03. Oktober 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Wiener Opernball wegen Pandemie abgesagt

Die Corona-Pandemie verhindert auch den Wiener Opernball. Die österreichische Regierung sagte das Gesellschaftsevent, das für Februar geplant war, am Mittwoch ab. Die Staatsoper will die Tage stattdessen für ein Alternativprogramm nutzen.

ARCHIV – 19.02.2020, Österreich, Wien: Debütantenpaare befinden sich in der Wiener Staatsoper während der Generalprobe für den Opernball. Foto: dpa

Wien (dpa) – Der Wiener Opernball fällt 2021 aufgrund der Corona-Pandemie aus. Die österreichische Regierung sagte das bedeutende Gesellschaftsevent am Mittwoch im Ministerrat in Wien ab. «Aufgrund der Corona-Situation wäre es verantwortungslos, den Ball in gewohnter Art und Weise abzuhalten», teilten Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit.
Der Opernball sei für Wien und Österreich als Kulturnation ein großes Aushängeschild und die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. «Aber die Tatsache, dass gerade Feste und Feiern ein Ort der Ansteckung sind, veranlassen uns zur Absage», hieß es weiter.

Der Ball, der am 11. Februar stattfinden sollte, gilt als gesellschaftlicher Höhepunkt in Österreich. Für das Event wird die Staatsoper in einen riesigen Tanzsaal umgebaut. Die Tickets für das stets ausverkaufte Ereignis kosten zwischen 315 Euro und 23 600 Euro für eine Loge. Die Staatsoper, ein Unternehmen im Staatsbesitz, macht nach Abzug aller Kosten einen Gewinn von mehr als einer Million Euro.

Eine kleinere Version des Festes sei nicht infrage gekommen, erklärte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). Laut Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic ist bereits zugesagt, dass der Staat als Eigentümer den Einnahmenverlust abdecken werde. Roscic kündigte an, die Tage für ein Alternativprogramm zu nutzen.

Opernball-Stammgast Richard Lugner, der jedes Jahr mit einem hochkarätigen Stargast auf dem Ball für Aufsehen sorgt, äußerte sich verständnisvoll. «Das ist schon gescheit», sagte der Baumeister gegenüber der APA. «Solange es keine Impfung gibt und die Fallzahlen hoch sind, wird es solche Veranstaltungen nicht geben.» Seinen für 2021 vorgesehenen Gast will er nun 2022 mitbringen.

Mehrere andere Bälle der Wiener Ballsaison wurden bereits zuvor abgesagt. Laut Wien Tourismus gibt es rund 450 Bälle pro Jahr, vergangene Saison sollen sie laut Wirtschaftskammer rund 520 000 Besucher gehabt haben. Etwa 151 Millionen Euro landeten in den Kassen von Veranstaltern, Bekleidungsgeschäften, Friseuren, Restaurants und auch Tanzschulen. Der Opernball wurde seit seiner Wiederaufnahme im Jahr 1956 nur einmal im Jahr 1991 aufgrund des Golfkriegs abgesagt.

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Sport

Oberhof übernimmt Rodel-Weltcup von Lake Placid

Oberhof (dpa) – In Oberhof werden im kommenden Winter zwei Rodel-Weltcups ausgetragen. Neben dem für den 12./13. Dezember geplanten Weltcup wird auch die am 16. und 17. Januar 2021 in Lake Placid vorgesehene Veranstaltung nach Thüringen verlegt. Das meldete die Nachrichtenagentur AP unter Bezug auf den amerikanischen Rodel-Verband USA Luge. In dem am Dienstag veröffentlichten Saisonkalender des Weltverbandes FIL war diese Option bereits vorgesehen.

Lake Placid wird damit im kommenden Winter keine internationale Veranstaltung im Rodeln, Bob und Skeleton ausrichten. Die nach Altenberg verlegte Bob-WM wurde ebenso wie der Rodel-Weltcup wegen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Erlässe und Verordnungen für europäische Sportler abgegeben.

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Feuilleton

Haus der Geschichte zeigt Mutter Beimers Küche

Die Küche der Mutter Beimar der ARD-Fernsehserie «Lindenstraße» ist im Museum «Haus der Geschichte» in Bonn ausgestellt. Foto: Marius Becker/dpa

Bonn (dpa) – Im Fernsehen läuft die «Lindenstraße» nicht mehr, aber im Museum bleibt sie lebendig: Im Haus der Geschichte erinnern jetzt Helga Beimers Küche und die Leuchtreklame des «Akropolis» an die Dauerserie.

Mutter Beimers Küche im Museum: Teile der Kulissen der ARD-Fernsehserie «Lindenstraße» sind im Bonner Haus der Geschichte zu sehen. Neben der berühmten Küche, in der Helga Beimer mit ihren Liebsten diskutierte oder sich zum Trost ihre Spiegeleier briet, können Besucher auch eine Sitzgruppe und die Leuchtreklame des Restaurants «Akropolis» anschauen. Daneben zeigt das Museum eine Reihe von Einzelstücken und Requisiten, etwa den hellblauen Bademantel von Mutter Beimer.

«Ich finde das wunderbar», sagte Schauspielerin Marie-Luise Marjan am Mittwoch in Bonn. Dank der Ausstellung bleibe der Gedanke an die «Lindenstraße» erhalten. Beim Anblick ihrer Fernseh-Küche fühle sie sich gleich zu Hause. «Da kommen die Erinnerungen natürlich hoch: Die Tür geht auf, und der Hansemann kommt rein», sagte die 80-Jährige. «Oder es ist Weihnachten, und wir backen wieder die schwarzen Raben.»

Sie vermisse die «Lindenstraße» durchaus, sagte Marjan. «Ich bin stolze Rentnerin, ich kann mir aussuchen, was ich mache. Aber ich würde sagen: Ich hätte nichts dagegen, wenn wir nochmal drehen würden.»

Die Dauerserie war nach gut 35 Jahren eingestellt worden, die letzte Folge lief im März 2020. Neben dem Haus der Geschichte sicherten sich auch andere Museen Teile für ihre Ausstellungen, etwa das Technik Museum Speyer und die Deutsche Kinemathek in Berlin.

Die Bonner Ausstellung «Die Lindenstraße: Erfolg in Serie. Eine Objektpräsentation» wird bis zum 31. Januar 2021 gezeigt. Danach wandern die Stücke nach Angaben eines Sprechers ins Museums-Depot.

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Gesundheit

Vom Lernen zur Wartung:

Was während des Schlafes im Gehirn passiert

Schlaf ist zum Teil immer noch ein Mysterium. Warum ist er so wichtig, dass wir einen
 großen Teil unserer Zeit damit verbringen? US-Forscher haben sich dieser Frage nun genähert.        Foto: Malte Christians/dpa

Von Alice Lanzke
Austin/Los Angeles/Santa Fe (dpa) – Etwa ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch mit Schlafen. Dauerhaft zu wenig Nachtruhe trübt nicht nur die Stimmung, sondern kann auch ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben. Kaum geklärt ist aber bislang, warum wir eigentlich regelmäßigen Schlaf brauchen. US-amerikanische Forscher sind dem nun auf den Grund gegangen. Ihr Fazit im Fachblatt «Science Advances»: Während Schlaf in der frühen Kindheit wichtig für Lernprozesse im Hirn ist, steht später dessen Reparatur im Fokus.

Mäuse schlafen fünfmal länger als Elefanten, Babys brauchen mehr Schlaf als Erwachsene und bei Delfinen und Zugvögeln schläft abwechselnd immer nur eine Hirnhälfte, während die andere wacht. All jene Phänomene gehören zu den Mysterien, welche die Wissenschaft teilweise immer noch vor Rätsel stellen.

Klar ist, dass Schlaf überlebenswichtig ist: Dies belegte spätestens das Experiment des Schlafforschers Allan Rechtschaffen, der in den 1980er Jahren zeigte, dass Ratten, die dauerhaft vom Ruhen abgehalten wurden, nach wenigen Wochen starben.

Beim Menschen führt kurzfristiger Schlafentzug zu einer verringerten Reaktionsgeschwindigkeit und Konzentrationsproblemen, während chronische Schlafprobleme mit Depressionen, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem geschwächten Immunsystem in Verbindung gebracht werden.

Umso wichtiger ist die Frage, welche Funktionen der Schlaf eigentlich erfüllt. Wissenschaftler der Universitäten von Texas und Kalifornien sowie des Santa Fe Instituts um die Mathematikerin Junyu Cao haben daher nun eine statistische Analyse mit den Daten aus mehr als 60 Schlaf-Studien vorgenommen, die sowohl Menschen als auch Säugetiere umfassten. Sie werteten Daten zur Gesamtschlafdauer, Zeiten in verschiedenen Schlafphasen sowie zu Gehirn- und Körpergröße aus.

Das Team, bestehend aus Neurologen, Biologen und Statistikern, entwickelte daraus ein Modell, das erklärt, warum sich die Schlafzeit über verschiedene Spezies hinweg verringert, je größer das Gehirn wird. Konkret identifizierten die Forscher einen Punkt, der beim Menschen im Alter von 2,4 Jahren eintritt und ab dem sich die Funktion der Nachtruhe fundamental verändert: von Reorganisation zur Reparatur. Das passt zu den Ergebnissen früherer Studien, die mehrere wichtige Übergänge in der Gehirnentwicklung bei Kindern zwischen zwei und drei Jahren belegten.

Bis zu diesem Alter wächst das Hirn rasant. Während des REM-Schlafs, der von raschen Augenbewegungen (Rapid Eye Movement) und Träumen gekennzeichnet ist, ist das Gehirn damit beschäftigt, Synapsen zu bilden und zu stärken. Das sind jene Strukturen, welche die Nervenzellen miteinander verbinden und kommunizieren lassen. «Babys sollten während des REM-Schlafs nicht geweckt werden, da in ihren Hirnen wichtige Arbeit passiert, während sie schlummern», kommentiert Biologin und Koautorin Gina Poe in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung.

Nach etwa 2,4 Jahren verändere sich der Hauptzweck des Schlafes allerdings – und das rapide. Statt Synapsen aufzubauen gehe es ab da und für den Rest des Lebens hauptsächlich um die Wartung und Reparatur des Gehirns. Denn tatsächlich sei eine gewisse neurologische Schädigung des Hirns während der Wachstunden bei Menschen und Tieren normal. Schlaf helfe, diese Schäden zu reparieren – wie bei U-Bahnen, die nachts gewartet und repariert würden, um den Verkehr tagsüber nicht zu behindern, erklärt der theoretische Physiker und Koautor Geoffrey West.

Jene Wartungsarbeiten passierten hauptsächlich während des Nicht-REM-Schlafes. Entsprechend nehme dessen Anteil ab einem Alter von 2,4 Jahren beim Menschen zu, während die Schlafdauer insgesamt abnehme. So würden Neugeborene etwa 50 Prozent ihres Schlafes in der REM-Phase verbringen, während dieser Anteil im Alter von zehn Jahren auf 25 Prozent falle und bei Menschen über 50 Jahren schließlich bei 15 Prozent liege.

«Schlaf ist so wichtig wie Nahrung», fasst Biologin Poe zusammen. «Und es ist erstaunlich, wie gut der Schlaf den Bedürfnissen unseres Nervensystems entspricht. Von Quallen über Vögel bis hin zu Walen schläft jeder. Während wir schlafen, ruht sich unser Gehirn nicht aus.»

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Reise

Natursportaktivität: Wandern

Während der Corona-Pandemie hat sich das Wandern in der diesjährigen Urlaubssaison als Krisengewinner entpuppt.

Während der Corona-Pandemie hat sich Wandern in der diesjährigen Urlaubssaison als Krisen-Gewinner entpuppt.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
                

Berlin (dpa) – „Wandern als individuelle Natursportaktivität wird durch die Pandemie beflügelt“, sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbands (DWV), Ute Dicks.

Einer im September veröffentlichten Umfrage des Verbands zufolge, beobachteten 75 Prozent der Befragten aus etwa Tourist-Infos, Wandervereinen und Großschutzgebieten eine sehr hohe Frequentierung von Wanderwegen. Eine überwiegende Mehrheit (90,7 Prozent) gab an, die Nachfrage nach Wanderwegen sei stark oder sehr stark gestiegen.

Viele Menschen verbrachten ihren Sommerurlaub nicht in der Ferne, sondern den heimischen Bergen, wie der Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV), Thomas Bucher, bestätigte. Das sei etwa am Verkehr ablesbar. „Es gab viele Tage, an denen sich die Autos kilometerlang zu den bekannten Wanderzielen stauten. Vor Ort waren die Parkplätze überfüllt.“

Das bekam auch die Natur zu spüren. Der DWV-Umfrage nach berichteten etwas mehr als die Hälfte der Befragten zum Beispiel von einem deutlich größeren Müllaufkommen.

Die Bergwacht Bayern rechnet unterdessen mit einer „einsatzstarken Saison“, wie Sprecher Roland Ampenberger sagte. Und das, obwohl die ehrenamtlichen Retter im Mai dieses Jahres noch von einem Rückgang der Einsätze im März und April um mehr als die Hälfte – verglichen mit den vergangenen fünf Jahren – berichtet hatten. Abschließende Zahlen zur gesamten Einsatzsaison liegen noch nicht vor.

Nach Ansicht der Verbände ist der Wander- und Outdoor-Trend nach wie vor ungebrochen. Rund 40 Millionen Deutsche wandern regelmäßig, wie der DAV unter Berufung auf repräsentative Umfragen von Marktforschungsinstituten mitteilte.

Bereits im Jahr 2014 ermittelte der DWV in einer Studie, dass 69 Prozent der „deutschsprachigen Bevölkerung“ aktive Wanderer seien.

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Abendmahl in der Corona-Krise mit besonderen Hostien

Einen Kelch mit Wein zum Abendmahl herumreichen? In der Corona-Krise ist das undenkbar. Viele Gemeinden möchten trotzdem nicht auf den Wein verzichten. Eine Bäckerei backt deshalb nun Weinhostien.

Fertige Weinhostienplattung werden für das Ausstanzen gesammelt.
Foto: Nicolas Armer/dpa

Von Mirjam Uhrich
Neuendettelsau (dpa) – Den Geistesblitz hatte die Pfarrerin einer fränkischen Gemeinde beim Backen. «Ich habe für meinen Sohn einen Rotweinkuchen gebacken», erzählt Julia Kleemann. Dabei habe sie gegrübelt, wie sie bei den anstehenden Konfirmationen Abendmahl feiern könnte. «Ich habe mir gedacht: Eigentlich muss es doch möglich sein, Wein in den Hostien zu verbacken. Genauso wie bei meinem Kuchen.» So könne auf den Kelch beim Abendmahl verzichtet werden. Kurzentschlossen rief sie bei der Hostienbäckerei in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) an und erzählte von ihrer Idee.

«Wir haben schon ein paar Testläufe gebraucht», sagt Sabine Sauernheimer, während sie in der Bäckerei Teig auf die dampfenden Hostieneisen schöpft. «Das Problem ist der Fruchtzucker des Weins. Der Teig ist ganz anders, bleibt am Eisen kleben und bricht viel leichter.» Doch nach einer Woche Tüfteln hätten sie die Rezeptur gefunden: Sechs Liter Wasser, ein Liter halbtrockener Bacchus und 14 Schaufeln Mehl.

Jeden Morgen rühren Sauernheimer und ihre Kolleginnen den nun leicht gelblichen Teig an. Dann reiben sie die drei Hostieneisen mit Bienenwachs ein und heizen sie auf 90 Grad. Ein Schöpfer Teig pro Eisen, dann wenige Minuten backen. Über Nacht lagern die Hostienplatten in einem Raum mit mehreren Eimern Wasser, bevor sie ausgestanzt werden.

Vor Renate Bürkel türmen sich inzwischen die Hostien. «Normalerweise verpacken wir hundert Stück in einer Rolle», erzählt die Mitarbeiterin der Bäckerei. Doch wegen der Corona-Krise fummelt sie nun jede Hostie einzeln in eine kleine Plastiktüte. So soll die Hostie kontaktlos übergeben werden können. Umweltbewusste Gemeinden können die Weinhostien gegen einen Aufpreis auch in kompostierbaren Zellophanhüllen bestellen.

Rund 140 Gemeinden in Deutschland und Österreich haben schon Weinhostien geordert, berichtet Diakonie-Sprecherin Manuela Renner. Die Gläubigen können beim Abendmahl die Hostie einzeln abholen und zurück auf der Kirchenbank dann gemeinsam mit den anderen Gottesdienstbesuchern zu sich nehmen. «Uns war ganz wichtig, dass das Abendmahl so wieder gemeinsam gefeiert werden kann.»

In der evangelischen Landeskirche gelten momentan strikte Regeln für das Abendmahl: Die Gottesdienstbesucher müssen mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander halten. Die Hände müssen unmittelbar vor der Austeilung desinfiziert werden, trotzdem muss die Hostie möglichst ohne Berührung überreicht werden. Wein kann nur in Einzelkelchen ausgeteilt werden. Möglich sei auch, dass Austeilende die Hostie in einen Kelch mit Wein tauchen, am Kelchrand abtupfen und in die Hand des Gottesdienstbesuchers legen. Die Weinhostie sei da eine interessante Alternative, sagte ein Sprecher der Landeskirche.

In der katholischen Kirche nehmen sowieso nur Priester und Kommunionhelfer Hostie und Wein zu sich, betonte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats München. Gottesdienstbesucher empfangen in der Regel nur die Hostie. Außerdem gelte für die Herstellung der Hostien in der katholischen Kirche eine Art Reinheitsgebot, erklärt eine Sprecherin des Erzbistums Bamberg. «Gemäß der katholischen Tradition werden Hostien ausschließlich aus den Zutaten Weizenmehl und Wasser gebacken. Deswegen ist eine Weinhostie für Katholiken kein Thema.»

Im Internet gebe es auch Anfeindungen, berichtet Renner von der Diakonie Neuendettelsau. Gerade von katholischer Seite, aber auch einige evangelische Kirchen seien skeptisch. «Das muss jeder für sich entscheiden. Unsere Theologen sagen, dass absolut nichts dagegen spricht.»

In der Neuapostolischen Kirche hat die Weinhostie sogar Tradition. Seit 1917 werde zum Abendmahl eine Hostie gereicht, die mit drei Tropfen Rotwein beträufelt ist. Das habe auch hygienische Gründe, erklärt eine Sprecherin der Neuapostolischen Kirche. «In den Jahren zuvor hatte es Grippe-Epidemien gegeben und gegen Ende des Ersten Weltkriegs grassierte eine schreckliche Grippe-Pandemie.»

Die Kirchengemeinde Alesheim/Trommetsheim von Pfarrerin Julia Kleemann muss sich noch an die besonderen Hostien gewöhnen. «Wir sind eine Dorfgemeinde in Franken, da ist noch alles sehr traditionell.» Doch eine Konfirmation ohne Abendmahl wäre erst recht undenkbar gewesen. «So konnte ich die Hostien schon vor dem Gottesdienst in den Kirchenbänken verteilen», erzählt Kleemann. Während der Konfirmand am Taufstein einzeln die Weinhostie erhalten habe, konnte die Familie zeitgleich auf ihren Plätzen das Abendmahl feiern. «Ich hatte das Gefühl, dass das ganz gut war.» Ihre Gemeinde habe jedenfalls schon Nachschub bestellt.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Wegen Corona-Pandemie: Deutlich weniger Paare heiraten

Monatelange Planung für den schönsten Tag im Leben, dann kam das Corona-Virus. Vielen Paaren ist angesichts der strengen Auflagen die Freude am Heiraten vergangen – zunächst. Denn Standesbeamte rechnen damit, dass viele Termine nachgeholt werden.

ARCHIV – 16.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein frisch vermähltes Brautpaar zeigt nach der Eheschließung im Rathaus die Eheringe. Die Corona-Pandemie hat viele Heiratspläne vorerst platzen lassen. Foto:dpa

Von Isabell Scheuplein,
Wiesbaden (dpa) – Die Corona-Pandemie hat viele Heiratspläne vorerst platzen lassen. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden bundesweit 139 900 Ehen geschlossen, 29 200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. Mitte März hatten Bund und Länder strenge Auflagen verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Viele Standesämter schlossen vorübergehend, andere schränkten ihre Dienste ein.

Nur einmal wurden seit der Wiedervereinigung in einem ersten Halbjahr noch weniger Ehen geschlossen: 2007, als viele Paare den Juli und damit das Hochzeitsdatum 7.7.2007 ansteuerten. Damals heirateten im ersten Halbjahr nur 138 800 Paare.

Im laufenden Jahr gab es mit dem 02.02.2020 und dem 20.02.2020 gleich zwei attraktive Termine, die auch reichlich genutzt wurden – was ein weiteres Absinken der Zahlen verhinderte, wie das Bundesamt berichtete. Im Februar 2020 heirateten 21 500 Paare, fast 7300 mehr als Vorjahresmonat.

Der Effekt war in den Bundesländern unterschiedlich stark: In Brandenburg (plus 84 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 82 Prozent) und Thüringen (plus 80 Prozent) sagten im Februar deutlich mehr Paare «Ja» zueinander. In Hamburg fand er dagegen so gut wie keine Beachtung, hier blieb die Zahl der Eheschließungen gleich.

Erkenntnisse über die Auswirkung der Pandemie ließen sich erst langfristig gewinnen, erklärten die Statistiker. Denn langsam wieder steigende Zahlen vom Mai und Juni deuteten daraufhin, dass viele Standesamt-Termine lediglich verschoben und nicht abgesagt wurden. Der Stand der Vorjahre war aber noch nicht erreicht.

«Es kann sein, dass einiges wieder aufgeholt wird», sagt Carola Hofbauer-Raup, Standesbeamtin in Schleswig und Vorsitzende des Landesverbands der Standesbeamtinnen und Standesbeamten Schleswig-Holstein. Vielerorts seien nur wenige Termine wirklich abgesagt und dafür mehr verschoben worden. Etwa jetzt in den Spätsommer. «Oder die Paare wollten den gleichen Termin ein Jahr später», sagt Hofbauer-Raup.

Die Bedingungen zum Heiraten seien vor Ort noch sehr unterschiedlich, berichtete die Standesbeamtin mit Blick auf die bundesweite Situation. Es gälten Abstandsregeln und Höchstgrenzen für die Zahl der Gäste. Anfangs hätten die Paare nur allein kommen dürfen – was nicht überall für Ärger gesorgt habe: «Manche waren ganz froh, dass sie die Zeit für sich haben konnten.»

Was das große Feiern angeht, sei die Verunsicherung groß, sagt die Sprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, Svenja Schirk. Viele Paare hätten ihr Fest auf nächstes Jahr verschoben. Die Corona-Regeln könnten jeden Tag geändert werden, dazu seien sie vor Ort sehr unterschiedlich. Büffets seien nicht möglich, es gälten Obergrenzen bei der Zahl der Gäste, Abstandsregeln müssten eingehalten werden, teils herrsche Tanzverbot. Täglich erreichten den Bundesverband viele Anfragen dazu. «Ausgelassen Feiern und einen unbeschwerten Tag zu haben, geht zurzeit nicht.» Sie hoffe, dass sich die Lage nächstes Jahr bessere.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

angesichts – in view of
Auflagen – constraints
zunächst – at first
Standesbeamte – civil magistrates
nachgeholt – catch up
vorerst – for the present
platzen – fall through
vorläufige – provisional
Ergebnisse – outcomes
verhängt – imposed
schlossen – closed
vorübergehend – temporarily
schränkten ein – reduced
ansteuerten – drawn to
reichlich – richly
Erkenntnisse – recognition
Auswirkung – affect
langfristig – long-term
lediglich – only
verschoben – postponed
abgesagt – called off
Vorjahre – previous years
Bedingungen – requirements
vor Ort – from place to place
gälten für – applied to
überall – everywhere
Ärger – anger
gesorgt – led to
Verunsicherung – uncertainty
Obergrenzen – upper limits
Abstandsregeln – social distance rules
eingehalten – kept
teils – partially
herrsche – rules
ausgelassen – wild
unbeschwerten – without complaints

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*