02. Mai 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Rechtsstreit mit Boulevardblatt: Schießt Meghan ein Eigentor?

Meghan wirft dem Blatt vor, mit der teilweisen Veröffentlichung eines Briefs an ihren Vater ihre Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben. Meghan und ihr 75 Jahre alter Vater liegen seit Jahren im Clinch.

ARCHIV – 09.03.2020, Großbritannien, London: Prinz Harry, damals Herzog von Sussex und seine Frau Herzogin Meghan treffen am Commonwealth-Tag zum Gottesdienst in der Westminster Abbey ein. Das Paar will Berichten zufolge keinerlei Anfragen mehr von britischen Boulevardzeitungen beantworten. Ortschaft Ischgl. Foto: dpa

London (dpa) – Unehrlichkeit, böse Absicht, unredliches Vorgehen: Herzogin Meghan (38) hat bei ihrer Klage gegen den Verlag der britischen Boulevardzeitung «Mail on Sunday» schwere Vorwürfe erhoben. Doch geht es nach dem Anwalt des Zeitungsverlags Associated Newspapers, soll ein Teil der Anschuldigungen gar nicht erst zur Hauptverhandlung zugelassen werden. Bei einer Voranhörung am Freitag in London versuchte er die Vorwürfe als unzulässig zu entkräften. Sie seien beispielsweise zu allgemein, nur schwer nachzuweisen oder nicht ordnungsgemäß vorgebracht worden, legte er dar. Mit einer Entscheidung darüber wurde am Freitag noch nicht gerechnet.

Anlass für die Klage war die Teilveröffentlichung eines handgeschriebenen Briefs, den Meghan an ihren Vater, Thomas Markle, geschickt hatte. Mit ihm liegt sie seit ihrer Hochzeit mit Prinz Harry (35) vor zwei Jahren im Clinch. Der 75-Jährige hatte den Brief an die «Mail on Sunday» weitergegeben. Meghan sieht sich durch die Veröffentlichung in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Außerdem findet sie, dass sie durch die Auswahl der Textpassagen absichtlich in einem schlechten Licht dargestellt wurde. Sie wirft den Journalisten auch vor, den Streit mit ihrem Vater erst angefacht zu haben, um darüber berichten zu können. Thomas Markle sei belästigt, ausgenutzt, manipuliert und erniedrigt worden, heißt es in einer Stellungnahme von Meghans Anwalt.

Zeugen wurden bei der Online-Anhörung keine gehört, doch Meghan und Harry hatten sich als Zuhörer zugeschaltet, wie ein Sprecher bestätigte. Das Paar hat sich vor kurzem aus dem engeren Kreis der Königsfamilie verabschiedet und lebt laut Berichten inzwischen in der US-Metropole Los Angeles. Sie hoffen, sich so künftig besser vor Berichterstattung über ihr Privatleben schützen zu können. Doch ob sie dieses Ziel mit dem Prozess erreichen werden, ist fraglich. Schon jetzt sind viele private Informationen – beispielsweise Textnachrichten – durch Gerichtsdokumente an die Öffentlichkeit gelangt. Meghans Vater hat angekündigt, wenn nötig zugunsten der Zeitung auszusagen.

Erst Anfang der Woche hatten Harry und Meghan angekündigt, keinerlei Anfragen von britischen Boulevardzeitungen mehr zu beantworten. Ein entsprechendes Schreiben ging an die Chefredakteure der «Sun», der «Daily Mail», des «Mirror» und des «Express». Anfragen von Journalisten dieser Zeitungen werden demnach künftig von dem Paar und dessen Presse-Team ignoriert, heißt es in dem Brief, den die BBC auf ihrer Webseite in voller Länge wiedergab.

Den Schritt begründeten die beiden mit «verzerrter, falscher und grundlos in die Privatsphäre eindringender» Berichterstattung. Es gehe ausdrücklich nicht darum, Debatten zu unterdrücken oder akkurate Berichte zu zensieren, so das Schreiben. Anfragen anderer Medien würden weiterhin beantwortet, besonders wenn es sich um kleine und neu gegründete Organisationen handle.

Wie sehr ihm die Berichterstattung der Boulevardpresse zusetzt, hatte Harry im vergangenen Herbst in einem öffentlichen Brief offenbart, als er die Klage gegen Associated Newspapers ankündigte. Darin warf er den Medien vor, seine Frau während und kurz nach ihrer Schwangerschaft mit dem gemeinsamen Sohn Archie (11 Monate) dämonisiert zu haben.

«Ich war zu lang stummer Zeuge ihres Leidens. Die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun, würde allem widersprechen, woran wir glauben», schrieb der Prinz und fügte eine düstere Befürchtung hinzu: «Es ist meine größte Angst, dass sich die Geschichte wiederholt.» Er habe seine Mutter verloren und sehe nun, wie seine Frau zum Opfer «derselben mächtigen Kräfte» werde.

Harrys Mutter, Prinzessin Diana, starb 1997 bei einem Autounfall in Paris, als sie mit ihrem Lebensgefährten Dodi Al Fayed auf der Flucht vor Paparazzi war.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Veröffentlichung – publication
Persönlichkeitsrechte – personal rights
verletzt – demaged
im Clinch – at loggerheads
Unehrlichkeit – dishonor
böse Absicht – malicious intent
unredliches Vorgehen – dishonest procedures
Klage – complaint
Verlag – publisher
Boulevardzeitung – tabloid
Vorwürfe – reproaches
erhoben – raised
unzulässig – unreliable
entkräften –weaken
nachzuweisen – prove
ordnungsgemäß vorgebracht – properly brought
Anlass – cause
Auswahl – selection
absichtlich – deliberately
angefacht – kindling
belästigt – disturbed
ausgenutzt– exploited
erneidrigt – humiliated
Stellungnahme – (legal) opinion
Zeugen – witnesses
Online-Anhörung – online hearing
künftig – future
Berichterstattung – press coverage
schützen – protect
Textnachrichten – text messages
Öffentlichkeit – public
gelangt – reached
angekündigt – announced
zugunsten – in favor of
auszusagen – give evidence
Anfragen – inquiries
verzerrter – distorted
eindringender – intrusive
offenbart – apparently
Schwangerschaft – pregnancy
dämonisiert – demonized
stummer Zeuge – silent witness
Schoß – lap
allem widersprechen – contradict everything
Befürchtung – fear
Opfer – victim
mächtigen Kräften – powerful forces

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

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Feuilleton

Viermal Wagner – Deutsches Symphonie-Orchester plant nächste Saison

Das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) widmet sich in der kommenden Spielzeit dem Opernkomponisten gleich an vier Abenden. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Richard Wagner als Klangkünstler – das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) widmet sich in der kommenden Spielzeit dem Opernkomponisten gleich an vier Abenden. Dabei will das DSO Auszüge aus Wagner-Opern spielen, bei denen es vor allem auf Ton und Farben der Musik ankommt, wie das Orchester am Freitag mitteilte. «Lange habe ich mir mit Richard Wagner Zeit gelassen», sagte DSO-Chefdirigent Robin Ticciati. In den vergangenen Jahren habe er dann dessen Werke mehr und mehr in seine Programme aufgenommen.

Auf dem Programm des Wagner-Zyklus im November stehen Auszüge aus Opern wie «Tristan und Isolde», «Walküre» und «Götterdämmerung» sowie von französischen Wagner-Zeitgenossen wie Claude Debussy und Héctor Berlioz. Die vier Konzerte werden von Gesprächen mit Musik- und Literaturwissenschaftlern begleitet.

In der kommenden Saison beteiligt sich das DSO auch an der von den Berliner Philharmonikern geplanten Biennale «Die Goldenen Zwanziger» mit vier Kurzopern aus den 1920er-Jahren.

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Gesundheit

Faszination Ohr –
25 000 Haarzellen auf Hochbetrieb

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) appelliert, auf unsere Ohren zu achten und macht auf Auswirkungen von Hörschäden aufmerksam. Foto: Helen Ahmad/dpa

Von Marc Fleischmann
Berlin (dpa) – Das Hören, unser Sinn der niemals ruht. Im Ohr werden aber nicht nur die akustischen Reize aus der Umgebung verarbeitet. Im Organ steckt ein weiteres Organ. Es sorgt dafür, dass wir im Gleichgewicht bleiben. Am Welttag des Hörens (3. März) appelliert die Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf unsere Ohren zu achten – und macht auf Auswirkungen von Hörschäden aufmerksam.

VOLLER EINSATZ: Wir hören besser als wir sehen. Der Hörsinn verarbeitet 50 Eindrücke pro Sekunde und damit doppelt so viele wie das Auge. Das Ohr ist in der Lage, rund 400 000 Töne zu unterscheiden und präzise zu bestimmen, woher sie genau kommen. 24 Stunden am Tag laufen etwa 25 000 Haarzellen auf Hochtouren.

ORGAN IM ORGAN: Etwas versteckt hinter dem Gehörgang findet sich über dem Innenohr ein weiteres Organ. Dort bestimmen drei kleine, ineinander geschachtelte Bögen unser körperliches Gleichgewicht. Sie sagen uns etwa, wo oben und unten ist. Dazu werden in den Bogengängen feine Härchen von einer Flüssigkeit umgebogen. Dieser Reiz geht als Nervensignal ans Gehirn.

GUTE DOSIS: Nicht zu laut und nicht zu leise sollte unsere Umgebung sein. Zu viel Lautstärke macht uns krank. Nach Angaben des Umweltbundesamtes steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab dauerhaft mehr als 65 Dezibel, was etwa einem Fernseher in Zimmerlautstärke entspricht. Absolute Stille tut aber auch nicht gut. Der HNO-Arzt aus der Schwindelambulanz im baden-württembergischen Sinsheim, Bodo Schiffmann, erklärt: «Im Gefangenenlager Guantanamo setzten Wachen das Konzept zur Folter ein.»

SCHLECHTERES MÄNNEROHR: Mit dem Alter lässt das Gehör nach. Eine Studie der Hochschule Aalen hat wissenschaftlich belegt, dass Männer früher betroffen sind als Frauen. Demnach hört im Mittel ein 55-jähriger Mann so schlecht wie eine 70-jährige Frau. Der Unterschied beim Hörverlust zwischen den Geschlechtern betrage im Alter von 70 Jahren 20 Dezibel. Einige Wissenschaftler vermuten, das könnte am weiblichen Hormon Östrogen liegen.

LEBENSLANGES WACHSTUM: Untersuchungen zeigen, dass die Ohren offenbar ein Leben lang wachsen und bei älteren Menschen besonders groß sind. Während des Erwachsenenlebens legen sie um gut einen Zentimeter zu. Der Berliner Medizinprofessor Carsten Niemitz und sein Team von der Freien Universität stellten bei der Vermessung von 1500 Berliner Ohren fest, dass der äußere Teil der Ohrmuschel noch bis ins hohe Alter hinein breiter und länger wird. Manche Forscher sagen, es liege daran, dass die Haut mit der Zeit weicher und elastischer werde. Andere behaupten: Das Ohr wächst, weil das Gehör schlechter wird. So könne die Größe der Ohrmuschel den Hörverlust ausgleichen.

EINZIGARTIGE FORM: Den Fingerabdruck kennt fast jeder. Kriminalfälle können aber auch über die Ohren gelöst werden. «Mittels Ohrabdruck ist es möglich, einen Menschen zu identifizieren», heißt es im «Handbuch der Kriminalistik». Möglich mache dies die biometrische Struktur. Die Ohrmuschel behalte ein Leben lang ein Grundmuster bei. Weitere Alleinstellungsmerkmale sind demnach die Außenleiste und das Ohrläppchen.

UNENDLICHER OHRWURM: Die Melodie der Lieblingsserie, der Jingle aus der Werbung oder der Song aus den Charts: Sie alle können zu Ohrwürmern werden. Um diese lästige Kopfmusik loszuwerden, solle sich der Betroffene den Song in voller Länge anhören, rät HNO-Arzt Schiffmann. Denn das Gehirn neigt dazu, Unerledigtes immer wieder in Erinnerung zu rufen.

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Reise

Wie könnte Italien die
Strandsaison retten?

In Rimini schlug eine Firma etwa transparente Plastikbarrieren vor. Foto: dpa

Rom (dpa) – In Italien blühen die Ideen, wie in der Corona-Krise vielleicht die Strandsaison 2020 gerettet werden könnte. In Rimini erregte eine Firma mit der Idee transparenter Plastikbarrieren Aufsehen.

„Wir bekommen die absurdesten Vorschläge, wie die Saison zu retten ist“, sagt Mauro Vanni vom Verband der Badeanstalten in der Urlaubsstadt Rimini. „Einige Firmen wollen Plexiglas-Boxen um die Sonnenliegen bauen, andere Tunnels zum Strand graben, die wir mit Desinfektionsmittel abspritzen sollen.“ Das seien aber tollkühne und unrealistische Vorschläge, denn sicher sei: Solange man sich nicht zu nahe kommen dürfe, könne man auch den Strandurlaub vergessen. „Also, die Signora aus Deutschland mit ihrem Sonnenöl will doch nicht mit Maske und Gummihandschuhen am Strand liegen. Der Strand ist ein Ort, an dem man sich per se einfach nahe kommt, gemeinsam isst, lacht, Zeit verbringt.“

Italien ist besonders stark von der Covid-19-Lungenkrankheit betroffen. Die strikten Ausgangssperren gelten noch bis mindestens 3. Mai. Was genau danach gelockert werden könnte, ist unklar. Die Adriaküste der Region Emilia-Romagna, in der auch Rimini liegt, gehört zu den beliebtesten in Italien. Dort hatte ein Unternehmen mit transparenten Plastikbarrieren mit eingebauten Desinfektionsmittel-Spendern Schlagzeilen gemacht. Bademeister Vanni aus Rimini sieht darin nur PR. „Eines ist klar, niemand wird an den Strand gehen, wenn es keine Sicherheit gibt.“ Und das werde vermutlich erst geschehen, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid-19 gebe. „Wir alle hoffen, im Sommer an den Strand gehen zu können. Aber die öffentliche Gesundheit kommt als erstes“, sagte Lorenza Bonaccorsi vom Tourismusministerium.

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Aus Allen Staaten

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