06. Februar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Angeln boomt in Corona-Zeiten

Niedersachsen, Ottersberg: Ein Angler zeigt seine gerade geangelte Forelle. Geschlossene Geschäfte, kein Urlaub im Süden, Lockdown-Langeweile und quengelnde Kinder: In der Corona-Pandemie haben viele die Natur vor der eigenen Haustür wiederentdeckt. Die Niedersachsen greifen vermehrt zur Angel. Foto: dpa

Achim (dpa) – Frische Luft, Ruhe und Natur: Viele Niedersachsen haben im vergangenen Jahr das Angeln für sich entdeckt. Infolge wegfallender Auslandsreisen und der Lockdowns strömten die Menschen in die Angelvereine. Knapp 25 Prozent mehr Fischerprüfungen zählte der Anglerverband Niedersachsen 2020 im Vergleich zum Vorjahr. «Das ist schon deutlich angestiegen», sagte deren Präsident, Werner Klasing. Coronabedingt hätten die meisten auf Auslandsurlaube verzichten müssen und stattdessen ihre Ferien in Deutschland verbracht. Dort hätten viele die Nutzung der heimischen Natur für sich entdeckt.

Durch die Pandemie sei die Nachfrage nach Online-Lehrgängen als Vorbereitung zur Fischerprüfung deutlich gestiegen, sagte Klasing. Von 6500 Prüflingen im vergangenen Jahr machten 4500 ihren Kurs im Internet. Nur für die Fischerprüfung müsse man persönlich erscheinen.

Dass Angeln nur etwas für Rentner ist, stimmt nicht mehr: Jede oder jeder Vierte in den Online-Lehrgängen war Klasing zufolge jünger als 45 Jahre. «Angeln heißt auch Familiengemeinschaft», sagte Klasing. Er habe oft erebt, dass sich Eltern zusammen mit ihren Kindern für das Hobby interessierten. Ähnliches berichtete Uwe Roll, Vorsitzender des Anglervereins in Achim (Landkreis Verden). Gut ein Drittel der Prüflinge bei ihm seien Jugendliche.

Was durch die Corona-Pandemie natürlich leide, sei das Vereinsleben. «Da ist schon viel Geselligkeit verloren gegangen», sagte Klasing, dessen Verband 341 Vereine mit insgesamt 100 000 Anglerinnen und Anglern vertritt.

«Wer angeln gehen will, sollte eine Fischerprüfung abgelegt haben», heißt es auf der Internetseite des Verbands. Fast überall in Deutschland sei die erfolgreich bestandene Fischerprüfung Voraussetzung für legales Angeln. Kann man bei einer Kontrolle keinen Angelschein vorweisen, drohe eine Strafe wegen Wildfischerei.

In einem 30-stündigen Lehrgang vermitteln Ausbilder den Prüflingen ihr Wissen über ökologische Zusammenhänge und Fischbiologie, über nachhaltige Naturnutzung, den tiergerechten Umgang mit gefangenen Fischen und über das Angeln selbst.

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Sport

Bob-Dominator Friedrich: Wie im Rausch zu Gesamtweltcup-Siegen

Innsbruck: Bob: Weltcup: Francesco Friedrich aus Deutschland posiert mit
den drei Pokalen für den Sieg im Zweier-, Vierer- Bob und
Gesamtweltcup Bob während der Siegerehrung. Foto: dpa

Von Gerald Fritsche
Innsbruck/Igls (dpa) – Bundestrainer René Spies bescheinigt Francesco Friedrich die Form seines Lebens, internationale Kommentatoren nennen den Sachsen den Lewis Hamilton des Wintersports: Um die Dominanz von Bob-Olympiassieger Friedrich zu beschreiben, müssen immer neue Superlative herhalten. Die Konkurrenz rechnet die Ergebnislisten grundsätzlich nach Friedrich. Auch beim Weltcup-Finale in Innsbruck/Igls. Auf der Olympia-Bahn von 1976 holte sich der Oberbärenburger im Zweier mit Alexander Schüller und im Vierer mit Thorsten Margis, Candy Bauer und Schüller seine Saisonsiege 14 und 15 und schraubte damit seinen Weltcup-Sieg-Rekord vor den am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaften auf 52.

Eine Niederlage im Saisonverlauf im Zweier, ungeschlagen im Vierer: Friedrich fährt in einer anderen Liga. Besonders am Start kann niemand mithalten. «Das ist das A und O. Er ist da sehr souverän», lobte Spies den Dominator. Im Friedrich-Team gibt man sich damit nicht zufrieden. Anschieber Margis konnte sich mit 4,95 Sekunden deshalb auch nicht wirklich anfreunden. «Wir hatten uns eigentlich den Startrekord vorgenommen», sagte er. Der wird vom Friedrich-Team mit 4,93 Sekunden gehalten.

Der Pilot selbst blieb ob der Gesamtweltcup-Siege in beiden Schlitten gelassen, richtete den Fokus sofort in Richtung WM. «Wir müssen noch einige Aufgaben vor allem hinsichtlich des Materials erledigen. Mal sehen, in welche Kufenkiste wir greifen müssen und was wir mit dem Bob-Setup machen», sagte der Perfektionist. Kein Wunder also, dass er wegen seines schier unersättlichen Erfolgshungers und der Dominanz nicht erst seit diesem Winter mit dem siebenmaligen Formel-1-Weltmeister Hamilton aus Großbritannien verglichen wird.

Sein vermeintlich größter Konkurrent, Johannes Lochner, nutzte das Weltcup-Finale zu Material- und Anschieber-Tests. Platz vier im Vierer entsprach nicht seinen Ansprüchen. «Wir wollten schon Dritte werden», sagte er. Ein Selbstläufer wird die WM nicht.

Die Hoffnungen von Kim Kalicki auf den Weltcup-Gesamtsieg im Frauen-Zweier zerschlugen sich schon im ersten Durchgang, als ihre Konkurrentin Katrin Beierl aus Österreich, die am Ende Dritte wurde, deutlich vor ihr lag. Am Ende mussten sich Kalicki/Viktoria Dönicke (Wiesbaden/Halle) vor Lisa Buckwitz und Cynthia Kwofie (Potsdam/Paderborn) und Mariama Jamanka/Annabel Galander (Oberhof/Magdeburg) mit Rang sechs begnügen. Der letzte Weltcup-Sieg der Saison ging an die Amerikanerinnen Kaillie Humphries/Lolo Jones.

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Feuilleton

Wie der Feuervogel Phönix: Venedigs Oper La Fenice

Vor 25 Jahren machten Flammen Venedigs Oper La Fenice zum Trümmerhaufen. Eine der bekanntesten Bühnen der Welt findet die Kraft zum Wiederaufbau – nicht nur einmal. Nach der Corona-Krise will der Intendant neue Wege einschlagen.

Der Bühnensaal des Opernhauses La Fenice.
Foto: Annette Reuther/dpa

Von Petra Kaminsky
Venedig (dpa) – Donna Leon ließ in ihren Krimis Commissario Guido Brunetti in der Oper von Venedig ermitteln. Touristen fotografierten sich stolz auf den Stufen des ehrwürdigen Portals von La Fenice, zumindest bis die Corona-Pandemie kam. Echte Venezianer fühlen sich ohnehin eng verbunden mit dem Theater und dessen bewegter Geschichte: überflutet, abgebrannt und immer wieder aufgestiegen zu neuem Glanz. Das letzte zerstörerische Feuer fegte vor 25 Jahren durch das weltberühmte Haus – es konnte der Faszination keinen Abbruch tun.

Der Brand vom 29. Januar 1996, als die Flammen durchs Dach schlugen, habe der internationalen Musikwelt einen «Schock» versetzt, erzählt Intendant Fortunato Ortombina. «Und jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, fühlt es sich seltsam an, daran zu erinnern. Das Haus hat eine so lange Reise seither hinter sich.» Erst die lange Phase des Wiederaufbaus. Dann die Neuausrichtung der Produktionen. «Wir hatten einen wachsenden Zuspruch des Publikums», sagt er am Telefon.

Und jetzt? Es herrscht Corona-Ausnahmezustand. Aufführungen laufen als Streaming-Veranstaltungen im Internet – wie in vielen Theatern. «Die Stadt ist so leer», stöhnt der 60-Jährige. Seit 2007 ist er fester Künstlerischer Leiter der Bühne, die wie die Scala in Mailand zu den bekanntesten Opernhäusern weltweit zählt.

Am 16. Mai 1792 erstmals eröffnet, erlebten Werke von Giuseppe Verdi, Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti dort Uraufführungen.

Violinistin Daniela Santi hat die verkohlte Ruine noch gut vor Augen, genau wie die Trauer und den Zuspruch vieler Venezianer danach. «Es ist, als wäre es gestern passiert.» Zerstört wurde vor einem Vierteljahrhundert nicht nur ein symbolischer Ort: «Es war wie eine Person», erzählt die pensionierte Musikerin im Blatt «La Nuova Venezia».

Das Entsetzen wuchs, als sich Brandstiftung als Ursache abzeichnete. Bei Renovierungsarbeiten waren zwei Elektriker in Verzug geraten. Sie wollten mit dem Feuer Mängel vertuschen und eine Konventionalstrafe abwenden. Es hagelte weitere Vorwürfe, etwa wegen Problemen mit dem Löschwasser und der Feuerwehr.

Venedigs große Oper lag aber nicht dauerhaft am Boden. Wie der sagenhafte Feuervogel Phönix – italienisch Fenice – erhob sie sich zu neuen Höhen. «Damals kamen Solidarität und Gelder aus der ganzen Welt», sagt Intendant Ortombina. «Heute, in der Covid-Krise, sind nicht nur wir betroffen.» Die halbe Welt stecke in Nöten, das mache einen großen Unterschied.

Nach typisch italienischen Verzögerungen war es rund acht Jahre nach dem Großfeuer, im Dezember 2003, soweit: Mit einem Festkonzert, dirigiert von Riccardo Muti, öffnete die modernisierte Oper wieder. An der Rekonstruktion hatte Stararchitekt Aldo Rossi mitgewirkt. Das Logentheater mit seinem hohen Zuschauerraum glänzte mit viel Blattgold und Cremeweiß in alter Pracht.

Dabei handelte es sich nicht um die erste Wiedergeburt: La Fenice war bereits in der Nacht vom 12. zum 13. Dezember 1836 ein Raub der Flammen geworden. Damals gelang der Neustart nach rund einem Jahr.

Noch gar nicht so lange her ist das schlimme Hochwasser vom November 2019. Es überschwemmte große Teile des historischen Zentrums der Lagunenstadt. Das Untergeschoss der Oper, wo Elektrik und Computer untergebracht sind, lief voll. Das Aufräumen ging schnell, schon kurz nach der Flut konnten die Zuhörer wieder Aufführungen genießen.

In absehbarer Zukunft, nach der Corona-Pandemie und dem erzwungenen Musizieren ohne Live-Publikum, wird etwas Neues beginnen. Da ist sich Intendant Ortombina sicher. Doch wie wird es aussehen? «Wir suchen nach veränderten Strategien», sagt er. Die Klassik-Konzerte im Internet hätten durchaus über 20 000 Zuhörer gehabt. «Die Welt wird anders sein.» Und, wie um sich selbst zu vergewissern, stellt er klar: «Livemusik wird immer ein Teil unserer Kultur bleiben.»

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Gesundheit

Perfektes Raumklima:

Wie Atemluft und Wohlbefinden zusammenhängen

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind Lüftungskonzepte in aller Munde. Doch auch unabhängig von Covid-19 und Aerosolen lohnt es sich, einen Blick auf das Raumklima zu werfen.

Fenster weit auf: Regelmäßiges Lüften ist für ein gutes Raumklima unverzichtbar. 
                                 Foto: Franziska Gabbert/dpa

Von Sophia Reddig
Berlin (dpa) – Die Luft ist rein! Nicht erst, aber besonders durch die Corona-Pandemie beschäftigen sich viele Menschen mit dem Klima in Innenräumen. Doch was bedeutet das eigentlich, wenn man die Redewendung von der reinen Luft wortwörtlich nimmt?

«Reine oder frische Luft ist frei von störenden Partikeln und Stoffen», sagt Mario Blei, Präsident der Gesellschaft für Wohnmedizin, Bauhygiene und Innenraumtoxikologie.

Während die Luft, die wir atmen, draußen beständig in Bewegung ist und sich schnell durchmischt, steht sie in geschlossenen Räumen mehr oder weniger still. Dadurch können sich dort Schadstoffe oder eben Viren konzentrieren, die sich an der frischen Luft rasch in der Atmosphäre verteilt hätten.

Zu solchen störenden Stoffen oder Schadstoffen zählen ausgeatmetes Kohlendioxid, aber auch Ausdünstungen von neueren Möbeln, Teppichen oder anderen Gegenständen.

Wie ein Teebeutel
Man kann sich das ungefähr wie einen Teebeutel vorstellen, der in einer Kanne mit heißem Wasser langsam sein Aroma verbreitet. Ist die Konzentration dieser störenden Partikel zu hoch, nehmen wir die Luft als abgestanden oder muffig wahr.

Mit Blick auf Kohlendioxid seien bis zu 1000 ppm (parts per million) in der Raumluft in Ordnung, taxiert Prof. Klaus Fiedler, der seit gut 40 Jahren auf dem Gebiet der Hygiene und Wohnmedizin forscht.

Dieser Wert ist aber schnell überschritten, wie Fiedler an einem Beispiel erklärt: Wenn zwei Personen in einem kleinen Raum mit dicht schließenden Fenstern schliefen, könnten nach einer Nacht über 2000 ppm Kohlendioxid erreicht werden. Mögliche Folgen am Tag danach: Kopfschmerzen, Müdigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit.

Mehrmals täglich lüften
«Der Mensch merkt oft gar nicht, wann er lüften sollte», sagt Fiedler. «Oft spürt man verbrauchte Luft nur im Kontrast, wenn man gerade aus einem anderen Raum kommt.» Er rät daher, dreimal über den Tag verteilt die Raumluft komplett auszutauschen. Dazu nutzt man am besten die Technik des Stoßlüftens oder Querlüftens.

Gerade in neueren Gebäuden sei das wichtig, führt der Experte aus. «Früher waren beispielsweise die Fenster so durchlässig, dass sich die Raumluft ganz natürlich ein bis drei Mal in der Stunde erneuert hat. Heute bauen die Menschen so energieeffizient und dicht, dass so gut wie kein Luftaustausch stattfinden kann.» Oft würden extra Belüftungssysteme für ein gutes Raumklima eingebaut.

Wichtig, gerade auch mit Blick auf das Coronavirus, ist außerdem: Luftfilter im Raum können konsequentes Lüften nicht ersetzen. Diese Geräte können laut Umweltbundesamt nur eine «unterstützende Maßnahme» sein.

Auf Temperatur und Feuchtigkeit achten
Wer ein gesundes Raumklima haben möchte, sollte nicht nur auf die Konzentration von Kohlendioxid und Ausdünstungen achten, sondern auch auf Feuchtigkeit und Temperatur. Zu trockene Luft kann Schleimhäute austrocknen lassen. Dasselbe kann bei zu kalter Luft passieren, da diese trockener ist als warme Luft.

«Dadurch kann der Körper dann eingeatmete Staubpartikel, Bakterien und Viren schlechter entfernen», erklärt Fiedler. «In der Folge haben es Krankheitserreger leichter, in den Körper einzudringen, und man erkältet sich schneller.»

Ein Wasserschälchen auf der Heizung oder Zimmerpflanzen sollen dazu beitragen, für gute Luft im Raum zu sorgen. Fiedler rät indes: «Wer Probleme mit zu trockener Luft hat, sollte sich lieber einen guten Raumluftbefeuchter kaufen.»

Beim Einsatz dieser Geräte und auch generell ist zu beachten: Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu hoch sein. Schlägt sich zu feuchte Raumluft an kalten Wänden nieder, entsteht womöglich Schimmel, wodurch gesundheitliche Probleme auftreten können.

Gerade für Allergiker, Asthmatiker oder Menschen mit anderen Lungenkrankheiten können Schimmelsporen in der Luft zu einem echten Problem werden. Aber auch für Menschen ohne Vorerkrankungen kann der muffige Geruch belastend sein. Idealerweise liegt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum zwischen 40 und 60 Prozent.

Weit aufmachen statt kippen
In der Regel entsteht Schimmel auf Oberflächen, an denen Raumfeuchtigkeit kondensiert. «Gerade nach dem Kochen oder Duschen ist es deshalb wichtig, stoßzulüften», sagt Mario Blei.
Wer die Fenster einmal weit aufmacht, befördert die Feuchtigkeit am schnellsten nach draußen. Danach durch Heizen wieder eine behagliche Wärme herzustellen, sei aber auch ein wichtiger Parameter für die eigene Gesundheit, so der Experte.

Normalerweise fühlen sich die meisten Menschen bei 20 bis 24 Grad Celsius am wohlsten. Klaus Fiedler merkt aber zurecht an, dass Kälte- oder Wärmeempfinden sehr individuell sei. Auch Zugluft oder kalte Wände können dazu führen, dass man friert und sich unwohl fühlt, obwohl die Raumluft eigentlich warm genug ist.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer ein gutes Raumklima sicherstellen möchte, sollte regelmäßig lüften. Dadurch werden Kohlendioxid, Feuchtigkeit, Ausdünstungen oder Schimmelsporen nach draußen transportiert. Vor allem im Winter sollte man außerdem darauf achten, dass die Luft die als angenehm empfundene Temperatur hat und nicht zu trocken ist.

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Reise

Mallorca-Urlaub: Nie wieder Sauftourismus nach Corona? Regierung mit drastischem Verbot

Aufgrund der Gesetzesreform gibt es alkoholische Getränke an der
 Hotelbar nun nur noch gegen Aufpreis.  Foto: dpa/picture alliance
                

Berlin (dpa) – Der Mallorca-Urlaub wird sich für Party-Fans nach der Corona-Pandemie grundlegend verändern. Die Regierung verbietet Alkohol-Flatrates in All-inclusive-Hotels.

Schon länger sind die Party-Urlauber auf Mallorca der Balearen-Regierung ein Dorn im Auge. Mit der Gesetzesreform „Balearic Agenda 2030“ wird jetzt endlich hart durchgegriffen. Das bedeutet: Der „kostenlose“ Alkoholausschank in sogenannten All-inclusive-Hotels ist ab sofort verboten – ganz unabhängig von der Corona-Pandemie. Bisher konnten Urlauber in den All-inclusive-Hotels auf Mallorca beim Alkohol richtig sparen:Einmal zahlen und den restlichen Abend kostenlos an der Hotelbar trinken, lautete die Devise. Aus diesem Grund hat es jahrelang zahlreiche Party-Urlauber aus Deutschland und England auf die spanische Insel gezogen. Diese Alkohol-Flatrate ist aber nun Geschichte. Wie Bild.deberichtet, gilt das Verbot ab sofort in den Regionen Playa de Palma, S‘Arenal, Magaluf und am „West End“ von Sant Antoni de Portmany. Auf diese Weise will die Balearen-Regierung den stark alkoholisierten Urlaubern auf den Strandpromenaden sowie Prügeleien und weiteren Exzessen Einhalt gebieten.

Aufgrund der Gesetzesreform gibt es alkoholische Getränke an der Hotelbar nun nur noch gegen Aufpreis. Jedes Getränk muss also extra gezahlt werden. Allein alkoholfreie Getränke wie Wasser, Saft oder Limonade dürfen weiterhin ohne Aufpreis oder Limit angeboten werden. Die „Balearic Agenda 2030“ nimmt sich außerdem einer weiteren Unart unter Party-Touristen an: dem sogenannten „Balconing“. Bei diesem relativ neuen Trend klettern junge Touristen von Balkon zu Balkon oder versuchen, vom Zimmerbalkon in den Pool zu springen. Des Weiteren sind ab sofort Ausflüge mit Alkohol auf Partybooten verboten. Der Alkohol darf außerdem nicht mehr zu unterdurchschnittlichen Preisen verkauft werden. Die neue Verordnung soll für fünf Jahre gültig sein.

Bei Verstößen gegen die Gesetzesreform drohen den Veranstaltern Strafen von bis zu 600.000 Euro und ein Lizenzentzug von bis zu drei Jahren.

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Ein Hauch von Kiefernduft – das boomende Geschäft mit Lufterfrischern

Ob im Auto oder zu Hause: Überall wabert künstlicher Duft, das Angebot wächst. Corona beschleunigt den Trend. Mit Gestank hat es gar nicht immer zu tun.

Millionen gegen den Mief: Ein Duftbaum hängt während ein Mann raucht, in einem Auto.
Foto: Ronald Wittek/dpa

Von Burkhard Fraune
Berlin (dpa) – Sie baumeln als Baum im Raucherauto oder stehen diskret hinterm WC: duftende Alltagsbegleiter, die unangenehmen Geruch verdrängen oder die Stimmung heben sollen. Statt Mief von Klo und Kippe gibt es Apfel-Zimt und Lemongras. Nicht nur das: Im Wohnzimmer stehen Duftstäbchen in ätherischen Ölen, aus der Küche kommen «Beerentraum» und «Frischezauber».

Sogenannte Lufterfrischer und Raumdüfte sind in Deutschland ein wachsender Markt geworden. Immer mehr Menschen parfümieren nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Umgebung – gerade jetzt, wo vielen Mitbürgern die eigene Wohnung auch Büro und Klassenzimmer ist. Da bringen sie sich vom Einkaufen gerne einen neuen Duft mit nach Hause.

Millionen gegen den Mief: Für Raumdüfte gaben die Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr 474 Millionen Euro aus, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein «Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlfühlen zu Hause» vermutet der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel, der den Umsatz hochgerechnet hat.
«Dieser Trend zeichnete sich bereits vor Corona ab, ist aber vor allem in der Lockdown-Phase verstärkt aufgetreten», stellt dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer fest. Die Kette sieht ein Wachstumsfeld und kündigt eine Vielfalt innovativer Raumduft-Artikel an.

Allen, denen es stinkt, bietet sich reichhaltige Abhilfe. Längst gibt es neben klassischen Sprühdosen und Flakons Duftstecker für die Steckdose, Duftstäbchen und Diffuser, die einen Duftnebel erzeugen. Im Regal stehen Duftkerzen, Duftaufhänger für Kühlschränke, Mülleimer-, Staubsauger- und Auto-Deos – für einen Hauch von Kirschblüte, Lavendel, Vanille oder von vielen weiteren Aromen.

Von einer sehr guten Entwicklung 2020 spricht Febreze-Hersteller Procter & Gamble. Corona spiele eine große Rolle, wie aus vielen Kundengesprächen der Marktforschung hervorgehe. «Wir wissen aus diesen Gesprächen, dass die Menschen nicht nur mehr Zeit zu Hause verbringen, sondern noch größeren Wert auf ein angenehmes Wohnumfeld legen.»

Das Duft-Geschäft gibt es lange. Als ein Pionier gilt Julius Sämann. Vor mehr als 60 Jahren soll er in New York geholfen haben, den Geruch verschütteter Milch zu übertünchen – mit Kiefernnadel-Extrakt. Daraus wurde eine Geschäftsidee: der kiefernförmige Wunderbaum fürs Auto.

Zwar bauen manche Autobauer längst ausgeklügelte Duftsysteme ein, an vielen Rückspiegeln baumelt aber der simple Wunderbaum. Karibisch, fruchtig, floral – es gibt die Pappe in zahlreiche Noten, auch «abenteuerlich maskulin» oder «reichhaltig und weiblich».

«Höllengemische» nennt der Riechforscher Hanns Hatt Duftartikel, die blumige Namen tragen wie «Herzklopfen», «Feenstaub» und «Sommerliebe». Der Professor der Ruhr-Uni Bochum rät zu ätherischen Ölen aus Naturprodukten. Gut gewählte Düfte sorgen nach seinen Erkenntnissen für bessere Stimmung.

Dass Lavendel Stress abbauen, den Schlaf und die Entspannung fördern könne, dass Menthol mitunter wach und munter mache – solche Werbeversprechen kann Hatt durchaus bestätigen. Die Düfte wirken über zahlreiche Rezeptoren im Körper.

Auch die Erinnerung spiele eine Rolle. «Bestimmte Naturdüfte etwa, die uns von Kindheit an bekannt sind, kann man nutzen, um sich in gespeicherte Stimmungen zu versetzen.» Die meisten Duft-Käufer wollten ihre Stimmung verändern, nicht Gestank übertünchen.

Für empfindliche Menschen können Duftstoffe aber ein Problem sein, warnt das Umweltbundesamt. Bei manchen lösten sie ähnlich wie Lärm Stressreaktionen aus, bei Hautkontakt seien teilweise auch allergische Reaktionen möglich.

Das Amt verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen etwa Stoffe wie Citral, Farnesol und Linalool allergieauslösend wirken können. Sie sind auch in einigen Raumduftprodukten enthalten. «Schlechte Innenraumluft sollten Sie nicht mit Duftstoffen überdecken», empfiehlt das Amt seit Langem. «Besser ist, die Quellen unangenehmen Geruchs zu beseitigen, die Wohnung regelmäßig zu lüften und zu reinigen.»

Frische Luft müsse sein, heißt es auch bei dm. In innenliegenden Bädern oder Fluren sei das aber nicht immer möglich. In Schlaf- und Wohnräumen stehe ohnehin nicht Geruchsneutralisierung im Vordergrund, sondern «Duftharmonie». Nach dem Motto: Rose entspannt, orange fördert süße Träume.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Zeit und Mehl im Überfluss: Brotbacken als Corona-Trend

Zu Beginn der Pandemie horteten Kunden in den Supermärkten plötzlich Mehl und Hefe – anscheinend nicht umsonst: Viele Menschen haben das Brotbacken als Hobby für sich entdeckt. Das freut sogar die Bäcker.

Berlin: Sonja Scherfer knetet einen Brotteig in einer Küche des Gemeindehauses der evangelischen Dorfkirchengemeinde Britz. Zu Beginn der Pandemie horteten Kunden in den Supermärkten plötzlich Mehl und Hefe. Jetzt wird deutlich, was mit den Unmengen an Mehl passiert ist: Viele Menschen haben das Brotbacken als Hobby für sich entdeckt. Das freut sogar die Bäcker. Foto: dpa

Von Anja Sokolow
Berlin/Hamburg (dpa) – In heimischen Küchen wird derzeit so viel Teig geknetet, gefaltet und gedehnt wie lange nicht mehr. Sauerteig wird angesetzt, gefüttert und sogar über Internet-Börsen verteilt. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Brotbacken für sich entdeckt. Eine Leidenschaft, die Zeit braucht, die dank Homeoffice oder Kurzarbeit momentan vorhanden ist. Und viele lernen durch das Hobby auch die Arbeit der Bäcker noch mehr zu schätzen. 

Über Langeweile kann sich Sonja Scherfer eigentlich nicht beklagen: Ihre älteste Tochter geht in die erste Klasse und während des Homeschoolings müssen auch die zwei kleineren Geschwister betreut und die eigene Arbeit erledigt werden. Wenn die Kinder abends im Bett sind, nimmt die Berlinerin sich dennoch Zeit fürs Brot: «Ich habe keine Knetmaschine und mache alles mit der Hand. Das ist einfach entspannend und ein guter Ausgleich zur Kopfarbeit für mich», erzählt die Lehrerin. «Und es ist schön, eigenes Brot zu haben», so Scherfer, die im Dezember zufällig im Internet auf ein Rezept stieß und mit dem Backen begann.

Ob Dinkel, Weizen oder Roggen, mit Körnern oder ohne, aus dem Topf oder vom Blech – an Rezepten und Varianten mangelt es im Netz nicht. Einen regen Austausch und immer wieder neue Fotos von knusprigen Kreationen gibt es zum Beispiel in der Facebook-Gruppe «Selber Brot & Brötchen backen». «Unsere Gruppe wächst im Moment rasant. Pro Woche kommen einige Tausend neue Mitglieder hinzu», sagt Ilona Karau, die die 2014 gegründete Gruppe mit betreut. 

Von einem «heftigen Interesse» am Brotbacken berichtet auch Buchautor und Blogger Lutz Geißler. «Mit dem Infektionsanstieg und dem ersten Lockdown gingen auch die Nutzerzahlen meines Blogs hoch. Die Zahlen haben sich etwa verdreifacht – auf etwa 350 000 Besucher im Monat», so Geißler. Der studierte Geologe aus Sachsen betreibt den «Ploetzblog» inklusive Tipps zum Brotbacken in Krisenzeiten und veranstaltet Kurse, seit Corona online. Der Autodidakt zeigt etwa, wie man mit nur einem halben Gramm Hefe Brote backen kann – was vor allem in der ersten Pandemiewelle, als Hefe ein knappes Gut war, hilfreich war.

Doch woran liegt es, dass die Menschen ausgerechnet Brot backen? Warum nicht Kuchen? «Brot steht für das Überleben. Und wenn ich es selbst backe, kann ich noch besser überleben», sagt der Ernährungspsychologe Christoph Klotter. Auch die Geschichte spiele eine Rolle: «Brot ist das Lebensmittel der Deutschen. Vor 200 Jahren wurden den ganzen Tag Brot, Brei und Kartoffeln gegessen».

Brot sei zudem ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identität. «Goethes Werther verliebt sich in Lotte ausgerechnet, als sie Brot schneidet und es an Kinder verteilt», so der Fuldaer Professor. Nicht zuletzt sieht er im jetzigen Brotbacktrend auch einen Ersatz für die fehlenden Kontakte: «Damit kann man auch soziale Defizite kompensieren».  

Verkäufer von Backzubehör und Bäcker freuen sich über die Entwicklung. «Wir hatten eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent», berichtet etwa Birgit Freitag aus Reutlingen, Vertriebspartnerin von Pampered-Chef-Produkten, darunter auch Brotbackformen. Zwischenzeitlich habe es wegen Engpässen sogar bei verschiedenen Produkten einen Verkaufsstopp gegeben. 

Vom Brot-Boom profitiert auch das Berliner Unternehmen BakeNight, das seine Workshops mit Bäckern bundesweit wegen Corona ebenfalls ins Netz verlegt hat. Seit Januar hätten bereits etwa 1200 Teilnehmer Kurse zum Brotbacken belegt, sagt Sprecher Miles Zornig. Kurse wie «Sauerteigbrot», «Topfbrot», «Brötchen» oder «Baguette» gehörten derzeit zu den beliebtesten.

Durch das Brotbacken werde vielen Menschen bewusst, dass es sehr zeitaufwändig und nicht immer einfach sei, sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. «Über diese Erfahrung ergibt sich auch eine bewusste Einstellung gegenüber qualitativ hochwertigem Brot und erstklassigen Backwaren der Innungsbäcker», so Schneider. Sein Verband begrüße den Trend zum Selberbacken deshalb. 

Bäcker kämpfen seit Jahren gegen die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter mit ihren vergleichsweise günstigen Backwaren. Die Zahl der Bäckereien geht seit Langem zurück. Im Mai 2020 gab es beispielsweise rund 10 500 Bäcker, die in der Handwerksrolle eingetragen waren, 2008 waren es noch gut 15 000. 

Lutz Geißler gehört zu denen, die dem Trend etwas entgegensetzen wollen. Mit seiner Partnerin will der 37-jährige in Hamburg eine eigene Bäckerei eröffnen. Die Erfolgsaussichten dürften gut stehen, denn handwerklich hergestelltes Brot ist gefragt. Vor Läden wie denen der Kette «Zeit für Brot», vertreten in Berlin, Frankfurt und Hamburg, stehen die Kunden mitunter Schlange. Diese Erfahrung macht auch der Hamburger Bäcker Sören Korte. Vor seiner Brotmanufaktur heißt es ebenfalls: Warten. Korte, der sein Geschäft mitten in der Pandemie eröffnete, freut’s: «Zum Glück stehen die Leute bei mir Schlange.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Überfluss – abundance
horteten – hoarded
Mehl – flour
Hefe – yeast
anscheinend – apparently
umsonst – in vain
geknetet – kneaded
gefaltet – folded
gedehnt – stretched
Sauerteig – sourdough
angesetzt – prepared a starter (dough)
gefüttert: Brot oder Kuchen – days-later addition of ingredients like flour, sugar, and milk
Börsen – exchanges
verteilt – divided
Leidenschaft – passion
vorhanden – available
beklagen – complain
entspannend – relaxing
Ausgleich – compensation
zufällig – accidently
auf stieß – stumbled upon
Dinkel – spelt flour
Weizen – wheat
Roggen – rye
Körnern – seeds
mangelt nicht – no shortage
rasant – furiously
heftigen – strong
Infektionsanstieg – increase in infections
Nutzerzahlen – number of visitors
verdreifacht – threefold
betreibt – runs
veranstaltet – presents
Autodidakt – step-by-step guide
knappes Gut – scarce good
hilfreich – helpful
ausgerechnet – of all things
Überleben – survival
Ernährunspsychologe – nutritional psychologist
Brei – porridge
Backzubehör – baking accessories
Umsatzsteigerung – sales increase
zwischenzeitlich – in the meantime
Engpässen – bottlenecks
Verkaufsstopp – halt in sales
ins Netz verlegt – moved to the internet
zeitaufwändig -time consuming
bewusste – conscious
Einstellung – awareness
gegenüber – towards
hochwertigem – top quality
Innungsbäcker – bakers’ association
n.B. – Innungen are guilds functioning as corporate clubs with voluntary membership
vergleichsweise – comparable
günstigen – low price
entgegensetzen – runs counter to
Erfolgsaussichten – probability of success
vertreten – operating
stehen Schlange – stand in line
mitunter – now and then

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*