02. Februar 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Zaubertöne im Gewusel: Ein Klavier für alle am Bahnhof

Nordrhein-Westfalen, Wuppertal: 
Student Tran Nhat Khang Le sitzt an einem 
Klavier im Bahnhof in Wuppertal.
Foto: dpa

Von Ulrike Hofsähs

Wuppertal (dpa) – Ein Bahnhof ist eigentlich kein Ort, wo es besinnlich zugeht. Aber in Wuppertal sorgt in der Eingangshalle ein Klavier für Stimmung. Jeder, der möchte, darf darauf spielen. Viele Reisende halten inne. Mancher Klavierspieler bekommt Applaus fürs Spontankonzert.

Eine romantische Melodie schwingt durch den Hauptbahnhof in Wuppertal, ein paar Passanten bleiben stehen. Die Blicke wandern umher, bis die Menschen das Klavier entdecken. Ein junger Mann sitzt davor und spielt. Den Rucksack auf dem Rücken hat er nicht abgenommen. Der 22 Jahre alte Student blickt auf die Tasten und eine zarte Musik ertönt, die so gar nicht zu der brausenden Geschäftigkeit eines Bahnhofs passt. Das Zufallspublikum an diesem hektischen Ort hält inne und klatscht.

Der Student Tran Nhat Khang Le ist bei weitem nicht der einzige, der das ungewöhnliche Podium nutzt, ehe er zum Zug muss. Das Klavier in der Bahnhofshalle ist rund um die Uhr zugänglich und wird von früh bis spät bespielt. Die Menschen, vom klimpernden Schüler bis zum Könner, haben Spaß daran. Das Publikum lässt sich gerne mit einem Spontankonzert verzaubern.

«Die Akzeptanz des Klaviers mit der Aufschrift „Spiel mit mir“ übersteigt alle Erwartungen», sagt Markus von Blomberg. Der Wuppertaler hatte vor drei Jahren in Chamonix in den französischen Alpen am Bahnhof ein Klavier stehen sehen – und sich von der Idee begeistern lassen. Zwei Jahre hat es dauert, bis nach der Klärung von Fluchtwegen und Brandschutzfragen eine Aktionsfläche für das Klavier in der Bahnhofshalle erlaubt war.

Das schwergewichtige Instrument spendete ein Klavierhaus aus Wuppertal. Inhaber Hartmut Faust findet die Resonanz wunderbar. Es sei schön, dass es so viele Menschen entschleunige, begeistere und verbinde. «Die reden miteinander», hat er beobachtet.

Auch die Deutsche Bahn ist erfreut, wie das Instrument ankommt. «Das steigert die Atmosphäre», sagt ein Sprecher in Düsseldorf. Und es helfe vielleicht, die Wartezeit zu verkürzen. Am 24. Dezember war der Bahnhofsmanager von Wuppertal selbst Zeuge einer Darbietung: Ein Chor gab ein überraschendes Weihnachtskonzert.

Auch Markus von Blomberg, der das Klavier in den Bahnhof gebracht hat, wurde auf dem Weg zum Zug an einem frühen Morgen Zeuge eines Zufallskonzerts. Aus einem Putztrupp in der Halle ging ein Mann im orangen Overall zum Klavier – und spielte «Alle meine Entchen», berichtet er.

Das Instrument ist bekannt geworden. Viele gehen gezielt zum Standort im rückwärtigen Teil der Bahnhofshalle zwischen Fahrkartenautomat, Aufgang zum Busbahnhof und einem Lebensmittelladen. Mal steht eine vergessene Bierdose darauf oder eine Getränkepackung aus Plastik. Der Hocker ist mit einer dicken Metallkette festgebunden. Und es sind offensichtlich nicht nur Bildungsbürger, die das Instrument anlockt. Manch einem, der schön spielen kann, steht ein hartes Leben ins Gesicht geschrieben. Mal ertönt der Flohwalzer, dann «Für Elise» oder Jazz.

«Ich komme fast jeden Tag», sagt eine Schülerin. Die 15-Jährige hat ein Lied mit Hilfe von Youtube gelernt. Sie spielt «River Flows in You» des Pianisten Yiruma. Auf dem Nachhauseweg von der Schule haben zwei zehnjährige Mädchen Halt am Klavier gemacht. Sie warten darauf, dass sie dran kommen. Aber erstmal drückt der 16 Monate alte Robin von seinem Kinderwagen aus vorsichtig die weißen und schwarzen Tasten und freut sich an den Tönen.

«Ich werde immer ab und zu da sein», meint der Wuppertaler Le. Der Student des Bauingenieurwesens spielt öfter im Hauptbahnhof. Er werde sogar von Fremden erkannt, erzählt er. Der 22-Jährige, der in Kindertagen Klavierspielen lernte, hat den Traum, Musiker und Sänger zu werden. In den sozialen Medien ist sein Video aus dem Bahnhof ein Renner. Das Klavier bleibt jedenfalls bis auf weiteres in der Halle. «Es steht so lange, wie es gewünscht ist», sagt Hartmut Faust vom Klavierhaus.

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Sport

Deutsche Handballer verpassen WM-Medaille in letzter Sekunde

Handball: WM, Finalrunde, Spiel um Platz 3, Deutschland – Frankreich. Deutschlands Kai Häfner (r) sitzt nach der nach der 25:26-Niederlage mit Fabian Böhm enttäuscht auf der Bank.
Foto: dpa
Die deutschen Handballer haben die erhoffte WM-Medaille verpasst. In einem dramatischen Spiel um Bronze unterliegt die DHB-Auswahl dem Rekord-Weltmeister Frankreich ganz knapp und fährt mit leeren Händen nach Hause.

Von Eric Dobias

Herning (dpa) – Der entsetzte Bundestrainer Christian Prokop schmiss nach dem Drama um WM-Bronze vor Wut seine Wasserflasche auf das Parkett, die enttäuschten deutschen Handballer verabschiedeten sich auf einer letzten Ehrenrunde mit leerem Blick von den Fans. Trotz einer Weltklasse-Vorstellung von Torwart Andreas Wolff verlor die DHB-Auswahl am Sonntag im dänischen Herning das dramatische Spiel um Platz drei gegen den sechsmaligen Weltmeister Frankreich in letzter Sekunde mit 25:26 (13:9) und verpasste damit den größten Erfolg seit Olympia-Bronze 2016. «Der Schmerz ist sehr groß. Es ist brutal», sagte Prokop.

In einem Krimi ohne Happy End konnten sich Deutschlands Handballer somit nicht mit der ersten WM-Medaille seit zwölf Jahren für ihren starken Auftritt bei der Weltmeisterschaft belohnen. Dennoch konstatierte Prokop: «Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, mit den Jungs die Tage dieser WM zu genießen. Bis auf das Endergebnis ist alles so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben.»

Für das bittere Ende sorgte Frankreichs Superstar Nikola Karabatic, der mit der Schlusssirene traf. So herrschte zunächst nur Frust im deutschen Team, für das Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Toren bester Werfer war. «Es ist sehr, sehr bitter, ohne Medaille da zu stehen», sagte Rückraumspieler Kai Häfner.

In der entscheidenden Szene zuvor hatte Linksaußen Matthias Musche einen überhasteten Pass gespielt, den Ballgewinn nutzten die Franzosen eiskalt. «Ich glaube, eine Medaille wäre nicht unverdient gewesen nach den Leistungen, die wir das ganze Turnier gezeigt haben», sagte Prokop. «Aber am Ende hat die cleverere Mannschaft gewonnen.»

Der überragende Wolff drückte seine Gefühle gewohnt drastisch aus. «Wir haben uns durch Dummheiten um die Bronzemedaille gebracht», polterte der Torwart vom THW Kiel. «Wir haben eigentlich eine tolle WM gespielt.» Und Gensheimer ergänzte: «Wir haben ein großes Turnier gespielt. Wir haben alles gegeben und können uns keinen Vorwurf machen.»

Die große Enttäuschung der verpassten Gold-Chance durch die Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen wirkte bei den deutschen Spielern nicht nach. Von Beginn an demonstrierte die Prokop-Truppe den festen Willen, sich wenigstens mit Bronze zu belohnen. Die Abwehr stand wieder wie eine Wand, und dahinter lief Wolff zu großer Form auf.

Nach 17 Minuten gelang beim 9:6 erstmals eine Drei-Tore-Führung. Doch dann ging in der Offensive plötzlich nichts mehr. Neun Minuten lang gelang der DHB-Auswahl kein Treffer, was die Franzosen zum Ausgleich nutzten. Doch es ging wieder aufwärts. Dank eines 4:0-Laufs und eines weiter stark haltenden Wolff, der in der ersten Halbzeit 54 Prozent der französischen Würfe abwehrte, nahm die deutsche Mannschaft ein komfortables Polster in die Pause mit.

Den Wiederbeginn verschlief die DHB-Auswahl. Innerhalb von knapp sieben Minuten war die Führung futsch. Mitte der zweiten Halbzeit lag der WM-Gastgeber in seinem einzigen Turnier-Auswärtsspiel mit zwei Toren hinten. Trotz großen Kampfes gab es in der dramatischen Schlussphase aber nicht das erhoffte Happy End.

Dennoch geht der DHB zuversichtlich in das Mega-Jahr 2020 mit EM und Olympia. «Wir haben den Anspruch, jetzt weiter kleine Schritte zu gehen, um dann vielleicht ganz oben zu landen», sagte Sportvorstand Axel Kromer. Für beide Events muss sich die DHB-Auswahl aber noch qualifizieren.

Schon vor dem Anpfiff war klar: Der deutsche Handball war ein WM-Gewinner. Die Euphorie rund um die Mannschaft nahm unerwartete Dimensionen an und soll dauerhaft genutzt werden. «Das erinnert mich jetzt fast noch mehr an das Fußball-Märchen 2006», sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Sonntag vor dem Spiel dem TV-Sender «Sky».

Die Hallen waren mit insgesamt 900 000 Zuschauern so voll wie noch nie, die TV-Quoten kletterten kontinuierlich in ungeahnte Höhen. Bei der bitteren Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen (11,91 Millionen) saßen beinahe doppelt so viele Menschen vor den TV-Geräten wie beim Eröffnungsspiel gegen Korea (6,11 Millionen).

Quer durch die Gesellschaft nahmen die Menschen großen Anteil an den Auftritten der DHB-Auswahl. «Diese Mannschaft hat begeistert», lobte sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. «Ich habe selten eine Stimmung gesehen wie in den WM-Tagen. Das war wirklich eine Werbung für den Handball.»

Hanning zog daher eine zufriedene Bilanz: «Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft in Deutschland gespielt. Unter dem Strich können die Jungs auf das, was sie geleistet haben, superstolz sein.» Prokop will diesen Weg mit seinen Schützlingen nun konsequent weitergehen. «Wir haben viele Sympathien gewonnen», sagte der Bundestrainer. «Es ist ganz wichtig, dass wir präsent bleiben und diese coole Sportart weiter nach vorn bringen.»

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Feuilleton

Leonardo, Rembrandt, Fontane… wieviele Jubiläen passen in ein Jahr?

LutherJahr 2017: Im eigentlichen Jubiläumsjahr war dann eine gewisse 
Übersättigung unverkennbar.
Foto:dpa

Von Christoph Driessen

Berlin (dpa) – Runde Jahrestage werden im Kulturbetrieb immer größer ausgewalzt – 2019 ist es geradezu extrem. Das kann allerdings auch schief gehen, wie man bei Luther gesehen hat. Und Rembrandt hätte wohl den Kopf geschüttelt.

2019 wird in der Kultur ein Mega-Gedenkjahr. 100 Jahre Bauhaus, 500. Todestag von Leonardo da Vinci, 350. Todestag von Rembrandt, 200. Geburtstag von Theodor Fontane, 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt … Zahlen über Zahlen. 2020 folgt dann das große Beethoven-Jahr zu seinem 250. Geburtstag. So extrem war es wohl noch nie.

Dahinter steckt ein handfestes Interesse: Mit großen Namen kann man Besucher anlocken. Und runde Jahrestage sind ein bewährter Aufhänger. «Runde Zahlen verschaffen uns rasch Orientierung, geschichtlich und kulturell», erläutert der Bildungsforscher Thomas Kliche. «Sie geben uns eine gut greifbare Größenordnung für zeitliche Entfernung.» Wer sich dafür empfänglich zeige, könne sich außerdem zu den Gebildeten rechnen «oder zu den Sachkundigen, den Eingeweihten». Er oder sie gehört dazu.

Im Kulturbetrieb weiß man zudem: Auch die Medien steigen bei Jubiläen ein und bringen ausführliche Berichte. So wird zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugt. Sehr gut war dies im vergangenen Jahr beim Gedenken an den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 zu beobachten: Bücher, Fernsehdokumentationen und Ausstellungen verstärkten sich gegenseitig und fachten das Interesse an. Was sich die Kulturbetriebe erhoffen, ist ein Anblick wie er sich 2012 vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin bot: Da standen die Besucher einer großen Werkschau zum 80. Geburtstag von Gerhard Richter Schlange. Aber macht das Ganze darüber hinaus irgendeinen Sinn? «Ich glaube schon, dass die Idee, an einen runden Geburtstag zu erinnern und damit das kollektive kulturelle Gedächtnis zu aktivieren, einen gewissen Sinn macht», sagt Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn. «Das Problem ist sicher, dass eine Ermüdung einsetzen kann.»

Als Paradebeispiel dafür gilt in der Branche das Lutherjahr 2017, das schon im Jahr davor durch zahlreiche Veranstaltungen und Bücher angekündigt wurde. Im eigentlichen Jubiläumsjahr war dann eine gewisse Übersättigung unverkennbar.

Wäre es sinnvoll, sich angesichts der Fülle von Jubilaren jedes Jahr auf den wichtigsten zu konzentrieren? Wer das dann jeweils sein soll, ist allerdings schwer zu entscheiden. «Leonardo gegen Rembrandt – wer ist der Größte?», fragt «Guardian»-Kolumnist Jonathan Jones. Er kommt zu dem Schluss, dass Leonardo deshalb der Größere ist, weil er nicht nur als Maler ein Riese war, sondern ebenso als Wissenschaftler und Erfinder. Jones: «Komm schon, gib‘s zu, Rijksmuseum: Es ist jetzt einfach nicht Rembrandt-Jahr!» Man darf vermuten, dass sich das Rijksmuseum in Amsterdam davon nicht beeindrucken lässt. Denn es nennt nun mal die größte Rembrandt-Sammlung sein eigen, besitzt aber kein einziges Gemälde von Leonardo. Ein schlagendes Argument dafür, 2019 zum Rembrandt-Jahr auszurufen.

Für Stephan Berg ist entscheidend, dass ein Jubiläum nicht nur zum Anlass genommen wird, das Leben eines Genies runterzubeten. Vielmehr müsse deutlich werden, worin die Relevanz für die heute Lebenden bestehe. Und dieser aktuelle Bezug darf ruhig auch mal kritisch ausfallen. «Was zum Beispiel das Thema Bauhaus anbelangt: Wir wohnen heute am liebsten in Gründerzeithäusern des späten 19. Jahrhunderts.» Die sind mit ihrem Stuck und ihren Giebelfiguren so ziemlich das Gegenteil von Bauhaus. «Die Bauhaus-Idee ist an der Stelle eigentlich ein elitäres Konzept geblieben.»

Kurios ist, dass so mancher groß gefeierte Jahrestag keineswegs sicher ist. So wurde 2006 mit riesigem Aufwand des 400. Geburtstags von Rembrandt gedacht – dabei steht gar nicht fest, dass dieser 1606 zur Welt kam. In einem Taufregister taucht sein Name ebenso wenig auf wie auf einem Geburtsschein. Das Datum 15. Juli 1606 geht lediglich auf seinen ersten Biografen zurück.

Im Laufe seines Lebens gab Rembrandt sein Alter dreimal so an, dass er zurückgerechnet ein Jahr später geboren sein müsste, im Jahr 1607. Allerdings scheint er sich selbst nicht ganz sicher gewesen zu sein, denn einmal sagte er, er sei «ungefähr 46». Auch das Alter seiner Verlobten Saskia van Uylenburgh schrieb er 1633 falsch auf. Das war nicht ungewöhnlich, denn viele Jahrhunderte lang hatten die Menschen an solchen Zahlen überhaupt kein Interesse.

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Gesundheit

Wenig Schlaf schadet Konzentration und Gesundheit

Schüler in Deutschland schlafen einer repräsentativen 
Umfrage zufolge zu wenig.
Foto: dpa

Umfragen zeigen die Folgen.Von Sandra Trauner

Kiel/Frankfurt/Main (dpa) – Schlafmangel ist zwei aktuellen Analysen zufolge gerade unter älteren Schülern in Deutschland weit verbreitet – und hat Folgen für Aufmerksamkeit, Stressempfinden und das Risiko für Verletzungen. Bei weniger als acht Stunden Schlaf hätten Schulkinder vermehrt Konzentrationsprobleme, berichtete das Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences. Zudem steige die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen im Schulalltag.

Dem Präventionsradar 2018 der Krankenkasse DAK-Gesundheit zufolge fühlt sich die Hälfte der älteren Schüler infolge von Schlafmangel tagsüber erschöpft und müde. Zudem seien Kinder mit zu wenig Schlaf gestresster, habe die Befragung von fast 9300 Schülern der Jahrgangsstufen fünf bis zehn in sechs Bundesländern ergeben. Neunt- und Zehntklässler schlafen demnach mehrheitlich erst nach 23 Uhr ein. Sie berichteten von im Mittel nur rund sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Das seien 120 Minuten weniger als von Experten für diese Altersgruppe empfohlen, teilte die Krankenkasse mit.

Eine Ursache für den erheblichen Mangel an Schlaf ist demnach die Nutzung von Bildschirm-Geräten. Kinder, die angaben, mehr als vier Stunden täglich vor Bildschirmen zu verbringen, schliefen im Mittel deutlich weniger (7,3 Stunden) als diejenigen, die weniger als eine Stunde am Tag Smartphone, Tablet und ähnliche Geräte nutzten (8,9 Stunden). «Die Schüler kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie laden ihre eigenen Batterien nicht mehr ausreichend auf», erklärte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

Grundlage der Ergebnisse der Frankfurter Forscher ist eine fortlaufende Analyse, für die rund 10 000 Schüler an rund 150 weiterführenden Schulen jährlich zu Verletzungen, Gesundheitszustand und Schlafverhalten befragt werden. Die mittlere Schlafdauer der Heranwachsenden verringerte sich demnach innerhalb von drei Jahren um eineinhalb Stunden. «Schliefen die Kinder im Alter von etwa 11 Jahren (5. Jahrgangsstufe) im Mittel noch rund 9 Stunden und 45 Minuten, so waren es in der 8. Jahrgangsstufe lediglich noch 8 Stunden und 15 Minuten.»

Von den Achtklässlern, die weniger als acht Stunden schliefen, klagten rund 38 Prozent an mehr als zwei Tagen wöchentlich über Konzentrationsprobleme. Bei Schülern, die acht Stunden oder mehr schliefen, waren es nur 24 Prozent. Fast 25 Prozent der Wenig-Schläfer gaben an, sich innerhalb des letzten Jahres im Schulumfeld verletzt zu haben. Bei den länger schlummernden Heranwachsenden waren es rund 19 Prozent.

«Unsere Daten zeigen ein sehr klares Bild: Zu wenig Schlaf wirkt sich negativ auf die Schulkinder aus», bilanzierte Studienleiter Andreas Klocke. In den nächsten beiden Befragungsrunden wollen die Forscher herausfinden, ob ein späterer Schulbeginn helfen könnte. Erfasst werden soll, welche Startzeit von den Schülern bevorzugt würde. Eine Studie in den USA hatte gezeigt, dass viele Jugendliche bei einem späteren Schulstart tatsächlich länger schlafen – und nicht einfach nur später ins Bett gehen.

Der Präventionsradar der DAK-Gesundheit untersucht das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie das Gesundheitsverhalten von Schülern zwischen 10 und 18 Jahren (Jahrgänge 5 bis 10). Rund 9300 Mädchen und Jungen aus 528 Klassen in sechs Bundesländern (Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein) haben teilgenommen. Die Studie kombiniert Längs- mit Querschnittserhebungen: Im kommenden Jahr werden die Klassen der ersten beiden Befragungswellen und zusätzlich die neuen fünften Klassen des aktuellen Schuljahres erfasst. So können altersspezifische Entwicklungen aufgezeigt werden

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Reise

Sehnsuchtsziel: Expeditionskreuzfahrt in der Südsee

Das Kreuzfahrtschiff «Bremen».
Foto: Hapag-Lloyd Cruises/dpa
Die Südsee ist ein ultimatives Sehnsuchtsziel. Auf einer Expeditionskreuzfahrt lässt sich die Inselwelt besonders gut erkunden.

Von Philipp Laage

Mata-Utu (dpa) – Auf den letzten Meilen zum Hafen von Mata-Utu, Hauptstadt des Königreichs Uvea und ein Teil des französischen Überseegebiets Wallis und Futuna, wird es nautisch zum ersten Mal heikel. «Die Seekarten im ganzen Riff sind nicht exakt», sagt Kapitän Axel Engeldrum. Die Riffe seien zwar eingezeichnet, aber sie ragten viel weiter in die Fahrrinne hinein als dargestellt. «Untiefen in der Passage sind gar nicht markiert.» Daher ist die Brücke voll besetzt, ein lokaler Lotse an Bord. Manövrieren auf Sicht, mit Tageslicht.

Ein großes Kreuzfahrtschiff kann Wallis nicht erreichen. Doch die Urlauber sind unterwegs auf der «Bremen», einem Schiff der Reederei Hapag-Lloyd Cruises mit Platz für nur 155 zahlende Gäste. Sie nehmen teil an einer sogenannten Expeditionskreuzfahrt durch den Südpazifik: 17 Tage ostwärts, von Fidschi über Wallis und Futuna, Samoa und die Cookinseln nach Französisch-Polynesien, 2576 nautische Meilen vom Hafen von Lautoka bis Papeete auf Tahiti.

Zwei Sehnsuchtsworte begleiten diese Reise. Expedition, das klingt nach Entdeckungen, Abenteuer, Wagnis. Und Südsee, jener romantisch verklärte Raum am anderen Ende der Welt, der seit der Kolonialzeit eine Projektionsfläche für die Träume der Europäer darstellt und bis heute kaum von seinen Klischees zu trennen ist: weiße Strände, schöne und ursprüngliche Insulaner, tropische Exotik.

Expeditionsleiter Ole Stapelfeld macht die Passagiere der «Bremen» am ersten Reisetag mit dem Fahrgebiet vertraut. «Die Menschen im Pazifik sind offenherzig», sagt er. Es gebe eine «positive Distanzlosigkeit», man begeg-ne sich ganz direkt, ohne Statusfragen nach dem Job.

«Genießen Sie es, einfach mal Mensch sein zu dürfen», rät Stapelfeld den gut situierten Gästen, die meist ein erfolgreiches Berufsleben etwa als Internist, Informatiker oder Physiker hinter sich haben.

Stapelfeld – blonde, kurze Haare, klug, feinfühlig und mehrsprachig – weiß um das Klischeebild der Südsee. «Man muss es auch ein-, zweimal erfüllen.» Man brauche den typischen Strand und polynesische Tänze. «Aber ich möchte auch die Realität zeigen.» Man weise die Gäste auf die Probleme hin: zum Beispiel Überfischung, Umweltverschmutzung und Kulturverlust durch die christliche Missionierung. Man könne nicht so tun, als sei das hier ein konfliktfreier Raum.

Der Auftakt der Kreuzfahrt liefert tatsächlich erst einmal keine Postkartenmotive. Morgens ein Badestopp an einem Hotelstrand an der Südküste von Fidschis Hauptinsel Viti Levu – das Meer liegt grau unter Wolken. Suva am Nachmittag – eine Verwaltungsstadt. Die Wanderung zu den Bouma-Wasserfällen auf Taveuni am Folgetag führt durch üppige Vegetation – aber wo sind die satten Bonbonfarben?

«Hier ist der Überraschungseffekt oft sehr groß», sagt Kapitän Engeldrum. «Viele stellen sich eine schöne Insel mit weißem Sandstrand vor.» Sie bekämen aber auch Bilder, die sie nicht erwartet hätten. So etwas wie die «klassische Südsee» gebe es gar nicht.

Tag drei bringt dann die erwarteten Tänze, sensibilisiert aber auch für die großen Problemlagen. Auf der kleinen Insel Kioa, die zu Fidschi gehört, nehmen die Gäste an einer Begrüßungszeremonie teil.

Die Einheimischen – rund 65 Familien – sind Klimaflüchtlinge, deren Vorfahren die Insel einst für 15 000 US-Dollar kauften. Ihre Heimat Tuvalu geht wegen des steigenden Meeresspiegels langsam unter.

Der Dorfälteste führt die Besucher ins Gemeindehaus, dort setzen sich alle auf den Boden, die Einheimischen auf die eine, die Touristen auf die andere Seite. Jeder bekommt Blumenschmuck. Trommeln setzen ein, Videokameras werden ausgerichtet, die Tänze beginnen. Gut eine Stunde dauert die Zeremonie, danach ist Zeit für Gespräche.

Am Nachmittag gibt es auf der Nachbarinsel Rabi einen weiteren Dorfbesuch mit Begrüßungsritual. «Da haben wir die Kultur hautnah erlebt», sagt der Kapitän später. Als individueller Tourist bekomme man das ja gar nicht zu sehen. «Das hat mich auch stolz gemacht.»

Wolfgang Bittmann, Biologe und einer der Lektoren an Bord, sagt über diesen Tag: «Das kann man mit Worten gar nicht beschreiben.»

Bevor es nach Wallis mit der delikaten Riffpassage geht, läuft das Kreuzfahrtschiff Futuna und das kleine, unbewohnte Eiland Alofi als weiteren Badestopp an. Der dortige Sandstrand ist fast blütenweiß, die Sonne senkt sich dramatisch über der See. Allein der schwarzeRauch aus dem Schlot der «Bremen» in einiger Entfernung zur Küste wirkt etwas verstörend. Das Schiff fährt in der Südsee mit dem umweltschädlichen Schweröl. Ab Juli 2020 will die Reederei auf Expeditionsfahrten nur noch schadstoffärmeres Marine Gasöl einsetzen.

Inselrundfahrt auf Futuna. Die Geländewagen halten an einem Loch, das mit Lavasteinen ausgelegt ist – ein einstiger Kannibalenofen. Noch ein Klischee. Tatsächlich ist Kannibalismus in der Südsee für Neuseeland, Fidschi, die Marquesas und die Gesellschaftsinseln nachgewiesen.

Der Seefahrer James Cook schrieb 1773 in sein Logbuch, dass er Augenzeuge wurde, wie ein eingeborener Maori den Kopf eines Jungen briet und «mit offensichtlich gutem Appetit verzehrte im Angesicht der gesamten Mannschaft». Einige hätten sich daraufhin übergeben müssen. Berichte über Kannibalismus müsse man immer kritisch prüfen, erklärt Lektorin Hilke Thode-Arora. Die Europäer hätten die rituellen Praktiken als Entschuldigung genutzt, um die Einheimischen zu «zivilisieren» oder zu töten, so die Ethnologin. Cooks Berichte seien aber glaubwürdig.

Ankunft auf Wallis an einem Sonntag und Feiertag, die Bewohner sind auf dem Weg in den Gottesdienst oder schon dort. Zunächst gibt es daher keine Busse. Schließlich geht es aber zu einer tongaischen Festungsruine und zu einem mit Wasser gefüllten Krater. Die Lava ist hier einst aus dem Schildvulkan abgeflossen, der Vulkan abgesunken und erkaltet, Meer- und Süßwasser strömten in den Krater. Der Lalolalo-See könnte gut als Kulisse für einen Dinosaurierfilm herhalten, läge Wallis bloß nicht so abgelegen. Ein Schiff mit Touristen kommt hier etwa viermal im Jahr vorbei.

Die Passagiere der «Bremen» genießen das Privileg, an Orte zu kommen, die kaum ein Tourist je zu Gesicht bekommt. Viele Anlandungen sind nur per Zodiac-Schlauchboot möglich. Früh morgens lotet dann die Crew auf Erkundungsfahrten aus, wo die Gäste an Land gehen können. Der Tagesplan kann sich ändern, wenn das Wetter nicht mitspielt. Einmal sind die Wellen bei der Rückfahrt zum Schiff so hoch, dass die Crew erleichtert ist, als alle Gäste wohlbehalten an Bord sind.

«Seien Sie vorbereitet auf Spritzwasser, Regen, Wind und Sonne – Sie sind auf Expedition», hat Ole Stapelfeld den Gästen mitgegeben. Der Satz verdeutlicht aber auch, dass diese Seereise natürlich keine Expedition im eigentlichen Sinne ist, schon gar nicht vergleichbar mit den Fahrten eines James Cook. Alle Entscheidungen werden den Gästen abgenommen, körperliche Entbehrungen halten sich doch stark in Grenzen. «Ich würde es eher kontrolliertes Abenteuer nennen», sagt Stapelfeld im persönlichen Gespräch. Seine Aufgabe sei es, ein Abenteuer-Gefühl zu vermitteln, ohne dass es ein Sicherheitsrisiko gibt.

Der Unterschied zur konventionellen Kreuzfahrt besteht darin, dass den Erlebnissen an Land ein größerer Stellenwert eingeräumt wird als dem Bordleben. Aktivitäten sind wichtiger als Mahlzeiten. Trotzdem sei noch niemand skorbutkrank von Bord gegangen, scherzt Stapelfeld, was bei Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskuchen und mehrgängigem Abendessen in der Tat unmöglich erscheint.

Auf Samoa, einst deutsche Kolonie und heute ein unabhängiger Staat, steuert die «Bremen» die zwei Hauptinseln an: Upolu mit der modernen Hauptstadt Apia und Savai’i. Das Reiseziel ist vor allem historisch und kulturell interessant. Auf Ausflügen erfahren die Passagiere, was den Schriftsteller Robert Louis Stevenson, Autor der «Schatzinsel», nach Samoa führte. Sie lernen das komplexe Matai-Herrschaftssystem mit diversen Familien- und Clanoberhäuptern unterschiedlicher Ränge kennen und spazieren über das erkaltete Lavafeld, das der Vulkan Matavanu bei seinem Ausbruch 1905 geschaffen hat.  

Nach dem eng getakteten Programm der vorangegangenen Tage haben die Urlauber auf zwei Seetagen nun Zeit zu entspannen. Auf den mehr als 900 Meilen nach Rarotonga überquert die «Bremen» die Datumsgrenze, sodass der Mittwoch auf See gleich zweimal stattfindet. Die Frage, warum das so sein muss, sorgt an Bord tagelang für Diskussionen.

Manche Passagiere waren schon 20 Mal auf der «Bremen». Man kennt sich teilweise von früheren Reisen. Die Antarktis war für viele der Einstieg in die Kreuzfahrt. Die Klientel ist betagt, gebildet und aufgrund des hohen Reisepreises relativ wohlhabend. Sie legt Wert auf einen gepflegten Umgang, will aber keine steife Etikette. Krawatten sieht man nur zum Kapitänsdinner. Dass es an Bord praktisch keine Unterhaltung gibt bis auf die Lektorenvorträge, ein Pooldeck-Barbecue und den abendlichen Klavierspieler, stört niemanden. Dass die «Bremen», Baujahr 1990, die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises 2021 verlassen wird, finden die meisten bedauerlich.

Je weiter das Schiff nach Osten fährt, desto touristischer werden die Inseln – und umso reizender die Südsee-Bilder. Die Muri-Lagune auf Rarotonga ist schon ein echter Hingucker. Doch erst am Folgetag auf Aitutaki ist die Kulisse perfekt: Das Atoll ist von einem Barriereriff mit mehreren Motus umgeben – das sind kleine Inseln mit weißem Sand und Palmen, die entweder vulkanischen Ursprungs sind oder auf den Korallen wachsen. Wenn die Sonne scheint, strahlt die Lagune innerhalb des Riffs kilometerweit in einem betörenden Türkis.   

Ausflugsziel des Tages ist One Foot Island. Auf dem Weg dorthin lassen sich beim Schnorcheln bunte Riesenmuscheln beobachten, auch eine Muräne zeigt sich. Durch das flache Wasser läuft man zu einer Sandbank, die wenige Zentimeter aus dem Ozean ragt. Was für eine Landschaft. Doch die Mahnung folgt sogleich: An einer Stelle steckt der verwitterte Teil einer Plastikflasche im gleißend-weißen Sand – die unvermeidliche Spur des Menschen, selbst an diesem traumschönen Ort, der als Paradies bezeichnet wird.

Der Höhepunkt der Kreuzfahrt folgt für viele erst noch: die Gesellschaftsinseln in Französisch-Polynesien, Raiatea und Moorea, aber vor allem Bora Bora. Der 727 Meter hohe Mont Otemanu überragt das von Korallen umsäumte Atoll mit seiner schillernden Lagune.

Auf einem Bootsausflug schnorcheln die Urlauber mit Stachelrochen, beobachten Schwarzspitzen-Riffhaie, und beim Mittagessen auf einem der Motus sitzen sie an Campingtischen im Meer, sodass die Füße von Fischen umschwärmt werden. Lunch im Aquarium, sozusagen. Die Farben sind so intensiv, dass die in der Luft schwebende Möwe durch die Reflexion des Wassers von unten türkis leuchtet.

Hier auf Bora Bora, ganz am Ende der Reise, verwirklicht sich endgültig das Südsee-Klischee, jedenfalls landschaftlich. Ole Stapelfeld, der während der gesamten Kreuzfahrt versucht, ein möglichst differenziertes Bild des Reiseziels zu vermitteln, gibt zu, dass auch er gerne an einem Traumstrand liege und «Wow» sage. «Ich glaube, da haben wir alle eine Sehnsucht nach.»

Reiseziel: Die Südsee umfasst geografisch den südlichen Pazifik vom Äquator bis zum 60. Breitengrad. Kulturell gliedert sich die Südsee in Melanesien, Mikronesien und Polynesien, das im Osten bis zur Osterinsel und im Norden bis nach Hawaii reicht. Die touristischen Inseln wie Fidschi und Tahiti sind sehr teuer, weil die Anreise weit ist und vor allem Luxustourismus angeboten wird.

Kreuzfahrten: Anbieter von Expeditionskreuzfahrten wie Hapag-Lloyd Cruises und Ponant, aber auch andere deutsche und amerikanische Reedereien fahren durch die Südsee. Je größer das Schiff, desto weniger Ziele können angelaufen werden. Nachdem die «Bremen» die HLC-Flotte im Jahr 2021 verlässt, werden die neuen Expeditionsschiffe der Reederei auf den verschiedenen Südsee-Routen unterwegs sein.

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Gefaltete Kleidung als Statussymbol – Aufräumen ist Trend im Internet

Zusammengelegte und gestapelte Wäsche.
Eine Netflix Serie widmet sich vollgestopften US-Haushalten, die unter den Händen einer japanischen 
Aufräumfee vorzeigbar werden.
Foto: dpa
Die Kisten türmen sich bis zur Decke, in die Garage passt kein Auto mehr: Eine Netflix-Serie widmet sich vollgestopften US-Haushalten, die unter den Händen der japanischen Aufräumfee Marie Kondo vorzeigbar werden.

Von Gisela Gross

Berlin (dpa) – In vielen Haushalten häufen die Leute in diesen Tagen Klamotten zu Bergen an. Zu riesigen Bergen. Sie holen alle Oberteile und Hosen aus Schränken, Schubladen und aus im Keller vergessenen Kisten. Warum? Erklärtes Ziel ist ein heilsamer Schockmoment: Die Erkenntnis, wie viele Teile man da angesammelt hat. Ausmisten soll so leichter fallen, glaubt man Gurus der Szene wie der japanischen Bestsellerautorin Marie Kondo. Nicht zuletzt mit ihrer neuen Netflix-Serie hat sie die verhasste Kindheitsaufgabe zu einer Art Trendsportart gemacht. Das zeigt sich vor allem in sozialen Medien.

In «Aufräumen mit Marie Kondo» hilft die zierliche Mittdreißigerin («Magic Cleaning») US-Amerikanern, wieder die Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen – zwischen Kleiderbergen und bis zur Decke reichenden Baseballkartensammlungen. Stets adrett und in pastelligen, zum Sofabezug passenden Farben gekleidet, referiert sie über das richtige Zusammenfalten von Tops, die Aufbewahrung von Fotos in Alben und das Verstauen von Weihnachtsdeko.

Ja, dabei brauchen Menschen im Jahr 2019 allem Anschein nach Nachhilfe. Das Internet ist voll mit Illustrationen, die zum Beispiel Kondos Falttechnik für Kleidung Schritt für Schritt erklären – eine Art Origami für Jeans und T-Shirts, damit diese am Ende in der Schublade stehen statt liegen. Für die bessere Übersicht.

Die wohl wichtigste Kondo-Regel fürs Ausmisten: Behalten soll man nur Dinge, die Freude entfachen. Freude? So, wie wenn man einen Welpen halte, formuliert es Kondo in der Sendung. Resultat sind in einer Folge der Serie 150 große Müllsäcke voller Kram. Aus einem Haushalt.

Kondo erreicht schon länger auch auf YouTube Zigtausende Menschen. Den sozialen Medien hat sie neue Statussymbole beschert: Neben definierten Körpern, stylishen Klamotten und lockeren Milchschaumhäubchen auf dem Cappuccino zeigen viele Nutzer bei Facebook und Instagram nun Schubladen mit perfekt gefalteten T-Shirts. Oder Regale, bei denen man sich mangels Krimskrams fragt, wozu das Möbelstück noch benötigt wird. Auf Facebook gibt es allein im deutschsprachigen Raum mehrere Aufräumgruppen mit Tausenden Mitgliedern, in denen Tipps und Erfolge geteilt werden.

Schaut her, ich habe mein Leben im Griff – auch diese Botschaft steht bei manchen Beiträgen zwischen den Zeilen. Aufräumen soll gemäß Kondo nicht weniger als eine Lebensveränderung sein, die auch noch Spaß machen soll. «Aufräumen als ein Fest erleben», unter diesem Titel ist bald in Berlin eine Veranstaltung zum Thema angekündigt. In der Serie zeigt sich Kondo darüber hinaus überzeugt, dass Paare durch Aufräumen näher zusammenfinden und eine Bereicherung ihres Alltags erleben.

«Das bisschen Haushalt» und alles was dazu gehöre, sei tatsächlich sehr häufig der – scheinbare – Stein des Anstoßes in Beziehungen, erklärt die Berliner Paartherapeutin Daniela Bernhardt. Wenn der Haussegen schief hänge, liege das aber selten wirklich an der falsch eingeräumten Spülmaschine oder den rumliegenden Socken: Abnehmende Toleranz und Verweigerung könnten Folge tieferliegender Konflikte sein – «wie zum Beispiel mangelnde Wertschätzung oder fehlende Erotik», so die Expertin.

Kondos Methode scheint also doch Grenzen zu haben. Klar ist aber: Anders als bisherige deutsche Coaching-Serien wie «Super Nanny» oder «Raus aus den Schulden» widmet sie sich einem Thema, dem in der westlichen Welt kaum jemand komplett entsagen kann: dem Umgang mit Konsum. Knapp 60 Gegenstände hätten unsere Urgroßeltern besessen, hieß es kürzlich im Film «100 Dinge» mit Matthias Schweighöfer, heute seien es im Schnitt um die 10 000.

Einen Grund für den Sammeltrieb sieht der Hamburger Aufräumcoach Clemens Neuhauser in einer «tiefen Prägung», wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Sammeln hat sich im Laufe der Evolution bewährt.» Erst seit etwa 1950 gebe es einen materiellen Überfluss, im Umgang damit sei das menschliche Gehirn aber überfordert. «Schnäppchen fühlen sich einfach großartig an», sagt Neuhauser über überflüssige Käufe. Das Anhäufen habe in manchen Fällen komplexere Ursachen wie einen in der Kindheit erlebten Mangel. «Diese Menschen brauchen eher Methoden, um mit schwierigen Gefühlen umzugehen.»

Viele seiner Kunden hätten Kondos Bücher gelesen, sagt Neuhauser, der eigentlich Architekt ist. Ihre Strategien hält er für hilfreich, um Strukturen zu schaffen, in denen Ordnung möglich ist: etwa eine neue Einteilung für den Schrank. Nach seiner Erfahrung besitzen manche Menschen aber schlicht zu viele Dinge, als dass sie überhaupt sinnvoll Ordnung schaffen könnten. Das Problem loszulassen hänge damit zusammen.

Wer sich damit schwer tut, muss nun nicht verzagen. Wie bei jedem Trend gibt es auch beim Minimalismus Gegenbewegungen. «Less-is-more ist tot – es lebe der Überfluss!», hieß es kürzlich in der «Süddeutschen Zeitung»: Beim Einrichten gehe es jetzt wieder um Dekorieren «auf Teufel komm raus».

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Schwäbischer Männerchor throughout the years


Schwäbischer Männerchor

While the Schwäbischer Männerchor began its existence as a double quartet, “Liederkranz”, consisting of Viktor Balluff, Karl Hasselwander, Paul Loeffler, Hermann Otto, Herman Reichert, Christ Steudle and Berthold Schwarz while performing at a Christmas Party for the Schwaben Unterstützungs Verein in the year 1933, it has been performing as the Schwäbischer Männerchor for 84 years, since its official founding in 1934. The Schwäbischer Männerchor had been the predominant German male choir in the city of Detroit. The Männerchor celebrated its founding that year with 31 singers in their chorus at their concert in the Schweitzer Halle (E. Forest and Canton). In the summer of 1936 they were the main attraction at the Cannstatter Volksfest at the Schwaben Park and there were plans of a Stiftungsfest to held there in the future.

Times were hard in the middle of the Great Depression. People did not have a lot of disposable income to spend on entertainment as we do today. Mostly people just got together in their free time to communicate with one another and to sing the songs that they remembered from their past. It was a time where the economy was slowly bringing itself out of a very difficult time in Detroit. These singers were mostly tradesmen who learned their trade in their homeland. Mechanics, painters, like my own grandfathers, one a Möbelschreiner (finish carpenter) the other a Metzger (butcher). The women that they married also brought with them skills that helped with challenges of the new home in Detroit. They were trained seamstresses, experienced bakers and frugal housewives who carefully managed the little cash that there was. My father always said that his mother who grew up in a bakers home in Stuttgart could stretch a nickel further than anyone he knew. Also at this time, Prohibition had just ended. This made occasionally drinking a beer or some wine, on occasion, legal again. Many drinking establishments started up at this time and occasionally club meetings were held in beer halls while many of the meetings were also held at singers’ homes, in the early years, to economize.

The years of World War II were definitely very difficult years for everyone, Including the Schwäbischer Männerchor. However a small core group of Männerchor members remained committed to the Deutsches Lied and kept the choir alive. Of course, the “Schwaben Ladies” have always been a supportive part of the choir as well. But in1946, these ladies were also a part of the Michigan Relief Program by assisting that effort with a fundraiser to benefit the Wohltätigkeitsnachfest to help the population in Germany to recover from the devastation of the war. After WWII, immigration from Germany to America became very strong. It was a rebuilding time for America as well as for the Schwäbischer Mannerchor. In 1959 there were over 115 members singing in the 25th anniversary concert. The choir performed concerts in Detroit at venues such as the Music Hall, the Masonic Temple, and at the Harmony Club auditorium. The choir would also perform their selections in the country parks like the Swiss Valley Park (Ryan and 23 Mi Rd) and the Schwaben Park (8 Mile Rd and Harper) for German festivals and Octoberfest celebrations.

During the late 1980s, Männerchor membership dwindled to about 20 singers. But, we still managed to always have a good time by rehearsing our favorite songs and singing them in formal concerts for our members and supporters. Each rehearsal and concert with our devoted members and followers presented another opportunity to enjoy Gemütlichkeit with friends. By 2009, we were up to 48 singers. But today our active chorus is again at about 20 singers. We still have much enthusiasm for singing the Deutsche Volks-lieder and look forward to welcoming new able-bodied singers to the Männerchor.

After the retirement of our long-time music Director, Mr. Erwin Aufdemberge, we are now being led by our new music Director, Dr. David Carle. He comes to us from Windsor, Ontario, Canada where he has directed the Teutonia Chorus for many years. He brings with him a great deal of enthusiasm and musical ability as well as tremendous experience with solo and chorale singing. He has told us that he is encouraged by the performance potential that he sees in the Schwäbischer Männerchor and looks forward to refining the talents that are contained in our singers. We are excited to be able to work with our new music Director, Dr. David Carle, in preparation for the upcoming performances such as the 84th Annual Christmas extravaganza on December 15th, 2018, at the Carpathia Club as well as at our Spring Concert in May of 2019 (the exact date is yet to be verified) and other planned performances in the new year.

In a late development for the new year of 2019, because of the approaching 63rd. Nordamerikanische Nationale Sängerfest, which will take place in Peoria, Illinois, on May 17 to 19, the Spring Concert schedule for the Schwäbischer Männerchor has required some creative planning in order to present our selection of Spring songs to our listening friends. After learning and practicing the music for the 63rd Sängerfest in Peoria, the Maennerchor will present its music selections in a joint Spring Concert, together with the GBU Saxonia – Rheingold Chorus on May 11, at the Carpathia Hall. This will be our Spring Concert as well as a dress rehearsal for the Friday evening, May 17th, Saengerfest Bezirkskonzert in Peoria. The May 11 Spring Concert will let our listeners experience the full musical presentation and more which the Schwaben will be presenting to the Nordamerikanische Sängerbund one week later .

Kurt Schmid

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