03. August 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Kaum bekannt: Blutspende für Bello und Mieze

Haustiere sind heute oft Familienmitglieder. Bei gesundheitlichen Problemen erwarten Halter Hilfe wie in der Humanmedizin. Blutspenden gehört auch dazu. Aber wer weiß das? Foto: dpa

Von Ulrike von Leszczynski
Berlin (dpa) – Wenn sich Kollegen mit einer Blutspende das Leben retten, ist das eine Nachricht – manchmal auch bei Vierbeinern. So erhielt Polizeihund Ivo in Franken im Januar nach einer Tumor-Notoperation Blut von seiner Kollegin, Schäferhündin Kira. Eine Woche später war er wieder im Dienst. Nur langfristig habe Ivo leider nicht überlebt, bedauerte die Polizei Mitte Juli. Er sei an Krebs gestorben.

Ob treuer Diensthund oder geliebte Katze: Blutspenden können auch Haustieren helfen. Das Verfahren, das in den 1980er Jahren in den USA erprobt wurde, ist seit mehr als 20 Jahren auch in vielen anderen Ländern möglich. Doch wie eine neue Studie aus England und Erfahrungen aus Berlin zeigen, ist das noch immer kaum bekannt.

In Großbritannien haben Tierärzte in einer nicht-repräsentativen Untersuchung 158 Hunde- und Katzenhalter nach ihrem Wissen über Bluttransfusionen bei Vierbeinern gefragt. Im Ergebnis hatten 70 Prozent von ihnen keine Ahnung, dass ihre Lieblinge für Artgenossen spenden können. Drei Viertel wussten auch nicht, dass es Blutbanken für Haustiere gibt, heißt es im Fachjournal «Vet Record». Doch fast 90 Prozent der Befragten waren bereit, ihre Tiere Blut spenden zu lassen – wenn ein anderes Tier eine Transfusion zum Überleben brauche.

Das deckt sich mit den Erfahrungen an der Freien Universität Berlin (FU). Tierärzte richteten hier bereits 1996 eine Blutbank für Hunde und Katzen ein. «Geschätzt wissen heute nur rund zehn Prozent der Berliner und Brandenburger, dass es das bei uns gibt», sagt Leiterin und Tierärztin Barbara Kohn. Dass Blutspenden auch unter Tieren möglich seien, wisse vielleicht ein Fünftel. «Vor allem, wenn sie Haustiere haben.»

Rund 300 Hunde und 180 Katzen bekommen an der FU pro Jahr eine Bluttransfusion. Sie kann wie beim Menschen nach Unfällen mit hohem Blutverlust nötig werden. «Aber auch Immunerkrankungen und Gerinnungsstörungen können so behandelt werden, manchmal auch geheilt», sagt Kohn. Blut werde auch nach manchen Tumoroperationen gegeben. Oder, wenn ein Tier Rattengift gefressen habe.

Die Idee einer Blutbank für Haustiere brachte Professorin Kohn aus den USA mit nach Berlin. Vielen Tieren hat diese Initiative seitdem das Leben gerettet. Ganz einfach ist die Sache aber nicht. Blut oder seine Bestandteile lassen sich nicht unbegrenzt lagern. Deshalb sind immer wieder neue Spender auf Pfötchen nötig.

Tierärzte müssen Katzen aber in der Regel eine Narkose geben, damit sie ihnen Blut abnehmen können. «Ohne triftigen Grund machen wir das nicht», betont Kohn. Seien nicht genug Blutkonserven für Katzen auf Lager, starte ein Rundruf. Oft sind es neben Tierhaltern aus der hauseigenen Spenderkartei dann Studenten und Uni-Mitarbeiter, die ihre Miezen vorbeibringen. «Mehr als zweimal im Jahr lassen wir Katzen aber nicht spenden», betont Kohn. Dazu sollten nur Wohnungskatzen Blut spenden. Freigänger trügen mehr Risiken für Infektionskrankheiten in sich.

Die möglichen Blutmengen sind ohnehin gering: Mehr als sieben Milliliter pro Kilo Körpergewicht werden nicht empfohlen. Macht bei einer durchschnittlichen Vier-Kilo-Mieze gerade mal 28 Milliliter – das ist weniger als in eine Mokkatasse passt. Auch bei Katzen gibt es Blutgruppen, mehr als drei sogar. Zumindest europäische Hauskatzen haben aber fast alle «A», nicht zu verwechseln mit der menschlichen Variante.

Das erhöht die Chance, einen passenden Spender zu finden. Manchmal fragen Halter mit einem kranken Tier auch Freunde mit Katzen. Dann muss das Tierblut nicht gelagert werden, je frischer, desto besser. Für Blutbanken für Tiere gibt es ohnehin viele Auflagen. In ganz Deutschland sind sie deshalb heute zumeist an Tierkliniken gekoppelt.

Etwas einfacher ist Blutspenden bei Hunden. Gutmütige Exemplare ließen sich ohne Betäubung «anzapfen», sagt Kohn. Allerdings sollten sie über 20 Kilo wiegen, damit nicht nur geringe Mengen bei einer Spende herumkommen. An der Kleintierklinik der FU gilt die Regel: 10 Milliliter Blut pro Kilo Körpergewicht. Ausnahmen im Notfall kommen vor. «Das 10-Kilo-Hundchen einer Mitarbeiterin hat auch schon für einen Yorkshire-Terrier gespendet», erinnert sich Kohn. Bei Hunden gibt es über zwölf Blutgruppen. Bei einer ersten Transfusion spiele das keine Rolle. Doch ab der zweiten Übertragung müsse es passen, erläutert die Leiterin der Blutbank.

«Die Erwartungshaltung an die Tiermedizin ist enorm gewachsen», berichtet Achim Gruber vom FU-Institut für Tierpathologie. «Tierhalter erwarten von Tierärzten heute, was sie aus der Humanmedizin kennen.» Das gelte auch für Bluttransfusionen. «Städter lassen das aber eher machen als ein Landwirt mit Hofhund», berichtet Kohn. «Es kommt auch darauf an, ob ein Tier ein Familienmitglied ist. Dann haben Halter einen engeren Bezug.»

Rund 150 Euro kostet eine Transfusion für Bello oder Mieze an der FU. Auch Menschen mit wenig Geld seien bereit, das für ihren Liebling auszugeben, sagt Kohn. Nachteile für die tierischen Spender habe es an der FU seit 1996 extrem selten gegeben, sagt Kohn. «Einmal war ein Hund nach dem Blutspenden schlapper.» Und eine Katze sei gestorben, weil sie an einer vorher nicht bekannten Herzerkrankung litt. Vor einer Spende würden alle Tiere gründlich untersucht. Was bleibe, sei in der Regel ein kleiner Bluterguss an der Einstichstelle und ein Stückchen geschorenes Fell. «Wenn man das korrekt macht, ist es nicht gefährlich», versichert Kohn.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

kaum bekannt – almost unknown
Halter – here: owners
Blutspenden – blood donations
retten – rescue
Vierbeinern – four-legged animals
wieder im Dienst – back to work
langfristig – long-term
überlebt – survived
Verfahren – procedure, technique
erprobt – tested
Ergebnis – results
keine Ahnung – no clue
Artgenossen – fellow creatures
Fachjournal – trade journal
der Befragten – of those questioned
Erfahrungen – experiences
einrichteten – established
geschäzt – roughly estimated
Blutverlust – blood loss
Gerinnungsstörung – coagulation disorder
Rattengift – rat poison
Bestandteile – components
nicht unbegrenzt lagern – limited shelf life
Blut abnehmen – take a blood sample
triftigen Grund – compelling reason
betont – emphasized
hauseigenen Spenderkartei – in-house donor lists
Freigänger – feral
Blutmengen – quantities of blood
ohnehin gering – already limited
nicht zu verwechseln – not to be mistaken
Auflagen – out of pocket expenses
gekoppelt – set at market price
gutmütige – good-natured
Betäubung «anzapfen» – anesthesia hook-up
Übertragung – transfusion
Erwartungshaltung – owner expectations
Städter – city dwellers
engeren Bezug – closer relationship
schlapper – nerveless
Bluterguss – bruise
Einstichstelle – injection site
geschorenes Fell – shaved fur

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Sommer-Skispringen im Schwarzwald – Wintersport der Zukunft?

Im Schwarzwald waren die Skispringer am Wochenende im Einsatz – mitten im Sommer. Hinterzarten gilt als Mekka des Sommerskispringens – seit 37 Jahren schon wird im Hochschwarzwald gesprungen. Eine Blaupause für die Zukunft?

Hinterzarten: FIS Grand Prix Sommer-Skispringen Herren: Karl Geiger aus Seefeld (Bayern). Foto: dpa

Von Joachim Hahne und Volker Gundrum
Hinterzarten (dpa) – So könnte der Wintersport in Zukunft aussehen: Kein Schnee, aber trotzdem finden die Wettbewerbe problemlos statt. So wie am Wochenende im Schwarzwald, beim Sommer-Grand-Prix der Skispringer in Hinterzarten. «Gerade im Sommer können wir annähernd ideal unseren Sport ausüben. Wir werden natürlich mehr und mehr zum Skisportler als zum Wintersportler», sagte Horst Hüttel, Sportlicher Leiter Ski Nordisch im Deutschen Skiverband (DSV). Irgendwie war es ein Vorgeschmack auf das, was kommen könnte in Zeiten des Klimawandels.

Im Hochschwarzwald holte Karl Geiger gleich zwei Siege innerhalb weniger Stunden. Der 26-Jährige siegte erst gemeinsam mit Juliane Seyfarth, Agnes Reisch und Richard Freitag zusammen im Mixed-Team und setzte sich dann auch in der Einzelkonkurrenz der Männer durch. «Wir haben zwei Siege an einem Tag geholt, das ist eine superschöne Sache. Jetzt legen wir eine Woche Heimtraining ein, danach geht’s nach Courchevel», sagte der neue Bundestrainer Stefan Horngacher. In Frankreich geht die Grand-Prix-Serie weiter, ehe Anfang Oktober im sächsischen Klingenthal das Sommer-Finale der Skispringer ansteht.

«Für das Skispringen sehe ich nicht so schwarz, auch wenn die gesamte Klimaentwicklung uns schon bedenklich stimmt», sagte Hüttel. «Da muss man dagegen steuern. Insgesamt sind die Probleme beim Skispringen aber nicht so groß wie im Skilanglauf und oder beim alpinen Rennsport.»

Auch Biathleten und Langläufer sind auf Asphalt unterwegs – mit Skirollern. Die deutschen Meisterschaften Anfang September im Bayerischen Wald und kurz danach in Ruhpolding sind schon ein erster Fingerzeig in Richtung Winter. Wenig später finden dann in Minsk die «Sommer Biathlon Weltmeisterschaften» statt. Auch Grasski-Wettkämpfe gibt es, die Läufer rollen dann über die Piste.

Der Klimawandel ist vor allem für das Skispringen das kleinere Problem. Denn die Sprungschanzen lassen sich im Vergleich zu den Laufstrecken beim Biathlon, Skilanglauf oder der Nordischen Kombination sowie den Abfahrtshängen beim Ski Alpin mit vergleichsweise deutlich weniger Aufwand gut präparieren. «Wir haben viele Vorkehrungen getroffen, haben uns fast unabhängig gemacht von den äußeren Bedingungen», sagte Walter Hofer, der Direktor Skispringen beim Weltverband FIS.

Probleme bereitet da eher der Winter. «Wir haben uns schon seit ein paar Jahren darauf eingestellt», betonte Hofer jedoch. Künstliche Anlaufspuren, Windschutzeinrichtungen, Wind- und Gate-Kompensation sowie Kunstschnee sorgen bei fast jeder Witterung für gute Bedingungen.

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Feuilleton

Paris zeigt «Romantisches Deutschland»:
Von Füssli bis Friedrich

Rund 140 Papierarbeiten aus der Zeit der deutschen Romantik sind im Petit Palais in Paris zu sehen. Foto: dpa

Paris (dpa) – Johann Wolfgang von Goethe hat sie ausgewählt, nun sind die Zeichnungen erstmals in Frankreich zu sehen. Unter dem Titel «Romantisches Deutschland. Zeichnungen der Weimarer Museen» zeigt das Pariser Petit Palais rund 140 Papierarbeiten aus der Zeit der deutschen Romantik von 1780 bis 1850. Sie stammen aus den Sammlungen, die Goethe (1749-1832) für den Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und für sich selbst angelegt hatte. Heute gehören sie zu den Schätzen der Klassik Stiftung Weimar.

In der bis zum 1. September dauernden Ausstellung werden Zeichnungen von rund 35 Künstlern präsentiert, unter ihnen Johann Füssli, Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich. Von Friedrich, der als bedeutendster Vertreter der Frühromantik gilt, ist neben anderen Arbeiten auch eine herrliche Gouache zu sehen, auf der eine Bucht auf der Insel Rügen abgebildet ist.

Die Szenografie bildet die aufeinanderfolgenden Salons des Wohnhauses Goethes nach. Der Dichter gehörte zu den wichtigsten Freunden und politischen Weggefährten des Großherzogs und war ein großer Kunstliebhaber.
Die Klassik Stiftung Weimar zählt zu den bedeutendsten Kulturstiftungen Deutschlands.

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Gesundheit

Blutdruck-Messungen: Beide Werte
können Krankheitsrisiko anzeigen

Ein Arzt misst den Blutdruck einer Patientin. Foto: dpa

Oakland (dpa) – Beide Blutdruck-Messwerte können ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall anzeigen. Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass nicht nur ein erhöhter Wert des oberen, systolischen Blutdrucks auf ein erhöhtes Krankheitsrisiko hinweist. Auch der untere, diastolische Wert sei ein guter Indikator und sollte nicht vernachlässigt werden, berichtet das Forscherteam im Fachmagazin «New England Journal of Medicine».

Bislang waren sich Experten uneins, ob sich beide Blutdruckwerte gleich gut eignen, um eine erhöhtes Gesundheitsrisiko abzuschätzen. Der systolische Wert zeigt, mit welchem Druck Blut vom Herz in den Körper gepresst wird. Der diastolische Wert misst den Blutdruck, während das Herz sich wieder mit Blut auffüllt, also zwischen zwei Herzschlägen.

In Deutschland werden zur Diagnose von Bluthochdruck immer beide Werte einbezogen. Ulrich Kintscher, Direktor des Instituts für Pharmakologie am Universitätsklinikum Charité in Berlin sieht dies mit der Studie bestätigt: «Hier wird mit einer sehr großen Datenmenge die Bedeutung des diastolischen Werts bestätigt. Im Alter, das zeigt die Studie auch, ist der systolische Wert entscheidender, aber grundsätzlich sollten beide beachtet werden.»

Die US-Forscher hatten für die aktuelle Studie Patientendaten des privaten Krankenversicherers Kaiser Permanente Northern California verwendet. Für den Zeitraum zwischen 2007 und 2016 erhielten sie so über 36 Millionen Blutdruckmessungen von etwa 1,3 Millionen Menschen. Über die Patienten sind außerdem weitere Daten bekannt, wie das Alter oder Vorerkrankungen.

In der Studie bestätigte sich, dass ein erhöhter Blutdruck das Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. In Europa gelten Werte über 140/90 als erhöht. In den Vereinigten Staaten wurde die Grenze vor Kurzem gesenkt und liegt jetzt bei 130/80. Die Studie orientierte sich an beiden Grenzwerten. Die Analyse zeigte, dass auch der untere Wert ein guter Indikator für das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls ist.

«Es hat lange Kontroversen darüber gegeben, was zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt, der systolische oder der diastolische Blutdruck, oder beide», so Co-Autor Deepak Bhatt in einer Pressemitteilung von Kaiser Permanente. «Diese Analyse von langjährigen, umfangreichen Daten zeigt überzeugend, dass beide wichtig sind. Und sie zeigt auch, dass für ansonsten gesunde Menschen niedrige Blutdruckwerte grundsätzlich besser sind.»

Der deutsche Experte Kintscher ist der Ansicht, dass alle Erwachsenen Ihren Blutdruck kennen sollten. In Abhängigkeit der Höhe sollte dann in regelmäßigen Abständen gemessen werden. «Wenn Bluthochdruck diagnostiziert wird, liegt jetzt vermehrt der Blick auf der Selbstmessung der Patienten, hierbei sollten die Patienten zweimal täglich messen», so der Experte. Neben Medikamenten gebe es gute Möglichkeiten, auf den Blutdruck Einfluß zu nehmen, so Kintscher. Dazu gehören demnach regelmäßige körperliche Betätigung und eine gesunde, salzarme Ernährung: «Es hilft schon mit dem Hund spazieren zu gehen und auf Fertigprodukte zu verzichten.»

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Reise

Wie gut ist die Wasserqualität der Badeseen in Europa?

Ein Glas mit Wasser aus einem Baggersee. Foto: dpa

Brüssel (dpa) – Auf ins kühle Nass: Bei Badestellen an deutschen Seen, Flüssen und am Meer ist die Wasserqualität fast überall bestens.
Die Europäische Umweltagentur EEA vergab in einem aktuellen Bericht für das Wasser an 92,7 Prozent von knapp 2300 Stellen in der Bundesrepublik die Bestnote „ausgezeichnet“. Insgesamt 98 Prozent schafften die EU-Mindeststandards.

Sechs deutsche Badestellen fielen aber 2018 als „mangelhaft“ durch. Dort wurden zu viele bedenkliche Bakterien im Wasser entdeckt.

Das waren nach Angaben der EEA Badestellen am Goldscheuer Badesee im baden-württembergischen Kehl; der Klostersee Triefenstein in Nordbayern; an der Ostsee bei Strelasund in Mecklenburg-Vorpommern; am Aussichtsturm am Elfrather See bei Krefeld in Nordrein-Westfalen; an der Elbe beim Hafen Kollmar in Schleswig-Holstein; und am Stausee Kelbra in Sachsen-Anhalt. 2017 waren in Deutschland acht Stellen mit mangelhaft bewertet worden.

Bei der Bewertung der Badegewässer wird nach Fäkalbakterien gesucht, die nach Angaben der Experten eine Gesundheitsgefahr sein können. Sie stammen etwa aus der Landwirtschaft. Konkret geht es um zwei Arten von Keimen: intestinale Enterokokken und Escherichia coli. Je nach der nachgewiesenen Menge wird die Qualität eingestuft. Bei einem „mangelhaft“ empfehlen die EU-Behörden ein Badeverbot, Warnhinweise oder andere Maßnahmen.

In der gesamten Europäischen Union wurden dem Bericht zufolge 95,4 Prozent von 21.831 Badestellen mit ausreichend oder besser bewertet, etwas weniger als die 96,0 Prozent 2017. Der leichte Rückgang liege vor allem an der Eröffnung neuer Badestellen: Die Wertung „ausreichende Wasserqualität“ gibt es erst, wenn Daten für vier Badesaisons vorliegen. In den beliebten Urlaubsländern Italien und Spanien verschlechterten sich einige Werte allerdings tatsächlich: Die Zahl der Badestellen mit „mangelhafter“ Wasserqualität wuchs in Italien von 79 auf 89 und in Spanien von 38 auf 50.

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Alt und kriminell – Senioren auf der Anklagebank und im Knast

Höheres Lebensalter schützt nicht vor Straftaten. In deutschen Gerichtssälen sitzen jetzt öfter auch Menschen mit 60 plus auf der Anklagebank.

Die Zahl der kriminellen Senioren nimmt zu – und das stellt Sachsen-Anhalts Justiz zunehmend vor Probleme. Foto: dpa

Berlin (dpa) – In Berlin ersticht ein 78-Jähriger seine Partnerin, weil sie sich von ihm trennen will. Der frühere Feuerwehrmann muss für fünf Jahre ins Gefängnis. In einem Pflegeheim in der Hauptstadt legt ein alter Mann seinem Mitbewohner einen Bademantelgürtel um den Hals und zieht zu, weil er das ständige Husten nicht mehr erträgt. Er bekommt viereinhalb Jahre Haft.

Die Alterung der Gesellschaft macht auch vor der Justiz nicht Halt. Senioren sind bundesweit nicht mehr nur Opfer fieser Abzocke und Gewalt, sondern landen häufiger selbst auf der Anklagebank. Oft sind es tragische Fälle – nach einem langen Leben ohne Straftaten, nicht selten ausgelöst durch Krankheit oder Verzweiflung.

So steht in Münster (Nordrhein-Westfalen) eine 86-Jährige vor Gericht, weil die Demenzkranke ihren Ehemann mit einem Holzschrubber erschlagen haben soll. In Rheinland-Pfalz wird ein 83-Jähriger zu einer Haftstrafe verurteilt: Er erstickte seine Ehefrau mit einer Plastiktüte – nachdem er sie jahrelang gepflegt und dann keine Kraft mehr hatte. In Düsseldorf wird ein 91-Jähriger angeklagt, weil er in seinem Auto beim Abbiegen eine Fußgängerin übersehen und tödlich verletzt haben soll.

Aber es gibt auch Kriminelle, die einfach in die Jahre gekommen und schon alte Bekannte der Justiz sind. Strafen wegen Körperverletzung nehmen ab, heißt es in Ermittlerkreisen. Aber wegen Kindesmissbrauchs stehen auch Senioren vor Gericht.

In der Hauptstadt sieht Oberstaatsanwalt Ralph Knispel eine klare Entwicklung: «Wir haben jetzt deutlich mehr Angeklagte, die älter als 60 Jahre sind.» Das hänge mit der demografischen Entwicklung und dem längeren Leben von Menschen zusammen. Darauf müsse sich die Justiz einstellen, sagt Knispel der Deutschen Presse-Agentur.

Knispel, auch Vorsitzender der Vereinigung Berliner Staatsanwälte, hat beobachtet, dass sich ältere Angeklagte im Gericht oft rechtstreuer und respektvoller als Jüngere verhalten. «Sie sind eher bereit, die Gepflogenheiten im Gericht zu beachten.»

Im altehrwürdigen Berliner Kriminalgericht ist auch das Gegenteil zu beobachten. Angeklagte müssen aufgefordert werden, zum Beginn einer Verhandlung aufzustehen, die Mütze abzusetzen, nicht Kaugummi zu kauen oder dem Richter nicht ins Wort zu fallen.

Der Staatsanwalt beschreibt noch andere Besonderheiten bei älteren Straftätern. «Mancher ist nicht mehr in der Lage, ganze Prozesstage durchzustehen.» Bei Krankheiten werde dann nur stundenweise verhandelt, dafür müssten aber mehr Termine angesetzt werden. Zudem sei zu berücksichtigen, wenn ein Angeklagter im höheren Lebensalter als Ersttäter vor Gericht steht.

Werden Ältere verurteilt, kommen sie wie andere Straftäter in den Knast. Zum Stichtag 25. April 2018 (neuere Zahlen lagen noch nicht vor) saßen allein in den Haftanstalten der Hauptstadt 142 verurteilte Straftäter ab 60 Jahren aufwärts. Davon waren neun älter als 75. Aktuell ist der älteste Gefangene Jahrgang 1933.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands geht davon aus, dass die Zahl Gefangener höheren Alters weiter zunimmt. Eine geriatrische Einzelbetreuung sei aber meist nicht machbar, sagt René Müller, Vorsitzender der Gewerkschaft Strafvollzug, der Deutschen Presse-Agentur. «Und uns fehlen nach wie vor etwa 2000 Bedienstete.»

Ein Beispiel: Wenn ein Justizmitarbeiter 30, 40 Leute zur Freistunde auf den Gefängnishof führt, und alle müssen minutenlang auf einen alten Mann warten, der nicht mehr richtig laufen kann – dann könne das schon mal zu Aggressionen führen. Ältere Gefangene seien auch gefährdet, von Jüngeren schikaniert zu werden.

Müller bringt eine Idee ins Spiel: Bundesweit sollten Zentren für geriatrische Betreuung als Abteilungen in Gefängnissen eingerichtet werden. Aber nicht überall, sondern in vier nach geografischer Lage für ganz Deutschland – Nord, Süd, Ost und West. Über Kooperationen von Bundesländern könnte geregelt werden, dort geschultes Personal zu konzentrieren und die Kosten für altersgerechte Umbauten zu teilen.

In Berlin teilt die Justizverwaltung auf Anfrage mit, dass die Zahl der Inhaftierten in den vergangenen Jahren zurückging, der Anteil älterer Gefangener aber steigt. Derzeit sitzen knapp 4000 Inhaftierte in den Gefängnissen der Hauptstadt. Statistisch machten bis 1997 ältere Gefangene ab 60 Jahren ein Prozent der Inhaftierten aus. Bis 2018 stieg der Anteil auf vier Prozent.

Braucht es nun Seniorentreffs hinter Gittern? Das nicht, heißt es in der Justizverwaltung von Berlins Senator Dirk Behrendt (Grüne). Aber man hat sich auf das besondere Klientel eingestellt. Im Gefängnis Tegel können Ältere bei speziellen Sportprogrammen mitmachen. In Moabit werden Denk- und Logistikspiele mit extragroßen Symbolen fürs Gedächtnistraining ausgeliehen.

Insgesamt sind in Berlin 21 Hafträume barrierefrei. Zudem stehen Älteren Yoga, Kunst- und Musikgruppen in den Anstalten offen. Und der Humanistische Verband berät zu «altersspezifischen Fragen» – etwa zu Pflegediensten nach der Haftentlassung.

Dass Ältere im Gefängnis sterben, möchte aber niemand. Es werde versucht, solche Inhaftierten zu begnadigen oder vorzeitig aus der Haft zu entlassen, sagt ein Sprecher der Justizverwaltung. Auch die Unterbringung in einem Pflegeheim sei denkbar.

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