01. Mai 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Maibaum digital und Mai-Bonsai dahoam – Dorfplätze bleiben leer

Das traditionsreiche Maibaumaufstellen fällt in diesem Jahr erneut aus – Corona macht die traditionsreichen Feiern in Bayern, aber auch andere Bundesländern unmöglich. Doch manche Brauchtumsvereine haben sich etwas einfallen lassen – etwa den Maibaum-Bonsai.

Bayern, Gilching: Rene Weber vom Verein «Guichinger Brauchtum e.V.» zeigt den Selbstbastler-Bausatz für einen Mini-Maibaum, der von seinem Verein angeboten wird. Der Satz wird im Karton für 15 Euro angeboten. Foto: dpa

Von Sabine Dobel
Gilching/Train (dpa) – Nicht höher als der Kirchturm soll der Maibaum sein – das gebietet der Respekt. Dieses Jahr allerdings gibt es mancherorts erheblich kleinere Exemplare. Denn die Corona-Krise macht bereits im zweiten Jahr in Folge die traditionellen Maifeiern mit dem Aufstellen neuer Bäume unmöglich – und so hat ein oberbayerischer Brauchtumsverein den Mini-Maibaum dahoam kreiert: Klein und Küchentisch-tauglich im Maßstab 1:100. Zwei Frauen in dem niederbayerischen Ort Train wiederum haben eine Vorgartenversion entwickelt. Und Deggendorf feiert den «Digitalen Maibaum».

Vielerorts aber bleiben die Dorfplätze dieses Jahr leer. «Man fährt durch Ortschaften – und sieht nur: Da stand mal ein Maibaum», berichtet der Bezirksheimatpfleger von Oberbayern, Norbert Göttler. Übrig seien derzeit oft nur Halterungen.

Am 1. Mai werden traditionell in Bayern, aber auch in anderen Ländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen neue Bäume aufgestellt. Alle zwei bis fünf Jahre wird gemeinhin ein Maibaum erneuert. Die Farbe platzt mit der Zeit ab, der Versicherungsschutz wird schwierig. Zudem lockt das Dorffest, mit dem das Aufstellen begangen wird.

Auch wenn immer öfter und laut Göttler vor allem nördlich von München der Kran anrückt: Die Tradition verlangt Muskelkraft. Mit Stangen hieven an die 20 Helfer die Maibäume in die Höhe. Abstand halten unmöglich. «Man braucht zum Maibaum-Aufstellen eine Menge Leute. Das ist unter Corona-Bedingungen nicht möglich», sagt Göttler.

Ein Verkaufsschlager ist deshalb schon seit Wochen der Maibaum-Bonsai aus Gilching im Landkreis Starnberg. 33 Zentimeter hoch, mit originalen Zunftzeichen und Ortswappen, hat der Verein «Guichinger Brauchtum» die Mini-Version des örtlichen Maibaums als Bastel-Paket für eine Maifeier «dahoam» aufgelegt. Der Maibaum-Bonsai hat fast genau den Maßstab 1:100 – der echte Gilchinger Maibaum misst 30 Meter.

«Bei einer Maifeier kommen locker einmal 1000 Leute zusammen – da führt kein Weg hin», erläuterte der Vereinsvorsitzende René Weber seine Idee. Die Nachfrage nach dem Mai-Bäumchen war enorm. Die ersten 100 Stück, hergestellt in Eigenarbeit aus Baumarkt-Material, waren binnen vier Tagen vergriffen. Der Verein fertigte nach. Der Bauanleitung lagen Links zu Online-Videos mit Volkstänzen bei – zum Üben zu Hause. «Mein Ziel ist auch, dass mehr Leute mittanzen, wenn wir wirklich im nächsten Jahr den neuen Maibaum aufstellen», sagte Weber.

Aus Pflöcken, die normalerweise junge Bäume nach dem Umpflanzen stützen, hat Andrea Bugl mit ihrer Schwester Karin in Train im niederbayerischen Landkreis Kelheim einen etwa 2,50 Meter hohen Maibaum zusammengestellt: für den Garten, oder – im Christbaumständer – fürs Wohnzimmer. Auch diese Kreation finde Anklang: «Wir sind jetzt bei guten 200. Jeden Tag kommen neue Bestellungen rein», sagt Bugl. Mitgeliefert werden je nach Wunsch Wappen, Farben, Bänder und Fahne. Der große Maibaum im Ort müsse voraussichtlich demnächst umgelegt werden, sagt Bugl.

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Sport

Zweistufige Quarantäne: DFL verschärft Corona-Regeln vor Saisonfinale

Frankfurt/Main (dpa) – Erst eine häusliche «Quasi-Quarantäne», dann ein Quarantäne-Trainingslager im Hotel: Die Deutsche Fußball Liga hat wie erwartet die Corona-Regeln für den Saisonendspurt in der Bundesliga und 2. Bundesliga verschärft. Vor den beiden letzten Spieltagen müssen sich ab dem 12. Mai alle 36 Profivereine komplett von der Außenwelt abschotten. Das hat das DFL-Präsidium am Donnerstag beschlossen.

Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die jüngsten Corona-Fälle bei Hertha BSC und bis zum Abschluss der Saison am 22./23. Mai verpflichtend. Damit soll die reguläre Beendigung der Spielzeit 2020/21 gesichert werden. Die Berliner befinden sich derzeit bis zum 29. April in häuslicher Quarantäne und müssen danach am 3. Mai beim FSV Mainz 05, am 6. Mai gegen den SC Freiburg und am 12. Mai bei Absteiger FC Schalke 04 noch drei Nachholspiele bestreiten. Insgesamt stehen für den vom Abstieg bedrohten Hauptstadtclub sechs Spiele innerhalb von 20 Tagen auf dem Programm.

Die Profibranche reagierte durchweg positiv auf die Vorgaben. «Der FC Bayern begrüßt die Entscheidung der DFL, dass alle 36 deutschen Proficlubs ein Quarantäne-Trainingslager abhalten werden. Damit wird eine weitere wichtige Voraussetzung geschaffen, um die Durchführung des Spielbetriebs der Ersten und Zweiten Liga abzusichern», sagte Jan-Christian Dreesen, stellvertretender Vorstandschef des Rekordmeisters aus München. Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter betonte: «Wir halten uns zu 100 Prozent an die Maßnahmen der DFL, um die Saison nicht zu gefährden. Es ist unser aller Interesse, die Bundesliga sauber zu Ende zu spielen.»

Freiburgs Trainer Christian Streich bezeichnete die verschärften Corona-Regeln als «vernünftig und richtig». Ähnliche Töne waren aus Bielefeld zu vernehmen. «Wir befürworten diese Maßnahmen 100-prozentig, denn die Sicherheit und die Gesundheit aller Beteiligten stehen an erster Stelle. Leider hatten sich zuletzt die Fälle von Covid-Erkrankungen gehäuft, so dass die Entscheidung absolut richtig ist», sagte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi.

Jüngster Beleg sind zwei positive Corona-Fälle beim Zweitligisten Würzburger Kickers. Um weitere Spielausfälle zu vermeiden, darf sich der jeweils in das regelmäßige PCR-Testungsprogramm eingeschlossene Personenkreis aller Vereine um Lizenzmannschaft, Trainerteam sowie Mannschaftsbetreuer bereits ab dem 3. Mai ausschließlich im häuslichen Umfeld oder auf dem Trainingsgelände beziehungsweise im Stadion aufhalten. Dies

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Feuilleton

DDR-Kochbuch als Kult: Fast 60 Jahre alt und noch aktuell

„Wir kochen gut“ gehört wie das „Kochbuch“ zu den auch als Reprint immer wieder neu aufgelegten DDR Kochbüchern. Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam/Leipzig (dpa) – Wie wird eine ordentliche Rinderroulade zubereitet, wann gelingt das Rotkraut so wie es bei Oma sonntags auf den Tisch kam und ist ein Biskuitboden wirklich nur etwas für sehr geübte Bäcker?

Seit fast sechs Jahrzehnten geben zwei Bücher aus dem Leipziger Buchverlag für die Frau, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, darauf Antworten. Per Mundpropaganda erfahren auch aus dem Westen Zugereiste von den beiden Standardwerken aus DDR-Zeiten. Trotz Internet und Youtube wird nach wie vor gern ins Bücherregal zu den beiden Ratgebern gegriffen.

Küchenklassiker „Wir kochen gut“ von 1962
1952 erschien in dem Leipziger Verlag für die Frau der Titel „Unser Kochbuch“ von Paula Elisabeth Fuchs, der in kurzer Zeit 20 Auflagen erreichte, sagte Verlagssprecherin Susann Jaensch. Der heutige Küchenklassiker „Wir kochen gut“ von 1962 basiere zum Teil auf diesem Grundkochbuch. 1967 erschien dann „Das Backbuch“. Bis zur Wende wurden beide Titel in mehreren Millionen Exemplaren verkauft. In der DDR Geborene wissen: Wie viele Dinge im Mangel-Sozialismus waren sie nur schwer im Handel zu finden, sondern eher Bückware – nur durch gute Beziehungen erhältlich.

Die beiden Bücher sind lange nach dem Ende der DDR immer noch die Flaggschiffe des Verlags. „Generationen von DDR-Bürgern sind damit groß geworden“, erklärt der Historiker Stefan Wolle (70), wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin, die andauernde Beliebtheit und die heute noch wachsende Fangemeinde. Kochbücher über französische oder italienische Küche – die Länder waren zu DDR-Zeiten ja „Klassenfeinde“ – waren im DDR-Buchhandel nicht erhältlich. „Es hätte ja auch an den Zutaten gefehlt, an besonderen Gewürzen“, sagt er. Kulinarische Reisen seien mit dem Kochlöffel allenfalls in die sozialistischen Bruderländer möglich gewesen.

Wolle denkt auch daran, dass damals der Rückzug ins Private und ins Familienleben wichtig war, um das Politische herauszuhalten. „Da wollte man perfekt sein, etwas Tolles auf den Tisch bringen, an dem man mit der Familie oder Freunden saß“, sagt er.

Klassiker wie Ungarischer Gulasch oder Königsberger Klopse
Die Kochbuchklassiker „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“ standen zu DDR-Zeiten gefühlt in jedem Haushalt. Vor der Wende hießen in den Ausgaben Pasta noch Nudeln, gekocht wurde mit einfachen Öl und nicht mit dem aus Oliven und Mozzarella war ein völlig unbekannter Genuss. Fotos waren meist schwarz-weiß, einige auch in Farbe.

Heute sind in dem Buch „Wir kochen gut“ etwa 1000 Rezepte aufgeführt: Klassiker wie Ungarischer Gulasch, Frikassee oder Königsberger Klopse sind dabei, aber auch gebratene Languste, Fasan oder flambierte Kirschen. Sie seien präzise und anschaulich beschrieben, erläutert Sprecherin Jaensch. Mittlerweile sind beide Titel auch in Reprintausgaben aus den 1970-er Jahren auf dem Markt. „Für alle Nostalgiker und Fans, die die alte Ausstattung der Klassiker lieben“, sagt sie.

Zum Verlagsjubiläums wird es im Mai einen Komplett-Relaunch von „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“ geben: für die neue Generation von Koch- und Backenthusiasten, die sich Grundkenntnisse im Kochen und Backen aneignen wollen. Andere erinnern sich wehmütig an die Gerichte, die sie von früher kennen und die sie nachkochen wollen. „Wir müssen uns neue Zielgruppen erschließen, damit die Klassiker auch in Zukunft weiter leben“, sagt Jaensch.

Verlag für Ratgeber-Literatur in der DDR
Zu DDR-Zeiten wurden in dem Verlag vor allem Ratgeber herausgegeben: zum Kochen, Backen, Schneidern, aber auch zu Kindererziehung und Ehe. Heute sind im Programm auch Titel wie die Thüringer Küchenbibliothek, in der seit 1993 bereits 14 Bücher erschienen. Weit über eine halbe Million Exemplare wurden verkauft. Eine Miniaturbuchreihe, die seit 35 Jahren besteht, ist heute begehrtes Sammlerobjekt. Fast 370 Bände im Format 6,2 mal 9,5 Zentimeter sind erschienen.

„Nur wenige Verlage, die im Osten kurz nach dem Krieg gegründet wurden, existieren heute noch“, sagt Geschäftsführer Lutz Gebhardt, zu dessen Verlagsgruppe grünes herz (Ilmenau) seit 2015 der Leipziger Verlag gehört. Kochbücher und alles zu Haus, Garten, Natur und Gesundheit werden weiterhin zu der Kernkompetenz gehören, die noch ausgebaut werden solle. Im Oktober ist ein Buch mit den Lieblingsrezepten der Leser geplant. Gesucht werden nach Verlagsangaben kulinarische Schätze: Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

DDR-Kochrezepte sind immer gefragt
Im DDR-Museum in Berlin stehen die Koch- und Backbücher aus sozialistischen Zeiten in der Kücheninstallation. „Die meisten Clicks auf unserer Internetseite haben wir bei Beiträgen zu DDR-Kochrezepten“, sagt Wolle. „Die sind immer gefragt.“

Der Patron des Potsdamer Sterne-Restaurants „Kochzimmer“, Jörg Frankenhäuser, freut sich, dass er endlich im Besitz des Kochbuches aus dem Leipziger Verlag ist. „Meine Mutter rückt ihr Exemplar nicht raus. Es wird nur vererbt“, sagt der 45-Jährige. Das Buch liegt derzeit griffbereit auf dem Schreibtisch im Büro des Restaurants. „Es wurde mit viel Fleisch gekocht. Und dann immer mit einer Mehlschwitze“, erinnert er sich an die Kindheit.

Frankenhäuser liebt aber heute die nach DDR-Rezept zubereiteten gefüllten halben kalten Eier. „Die macht meine Mutter am besten. Deshalb fahre ich nach Beelitz“, sagt er. Für seine Neue Preußische Küche blättert er ab und zu in dem Buch und sucht Anregungen: „Natürlich modern zubereitet“.

Literatur:
„Wir kochen gut“, Buchverlag für die Frau, 224 Seiten,
ISBN-13: 978-3-93272-053-6, 9,95 Euro
„Das Backbuch“, Buchverlag für die Frau, 224 Seiten,
ISBN-13: 978-3-932720-04-8, 9,95 Euro

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Gesundheit

Pfizer-Chef: Wahrscheinlich dritte und jährliche Impfdosis notwendig

Nach Einschätzung von Pfizer-Chef Albert Bourla könnte eine dritte Spritze als Auffrischung und anschließend eine jährliche Impfung notwendig werden. Foto: Christoph Schmidt/dpa

New York (dpa) – Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie könnte nach Einschätzung von Pfizer-Chef Albert Bourla eine dritte Spritze als Auffrischung und anschließend eine jährliche Impfung notwendig werden. «Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass es die Notwendigkeit einer dritten Dosis geben wird, irgendwo zwischen sechs und zwölf Monaten, und danach eine jährliche Neu-Impfung, aber all das muss noch bestätigt werden», sagte der Vorstandsvorsitzende des US-Pharmakonzerns in einem jetzt veröffentlichten, aber bereits Anfang April geführten Interview. Dabei spielten auch die Varianten von Sars-CoV-2 eine große Rolle. Andere Wissenschaftler und Pharma-Vertreter hatten sich bereits ähnlich geäußert. Pfizer und sein deutscher Partner Biontech sowie andere Hersteller untersuchen derzeit bereits die Wirkung von möglichen Auffrischungen ihrer Corona-Impfstoffe.

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Reise

Schiffe schauen: Hanse Sail 2021 soll stattfinden

Die Hanse Sail Rostock soll in diesem Jahr wieder stattfinden – vergangenes Jahr 
musste das Volksfest ausfallen.                                              Foto: dpa

Rostock (dpa) – Die Hanse Sail Rostock an der Ostseeküste soll nach der coronabedingten Pause im vergangenen Jahr in diesem August wieder stattfinden. Sie werde aber wegen der Pandemie anders aussehen als in den Jahren zuvor, sagte Rostocks Tourismuschef Matthias Fromm. „Wir sind gerade dabei, die Veranstaltung so zu planen, dass sie coronakonform ist.“ So werde es das große Veranstaltungsgelände im Stadthafen nicht mehr geben. „Wir setzen auf Erlebnisräume, in denen die Besucherströme besser gelenkt werden können.“ Die 30. Hanse Sail soll am 5. August beginnen und am 8. August enden. Aktuell gebe es 87 Schiffsanmeldungen. (http://www.hansesail.com)

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Glotze statt Partys: Wie Deutschland durch die Corona-Pandemie zappt

Eigentlich geht die Nutzung des klassischen Fernsehens eher zurück – Corona hat diesen Trend jedoch gestoppt. Im zweiten Pandemie-Jahr zeigen sich neue Effekte bei den TV-Zuschauern in Deutschland.

Ein Mann hält eine Fernbedienung vor einen Fernseher, auf dem
die Tagesschau läuft. Foto: dpa

Von Anna Ringle
Berlin (dpa) – Kein Kino. Kein Urlaub. Keine Feier im Freundeskreis. Die Deutschen mussten sich in der Corona-Pandemie irgendwie einrichten. Medienhäuser registrierten seit dem Ausbruch schon im Corona-Frühjahr 2020 die Effekte: Der Hunger nach Informationen über das Virus war kaum zu stillen. TV-Nachrichtensendungen wurden deutlich häufiger angesehen. Verlage verzeichneten steigende Zugriffszahlen auf ihre Zeitungs- und Zeitschriftenwebseiten. Das klassische fortlaufende Fernsehprogramm hat wie auch Streaming profitiert. Was wird nach der Krise davon übrig bleiben?

Die AGF Videoforschung hat einen guten Überblick. Sie misst seit Jahrzehnten die täglichen Nutzungsdaten der TV-Sender in Deutschland, darunter sind die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF sowie die privaten Senderfamilien der Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat.1. Auch Streaming wird betrachtet. In der Corona-Pandemie, so legt es ein jetzt vorgelegter Report der Institution dar, gab es mehrere Effekte.

  • MEHR und LÄNGER SEHEN: In den ersten drei Monaten 2021 lag der Anteil der Menschen ab 14 Jahren, die in dieser Zeit mindestens einmal am Tag TV konsumierten, bei 76,4 Prozent. 2020 lag der Wert für das erste Quartal bei 75,2, und 2019 bei 73,5 Prozent. Die Sehdauer ging in dieser Altersgruppe auf durchschnittlich 264 Minuten pro Tag hoch (erste Quartale 2020: 254 Minuten, 2019: 249 Minuten). Auch mit Blick auf das Gesamtpublikum ab drei Jahren stiegen die Zahlen. Die AGF Videoforschung registrierte beim Gesamtpublikum vor allem an Wochentagen eine höhere TV-Nutzung als sie in ihren Trendberechnungen prognostiziert hatte.

    Die Vorsitzende der Geschäftsführung, Kerstin Niederauer-Kopf, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Durch die Kontaktbeschränkungen und Einschnitte in den Freizeitmöglichkeiten ist der Mensch momentan wesentlich stärker im eigenen Zuhause. Es gibt offensichtlich eine Konzentration auf die Medien, die zentral im Haushalt vorhanden sind – allen voran ein TV-Gerät als Ablenker und Informationsbringer.»
  • DIE JÜNGEREN: Doch nicht in jeder Zielgruppe sieht es gleich aus. Während das ältere Publikum fürs lineare Fernsehen eine feste Bank ist, ist gerade die Entwicklung bei den Jugendlichen interessant. TV erreichte in den ersten drei Monaten dieses Jahres durchschnittlich 34,5 Prozent der ganz jungen Zielgruppe der 14- bis 19-Jährigen. Das ist immer noch mehr als vor der Pandemie (1. Quartal 2019: 33,6 Prozent) und damit entgegen dem allgemein rückläufigen Trend. Aber der Wert liegt leicht unter der Vorjahreszahl mit 34,9 Prozent.

    Niederauer-Kopf spricht von einem leichten Abrieb, der derzeit zu beobachten sei. Auch die Sehdauer ging zurück, wenngleich diese Entwicklung schwächer ausfällt als in den Trendanalysen prognostiziert. «Man hat an der Stelle vielleicht sogar eine leichte Müdigkeit. Man will vielleicht nicht mehr permanent Nachrichten nutzen und schaltet gezielt ein, um sich zu informieren oder unterhalten zu lassen.»
  • NACHRICHTEN: Die Deutschen holten sich viele Informationen über Corona und schalteten im Jahr 2020 häufig Nachrichtensendungen ein. Die Sehdauer der Altersgruppe ab 14 Jahren im Bereich Nachrichten kletterte um 34 Prozent im Jahresvergleich nach oben. Im März und November, in denen es viele politische Entscheidungen zu Einschränkungen gab, war die Nutzung besonders hoch. Im ersten Quartal 2021 zeigte sich, dass sich die Nutzung in der Altersgruppe bei der Reichweite wieder auf dem Niveau des ersten Quartals 2019 bewegt. Im Vergleichszeitraum 2020 lag der erste Lockdown – die Reichweite war höher.

    Aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov geht hervor, dass im April 40 Prozent der Befragten sagten, dass die Medien zu viel über das Coronavirus berichteten. Im April 2020 waren es den Angaben zufolge 35 Prozent gewesen.
  • NACH DER PANDEMIE? Für die Zeit nach der Pandemie gibt Niederauer-Kopf noch keine Prognose ab. Aber einige Vermutungen: Möglicherweise könnte ein Teil der vor allem jüngeren Leute, die das Fernsehen für sich in der Pandemie wiederentdeckt hätten, auch langfristig bleiben. «Wir werden aber auch damit rechnen müssen, dass Menschen Nachholeffekte haben.» Und sich damit womöglich wieder anderen Freizeitbeschäftigungen verstärkt zuwenden.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Glotze – idiot box
zappt – zapping
einrichten – fill their time
Ausbruch – outbreak
Nachrichtensendungen – new broadcasts
Verlage – publishers
verzeichneten – have recorded
Zugriffszahlen – number of hits
misst – measured
öffentlich-rechtlichen Sender – government-sponsored channels
vorgelegter – presented
legt dar – explain
Anteil – percent
auf durchschnittlich – on average
Gesamtpublikum – total viewership
Einschnitte – cuts
wesentlich – considerably
vorhanden – available
Ablenker – distraction
lineares Fernsehen – to watch a TV show at the time it’s broadcast, i.e. not recorded for later viewing
eine feste Bank – something you can bank on
Vorjahreszahl – previous year’s number
Abrieb – beating
ausfällt – turned out to be
schaltet ein – tune in
gezielt – purposefully
Jahresvergleich – year to year comparison
Entscheidungen – decisions
Einschränkungen – restrictions
Reichweite – broadcast area
Umfrage – questionnaire
Meinungsforschungsinstitut – opinion research organization
der Befragten – of those surveyed
den Angaben zufolge – according to the statements
wiederentdeckt – rediscovered
langfristig – long-term
Nachholeffekte – “make up” effect
womöglich – if possible
Freizeitbeschäftigungen – free time activities
verstärkt zuwenden – increasingly turn to

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*