht bei Verstößen gegen den Denkmalschutz oder einem Verkauf bekommen, um das Gemäuer als Kulturdenkmal zu erhalten. Damit hätte die Burg nicht in die Hände der Hohenzollern-Familie, sondern allenfalls in das Eigentum des preußischen Staats fallen können. Dessen Rechtsnachfolger ist in diesem Fall das Land Rheinland-Pfalz.

Der Anwalt des Landes, Bodwin Blank, wirft dem Hohenzollern-Chef vor, bei der Renovierung der Burg und den Millioneninvestitionen des Hoteliers in dessen Vier-Sterne-plus-Hotel tatenlos zugesehen zu haben und nun dessen Pacht kassieren zu wollen. Diese beläuft sich laut dem Hotelbetreiber Gerd Ripp auf 71 000 Euro pro Jahr.

Der Anwalt des Prinzen, Putzier, weist dies zurück. Sein Mandant habe gar nichts von seinem Besitzanspruch bei der Burg Rheinfels gewusst, bis ihn 2015 ein Notar angeschrieben habe. Der Prinz von Preußen habe es nicht auf das Hotel abgesehen – mit Ripp sei wohl eine Einigung möglich. Der Anwalt des Landes Rheinland-Pfalz, Blank, hält dagegen: Die Hohenzollern-Familie habe immer von dem Grundbucheintrag der Burg Rheinfels gewusst – sich aber 95 Jahre nicht um ihn gekümmert.

Nach der Verhandlung in einem kleinen, voll besetzten Gerichtssaal geben sich Blank und Ripp unisono «vorsichtig optimistisch». Der persönliche Berater des Prinzen, Daniel Hug, sagt dagegen: «Wir wollen das laufende Verfahren nicht kommentieren.»

Rheinfels ist eine der größten Burgruinen am Oberen Mittelrhein und soll bei der dort geplanten Bundesgartenschau 2029 zu einem zentralen Schmuckstück werden. Noch ist die Anlage mit einem Gewirr von Tunneln ein Sanierungsfall. Rund 15 Millionen Euro wären dafür laut Bürgermeister Vogt nötig. Fünf Millionen Euro davon habe das Land Rheinland-Pfalz zugesagt. Jetzt stocke die Sanierung wegen des Rechtsstreits: «Das wirft uns zurück.» Aus Sicherheitsgründen sind Teile der Burg für Besucher ohne Führung bereits gesperrt. Das Gemäuer war im 13. Jahrhundert erbaut und Ende des 18. Jahrhunderts von französischen Revolutionstruppen gesprengt worden.

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Sport

Kovac mit Bayern Double-Sieger – Leipzig verliert Final-Premiere

Eine Woche nach dem Titelgewinn in der Liga macht der FC Bayern mit dem Pokalgewinn das Double perfekt. Der Triumph stärkt die Position von Niko Kovac – der mit einer Personalie genau richtig liegt. Gegner Leipzig kann sich mit einer lange Zeit starken Leistung trösten

Franck Ribéry reckt den Pokal in die Höhe neben Torwart Manuel Neuer, während seine Mitspieler den Pokalsieg bejubeln. Foto: dpa

Von Klaus Bergmann, Frank Kastner und Miriam Schmid
Berlin (dpa) – Niko Kovac bedankte sich mit einem Megafon bei den jubelnden Fans, die Spieler hüpften mit dem Pokal im Konfettiregen. Der Trainer hat mit dem FC Bayern den Angriff von RB Leipzig abgewehrt und sein erstes Jahr in München mit dem Double gekrönt. Eine Woche nach der 29. deutschen Fußball-Meisterschaft gewannen die Bayern am Samstagabend mit einem 3:0 (1:0) gegen die Sachsen auch zum 19. Mal den DFB-Pokal. Ein brillanter Kopfball (29. Minute) und ein Konter-Tor von Robert Lewandowski (85.) sowie eine Einzelaktion von Kingsley Coman (78.) entschieden ein packendes Finale.

Leipzig präsentierte sich in der lange Zeit ausgeglichenen Partie als Gegner auf Augenhöhe. Nach einer starken Anfangsphase des Herausforderers hatten die Bayern aber Vorteile und verdienten sich den letztendlich deutlichen Sieg. Neben Doppel-Torschütze Lewandowski war Nationaltorhüter Manuel Neuer der Matchwinner. Der 33-Jährige rettete nach sechswöchiger Verletzungspause zweimal glänzend und rechtfertigte damit das Vertrauen von Kovac. «Besser hätte man das Drehbuch gar nicht schreiben können», sagte Neuer. «Für uns alle war es wichtig, die Saison so abzuschließen, dass wir Doublesieger sind.»

74 322 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse. Vor allem die Trainer standen im Blickpunkt: Kovac, der nach dem Triumph mit Eintracht Frankfurt sein zweites Pokalfinale in Serie gewann, stärkte als Double-Sieger seine Position. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kündigte nach der Partie an, dass Kovac auch nächste Saison Trainer bleiben werde: «Ja, aber das haben wir eigentlich nie infrage gestellt», sagte er.

Kovac bedankte sich mit einem Megafon bei den Fans. «Ich weiß, dass es nicht einfach ist in unserem Trainer-Job. Deswegen ist so ein Titel sehr schön, sehr wichtig», sagte Kovac später. «Die beiden Titel haben uns recht gegeben, dass wir gut gearbeitet haben.»

Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick dagegen konnte in seinem letzten Spiel auf der Trainerbank nicht den erhofften ersten großen Titel mit RB zehn Jahre nach der Vereinsgründung feiern. «Das ist eine große Enttäuschung», sagte Vorstandschef Oliver Mintzlaff. «Wenn du hier bist, willst du das Spiel auch gewinnen.» Keeper Peter Gulasci sagte: «Wir sind momentan noch enttäuscht. Es ist schwer zu verkraften.»

Bei den Münchnern gab Neuer ein überragendes Comeback. Nach gut zehn Minuten bewahrte er sein Team vor dem frühen Rückstand, als er mit einem starken Reflex einen Kopfball von Yussuf Poulsen nach einer Ecke noch an die Latte lenkte (11.). Kurz nach der Halbzeit verhinderte er im Eins-gegen-Eins mit Emil Forsberg das 1:1.

Tribünengast Joachim Löw hatte vor der Partie prophezeit, der Stil von Leipzig könne den Bayern «sicherlich auch weh tun». Und der Final-Debütant war in der Anfangsphase die bessere Mannschaft. Joshua Kimmich rettete erst gegen Poulsen, dann gegen Timo Werner. Leipzig spielte druckvoller, störte den Gegner früh im Spielaufbau und gewann vor allem die entscheidenden Zweikämpfe im Mittelfeld.

Die Bayern verbuchten zu Beginn nur eine Halbchance durch Serge Gnabry, der mit Coman zunächst die Seiten getauscht hatte. Der Schuss des Nationalspielers ging am Tor vorbei (3.). Nach der anfänglichen Leipziger Dominanz half den Bayern dann das Führungstor, besser ins Spiel zu kommen. Gegen den präzisen Kopfball von Lewandowski gegen die Laufrichtung war Gulacsi machtlos. «Wenn man die Chancen gegen Bayern nicht nutzt, geht man als Verlierer vom Platz», sagte Poulsen.

Die Münchner kontrollierten nun das Geschehen. RB wirkte nach dem Gegentor geschockt und wankte in der Defensive bedenklich. Leipzig hatte Glück, kein zweites Gegentor zu kassieren. Ibrahima Konaté köpfte einen Schuss von Coman von der Linie, Lukas Klostermann klärte vor Javi Martínez und Gulasci rettete gegen Mats Hummels.

Nach der Pause intensivierten die Leipziger ihre Bemühungen noch einmal. Mit einem Schuss vom bis dahin unauffälligen Werner, für den es das letzte Spiel im RB-Trikot gewesen sein könnte, hatte Neuer keine Probleme (49.). Kurz darauf rettete Niklas Süle auf der Linie erneut gegen Werner (57.), danach waren wieder die Münchner am Drücker. Gulacsi parierte gegen Hummels, Thomas Müller schlenzte den Ball neben das Tor (64.). Die Partie war nun komplett offen, beide Teams erspielten sich im Minutentakt Chance um Chance.

Bei den Münchnern feierte Corentin Tolisso acht Monate nach seinem Kreuzbandriss sein Comeback als Einwechselspieler, auch Arjen Robben und Franck Ribéry kamen in ihrem letzten Pflichtspiel für die Bayern als Joker zum Einsatz. «Ich habe versucht, es zu genießen», sagte Robben. «Ich realisiere noch nicht wirklich, dass es jetzt zu Ende ist.» Die entscheidende Aktion gelang aber Coman, der nach starker Ballannahme und einer sehenswerten Finte fulminant zum 2:0 einschoss. Leipzig versuchte danach noch einmal alles, jedoch ohne Erfolg.

Kurz vor Schluss gelang Lewandowski nach einem Konter noch der dritte Treffer. Es war das sechste Tor des Polen in einem Pokalfinale – damit liegt der Torjäger in dieser Statistik alleine an der Spitze. Sogar ein noch höherer Sieg für die Bayern wäre möglich gewesen, die Münchner nutzten ihre Chancen in der Schlussphase aber nicht.

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Feuilleton

«Lady Liberty» bekommt ein neues Museum

Das Gebäude des State of Liberty Museums mit der Skyline von New York im Hintergrund. 
Aus Platzgründen können jedoch nicht alle Besucher in den Sockel oder gar in die Krone.                                        Foto: dpa

Von Christina Horsten
New York (dpa) – Seit mehr als 130 Jahren steht die Freiheitsstatue im Hafen von New York. Rund 4,3 Millionen Menschen besuchen sie jedes Jahr auf ihrer Insel, aber aus Platzgründen können nicht alle in den Sockel. Jetzt eröffnet erstmals ein größeres Museum neben der Statue.

Die New Yorker Freiheitsstatue ruft die Menschen zu sich. «Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren», steht in den Worten der Dichterin Emma Lazarus (1849-1887) auf ihrem Sockel. Es ist Manifest der Freiheit und ein Willkommensgruß an die Millionen von Einwanderern, die an der Statue vorbei in die Vereinigten Staaten kamen.

Heutzutage begrüßt der Spruch allerdings in erster Linie Massen von Touristen: Rund 4,3 Millionen Besucher, zwischen 8000 und 28 000 am Tag, drängeln sich jedes Jahr auf Liberty Island, einer Insel, die so klein ist, dass man sie in 10 Minuten bequem zu Fuß umrunden kann. Aus Platzgründen können nur rund 20 Prozent der Besucher in die Statue hinein, nur rund 7 Prozent in die Krone. Die kostenlosen Tickets dafür sind meist Monate im Voraus ausverkauft.

«Dass nicht alle in die Statue hinein können, ist für uns alle, die hier auf Liberty Island arbeiten, das Schwierigste – aber es gibt einfach nicht genug Platz», sagt John Piltzecker von der US-Nationalparkverwaltung, seit fünf Jahren offizieller Hausmeister der Freiheitsstatue. «Deswegen dachten wir, es wäre ein wunderschönes Geschenk, wenn wir das relativ kleine Museum aus dem Sockel herausnehmen und an einen Ort bringen, wo es mehr Menschen sehen können.» 

Nach rund dreijähriger Bauzeit eröffnete nun Mitte Mai das erste alleinstehende Museum für die Freiheitsstatue.

Rund 100 Millionen Dollar (etwa 86 Millionen Euro) hat der Bau des einstöckigen, verglasten und sturmsicheren Ausstellungsgebäudes gekostet, finanziert komplett aus Spenden. Star-Designerin Diane von Furstenberg hatte sich an die Spitze der Spendensammler gestellt. Das Museum kostet keinen Eintritt, für die Fähre zur Insel brauchen Besucher allerdings weiterhin ein knapp 20 Dollar teures Ticket.

Alles dreht sich um die 46 Meter hohe, grüne «Lady Liberty» aus Eisengerüst und Kupfer-Außenhaut, die dem Museum von der anderen Seite der Insel aus den Rücken zudreht:

Um ihre Entstehungsgeschichte als Geschenk Frankreichs Ende des 19. Jahrhunderts, um ihre Baumeister Frédéric Auguste Bartholdi und Gustave Eiffel, der wenige Jahre danach den später nach ihm benannten Eiffelturm bauen sollte, und um ihre Entwicklung hin zur Ikone für Freiheit und Bürgerrechte weltweit.

Filme, Informationstafeln und Vitrinen mit Ausstellungsstücken erzählen von dieser Geschichte und machen deutlich, wie sehr die Freiheitsstatue zur weltweiten Ikone geworden ist – es gibt sie unter anderem als Tischleuchter, aus Lego und als Badeente. Hauptattraktion des Museums ist die marode gewordene Original-Fackel, die 1984 von der Statue abmontiert und durch eine Kopie ersetzt worden war. Mithilfe eines speziellen Transportfahrzeugs war das fragile Stück vor ein paar Monaten aus dem alten Museum im Sockel in das neue versetzt worden.

Vom Dach des neuen Museums haben Besucher einen Panorama-Blick über den Hafen von New York und die Skyline von Manhattan. «Ich schaue mir die Statue bei jedem Wetter gerne an, denn sie sieht immer anders aus – je nachdem, ob die Sonne scheint oder nicht», sagt Hausmeister Piltzecker und wirft einen kurzen Blick in Richtung seines Schützlings. «Sie kann einem schon ganz schön viel Arbeit machen, die Gute. Aber sie ist schon so alt und hat schon so viel durchgemacht, da hat sie es sich auch verdient.»

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Gesundheit/Umwelt

Dermatologen rechnen mit mehr Hautkrebs

Im Labor des Instituts für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT) der 
Universitätsmedizin Rostock schaut eine Doktorandin auf ein Bild von Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs).    Foto: dpa

Von Ulrike von Leszczynski
Berlin (dpa) – Sommer, Sonne, Sonnenbrand. Noch vor etwa 30 Jahren galt das in vielen Familien oder auf dem Bau fast als normal. Auch wenn das Bewusstsein für die Gefahren von Hautkrebs inzwischen größer ist, bleibt ein Erbe jener Zeit: Dermatologen rechnen für die nächsten 30 Jahre mit einem deutlichen Anstieg aller Hautkrebs-Arten in Deutschland. «Wir werden jetzt die Effekte der 70er und 80er Jahre sehen, in denen Bräune schick war», sagte Dirk Schadendorf, Hautarzt am Uniklinikum Essen bei der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Berlin.

Zurzeit gebe es in Deutschland rund 300 000 Neudiagnosen von Hautkrebs pro Jahr. In der Mehrzahl handele es sich um weißen Hautkrebs, 23 000 Fälle beträfen schwarzen Hautkrebs. Dazu kämen seltene andere Hautkrebsarten.

Das Erkrankungsrisiko nimmt mit dem Alter zu. Doch immer häufiger bekommen auch jüngere Menschen die Diagnose Hautkrebs. Aber nicht jede Entwicklung ist negativ. Ein Überblick:

WISSEN: Die Gefahr von Hautkrebs ist nach der Einschätzung von Dermatologen heute in Deutschland bekannt. «Es gibt ein höheres Bewusstsein», sagt Fachmediziner Schadendorf. «Einen Verhaltenswandel gibt es aber nur bedingt.» Sonnencreme werde häufig noch zu dünn oder nicht oft genug aufgetragen. Dadurch werde der aufgedruckte Lichtschutzfaktor selten erreicht. «Eine Packung Sonnenschutz hält pro Person vielleicht zwei Wochen. Aber nicht drei Sommer lang für eine Familie», sagte der Hautarzt.

Sonnencreme allein helfe auch nicht zwingend gegen schwarzen Hautkrebs. Wichtig sei generell, nicht zu lange in der prallen Sonne zu bleiben, Kopfschutz sowie lange Hemden und Hosen zu tragen und auch mal mit einem T-Shirt ins Wasser zu gehen. Selbsthilfegruppen sehen immer noch eine Verharmlosung und ein Unterschätzen von Hautkrebs. «So unter dem Motto: „Ach, nur Hautkrebs, da hast du aber Glück gehabt“», sagt Katharina Kaminski von der Patientenselbsthilfe Melanom in Düsseldorf. Sie forderte Sonnencremspender in Schulen und Kitas und ein Verbot von Solarien.

NEUE THERAPIEN: Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) ist der aggressivste Hautkrebs. Mit hoher Wahrscheinlichkeit streut er in den Körper und kann innerhalb kurzer Zeit tödlich enden. Rund 3000 Todesfälle gibt es pro Jahr in Deutschland. Mehr als 70 Prozent aller Fälle werden nach Angaben des Berufsverbandes der Dermatologen aber frühzeitig erkannt. Die Aussichten auf Heilung liege dann zwischen 86 und 100 Prozent.

Inzwischen gebe es mehr als zehn neue Medikamente, die eine Vermehrung von Hautkrebszellen gezielt blockierten oder das Immunsystem aktivierten, sagt Fachmediziner Schadendorf.

ARBEIT: Seit 2015 ist Hautkrebs als eine von rund 80 Berufskrankheiten anerkannt. Hautkrebs belege dabei mit Rang drei einen der Spitzenplätze, berichtet Christoph Skudlik, Mediziner am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation in Osnabrück. Ob Spargelstecher, Bauarbeiter oder Dachdecker – Messungen hätten inzwischen gezeigt, dass die Belastung durch Sonneneinstrahlung bis zu dreimal höher liege als bisher geschätzt.

Sonnencreme steht für Skudlik erst am Ende einer Präventionskette. «Wir müssen dahin kommen, dass schattenspendende Zelte beim Spargelstechen oder Sonnensegel auf Baustellen so normal werden wie das Anschnallen im Auto», sagt er. Ebenso schützende Kleidung und Kopfbedeckungen – etwa auch für Bademeister. «Das sieht nicht lächerlich aus, das wirkt professionell.» Kontrollen der Sonnenschutz-Auflagen für die einzelnen Berufsgruppen hält Skudlik für unerlässlich.

PRÄVENTION: Sie fängt inzwischen im Kindergarten an. 2018 kooperierten bundesweit 200 Hautärzte mit Kitas, dieses Jahr soll die Zahl auf über 300 steigen. «Kinderhaut ist am empfindlichsten, egal, ob das Kind helle oder dunkle Haare hat», sagt Ralph von Kiedrowski, Mitglied im Vorstand des Berufsverbands der Dermatologen.

Über die Kinder hoffen die Hautärzte auch die Eltern zu erreichen. Bisher hätten 40 Prozent der gesetzlich Versicherten das Hautkrebs-Screening in Anspruch genommen, das es seit 2008 gibt. Allerdings kamen bisher eher wenige regelmäßig alle zwei Jahre zum Check.
https://derma.de

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Reise

Mystische Bretagne –
Der Zauberwald von Brocéliande

Wer Fantasie mitbringt, wird reich belohnt – der Zauberwald von Brocéliande lebt 
von und in der Vorstellungswelt der Besucher.  Foto: BRTC/dp

Von Christoph Driessen
Paimpont (dpa) – Zauberwälder. Es gibt sie zum Beispiel bei Harry Potter. Der Verbotene Wald, in dem sich Einhörner und Riesenspinnen tummeln. Letztere lauern auch im Düsterwald von Mittelerde. Diese beiden vielleicht berühmtesten Zauberwälder entsprangen allerdings nur der Fantasie ihrer Erfinder Rowling und Tolkien.

Einen Zauberwald aber gibt es wirklich. Seit Menschengedenken gilt er als magischer Ort. Hier erstreckt sich das sogenannte Tal ohne Wiederkehr, in dem die Fee Morgana ihre untreuen Liebhaber für alle Zeiten gefangen hält. Hier liegt der See von Comper, in dem der legendäre Ritter Lanzelot in einem Unterwasserschloss aufwuchs und aus dem König Artus das Schwert Excalibur empfing. Ja, hier liegt sogar das Grab des Zauberers Merlin, dessen Mutter eine Heilige und dessen Vater der Teufel gewesen sein soll.
 
Die meisten dürften diesen Wald irgendwo in Britannien vermuten. Doch die Artus-Sage ist keltischen Ursprungs und damit auch in der Bretagne zuhause. Und eben hier, in der Hochbretagne westlich von Rennes, befindet er sich: La Forêt de Brocéliande.

Ein Wald, der früher weite Teile der bretonischen Halbinsel bedeckte und jetzt noch etwa 7000 Hektar umfasst. Ein Wald von dem man sagt, dass man aus ihm herauskomme wie aus einem Traum.

Wenn man sich die Karte ansieht, fallen dort Namen auf, die man eher in einem Fantasy-Buch vermuten würde: Val sans Retour (Tal ohne Wiederkehr), Tombeau de Merlin (Grab des Merlin) oder Fontaine de Jouvence (Jungbrunnen). Als würde man ins Märchenland reisen. Doch der Zauberwald von Brocéliande ist so real, dass man ihn sogar ins Navi eingeben kann. «Paimpont, Frankreich» ist die Adresse. 

Die meisten Besucher dürften den verwunschenen Wald von einem der Ferienorte an der bretonischen Küste aus ansteuern. Es ist eine leicht hügelige Landschaft mit Feldern, kleinen Wäldchen und eingestreuten Ortschaften. Lange ist nichts ausgeschildert, so dass man meinen könnte, einem Mythos aufgesessen zu sein.

Doch dann plötzlich erreicht man eine Anhöhe und blickt auf einen ausgedehnten Wald herab. Und mit einem Mal steht da auch ein Schild, kleiner und in ganz anderer Schrift als gewohnt: Brocéliande.

Ein Startpunkt ist das effektvoll gestaltete Themenzentrum La Porte des Secrets in den Nebengebäuden einer alten Abtei im verträumten Dorf Paimpont. Dort werden vor allem junge Besucher in den Sagenkreis von Brocéliande eingeführt.

Nach einer Stärkung in der Boulangerie fährt man am besten in den noch viel kleineren Ort Tréhorenteuc am Waldrand. Mit etwas Glück ist hier gerade Markt. Aber natürlich keiner mit Obst und Gemüse. Hier werden Gemälde von Elfen und Einhörnern angeboten, Hexenfiguren, Hippie-Kleidung und Tassen mit König-Artus- oder Feenmotiv.

«Elfigraphe» steht über einem Stand, der Kristalle und Medaillen im Sortiment hat. Die Besucher des Marktes sind Kenner: Neo-Druiden, Gralssucher, Esoteriker, zum Teil von weither angereist. Einige tragen wallende Gewänder und Blumenkränze. Bei anderen baumeln keltische Sonnenzeichen um den Hals. Sie sind Mitglieder der Église Celtique Restaurée, der Wiedererrichteten Keltischen Kirche. 

Die kleine Dorfkirche heißt überall nur L‘église du Graal – die Gralskirche. Sie ist eine kleine Sensation, denn in all ihren bunten Glasfenstern und Gemälden wird der christliche Glaube mit der Artus-Sage vermischt. So erstrahlt in einem der prachtvollen Fenster der Heilige Gral, jenes wundertätige, lebensspendende Gefäß, das in einer Burg von einem Gralskönig und seinen Rittern gehütet werden soll. Ein Gemälde zeigt die Tafelrunde von König Artus – höchst ungewöhnlich für eine katholische Kirche. Aber am bemerkenswertesten ist vielleicht eine Kreuzwegstation, die Jesus zusammen mit der nur leicht bekleideten und sehr aufreizenden Fee Morgana zeigt.

Die eigenwilligen Darstellungen gehen zurück auf den Priester Henri Gillard (1901-1979), der die Kirche in den 1940er Jahren restaurieren und neu ausgestalten ließ. Ausgeführt wurden mehrere Gemälde von den beiden deutschen Kriegsgefangenen Peter Wissdorf und Karl Rezabeck, die Gillard wegen ihres künstlerischen Talents aus einem Lager zu sich geholt hatte.

Sein Bischof fand das alles höchst suspekt und enthob ihn schließlich seines Postens. Heute steht Gillard in Bronze gegossen vor der Tür und wird von den neuheidnischen Pilgern als Visionär verehrt.
    
Bis nach Tréhorenteuc kommt man mit dem Auto, aber das Tal ohne Wiederkehr mit seinem Feenspiegel, einem grünäugigen Gewässer, ist nur zu Fuß zu erreichen. «Zwei Stunden dauert das schon», verrät ein junger Franzose, der mit seiner Freundin dort gewesen ist. Was der Legende zufolge nur eines bedeuten kann: Er ist seiner Partnerin treu. Andernfalls nämlich hätte die Fee Morgana ihn nie wieder gehen lassen.

Mit einem Blick auf die sehr leichte Beschuhung der Kinder fügt der Franzose hinzu: «Ich glaube, dafür braucht ihr Wanderschuhe.» Damit ist das Tal ohne Wiederkehr für den pubertierenden Nachwuchs gestorben.

Nächste Station: das Schloss von Comper. Aus rotbraunem Stein erbaut,
wacht es über jenem See, der Zugang in die Anderswelt sein soll. Den Legenden zufolge ist es gar kein richtiger See, sondern nur eine Illusion. Heraufbeschworen vom Zauberer Merlin, um das auf dem Grunde stehende Kristallschloss für seine Geliebte Morgana neugierigen Blicken zu entziehen. Keine Wetterfahne schaut aus dem Wasser hervor, kein Blick durchdringt die leicht gekräuselte Oberfläche.

Das Schloss selbst beherbergt das Zentrum der Aturischen Fantasie, eine Ausstellung rund um König Artus mit einer Nachbildung des mythischen Schwertes Excalibur.

Ein junger Mann mit Vollbart, Zopf und weißem Leinenhemd klärt die Besucher über die Hintergründe der Artus-Legende auf. «Im 5. Jahrhundert wurden die Römer in Britannien immer härter von den Angelsachsen bedrängt. Doch einem keltischen Heerführer gelang es noch einmal, die anstürmenden Massen zurückzuschlagen.» Er soll das Vorbild für Artus gewesen sein. Später wanderten viele Kelten von der Insel in die Bretagne aus, die Artus-Sage im Gepäck. 

Die Schriftstellerin Claudine Glot sagt, im Wald von Brocéliande überkomme einen ein Gefühl der Vertrautheit, «als sei man verliebt». Man betrete ein Anderswo, sei aber gleichzeitig ganz bei sich. «Irgendwie ist er der Wald aller Wälder. Er lässt einen nicht unberührt.» Efeu-Bewuchs, Ginster-Gespinst und knorrige Eichen – hier hat man das Gefühl, dass die Bäume lebendig werden könnten, ganz wie die Ents aus Tolkiens «Herr der Ringe».

Ganz besonders gilt das für die gewaltige «Guillotine-Eiche», die 800 bis 1000 Jahre alt sein soll. Ihren Namen hat sie daher, dass sich während der Französischen Revolution ein verfolgter Priester in ihrem hohlen Inneren versteckt haben soll. Der Baum rettete ihm das Leben.

Immer wieder stößt man im Wald auf große Besuchergruppen, die dort andächtig stehen und einem Guide zuhören, der ihnen von den alten Legenden erzählt. Viel zu sehen gibt es nicht, man muss den Wald mit seiner Fantasie selbst beleben. Wer das nicht kann, ist hier falsch.

Aber gerade daraus, dass hier nichts vorgegeben wird, bezieht der Wald von Brocéliande seinen Reiz. Die Franzosen reisen jedenfalls busweise an. Der Parkplatz, von dem aus ein schmaler Pfad zur geheimnisumwitterten Quelle von Barenton führt, ist an diesem sonnigen Samstag im Sommer völlig überfüllt.

Nach einem strammen halbstündigen Fußmarsch stellt sich die Quelle als winziger Bach heraus. Dennoch sitzen hier jede Menge Besucher und halten ihre Hände in das klare, kalte Wasser.

Die ältesten Berichte über die Quelle stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zahlreiche Legenden umspinnen sie. So sollen sich hier die Fee Morgana – die Hüterin der Quelle – und der Zauberer Merlin verliebt haben. Später ließ ihn die Fee in ewigen Schlaf fallen. 

Merlins Grab besteht aus den eher armseligen Resten einiger zerschlagener Megalithen, jener Dolmen oder auch Hinkelsteine, die überall in der Bretagne zu finden sind.

Ein Paar mittleren Alters läuft zunächst neun Mal um das Grab herum und legt dann ein paar Blumen nieder. Die heranwachsenden Kinder ernten wegen ihres Gekichers böse Blicke wie in einer Kirche, in der man zu laut gesprochen hat. Dies ist eine Kultstätte, und der keltische Glaube wird hier offenbar sehr ernst genommen. 

Ganz in der Nähe befindet sich die Fontaine de Jouvence, der Jungbrunnen. Das Wasser sieht allerdings einigermaßen abgestanden aus, sodass mehrere Besucher trotz schweißtreibender Temperaturen unschlüssig um das Steinbecken herumstehen. Da schießt plötzlich ein weißer Hund durchs Gestrüpp und springt hinein.

Gebannt starren die Umstehenden auf das planschende Tier. Als er schließlich wieder herauskommt, ist keine unmittelbare Veränderung feststellbar, außer dass sein Fell vielleicht einen etwas gräulichen Schimmer angenommen hat. «Ein Welpe ist er nicht geworden», scherzt jemand. Worauf die Besitzerin entgegnet: «Er ist aber auch noch sehr jung!» Man darf also weiter glauben.

Info-Kasten: Der Zauberwald von Brocéliande

Anreise: Der Wald von Brocéliande heißt offiziell Forêt de Paimpont und breitet sich 40 Kilometer von Rennes entfernt um das Dorf Paimpont aus. Man kann von der bretonischen Nord- oder Südküste ohne Probleme einen Tagesausflug dorthin unternehmen.
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Vor 50 Jahren: Der Weg zum Mond

ARCHIV – 20.07.1969 – US-Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin steht auf der Mondoberfläche. 
     Foto: Neil Armstrong/NASA/dpa

Von Christina Horsten
Washington (dpa) – Es ist einer dieser seltenen Momente, an den sich wohl fast jeder, der damals auf der Welt war, noch ganz genau erinnert. Ein Moment, der Raumfahrtgeschichte schrieb und sich in das kollektive Menschheitsgedächtnis einbrannte. «Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit», sagte Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr MESZ, während er als erster Mensch seinen Fuß im dicken Astronautenstiefel auf die Mondoberfläche setzte. Auf Millionen – technologisch noch relativ neuen – Fernsehbildschirmen weltweit verfolgten Zuschauer das von vielen nie für möglich gehaltene Ereignis live.

Die Mondlandung war ein Spektakel der Raumfahrtingenieurskunst, vor allem aber war sie für die USA ein politischer Sieg. «Ich glaube, dass diese Nation sich dazu verpflichten sollte, noch vor dem Ende dieses Jahrzehnts das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn dann sicher wieder zur Erde zurückzubringen», hatte der damalige US-Präsident John F. Kennedy acht Jahre zuvor – am Samstag (25. Mai) vor 58 Jahren – in einer Rede vor dem US-Kongress gesagt. Rund zwei Jahre danach wurde er ermordet und sollte es nicht mehr erleben: Ein knappes halbes Jahr vor der von ihm gesetzten Frist wurde das Ziel Realität.

Der Traum von der Mondlandung war auch eine Folge des Zweiten Weltkriegs. Nach dessen Ende wurde die globale politische Macht neu verteilt, zwei Blöcke kristallisierten sich heraus: die Westmächte unter Führung der USA und die Ostmächte unter Führung der Sowjetunion. Eine Systemkonfrontation von Kapitalismus und Kommunismus, die in den Jahrzehnten darauf fast alle Bereiche des wirtschaftlichen und politischen Lebens bestimmen und bis in den Weltraum hineinreichen sollte.

Mit Raumfahrtmissionen als vermeintlichem Ziel konnte man den Gegner mit Raketentechnologie einschüchtern, ohne gleich einen Krieg anzuzetteln. Das «Space Race», das Wettrennen um den Weltraum, wurde immer hitziger. US-Präsident Kennedy wollte das Ruder ein für alle Mal herumreißen, als er 1961 vor den Kongress trat und einen Amerikaner auf dem Mond noch vor Ende des Jahrzehnts ankündigte. Dafür wurde das Projekt «Apollo» ins Leben gerufen. Das Budget der Nasa wurde um 400 Prozent erhöht, rund 400 000 Menschen arbeiteten direkt oder indirekt an «Apollo» mit.

Das rund 24 Milliarden Dollar teure «Apollo»-Projekt lieferte. Zwar brachte «Apollo 1» 1967 einen traurigen Rückschlag, als bei einem Test drei Astronauten ums Leben kamen, aber die «Apollo»-Missionen 7 bis 10 flogen schließlich erfolgreich ins All. «Apollo 11» brachte die Mondlandung, bei der erst Neil Armstrong und dann Buzz Aldrin als erste Menschen den Erdtrabanten betraten. Damit galt das «Space Race» als von den USA gewonnen.

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Aus Allen Staaten

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