04. Mai 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Ja-Wort unter Tage: Ungewöhnliche Hochzeitsorte

Essen: Kirschblüten werden vor blauem Himmel vor der Zeche Zollverein von der Sonne angestrahlt. Für Fußballverrückte, Geschichtsbegeisterte oder Tierfreunde: Brautpaare mit besonderen Interessen finden in Nordrhein-Westfalen eine Reihe ganz besonderer Orte, an denen sie sich das Ja-Wort geben können. Foto: dpa

An der Rennstrecke, auf dem Leuchtturm oder sogar im Zeppelin: Den Bund fürs Leben können Paare in Deutschland an ganz außergewöhnlichen Orten knüpfen – manchmal sogar mit tierischen Trauzeugen

Berlin (dpa) – Es soll der schönste Tag im Leben der Verliebten werden: Zur Hochzeit suchen sich viele Paare deshalb ganz besondere Orte. Ein Überblick über außergewöhnliche Plätze, um sich das Ja-Wort zu geben.

AM NÜRBURGRING: Mit Vollgas können Paare am Nürburgring in die Ehe düsen. Die Verbandsgemeinde Adenau und die Rennstrecke in der Eifel haben neben der Start- und Zielgeraden der Grand-Prix-Strecke ein lärmgeschütztes Trauzimmer eingerichtet. Nur zweimal in diesem Jahr sind hier den Angaben zufolge Vermählungen mit Blick auf die Asphaltschleife möglich: am 12. Juli und 11. Oktober. Von 2020 an sollen Eheschließungen mit Motorsport-Flair auch an vier Tagen im Jahr möglich sein.

UNTER TAGE: Auch in zahlreichen Industriedenkmälern im Ruhrgebiet kann man inzwischen heiraten. Besonders begehrt sind Termine auf der Welterbestätte Zeche Zollverein: Rostiger Stahl und historische Förderbänder bilden dort die Kulisse für die Brautgesellschaft. Wen es zur Hochzeit in einen alten Stollen zieht, der ist im Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten gut aufgehoben: 60 Meter weit geht es in den Berg hinein – allerdings mit Schutzhelm und Bergmannskittel: «Bedenken Sie bitte, dass das Tragen der Helme Auswirkungen auf die Frisur haben kann», heißt es auf der Internetseite.

IM ZEPPELIN: In Friedrichshafen am Bodensee kann man beim Heiraten den festen Boden unter den Füßen verlieren. Die Stadt bietet unter anderem Trauungen im Zeppelin an. Allerdings gibt es dabei eine kleine Einschränkung: Die Trauung selbst erfolgt zwar in der Gondel, allerdings während das Luftschiff noch am Boden ist. Damit die Trauung rechtskräftig wird, muss nämlich klar sein, in welchem Standesamtsbezirk sie vollzogen wurde, wie es von der Stadt heißt.

MIT TIERISCHEM TRAUZEUGEN: In Köln können sich Paare im Beisein von Elefanten das Ja-Wort geben. Möglich ist das auf der Besucherempore des Elefantenparks des Zoos. Die Stadt, die dort eine Außenstelle des Standesamts unterhält, verspricht Heiratswilligen: «Für Paare, die das exotische Ambiente wünschen, ist dieser Ort genau das Richtige.» Zu der Exotik mag auch beitragen, dass es in einem Elefantenpark naturgemäß etwas anders riecht als in einem Rathaus. Und dass die «größten Trauzeugen der Erde» unter Umständen andere Termine haben. «Es wird ausdrücklich auf die nicht gesicherte Anwesenheit der Elefanten hingewiesen», heißt es von der Stadt.

AUF KLEINSTEM RAUM: Eng zusammenrücken muss man in Triberg im Schwarzwald: Nur 1,5 Quadratmeter misst eines der kleinsten Trauzimmer Deutschlands in einem vor mehr als 400 Jahren erbauten Hotel.

GIPFEL DES GLÜCKS: Bergstiefel statt Pumps: Einmal im Monat fährt ein Standesbeamter aus Garmisch-Partenkirchen hinauf auf die Zugspitze (2962 Meter). Etwa 60 Paare heiraten jährlich auf Deutschlands höchstem Gipfel. In Baden-Württemberg kann auch auf der Spitze des Feldbergs auf rund 1500 Metern geheiratet werden. Einziger Haken: Mit dem Auto erreicht man den Ort nicht – dafür gibt es aber eine besondere Hochzeitsgondel, die das Brautpaar auf den Gipfel bringt.

AUF DEM LEUCHTTURM: Wetterkapriolen und harte Holzbänke – die Hochzeit auf dem Pilsumer Leuchtturm in Ostfriesland ist eher etwas für den rustikalen Geschmack. Dafür werden das Hochzeitspaar und die Gäste aber mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt: Wenn die Sicht gut sei, könne das frisch getraute Paar bis Borkum, Juist und Norderney schauen, sagt der Standesbeamte Ralf Kalkwarf.

IM FUSSBALLSTADION: Im fußballverrückten Westen der Republik zählen auch Bundesliga-Stadien zu beliebten Heiratsorten. Königsblaue Fußballfans können sich etwa in der stadioneigenen Kapelle auf Schalke trauen lassen. Und auch die schwarz-gelben Kontrahenten wollen da mithalten: Fans von Borussia Dortmund können sich im Signal-Iduna-Park das Ja-Wort geben – Sektempfang am Rasenrand oder Nutzung der Südtribüne sind möglich.

AUF DER FESTUNG: Sogar Hollywood hat schon ein Auge auf die Festung Rosenberg im oberfränkischen Kronach geworfen – erst kürzlich diente sie einem Filmteam als Kulisse. Aber auch verliebte Paare können dort ihren besonderen Tag verbringen. 2018 verzeichnete das örtliche Standesamt 142 Eheschließungen, davon wurden 77 auf der Festung vollzogen. Diese Option wird seit dem Jahr 2000 angeboten, wie ein Sprecher der Stadt sagte. Seitdem gehe die Zahl kontinuierlich nach oben.

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Sport

«Nicht mein Bestes»: Vettel ohne Chance gegen Mercedes-Übermacht

Mercedes dominiert weiter die Formel 1. In einem spannungsarmen Rennen in Baku gewinnt Valtteri Bottas vor Lewis Hamilton. Für Sebastian Vettel bleibt nur Platz drei.

Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix von Aserbaidschan: Der Erstplatzierte Valtteri Bottas (l) aus Finnland vom Team Mercedes und der Drittplatzierte Sebastian Vettel aus Deutschland vom Team Ferrari jubeln nach dem Rennen. Foto: dpa

Von Thomas Wolfer und Christian Hollmann

Baku (dpa) – Voller Respekt klopfte Sebastian Vettel dem neuen WM-Spitzenreiter Valtteri Bottas auf die Schulter, dann tätschelte er Lewis Hamilton kurz den Rücken. Gegen die Mercedes-Übermacht war der Ferrari-Star auch in den Häuserschluchten von Baku chancenlos und verliert den fünften Formel-1-Titel schon früh aus den Augen. «Für uns ist noch eine Menge Arbeit zu tun, wir haben einige Hausaufgaben bekommen», sagte Vettel. Hinter Bottas und Titelverteidiger Hamilton war der Hesse am Sonntag in Aserbaidschan als Dritter ins Ziel gekommen und liegt in der WM nun schon 35 Punkte zurück.

Die Silberpfeile fuhren im vierten Saisonlauf den vierten Doppelerfolg ein – ein erdrückender Startrekord. «Es war ein hartes Rennen. Lewis hat die ganze Zeit Druck gemacht, aber ich hatte es unter Kontrolle», sagte Bottas. Für den von der Pole Position gestarteten Finnen war der fünfte Grand-Prix-Erfolg auch etwas Genugtuung nach dem Pech der Vorsaison, als ihn eine Reifenpanne kurz vor Schluss in Baku den Sieg kostete.

Mit einer fehlerfreien Vorstellung holte er sich nach dem Auftaktsieg in Melbourne zum zweiten Mal in diesem Jahr Platz eins und stockte sein Konto auf 87 WM-Zähler auf. Hamilton hat als Zweiter einen Punkt weniger. «Valtteri hat ein fantastisches Rennen gezeigt, sich keine Fehler geleistet und den Sieg verdient», sagte der Fünffach-Champion und freute sich trotz des verpassten Siegs: «Das ist der stärkste Saisonstart, den wir jemals hatten. Darauf bin ich wirklich stolz.»

Vettel ist mit 52 Punkten nun Dritter. Doch das ist keineswegs der Platz, den der viermalige Weltmeister und Ferrari anpeilen. Nach den Enttäuschungen der Vorwochen verlief auch der vierte Grand Prix für die Scuderia wieder alles andere als nach Plan. Neuzugang Charles Leclerc, der im Training noch der Schnellste gewesen war, vergab durch einen Unfall in der Qualifikation die erhoffte Pole Position. Die schnellste Rennrunde und ein Zusatzzähler für die WM war da nur ein kleiner Trost für den am Ende fünftplatzierten Monegassen.

«Wir müssen nach vorne schauen und einfach schneller werden», sagte Vettel, der offen zugab: «Ich merke, dass ich gerade nicht mein Bestes zeige.» Auch der Ferrari tut das nicht, und so war von der vermeintlichen Überlegenheit des Scuderia-Motors nicht viel zu sehen.

Am Start war für Vettel kein Vorbeikommen an den Silberpfeilen. Bottas verteidigte geschickt Platz eins vor Hamilton und fuhr schnell ein kleines Polster auf den Briten heraus. Auf Vettel betrug der Vorsprung des Finnen nach zehn Runden bereits satte zehn Sekunden. Deutlich besser lief es in dieser Phase für seinen Teamgefährten Leclerc. Von Startplatz acht führte der Monegasse eine starke Aufholjagd auf und lag später sogar zwischenzeitlich vorne, weil er anders als das Toptrio mit der härteren und damit länger haltbaren Reifenmischung losgefahren war.

Gegen die Silberpfeile reichte es aber nicht. Zwei der zuvor drei Rennen am Kaspischen Meer hatte das Werksteam gewonnen. 2016 siegte Nico Rosberg auf dem Weg zu seinem WM-Titel, im Vorjahr profitierte Lewis Hamilton vom Pech seiner Rivalen und gewann. Ferrari und Vettel verbinden eher Frust-Erlebnisse mit Baku. 2017 entlud sich der Ärger des Hessen sogar in einem Rammstoß gegen Hamilton.

In einem lange spannungsarmen Rennen nahm Vettel am Ende noch einmal Schwung für die Jagd auf Hamilton. Doch gegen die Mercedes war für den 31-Jährigen einmal mehr nichts auszurichten. «Sie waren sehr stark», musste Vettel anerkennen. Mit Blick auf den nächsten Grand Prix in zwei Wochen in Barcelona sei Ferrari nun «kein Favorit mehr», obwohl die Italiener dort vor der Saison bei den Testfahrten dominiert hatten. «Wir müssen sie jagen», sagte Vettel angesprochen auf die nächsten Rennen: «Es wird sehr schwierig, sie einzufangen und die Sache noch herumzudrehen.»

Bottas und Hamilton gehen das erste Europa-Rennen in Spanien derweil mit viel Optimismus an. «Es ist unglaublich, auf welchem Level wir performen. Das ist sehr, sehr gut und fühlt sich sehr gut an», sagte Bottas. Ihn ärgerte ein wenig, dass die starken Leistungen nur auf das starke Auto reduziert werden. «Nach vier Rennen kann man sagen, das ganze Team macht eine ausgezeichnete Arbeit», sagte Bottas. Und Hamilton ergänzte: «Alle arbeiten ohne Pause, der Hunger ist immer noch da. Ich bin stolz auf alle.»

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Feuilleton

Trauer um Hannelore Elsner – Schauspielerin mit 76 Jahren gestorben

ARCHIV – 02.07.2015, Bayern, München: 
Die Schauspielerin
Hannelore Elsner lächelt beim Emfang des FilmFernsehFonds Bayerns (FFF).                   Foto: dpa

Sie war eine von Deutschlands großen Kino-Diven und für den Bundesaußenminister eine «Ikone des deutschen Films». Am Ostersonntag ist Hannelore Elsner gestorben.

München/Frankfurt (dpa) – Hannelore Elsner, eine der markantesten deutschen Schauspielerinnen, ist tot. Wie der Anwalt der Familie am Dienstag mitteilte, starb sie am Ostersonntag im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Zuvor hatten auch «Bild»-Zeitung, «tz» und Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet.

Elsner, am 26. Juli 1942 im oberbayerischen Burghausen geboren, starb in einem Münchner Krankenhaus. Die Charakterdarstellerin galt als eine der großen Diven des deutschen Nachkriegsfilms. Sie wirkte in mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen mit. Im Fernsehen war Elsner als «Die Kommissarin» (1994-2006) besonders erfolgreich. Zuletzt lebte sie in Frankfurt, wo sie in dem populären ARD-Krimi auch als TV-Ermittlerin im Einsatz war. Elsner erhielt zahlreiche Preise – ihren ersten mit 29 Jahren. Im Kino schaffte sie ihren großen Durchbruch mit «Die Unberührbare» (2000). Der Film erzählt von den letzten Jahren der Schriftstellerin Hanna Flanders und lehnt sich eng an die Vita der Schriftstellerin Gisela Elsner an. Erste Bühnen-Engagements hatte Elsner einst am Theater an den Münchner Kammerspielen und an der Kleinen Komödie München.

Hannelore Elsner, die die Schauspielschule in München absolvierte, hatte ein bewegtes Leben. Ihr älterer Bruder und ihr Vater starben, als sie noch ein kleines Mädchen war. Später scheiterten mehrere Partnerschaften. Aus der Verbindung mit dem Hamburger TV-Regisseur Dieter Wedel stammt Elsners 1981 geborener Sohn. Die Schauspielerin engagierte sich auch gesellschaftspolitisch – unter anderem in einem Förderverein gegen das Vergessen des Holocaust.

«Hannelore Elsner hat die deutsche Kino- und Fernsehwelt geprägt wie keine andere», erklärte Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender der Filmgesellschaft Constantin in München.

Die Münchner Regisseurin Doris Dörrie würdigte Elsner «als eine große Abenteuerin, die sich mit Neugier, Hingabe und Tapferkeit in jede Rolle und in ihr Leben gestürzt hat». Dörrie hatte zuletzt «Kirschblüten & Dämonen» mit Elsnergedreht. Der Film war erst im März in die Kinos gekommen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete Elsner im Kurznachrichtendienst Twitter als «Ikone des deutschen Films». «Sie war eine großartige Künstlerin und Persönlichkeit», twitterte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). «Bayern trauert um Hannelore Elsner.»

Eine ihrer letzten Arbeiten ist am 8. Juni erstmals im TV zu sehen: In der ARD-Komödie «Club der einsamen Herzen» spielen Elsner, Uschi Glas und Jutta Speidel drei Freundinnen, die sich aus den Augen verloren hatten. Das Trio will ein eigenes Tanzcafé eröffnen – ein Traum aus Jugendtagen. Das Erste: «Ein Fernsehfilm über drei Freundinnen, die es noch einmal wissen wollen.»

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Gesundheit/Umwelt

WHO schlägt Alarm: Masernfälle weltweit 2019 vervierfacht

Ansteckung könne durch zweimaliges Impfen verhindert werden.                                           Foto: dpa

Genf (dpa) – Nach zahlreichen Masern-Ausbrüchen weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für 2019 erste alarmierende Zahlen vorgelegt. Die Zahl der von Januar bis März gemeldeten Fälle liege viermal so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtete die WHO jetzt in Genf. 170 Länder meldeten demnach zusammen rund 112 000 Erkrankungen, verglichen mit 28 000 im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Zahl liege noch deutlich höher, warnte die WHO. Sie geht davon aus, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Fälle nach vorläufigen WHO-Zahlen verdoppelt. Eine WHO-Expertin schätzte die tatsächliche Gesamtzahl für 2018 auf mehr als zwei Millionen. Bis 2016 war die Zahlen weltweit noch rückläufig.

Masern seien eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und potenziell lebensgefährlich, so die WHO. 2017 seien nach Schätzungen 110 000 Menschen daran gestorben. Betroffen seien meist kleine Kinder, derzeit unter anderem in Madagaskar, auf den Philippinen, im Kongo und in der Ukraine. Überlebende könnten Hirnschäden davontragen oder blind und taub werden. Die Ansteckung könne durch zweimaliges Impfen verhindert werden, aber nur 85 Prozent der Menschen weltweit erhielten die erste und 67 Prozent die zweite Impfung.

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach knapp 930 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 etwa 540 Fälle gemeldet. In diesem Jahr könnte es wieder hohe Fallzahlen geben, die meisten Fälle wurden bisher aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern gemeldet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen ausgesprochen.

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Reise

Expeditionsschiff «World Explorer»

Die «World Explorer» von Nicko Cruises» ist ein Expeditionsschiff für 200 Gäste. Foto: dpa

Viana do Castelo (dpa) – Die «World Explorer» ist ein Expeditionsschiff, Eisklasse 1b. Guido Laukamp gibt sich bescheiden: «Unser erstes Hochseeschiff ist ja eigentlich nur Flusskreuzfahrt auf Wellen», sagt der Geschäftsführer von Nicko Cruises. Die Schiffe des Anbieters fahren bisher auf Donau und Rhein, Douro und Wolga, und auf vielen anderen Strömen. Nun fährt eines auf den Meeren: die «World Explorer». Maximal 200 Gäste können auf dem 126 Meter langen Schiff mitfahren. Drei Passagierdecks gibt es, mit Kabinen in Holz- und Beigetönen zwischen 17 und 41 Quadratmetern Fläche. Sauna, Whirlpool an Deck und einen beheizten Außenpool gibt es ebenfalls. Nicko Cruises vermarktet die kleine «World Explorer» als Schiff, das Routen fahren kann, die für größere Bauten unmöglich sind. «Den Guadalquivir nach Sevilla hoch schaffen es die wenigsten Schiffe, oder durch die Tower Bridge mitten hinein ins Herz von London», gibt Laukamp als Beispiele. Die Reiseziele entlang der Strecke stehen im Vordergrund, die Ausflüge und Landgänge, nicht das Bordleben und Entertainment – eben wie bei einer Flusskreuzfahrt.

Wer auf der «World Explorer» in die Antarktis möchte, in das klassische Expeditionsziel also, der muss bei Quark Expeditions mit Sitz in Seattle mitfahren, die das Schiff zumindest in der kommenden Wintersaison gechartert haben. Einige dieser Reisen macht Nicko Cruises für deutsche Gäste buchbar, auch deutschsprachige Expeditionsbegleiter sind dann dabei. Doch die «World Explorer» fährt in der Antarktis vor allem für nordamerikanische Gäste.

Expeditionskreuzfahrten auf kleinen Schiffen als Gegentrend zum Massenurlaub auf einer der schwimmenden Ferienanlagen von Aida und Co. boomen derzeit. Mit den neuen Expeditionsschiffen von Hapag-Lloyd Cruises hat die «World Explorer» aber starke Konkurrenz.

Dass Expeditionskreuzfahrten auf kleinen Schiffen allerdings nie günstige Seereisen sind, das wissen interessierte Kunden.

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Paradies Pontevedra: «Stadt ohne Autos» ein Vorbild für Deutschland?

Spanien, Pontevedra:Die Bildkombo zeigt den Platz Curros Enrique im Jahr 1999 (l) und den Platz Curros Enrique im Jahr 2019.                                 Foto: dpa

Von Emilio Rappold

Pontevedra (dpa) – Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther träumt von einer Hauptstadt ohne Autos. «Wir möchten, dass die Menschen ihr Auto abschaffen», sagte die Klimaexpertin jüngst. Eine Utopie? Ein Blick nach Spanien zeigt, dass eine solche ebenso ehrgeizige wie umstrittene Vision nicht unbedingt Wunschvorstellung bleiben muss. In der Provinzhauptstadt Pontevedra im Nordwesten des Landes kommen die Menschen seit 20 Jahren fast immer ohne Wagen aus. 1999 wurde der Autoverkehr dort weitgehend aus der Innenstadt verbannt.

Bewohner sprechen von einem «Paradies». Besucher wie der Journalist Stephen Burgen vom britischen «Guardian» stellen verwundert fest, dass die Menschen in der galicischen Stadt auf den Straßen «nicht schreien» (müssen), dass ungewöhnlich viel miteinander geredet und gelacht wird und dass man «das Zwitschern der Vögel inmitten der Kamelien» und «das Klirren der Löffel in den Kaffeetassen» hört. «Bei uns ist der Fußgänger König», meint Bürgermeister Miguel Anxo Fernández Lores im Interview der Deutschen Presse-Agentur stolz.

Motorenlärm ist im modernen städtischen Leben kaum wegzudenken. In immer mehr deutschen Städten drohen zwar Fahrverbote, in einigen wurde sie schon durchgesetzt. Seit Kurzem dürfen in Stuttgart Diesel mit Euro-Norm-4 oder schlechter nicht mehr in der Innenstadt fahren. Aber wäre im «Autoland» eine so radikale Verbannung wie in Pontevedra überhaupt mach- oder durchsetzbar? Bürgermeister Fernández Lores ist davon überzeugt, dass viele Teile seines Konzepts auch von den großen Metropolen kopiert werden können.

Doch wie funktioniert es in Pontevedra? Im Zentrum der Stadt am «portugiesischen Jakobsweg» und dem Atlantischen Ozean sieht man heute zwar hier und da noch Autos, aber nur wenige. Es sind Lieferwagen sowie Fahrzeuge von Anwohnern und des öffentlichen Nahverkehrs. Für sie alle gilt seit dem Jahr 2010 Tempo 30. Es gibt kaum Ampeln und Verkehrszeichen und nur selten klar definierte Fahrbahnen und Radwege, denn der Fußgänger hat in der gesamten Altstadt mit den vielen religiösen und anderen Gebäuden aus den Epochen der Gotik, der Renaissance und des Barocks immer Vorrang.

Das System funktioniert unter anderem auch deshalb, weil an den Zufahrtsstraßen zum Zentrum rund 15 000 Parkplätze geschaffen wurden, von denen über die Hälfte gratis sind. In der Innenstadt gibt es nochmal eintausend Parkplätze, die man kostenlos, aber nur für höchstens 15 Minuten benutzen darf, wenn man als Anwohner oder Lieferdienst größere oder schwerere Dinge verladen muss.

Wo es früher in der Innenstadt Parkplätze gab, entstanden im Laufe der Jahre viele Sport- und Spielplätze sowie Grüngebiete. Hinweistafeln, die an U-Bahn-Streckenpläne erinnern und «Metrominuto» heißen, zeigen, wie weit es zu den 30 wichtigsten Punkten der Stadt ist und wie lange man bis dahin zu Fuß braucht.

«Ich habe in Madrid und anderen Städten gewohnt. Das hier ist für mich wie das Paradies», wurde eine Bewohnerin namens Raquel García vom «Guardian» zitiert. Auch bei Regen (und in Galicien fällt viel Wasser vom Himmel) unternehme sie alles zu Fuß. Die Zufriedenheit wird von Zahlen untermauert: Die CO2-Emissionen gingen nach Angaben der Stadt zwischen 1999 und 2014 um 67 Prozent zurück. Seit 2007 gibt es in den verkehrsberuhigten Stadtbereichen keinen einzigen Verkehrstoten mehr. Zwischen 1999 und 2006 waren es 30.

Mehr Zahlen: Während die Berliner 2018 nach Berechnungen des Verkehrsdatenanbieters Inrix im Schnitt 154 Stunden durch dichten Verkehr und Stau einbüßten, werden in Pontevedra über 90 Prozent aller Einkäufe zu Fuß getätigt. Rund 80 Prozent aller Schüler gehen zu Fuß zum Unterricht. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) aller Fortbewegungen geschehen zu Fuß oder mit dem Rad. Die Zahl der Fahrzeuge ging in der Innenstadt von 80 000 auf 7000 zurück.

Leicht war der Weg keinesfalls. «Die PP», das ist die konservative Volkspartei, «ist gegen unsere Pläne sogar vor Gericht gezogen», erzählt der Bürgermeister. «Da es keine Präzedenzfälle gab, hatten zudem viele Menschen aufgrund der Unkenntnis Angst vor den Neuerungen.»

Jene Ladenbesitzer, die anfangs noch in relativ großer Zahl protestiert und geschimpft und eine Senkung ihrer Einnahmen befürchtet hatten, reiben sich heute die Hände. Dazu gehört Miguel Lago. Er sei sehr skeptisch gewesen, räumte Lago gegenüber der Zeitung «El País» ein. Inzwischen wisse er aber: «Wichtig ist vor allem, wie viele Menschen zu Fuß an deinem Laden vorbeigehen.» In kaum einer anderen Stadt Spaniens entstanden am Stadtrand und in den Vororten so wenige großflächige Einkaufszentren wie hier.

Die Menschen in Pontevedra seien glücklicher und gesünder als vor 20 Jahren, versichert Bürgermeister Fernández Lores. «Es ist offensichtlich, dass man in einer Umwelt mit weniger Stress, Verschmutzung, Aggressivität und Verkehrsgewalt mehr vom Leben hat und gesünder lebt.» Der 64 Jahre alte Arzt, der bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahrzehnten sofort gegen den damaligen weltweiten Strom schwamm und Verkehrsreformen in die Wege leitete, muss in der Tat vieles richtig gemacht haben. Denn der Politiker der links-grünen Partei Nationalistischer Galicischer Block (BNG) wird seitdem in der einst erzkonservativen Stadt immer wieder zum Rathaus-Chef gewählt.

Viele Kollegen von Fernández Lores werden sagen: «In einer Stadt mit 83 000 Einwohnern ist das alles kein Kunststück.» Und vielleicht behaupten, dass das Modell nicht auf größere Städte übertragbar sei. Aber nicht alle denken so. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo war beim Forum Smart City in der französischen Hauptstadt von den Ausführungen des Arztes im vorigen November so überwältigt, dass sie den Spanier als «Bahnbrecher» bezeichnete.

Hidalgo, die ihre Stadt bis 2030 von Autos mit Verbrennungsmotoren komplett befreien möchte, stellte auch einen Besuch in Pontevedra in Aussicht und sagte, sie wolle von Fernández Lores und der Stadt so viel wie möglich lernen. Nicht nur Jakobspilger, sondern immer mehr Stadtplaner geben sich inzwischen im mehrfach ausgezeichneten Pontevedra die Klinke in die Hand. «Unsere Philosophie sollte unverändert auch von größeren Städten, mit Einsatz von U-Bahnen und Bussen übernommen werden», heißt es im Rathaus von Pontevedra.

Fernández Lores ruht sich derweil auf den Lorbeeren nicht aus. Es gebe immer neue Herausforderungen und Ziele. «Wir sind gerade dabei, das Modell in die gesamte Provinz Pontevedra, die 900 000 Einwohner hat, zu exportieren», erzählte er der dpa.

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