04. September 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Mehr als 10 000 Seehunde in Niedersachsens Wattenmeer gezählt

Weniger Touristen, optimales Wetter: Bei der Seehundzählung in diesem Sommer im niedersächsischen Wattenmeer ist das zweite Jahr infolge die 10 000er-Marke geknackt worden.

Seehunde robben von der Ostspitze der Insel Juist ins Wasser. Bei der Seehundzählung in diesem Sommer im niedersächsischen Wattenmeer ist das zweite Jahr infolge die 10 000er-Marke geknackt worden – bei den 15 Flügen zwischen Juni und August wurden 10 277 Seehunde zwischen Ems und Elbe gezählt. Foto: dpa

Oldenburg (dpa) – Weniger Touristen, optimales Wetter: Bei der Seehundzählung in diesem Sommer im niedersächsischen Wattenmeer ist das zweite Jahr infolge die 10 000er-Marke geknackt worden. Bei den 15 Flügen zwischen Juni und August wurden 10 277 Seehunde zwischen Ems und Elbe gezählt, wie das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es 10 382, davon über 2 600 Jungtiere. Der Nachwuchsbestand sei konstant hoch geblieben.

Grund dafür sei, dass die Wetterbedingungen während der Geburts- und Aufzuchtphase im Juni optimal gewesen seien. Aber auch der coronabedingte spätere Tourismus-Start habe sich vermutlich positiv auf den Tierbestand ausgewirkt: Die Seehunde seien dadurch wesentlich weniger von Menschen gestört worden. Störungen könnten Fluchtreflexe auslösen. Je öfter dies passiere, desto größer sei die Gefahr, dass Jungtier und Mutter voneinander getrennt würden und es zu einer Unterernährung bei den Jungen komme. 

«Insgesamt gesehen machen die Seehunde einen gesunden und vitalen Eindruck», sagte Laves-Präsident Eberhard Haunhorst. Seit 1958 wird der Bestand in Niedersachsen systematisch erfasst. Bis 1972 wurde von Schiffen aus gezählt, seither werden Flugzeuge dafür eingesetzt.

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Sport

«Keine echten Runden» im Regenchaos: Verstappen gewinnt Spa-Miniatur

Spa 2021 geht in die Formel-1-Geschichtsbücher ein. Wegen Dauerregens muss stundenlang auf einen Rennstart gewartet werden. Eine Notversion des ersten Grand Prix nach der Sommerpause gewinnt schließlich Max Verstappen. Wahre Freude sieht anders aus

Max Verstappen aus den Niederlanden vom Team Red Bull Racing steuert sein Auto hinter dem Safety Car. Verstappen hat eines der skurrilsten Rennen in der Geschichte der Formel 1 gewonnen. Nach mehrstündiger Wartezeit wegen Dauerregens konnte er in den Sieg einstreichen, nachdem lediglich zwei Rennrunden hinter dem Safety Car gefahren werden konnten. Foto: dpa

Von Thomas Wolfer und Martin Moravec
Spa-Francorchamps (dpa) – Im Ekel-Wetter von Spa verspritzte Max Verstappen seinen Sieger-Champagner ziemlich lustlos. Nach XXL-Wartezeit im Regenchaos entschied der Pole-Mann von Red Bull den nach Runden kürzesten und zugleich einen der skurrilsten Grand Prix der Formel-1-Geschichte für sich. Über seinen Erfolg im Schleich-Tempo hinter dem Safety Car freute er sich aber nur gequält.

«Es ist natürlich sehr schade, dass wir keine echten Runden fahren konnten, weil die Bedingungen so knifflig waren», sagte Verstappen in seine Regenjacke gepackt. «Das ist ein Sieg, den man sich nicht wünscht, aber großes Kompliment an die Fans.»

Mehr als dreieinhalb Stunden nach dem ursprünglich angesetzten Rennstart wurde Mercedes-Pilot Lewis Hamilton als Dritter gewertet und verteidigte die WM-Führung bei Nebel und Regen. «Ich hoffe, dass die Fans ihr Geld zurückbekommen», regte er an.

In der Ardennen-Dusche bescherte George Russell dem Williams-Team nach seinem sensationellen zweiten Platz in der Qualifikation ein fast schon vergessenes Erfolgserlebnis. Da hinter dem Safety Car nur eine Mindestrundenzahl absolviert werden konnte, gab es auch nur die halbe Punktzahl. Somit führt Hamilton (202,5 Punkte) hauchdünn vor Verstappen (199,5) das WM-Klassement an.

Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel kurvte in der Gischt von Belgien als Fünfter über die Ziellinie, Mick Schumacher belegte im Haas Position 16. «Während der Fahrerparade hat man schon Mitleid mit den Fans gehabt», meinte Vettel. Eine vergleichbare Mini-Version eines Grand Prix hatte es 1991 in Adelaide gegeben, als ebenfalls wegen Regens schon nach 14 Runden Schluss war.

Jubel unter den 75 000 wacker ausharrenden Fans brach aus, als der Rennstart schließlich für 18.17 Uhr angesetzt wurde. Nur neun Minuten später wurden aber erneut Rote Flaggen geschwenkt. Verstappen & Co. fuhren nicht mehr auf den Asphalt. Der Niederländer feierte somit seinen 16. Grand-Prix-Erfolg.

Das Wetter sorgte für Riesenkonfusion. Nicht erst am Renntag. In der Qualifikation erwischte es McLaren-Fahrer Lando Norris, der nach der legendären Kurve Eau Rouge in die Streckenbegrenzung krachte. Der Wagen des Briten wurde schwer beschädigt, der 21-Jährige selbst trug nur eine Prellung am Ellenbogen davon.

Im strömenden Regen raste Verstappen unter dem Jubel tausender niederländischer Fans zu seiner neunten Pole Position. Hamilton musste sich sogar hinter dem Sensationszweiten Russell im Williams einreihen, der 2022 sein neuer Teamkollege werden und damit den Finnen Valtteri Bottas ablösen dürfte. Vettel sicherte sich mit Position fünf seinen besten Startplatz der Saison.

Der Regen fiel aber unaufhörlich und es wurde immer dunkler. Als längstes Rennen der Formel-1-Geschichte wird Kanada gewertet. 4:04:39.537 Stunden steht in den offiziellen Ergebnislisten der Motorsport-Königsklasse. Geschehen am 12. Juni 2011 im kanadischen Montréal, als das Rennen wegen Regens zwischenzeitlich mehr als zwei Stunden unterbrochen worden war.

Noch vor dem geplanten Rennstart in Spa um 15.00 Uhr, traf es Verstappens Teamkollegen Sergio Perez. Der Mexikaner demolierte sich bei einem Einschlag die Vorderradaufhängung seines Red Bull.

«Ich kann echt nichts sehen», meinte Hamilton nach den 25 Minuten Wartezeit, als die Piloten hinter dem Safety Car doch auf die Formationsrunde gingen. Um 15.31 Uhr wurden jedoch Roten Flaggen gezeigt, die Autos kehrten wegen gefährlicher Streckenbedingungen an die Box zurück. Nun war wieder Warten angesagt.

Eine Verschiebung auf Montag – wie es sie in der Geschichte der Formel 1 schon gegeben hat – kam nicht infrage, da bereits am kommenden Sonntag im niederländischen Zandvoort der nächste Grand Prix angesetzt ist und der Tross weiterziehen muss.

Die Frage war nun: Kann der Grand Prix seine Drei-Stunden-Frist einhalten, innerhalb derer das Event über die Bühne gehen muss, um zumindest teils auch gewertet zu werden? Die Uhr tickte. «Im Moment sieht es echt schlecht aus, einfach weil es soviel regnet», sagte Haas-Fahrer Schumacher, dessen Vater Michael vor 30 Jahren in Belgien sein Formel-1-Debüt gefeiert hatte.

Die Rennkommissare setzten schließlich die Drei-Stunden-Frist wegen höherer Gewalt vorübergehend aus, um Handlungsspielraum zu gewinnen und zumindest 60 Minuten fahren zu lassen.

An eine volle Punktzahl für die Fahrer war längst nicht mehr zu denken. Halbe Punkte gibt es, wenn der Führende mehr als zwei Runden, aber weniger als 75 Prozent der Renndistanz absolviert. In Spa werden regulär 44 Runden á 7,004 Kilometer gefahren. Dann kamen sogar Kehrmaschinen auf den Asphalt, um das stehende Wasser zu entfernen. Verstappen führte das Rennen hinter dem Safety Car zuende.

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Feuilleton

Marianne Koch wurde 90

ARCHIV – 14.11.2014, Bremen: Die Moderatorin und Ärztin Marianne Koch nimmt an einer Talkshow teil. Foto: picture alliance / dpa

München (dpa) – Ihre Hollywood-Karriere hat Marianne Koch einst für die Medizin aufgegeben. Als Autorin und Moderatorin klärt sie über Gesundheitsthemen auf und gibt Tipps für eine gesündere Lebensweise. Dabei geht sie mit gutem Beispiel voran – dass Marianne Koch am Donnerstag (19. August) ihren 90. Geburtstag feierte, sah man ihr gar nicht an. Ruhestand ist ein Fremdwort für die umtriebige Medizinerin. Gerade hat sie ein neues Buch geschrieben mit dem passenden Titel «Alt werde ich später». Sie selbst gehe mit dem Älterwerden gelassen um, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur kurz vor ihrem Ehrentag. Ein wenig komisch fühle sich die Zahl 90 aber dennoch an. Mit Familie und Freunden ging sie am Geburtstag abends in ihr Lieblingslokal zim Essen. Kochs wichtigste Tipps, um auch im Alter fit zu bleiben? Ausgewogene Ernährung, wenig Zucker, kaum Alkohol und stattdessen viel Bewegung und vor allem soziale Kontakte. Denn: «Einsamkeit macht krank, körperlich und seelisch.»

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Gesundheit

Fruchtzucker kann Darm in Aufruhr versetzen

Lecker Obstteller, richtig gutes Zeug: Dem Bauch zuliebe isst man lieber nicht alles auf einmal. Foto: dpa

Baierbrunn (dpa) – Wer sich auf dem Obstteller zu beherzt bedient, riskiert Verdauungsprobleme wie Bauchweh, Blähungen und Durchfall. Der Fruchtzuckergehalt von einem Pfund Kirschen, einem halben Liter Apfelsaft oder 350 Gramm Trauben überfordere jeden Darm. Das berichtet die Zeitschrift „Apotheken Umschau“ (Ausgabe 8B/21). Ob man danach wirklich Beschwerden bekomme, hänge neben der Zusammensetzung der Nahrung aber auch von der Empfindlichkeit der Darmschleimhaut sowie der Zusammensetzung der Darmbakterien ab.

Manche Menschen vertragen schon kleine Obstmengen kaum. In dem Fall könnte eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegen. Hier kommt ein Großteil der Fruktose unverdaut in untere Darmbereiche und sorgt so für Probleme – weil sie dort fermentiert wird und sich Gase bilden. „Oft so viel, dass Patienten sich wie aufgepumpt fühlen und zum Teil heftige Bauchschmerzen haben“, beschreibt die Ernährungsmedizinerin Prof. Anja Bosy-Westphal in der Apotheken-Umschau.

Aufschluss darüber, ob das Obst die Bauchprobleme auslöst, gibt ein Ernährungstagebuch. Die Einträge helfen bei der Diagnose. Ganz auf Obst zu verzichten, ist aber nicht sinnvoll. Wer Probleme hat, sollte auf Fruchtsäfte verzichten und das Obst lieber zusammen mit Joghurt essen.

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Reise

Musik, Kultur, Lebensart: Sechs Gründe für den Salzburg-Besuch

Dem berühmten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, 
der in Salzburg geboren wurde, ist das Mozart-Denkmal am Mozartplatz gewidmet. 
   Foto: G.Breitegger/Tourismus Salzburg GmbH/dpa

Von Verena Wolff
Salzburg (dpa) – Salzburg ist vielen Menschen ein Begriff – als «die» Festspielstadt Österreichs, mit Promi-Events zu den Premieren der Salzburger Festspiele im Sommer und weiteren Festspielen zu Ostern, Pfingsten und anderen Gelegenheiten. Doch das ist längst nicht alles.

Klassische Musik gehört dazu in der Stadt an der Salzach, in der 1756 Wolfgang Amadeus Mozart das Licht der Welt erblickte. Aber auch moderne Musik. Und selbst Besucher, die so gar keinen Bezug zur Musik haben, können ein paar abwechslungsreiche Tage in der Barockstadt mit Unesco-Welterbestatus verbringen: sechs gute Gründe für einen Besuch der Stadt am Fuß der Alpen.

  1. Wolfgang Amadeus Mozart
    Klein war er, nicht besonders schön und ihm war wohl anzusehen, dass er als Kind die Pocken hatte: In Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse in Salzburg erfahren Besucher überraschende Dinge über den Mann, der als Wunderkind galt und mit fünf Jahren bereits die ersten Stücke komponierte. Er lebte mit den Eltern und seiner großen Schwester «Nannerl» im sogenannten Hagenauer Haus, der Hausnummer 9.
    Heute ist das ganze Haus ein Museum, in dem es nicht nur um den Musiker geht, sondern auch um die Zeit, in der er lebte. Besucher erfahren neben Fakten aus dem nicht immer einfachen Musikerleben auch jede Menge Sachen, die nur bedingt mit dem Werk Mozarts zu tun haben. Zum Beispiel, dass er in seinen kurzen 35 Lebensjahren rund zehn Jahre auf Reisen war. Genauer: 3720 Tage lang. In langsamen, harten, kalten Kutschen – fast überall in Europa.
  2. Mozartkugel
    Das Mitbringsel Nummer eins aus Salzburg ist die Mozartkugel: Marzipan, Pistazien, Nougat, dunkle Schokolade – und das alles perfekt geformt. Das ist die Erfindung von Paul Fürst. Der Konditor eröffnete 1884 am Alten Markt sein Geschäft, das sich schnell großer Beliebtheit erfreute und noch heute an derselben Stelle steht. Es war 1890 als er die Süßigkeit erstmals fertigte. Schon bald darauf erhielt er bei der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille dafür.
    Bis heute wird die Mozartkugel nach dem Originalrezept von Hand gerollt und an einem Holzspieß in die Schokolade getaucht. Denn Konditor Fürst wollte eine Kugel, perfekt rund. Zwar gibt es noch eine juristisch erstrittene «echte» Mozartkugel in rot-goldener Verpackung, die weder eine Kugel noch österreichisch ist. Aber das Original, betonen die Nachkommen von Konditor Fürst, ist in silber-blaue Folie gewickelt – seit 130 Jahren schon.
  3. Unesco-Welterbe
    Salzburg ist seit 1997 als Stadt mit «besonderem Wert für die Menschheit» und damit als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. 236 Hektar Fläche und mehr als 1000 Objekte umfasst das Erbe, dazu die lange Geschichte als Kunst- und Kulturmetropole.
    Die Stadt und ihre historischen Schätze rechts und links der Salzach sind leicht zu Fuß zu erkunden. Die ältere, linke Seite, in der die Getreidegasse, das Kaiviertel, der Festungsberg und der Mönchsberg zu finden sind, gehören zum Welterbe. Nicht nur jede Menge alter Gemäuer gibt es dort, sondern auch Traditionshandwerker und alteingesessene kleine Läden: Trachtenschneider, Hutmacher, eine Gerberei.
    Um sich einen guten Überblick über die Stadt zu verschaffen, lohnt es sich auch, den Festungsberg zu erklimmen – zu Fuß oder mit der Bahn. Oben thront seit 1077 die Festung Hohensalzburg, von der aus man nicht nur über die Dächer der Stadt sieht, sondern weit in das grüne Umland.
  4. Stadt im Grünen
    Salzburg zählt zwar nur gut 150 000 Einwohner, ist damit aber die viertgrößte Stadt Österreichs – und liegt mitten im Grünen. Der barocke Mirabellgarten ist das Schmuckkästchen der Innenstadt. In der Natur ist man aber auch bei einem Ausflug zum Schloss Leopoldskron oder zum Schloss Hellbrunn mit seinen Renaissance-Wasserspielen. Viele Orte sind mit dem Fahrrad zu erreichen – bei einer geführten Tour oder auf eigene Faust.
    Beeindruckend ist ein Ausflug ins Freilichtmuseum in Großgmain. Dort sind rund 100 Gebäude aus sechs Jahrhunderten erhalten, die zeigen, wie sich die Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie sowie das Leben der Bauern entwickelt hat.
    Übrigens: An den steilen Felsen der Stadt sind wild wachsende Bäume und Sträucher nicht gerne gesehen: Hier sorgen die Salzburger Felsputzer für Ordnung. Sie kümmern sich darum, dass die Wurzeln nicht den Stein der stadteigenen Berge sprengen.
  5. Salzburg für Kinder
    Musik, Kunst, Kultur – klingt für Kinder zunächst einmal anstrengend. Ist es aber nicht. Denn Salzburg hat jede Menge Kindgerechtes im Angebot. Für kleine Stadtforscher gibt es einen eigens aufgelegten Spaziergang mit «Little Amadeus» – eine Art Schnitzeljagd, die zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten führt.
    Ein Klassiker, nicht nur für Familien mit Kindern: das Salzburger Marionettentheater. Seit 1913 bereits werden dort berühmte Figuren wie die Königin der Nacht, Rumpelstilzchen oder der Kleine Prinz geschnitzt, bemalt, kostümiert und von zehn Puppenspielern im Theater zum Leben erweckt.
    Elisabeth Fuchs ist die Erfinderin der Kinderfestspiele – sie ist studierte Lehrerin, mit Leib und Seele Dirigentin und Gründerin der Philharmonie Salzburg. Sie inszeniert die Klassiker bei ihren Festspielen und Aufführungen so, dass auch schon Kleinkinder verstehen können, was auf der Bühne passiert.
  6. Die Musik
    Hugo von Hoffmannsthals «Jedermann», aufgeführt vor der Kulisse des Salzburger Doms, gehört zu den Salzburger Festspielen wie die Burg auf dem Festungsberg. Das «Spiel vom Sterben des reichen Mannes» brachte Regisseur Max Reinhardt am 22. August 1920 zum ersten Mal auf die Bühne – heute umfassen die Festspiele mehr als 150 Aufführungen an 17 Spielstätten.
    Doch es gibt nicht nur die auch bei den Einheimischen beliebten Festspiele, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum weiterfeiern. Es gibt auch Festspiele zu Pfingsten und Ostern. Letztere wurden vor mehr als 50 Jahren von Herbert von Karajan gegründet – und starten 2021 wegen der Pandemie am 29. Oktober mit Mozarts Requiem.
    Aber nicht nur Klassik-Fans kommen in Salzburg auf ihre Kosten. Auch Jazz, elektronische Musik und Volksmusik nehmen einen prominenten Platz in der Musikszene ein. Ebenso Hip-Hop und House, als Musik und als Tanz – das «Flavourama» gehört alljährlich zu den größten Battle-Veranstaltungen in Europa.

    Info-Kasten:
    Salzburg liegt im Norden Österreichs am Fuß der Alpen und grenzt unmittelbar an Deutschland. Der Name der Stadt und des Flusses Salzach kommen von den reichen Salzvorkommen in der Region.
    Anreise: Mit dem Auto aus Richtung München über die Autobahn 8. Mit dem Zug oder Flugzeug direkt in die Stadt, der Flughafen liegt im Stadtgebiet und ist der zweitgrößte Österreichs.
    Übernachtung: In Salzburg gibt es jede Art von Unterkunft – von traditionellen Hotels über moderne Häuser in alten Gemäuern bis zu Appartements und Ferienhäusern. Und weil Salzburg umgeben ist von Natur, kann man sogar auf dem Bauernhof wohnen und ist trotzdem innerhalb kurzer Zeit in der Altstadt.
    Einreise und Corona-Regeln: Touristen, die sich in den zehn Tagen vor Einreise nach Österreich ausschließlich in Deutschland aufgehalten haben, müssen bei der Einreise ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen. Ein Antigentest darf dabei nicht älter als 48 Stunden sein, bei einem PCR-Test darf die Probenentnahme nicht länger als 72 Stunden zurückliegen. Ein Genesenennachweis sowie ein Impfnachweis werden ebenfalls akzeptiert.
    Kann keiner der Nachweise vorgelegt werden, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes eine elektronische Registrierung erforderlich und ein Covid-19-Test spätestens 24 Stunden nach Einreise auf eigene Kosten nachzuholen.

    Internet:
    http://www.salzburg.info/de

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Sorge ums Grundwasser: Dreht uns die Trockenheit bald den Hahn zu?

Diese Rapspflanze hätte dringend Regen nötig. Foto: dpa

Cottbus (dpa) – Auf dem Aussichtsturm in 31 Meter Höhe stehen wie fast jeden Tag Neugierige, die ihren Blick über den Cottbuser Ostsee schweifen lassen. Der ehemalige Tagebau in Brandenburg – noch eine klaffende Wunde in der Landschaft – soll mit einer Wasserfläche von knapp 19 Quadratkilometern einmal der größte See Brandenburgs werden. Seit 2019 wird er geflutet, doch momentan fließt kein Wasser in das riesige Restloch.

Wegen zu geringer Niederschläge und Niedrigwasser der Spree ist die Flutung seit zwei Jahren zeitweise immer wieder ausgesetzt. Erst müssen Trinkwasserversorger, Binnenfischerei und Talsperren versorgt werden. Nach Angaben des Tagebaubetreibers Leag soll der Prozess zwischen 2026 und 2030 abgeschlossen sein. Doch ist dafür – auch angesichts der zunehmenden Klimaerwärmung – künftig noch genügend Wasser da? Die Trockenheit macht auch anderen Regionen in Deutschland zu schaffen.

Brandenburg ist reich an Gewässern, die Kohleregion Lausitz voller Tagebauseen, die geflutet sind oder gefüllt werden – allerdings gehört das Bundesland zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Das führt rasch zu Trockenheit und Niedrigwasser in den Flüssen. Nach Angaben des Umweltministeriums reagiert der Wasserhaushalt «sehr schnell» auf Niederschlagsdefizite, weil die durchlässigen Sandböden Wasser nicht halten können und über ausgedehnten Wasserflächen eine hohe Verdunstung stattfindet.

Die große Hoffnung zu Beginn dieses Jahres, dass die Niederschläge der Herbst- und Wintermonate die Wassersituation entspannt haben könnten, hat sich nicht erfüllt. Pünktlich mit dem Einsetzen der Trockenheit bittet die Untere Wasserbehörde in südlichen Regionen die Bevölkerung, mit dem Grund- und Trinkwasser sparsam umzugehen und das Wässern etwa des Gartens mittels Pumpen aus Oberflächengewässern wie der Spree zeitlich einzuschränken, um die Wasserreserven zu schonen.

Rund 65 Prozent der Deutschen fühlen sich nicht betroffen von der Wasserknappheit, wie eine repräsentative Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ergeben hat. «Wir werden nicht nur mit Technologien letztlich die Situation der Wasserhaushalte in Zukunft beeinflussen können, sondern es hat auch immer etwas mit Haltungen und persönlichem Verhalten zu tun», schätzt Michael Astor vom Zukunftsbüro des BMBF die Lage ein. Es berät das Ministerium und erarbeitet mögliche Zukunftsszenarien.

Auch in Bundesländern wie Niedersachsen blickt man mit Sorge auf die Ressource, der Niederschlag fehlt und die Grundwasserreserven werden knapper. Die Folge: Ernteausfälle, Probleme bei der Wasserversorgung, extrem tiefe Wasserstände bis hin zum Trockenfallen in den Wäldern und das Absterben ganzer Baumarten. «Die Defizite der letzten Jahre sind noch lange nicht ausgeglichen», stellt Ekkehard Fricke, Experte der Landwirtschaftskammer, fest.

In Bayern ist vor allem der Norden betroffen, besonders trocken ist es in Unterfranken. Teils fallen jährlich nur um die 500 Millimeter Niederschläge – in Südbayern in Richtung Alpen ist es gebietsweise mehr als doppelt so viel. Auch wenn im Jahr 2021 die Wasserversorgung noch vergleichsweise gut sei, hätten vor allem die Wälder in Franken mit der zunehmenden Trockenheit der vergangenen Jahre zu kämpfen, heißt es aus dem bayerischen Agrarministerium.

Auch in Nordrhein-Westfalen haben die drei vergleichsweise trockenen Jahre 2018 bis 2020 dem Grundwasser zugesetzt. An rund 70 Prozent der Messstellen lägen die Messwerte derzeit unterhalb der langjährigen Mittelwerte, an rund einem Drittel sei der Unterschied sogar «deutlich», berichtet Roland Funke, Leiter des Fachbereich Hydrologie im Landesumweltamt. Das anhaltende langfristige Niederschlagsdefizit, das sich seit April 2018 aufgebaut habe, sei weiter angestiegen – auf mittlerweile 320 Liter pro Quadratmeter, rund 70 Liter mehr als noch vor knapp 13 Monaten. Das Problem habe sich gegenüber dem Vorjahr nicht verschärft. Dass man auf die Normalzustände komme, sei aber auch nicht in Sicht. Die Trinkwasserversorgung sei allerdings nicht gefährdet.

Zur Vorbeugung von Wasserknappheit in manchen Regionen Deutschlands will das Bundesumweltministerium das Wassermanagement bis 2030 deutlich verbessern. Dafür sollen Plänen zufolge etwa eine bessere Datenlage sowie der Ausbau von Versorgungsnetzen zwischen Regionen mit unterschiedlicher Wasserverfügbarkeit sorgen.

Die besonders betroffenen Bundesländer haben die Wasserknappheit längst auf ihrer Agenda. Das Brandenburger Umweltministerium hat mit einem Landesniedrigwasserkonzept eine Handlungsstrategie vorgelegt. Auch eine Arbeitsgruppe «Wasserperspektiven östliches Berliner Umland» wurde eingerichtet.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will ein umfassendes Wassermanagement im gesamten Land erarbeiten lassen. Damit sind neue Infrastrukturen zur Wasserrückhaltung, zur Grundwasseranhebung, Brauchwassernutzung und Wassereinsparung gemeint.

An vielen Orten in Deutschland lässt sich Wasser für Haushalte, Energieversorgung und Industrie vorrangig aus Grundwasser gewinnen. Wie angespannt ist die Wasserversorgung dort wirklich? Laut einer Umfrage des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) unter etwa 200 Wasserversorgern sehen 93 Prozent der Unternehmen für 2021 und die Folgejahre keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit. Allerdings ist bei der Hälfte der Wasserversorger bereits der Grundwasserspiegel gesunken, weil mehr Wasser entnommen wird als nachkommt, berichtet Verbandsvorstand Wolf Merkel.

20 bis 30 Prozent der Versorger habe eine über 90-prozentige Auslastung der verfügbaren Wasserressourcen

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Damit nichts anbrennt: Waldbrand-Luftbeobachter überwachen von oben

Wenn es brenzlig wird, steigen sie auf: Waldbrand-Luftbeobachter überwachen die Lage aus schwindelerregender Höhe. Ihr Einsatz trägt Früchte, wie Statistiken zeigen. Und ihre Erfahrung lehrt: Meist ist es der Mensch, der die Feuer verursacht.

Andreas Carmanns vom Veterinäramt des Landratsamtes Erding sitzt während seiner Ausbildung zum Luftbeobachter in einem Kleinflugzeug der Echo-Klasse. Am Flugplatz Giebelstadt fand die Ausbildung zum Luftbeobachter statt. Foto: dpa

Giebelstadt (dpa) – «Du sitzt in dem engen Ding drin, mit den Karten drauf, da ist wenig Platz. Dann soll man schreiben und kucken und fotografieren. Man ist am Anfang wirklich überfordert damit, seine Hände an die richtigen Stellen zu bringen und die Aufträge auszuführen», sagt Andreas Carmanns auf dem Flugplatz Giebelstadt in Bayern. In seinem Beruf im Veterinäramt hat Carmanns eigentlich festen Boden unter den Füßen. Eben saß er aber noch in hunderten Metern Höhe in der engen Kabine eines Kleinflugzeugs: Der Flug-Laie wird zum Waldbrand-Luftbeobachter ausgebildet.

Die steigen in Bayern auf, wenn es brenzlig wird: Herrscht Waldbrandgefahr, werden die Beobachter von Piloten in Kleinflugzeugen oder Hubschraubern in die Luft gebracht, um von oben die Lage zu überwachen. Sie helfen auch bei anderen Notlagen, etwa Hochwassern.

Vergleichbare, flächendeckende Modelle gebe es in anderen Bundesländern nicht, sagt Karl Herrmann, Präsident der Luftrettungsstaffel Bayern, die seit 1968 Luftbeobachtung und Ausbildung dort organisiert. «Unser Bayern-Modell ist bisher von keinem nachgemacht worden.» Rund 280 Luftbeobachter gibt es derzeit, sie starten von Flugplätzen in allen bayerischen Regierungsbezirken.

Mit 130 Einsatzstunden sei 2021 mit dem verregneten Sommer bislang das einsatzärmste Jahr seit 20 Jahren. «Aber das kann sich ganz schnell ändern», sagt er. 2020 absolvierten die Luftbeobachter 350 Einsätze, in den zwei Jahren davor mit besonders vielen Tagen mit hoher Waldbrandgefahr waren es sogar 532 (2019) und 747 (2018). Die Luftbeobachter werden aus dem öffentlichen Dienst rekrutiert. Der Vorteil: Bei Waldbrandgefahr können sie leichter als bei privaten Firmen von ihrem Beruf abgezogen werden.

Haben die Luftbeobachter eine Rauchsäule entdeckt, geht die Arbeit erst richtig los, wie Jürgen Schemmel von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg erklärt. Er ist selbst seit mehr als 20 Jahren Luftbeobachter. Sie müssen den Brand melden, anhand Windrichtung und Hanglage einschätzen, wie er sich ausbreiten könnte, Fotos machen. Sie müssen den Einsatz der Feuerwehr am Boden koordinieren: Wo sind befahrbare Wege? Wie kommen Fahrzeuge zum Brand? Wo ist eigentlich Löschwasser? Und all das in luftiger Höhe kreisend. Wichtig sei gute Teamarbeit mit den Piloten, sagt Schemmel. Oft kennen sich Beobachter und Pilot seit Jahren, Vertrauen ist wichtig. «Ich kann keinen Draufgänger und keine Wildsau brauchen», sagt er.

Die Beobachter rücken aus, wenn die höchste oder zweithöchste Gefahrenstufe des fünfstufigen Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) herrscht. Es fließen etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Niederschlagsmenge ein.

Geflogen wird vor allem am Wochenende, wenn besonders viele Menschen im Wald unterwegs sind – denn die lösen Waldbrände meistens aus. Zwar gebe es auch natürliche Ursachen wie Blitzschlag, sagt Schemmel. Meist seien aber weggeworfene Kippen, menschengemachte Feuer, landwirtschaftliche Maschinen oder im trockenen Gras geparkte Autos schuld, die unten noch heiß sind. Leute seien heute auch in Gegenden unterwegs, die früher nicht touristisch erschlossen waren. Andererseits könnten Brände heute viel schneller gemeldet werden als in Zeiten ohne Handy, sagt Schemmel.

Vorsichtsmaßnahmen wie Luftbeobachter-Einsätze zeigen laut DWD Wirkung: Es gibt demnach im Schnitt immer mehr Tage mit hoher Waldbrandgefahr, die Zahl tatsächlich ausgebrochener Brände nimmt aber gleichzeitig ab. In Deutschland gibt es laut DWD pro Jahr etwa 500 bis 1000 Brände – und damit nur halb so viele wie im Schnitt der 80er- und 90er-Jahre. 2018, 2019 und 2020 waren demnach Ausnahmen, hier gab es Ausreißer nach oben. Auch in Bayern ging der Trend in den vergangenen 30 Jahren nach unten, wie aus Waldbrandstatistiken der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hervorgeht. «Der rückläufige Trend ist auf eine verbesserte Prävention zurückzuführen», sagt DWD-Waldbrandexperte Christopher Böttcher.

Eine tolle Abwechslung zum Amtsalltag sei die Aufgabe, sagt Veterinärsamtsmitarbeiter Carmanns, der künftig in Oberbayern im Einsatz sein wird. «Ich denke, da kann man das Schöne mit dem Nützlichen verbinden.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

anbrennt – burns
überwachen – keeping an eye on
brenzlig – critical
Waldbrand-Luftbeobachter – forest fire observers from the air
schwindelerregender Höhe – dizzying heights
Einsatz – deployment
trägt Früchte – bears fruit
verursacht – causes
kucken – look
überfordert – overtaxed
Flug-Laie – flight amateurs
ausgebildet – trained
Waldbrandgefahr – potential forest fire danger
Notlagen – emergency situations
Flächendeckende – large-scale
Luftrettungsstaffel – air rescue squadron
Regierungsbezirken – government districts
Einsatzstunden – mission hours
verregneten – rainy
einsatzärmste – fewest deployments
öffentlichen Dienst – public service
abgezogen – called up
Rauchsäule – column of smoke
anhand – via
Hanglage – slope location
einschätzen – estimates
befahrbare – drivable
Fahrzeuge – vehicles
Löschwasser – water for extinguishing fires
kreisend – circling
Draufgänger – daredevils
rücken aus – move out
Gefahrenstufe – level of danger
Niederschlagsmenge – amount of precipitation
lösen aus – trigger
Blitzschlag – lightning strikes
Kippen – cigarette butts
erschlossen – opened up
Ausreißer – anomalies
Bundesanstalt – Federal Institute
Abwechslung – change of pace
Amtsalltag – every day duty

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*