02. April 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

50 Jahre Döner Kebab – Die Entwicklung des «German Döners»

Viele Theorien kursieren um den Döner Kebab. Doch eines scheint festzustehen: Populär wurde er in Deutschland – und das vor rund 50 Jahren. Seitdem hat sich die Kreation stetig weiterentwickelt.

Berlin: Galip vom Imren Grill bereitet einen Döner zu. Vor fünfzig Jahren soll er erfunden worden sein. Foto: dpa

Von Elisabeth Edich
Berlin  (dpa) – Saftig geschnittenes Fleisch, Salat, Tomaten, Zwiebeln und viel Soße im knusprigen Fladenbrot – der klassische Döner Kebab, so wie ihn die meisten Menschen in Deutschland kennen werden. «Tatsächlich ist der Döner Kebab, so wie wir ihn hier kennen, eine Berliner Kreation», sagt der Soziologe und Autor Eberhard Seidel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das Imbissgericht sei vor 50 Jahren aus dem Zusammenspiel türkischer Einwanderer und der Berliner Mehrheitsgesellschaft entstanden. Seidel beschäftigt sich seit fast 35 Jahren mit der Entwicklung des Döner Kebabs. In diesem März veröffentlichte der 66-Jährige sein Buch «Döner. Eine türkisch-deutsche Kulturgeschichte».

An der Entwicklung des Döner Kebabs seien Hunderte von ehemaligen Gastarbeitern aus der ersten und zweiten Generation beteiligt gewesen. «Sie erschufen etwas Neues, etwas Hybrides, das sich zum beliebtesten Fast Food der Deutschen entwickelte und heute Milliardenumsätze generiert», sagt Seidel.

Bundesweit gibt es laut Seidel rund 18 500 Döner-Imbisse und türkische Restaurants in Deutschland. Mit etwa 1600 Verkaufsstellen sei Berlin die Döner-Metropole. Nach Angaben des 2010 in Berlin gegründeten Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID) liegt der Konsum in Deutschland bei etwa 550 Tonnen täglich. Auch für den Export wird demnach etwa die gleiche Menge hier produziert.

Der Geburtsort des «German Döner» sei der Berliner Stadtteil Kreuzberg, sagt Seidel. Vor 50 Jahren sollen hier alle Bedingungen für den Döner Kebab gestimmt haben, um sich zu verbreiten. Wer ihn erfand oder zuerst angeboten habe, ließe sich nicht seriös beantworten, meint Seidel.

Laut dem Verein Türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID) hat der ehemalige Gastarbeiter Kadir Nurman 1972 den ersten Döner Kebab am Bahnhof Zoo in Berlin verkauft. Es sei allerdings nachgewiesen, dass es den Döner Kebab bereits zuvor in einigen türkischen Restaurants in Deutschland gab, sagt Seidel. Nurman sei sicher nicht der erste gewesen – «trotzdem nimmt er einen wichtigen Platz in der Ahnengalerie der Väter des Döner Kebabs in Deutschland ein».

Eine Erzählung über den Döner Kebab behauptet, er sei als Fladenbrot-Gericht in Berlin erfunden und anschließend in die Türkei reimportiert worden. «Das ist falsch», so Seidel. Den Döner Kebab im Brötchen habe es in der Türkei bereits Mitte der 60er Jahre gegeben. Er sei dort aber nie so populär geworden wie in Deutschland.

«Die Menschen in der Türkei essen nicht so viel auf der Straße oder auf der Hand, die setzen sich lieber hin.» Es sei kein Zufall, dass der Döner Kebab in Berlin so erfolgreich geworden ist. In den 1970er/1980er Jahren stieg die Arbeitslosenzahl in Berlin in die Höhe. «Deshalb gab es eine große Notwendigkeit, sich eine Einnahmequelle zu erschließen», sagt Seidel.

Zusätzlich gab es in Berlin Gesetzgebungen, die Einwanderer aus der Türkei massiv diskriminierten. Der sogenannte Lummer-Erlass, benannt nach dem früheren Innensenator Heinrich Lummer (CDU), erhöhte 1981 den Druck. Gastarbeiter, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren konnten, mussten mit Ausweisung rechnen.

«Das war der Grund, warum viele in Berlin Döner-Läden aufmachten», sagt Seidel. «Berlin hatte eine aufgeschlossene bunte Szene, also Studenten, Wehrflüchtige, Klassenkämpfer, Internationalisten und Berufsproleten, die nicht so sehr mit Ressentiments behaftet waren.» Außerdem habe es in Berlin viele Menschen gegeben, die wenig Geld hatten. Aufgrund des sagenhaften Preis-Leistungsverhältnisses seien sie sehr schnell auf den Döner gekommen.

«Gerichte und Küchen entwickeln sich in einem permanenten transnationalen Austausch weiter», sagt Seidel. «Neue und zeitgemäße Interpretationen des klassischen Döner Kebabs» ist auch der Ansatz bei «Kebap with Attitude». «Warum den Döner nicht einfach mal weiterdenken?», dachten sich Deniz Buchholz und Daniel Herbert.

Im Mai 2019 eröffneten die beiden ihren Laden im Berliner Stadtteil Mitte. Eine ihrer bekanntesten Kreationen ist der «Trüffel Delüks». Neben klassischen Döner-Zutaten sind Röstkartoffeln, Granatapfel, Frühlingszwiebeln – und wie der Name bereits verrät – frisch geriebener Trüffel mit Trüffel-Mayonnaise dabei. «Wir holen uns unsere Inspiration aus den multikulturellen Einflüssen in Berlin und stecken immer viel Liebe in unsere Produkte», sagt Buchholz.

Eine weitere interessante Entwicklung des Imbissgerichts bietet das Hotel «Adlon» in Berlin an. Seit August 2018 führt das Luxushotel den «türkischen Klassiker», wie es auf der Speisekarte heißt. Der Edel-Döner im Fladenbrot mit Kalbsrückenstreifen und verfeinert mit Trüffelcreme und Rotkohl kostet 26 Euro – und ist damit der teuerste Döner Deutschlands.

«Davon wird es mehr geben», ist sich Seidel sicher. Der Markt werde diverser, dennoch bleibe der Döner Kebab die Leibspeise für finanziell nicht so gut gestellte Menschen und somit die Möglichkeit, eine vollwertig Mahlzeit für wenig Geld zu bekommen.

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Sport

Das deutsche Wintersport-Zeugnis -2021/22

Ein langer und kräftezehrender olympischer Winter ist für die meisten Athleten und Athletinnen vorbei. Nicht alle Träume gehen auf. Einige stellen Rekorde auf, andere müssen Enttäuschungen verkraften.

Berlin (dpa) – Ob Bob-Dominator Francesco Friedrich oder die Rodel- und Skeleton-Asse: Im Eiskanal von Peking räumten die deutschen Kufenspezialisten alles ab. Auch die Langläuferinnen Katharina Hennig und Victoria Carl jubeln über Olympia-Gold wie Biathletin Denise Herrmann und Kombinierer Vinzenz Geiger. Aber nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Die Deutsche Presse-Agentur zieht ein Fazit des Winters.

Biathlon: Herausragend waren der Olympia-Einzelsieg von Denise Herrmann und Staffel-Bronze der Damen. Die Männer blieben zum zweiten Mal nach 2010 ohne Medaille. Im Weltcup gab es für das Team insgesamt vier Siege (1 Damen, 3 Herren), wobei vor allem der sensationelle Erfolg von Erik Lesser in seinem vorletzten Karriererennen in Erinnerung bleiben wird. Insgesamt 17 Podestplätze. Note: 3-

Bob: Mit Weltcup-Dominator Francesco Friedrich setzte sich in Peking der Favorit mit Doppel-Gold durch. Im Zweierbob krönten die Männer die Saison mit einem historischen Dreifacherfolg. Nach vier Weltcupsiegen belohnte sich Laura Nolte mit Olympia-Gold. Mariama Jamanka holte Silber, wie zuvor gleich dreimal im Weltcup. Sieglos blieben die deutschen Frauen nur im Monobob – im Weltcup und bei Olympia. Lediglich in der EM holte Jamanka den Titel. Note: 1

Eiskunstlauf: Die deutschen Kufenkünstler haben den Anschluss zur Weltspitze verloren. Bei Olympia gab es serienweise Enttäuschungen, bei der EM sorgten die Paarläufer Minerva Hase/Nolan Seegert als Achte für das beste Ergebnis. Auch bei der WM in Montpellier sind die deutschen Aussichten trübe. Dass 2018-Olympiasiegerin Aljona Savchenko künftig für die Niederländer und nicht für den deutschen Verband arbeitet, ist eine weitere Niederlage. Note: 5

Eisschnelllauf: Keine Podestplatzierung im Weltcup, weder bei EM und WM noch bei Olympia eine Medaille – die Eisschnellläufer laufen weiter der Konkurrenz und den Erfolgen früherer Jahre hinterher. Claudia Pechstein, inzwischen 50 Jahre alt, hat noch nicht entschieden, ob sie noch eine weitere Saison dranhängt. Neben der Rekord-Olympia-Starterin qualifizierten sich nur Michelle Uhrig, Felix Rijhnen und Patrick Beckert fürs Weltcup-Finale. Note: 5

Langlauf: Im Weltcup machten die deutschen Langläuferinnen und Langläufer an einzelnen Wochenenden auf sich aufmerksam, bei den Winterspielen sorgten die Frauen für sensationelle Erfolge. Die 4 x 5 Kilometer-Staffel holte Silber, Katharina Hennig und Victoria Carl gewannen im Teamsprint sogar Gold. Damit war überhaupt nicht zu rechnen. Note: 2

Nordische Kombination
: Im Gesamtweltcup konnten die Deutschen nicht mit dem Top-Duo Jarl Magnus Riiber aus Norwegen und Johannes Lamparter aus Österreich mithalten. Bei den Winterspielen triumphierte Vinzenz Geiger mit Gold im Normalschanzen-Wettkampf, für die Staffel gab es Silber. Bei den Frauen, die bei Olympia noch nicht dabei waren, zählten die Deutschen nicht zur absoluten Weltspitze. Note: 2-

Rodeln: Das Team von Bundestrainer Norbert Loch ist das Maß aller Dinge. Die deutschen Rodler räumten zunächst im Gesamt-Weltcup in allen vier Disziplinen den Sieg ab. Dann folgte der Gold-Rausch bei den Winterspielen mit vier Olympiasiegen, dazu noch zweimal Silber. Natalie Geisenberger ist nun Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin. Note: 1+

Shorttrack: Die WM im kanadischen Montreal steht noch an. Wegen des Krieges in der Ukraine und der Corona-Pandemie wurde das Championat auf den 8. bis 10. April verlegt. In den Weltcup-Wertungen erreichte allein Anna Seidel als 19. über 1500 Meter die Top 20. Die Dresdnerin war auch einzige Starterin bei den Winterspielen in Peking, wo sie im Viertelfinale wegen Behinderung einer Konkurrentin bestraft wurde und nicht in die Wertung kam. (Zwischen-)Note: 6

Skeleton: Im Weltcup fuhr Weltmeister Christopher Grotheer sechsmal aufs Podest, Axel Jungk viermal. In Peking sorgte Grotheer mit dem ersten Olympia-Gold für Deutschland für ein historisches Kapitel. Jungk holte Silber. Die Frauen um Weltmeisterin Tina Hermann, die zweimal in Altenberg gewann, schwankten mit ihren Leistungen. Doch in Peking schlug die Stunde von Debütantin Hannah Neise. Die 21-Jährige raste zum ersten Olympiasieg bei den Frauen. Note 1

Skispringen: Überall vorne dabei, aber kein ganz großer Titel. Die deutschen Skispringer haben im Olympia-Winter ordentliche Leistungen gezeigt. Karl Geiger im Einzel und das Team holten Bronze in Peking, auch bei der Skiflug-WM gab es Silber im Team. Auf den ersten Vierschanzentournee-Sieger seit Sven Hannawald 2002 muss Deutschland weiter warten. Bei den Frauen glänzte Katharina Althaus. Note: 2-

Ski alpin: Die Slalom-Spezialisten Lena Dürr und Linus Straßer sind in der Weltspitze angekommen und haben die jeweils erfolgreichste Saison ihrer Karriere gefahren. Die deutsche Speed-Riege hingegen blieb hinter den Erwartungen – vor allem bei den Herren. Bei den Winterspielen in China polierte der zweite Platz im Teamevent die in Summe doch recht enttäuschende Bilanz auf. Note: 3-

Ski Freestyle: Daniela Maier überraschte bei Olympia mit Bronze. Nach dem Einspruch der viertplatzierten Schweizerin Fanny Smith ist aber noch nicht geklärt, ob sie ihre Medaille behalten darf. Im Weltcup reichte es für Maier und die übrigen deutschen Skicrosser selten für die ganz vorderen Plätze. Im Park, in der Pipe oder im Kunstspringen bewegen sich die Deutschen vorwiegend außerhalb der Top Ten. Note: 5

Snowboard: Ramona Hofmeister gewann zum dritten Mal nacheinander den alpinen Gesamtweltcup, Stefan Baumeister wurde Zweiter. Martin Nörl bejubelte als erster Deutscher den Gewinn der Großen Kristallkugel im Snowboardcross. Ausgerechnet bei Olympia enttäuschten die erfolgsverwöhnten deutschen Snowboarder aber – mit Ausnahme der jungen Freestylerin Annika Morgan. Note: 2-

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Feuilleton

Großes Ägyptisches Museum: 

Eine Dauerbaustelle an den Pyramiden


Von Johannes Sadek
Kairo (dpa) – Eine Art kolossaler Fächer aus hellem Beton, Stahl und Glas liegt am Wüstenhang, auf dem Plateau dahinter die Pyramiden von Giseh. Das Große Ägyptische Museum nimmt Form an, schon jetzt lässt sich ahnen, wie Schülergruppen und Touristen sich auf dem Vorplatz neben Palmen tummeln werden. Zehn Jahre nach Start der Bauarbeiten bleibt nur die Frage: Wann wird es endlich eröffnet?

Im Grunde fehlten nur noch ein paar letzte Schritte, teilte das Antikenministerium im Februar mit. Strukturarbeiten, Lichthof und die große Freitreppe seien fertig, die Innenarmaturen «zu 99,8 Prozent» und Außenbereiche «zu 98 Prozent». Das GEM, wie es abgekürzt heißt, soll mit einer Sammlung von 100 000 Artefakten und einer Grundstücksfläche, die 70 Fußballfeldern entspricht, das weltweit größte Museum werden, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist.

Doch schleichend hat sich der geplante Louvre für antike Schätze zu einer Dauerbaustelle verwandelt, die Erinnerungen weckt an einen gewissen Berliner Flughafen. Vor genau zehn Jahren, am 12. März 2012, wurde der wirkliche Start der Bauarbeiten am GEM gefeiert. Den Grundstein hatte der inzwischen verstorbene Präsident Husni Mubarak 2002 gelegt, 2005 liefen erste Arbeiten an. Angekündigt wurde das Projekt bereits 1992. Seitdem sind 30 Jahre vergangen.

Ein Eröffnungstermin stehe noch nicht fest, heißt es in Kairo. «Ich will Könige, Königinnen und Staatschefs bei der Eröffnungszeremonie haben», sagte Antikenminister Chalid al-Anani der Deutschen Presse-Agentur vergangenen Sommer. Eine Veranstaltung mit 600 Gästen oder mehr sei in der Corona-Pandemie aber nicht möglich. «Ich will dieses Ereignis feiern. Ich glaube, es wird die größte Eröffnung in der neueren Geschichte Ägyptens», so der Minister.

Neben der Pandemie sorgten die Revolution und politische Umbrüche ab 2011 zu Verzögerungen. Dazu kam Geldmangel in Ägyptens Wirtschaftsflaute. Die geschätzten Baukosten stiegen laut Berichten inzwischen auf umgerechnet mehr als 900 Millionen Euro und damit auf rund doppelt so viel als zunächst angesetzt. 2015 fragte die Nachrichtenseite «Al-Monitor»: Wird das Museum jemals öffnen?

Staunen dürften die Besucher trotzdem, wenn sie irgendwann im monumentalen Lichthof vor der elf Meter hohen Statue von Pharao Ramses II. stehen. 5000 Jahre Geschichte sollen hier im großen Bogen lebendig werden, vom alten Ägypten bis zur griechisch-römischen Zeit. Besonderer Höhepunkt: Der Grabschatz des Pharaos Tutanchamun aus dem Tal der Könige, der erstmals vollständig zu sehen sein wird. Die Ausstellungsräume im Bau des irischen Architekturbüros Heneghan Peng gestaltete das Atelier Brückner aus Stuttgart.

Gut möglich, dass einige Besucher sich etwas verloren fühlen. Auch ein elf Meter hoher Ramses II. könnte klein wirken in der gewaltigen Halle, und wer will bei einem Rundgang schon Tausende Artefakte sehen? Aber das GEM, über Sichtachsen mit den Pyramiden verbunden, dürfte sich auch in eine bauliche Erweiterung und moderne Interpretation der berühmten antiken Bauwerke verwandeln, schreibt das Magazin «Architectural Digest».

Kindkönig Tutanchamun könnte derweil ein Schlüssel sein beim Rätselraten um den Eröffnungstermin. Am 4. November jährt sich die Entdeckung seiner Grabkammer durch den britischen Archäologen Howard Carter zum 100. Mal. Gerade die Altertümer setzt die ägyptische Regierung gern mit viel Pathos und Symbolkraft in Szene. Eine Eröffnung des GEM an diesem Tag, sagte Ägyptologe Zahi Hawass vor einigen Monaten, wäre «ein Weltereignis».

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Gesundheit/Umwelt

Photophobie: Die Ursachen für lichtscheue Augen

Photophobie ist eine der häufigsten Augenbeschwerden und kann viele verschiedene Ursachen haben. Foto: Sina Schuldt/dpa

Von Sabine Meuter
Köln/Regensburg (dpa) – Sehr helles Licht trifft einen unerwartet: Klar, dass dann die Augen erst einmal irritiert reagieren. Ein völlig natürlicher Schutzreflex. Aber was ist, wenn die Augen regelrecht lichtscheu sind? Wenn man Sonnenlicht ebenso wenig erträgt wie Tageslicht, geschweige denn das Licht von Lampen?

Sind die Augen lichtscheu, sprechen Mediziner von Photophobie. «Solche Beschwerden gehören zu den häufigsten Problemen rund ums menschliche Auge überhaupt», sagt Augenarzt Prof. Philipp Steven von der Uniklinik Köln. Nicht nur, dass die Helligkeit nicht auszuhalten ist. Betroffene klagen oft auch über Schmerzen oder Übelkeit. Ihre Augen tränen.

Die Lichtempfindlichkeit der Augen kann verschiedene Ursachen haben. Halten die Beschwerden an, sollten Betroffene eine Augenärztin oder einen Augenarzt zurate ziehen.

Verschiedene Ursachen möglich
«Der Lichteinfall ins Auge wird von der Pupille gesteuert», sagt Ludger Wollring vom Berufsverband der Augenärzte. Die Pupille verengt sich, wenn es hell ist. Bei wenig Licht weitet sie sich. «Wenn dieser Mechanismus gestört ist, kann zu viel Licht auf die Netzhaut fallen und man fühlt sich geblendet», erläutert Wollring.

Auch nach einer Schädigung der Hornhaut, beispielsweise durch zu intensive UV-Strahlung, reagiert das Auge oft mit Lichtscheu. Gleiches gilt häufig im Fall einer Bindehautentzündung.
«Eine schwere Regenbogenhautentzündung geht ebenfalls oft mit Lichtscheu einher», sagt Prof. Horst Helbig, Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Regensburg. Diese Entzündung sorgt neben Schmerzen im Auge häufig auch dafür, dass man weniger scharf sieht.

Lichtscheu bei Grauem und Grünen Star
Blendempfindlich kann man sein, wenn in Folge eines Grauen Stars (Katarakt) die Linse des Auges trüb wird. «Das ist eine typische Alterserscheinung», sagt Wollring vom Augenärzte-Berufsverband. Durch die Linsentrübung wird das Licht nicht mehr ausreichend gebündelt, sondern stärker gestreut. Bei schlechten Lichtverhältnissen fühlen sich Betroffene daher leicht geblendet.
Auch bei einem Grünen Star (Glaukom) kann Lichtscheu auftreten. Bei dieser Erkrankung nimmt der Sehnerv zunehmend Schaden – ein zu hoher Augeninnendruck ist einer der Risikofaktoren für ein Glaukom.

Trockene Augen aufgrund stundenlanger Bildschirmarbeit sind eine weitere mögliche Ursache für Lichtempfindlichkeit. Für Migräne und andere neurologische Erkrankungen gilt das ebenfalls.
Photophobie könne auch nach einer Augen-OP oder durch die Gabe von Tropfen zur Pupillenerweiterung auftreten, sagt Philipp Steven von der Uniklinik Köln.

Oft werden die Augen im Alter lichtempfindlicher
Nicht immer gibt es für Lichtscheu eine behandlungsbedürftige Ursache. «Es ist mitunter völlig normal, dass im Laufe eines Lebens die Lichtempfindlichkeit am Auge zunimmt», sagt Horst Helbig vom Uniklinikum Regensburg. Vielen helfe es dann schon, häufiger eine Sonnenbrille zu tragen. Generell ist es gerade im Alter ratsam, regelmäßig zur Vorsorge in die Augenarztpraxis zu gehen.

Tritt die Lichtempfindlichkeit plötzlich und stark auf, sollte man sich ärztlichen Rat holen, sofern die Beschwerden nicht nach ein paar Stunden nachlassen. Auch wenn weitere Symptome wie eine Rötung der Augen, Schmerzen oder Tränenfluss hinzukommen, empfiehlt Ludger Wollring, eine Augenarztpraxis aufzusuchen.

Vorübergehend oder dauerhaft?
Ob die Lichtempfindlichkeit dauerhaft bleibt, hängt von der Ursache ab. Häufig tritt sie nur vorübergehend auf. Eine geschädigte Hornhaut etwa kann innerhalb einiger Tage heilen. Ein Migräneanfall geht mehr oder weniger rasch vorüber. Die Linsentrübung in Folge eines Grauen Stars lässt sich durch eine Operation behandeln.

«In sehr seltenen Fällen kann die Lichtempfindlichkeit auch ein dauerhaftes Problem sein», sagt Ludger Wollring. Beispielsweise im Fall einer angeborenen Aniridie – bei dieser sehr seltenen Erkrankung fehlt die Iris oder ist unvollständig ausgebildet. Menschen mit Albinismus reagieren ebenfalls häufig sehr lichtempfindlich.

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Reise

Eine skurrile Zeitreise durch Ljubljana

Die Križevniška ulica gilt als eine der ältesten Straßen Ljubljanas.
 Foto: Andrej Tarfila/www.slovenia.info/dpa

Von Alexandra Stahl
Ljubljana (dpa) – Wie bringt man Touristen eine Stadt am besten näher? Zum Beispiel mit Anekdoten berühmter lokaler Persönlichkeiten. So macht man es jedenfalls in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana: Dort folgen Touristen von Frühjahr bis Herbst auf einer humorigen Fahrradtour den Spuren des Architekten Jože Plecnik, des Schriftstellers Ivan Cankar und des Malers Rihard Jakopic. Der Name – Moustache-Tour (Schnurrbart-Tour) – spielt auf die Gemeinsamkeit der drei Männer an: Sie alle trugen Schnauzer.

Tourguide Urban Logar ist 45, trägt natürlich Bart, und bevor es losgeht, stellt er klar, worum es gehen wird: Um drei Männer, die Ljubljana im 19. und 20. Jahrhundert geprägt haben. Und zwar nicht mit ihren Schnurrbärten, sondern mit ihrer Einstellung, etwas zu schaffen, jemand zu werden. So wie Plecnik, Cankar und Jakopic.

Und dennoch führt der erste Halt der Tour zu einem Frisiersalon. Besitzer Sašo Mali und Guide Logar ordnen den Zuhörenden ein, welche Bartformen die drei berühmten Persönlichkeiten trugen: Plecnik den sogenannten Horseshoe. Ein Schnauzer, der dicht über der Lippe verläuft und an deren Seiten nach unten abfällt. Cankar den «Imperial», der ebenfalls dicht über der Lippe verläuft, aber an den Seiten aufsteigt. Und Jakopic die «Toothbrush». Ein Schnurrbart, der nur von Nasenflügel zu Nasenflügel reicht.

Über die Ljubljanica führen gleich mehrere berühmte Brücken
Auch heute sind Bärte im Trend, stellt Frisiersalon-Chef Mali fest. Vielleicht nicht gerade Schnurrbärte, aber immerhin Vollbärte. Logar vermutet dahinter eine neue Sehnsucht nach Langsamkeit in einer hypermodernen und zu schnell gewordenen Welt. Er glaubt, manche Menschen wünschen sich nicht nur wieder so zu leben wie früher, sondern auch so auszusehen. Mali will das nicht, er ist lieber glatt rasiert. Als er es mal mit einem Schnauzer versuchte, hätten die Töchter komisch geguckt.

Weiter geht‘s: Logar führt runter zum Ufer des Flusses Ljubljanica, über den gleich mehrere bekannte Brücken verlaufen: Eine von ihnen heißt Drei Brücken – ein Bauwerk, das erst durch die Arbeit von Jože Plecnik zu einem Wahrzeichen Ljubljanas wurde. Denn dem bereits bestehenden großen Brückenarm von 1842 fügte Plecnik 1932 zwei kleinere Fußgängerbrücken rechts und links davon an, um das damalige Nadelöhr zu entzerren. Heutzutage fahren selbst über den mittleren Arm keine Autos mehr, die Altstadt Ljubljanas ist autofrei.

Nur wenige Meter entfernt wartet die Nationalbibliothek. Entworfen hat den rotgrauen Backsteinbau Architekt Plecnik. In deren Innern finden sich die Manuskripte des Schriftstellers Ivan Cankars, der – wie Logar erzählt – seine Notizen oft verlor, sodass seine Gedanken quer durch die Stadt verteilt waren. Er gilt als wichtigster slowenischer Schriftsteller der Moderne und schrieb ungewohnt deutlich über das soziale Elend um die Jahrhundertwende.

Ehrgeizig, streng, unterkühlt: der Architekt Jože Plecnik
Nur unweit davon: Das Haus, in dem Architekt Plecnik lebte und arbeitete. Darin, kündigt Logar an, werde man Hinweise auf Plecniks Charakter finden. Er galt als ehrgeizig, streng und nicht gerade herzlich. Dort angekommen präsentiert Logar also einen unbequemen Stuhl ohne Polster. Plecnik habe diesen für seine Studenten entworfen. Wer bequem sitze, arbeite nicht gut, sei Plecniks Überzeugung gewesen.

Während Logar erzählt, sperrt er die Tür zu einer gläsernen Halle voller Pflanzen und Statuen auf. Hier habe der Architekt Besucher empfangen, aber nie Kaffee angeboten. Meistens sei er nicht mal ganz die Treppe von seiner Wohnung heruntergekommen. Logar deutet auf eine Büste Plecniks, die eine seiner Studentinnen gefertigt habe. «Er hat ihr extra noch gesagt, sie solle sein Gesicht schön streng machen.»

In Plecniks Arbeitszimmer befindet sich auch dessen Bett. Es ist schmal, der Schreibtisch deutlich größer. Ob man hier etwas findet, das nicht zum Workaholic Plecnik passt? Zwischen Dreieck, Lineal und Stiften liegt: ein Ball. Logar zückt sein Smartphone und klärt auf. Auf dem Display: ein Schwarz-Weiß-Foto Plecniks, das ihn mit seinem Hund zeigt. Der Ball war also offenbar ein Spielzeug. Auf dem Bild lacht der Architekt, der als Pionier der modernen Architektur im 20. Jahrhundert gilt und weit über Slowenien hinaus wirkte.

Sauerkraut-Export finanziert Kunststudium im Ausland
Weit weniger streng als Plecnik: Rihard Jakopic. Das Geburtshaus des verstorbenen Malers liegt nicht weit entfernt von Plecniks ehemaliger Wirkungsstätte in einer Wohnsiedlung im Stadtteil Krakov. Hier ist von der Großstadt nichts mehr zu hören. Es herrscht absolute Ruhe. Zu Zeiten Jakopics war der Stadtteil berühmt für sein Sauerkraut. Einige Bewohner exportierten es bis nach Jerusalem oder Kairo. Oder in die USA wie Jakopics Vater. So konnte er dem Sohn das Studium an der Wiener Kunstakademie finanzieren.

Eine Investition, die sich gelohnt hat: Jakopics impressionistische Kunst steht heute in Ljubljanas Nationalgalerie. Am Eingang der Ausstellungshalle hängt ein Briefkasten, in dem sich einige der berühmtesten Zitate des Malers befinden – eingerollt in kleine Zettelchen. Auf einem von ihnen steht zum Beispiel: «Ohne Kunst ist der Mensch verstümmelt. Wie ein Tiger ohne Lust auf Blut.» Das klingt beinahe doch nach dem strengen Plecnik.

Lebemann hinterlässt lediglich drei Dinge
Bleibt Schriftsteller Cankar, der eher das Gegenteil von seinen beiden Landsmännern gewesen zu sein scheint. Nicht nur starb er im Vergleich zu Plecnik und Jakopic jung – mit 42. Er war wohl auch einer, den man heute einen Hallodri nennen würde: Er fiel auf mit seinen Frauengeschichten und seiner Verschwendungssucht. Nach einer Feier soll der Autor einmal zwei Kutschen auf einmal bestellt haben. Eine für sich, eine für seinen Hut.

Logar erzählt diesen Schwank während des gemeinsamen Aufstiegs auf den Rožnik, ein Hügel nicht weit vom großen Stadtpark Tivoli. Ziel ist das letzte Haus, in dem Cankar lebte, bevor er an einer Lungenentzündung starb. Der Weg durch den Wald zeigt wieder, wie grün und idyllisch die Stadt ist – durch die Zweige der Blätter ist in der Ferne das Schloss, ein beliebtes Ausflugsziel, zu sehen. Und wieder fühlt es sich nicht nach Großstadt, schon gar nicht nach europäischer Landeshauptstadt an. Auch hier: alles ruhig.

Oben angekommen. Der einstige Wohnbereich Cankars ist gerade nicht zugänglich. Das sei nicht weiter schlimm, meint Logar und berichtet, Cankar habe ohnehin nur drei Dinge hinterlassen: eine Geldbörse, eine Krawatte und eine Einladung zum Pavillon des Malers Jakopic. Aber er wisse, dass der Slowene gerne Tee mit Rum getrunken hat. Daher gibt es das Getränk zum Abschluss in dem Café am Cankar-Haus, das beliebt ist bei Rožnik-Ausflüglern. Dazu reicht Logar Potica, Strudel mit Nussfüllung – typisch slowenisch.

Rum und Müdigkeit lenken von Anekdoten ab
Beim Essen erzählt der Tourguide eine letzte Anekdote auf dieser so erlebnisreichen Runde, die für Ljubljana-Anfänger und Profis gleichermaßen geeignet ist: Für Anfänger, weil sie einen guten Überblick über die Stadt bietet. Und für Profis, weil sie an Orte führt, an die sich normalerweise nie ein Tourist verirrt.

Logar also erzählt, aber die Gäste hören nur noch mit halbem Ohr hin. Der Ausblick auf Ljubljana ist zu schön und der Rum entfaltet nach der mehr als dreistündigen Fahrt quer durch die Stadt ziemlich schnell seine Wirkung. Cankar hatte ein Problem mit seiner Mutter? Oder war es andersrum? Unwichtig.

Auf dem Rückweg geht‘s noch zum Denkmal Cankars, wieder eine Büste. Daneben grinst Logar – und greift ein letztes Mal für heute in seine Umhängetasche. An einem Stab zieht er einen künstlichen Schnurrbart heraus, den sich seine Gäste vors Gesicht halten können. Wer das tue, sei, verkündet er, Mitglied des geheimen Schnurrbart-Klubs von Ljubljana. Doch die Hauptregel laute: Niemals vom Schnurrbart-Klub reden!

Infokasten: Moustache-Tour durch Ljubljana

Einreise und Corona-Lage: Slowenien hat jetzt keine Einreisebeschränkungen mehr.
Anreise: Direktflüge zum Flughafen Ljubljana gibt es aus Deutschland derzeit nur von Frankfurt am Main. Mit dem Zug ist die Stadt am schnellsten per Eurocity vom Hauptbahnhof München zu erreichen. Die einfache Fahrt dauert etwa sechs Stunden.
Übernachtung: Beim Reiseportal Airbnb liegt der Durchschnittspreis bei 87 Euro pro Nacht. Ljubljana bietet aber auch viele günstige Hostels.
Der besondere Tipp: Die Schnurrbart-Tour findet vom 1. Mai bis 30. September jeden Freitag ab 15 Uhr statt. Bei schönem Wetter auf Anfrage auch außerhalb der Saison. Die Mindestteilnehmerzahl liegt bei zwei Personen, die maximale Teilnehmerzahl bei acht.
Internet:
http://www.visitljubljana.com/de/besucher/

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Mode: Warum kaufen wir mehr als nötig

Die Modebranche steht vor der Frage, wie sie umweltbewusster arbeiten kann. Autor Carl Tillessen («Konsum») erklärt, warum Menschen gerne kaufen – und warum Shopping selten trösten kann.

Passanten gehen auf der Einkaufsstraße Prager Straße in Dresden an einem Schaufenster vorbei. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Von Julia Kilian
Berlin (dpa) – Beim Shoppen stellen sich inzwischen viele Fragen. Kaufe ich ein T-Shirt aus Biobaumwolle? In welche Läden gehe ich? Und was taugen die veganen Sneaker?
Teile der Modebranche diskutieren, wie sie umweltbewusster und fairer werden können. Auch bei der Berliner Modewoche war das ein Thema.

Aus Sicht des Autors Carl Tillessen («Konsum») kann man auch als Konsument noch einiges über sich lernen. Warum zum Beispiel kaufen wir oft mehr als wir brauchen?

«Die einfachste Antwort auf die Frage ist: Weil wir es können – und das war nicht immer so», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Produkte seien für uns mit der Zeit immer billiger geworden. Das habe zunächst an der Industrialisierung gelegen, in den letzten Jahrzehnten aber vor allem an der Globalisierung.

«Die meisten Dinge, die wir kaufen, werden inzwischen im Ausland hergestellt – harmlos ausgedrückt – zu Billiglöhnen und – weniger harmlos ausgedrückt – teilweise unter sklavereiähnlichen Bedingungen», sagt Tillessen, der selbst aus der Modebranche kommt. Sein Buch «Konsum» setzt sich mit vielen Entwicklungen auseinander.

Seiner Meinung nach wissen viele Menschen inzwischen mehr über die mangelnde Umweltverträglichkeit des Konsums, aber nicht so viel über die mangelnde Sozialverträglichkeit. Oft denke man, dass unfaire Produktionsbedingungen die Ausnahme seien, sagt Tillessen. «Wir sind sehr gut darin, Dinge zu verdrängen.» Zudem orientieren wir uns oft an unserem Umfeld. «Wir sagen uns: «Wenn das tatsächlich so schlimm wäre, dann würden das ja nicht alle meine Freunde machen.»

Außerdem treffe man Kaufentscheidungen nicht im Labor. «Sondern wir driften durch Läden, lassen den Blick schweifen, browsen durchs Internet», sagt Tillessen. Wenn uns ein Produkt gefalle, kämen solche ethischen Entscheidungen laut Studien doch nicht auf Platz eins, sondern auf Platz neun oder zehn. «Wir sind – wenn wir ehrlich sind – nicht sehr kompromissbereit: Wir kaufen keinen hässlichen Schuh, nur weil er fair und umweltverträglich hergestellt wurde.»

Halten wir uns also für besser als wir sind? «Auf jeden Fall. Wir überschätzen uns selbst in vielerlei Hinsicht», sagt Tillessen. Statussymbole kaufe man für sich, aber eben auch für die Außenwirkung. Menschen orientierten sich in ihrem Handeln und in vielen Lebensentscheidungen viel stärker an ihrem Umfeld und viel weniger an eigenen authentischen Bedürfnissen als sie glaubten.

Auch auf der Berliner Fashion Week wurde immer wieder über Nachhaltigkeit diskutiert. Geplant ist beispielsweise das Forum «202030 – The Berlin Fashion Summit». Aus Sicht von Tillessen gibt es zwei Hebel, an denen die Branche ansetzen könnte. Zum einen die Qualität: Man könne etwa auf Biobaumwolle setzen oder die Leute besser bezahlen. Das falle der Branche und auch Kunden relativ leicht. «Man kauft dann dasselbe in Grün. Das ist besser als nichts, aber absolut nicht ausreichend. Denn der Effekt wird zunichte gemacht, wenn wir eben immer mehr kaufen.»

Seiner Meinung nach kommt auf die Branche nun aber eine neue Phase zu. «Man fängt an, über die Quantität der Dinge nachzudenken. Wie viel brauchen wir eigentlich? Wie langlebig sollen Produkte sein? Versucht man, Vintage zu kaufen? Und mit diesem Weniger tut sich natürlich auch die Modeindustrie schwer», sagt Tillessen. Das sei auch für die Volkswirtschaft eine riesige Herausforderung.

Es falle Menschen leichter, ihr ökologisches Gewissen zu beruhigen, indem sie neue Fair-Trade-Yogakleidung aus Biobaumwolle kauften, als einfach mal keine neue Yogakleidung zu kaufen.

Ist denn Konsum zur Belohnung oder zum Trösten eigentlich eine gute Idee? «Leider nein», findet Tillessen. «Das ist wie bei der Zufuhr von Substanzen. Die Toleranzgrenzen verschieben sich – wir müssen die Dosis immer weiter steigern, um zu dem ursprünglichen Glücksgefühl zurückzukehren.»

Um zu prüfen, ob man etwas wirklich kaufen will, nennt er ein paar Tricks. «Man sollte sich die Frage tatsächlich stellen: Will ich das wirklich benutzen oder will ich es eigentlich nur besitzen?
Ein zweiter Tipp: erstmal Abstand nehmen.» Einen Kaffee trinken oder sogar eine Nacht drüber schlafen.

«In vielen Fällen wird man feststellen, dass man es am nächsten Morgen vergessen hat. Und falls man es immer noch haben will, bekommt man es meist auch noch.»

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Aus Allen Staaten

Carpathia Jugendgruppe Königsball

King Timothy Landenberger and Queen Kylie Kapraun
Owen Davis, Nora Furtah, Alivia Zeig and Sam Stenger
Carpathia Jugendgruppe: Alexandra Sehling, Kara Russell, Evan Schleiss, Emma Russell, Reese Mueller, Brett Roek, Bethany Landenberger, Selah Russell, Daniel Kapraun, Karina Ochss, Owen Davis, Nora Furtah, Amelia Davis, Sam Stenger, Queen Kylie Kapraun and King Timothy Landenberger

fter  two years of hiatus, Carpathia Club, in Warren, Michigan was finally able to gather and celebrate the Carpathia Jugendgruppe Königsball. The evening began with a delicious meal and was followed by the traditional Ein March led by King Timothy Landenberger and Queen Kylie Kapraun followed by the presentation of the Royal Menu. The Jugendgruppe, under the direction and leadership of Paul Schwalbe and Tammy Kapraun, provided a traditional performance choreographed by Paul Schwalbe. The Carpathia  Kindergruppe under the direction of Karin Schulz and Kimmy Furtah also entertained the audience with a few dances. Music provided by Enzian provided the guests with many dances to celebrate being back together again. The evening concluded with the traditional raffle of the Royal Menu. Fun was had by all as we were able to once again gather and celebrate this year’s royalty.

The new King and Queen were crowned during Carpathia’s annual Kirchweihfest celebration. Previous King Sebastian Cole and Queen Alexandra Sehling crowned our new royalty after they represented Carpathia Jugendgruppe royalty for two years. King Timothy Landenberger is the son of Jeff and Melissa Landenberger of Chesterfield, Michigan. He is currently a student at Macomb Community College with a focus on Business Administration. He plans to pursue a degree at Michigan State University in the future. Queen Kylie Kapraun is the daughter of Michael and Tammy Kapraun of Flint, Michigan. Kylie is currently a senior at Flushing High School and a student at Mott Community College where she is currently studying business law and plans to continue that study at a university. 

Tammy Kapraun
Press Secretary

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Tierrettung im Ukraine-Krieg: «Was können die Hunde dafür?»

Wenn die Menschen aus der Ukraine vor dem Krieg fliehen, müssen sie ihre Haustiere oft zurücklassen. Tierschützer riskieren ihr Leben, um die plötzlich unbehütet gewordenen Tiere in Sicherheit zu bringen.

Polen, Medyka: Eine Frau hält auf einem verlassenen Landwirtschaftsbetrieb nahe der Grenze zur Ukraine einen geretteten Welpen im Arm. Nach dem Angriff russischer Truppen auf die Ukraine retten Tierretter verlassene Tiere aus dem Land. Foto: dpa

Von Doris Heimann
Medyka (dpa) – Es ist schon dunkel, als Sascha Winkler seinen weißen Kleinbus auf den Hof eines verlassenen Landwirtschaftsbetriebs im ostpolnischen Medyka lenkt. Aus dem Laderaum dringt lautes Gebell, ängstliches Kläffen und flehendes Winseln. «Ich habe 23 Hunde, ganz viele Welpen», ruft Winkler. Noch vor dem Morgengrauen ist der Tierschützer losgefahren, um zurückgelassene Hunde aus der vom Krieg erschütterten Ukraine zu retten. Jetzt ist er endlich zurück in Polen – und die Hunde sind in Sicherheit. Sie können vorerst in einem improvisierten Tierheim bleiben, das die polnische Stiftung Centaurus auf dem stillgelegten Bauernhof in Medyka eingerichtet hat.

Knapp zwei Kilometer von den Stallungen des verlassenen Bauernhofs entfernt spielen sich menschliche Tragödien ab. Am Übergang Medyka-Schehyni an der polnisch-ukrainischen Grenze kommen täglich Zehntausende Ukraine-Flüchtlinge an. Sie fliehen vor den russischen Raketen und Bomben, die ihre Heimat zerstören. 1,7 Millionen Geflüchtete hat der polnische Grenzschutz seit Kriegsbeginn gezählt.

«Wenn die Menschen fliehen müssen, lassen viele ihre Haustiere zurück», sagt Sascha Winkler. Für den 35-jährigen Geschäftsmann aus Chemnitz ist es schon die zwölfte Tierrettungsfahrt in die Ukraine. In den überfüllten Zügen, die die Flüchtlinge aus der Ukraine bringen, sei häufig kein Platz für Hunde und Katzen. «Vor allem die Mitnahme von Hündinnen mit Welpen ist praktisch unmöglich.» Es gebe in der Ukraine örtliche Tierheime und Tierschützer, die die herrenlosen Vierbeiner aufnehmen, sagt Winkler. Doch deren Möglichkeiten sind ausgeschöpft.

Deshalb ist er gemeinsam mit zwei anderen Fahrern am Morgen aufgebrochen, um gespendetes Tierfutter in die Ukraine zu bringen und Hunde aus den Orten Brody und Radechiw in der Nähe von Lwiw abzuholen. Angst vor dem Krieg hat Winkler nicht, wie er sagt. «Ich war mit der Bundeswehr in Afghanistan, ich habe Schlimmeres gesehen.»

Dominik Nawa hat in seinem blauen Transporter fünf Hunde aus der westukrainischen Stadt Stryj mitgebracht. «Vier Welpen und ihre Mutter. Eine Frau hat sie angebunden vor der Kirche in Stryj gefunden», sagt der 46-Jährige, der in Schlesien einen Gnadenhof für Pferde, Esel und Ziegen führt.

Ein Dutzend Freiwillige aus Polen, der Ukraine, Deutschland und den USA helfen, die mit Wolldecken verhüllten Gitterkäfige aus den Lieferwagen auszuladen. Es sind viele Hundebabys mit ihren Müttern dabei. Die Tierschützer streicheln die verängstigten Welpen, tragen sie behutsam in beheizte Container. «Meine Oma musste als Kind auch fliehen und konnte ihren schwarzen Spitz nicht mitnehmen. Das hat sie nie losgelassen – immer wieder sprach sie von ihrem “Mohrchen”», erzählt die Münchnerin Stefanie Seelmann. Und leise fügt sie hinzu: «Was können die Hunde dafür?»

Das improvisierte Tierasyl in Medyka ist für die Hunde und die Katzen, die hier auch aufgenommen werden, nur eine Übergangsstation. Paul ist aus Dresden gekommen, um Tiere nach Deutschland mitzunehmen. «So viele, wie in mein Auto passen.» Zu Hause hat er ein privates Tierheim gefunden, das sie aufnehmen wird. Und ein paar Herrchen und Frauchen, die sich schon auf ihren neuen Liebling freuen.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

plötzlich – suddenly
unbehütet – unprotected
Sicherheit – safety
verlassenen – abandoned
Landwirtschaftsbetriebs – farm operation
lenkt – steers
Laderaum – loading space
dringt – comes forth
lautes Gebell – loud barking
ängstliches Kläffen – fearful yelping
flehendes Winseln – entreating whimpering
Welpen – whelps
erschütterten – shook
retten – rescue
Stiftung – charity
stillgelegten – idled
eingerichtet – established
spielen sich ab – taking place
Flüchtlinge – refugees
zerstören – destroy
überfüllten – overflowing
herrenlosen – without owners
ausgeschöpft – exhausted
gespendetes – donated
Tierfutter – pet food
Bundeswehr – military
angebunden – tied up
Gnadenhof – animal sanctuary
Freiwillige – volunteers
Wolldecken – wool blankets
verhüllten – wrapped up
Gitterkäfige – wire cages
Lieferwagen – delivery trucks
streicheln – strokes
verängstigten – terrified
behutsam – protectively
beheizte – heated
loslassen – let go
fügt hinzu – added
Tierasyl – animal sanctuary
Übergangsstation – interim station

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*