04. April 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Die Coron-Haar-Krise: Lässt Deutschland ohne Friseure wieder wachsen?

Kein Theater, kein Fußball, keine Konzerte – und jetzt auch noch schlecht frisiert. Das Coronavirus hat Deutschland voll im Griff, auch die Friseure müssen schließen. Damit steht man zu Hause vor einer Entscheidung: Langhaarfrisur oder Langhaarschneider.

Garmisch-Partenkirchen: Ein Frisör ist wegen der Coronavirus-Krise geschlossen. Esgilt für Bayern eine Ausgangsbeschränkung. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Foto: dpa

Von Jonas-Erik Schmidt
Köln (dpa) – Frisuren sind auch immer ein Spiegel ihrer Zeit. Gilt seit Jahrzehnten ein Kurzhaardiktat, wirkt eine lange Mähne besonders rebellisch – so war es zum Beispiel in den 60ern. Auch jetzt erlebt Deutschland historische Monate: Das Coronavirus hat das Land in einen beispiellosen Krisenmodus versetzt. Und auch diesmal geht es – nach vielen anderen, viel wichtigeren Gesundheitsfragen – irgendwie um die Haare. Der Grund: Die Friseure sind dicht. Bund und Länder haben das am Wochenende beschlossen.

Man mag einwenden, dass Stilfragen in Zeiten, in denen es um Leben und Tod geht, wirklich nachrangig sind. Zumal in einer Phase, in der viele Menschen noch nicht mal mehr für die Arbeit aus der Jogginghose müssen, weil sie im Homeoffice arbeiten. Zugleich verändert es den Alltag Millionen Deutscher, wenn sie ihr Haupthaar nicht mehr in professionellen Händen wissen. Krise ist schon schlimm. Krise und schlecht frisiert kann noch schlimmer sein.

Tragen wir bald alle Matte? Die beruhigende Antwort vorweg: Es wäre zumindest kein großer Schaden, wenn die Haare ein bisschen nachwachsen. «Es ist eine gewisse Ermüdung eingetreten bei Frisuren, die an der Seite ausrasiert sind», stellt der Buchautor Bernhard Roetzel fest. Er prognostiziert «generell eine Entwicklung hin zum längeren Haar» – auch ohne Coronavirus.

Der Stilkritiker rät zugleich zu einer gewissen Gelassenheit. Er befürchtet nicht, dass Deutschland nun kollektiv zerzaust. Das Haar müsse ja auch erstmal wachsen. «Ausnahme sind höchstens die Frauen, die sich die Haare jede Woche vom Friseur legen lassen. Aber das ist eine aussterbende Tradition», sagt Roetzel. Ein kritischer Punkt könnte nach etwa vier Wochen eintreten. «Vier Wochen ist ungefähr der Rhythmus, in dem man mit einem Fassonschnitt zum Friseur geht.»

Kommt jetzt der Boom der Haarschneide-YouTube-Anleitungen? Es ist in jedem Fall gefährlich, ohne jede Ahnung einfach los zu rasieren. Wer mal bei einem schlechten Friseur war, weiß: Verschnittenes Haar braucht wahnsinnig lange, bis es wieder rausgewachsen ist. Die Seite instyle.de warnt bei ihren Tipps zum Selberschneiden daher in einem Ton, der auch bei einer Bombenentschärfung passen würde: «Die allererste Regel lautet eigentlich “don’t do it” – lass es lieber!»

Zugleich hat man ja alles da: Schere, Kamm, oft Rasierer. Farbe lässt sich noch kaufen. Und Deutschland hat eine gewisse Tradition, sich im familiären Kreis die Haare zu stutzen. Oft gibt es eine Tante, die das kann und am Ende jede Frisur als «frech» bezeichnet. «Es wird vielleicht zu einem Revival des Do-it-yourself-Haarschnitts kommen, also von Freunden oder der Familie», meint Experte Roetzel. Wobei genau das in Coronazeiten nicht ratsam ist – die Zahl der physischen Kontakte soll auf ein Minimum reduziert werden.

Also große Tristesse? Es kann aufs Gemüt schlagen. «Eine gute Frisur unterstreicht die Kleidung und auch, dass man sich wohlfühlt», gibt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt/Main zu bedenken. Andererseits könne man bei fortschreitendem Wuchs auch tricksen. «Meine Nachbarin zum Beispiel hat sich die Haare geflochten, das habe ich heute Morgen gesehen», sagt er. «Auch das ist schön.» Weitere Ideen: Schicke Haarkämme («zum Beispiel mit Kristallen, Blumen oder in Schildpatt-Optik»), Kopftücher («die sind auch wieder sehr angesagt») oder ein Pferdeschwanz. Oder man versucht vom Haar abzulenken – etwa mit schönem Make-up um die Augen.

An die schauerlichsten Prognosen glaubt auch Rose nicht. Auf die Frage, ob in der Krise nicht auch der «Vokuhila» (vorne kurz, hinten lang) wieder Thema werden könne, sagt er: «Hören Sie auf, wie furchtbar! So etwas kommt nicht wieder, da lege ich mich fest!»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

voll im Griff – by the throat
Friseure – hair stylists
Schließen – close
Mähne – manes
beispiellosen – unprecedented
Krisenmodus – crisis mode
versetzt – transplanted
dicht – shut
Bund und Länder – (labor) union and states
beschlossen – concluded
einwenden – demur
Stilfragen – questions of style
nachrangig – worth mentioning
bald – soon
Matte – lackluster hair
vorweg – in advance
Ermüdung – fatigue
Gelassenheit – calmness
zerzaust – disheveled
Fassonschnitt – (all over) short hair cut
Anleitungen – how-to videos
Ton – voice
Bombenentschärfung – defusing of a bomb
Regel – rule
Farbe – hair color
stutzen – trim
frech – cheeky
ratsam – advisable
Tristesse – sadness
Gemüt schlagen – disrupt one’s peace of mind
unterstreicht – underpins
Modeberater – fashion advisor
bedenken – reservations
geflochten – braided
schicke Haarkämme – stylish combs
Schildpatt-Optik – tortoise shell
Kopftücher – scarves
Pferdeschwanz – ponytail
abzulenken – distract
schauerlichsten – most gruesome
Vokuhila – mullet
lege fest – absolutely certain

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

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Feuilleton

Eintritt frei zu Nofretete:

Geschlossene Museen locken digital

Das Coronavirus hat die Kulturszene brach gelegt. Museen sind geschlossen, Opernhäuser dicht, Konzerte abgesagt. Künstler wie Einrichtungen suchen neue Wege zum Publikum

Die Nofretete wird beim Presserundgang im Neuen Museum in Berlin präsentiert. Foto: Rainer Jensen/dpa

Von Gerd Roth
Berlin (dpa) – Nofretete ist allein zu Haus. Wo sich sonst Besucher um den riesigen Glaskasten mit der weltbekannten Büste der ägyptischen Königsgemahlin drängen, herrscht seit Tagen gähnende Leere. Das Neue Museum mit Nofretete und die benachbarten Häuser locken sonst jährlich gut drei Millionen Besucher aus aller Welt auf die Museumsinsel im Herzen Berlins. Das Coronavirus sorgt nicht nur hier für verschlossene Türen. Bundesweit haben Museen geschlossen, sind Theater und Opernhäuser dicht, werden Konzerte abgesagt.

Doch «Einschränkungen machen kreativ», sagt Berlins Kultursenator Klaus Lederer. Und so bemühen sich Kulturschaffende in der ganzen Republik, ihre Künste in eine digitale Welt zu überführen. Zumindest einen Vorteil gibt es am heimischen Computer: der Eintritt ist frei.

Der Online-Genuss ist dabei nicht immer von großen Häusern abhängig. Dort geht der bekannte Pianist Igor Levit zwar ein und aus. Seit Beginn der Coronakrise überträgt er aber mit sehr einfachen Mitteln über seine Social-Media-Accounts fast täglich Konzerte von Flügeln daheim oder unterwegs. Mit Bach, Beethoven oder Schubert erreicht Levit dabei bis zu 300 000 Zuschauer. Er will damit «unser inneres Leuchten behalten. Auch darum geht es.»

Im Konzerthaus Berlin organisierte Intendant Sebastian Nordmann ein hochkarätig besetztes Konzert per Livestream, unter anderem mit dem Pianisten Lang Lang, Geiger Daniel Hope, Sopranistin Olga Peretyatko oder Sänger Max Raabe. Häuser mit Weltruhm wie die Bayerische Staatsoper in München oder die Berliner Staatsoper Unter den Linden haben sich ganze Online-Spielpläne für Ballett und Oper verpasst. «Il Trovatore» oder «Lucia di Lammermoor», «Falstaff», «Tristan und Isolde» oder «Schwanensee» schaffen es damit direkt in die Social-Distance-Area von Kulturliebhabern. «Carmen» etwa verfolgten so 160 000 Zuschauer auf der ganzen Welt.
Die Berliner Philharmoniker bieten während der Schließung ihres Saals mehr als 600 Konzerte als Streaming an. Mit der Aktion #UnitedWeStream kämpft die international beliebte Clubszene der Hauptstadt um «Berghain» oder «Watergate» um ihr Überleben und streamt täglich DJ-Sets live über das Internet.

Viele Museen befassen sich schon seit Jahren weit abseits von außergewöhnlichen Schließungsnotwenigkeiten mit neuen digitalen Wegen. «Da geht es nicht so sehr darum, ein Museum digital zu besuchen, sondern darum, wie digitale Medien genutzt werden können, um einen Museumsbesuch noch attraktiver und interessanter zu machen», weiß Monika Hagedorn-Saupe vom Institut für Museumsforschung in Berlin. Die Diplompädagogin und Mathematikerin koordiniert das vom Bund mit 15 Millionen Euro geförderte Projekt Museum4punkt0.

In vielen Museen etabliert sich virtuelle Realität neben Skulpturen, Installationen oder Gemälden. So erlaubt etwa das Frankfurter Städel Museum per Virtual-Reality-App und Smartphone einen Gang durch historische Sammlungsräume. Das Mainzer Museum für Antike Schifffahrt lockt virtuell in einen antiken Superfrachter. Und das Deutsche Museum in München schickt Besucher per VR-Brille und Controller zum Fluggleiter Otto Lilienthals oder gleich mit dem Lunar Roving Vehicle auf die Mondoberfläche. Der Mondrover ist Teil des Modellprojekts, mit dem Museen Möglichkeiten der Virtual Reality (VR) austesten.

«Jeder kennt Mona Lisa oder Nofretete, hat sie im Katalog gesehen», sagt Hagedorn-Saupe. Solche Highlights müssten nicht im Internet kontextualisiert werden. «Aber anderen Dinge müssen halt überhaupt erst einmal bekannt gemacht werden.» Das lockt Menschen ins Museum. «Heute muss man online präsent sein, um auf sich aufmerksam zu machen, damit die Leute sagen: Mensch, das möchte ich mir angucken.»

Ein Ziel von Museum4punkt0 sei, die Erkenntnisse «möglichst vielen Museen zur Nutzung zur Verfügung zu stellen». Aber was kann ein kleineres Museum jetzt machen? Das Coronavirus hat ja keine Zeit für digitale Vorläufe gelassen. «Kleine Geschichten erzählen», rät Hagedorn-Saupe. «Museen könnten jeden zweiten Tag oder einmal die Woche ein neues Objekt aus dem Haus auswählen und das online vorstellen.» Ein Kunstwerk des Tages, ein Objekt der Woche. «Wir haben ja alle unsere Smartphones.» Schon damit ließen sich ohne viel Aufwand oder riesigen Bedarf an Speicherkapazitäten kleine Präsentationen produzieren. Auch Kooperationen mit lokalen Medien seien möglich.

Einige haben ihre Tore bereits ganz weit digital geöffnet. Das Neuen Museum mit Nofretete oder das benachbarte Pergamonmuseum lassen sich mit virtuellen Rundgängen erkunden. Solche Entdeckungstouren bieten auch das Städel Museum in Frankfurt/Main, das Museum für Hamburgische Geschichte, Schloss Sanssouci in Potsdam, das Ozeaneum in Stralsund, Münchens Deutsches Museum, das Nürnberger Museum Industriekultur, Zeppelin-Museum Friedrichshafen, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Bauhaus Dessau, das Düsseldorfer Museum Kunstpalast oder die Kunsthalle Bremen. Dafür arbeitet Google Arts & Culture nach eigenen Angaben mit weltweit mehr als 2000 Institutionen zusammen, darunter eben auch viele Museen in Deutschland.

Wie wichtig solche digitalen Angebote sein können, erlebt gerade der Leiter der Uffizien in Florenz, Eike Schmidt, im Corona-gebeutelten Italien. «Die Bevölkerung will sich nicht nur den ganzen Tag vor den Fernseher setzen und im Sekundentakt über die aktuellste Nachrichtenlage informiert werden. Sie hat einen wirklichen Durst nach Kunst und Kultur», sagte der Kunsthistoriker der Münchner «Abendzeitung». Nun stellen Aufsichten ihre liebsten Säle und Kunstwerke online vor. «La mia sala» heißen die kurzen Filme auf Facebook oder Instagram. Schmidt sieht die Situation auch als Chance: «Das ist ja das Tolle an unserer digitalisierten Welt, dass wir unsere Kontakte in einer Form halten können, die zuvor nicht möglich war.»

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Gesundheit

So geht Kochen ohne Salz

Indisches Hühnchengericht: In den salzlosen Mix stecken unter anderem gemahlener
Samen von Kreuzkümmel und Koriander und Kurkuma.
Foto: Bart Nijs/LV Buch/dpa

Hoorn (dpa) -Früher war es das „weiße Gold“ – teuer, rar und hoch geschätzt. Heute kostet es nur noch ein paar Cent und wir streuen es oft ohne nachzudenken in jedes Kochwasser und fast jedes Gericht. Aber muss Salz wirklich sein – immer und überall?

„Nein“, sagt Michel Hanssen, Spitzenkoch und Autor des Buches „Salzlos genießen“. Da in vielen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Gemüse von Natur aus Natrium, also Salz, enthalten sei, könne man auf zusätzliches Salzen problemlos verzichten und stattdessen andere Gewürze und Kräuter verwenden. Das sei nicht nur gesünder, sondern bereichere viele Gerichte auch um neue Geschmacks- und Aromanuancen.

„Mit 25 Kräutern können Sie den Geschmack der ganzen Welt in ihre eigene Küche bringen“, betont der Niederländer. Hanssen rät zu einem kleinen Fundus an Gewürzmischungen, mit denen er abwechslungsreich und salzlos abschmeckt. Beim Kombinieren darf nach individuellen Vorlieben experimentiert werden.

„Steht die Rezeptur einmal fest, hat man die Mischung schnell zur Hand und weiß, dass die damit gewürzten Speisen immer wieder genauso schmecken, wie man sich das wünscht“, sagt Hanssen. Vom Hühnchen-Spezial-Mix über das Kartoffel- oder Risottogewürz bis zum Cafè-de-Paris-Mix reicht Hanssens Palette an Gewürzmischungen. Den Cafè-de-Paris-Mix, der unter anderem Paprika- und Currypulver, Pfeffer, Knoblauch, Senfsamen, Rosmarin, Thymian und Zitronensäure enthält, empfiehlt er für Saucen, Dressings und Kräuterbutter.

Aber auch große Fleischgerichte gelingen mit den richtigen Alternativen ganz ohne Salz. Zu Hanssens persönlichen Lieblingsessen gehört „Boeuf Bourguignon“. Speziell dafür hat er die „Melange Bourguignon“ aus Petersilie, Knoblauch, Anissamen, Majoran, Ingwerpulver, Englischem Currypulver, getrocknetem Thymian, gemahlenem Lorbeer, Muskatblüte und Kardamom sowie getrockneten Rosmarinnadeln komponiert.

Der Mix würzt eine gewürfelte Hochrippe vom Rind, die mit Zwiebeln, Möhren und Champignons in Butter angebraten wurde. Das Ganze simmert etwa zwei Stunden in Rotwein und Rinderbrühe vor sich hin und fertig ist ein hocharomatischer Fleischgenuss – ganz ohne Salzzugabe.

Auch Steve Karlsch, Kulinarischer Direktor der Brasserie Colette Tim Raue, plädiert dafür, eigene Gewürzmischungen aus getrockneten und pulverisierten Kräutern und Gewürzen zu kreieren. Er schätzt aber auch die Aromatik und Saftigkeit frischer Kräuter. „Liebstöckel ist ein Wahnsinns-Salzersatz“, schwärmt er. Genau wie Knollensellerie, der von Natur aus einen hohen Natriumgehalt habe. Roh runde er viele Gerichte aromatisch ab.

Und den „unfassbar intensiv“ schmeckenden getrockneten Sellerie könne man über Fisch-, Fleisch- oder Gemüsegerichte hobeln. Eine „natürliche Salzigkeit“ in Schmorgerichten erreicht Karlsch unter anderem durch die Zugabe von frischen und getrockneten Pilzen. Sie seien auch ideal für die Zubereitung von Gemüsefonds und -brühen, die als aromatische Grundlage für Soßen und Suppen dienen könnten. Außerdem rät der Profi dazu, Reis und Nudeln statt in Salzwasser in selbst gemachten Gemüsebrühen zu kochen.

Zum Einstieg in die salzarme Küche empfiehlt Stefan Hermann, Koch und Gastronom aus Dresden, kräftige Kräuter und Gewürze mit vielen ätherischen Ölen zu verwenden. Kümmel, Sternanis, Rosmarin, Dill oder Senfkraut könnten eine Würzigkeit in Speisen bringen, die Salz überflüssig mache. Auch Sojasauce sei eine Alternative.

Ein in gutem Olivenöl, Pfeffer und Kräutern marinierter Saibling, mit Schalotten, Lorbeerblatt oder auch Zitronengras im Ofen bei 40 bis 50 Grad Celsius gegart, lasse keine Wünsche offen, sagt Hermann. „Auf Salz kann man da leicht verzichten.“ Karlsch schlägt vor, Fisch oder Gemüsegerichte einmal mit zerbröselten Hefeflocken zu bestreuen. Die vor allem aus der veganen Küche bekannte salzfreie Würzzutat sei gesund und bringe einen intensiven Eigengeschmack mit.

Literatur:
Michel Hanssen: „Salzlos genießen
mit Kräutern und Gewürzen“.
Landwirtschaftsverlag Münster,
196 Seiten, 22,00 Euro, ISBN-13: 978-3-784356310.

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Reise

Blühende Wildnarzissen:

Die gelben Täler der Eifel

In jedem Frühjahr verwandeln Millionen wild wachsender Narzissen Talwiesen in der Eifel in ein gelbes Blütenmeer. Auf Rundwanderwegen entdecken Besucher diese seltene Farbenpracht.

Die Gelbe Narzisse ist das Aushängeschild des Nationalparks Eifel – die auch Osterglocke genannte Blume wächst hier in mehreren Tälern wild auf den Wiesen. Foto: dpa

Hellenthal (dpa) – An seine erste Wanderung im Oleftal kann sich Wolfgang Schumacher gut erinnern. „Im dunklen Fichtenwald sorgten hier und da wilde Narzissen für leuchtend gelbe Farbtupfer.“

Das Erlebnis in den 1970er Jahren in dem Tal nahe Hellenthal in der Eifel ließ den damaligen Lehrer nicht mehr los.

Der Biologe setzte sich für die gefährdeten Wildnarzissen ein, und mit Hilfe der Loki Schmidt Stiftung konnte im Herbst 1979 im Oleftal erstmals ein Hektar Wald erneut zur Narzissenwiese werden. 40 Jahre später erstrahlt die Talaue ganz in Gelb.

„Und das zu beiden Seiten der Olef“, sagt Naturführer Michael Hamacher. „Wir gehen gleich über die kleine Holzbrücke und sind dann schon in Belgien.“ Mit einer Gruppe Wanderer ist er an diesem Tag vom Parkplatz Hollerather Knie an der Bundesstraße 265 in das Tal zu den wild wachsenden Narzissen gewandert.

Ein seltenes
Naturschauspiel
Es ist ein seltenes Naturschauspiel, was es hier zu sehen gibt. Wildnarzissen wachsen in Deutschland nur an wenigen Orten, unter anderem hier im Oleftal und im nicht weit entfernten Fuhrts- und Perlenbachtal. Außerdem blühen sie in den belgischen Ardennen auf der anderen Seite der Grenze.


Die gelben Frühlingsblumen wissen genau, was sie wollen. „Wildnarzissen brauchen feuchte Füße, aber keine nassen“, sagt Naturguide Hamacher. Der Boden sollte etwas sauer sein, bevorzugt werden viel Niederschlag und eine Höhenlage zwischen 600 und 1000 Metern über dem Meeresspiegel.


Selbst Schnee und Hagelschauer machen den Wildnarzissen kaum etwas aus: Mit den ersten dauerhaft warmen Frühlingstagen, in der Regel im April, entfalten sie ihre ganze Pracht und verwandeln die Täler in ein riesiges, gelbes Blütenmeer.


Die Rückkehr der
Wildnarzissen

Nach dem ersten Hektar im Oleftal wurden in den zurückliegenden 40 Jahren mehr Fichtenbestände in den Bachtälern abgeholzt, so dass sich Wildnarzissen dort wieder ansiedeln konnten. Damit kehrte das ursprüngliche Landschaftsbild der offenen Talauen zurück.

Denn bereits vom 12. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre wurden die Auen von den Bauern zur Heugewinnung genutzt. Danach lohnte das aber nicht mehr. Mit schnell wachsenden Fichten wurden die Flächen deshalb aufgeforstet. Damit verschwanden nicht nur die Wildnarzissen, sondern auch seltene Schmetterlinge wie etwa der Blauschillernde Feuerfalter.

Ende der 1970er Jahre kam der erneute Wandel – mit Wolfgang Schumacher und der ersten Wildnarzissenwiese im Oleftal. „Heute sind die Täler Naturschutzgebiete“, erzählt der Biologe und Geobotaniker. Insgesamt seien es über 80 Hektar Fläche.

Ein Hotspot der
leuchtend gelben Blüten

Wahre Hotspots der Wildnarzissen sind die Täler von Fuhrts- und Perlenbach bei Monschau-Höfen. Die leuchtend gelben Blüten locken Besucher von nah und fern in die Eifel. Mehr als 30 000 Menschen kommen nach Schätzungen des örtlichen Tourismusbüros zur Blütezeit im April in die Täler. An sonnigen Wochenenden kann es hier mit vielen Besuchern schon mal trubelig sein.

Auf mehreren Rundwegen, die zwischen 5 und 14 Kilometer lang sind, steigen die Besucher von der Höhe hinab in die beiden Narzissentäler. Ausgangspunkt dafür ist dasInformationszentrum Nationalpark-Tor in Monschau-Höfen, in dem über Flora und Fauna und die Geschichte des Gebietes berichtet wird.

„Getränke und Verpflegung sollte man mitführen“, rät Barbara Frohnhoff vom örtlichen Tourismusbüro. Unterwegs besteht keine Einkehrmöglichkeit. Festes Schuhwerk sei ebenfalls notwendig, da die Wege nach Regentagen schlammig und rutschig sein können.

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