05. Februar 2022 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit/Umwelt / Reise / Tipps und Trends / Aus Allen Staaten

Aus Aller Welt

Zum Beispiel «unsittlich» – Lange Liste indizierter Songs

Sex zwischen Bruder und Schwester ist verboten, die Verherrlichung von Inzest gilt als jugendgefährdend. Deswegen steht der Ärzte-Song «Geschwisterliebe» seit 35 Jahren auf dem Index. Die Liste ist lang.

Das “Ab 18”-Album der Punkband “Die Ärzte” mit dem Song “Geschwisterliebe” steht in einer Plattensammlung. Das Lied wurde zusammen mit dem ganzen Album “Die Ärzte» indiziert. Der Song ist bis heute auf der Liste jugendgefährdender Medien. Ab 18 ist das dritte Mini-Album der deutschen Punkrock-Band Die Ärzte, das 1987 als Reaktion auf die Indizierung ihrer Alben Debil und Die Ärzte erschien. Foto: dpa

Von Gerd Roth
Berlin (dpa) – Es geht um Schutz. Von Kindern und Jugendlichen sollen Dinge ferngehalten werden, die «ihren Reifungsprozess negativ beeinflussen können». So will es das Gesetz, das «vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien» nennt. Von der Vinylplatte bis zur Onlineplattform reichen solche Medien. Bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz landen diese Medien dann auf dem Index. Mancher Song verbringt Jahrzehnte auf der Liste und darf damit weder öffentlich gespielt noch an Jugendliche verkauft werden.

Beispiel «Geschwisterliebe». Im Song der Berliner Punkrockband Die Ärzte geht es um Sex zwischen Bruder und Schwester und den Spaß des Geschwisterpaares daran. Das Lied wurde vor 35 Jahren (am 27. Januar 1987) indiziert. Der Bannstrahl der Jugendschützer traf auch das Album «Die Ärzte», andere Songs und Platten sowie das eigens daraus zusammengestellte Album «Ab 18», das wie «Geschwisterliebe» bis heute auf der Index-Liste steht.

«Wir haben die Wucht dieses Inzest-Themas einfach völlig unterschätzt», sagt der Texter des Songs und Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub der Deutschen Presse-Agentur rückblickend. «So was wie Indizierungen kannten wir gar nicht, außer von irgendwelchen Gewalthorrorfilmen.» Schlagzeuger Bela B sagt: «Dass dann auch noch unser Debütalbum indiziert wurde, war absolut als Exempel zu verstehen.»

Die damals noch junge Band stand damit kurz vor dem Aus. «Wir haben nach der Indizierung und vor allem aufgrund der danach erfolgten, aufsehenerregenden Beschlagnahmung unserer Alben in einigen Plattenläden von einem Tag auf den anderen keine Platten mehr verkauft», erinnert sich Urlaub. «Auch unsere nicht-indizierten Tonträger wurden von verständlicherweise verängstigten Plattenhändlern retourniert.»

Ganz anders bei einem ähnlich aufsehenerregenden Fall: Der meist als Vergewaltigungsfantasie interpretierte Song «Jeanny, Part I» des österreichischen Sängers Falco (1957-1998) war 1985 zwar heftig umstritten und wurde auch von zahlreichen Radiosendern boykottiert. Die damalige Bundesprüfstelle setzte den Song aber nicht auf den Index, weil er keine eindeutigen Aussagen zu einem Sexualverbrechen enthielt. Das Lied konnte also weiter frei verkauft werden. Mit Erfolg, Falco hielt sich damit fast ein halbes Jahr lang in den zu der Zeit wirtschaftlich noch viel wichtigeren Charts.

Viele große Namen finden sich im Lauf der Jahre auf dem Index ein. Slayer und Slime landeten dort, Rammstein war wegen des Sado-Maso-Songs «Ich tu’ dir weh» einige Zeit indiziert, die Böhsen Onkelz kamen genauso auf die Liste wie Sido. Für die häufig von sexualisierter Gewalt und Hass durchzogenen Lieder bei Hip Hop und Rap stehen Haftbefehl, Fler, Bushido oder Kollegah und Farid Bang.

Ein Song oder Album darf laut Gesetz nicht «allein wegen seines politischen, sozialen, religiösen oder weltanschaulichen Inhalts» auf die Liste gesetzt werden. Deswegen ist zum Beispiel rechtsextrem allein kein Kriterium.

Bund und Länder sitzen im Prüfgremium mit Expertinnen und Experten aus Kunst, Literatur, Buchhandel, Verlagen, Musik- und Videoanbietern, Jugendverbänden, Lehrerschaft oder Religionsgemeinschaften. Zunehmend wichtig ist dabei der Blick ins Netz. «Die Digitalisierung schafft Verbindungen und Plattformen in einer Geschwindigkeit, und in der Folge dann aber auch in einer Wirksamkeit, die vorher nicht vorstellbar war», sagt der Direktor der Bundeszentrale, Sebastian Gutknecht, im hauseigenen Magazin.

Die jüngste Statistik der Bundeszentrale weist 874 Verfahren für 2020 aus. In 472 Fällen wurden Medien auf die Index-Liste gesetzt. Der überwiegende Teil waren Online-Angebote mit 365 Verfahren. Auch 90 Tonträger waren betroffen. 34 Mal entschied sich das Prüfgremium gegen eine Indizierung. Bei 221 Fällen ging es um Streichungen, 143 Verfahren wurden eingestellt.

Begründet wurde die Indizierung 195 Mal mit der Verwendung von NS-Gedankengut. Als Gründe genannt werden zudem Gewalt (184 Fälle), Kinder-, Jugend-, Gewalt- und Tierpornografie (151), einfache Pornografie (141), Nahelegen von selbstschädigendem Verhalten wie Drogen- und Alkoholkonsum oder Essstörungen (40) sowie «Anreizen zu Rassenhass» oder Diskriminierung von Menschengruppen (je 13).

René Houareau, Geschäftsführer Recht und Politik beim Bundesverband Musikindustrie, sagt, der Verband könne die Entscheidungen nur zur Kenntnis nehmen. Die Institution sei jedoch essenziell, «wobei der Prozess der Prüfung, ob ein Produkt am Ende zu einer Indizierung führt oder nicht, häufig sehr lang erscheint, was über einen entsprechenden Zeitraum Unklarheiten für alle Beteiligten schafft». Personelle und finanzielle Stärkung könnten Entscheidungen beschleunigen und «schneller Klarheit über die potenzielle Indizierung» bringen. «So können die Jugendlichen schneller geschützt und ein Produkt im Fall einer Nicht-Indizierung auch schneller von der schwebenden Unsicherheit befreit werden», sagt Houareau.

Nach 25 Jahren ist Schluss mit dem Index, sofern es keine Folgeindizierung gibt – wie etwa bei «Geschwisterliebe». Die Ärzte spielten den Song bei Konzerten ohne zu singen und mit Verweis auf die indizierten Liedzeilen – den Gesang übernahmen jeweils die Fans sehr textsicher. «Wir haben schnell beschlossen, nicht weiter darauf herumzureiten», sagt Urlaub zu Folgen beim Komponieren. «Später haben wir lieber knapp an den Geschmacksgrenzen entlang provoziert, was aber nie wirklich eine strafrechtliche Relevanz hatte – weil so viel nun auch wieder nicht verboten ist in Deutschland.»

Top

Sport

«Ziemlich krass»: Olympia-Team im
Spannungsfeld von Sport und Politik

Für das deutsche Team werden die Winterspiele in Peking zur heiklen Mission. Neben den Einschränkungen durch die Pandemie werden die Athleten in China auch mit politischen Themen konfrontiert. Wie riskant wird es sein, dort seine Meinung zu sagen?

31.01.2022, China, Peking: Olympia-Mitarbeiter in Schutzkleidung gehen durch den Beijing Capital International Airport, um die Passagiere zu betreuen. Die Olympischen Winterspiele in Peking finden vom 04.-20.02.2022 unter strengen Corona-Auflagen statt. Foto: dpa

Von Andreas Schirmer und Carsten Lappe
Peking (dpa) – Wegschauen und Mund halten oder Haltung zeigen und die Meinung sagen: Für die 149 deutschen Starter wird es nicht nur wegen der Pandemie eine Reise ins Ungewisse zu den Winterspielen in Peking. Längst geht es für die Athleten nicht nur um Fitness, Form und Gesundheit, sondern auch darum, wie sie mit Themen wie Menschenrechte und Meinungsfreiheit in China umgehen sollen – ohne die sportlichen Ziele aufs Spiel zu setzen und sich Repressalien auszusetzen.

«Ich reise als Eishockey-Spieler Moritz Müller da hin und nicht als Außenministerin Annalena Baerbock», sagte der Kapitän des deutschen Teams im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Letztlich mache ich mir da aber nicht so viele Gedanken drüber. Ich glaube kaum, dass ich in Gewahrsam genommen werde, wenn ich meine Meinung frei äußere.»

Ganz so sicher sind sich andere Sportler nicht, allen voran die Präsidentin der Vereinigung Athleten Deutschland. «Es ist ein Risiko, sich zu äußern», sagte Karla Borger. An dem Gefühl ändere auch nichts, dass der Deutsche Olympische Sportbund und die Bundesregierung «uns den Rücken stärken» wollten. «Die politische Vielfalt sprengt alles, was es vorher gab. Ziemlich krass.»

Wann die Chinesen Meinungsäußerungen dulden werden, haben sie bereits durchblicken lassen: Nur wenn es sich mit dem olympischen Geist deckt. «Jedes Verhalten, das sich dagegen richtet, kann mit einer bestimmten Bestrafung geahndet werden», hatte Yang Shu, Mitglied des Organisationskomitees, unverhohlen gewarnt.

«Da es nun schon offizielle Drohungen gab und das Internationale Olympische Komitee dazu schweigt, würde ich persönlich nichts sagen», betonte Athletensprecherin Borger. «Ich würde mich auch nicht positiv äußern: Über Sportarenen, das Wetter oder die Organisation, weil solche Aussagen für Propagandazwecke missbraucht würden.»

Eine Empfehlung zum Verhalten in Peking werde sie nicht geben, zumal sie als Sommersportlerin nicht zu den Spielen reist. «Jeder muss es für sich entscheiden und durchspielen», meinte Beachvolleyballerin Borger. Dass dieser zusätzliche Druck auf die Psyche der Athleten drücken und ihre sportlichen Chancen minimieren wird, erwartet sie nicht. «Ein Athlet ist dazu ausgebildet, sich auf das Wesentliche zu fokussieren», sagte sie. «Er schaltet den Verdrängungsmechanismus ein, setzt die Scheuklappen auf und ruft seine Leistung ab.»

Ganz so einfach ist es bei einer der brisantesten Olympia-Missionen nicht, da auch der politische Druck auf den Sport und damit die Athleten enorm ist. So mahnte Amnesty International die Weltgemeinschaft, die Spiele zum Anlass zu nehmen, Verbesserungen der Menschenrechtslage in China zu fordern. China steht wegen Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong oder den Drohungen gegen Taiwan in der Kritik.

«Unsere Athleten können ihre Meinung grundsätzlich frei äußern», sagte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig. Human Rights Watch habe ihnen aber empfohlen, von kritischen Äußerungen während der Spiele abzusehen: «Wir gehen davon aus, dass sich unsere gut informierten und gut beratenen Athleten in Peking intelligent und geschickt verhalten werden.»

Nicht nur angesichts dieser Gemengelage erwartet Rodler Felix Loch, der die zweite Olympia-Vergabe nach Peking als Fehler ansieht, «schwierige Bedingungen». Deutschlands Skispringer Nummer eins, Karl Geiger, wehrte sich deshalb dagegen, dass die Aktiven nicht ausbaden könnten, «was die Politik versäumt» habe. «Es gibt ohne Zweifel Dinge und Entwicklungen in China, die fragwürdig sind. Aber der Protest dagegen ist bei Olympia fehl am Platz», sagte Geiger.

Puckjäger Müller gefällt zwar nicht, wie in China «teilweise mit den Menschen» umgegangen werde. Er habe aber Vorfreude auf die Reise. «Jetzt sind die Spiele da und ich freue mich total darauf», bekannte er. Es sei doch gut, sich jetzt selbst ein Bild machen zu können. Das allerdings wird nur sehr eingeschränkt möglich sein, da sich alle Olympia-Beteiligten nur in einer streng geschlossenen Blase bewegen dürfen. Kontakt zur chinesischen Bevölkerung ist wegen der strikten Corona-Maßnahmen nicht vorgesehen.

Von einem diplomatischen Boykott wie ihn angeführt von den USA eine Reihe von Ländern ausgerufen haben und dem sich Deutschland nicht angeschlossen hat, hält Müller wenig. «Ich habe gelesen, dass auch die Annalena Baerbock nicht hinreisen wird», sagte der 35-Jährige. «Da frage ich mich: Reist sie nur jetzt nicht hin oder reist sie nie nach China?» Diese Frage können alle beantworten: «Von daher ist auch das doch wieder nur Show.»

Die Doppel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger hatte vom Aufenthalt bei vorolympischen Tests auf der Rodelbahn in Peking von schockierenden Bedingungen berichtet und einen Verzicht auf die Spiele erwogen, diesen jedoch revidiert. «Wenn ich gesagt hätte, ich fliege nicht, dann hätte sich in China genau nichts verändert», twitterte sie. Weder die Menschenrechtssituation noch irgendwas anderes. «Da braucht es mehr als einzelne, ganz wenige Athleten, die boykottieren.» In erster Linie hätte nur sie ihren Traum zerstört.

Top

Feuilleton

«Skythengold»: Kiew und Moskau streiten um das Erbe der Krim

Ein Werk aus einem etwa 2000 Jahre alten Goldschatzes liegt bei der Ausstellung «Die Krim – Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres» im historischen Museum Allard Pierson in Amsterdam. Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Von Andreas Stein und Annette Birschel
Amsterdam/Kiew (dpa) – Der bittere Konflikt zwischen der Ukraine und Russland wird auch an einem ungewöhnlichen Schauplatz ausgefochten: Tausende Kilometer entfernt in der friedlichen Grachtenmetropole Amsterdam. Eigentlich geht es um kostbare Kulturgüter: Das über 2000 Jahre alte Gold des Reitervolkes der Skythen von der Krim. Die prachtvollen Objekte waren 2014 in Amsterdam ausgestellt worden. Doch dann wurde die Krim von Russland annektiert. Nun ist die Eigentumsfrage unklar, und Richter befassen sich in den Niederlanden mit der heiklen Frage: Wem gehört das Gold der Krim? Für Moskau und für Kiew ist es eine hochpolitische Frage.

Ende Oktober hatten die Amsterdamer Richter zwar auch in zweiter Instanz die Sammlung der Ukraine zugesprochen. Doch das letzte Wort im Streit um das «Skythengold» ist damit wohl noch nicht gesprochen. Vier Museen der Krim erheben Anspruch auf das Gold und wollen nun vor den Hohen Rat, das höchste Gericht der Niederlande, ziehen und Revision einlegen. Das muss bis zum 26. Januar geschehen.

Der Chef der Krim-Republik, Sergej Aksjonow, hatte kurz vor dem Jahreswechsel Russlands Staatschef Wladimir Putin noch um Hilfe gebeten. Moskau hatte das Urteil vom Oktober bereits scharf kritisiert und den Krim-Museen Unterstützung zugesichert.

Dagegen ist die Ukraine zuversichtlich. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem «langerwarteten Sieg»: «Wir holen uns immer das Eigene zurück. Zuerst holen wir das ‚Skythengold‘ und danach die Krim», twitterte er nach dem Urteil.

Angefangen hatte alles mit der Ausstellung «Krim: Gold und die Geheimnisse des Schwarzen Meeres» im Amsterdamer Allard Pierson Museum. Zu sehen waren Objekte aus vier Museen der Krim, darunter ein 2400 Jahre alter Helm der Skythen, filigrane Broschen und eine goldene Schwert-Scheide. Die Ausstellung war zuvor im Landesmuseum in Bonn gezeigt worden.

Normalerweise hätte das Amsterdamer Museum die Objekte nach der Schau an die Leihgeber zurückgegeben. Doch das verhinderten die dramatischen Ereignisse, die die Region bis heute zu einem Krisenherd Europas machen. In Kiew wurde im Februar 2014 nach prowestlichen Protesten der russlandfreundliche Präsident Wiktor Janukowitsch gestürzt. Danach annektierte Russland die Krim.

Nun stellte sich in Amsterdam die Frage: Gehören die Gold-Objekte den Museen auf der Krim oder dem Staat Ukraine? Das Museum erklärte, dass es in dieser Frage neutral sei. «Bis zu einem (endgültigen) Urteil in dem Fall sorgt das Allard Pierson für eine sichere Aufbewahrung der Objekte», teilte es mit.

Die 565 Objekte stammen aus der Zeit des 2. Jahrhunderts vor Christus bis zum späten Mittelalter. Eine besondere Kostbarkeit sind nach Angaben des Nationalen Museums für Geschichte der Ukraine drei chinesische lackierte Holzschatullen aus dem ersten Jahrhundert. Ihr Fund war eine kleine Sensation, denn die Kästchen belegen die frühen Verbindungen der Krim über die Seidenstraße nach China. Die Krim-Museen sehen sich als Eigentümer. Denn es handele sich um das Kulturerbe von «lokalen Stämmen und lokalen Völkern».

Das aber war für die Richter nicht ausschlaggebend. Sie urteilten auf der Basis des Museumsgesetzes der Ukraine von 1995. Das nämlich sollte verhindern, dass ukrainische Museumsstücke in ausländische Hände geraten. «Auch wenn die Museumsstücke von der Krim stammen und insoweit auch als Erbe der Krim anzusehen sind, sind sie doch Teil des kulturellen Erbes der Ukraine.» Als sehr schwerwiegend bewerteten die Richter auch das «öffentliche Interesse» des ukrainischen Staates.

Die Kuratorin der damaligen Ausstellung, Valentina Mordwinzewa, kann den Groll einiger Museumsmitarbeiter nachvollziehen. «Ich denke, die Menschen in den Museen auf der Krim gehen davon aus, dass, wenn die Exponate einmal nach Kiew kommen, sie dann für immer weg sind von der Krim», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sorgen bereitet ihr die Zukunft der Stücke, deren Dokumentation weiter auf der Krim und damit unter russischer Verwaltung liege. «Und wer interessiert sich denn tiefer für die Krimkulturen hier in Kiew? Die Fachleute arbeiten meistens auf der Krim», meinte die Archäologin. Ob es wegen der Lage einen fachlichen Austausch geben könne, sei fraglich.

«Wenn die Objekte nach Kiew kommen, dann wird es hier wie ein politischer Sieg aufgenommen», sagte Mordwinzewa, die regelmäßig zwischen Moskau und Kiew pendelt. Bis es soweit ist, kann es noch dauern und liegt das Gold der Krim weiter in den Niederlanden an einem geheimen Ort. Doch kaum jemand erwartet, dass ein Urteil endgültig die Frage klären wird, um die es Moskau und Kiew eigentlich geht: Wem gehört die Krim?

Top

Gesundheit

Wer Kaffee trinkt, lebt länger

Schmeckt meistens gut und trocknet auch nicht aus: 
Kaffee zahlt auf die Flüssigkeitsbilanz ein. Foto: Tobias Hase/dpa

Von Katja Sponholz und Tom Nebe
Bremen (dpa) – Kaffee ist für viele Menschen der Wachmacher schlechthin. Doch er kann noch mehr, als nur die Müdigkeit aus den Gliedern zu treiben. Studien deuten darauf hin, dass Kaffee durchaus gut für die Gesundheit sein kann. Wie kommt das?

Das kann kaum eine bessere Expertin als Anna Flögel beantworten. Die Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftlerin hat intensiv zur Auswirkung von Kaffee auf die Gesundheit geforscht und kennt den wissenschaftlichen Stand der Dinge.

«Kaffee ist nicht ungesund», sagt sie. Vielmehr deutet die Studienlage heute das Gegenteil an. «Zumindest ein moderater Konsum ist eher mit einem allgemein reduzierten Krankheitsrisiko zu verbinden», sagt Flögel.

Moderater Konsum heißt nach ihren Worten: zwei bis vier Tassen am Tag. Wobei es bis heute nicht abschließend geklärt ist, ob man auch zu viel Kaffee trinken kann. Bei Schwangeren zum Beispiel gibt es Hinweise, dass zu viel Koffein (folglich auch: zu viel Kaffee) schlecht für die Entwicklung des Ungeborenen sein kann. Aber pauschal für alle Menschen lässt sich das nicht sagen.

Anna Flögel hat Langzeitstudien ausgewertet, für die Zehntausende Menschen über Jahrzehnte immer wieder zu ihren Lebensgewohnheiten befragt und neu aufgetretene Krankheiten erfasst wurden.

Eine Erkenntnis daraus dürfte Kaffeeenthusiasten freuen: «Wer Kaffee trinkt, lebt länger – und zwar über die Kontinente hinweg», sagt sie.

Dabei hatte Kaffee lange Zeit einen eher schlechten Ruf, wenn es um die Gesundheit ging. Warum eigentlich?

Das hat Flögel zufolge mit den Designs der Studien zu tun und vor allem damit, dass ein ganz zentraler Faktor zu wenig berücksichtigt wurde: das Rauchen. Denn es ist so, dass Raucherinnen und Raucher häufiger Kaffee trinken. Und der Konsum von Kaffee steigt mit der Menge der Zigaretten, zeigen die Daten.

Gesundheitsrisiken, etwa das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, wurden dem Kaffee also teils fälschlicherweise zugeschrieben. Oft waren die Glimmstängel die wahren Schuldigen.
Tatsächlich deuten die wissenschaftlichen Untersuchungen inzwischen vielfach gesundheitsfördernde Aspekte an. So ist es wahrscheinlich, dass Kaffeekonsum eine gewisse vorbeugende Wirkung gegen Gebärmutterkörperkrebs und Leberkrebs hat.

Gleiches gilt für Typ-2-Diabetes. Das Risiko gesunder Personen, Bluthochdruck zu entwickeln, hängt wiederum laut Flögel nicht mit Kaffeekonsum zusammen.

Wobei der Blutdruck beim Kaffeetrinken natürlich kurzfristig insbesondere in der ersten Stunde danach steigt. Aktuelle Studien zeigen, dass Bluthochdruckpatienten deshalb aber kein erhöhtes Risiko haben, durch Kaffeekonsum etwa einen Schlaganfall zu entwickeln, so Flögel. Dennoch sollten sie den Konsum immer mit ihrem Hausarzt abklären, rät sie. Dabei kann man auch nachfragen, ob Kaffee womöglich die Wirkung von Medikamenten negativ beeinflusst.

Generell auf Kaffee verzichten müsse man als Bluthochdruck-Patient nicht, schreibt die Deutsche Herzstiftung. Allerdings sollte man seine Blutdruckmessungen so eintakten, das man wegen der kurzzeitig erhöhten Werte nicht 20 bis 30 Minuten nach dem Kaffeetrinken misst. Vorsichtig sollten Menschen mit Herzrhythmusstörungen sein – treten diese durch den Kaffeegenuss verstärkt auf, sollte man weniger trinken oder ganz verzichten.

Zwischenfazit: In aller Regel ist Kaffeetrinken ohne schlechtes Gewissen möglich, im Gegenteil. Wahrscheinlich ist es sogar gesund. Bleibt noch zu klären, wie Kaffee unmittelbar im Körper wirkt. Dafür schauen wir uns drei weit verbreitete Thesen etwas genauer an:

Stimmt nicht. «Kaffee kann man normal zur Flüssigkeitsmenge hinzuzählen wie Wasser», sagt Wissenschaftlerin Anna Flögel. Das heißt, es zahlt ebenso auf die Tagesbilanz ein. Im Allgemeinen wird empfohlen, 1,5 bis 2 Liter am Tag zu trinken. Wer zwei Pott Kaffee zum Start in den Tag zu sich nimmt, ist also auf einem guten Weg.

Das Koffein im Kaffee hat zwar eine harntreibende Wirkung, die aber bei moderatem Konsum und insgesamt genügend Flüssigkeitszufuhr durch den Körper ausgeglichen wird.
Stimmt so pauschal nicht. Wie schnell Koffein verstoffwechselt wird, sei individuell sehr unterschiedlich, erklärt Flögel. «Bei dem einen reicht eine halbe Tasse, um die Nacht zum Tag zu machen, die andere kann vier Tassen trinken und schlafen gehen.»

Es gibt auch einen Gewöhnungseffekt: Wer regelmäßig viel trinkt, dem bringt eine Tasse nicht mehr so einen starken Kick.

Stimmt durchaus. Bei vielen Menschen ist es Teil der Morgenroutine: Zunächst eine Tasse Kaffee und dann ab auf die Toilette fürs große Geschäft. So ein Effekt sei hauptsächlich durch das Koffein zu erklären, sagt Flögel, weil sich das generell stimulierend auf den Stoffwechsel auswirke. «Der Blutdruck steigt kurz, das Verdauungssystem wird angeregt.»

Pauschal trifft aber auch diese These nicht zu: Ob und wie stark Kaffee die Verdauung auf Trab bringt, sei letztendlich individuell unterschiedlich.

Dann lohnt es sich womöglich, das Trinken von Espresso auszuprobieren. Das empfiehlt Diplom-Ökotrophologin Birgit Warnecke vom Deutschen Kaffeeverband in Hamburg. Espresso enthalte – bedingt durch Röstung und Zubereitung – etwas weniger Stoffe, die einen empfindlichen Magen möglicherweise reizen könnten.

«Der vielfach kommunizierte Ratschlag, zur besseren ‚Verträglichkeit‘ auf langzeitgerösteten Kaffee auszuweichen, ist ein Mythos, der auf einem veralteten Wissensstand basiert», sagt Warnecke.

Fakt sei, dass eine Langzeitröstung zwar für einen stärkeren Abbau der Chlorogensäuren sorge. Da diese im Röstkaffee beziehungsweise in der Tasse aber keineswegs auf den Magen schlügen, sondern diesen wahrscheinlich sogar eher schützten, sei die Aussage zur besseren Verträglichkeit von langzeitgeröstetem Kaffee heute überholt.

«Wenn man unter einem bereits angegriffenen Magen leidet, sollte man es vermeiden, Kaffee – wie im Übrigen auch viele weitere Lebensmittel – auf nüchternen Magen zu trinken», rät die Expertin. Hier biete sich auch die Zugabe von Milch an, da dadurch der direkte Kontakt des Kaffees mit der Magenschleimhaut reduziert werde.

Da das Koffein verdauungsanregend wirke, werde entkoffeinierter Kaffee zum Teil auch besser vertragen als koffeinhaltiger.

Er ist natürlich auch dann eine gute Alternative, wenn man auf die anregende und wachmachende Wirkung des Koffeins verzichten möchte.

Top

Reise

Ostafrika: Die Trauminsel Sansibar trotzt der Pandemie

Zwischen Arabien und Afrika: Orientalische Dachterrasse des Emerson Hotels 
auf Sansibar, das während der Epidemie weitgehend geöffnet blieb.                                                               Foto: Andrew Morgan/Emerson/dpa

Von Andrea Tapper
Sansibar (dpa) – Im gelben Anzug spielt Geiger Buja Ali unter einem Mangobaum ein fröhliches Lunch-Konzert für rund 20 Picknickgäste. Sie kommen aus Deutschland, Polen, den USA und der wenige Autominuten entfernten Hauptstadt Sansibar City. Einige von ihnen leben hier, die meisten sind im Urlaub – mitten während Corona.

Mwatima Juma ist die Chefin der Farm, die an diesem Tag die bunte Gästeschar empfängt. Auf Bastmatten und hübsch eingedeckten Paletten kredenzt sie ein Büfett landestypischer Swahili-Spezialitäten, von Bananen in Kokosnusssoße bis Hühnchen-Curry, alles aus eigener Zucht.

Juma, 54, ist promovierte Agroökonomin und ein Vorbild für viele. Sie organisiert auf der tansanischen Ferieninsel Sansibar eine Art grüne Kiste, einen Lieferservice für Haushalte und Hotels.

Außerdem ist sie Mutter des neuen jungen Wirtschaftsministers Mudrick R. Soraga, der den Verkauf von Ferienwohnungen auf Sansibar mit Steuererleichterungen und Residenten-Visa ankurbeln will.

Zwei Leipziger Brüder, Sebastian und Tobias Dietzold, nach der Wende als Missionarssöhne in Afrika aufgewachsen, bauen bereits eine grüne City namens Fumba Town nahe der Insel-Hauptstadt. Dort gibt es Studio Apartments schon ab 25 000 Euro zu erstehen. Statt Asphalt gibt es Kopfsteinpflaster, damit Regenwasser in der Erde versickern kann. 94 Prozent des Abfalls sollen recycelt werden.

Ein weiteres Projekt der Dietzolds: An der Ostküste errichten sie moderne Ferienapartments in Öko-Holzbauweise für globale Nomaden rund um eine künstliche Lagune – mit Co-Working-Bereichen auf schattigen Dachterrassen. Die erste Bauphase von «The Soul» war in wenigen Monaten ausverkauft. Nun kommen 70 weitere Apartments ab rund 60 000 Euro im beliebten Kitesurfer-Treff Paje auf den Markt.

Wie Sansibar mit Corona umging
Die ersten Corona-Wellen hat die Insel im Indischen Ozean geradezu todesmutig geritten. Im ersten Pandemie-Winter von Januar bis März 2021 vergnügten sich dort laut Einreisestatistik 142 263 Touristen, mehr als je zuvor. Die meisten kamen ungetestet mit Sonderflügen aus Russland und anderen osteuropäischen Staaten.

Dann starben der Vizepräsident Sansibars und der Präsident Tansanias, John Magufuli. Der eine recht sicher und der andere mutmaßlich an Covid-19. Die derzeitige Regierungschefin Samia Suluhu Hassan vollzog schließlich eine Kehrtwende in Sachen Pandemie. Von der Serengeti bis Sansibar änderte sie die Einreiseregeln.

Wer derzeit an den Strand oder auf den Kilimandscharo will, muss einen negativen PCR-Test nicht älter als 96 Stunden vorlegen. 75 000 Arbeitsplätze hängen am Urlaubsgeschäft auf Sansibar. Tests und Impfungen für die lokale Bevölkerung wurden eingeführt.

Vieles hat sich also normalisiert auf Sansibar, die Insel steht nicht mehr als Außenseiter da. Die Umgangsregeln aber sind locker geblieben. Auch im zweiten Corona-Winter müssen kaum irgendwo Masken getragen werden. Viele Hoteliers vermelden: ausgebucht.

Bei tropischen Temperaturen um die 30 Grad findet ohnehin fast alles draußen statt, von Picknickausflügen bis zum Nachtleben, vom Bummel durch die Unesco-geschützte Altstadt bis zur Tour über Gewürzfarmen im Inselinnern. «Unsere Strände sind so einsam, dass wenige Kontakte die Norm und nicht die Ausnahme sind», sagt zum Beispiel die Hotelchefin und Modedesignerin Francesca Scalfari.

Angesagte Clubs in luftiger Höhe
Sansibar ist anders als die anderen, luxuriösen Inseln im Indischen Ozean, also die Malediven, Seychellen und Mauritius. Man genießt hier eher einfache Freuden. Man kann in Souvenirläden selbstgemachte Seifen aus Seegras kaufen, in Strandclubs Live-Musik hören und auf historischen Dachterrassen arabisch-indischer Handelspaläste bei einem kühlen Wein den Sonnenuntergang genießen.

Die vielleicht schönsten dieser Terrassen gehören zur Emerson-Gruppe. Sie betreibt in der Altstadt zwei Boutique-Hotels und Restaurants mit roten Samtpolstern, traditionellen Menüs und Taarab-Musik. Keiner der 70 Mitarbeiter wurde während der Pandemie entlassen. 120 Jahre alte Holztreppen führen in die luftigen Gefilde über der Stadt.

Eine radikale Brücke in die Moderne schlägt dagegen das Hotel «Upendo House». Zum Sundowner treffen sich dort am gläsernen Pool im fünften Stock junge Urlauber aus aller Welt. Oft hört man das Wörtchen «Wow», wenn der Blick zum ersten Mal über ein Meer von Wellblechdächern und den Ex-Sultanspalast House of Wonder (Beit-al-Ajaib) fällt, der 2020 in Teilen unrühmlich eingestürzt ist.

Ein Nobelpreis für Sansibar
200 Jahre gehörte Sansibar zum Sultanat von Oman, bevor es 1964 in einem gewaltsamen Coup mit Tanganjika zu Tansania vereinigt wurde. Kurz zuvor war das Land unabhängig von Großbritannien geworden.

Der diesjährige Nobelpreisträger für Literatur, Abdulrazak Gurnah, ist ein Sohn der Insel. Er hat das Augenmerk verstärkt auf die koloniale und postkoloniale Vergangenheit seiner Heimat gelenkt. Die aufwühlenden Bücher des Autors, der 1968 nach England floh, findet man allerdings noch nicht in den Schaufensterläden der Altstadt.

Die Unesco mahnte bereits an, dass die Erhaltung der historischen Stätten zu wünschen übrig lässt. Die meisten Reisenden kommen ohnehin wegen des Klimas und Meeres. Weiße Sandstrände und Korallenbuchten vor allem entlang der Ost- und Nordküste umranden Sansibar.

Wissenschaftler spekulieren, warum Afrika mit Ausnahme von Südafrika bisher relativ glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Der WHO-Repräsentant auf Sansibar, Ghirmay Andemichael, führt das vor allem auf eine extrem junge Bevölkerung, das warme Klima, andere Immunvoraussetzungen und fehlende Tests zurück.

Sansibar dürfte eines der wenigen Urlaubsziele weltweit sein, dem die Pandemie Dutzende neuer Hotels und ungewöhnliche Events beschert hat. Das rumänische Sunwave-Elektromusik-Festival wurde im Juni 2021 komplett von Bukarest nach Sansibar verlegt.

Reisende, die es vor der Pandemie nach Bali zog, finden spirituelles Flair jetzt in Ostafrika, zum Beispiel im Hotel «Sharazad» mit Yoga-Plattform und Mondscheinmediationen im angeschlossenen Spa.

Der aus Finnland stammende Starkoch Jussi Husa eröffnete bei Matemwe im Nordosten nach 20 Jahren als Chefkoch großer Häuser sein erstes eigenes Restaurant Mzee Husa mit puristischen Holzmöbeln. Dort tischt er unter anderem Sushi mit fangfrischem Fisch und Auberginen-Mille-feuille auf.

Ein Renner am selben Strandabschnitt ist sonntags der kreative Burger-Brunch von Melia Executive Chef Mayaven Alankalee im Gabi Beach Restaurant. Alan, wie ihn alle nennen, stammt aus Mauritius.

Das wohl beste Hotel der Insel, das von einem Prager Unternehmer gebaute Fünf-Sterne-Haus «Zuri Hotel & Spa», hielt sich während der Pandemie streckenweise mit Urlaubern über Wasser, die gleich im Privatjet einflogen. Inzwischen sind auch Pauschalreisen wieder möglich. Die Tui baut ihr Angebot auf Sansibar mit dem «TUI Blue Bahari» und einem Riu-Hotel aus, das gerade erweitert wird.

Wohin die Gewürzinsel in Zukunft will, weiß sie selbst noch nicht so genau. Gerne wird sie in Kombination mit einer Serengeti-Safari oder einer Klettertour auf den Kilimandscharo gebucht.
Auf Öko-Luxus setzt Sansibars Wirtschaftsminister – und bietet aktuell neun der insgesamt 50 Inseln des Archipels zur Verpachtung an. Auf der Nachbarinsel Pemba gibt es schon ein Unterwasser-Hotel.

Massoud Salim, der ein wenig an Jimmy Hendrix erinnert, kümmert dies alles wenig: Der einflussreiche Networker hat gerade ein Restaurant, das Archipelago Waterfront, am Stadtstrand von Stone Town eröffnet. Vor der Kulisse von Palästen und Moscheen treffen sich bei ihm Einheimische und Urlauber zum traditionellem Gewürzkaffee.

Mit Pionieren wie diesen dürfte Sansibars Zukunft als lässiges Individualziel mit Unterkünften jeder Preisklasse trotz der anhaltenden Pandemie noch eine Weile Bestand haben.

Info-Kasten: Sansibar
Anreise: Die günstigsten Flüge nach Sansibar bieten Turkish Airlines mit Stopover in Istanbul und Qatar Airways über das Drehkreuz Doha. Eurowings Discover und der Schweizer Charterflieger Edelweiss steuern die Insel von Frankfurt und Zürich aus direkt an.
Einreise und Corona-Lage: Tansania ist derzeit als Hochrisikogebiet mit Reisewarnung eingestuft. Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Tansania ein Visum, das dem Auswärtigen Amt zufolge vor der Reise bei der Botschaft oder als E-Visum beantragt werden sollte. 24 Stunden vor Einreise ist ein Gesundheitsformular einzureichen. Ein negativer PCR-Test darf beim Abflug nicht älter als 96 Stunden sein.
Gesundheit: Impfungen sind für die Einreise direkt aus Deutschland nicht vorgeschrieben. Wer aus einem benachbarten Gelbfieber-Gebiet einreist, braucht eine entsprechende Impfung. Dem Auswärtigen Amt zufolge besteht auf Sansibar ein hohes Malaria-Risiko. Am besten lassen sich Urlauber von einem Reisemediziner beraten.

Top

Moonlight Roadster: Verwegener Opel mit Mafia-Flair

Mitschwimmen im Verkehr ist auch heute noch im Opel möglich.
Foto: André Tillmann/Opel Automobile GmbH/dpa

Von Thomas Geiger
Rüsselsheim/Bochum (dpa) – Nein, Rüsselsheim ist nicht Chicago und Al Capone hatte trotz seiner ganzen Spitzel wahrscheinlich nie etwas von Opel gehört. Und doch gibt es da eine Verbindung zwischen der amerikanischen Metropole, der Autostadt am Main und dem Mafiakönig. Selbst wenn sie natürlich nicht amtlich ist. Denn ohne den Paten und die Prohibition hieße das Schmuckstück in der Klassiksammlung des hessischen Herstellers wohl einfach Sportcabriolet.

«Doch Al Capone sei Dank hört er auf den Namen Moonlight-Roadster», sagt Opel-Klassik-Sprecher Uwe Mertin. Er löst das Rätsel mit einem Blick in die Kriminalberichte aus den 1920er und 1930er Jahren auf:

Um den Alkohol aus Kanada in die Bars von Chicago zu schmuggeln, habe die amerikanische Mafia schnelle und vor allem flache Sportwagen genutzt. Die konnten im Mondschein kurzerhand unter den eigentlich für Lkw gedachten und deshalb höher angebrachten Zollschranken durchschießen. Und weil dieser Name irgendwie verführerischer und verheißungsvoller klang als Sportcabriolet, hatten die Hessen ihn kurzerhand über den Atlantik geholt.

Zwar floss der Alkohol jenseits des Atlantiks schon wieder ganz legal, als Opel den Moonlight Roadster 1933 auf den Markt brachte. Statt geschmuggelt wurde in den offenen Sportwagen deshalb bei Mondschein allenfalls wieder geschmust. Doch seinen Namen trägt der in «Mondsteingrau» lackierte Klassiker trotzdem völlig zurecht.

Denn er ist nicht nur flacher als jeder Opel dieser Zeit. Sondern er hat mit seinem vergitterten Grill vor der langen Haube, der schnittig geknickten Frontscheibe, den tiefen, entgegen der Fahrtrichtung angeschlagenen Türen und dem eleganten Bootsheck mit der Messerscharfen Bügelfalte ein verführerisches Design.

Das zaubert auch heute noch jedem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen. Spätestens, wenn neben den in Messing gefassten Rundscheinwerfern auch noch der Suchscheinwerfer neben dem Fahrer aufflammt, sieht man nur strahlende Gesichter.

Dazu kommt: Er fährt auch so, wie es sich die so genannten Bootlegger, die Schmuggler, in Amerika gewünscht hätten. Natürlich muss man sich an die Bedienung heute erst wieder gewöhnen. Denn der erste Gang ist nicht nur etwas hakelig, sondern liegt auch noch unten links. Doch der Sechszylinder mit 1,8 Liter hat richtig Wumms.

Über die 25 kW/34 PS mag man heute milde lächeln, jeder Corsa ist stärker. Aber 100 Nm bei kaum 900 Kilo Gewicht, und dann noch ab 1000 Touren – da schwimmt man locker im Verkehr mit und lässt einfach die Finger von der Schaltung. Solange der Roadster rollt, ist er im zweiten Gang gut aufgehoben.

Erst draußen vor den Toren der Stadt darf es auch mal der dritte sein. Und plötzlich zittert sich die Tachonadel im schmucken Cockpit der 90er-Marke entgegen. Der Fahrtwind erreicht Orkanstärke, und man duckt sich immer tiefer in die kleinen Sesselchen mit dem brüchig gewordenen Leder.

Heute hat man damit schnell eine lange Schlange hinter sich, aus der sich allerdings keiner traut, den rüstigen Rentner anzuhupen. Doch vor bald 80 Jahren reichte das nicht für einen Stau, sondern für ungläubiges Staunen – erst recht bei einem Opel. Dabei könnte die Basis kaum biederer sein.

Der vom Karosseriebauer Deutsch in Köln produzierte Sonderling basiert auf dem Typ 1,8, mit dem Opel damals lange vor Vectra oder Insignia die Mittelklasse aufgemischt hatte. Den hatten die Hessen zwei Jahre vorher mit dem Rationalisierungs-Knowhow der Konzernmutter General Motors zum Schnäppchen gemacht: Für die gut 3000 Mark, für die es bei Opel einen Sechszylinder gab, montierten die Konkurrenten nur vier Zylinder. Kein Wunder, dass der Typ 1,8 gut ankam.

Opel baute davon bis zu 300 Autos am Tag. Beim Produktionsende 1934 standen über 32 000 Fahrgestellnummern in den Büchern. Davon konnten sie bei Deutsch in Köln natürlich nur träumen. Denn dort sind es gerade mal 51 Autos – und zwar über die gesamte Laufzeit.

Das macht den Moonlight-Roadster für die Opel Klassik-Sammlung zu einem Juwel mit unschätzbarem Wert, selbst wenn er nur für einen bescheidenen sechsstelligen Betrag versichert ist.

Vorkriegsautos sind vergleichsweise unterbezahlt, aber…

«Doch ein realer Marktwert lässt sich für einen solchen Exoten kaum bestimmten», sagt Oldtimer-Spezialist Frank Wilke von Classic Analytics. Wert und Wertschätzung gingen da weit auseinander.
Denn nicht nur, dass Vorkriegsautos vergleichsweise unterbezahlt seien. Sonden obendrein sei Opel eben auch noch eine rein deutsche Marke und etwa im Amerika oder bei den neuen Sammlern aus Asien gänzlich unbekannt. «Ein Verkäufer wird damit deshalb kaum mehr erlösen als manch neuer Opel kostet», so Wilke.

Die Frage ist bei dieser geringen Stückzahl ohnehin eher hypothetischer Natur – zumal von den 51 Exemplaren nach Opel-Sprecher Mertins Wissensstand nur noch zwei existieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es den also irgendwann und irgendwo mal zu kaufen gibt, ist denkbar gering.

Top

Aus Allen Staaten

•••••••••••••

Top

WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Taverne «Omikron», Eiscafe «Corona» – Firmennamen und die Pandemie

Frankfurt/Main: Kostas (Konstantinos) Tsapakidis steht am Abend an der Toreinfahrt zu seinem griechischen Restaurant names “Taverna Omikron” in einem Hinterhof im Stadtteil Bockenheim, das er seit rund 30 Jahren betreibt. Foto: dpa

Bei einem Veranstaltungstechniker gehen Impfanfragen ein, eine italienische Eisdiele erlebt einen Selfie-Boom: Wie es ist, wenn der Name der eigenen Firma plötzlich die Schlagzeilen beherrscht.

Von Isabell Scheuplein
Frankfurt/Main (dpa) – Nur wenige Tische sind besetzt in der «Taverna Omikron». Normalerweise wird hier nicht nur griechisch gespeist, es gibt auch Live-Musik und Tanz. Doch es ist Corona-Pandemie – und zwar die aktuelle Welle mit einer Virus-Variante, die ausgerechnet so heißt wie das gemütliche Keller-Lokal: Omikron. «Das ist der 15. Buchstabe des griechischen Alphabets», sagt Inhaber Kostas Tsapakidis schlicht auf die Frage, wie die Taverne zu ihrem Namen kam. Probleme bereite dies derzeit nicht, zumindest nicht zusätzlich zu denen, die Corona ohnehin schon gebracht hat.

Seit 30 Jahren besteht das «Omikron» unweit der Frankfurter Messe, das Jubiläum soll eigentlich groß gefeiert werden mit Musikern unter anderem aus Griechenland. Wann es dazu kommen kann, ist derzeit unklar. Inhaber Tsapakidis versucht es mit Humor und Zuversicht. «Wir sind keine Variante, wir sind das Original», sagt er schmunzelnd. In seinem Lokal werde man nur mit Lebensfreude angesteckt. Die Variante werde hoffentlich das Ende der Pandemie sein, fügt er ernster hinzu.

Corona, Covid, Booster: Zahlreiche Begriffe haben es in knapp zwei Jahren Krise in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft, die zuvor schon jahrelang Firmen, Produkte oder gar Menschen bezeichneten. Auch zu deren Vorteil. Der Braukonzern Anheuser Busch Inbev berichtete über einen Absatzsprung der Bier-Sorte «Corona Extra». Auf was dies letztlich zurückzuführen sei, sei aber nicht gesichert, sagte ein Sprecher. Unter «Corona» (lateinisch für «Krone» oder «Kranz») wurden auch schon Autos und Brettspiele in Verkehr gebracht, zudem heißen zahlreiche Orte und Menschen so.

Einen regelrechten Selfie-Boom erlebte das Eis-Café «Corona» im hessischen Taunus-Städtchen Oberursel. Das gleichnamige Virus habe für mehr Bekanntheit gesorgt, berichtet Margherita Franceschet, die das Café zusammen mit ihrem Mann betreibt. Vermutlich sei «Corona» häufig im Internet gesucht worden und die Menschen hätten dann die Eisdiele entdeckt.

Viele kamen und fotografierten die Eisbecher mit «Corona»-Schriftzug oder machten Selfies außen am Café. Autos blieben für Schnappschüsse auf der Straße stehen. Wenn Kunden scherzhaft fragten, ob das Eis denn hoffentlich virenfrei sei, antworte ihr Mann, im Gegenteil, es sei sehr gut für die Gesundheit, sagt Margherita Franceschet. Das Eiscafé trägt seinen Namen seit 1994. Er erinnert an die Straße, in der ihr Mann aufgewachsen sei.

Nicht wie das Coronavirus, aber ähnlich wie die von ihm ausgelöste Krankheit heißt ein Inder, der auf Twitter über Missverständnisse, Witze und Verwirrung berichtet: Kovid Kapoor. Mit «Covid» als Namen für die vom Virus ausgelöste Krankheit wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Namen finden, der sich nicht auf eine Person oder eine Gruppe von Menschen, eine geografische Region oder ein Tier bezieht. «Ich heiße Kovid und ich bin kein Virus», twitterte Kapoor damals. Als ihm seine Freunde zum 30. Geburtstag einen Kuchen bestellt hätten, habe die Konditorei geschrieben: «Happy birthday, #covid-30».

Der Beginn der Kampagne für die Auffrischungsimpfung brachte der Firma für Veranstaltungstechnik «Booster» im hessischen Taunusstein mehr Arbeit mit dem elektronischen Postfach. Bei ihm melden sich nun Menschen, die den dritten Pieks haben wollten, wie Inhaber Rene Krauss berichtet. Auch Beschwerden über schief gegangene Registrierungen laufen auf. Sind die Mails freundlich, antworte er, um den Irrtum aufzuklären. Alles andere ignoriere er. Im Bekanntenkreis würden zudem sehr viele «Booster»-Scherze gemacht, berichtet Krauss.

An Umbenennung habe er nicht gedacht, sagt der Inhaber und verweist auf die fast 30-jährige Firmengeschichte. Der Name «Booster» gehe auf eine Funktion im Auto «K.I.T.T.» aus der Serie «Knight Rider» zurück. Die Pandemie sei für seine Firma eine sehr große Herausforderung, sagt Krauss: «Man muss improvisieren und sich immer wieder neu erfinden.» Digitale Veranstaltungen anbieten beispielsweise und zusehen, dass man sich behaupte.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Veranstaltungstechniker – performance technician
Impfanfragen – vaccination inquiries
Eisdiele – ice cream shop
eigenen – own
plötzlich – suddenly
Schlagzeilen – headlines
beherrscht – dominates
gespeist – consumed
ausgerechnet – just happens
Keller-Lokal – cellar bar
Inhaber – owner
schlicht – simply
bereite – ready fr
unweit – not distant
Jubliläum – celebration
Zuversicht – confidence
schmunzelnd – amused
Lebensfreude – joy of life
angesteckt – infected
fügt hinzu – added
zahlreiche – numerous
bezeichneten – described
Vorteil – advantage
Absatzsprung – jump in sales
Brettspiele – board games
regelrechten – regular
Bekanntheit – recognition
betreibt – runs
vermutlich – presumably
Schriftzug – lettering
Schnappschüsse – snap shots
scherzhaft – jokingly
aufgewachsen – grew up
ähnlich – similarly
ausgelöste – caused
Inder – East Indian
Verwirrung – confusion
bezieht – connects
Kampagne – campaign
Auffrischungsimpfung – booster shot
Pieks – jab
Beschwerden – complaints
schief gegangene – gone wrong
Umbenennung – name change
verweist auf – references
Herausforderung – challenge
sich behaupte – held their own

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*