05. Oktober 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

35 Prozent Engländer: Millionen Menschen betreiben DNA-Ahnenforschung

Mithilfe von DNA-Analysen kann man Krankheiten erkennen, Mörder fassen und seinen Vater finden. Immer mehr Menschen nutzen sie auch, um ihrer Abstammung nachzugehen. Funktioniert genetische Ahnenforschung wirklich? Was gibt es zu bedenken?

Ein Mann entnimmt sich mit einem Wattestäbchen Mundschleimhautzellen für eine DNA-Probe. Foto: dpa

Von Marco Krefting
München (dpa) – 34,8 Prozent Engländer, 32,3 Prozent Nord-/Westeuropäer, 19,6 Prozent Skandinavier, 10,6 Prozent Osteuropäer und 2,7 Prozent Balkanbewohner. Das ist das Ergebnis eines Tests dazu, aus welchen Regionen die Ahnen stammten. Nötig war nur eine DNA-Probe, selbstgemacht: Im Internet kann man Versuchskits bestellen, die per Post kommen. Stäbchen in den Mund, Speichel abstreichen und in kleine Röhrchen verpacken. Wie steril das Ganze abläuft, ist jedem selbst überlassen. Abschicken und auf die Ergebnisse der Gen-Analyse warten. Dann kann die DNA-Ahnenforschung losgehen.

Immer mehr Menschen nutzen die Angebote von Firmen wie Ancestry, MyHeritage, 23andMe und iGENEA. Ancestry mit Deutschland-Sitz in München teilt mit, weltweit hätten mehr als 15 Millionen Menschen dort den DNA-Test gemacht, 3 Millionen zahlende Mitglieder nutzten die Plattform für Ahnenforschung. MyHeritage aus Israel zählt über 100 Millionen registrierte Nutzer weltweit, etwa 4 Millionen aus Deutschland. «Das Interesse an der Ahnenforschung steigt, wir zählen Tausende neue Nutzer täglich.» Der Schweizer Anbieter iGENEA wiederum verrät nur, dass ein Viertel der Kunden aus Deutschland stamme. Jedes Jahr kämen neue hinzu, «wobei insbesondere seit 2016 ein starker Anstieg zu verzeichnen ist».

Die Tests analysieren ausgewählte DNA-Segmente und gleichen sie mit Referenzdaten ab. Sie sind für rund 60, 70 Euro aufwärts zu bekommen. Manchmal gibt es Rabattaktionen. Wer seine DNA mit allen Verwandten und Urvölkern abgleichen will, zahlt weit über 1000 Euro.

Es stellt sich die Frage, was man mit Ergebnissen wie «17 Prozent Schweden» anfangen soll und wie seriös so etwas ist. «Das hat schon Hand und Fuß», sagt Stephan Schiffels aus der Abteilung Archäogenetik am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Wichtig sei, die Zahlen zu interpretieren: «Für enge Verwandtschaftsverhältnisse funktioniert so ein Test sehr robust. Das reicht bis zur Cousine vierten Grades.»

Schwieriger werde es, wenn man kleinteiliger werden will. Innerhalb Europas unterscheiden sich die Herkunftslinien dem Physiker zufolge sehr wenig. «Bei nahe liegenden Ländern gab es viel Genfluss, die haben sich angenähert.» Dann könne man größere Gruppen wie skandinavisch und mediterran unterscheiden. «Je kleinteiliger Sie das aber aufschlüsseln, desto fragwürdiger wird es», erklärt Schiffels. «Wenn ich wissen will, wie viele meiner Vorfahren aus Preußen, Bayern, Schwaben und Friesland sind, kann ich das vergessen.»

Die Anbieter erklären auf ihren Internetseiten, wie sie arbeiten und welche Ergebnisse sie liefern. «Dadurch vermeiden wir eine falsche Erwartungshaltung und erzielen eine größere Kundenzufriedenheit», sagt ein iGENEA-Sprecher. Kritik gebe es kaum.

Viele bieten Zusatz-Optionen an: Kunden können Stammbäume anlegen und Datenbanken durchsuchen. Und es werden Geschichten präsentiert über Familienzusammenführungen dank DNA-Analyse mit überglücklichen Menschen, die Dinge sagen wie: «Nach Jahrzehnten habe ich endlich meinen Halbbruder in den USA gefunden.» oder «Ich fühle mich in vielen Ländern zu Hause. Jetzt weiß ich wieso.»

Eine Ancestry-Sprecherin erklärt: «Wir können die genetische Herkunft in weltweit über 500 Regionen zurückverfolgen. Neben ganzen Ländern stehen in der Liste auch Kombinationen von Gebieten wie «Nördliches Chihuahua und Südwest-New-Mexico», «Elsass-Lothringen und North Dakota» oder «Sachsen, Iowa und Illinois».

In Ländern wie Irland und England, aus denen viele Menschen in der Ancestry-Datenbank seien und große Stammbäume erstellt hätten, könnten einige «genetische Communities» bis auf einen Radius von ungefähr 16 Kilometern heruntergebrochen werden, so die Sprecherin. «Grundsätzlich ist es in Deutschland jedoch so, dass wir eine sehr bewegte Geschichte mit vielen Ein- und Auswanderungswellen hatten», erläutert sie weiter. «Diese Vielfalt zeigt sich auch in der vielschichtigen Zusammensetzung unseres Gen-Pools.»

Isabelle Bartram vom Verein Gen-ethisches Netzwerk verweist auf Berichte, in denen Tests von verschiedenen Firmen unterschiedliche Ergebnisse bei derselben Person ergaben. «Da es keine Standards oder Überprüfung von Abstammungstests gibt, ist dies nicht verwunderlich.» Zudem könne keine Referenzpopulation vollständig repräsentativ für Menschen in einer bestimmten Region sein.

Besonders kritisch hinterfragt Bartram den Datenschutz. «Wer seine Speichelprobe an ein Gentestunternehmen schickt, gibt ganz besondere Informationen über sich heraus», warnt sie. DNA-Daten würden als besonders sensibel betrachtet, seien unveränderbar und identifizierten Menschen eindeutig. Manche Nutzungsbedingungen enthielten Angaben zur Weitergabe der Daten zu Forschungszwecken.

Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht, Thomas Kranig, sagt, DNA-Ahnenforschung sei datenschutzrechtlich ein sehr sensibles Gebiet. Der Schutz müsse sicher deutlich besser sein als für «einfache Kundendaten». Selbst aus der DNA gestorbener Personen, bei denen der Datenschutz nicht mehr greift, könne auf andere, noch lebende Personen geschlossen werden, macht er deutlich.

Ancestry hat sogar den Negativpreis Big-Brother-Award 2019 bekommen. In der Laudatio des ehemaligen Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, heißt es, Ancestry erteile deutschen Kunden vor der DNA-Analyse keine humangenetische Beratung, «obwohl diese verpflichtend im deutschen Gendiagnostikgesetz vorgesehen ist». Auch könnte ein Vater DNA von sich und Kindern einsenden, um auf diesem Weg de facto einen Vaterschaftstest machen zu lassen. Damit würde er sich nach deutschem Recht strafbar machen.

Probengeber sollten sich klarmachen, was sie tun. «Anbieter wie Ancestry missbrauchen das Interesse an Familienforschung, um einen Genom-Schatz für die kommerzielle Forschung anzuhäufen, denn das ist ihr eigentliches Geschäftsmodell», resümiert Weichert. «Wir sehen hier einen Trend: Nach der Ausbeutung von Internetdaten wird die Ausbeutung von Gendaten das nächste ganz große Ding.»

Wer seine DNA aufschlüsseln lässt, kann sich auch so in die Nesseln setzen – wie das Beispiel von Thomas Gottschalk zeigt. Der twitterte sein Analyseergebnis verbunden mit dem Spruch: «Afrika war ja klar. Aber über 50% Prozent Osteuropäer! Deswegen hab ich als Kind so geklaut.» Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

betreiben – are into
Ahnenforschung – genealogical research
Abstammung – family roots
bedenken – object to
Ergebnis – result
Versuchskits – here: DNA tests
zahlende Mitglieder – paying members
verrät – reveals
verzeichnen ist – has been recorded
ausgewählte – selected
abgleichen – compare
Rabattaktionen – rebate offers
Urvölkern – ancient peoples
enge Verwandtschaftsverhältnisse – close familial relationships
Herkunftslinien – sources of heritage
aufschlüsseln – break down
fragwürdiger – more questionable
vermeiden – avoid
kaum – few
seien – apparently are
erstellt – compiled
heruntergebrochen – broken down to
bewegte Geschichte – here: fluid history
vielschichtigen – many layered
verweist auf – references
verwunderlich – surprising
Speichelprobe – saliva test
eindeutig – individually
Forschungszwecken – research purposes
Datenschutzaufsicht – data protection oversight
nicht mehr greift – here: no longer applies
Laudatio – honorific speech
ehemaligen – former
Beratung – advice
verpflichtend – required
-gesetz vorgesehen ist – as provided for in law
würde strafbar machen – could be fined or imprisoned
sollten sich klarmachen – should understand themselves
Genom-Schatz – genom riches
anzuhäufen – to accumulate
Geschäftsmodell – business model
resümiert – summed up
Ausbeutung – exploitation
in die Nesseln setzen – idiom: get into hot water
deswegen…geklaut – that’s why…stole

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Roter Zoff am Schwarzen Meer: Vettels bitteres Aus in Sotschi

Sebastian Vettel erlebt in Sotschi ein Fiasko. Er zeigt zunächst eine brillante Leistung, dann stoppt ihn ein Defekt am Ferrari. Für die Scuderia ist es ein schwarzer Tag. Der Sieger heißt Lewis Hamilton.

Der Rennwagen des Ferrari-Piloten Sebastian Vettel aus Deutschland wird von Mechanikern in der Box abgeschleppt. Foto: dpa

Von Thomas Wolfer und Jens Marx
Sotschi (dpa) – Trotz der Teamorder-Farce von Sotschi und dem brutalen Aus wegen eines Defekts an seinem Ferrari ließ sich Sebastian Vettel zu keiner unbedachten Äußerung hinreißen. Tief atmete der viermalige Formel-1-Weltmeister durch, dann stellte er klar: «Ich habe meinen Teil der Absprachen eigentlich eingehalten.» Den Rest wollte der viermalige Formel-1-Weltmeister beim roten Zoff am Schwarzen Meer am Sonntag intern und auch mit Teamkollege Charles Leclerc klären. Der Monegasse hatte sich nach Vettels grandiosem Start beklagt und seine Führungsposition zurückverlangt. Sein deutscher Rivale aber hatte sich eine Woche nach seinem ersten Saisonsieg in Singapur geweigert.

Vor den Fernsehkameras wirkte Vettel zwar gefasst, aber nach der nächsten persönlichen Niederlage mit dem Aus in der 28. Runde ebenso schmallippig. Profiteur an einem desaströsen Tag für die Scuderia war in Russland wieder einmal Lewis Hamilton. Der Titelverteidiger fuhr im Mercedes seinen ersten Erfolg nach der Sommerpause ein und ist seinem sechsten WM-Triumph wieder ein gutes Stück näher.

Mit dem zweiten Platz sorgte Valtteri Bottas für die optimale Ausbeute für den deutschen Werksrennstall, Leclerc wurde im zweiten Ferrari von der Pole Position nur Dritter. «Wir hatten die Chance, dass es besser wird», sagte Leclerc und ergänzte zum Verhältnis mit Vettel: «Das Vertrauen zwischen uns ist weiter da, das brauchen wir auch.»

Zu Beginn sah es zunächst nach dem zweiten Vettel-Sieg nacheinander aus. Beim Start zog er an Hamilton vorbei, dann attackierte der Hesse aus dem Windschatten auch Leclerc. Mit Erfolg. Innen zog er vorbei und lag in Führung. Prompt entwickelte sich eine Funk-Farce. Zunächst wurde Vettel angewiesen, Leclerc wieder überholen zu lassen. «Ich habe das zu dem Zeitpunkt nicht verstanden», sagte Vettel. Leclerc klärte auf: «Die Taktik war, ihm Windschatten zu geben.» Doch dann wollte der Deutsche die Positionen nicht mehr tauschen. Die Risse im Team wurden mehr als deutlich.

«Wenn man sich die Videos anschaut, wird sich das alles klären können», sagte Teamchef Mattia Binotto und war um Deeskalation bemüht. Doch noch im Auto beschwerte sich Leclerc bei seinen Chefs. Eine Woche nachdem ein Boxenstopp Vettel im Teamduell in Singapur begünstigt und ihm den Weg zum ersten Triumph nach über einem Jahr geebnet hatte, fühlte sich Leclerc abermals benachteiligt. Und er teilte das auch mit. Im Ziel kündigte der Wunderknabe dann in Richtung Vettel an: «Wir werden jetzt miteinander sprechen.»

Im Rennverlauf hielt Vettel Leclerc auf Abstand. Dahinter staunte Hamilton über den Speed der Ferraris, der fünfmalige Champion kam nicht ran. Allerdings konnte er mit den etwas härteren Reifen länger auf der Strecke bleiben. Als erster der Topfahrer in die Box kam Leclerc. Vor einer Woche war es Vettel gewesen. Jetzt musste er richtig Gas geben. Die ersten Überrundungen waren allerdings nicht förderlich, den Vorsprung auf Leclerc so groß zu halten, dass er beim Vettel-Stopp immer noch hinter ihm bleiben würde.

Die Reifen ließen nach, Vettel informierte sein Team, das ihn aber nicht reinholte – bis das Polster absehbar nicht mehr ausreichen würde. Und so passierte, was passieren musste: Vettel kam nach seinem Reifenwechsel als Zweiter hinter Leclerc zurück. Doch damit nicht genug. Der Ferrari war am Ende. Ein Defekt. Vettel musste sein Auto abstellen. «Bringt diese verdammten V12 zurück», fauchte er. Die früheren Motoren kamen ohne Hybridsystem aus, dass Vettel stoppte.

Vettel befestigte nun in aller Ruhe das Lenkrad, hüpfte fast schon zynisch von seinem Wagen und übergab den defekten Ferrari den Streckenposten. «Nach dem Stopp, der vielleicht in ein bisschen spät kam, hatte ich keine Leistung von der Batterie mehr. Es fehlten 160 PS», sagte Vettel. Er habe auf Anweisung des Teams angehalten.

Was so gut begann, wurde für Ferrari zum kompletten Desaster. Denn Hamilton nutzte die Safety-Car-Phase durch das Vettel-Aus zum Reifenwechsel und schob sich so an Leclerc vorbei. Und auch Bottas schlüpfte durch, weil Leclerc noch mal auf die schnelleren Reifen ging. Danach demonstrierte Mercedes, wie erfolgreiche Teamarbeit aussieht: Bottas diente als Puffer, hielt Leclerc Runde um Runde auf, während Hamilton an der Spitze seinem 82. Karrieresieg entgegenfuhr: «Ein unglaublicher Job von allen, wir haben nie aufgegeben.»

Im WM-Klassement kann die WM für Vettel schon beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Japan auch rechnerisch gelaufen sein. Er hat auf Rang fünf satte 128 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton (322), Bottas ist Zweiter (249), Leclerc Dritter (215).

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Feuilleton

Wertvolle Bibel wird versteigert

Eine „Biblia Latina“, bestehend aus zwei Bänden. In Hamburg wird eine solche Bibel versteigert. Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Sie stammt direkt aus Gutenbergs Druckpresse: Im Rahmen der Auktion Wertvolle Bücher kommt am 25. November bei Ketterer Kunst in Hamburg eine wertvolle Bibel zum Aufruf. Der Schätzpreis liegt bei einer Million Euro, teilte das Auktionshaus mit. „Die Biblia latina von Johannes Fust und Peter Schöffer, den direkten Nachfolgern von Johannes Gutenberg, ist ein absolutes Meisterwerk, das noch zu Lebzeiten des Erfinders des Buchdrucks gedruckt wurde“, hieß es. Johannes Gutenberg (1400-1468) revolutionierte die Methode der Buchproduktion mit beweglichen Metalllettern. Nur sieben Jahre nach der weltberühmten Gutenbergbibel schuf sein Meisterschüler Peter Schöffer mit seinen eigenen, zeitgemäßeren Lettern die wertvolle Fust-Schöffer Bibel. Das äußerst seltene, vollständige, ganz auf Pergament gedruckte Exemplar sei in seiner Kunstfertigkeit auf direkter Augenhöhe mit der Gutenbergbibel zu sehen und werde sicherlich vor allem in Sammlerkreisen sehr gefragt sein, hieß es.

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Umwelt

Fast drei Milliarden Vögel weniger:
Vogelsterben in Nordamerika

Das Artensterben schreitet weltweit massiv voran

Betroffen sind bei weitem nicht nur seltene und exotische Spezies, belegt eine neue Studie. Noch vor wenigen Jahren zwitscherten, schnatterten und tirillierten demnach etliche Millionen Vögel mehr in Nordamerika. Foto: dpa

Washington (dpa) – Binnen weniger Jahrzehnte ist der Vogelbestand Nordamerikas einer Studie zufolge um fast drei Milliarden Vögel geschrumpft. Die Populationen in den USA und Kanada seien seit 1970 um insgesamt 29 Prozent zurückgegangen, berichten Forscher im Fachmagazin «Science». Mehr als 90 Prozent des Rückgangs entfallen demnach auf zwölf weit verbreitete Vogelgruppen wie Spatzen, Finken und Schwalben. Die auch bei uns bekannten Vögel beeinflussen die Nahrungskette und das Ökosystem enorm, beispielsweise indem sie Samen verteilen oder Schädlinge fressen.

Den Forschern um Kenneth Rosenberg von der Cornell University in Ithaca zufolge ist die Natur Nordamerikas inzwischen sehr stark durch menschliche Eingriffe beeinflusst. Die Verluste bei Vogelbeständen weltweit lassen demnach darauf schließen, dass kleiner werdende Lebensräume, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Urbanisierung zu den Hauptursachen des Schwunds gehören. Die massive Nutzung von Pestiziden lasse viele Insektenpopulationen stark zurückgehen und beraube die Vögel einer essentiellen Nahrungsquelle. Auch freilaufende Hauskatzen und tödliche Flüge gegen Glasscheiben hätten Studien zufolge einen Anteil.

Die Forscher um Rosenberg hatten die Entwicklung der Vogelbestände nachvollzogen, indem sie Daten von Wetterradar-Stationen zum Überflug von Vögeln und von bodengebundenem Monitoring auswerteten. Insgesamt 529 in den USA und Kanada lebende Vogelarten wurden berücksichtigt.

Bei den Wiesenbrütern wurde der größte Populationsrückgang beobachtet: Die Bestände der 31 Arten sanken im Mittel um die Hälfte – sie zählen nun mehr als 700 Millionen brütende Individuen weniger. Die Zahl der Waldvögel schwand um eine Milliarde, einen leichten Zuwachs gab es hingegen im Mittel bei den in Feuchtgebieten lebenden Arten. Starke Rückgänge seien in Studien auch schon bei Insekten und Amphibien beobachtet worden, erläuterte Mitautor Peter Marra. Ganze Ökosysteme seien in Gefahr.

Forscher in Bayern hatten kürzlich vor einem dramatischen Schwund an Brutpaaren hierzulande gewarnt: Binnen 30 Jahren sank die Zahl der Vogelbrutpaare am Bodensee um ein Viertel, wie eine in der Fachzeitschrift «Vogelwelt» vorgestellte Studie ergab. 1980 lebten demnach an dem See rund 465 000 Brutpaare, 2012 nur noch 345 000.
Einst häufige Arten wie Haussperling, Amsel oder Star seien besonders stark zurückgegangen. Als eine wesentliche Ursache wurde das Insektensterben vermutet.

Auch in anderen Regionen Deutschlands sind die Bestandszahlen vieler Arten demnach eingebrochen. Die Entwicklung spiegele einen europaweiten Abwärtstrend wieder.

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Reise

Neuer Mega-Flughafen in Peking eröffnet

Mit 700.000 Quadratmetern hat der neue Flughafen in Daxing die Fläche von 98 Fußballfeldern.
Foto: Hei Jianjun/Imaginechina via ZUMA Press/dpa

Peking (dpa) – Nach nur vier Jahren Bauzeit ist in Peking der neue internationale Flughafen in Betrieb genommen worden. Auf der Feier verkündete Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping persönlich die Eröffnung des Mega-Airports. Der Flughafen in Daxing rund 50 Kilometer südlich der Innenstadt ist nach Gebäudefläche der größte Flughafen der Welt. Er soll bis 2021 rund 45 Millionen Passagiere im Jahr transportieren und später auf 100 Millionen erweitert werden. Wegen ihrer sechs Seitenarme wird die Konstruktion auch „Seestern“ genannt.

Passagiere sollen kurze Wege haben – maximal 600 Meter. Der Flughafen wurde von der 2016 gestorbenen irakischen Architektin Zaha Hadid und ihren chinesischen Partnern entworfen, hat organische Formen und viel natürliches Licht. Mit 700.000 Quadratmetern hat er die Fläche von 98 Fußballfeldern. Die Reisenden sollen mit einer Schnellbahn in 20 Minuten in die Innenstadt gebracht werden können.

Schon heute werden mehr als 100 Millionen Flugreisende über den alten Flughafen im Norden Pekings abgewickelt. Er gilt damit nach dem US-Airport Hartsfield-Jackson Atlanta als der größte der Welt. Sein großer dritter Terminal (T3) war erst kurz vor den Olympischen Spielen 2008 eröffnet worden, platzt aber heute aus allen Nähten.

Der neue Flughafen wurde in den Staatsmedien als Zeichen für Chinas Leistungsfähigkeit und Wachstum gefeiert. Seine Eröffnung erfolgte wie geplant rechtzeitig zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik, der am Dienstag mit einer Militärparade gefeiert wird.

Auch chinesische Medien weisen gerne darauf hin, wie schnell der neue Pekinger Airport gebaut wurde und wie lange dagegen der schon seit 13 Jahren im Bau befindliche neue Berliner Flughafen (BER) braucht, der jetzt im Oktober 2020 eröffnet werden soll. „Berlin kann von Peking lernen“, hatte es während des Baus geheißen.

Der Berliner Flughafen wurde als „unvollendetes“ Projekt beschrieben, das den guten Ruf der Qualität von „Made in Germany“ und deutscher Fertigung „beflecken“ dürfte. Auch wurden deutsche Medien zitiert, dass der – obendrein noch kleinere – Berliner Flughafen „zu peinlich“ sei, wenn man sich den großen neuen Pekinger Airport anschaue.

„Er ist die größte integrierte Transportdrehscheibe der Welt“, sagte Projektleiter Bai Henhong der Nachrichtenagentur Xinhua. Zu Beginn stehen vier Start- und Landebahnen zur Verfügung – in Zukunft sollen es sieben werden. Als erster regulärer Flug verließ eine Maschine von China Southern Airlines den Flughafen.

Anfangs werden zunächst China Southern und China United Airlines in Daxing abfliegen. Fluggesellschaften der globalen Allianz Skyteam mit China Eastern oder Delta, Korean und Air-France-KLM sollen nach und nach umziehen. Die Lufthansa wird aber an ihrem bisherigen Terminal 3 des alten Flughafens bleiben, wo auch ihr Star-Alliance-Partner Air China weiter seine meisten Flüge abwickeln wird.

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Von wegen spießig und ernst: Hosenanzüge für Frauen

Das Label sheego kombiniert einen lässig geschnitten Hosenanzug zu einer eleganten Bluse (Blazer ca. 80 Euro, Hose ca. 60 Euro, Satinbluse ca. 50 Euro).
Foto: sheego/dpa

Von Andrea Abrell
Gießen/Düsseldorf (dpa) – Die Uniform der braven Angestellten im Büro ist wieder in Mode – kann das sein? Es kann. Denn Hosenanzüge erleben aktuell ein Make-over – beim Schnitt und manchmal auch bei der Farbe.
Es klingt wie ein alter Hut: Hosenanzüge sind im Trend. Denn die praktischen Zweiteiler begleiten Frauen ja nicht erst seit gestern. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich: Es tut sich gerade viel bei den aktuellen Hosenanzügen und sogar die Modehipster greifen gerne dazu – nicht nur für den Berufsalltag. Ein Überblick:

Die Schnitte: Übergroß oder figurbetont
Es gibt zwei Stilrichtungen bei den Anzügen – und diese «unterscheiden sich komplett voneinander», erklärt die Stilberaterin Simone Schmid aus Langgöns bei Gießen. Zum einen sind Oversized-Anzüge im Trend. Sie zeichnen sich durch lässig geschnittene Jacketts und weite Hosen aus, die oftmals sogar Überlänge haben. Diametral dazu stehen die sogenannten Tayloring-Anzüge, die auf Figur geschnitten sind. Die Blazer sind tailliert und die Hosen schmal, berichtet Schmid.

Bei der Wahl des Stils spielt vor allem ein Punkt eine entscheidende Rolle: die eigene Figur. «Oversized-Anzüge beispielsweise sind ideal für große, schlanke Frauen. Alle anderen sollten bei diesem Trend genau hinschauen», rät Schmid. «Die Kombination aus weitem Sakko und überlanger Hose nämlich staucht die Figur optisch.» Dagegen könnten kleinere, aber auch große Frauen gut den schmalen Hosenanzug tragen. «Generell ist diese Form mit den meisten Figuren kompatibel», erklärt Schmid.

Die übergroßen Blazer haben noch eine Eigenheit, und zwar betonte Schulterpartien. Dieses Detail kennen viele noch aus den 80er-Jahren – insbesondere aus Fernsehserien wie «Denver Clan» und «Dallas». Heute sind die Schultern zwar auch betont, aber lange nicht so stark wie damals.

Die Form der Anzüge formt auch Accessoires entscheidend. Genauer gesagt: die Gürtel. «Sie sorgen für eine optische Teilung des Anzugs», sagt Schmid. «Einige Anzugjacken haben einen femininen Bindegürtel, andere dagegen werden mit einem oder mehreren schmalen Gürteln kombiniert.»

Die Farben: Klassisch grau oder modern knallig
«Natürlich bleiben die klassischen Töne für einen Hosenanzug wie etwa Grau, Dunkelblau oder Schwarz im Trend», erklärt Sabin Boddem, Farbberaterin aus Düsseldorf. Sie hat darüber hinaus aber viele weitere Töne ausgemacht. Dazu gehören Pastelltöne wie etwa Himmelblau ebenso wie leuchtende Rot- und Grüntöne.

«Besonders schön für den Business-Look sind die sogenannten Herbstfarben, die jetzt eine große Rolle spielen. Dazu gehört ein sonnig-warmes Goldgelb ebenso wie Braunnuancen», zählt Boddem auf. «Die Herbstfarben zählen zu den warmen Tönen und geben einem streng geschnittenen Hosenanzug einen Touch von Weiblichkeit.»

Und wie alltagstauglich – besser gesagt, wie berufstauglich – sind die Hosenanzüge mit leuchtenden Farben? «Auf jeden Fall», findet Imageberaterin Katharina Starlay aus Wiesbaden. «Farben sind vor allem ein großer Vorteil, den man als Frau im Job hat – vorausgesetzt, die Farbe passt zum Typ und zum eigenen Colorit.» Nur dann falle man angenehm auf.

Die Modeexpertin betont: «Vorsicht aber bei zu auffälligen Akzentfarben wie Apfelgrün oder Pink. Bei ihnen ist der Erinnerungsfaktor sehr hoch. Genau deshalb sollte man darauf achten, dass man einen Anzug nicht mehrfach hintereinander und zu ähnlichen Anlässen trägt.» Gerade bei den Oversized-Anzügen ist für Starlay übrigens «die Kombination von maskulinem Schnitt mit femininer Farbe im Business sehr gelungen».

Die Muster: Hahnentritt und Nadelstreifen
Das geradezu ewig präsente Karo ist auch bei den Anzügen beliebt. «Dabei ist Hahnentritt besonders angesagt und löst klassisches Glencheck ein wenig ab», berichtet Schmid. «Was aber nach wie vor im Trend bleibt, sind Nadelstreifen – ebenfalls ein echter Musterklassiker.»

Andere Streifen hingegen sind langsam weniger gefragt: Galonstreifen an den Seiten einer Hose, die man ursprünglich vor allem von Trainingshosen kennt. Dieser Trend habe zumindest an der Anzughose «wohl seinen Höhepunkt schon erreicht», vermutet Schmid.

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Aus Allen Staaten

Liebe Wochenpost-Freunde,

Ich, Adele Reinke, (Fraser, MI) bin eine treue Leserin unserer deutschen Zeitung und freue mich, dass sie auch nach 155 Jahren noch besteht und hoffe, sie wird uns noch viele Jahre erhalten bleiben.

Es ist kaum zu fassen, was ein Foto in Ihrer Zeitung ausgelöst und welche Kreise es gezogen hat. In der Ausgabe vom 14./20. Juli 2019 fand ich ein dpa Bild auf der Titelseite aus der Kirschenstadt Witzenhausen (Hessen) über den deutschen Königinnentag. Da meine Schwester, Ursula Apel (bekannt in Witzenhausen durch Apel-Reisen) mir nichts von diesem Ereignis erzählt hatte, nahm ich die Zeitung bei meinem geplanten Flug in die alte Heimt Anfang August mit. Die Zeitung wurde bei Familie und Freunden herumgereicht und landete schliesslich bei Johannes Siebold von der Tourist-Information Witzenhausen. Dies wiederum führte dazu, dass meine Schwester ein Interview mit Lara Thiele hatte, welches in der Werra-Meissner Augabe der HNA Zeitung vom 24. August erschien. Dazu auch noch das oben erwähnte Foto der Nordamerikanischen Wochenpost. Welch eine tolle Reklame für unsere Wochenpost !

Besten Gruss, Adele.

Siehe Bericht unten

Deutsche Königinnen in US-amerikanischer Zeitung

Foto von Königinnentag in Witzenhausen in Nordamerikanischer Wochenpost

Der Königinnentag in amerikanischer Wochenzeitung: Adele Reinke, die in den USA lebt, hat das Foto gefunden.© Tourist-Info Witzenhausen

Die Nordamerikanische Wochenpost – eine deutsche Wochenzeitung in den USA – berichtete mit einem Foto auf der Titelseite über das Ereignis in der Kirschenstadt. Aufgefallen ist dies Adele Reinke. Die 90-Jährige lebt seit 1956 in den USA, kommt aber ursprünglich aus Gertenbach. Jedes Jahr besucht sie ihre Schwester Ursula Apel in Witzenhausen. „Wir waren alle perplex“, sagt Apel.Ihre Schwester Adele Reinke liest die Nordamerikanische Wochenpost nicht nur, sondern schreibt auch immer noch für die Zeitung. Reinke war beim deutschen Konsulat beschäftigt, aber sie sei trotz ihrer 90 Jahre „noch immer fit“, berichtet Apel.Johannes Siebold von der Tourist-Information Witzenhausen erklärt, dass er die Informationen über den Deutschen Königinnentag an die deutsche Presseagentur (dpa) geschickt hat. Er habe gesehen, dass zum Beispiel auch die Süddeutsche Zeitung über den Königinnentag berichtete, allerdings ohne Foto. Deshalb sei es etwas ganz Besonderes, dass in den USA der Bericht sogar mit Bild erschienen ist. „Deutscher Königinnentag in Witzenhausen – Kandidatinnen für die Witzenhäuser Kirschenköniginnenwahl legen in einem geschmückten Boot auf der Werra am Anleger an und werden von Besuchern des Festes begrüßt. Rund 200 Königinnen und Symbolfiguren aus fast allen Bundesländern sowie aus Österreich und Italien präsentierten ihre Heimat.“ So lautet der Text in der Nordamerikanischen Wochenpost, die am 14. Juli erschien. Die Zeitung erscheint seit 1854 und begann als „Detroiter Abendpost“. Inzwischen ist sie in 49 von 50 Staaten der USA verfügbar, teilt die Zeitung auf ihrer Internetseite mit. „Dass über Witzenhausen auch in Detroit berichtet wird, ist doch nicht alltäglich“, findet Ursula Apel.  

Teutonia Chorus Windsor:
Teutonia Windsor Oktoberfest 2019

Annelie und Birgit verbrachten sechs Stunden beim diesjährigen Oktoberfest und verkauften 1500 Pretzel. Viele Besucher warteten geduldig auf die frisch-gebackenen Pretzel.
Foto: P. McBeen

Windsor (bk) – Am 28. September feierten viele Oktoberfestliebhaber dieses jährliche, herbstliche Bier- und Tanzspektakel. Es fand statt im italienischen Klub Fogolar Furlan in Windsor, das neue Zuhause des Teutonia Klubs. Die Halle war zu einem Zeitpunkt so voll, dass die Türen für eine Stunde geschlossen wurden. Mit Volkstanzvorführungen verschiedener Tanzgruppen, Unterhaltungsmusik der ‚Hetzler Band‘ sowie gute deutsche Küche mit Sauerkraut und Schweinshaxe ging das diesjährige Oktoberfest erfolgreich zuende.

Hier sieht man das Teutonia-Chorus ‚Baking-Team‘ nach acht-stündiger Backarabeit. Foto: P. McBean

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