06. Juli 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Gras, Grillkohle, Swimmingpool: So riecht der Sommer

Der Duft des Sommers kann vieles sein: der Geruch eines Schwimmbeckens, frisch gemähter Rasen oder aber Grillkohlenqualm im Garten. Doch wie kommt das eigentlich, das etwas nach Sommer riecht?

Ein Mann mäht mit seinem Rasentraktor eine Wiese. Der Duft des Sommers kann vieles sein: der Geruch eines Schwimmbeckens, frisch gemähter Rasen oder aber Grillkohlenqualm im Garten. Doch wie kommt das eigentlich, das etwas nach Sommer riecht? Foto: dpa

von Andrea Barthélémy
Berlin (dpa) – Für die eine ist es der Duft, der nach einem warmen Sommerregen vom Straßenasphalt aufsteigt und Petrichor genannt wird. Für den anderen ist es der Großstadt-Mix aus Deo und Schweiß in der U-Bahn. Und für die nächsten ist es vielleicht sonnengebräunte Haut plus Sonnenmilch und Chlorgeruch, der vom Freibadbecken herüberzieht: So, ja genau so, riecht der Sommer.

«Für mich ist es vor allem der Geruch von frisch gemähtem Rasen, aber auch von heißem Teer, mit dem damals in unserem Dorf die Straßen geteert wurden», erinnert sich Prof. Hanns Hatt an die Sommerdüfte seiner Kindheit am Tegernsee in Oberbayern.

Heute ist Hatt vielfach ausgezeichneter Zellphysiologe an der Ruhr-Universität in Bochum und einer der renommiertesten Geruchsforscher weltweit – und bestätigt: Das, was wir als Sommergeruch abspeichern, ist von unserem individuellen Erleben und unserer Lebensumgebung geprägt und tief in der unbewussten Erinnerung verwurzelt. Denn: Gerüche dringen sofort und ohne große Umwege in einen für Emotionen wichtigen Teil des Gehirns, das limbische System. Riechen wir sie wieder, kehren die Erinnerungen zurück.

Wissenschaftler nennen das den «Madeleine-Moment»: Was Marcel Proust in seinem berühmten Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» beschreibt, als sein Held ein Stück Madeleine-Gebäck in Lindenblütentee taucht und durch die spezielle Melange aus Duft und Geschmack von Kindheitserinnerungen überflutet wird, passiert im Grunde uns allen. «Wie wir das jedoch für uns bewerten, hängt davon ab, ob angenehme oder unangenehme Situationen damit verknüpft sind», sagt Hatt.

Deshalb können auch Schweiß, auf dem Grill angebrannte Würstchen oder vom heißen Asphalt verbrannte Reifen positive Gefühle wecken. «Das sind erlernte Prozesse. Wenn wir Düfte mehrmals hintereinander mit bestimmten Situationen und Emotionen verbinden, dann riecht genau das für uns nach Sommer», sagt Hatt. Neben dem Kindheitssommergeruch kann es dann auch andere, später erlernte Sommergerüche geben – etwa, wenn man irgendwann vom Dorf in die Stadt zieht.

Können wir im Sommer denn auch intensiver riechen? «Die Nase ist bei Wärme etwas besser durchblutet, ja, aber viel wichtiger ist die Tatsache, dass bei wärmeren Temperaturen mehr Duftmoleküle in der Umwelt freigesetzt werden», erläutert Hatt.

An dieser Stelle kommt dann auch der Sommerregen ins Spiel. «Im Regen selbst sind nicht viele Duftmoleküle», betont Hatt. Aber das Wasser löst die zahlreich vorhandenen Duftmoleküle auf, so dass man sie intensiver wahrnehmen kann. Pflanzenausdünstungen, der modrig-erdige Duft von Bodenbakterien und Steinstaub gehören dazu.

Hinzu kommt: Nicht nur die individuellen Geruchserlebnisse, sondern auch der Kulturraum ist wichtig für das, was Menschen mit dem typischen Duft des Sommers verbinden. Denn: In Afrika oder Asien riecht der Sommer anders als in Mitteleuropa.

Das bestätigt auch Experte Marc vom Ende. Er arbeitet als Parfümeur für das Unternehmen Symrise und ist dem ultimativen Sommerduft sozusagen auch hauptberuflich auf der Spur.

«Es gibt unterschiedliche Kulturen und deshalb entsprechende Vorlieben, das ist klar. Dennoch guckt die Welt hier viel auf Europa und vor allem auf Frankreich.» Für den Parfümeur heißt das: «Sommerdüfte riechen leicht und blumig. In den letzten Jahren auch mehr mediterran geprägt, mit einer fruchtigen Note. Nach Citrus oder Bergamotte.»

Auch in der Parfüm-Welt werde hier und da versucht, den «Strandeffekt» zu erzielen – Menschen in der Sonne, Sand, Meer und Wind. Nicht so einfach. «Das Parfüm soll ja nicht nach Sonnencreme riechen, sondern nach gebräunter Haut.» Auch bestimmte sommerliche Grünnoten und eine gewisse Humidität versuchen Duftkreateure in die Bouquets solcher Sommerparfüms einzuflechten. Ein kompliziertes Unterfangen, das feine Nasen und vor allem jahrelanges Training erfordere, berichtet vom Ende.

Und letztlich: Gegen das frisch gemähte Gras im Garten der Großeltern oder den Chlor-Pommes-Geruch des Freibads, in dem man sich zum ersten Mal verliebt hat, zieht ein solches Parfüm sowieso den Kürzeren.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

Grillkohle – charcoal
riecht – smells
Duft – scent
Geruch – aroma
Grillkohlenqualm – smoke from charcoal
Petrichor – freshly moistened soil
Schweiß – sweat
Sonnenmilch – sunscreen
Freibadbecken – outdoor pool
Herüberzieht – drifts over
Teer – tar
Zellphysiologe – cell physiologist
renommiertesten – most renowned
Geruchsforscher – olfactory researcher
bestätigt – confirms
abspeichern – stored
geprägt – stamped
zurückkehren – to turn back
Held – hero
überflutet – flooded
verknüpft – associated
durchblutet – supplied with blood
Umwelt – environment
freigesetzt – here: let loose
erläutert – clarified
auflöst – disperses
zahlreich – numerous
vorhandenen – existing
Unternehmen – company
auf der Spur – on the trail
erzielen – achieve
gebräunter Haut – suntanned skin
einzuflechten – to weave in
Unterfangen – endeavor
verliebt – fell in love
sowieso – in any event
zieht den Kürzeren – gets lost

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

WM-Aus für DFB-Frauen – Auch Olympia-Traum platzt gegen Schweden

Keine WM-Medaille und noch viel schlimmer: Olympia findet im Frauen-Fußball ohne Deutschland statt. Die DFB-Elf hat bei der WM in Frankreich eine herbe Enttäuschung hinnehmen müssen. Das junge Team um Bundestrainerin Voss-Tecklenburg muss sich nun neue Ziele setzen.

Deutschland – Schweden im Roazhon Park. Deutschlands Lina Magull (l) und Giulia Gwinn gehen nach dem Spiel enttäuscht über den Rasen. Foto: dpa

Rennes (dpa) – Nach dem bitteren WM-Aus gab es Tränen der Enttäuschung bei den deutschen Fußballerinnen. Martina Voss-Tecklenburg lief nach ihrer ersten Niederlage als Bundestrainerin mit versteinerter Miene über den Rasen in Rennes. Für die Olympiasiegerinnen aus Deutschland war bei der Weltmeisterschaft in Frankreich nach dem 1:2 (1:1) am Samstag im Viertelfinale gegen Schweden der Titeltraum jäh geplatzt. Noch viel schlimmer: Auch Olympia im kommenden Jahr findet ohne den achtmaligen Europameister statt. «Das ist für den deutschen Frauen-Fußball bitter», sagte die frühere Nationalspielerin und ARD-Expertin Nia Künzer.

«Die Niederlage tut weh. Der Gegner hat ein Tor mehr geschossen als wir, das müssen wir respektieren. Wir sind in einem Prozess und werden uns nun neue Ziele setzen»», sagte Voss-Tecklenburg in der ARD und meinte: «Uns hat vielleicht das Spielglück gefehlt.»

Keeperin Almuth Schult stellte fest: «Das ist nicht zu erklären, nicht zu entschuldigen, das ist bitter und wir sind sehr enttäuscht.» Man habe nicht zwingend genug gespielt. «Das muss man sich dann auch eingestehen. Heute hat ein kleines Quäntchen gefehlt.»

Dabei hatte es für die DFB-Frauen gut begonnen: Doch nach der Führung von Lina Magull (16. Spielminute) drehten die starke Sofia Jakobsson (22.) und Stina Blackstenius (48.) vor 25 301 Zuschauern im Roazhon Park die Partie. Damit feierten die Schwedinnen den ersten Sieg über Deutschland seit mehr als vier Jahren.

Weil sich nur die drei besten europäischen Teams für die Sommerspiele 2020 in Tokio qualifizieren, können die Olympiasiegerinnen von Rio 2016 in Japan nicht erneut um Gold spielen. Während die deutsche Mannschaft am Sonntag enttäuscht die Heimreise antreten wird, trifft Schweden nach dem ersten Sieg gegen Deutschland bei einem großen Turnier seit 24 Jahren im Halbfinale am kommenden Mittwoch auf Europameister Niederlande. In der Vorschlussrunden-Partie am Dienstag ermitteln England und Titelverteidiger USA den ersten Finalisten.

Voss-Tecklenburg verzichtete zunächst auf Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die nach ihrem Zehenbruch zum WM-Auftakt als Alternative auf der Bank Platz nahm. Die Bundestrainerin betonte stets, wie wichtig es sei, gute Einwechselspielerinnen zu haben, falls es nicht wie gewünscht läuft. So behielt sie Schweden-Schreck Marozsan zunächst in der Hinterhand und brachte sie zu Beginn der zweiten Spielhälfte. «Wir glauben, dass der Mehrwert größer ist, sie im Laufe des Spieles zu bringen», erläuterte Co-Trainerin Britta Carlson in der ARD. Doch der Plan ging nicht auf.

Zudem überraschte das Trainerteam mit personellen und taktischen Änderungen. Nach dem Achtelfinale gegen Nigeria rückten Carolin Simon und Linda Dallmann, die später beide ausgewechselt wurden, für Verena Schweers und Melanie Leupolz ins Team. Die Elf spielte zwar im bevorzugten 4-2-3-1-System, aber erstmals bei der WM mit Spielführerin Alexandra Popp auf der Sechser-Position. Die Wolfsburgerin sorgte zunächst für Präsenz, Ruhe und Übersicht im defensiven Mittelfeld, fehlte allerdings vorn als Anspielstation und Stoßstürmerin. So blieb Lea Schüller auf sich allein gestellt.

Trotzt brütender Hitze – es wurden zwischendurch Trinkpausen eingelegt – schonten sich beide Teams nicht. Die Anfangsphase dominierte die DFB-Auswahl. Gleichwohl hatte Schweden die erste gute Chance durch Jakobsson, die aber an der reaktionsschnellen DFB-Keeperin Almuth Schult scheiterte.

Dennoch war die DFB-Führung nach einer guten Viertelstunde verdient. Einen tolles Zuspiel von Sara Däbritz nutzte Magull mit ihrem zweiten Turniertor fast artistisch zum 1:0. Allerdings währte die Freude nur kurz. Als Innenverteidigerin Marina Hegering sich bei einem Befreiungsschlag von Linda Sembrant verschätzte, zog die starke Jakobsson davon und vollendete per Flachschuss zum 1:1.

Deutschland zeigte sich vom ersten Gegentor im Turnier ein wenig geschockt, denn die Schwedinnen waren nun wesentlich besser im Spiel und bei ihren überfallartigen Kontern stets gefährlich. Erneut musste Schult bei einem Schuss von Blackstenius (37.) retten.

Kurz nach dem Wechsel dann aber der nächste Rückschlag. Einen Kopfball von Fridolina Rolfö konnte Schult gerade noch parieren, doch Blackstenius war im Nachsetzen zur Stelle, und Deutschland lag erstmals beim Turnier im Rückstand. Zwar stemmten sich die Deutschen noch einmal gegen die drohende Niederlage, aber vor den Augen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch konnten sie in der spannenden Schlussphase keine Chance mehr nutzen. Und am Ende fehlten wohl auch die Kräfte gegen die defensiv starken Schwedinnen.

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Feuilleton

Wikingerstätten Haithabu und Danewerk erhalten Unesco-Urkunde

Blick auf das Gelände der Wikingerhäuser von Haithabu in Busdorf, Schleswig-Holstein. Foto: dpa

Busdorf (dpa) – Ein Jahr nach der Aufnahme in die Welterbe-Liste der Unesco erhalten die Wikingerstätten Haithabu und Danewerk in Schleswig-Holstein die offizielle Unesco-Urkunde. Bei einem Festakt am 30. Juni nahm Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) das Dokument von der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering (SPD), entgegen. Die Urkunde soll später im Archäologischen Landesamt aufgehängt werden, sagte eine Sprecherin des Amtes in Busdorf. An den beiden Wikingerstätten selbst sollen voraussichtlich ab September offizielle Plaketten auf den Welterbestatus hinweisen. Der Festakt wurde eingebettet in eine Vielzahl von Aktionen, mit denen die Region ihr Welterbe feiert.

Die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu sind im vergangenen Jahr zum Weltkulturerbe ernannt worden. Sie gehören nach Ansicht der Unesco zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas. Das Danewerk bestand im Mittelalter aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. Das Verteidigungssystem sicherte die Grenze des dänischen Reichs.

Die Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig war vom 9. bis 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. Sie lag zwischen dem fränkischen und dem dänischen Reich auf einer wichtigen Route zwischen Nord- und Ostsee.

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Gesundheit

Jeder zehnte Erdenbürger wird durch verdorbene Lebensmittel krank

Schimmelbefall an einem Brot. Foto: dpa

Genf (dpa) – Mehr als 400 000 Menschen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr nach dem Verzehr verdorbener Lebensmittel. Fast jeder zehnte Erdenbürger werde im Jahr einmal krank durch Essen, das mit Bakterien, Vieren, Parasiten oder chemischen Substanzen verunreinigt sei. Die Vereinten Nationen wollen sich dafür einsetzen, dass Lebensmittel sicherer werden.

«Dies ist eine einmalige Gelegenheit, das Bewusstsein für die Gefahren durch verseuchtes Essen zu fördern, bei Regierungen, Produzenten, Transporteuren und Verbrauchern», meinte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Vom Bauernhof bis zum Teller – alle Beteiligten müssen mithelfen, damit die Nahrung sauber ist.»

Für jeden investierten Euro in die Aufklärung darüber, wie Lebensmittel sicher produziert und aufbewahrt werden, könnten zehn Euro eingespart werden, weil weniger Menschen krank würden und etwa am Arbeitsplatz ausfielen, so die WHO. Sie beziffert den Produktivitätsverlust durch solche Ausfälle in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen auf 95 Milliarden Dollar im Jahr.

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Reise

Bürgermeister: Unesco muss Venedig als gefährdet einstufen

Bisher kein ungewohntes Bild: Kreuzfahrtschiffe in Venedig. Nach einem Unfall wird darüber nun wieder lebhaft diskutiert. – Foto: dpa

Venedig (dpa) – Im Streit um Kreuzfahrtschiffe in Venedig will der Bürgermeister die Unesco auffordern, die Stadt auf die Rote Liste des gefährdeten Weltkulturerbes zu setzen. «Wir werden der Unesco schreiben und sagen: Herrschaften, setzt uns auf die Rote Liste», sagte Luigi Brugnaro Radio 24 jetzt. Venedig müsse als gefährdet eingestuft werden, sagte Brugnaro.

Ein Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff Anfang Juni im Giudecca-Kanal, an dem auch der Markusplatz liegt, befeuerte die Diskussion über die riesigen Schiffe in der Lagunenstadt. Die Stadt und die Regierung in Rom diskutieren seit Jahren, ob und wie die Schiffe die Weltkulturerbe-Stadt umfahren sollen.

Brugnaro wirft dem Transportminister der Fünf-Sterne-Bewegung, Danilo Toninelli, vor, einen Plan der Vorgängerregierung zu blockieren, der die Schiffe aus dem Kanal verbannen sollte. «Wir fühlen uns nicht länger objektiv von diesem Minister repräsentiert», sagte Brugnaro und machte deutlich, dass der Transportminister aus seiner Sicht den Schutz Venedigs nicht garantieren könne.

Die Unesco warnt Venedig bereits seit einiger Zeit, dass die Riesenschiffe das Welterbe gefährdeten. Umweltschützer sehen wegen der Schiffe vor allem das Ökosystem der Lagune in Gefahr.

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Der unsichtbare Garten von Istanbul

Der Ausblick auf den Bosporus, aufgenommen in Istanbul vom Botanischen Garten aus. Der erste Botanische Garten der Türkei ist nun geschlossen – und wird in Teilen möglicherweise zerstört. Foto: dpa

Der erste Botanische Garten der Türkei ist nun geschlossen – und wird in Teilen möglicherweise zerstört. Der aus Nazi-Deutschland geflohene jüdische Botaniker Alfred Heilbronn hatte ihn 1935 angelegt. Es geht hier auch ein Stück deutsch-türkische Geschichte verloren.

Istanbul (dpa) – Die Wurzeln des alten Ginkgo-Baums sind schon entblößt, durch den Garten ziehen sich Gräben. Steine und Sand lagern auf einem Gehweg. Es sieht nach Bauarbeiten aus. Mitten in Istanbul verschwindet ganz still ein geschichtsträchtiges Stück Natur aus der Öffentlichkeit: der erste Botanische Garten der Republik Türkei, angelegt vor 84 Jahren von einem deutsch-jüdischen Professor.

Schon 2014 hatte die Regierung das Gelände dem Botanischen Institut der Istanbuler Universität weggenommen und der Religionsverwaltung, also dem Mufti der Stadt, übereignet. Der will da bauen, schimpfen die Botaniker. Bisher durften sie sich um ihren Garten noch kümmern. Seit einigen Wochen sei er aber offiziell nicht einmal für sie mehr zugänglich, sagen sie – geschweige denn für Touristen oder Studenten. Nur ein einziger Gärtner dürfe noch hinein.

«Der Mann ist über 60», sagt ein Mitarbeiter des Instituts. Leise Panik schleicht sich in seine Stimme. Er denkt an die 178 Bäume, die Töpfe, Büsche und Stauden auf mehr als 10 000 Quadratmetern, die zu wässern und pflegen sind. Der Garten beherbergt – noch – rund 3500 Pflanzenarten. Am meisten sorgt sich der Botaniker, dessen Name nicht genannt werden darf, weil er sonst Ärger bekommt, um die alten Pflanzen. Um die Dracaena umbraculifera zum Beispiel, die aussieht wie eine Palme und auf der Liste bedrohter Arten steht. «Die hat der alte Professor Heilbronn vermutlich noch selbst gepflanzt», sagt er.

Der «alte Professor», das war der Gründer des Gartens – außerdem Mitbegründer des ganzen Botanischen Instituts. 1933 war Alfred Heilbronn, Botanikprofessor aus Münster, aus Nazi-Deutschland geflohen. «Alfred Heilbronn Botanik Bahcesi» hieß der Garten bis vor kurzem. Jetzt ist das Schild über dem Tor ab. Nur eine rostige Stelle mit Löchern, wo die Schrauben saßen, ist übrig. Es geht hier auch ein Stück deutsch-türkische Geschichte verloren.

Die Türkei hatte unter dem säkularen und westlich orientierten Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk in den 1930er Jahren viele deutsche jüdische Akademiker aufgenommen und sie für seine große Universitätsreform rekrutiert. «Mein Vater war in Münster gleich 1933 von den Nazis suspendiert worden», sagt sein Sohn, Kurt Heilbronn, 67, bei einem Besuch in Istanbul im April.

Zuerst ging Alfred Heilbronn in die Schweiz. Dort half ihm dann die «Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland», die Stelle in der Türkei zu finden. «Er bekam ein vierfaches Gehalt und eine Wohnung – und das zu einer Zeit, in der in Europa Juden verfolgt wurden», sagt sein Sohn.

Heilbronns Garten liegt mitten in Istanbul: ein Filetgrundstück gleich hinter der berühmten Süleymaniye-Moschee aus dem 16. Jahrhundert und oberhalb des Bosporus. Er ist terrassenartig angelegt. Immer wieder eröffnet sich der Ausblick hinunter auf das blaue Wasser, das Goldene Horn und den Galataturm. Vielleicht ist dieser millionenteure Ausblick der eigentliche Grund für die «Enteignung», wie die Botaniker die Affäre bitter nennen. «Wer will das hier nicht haben?», sagt einer von ihnen und weist gen Bosporus.

Für den Lehrer ist das, was mit dem Garten passiert eine Metapher für die größeren Entwicklungen im Land. «Ich beschreibe es als eine Art Gegenrevolution», sagt er. Der reformfreudige Staatsgründer habe das Grundstück damals für die Bildung zur Verfügung gestellt. Nun werde der Garten der Bildung weggenommen und der Religionsbehörde gegeben, sagt er. «Alles, was Atatürk getan hat, wird rückgängig gemacht.» Es ist in der Opposition eine verbreitete Ansicht, angesichts der islamisch-konservativen Politik von Präsident Erdogan.

Was genau übrig bleiben wird vom Werk des deutschen Professors, ist unklar. In der Religionsverwaltung reagiert man nicht auf Kontaktversuche. Die Botaniker haben Pläne gesehen. Der Vordergarten, der schon aufgerissen ist, komme sicher weg, zusammen mit dem schon 2018 geräumten Institutsgebäude, das ihn einrahmt. Hier wachsen unter anderem der Urweltmammutbaum und eine Sequoia Sempervirens, die viele Hundert Jahre alt werden kann. Nur wohl nicht in Istanbul.

Der größere Hintergarten solle aber auch nach dem Neubau erhalten bleiben, sagt Kurt Heilbronn – zumindest hat ein Mitarbeiter der Religionsverwaltung ihm das so versichert. Die Botaniker beruhigt das nicht. Sie fürchten, dass allein die Bauarbeiten, all der Dreck und die Fahrzeuge, schon vielen Pflanzen den Garaus machen werden.

Auch der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, hatte sich in der Sache eingesetzt und persönlich einen Brief an den Kulturminister geschrieben. Der Garten sei ein besonderes Zeichen der deutsch-türkischen Verbundenheit, schrieb er. Man würde den Verlust sehr bedauern. Eine Antwort kam nie. «Letztlich ist das eine innertürkische Angelegenheit», sagt Erdmann. «Mehr können wir da leider nicht tun.»

Der Garten wirkt schon jetzt vernachlässigt. Unkraut wuchert, auf Wegen bilden alte Blätter raschelnde Teppiche, Schilder für Pflanzen sind zerbrochen. Einige der alten aus Porzellan hatte Alfred Heilbronn noch aus dem damaligen Deutschen Reich kommen lassen. «Was mich traurig macht, ist, dass die Türkei so stiefmütterlich mit ihrem wissenschaftlichen Erbe umgeht», sagt sein Sohn.

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Aus Allen Staaten

What a Pig Roast

The DASV Pig Roast was a great success

DASV member, James Weston, traveled from his home in Spokane, Washington to lend a hand with the pig.
Some of our visiting shooters from Sportverein Peoria gather at the Schießstand on Saturday morning Fotos: kjb

But we all know that such an event cannot be done by one or two people. It takes dedication and stamina by the wonderful members of the Deutsch-Amerikanische Schützenverein to organize this event. A few days before, the members helped with the clean up of the grounds and getting the tents up for the guests. Then, on Friday, we all got together to help with the preparation of roasting one of the pigs and helping in the kitchen. Like peeling the potatoes for the following day’s Potato Salad.

On Saturday morning our Schützenbrüder and Schwestern from Peoria, Illinois and from Cincinnati, Ohio showed up for our Competition shooting around 11 o’clock.

lt was interesting to see how everyone was into the camaraderie and the betting of who the better shooter would be. While I watched the going‑ons, I was glad to be part of this wonderful experience. (No, I was not one of the shooters). This competition lasted for several hours; and I had to start my shift at the gate. Ted Hundich and I enjoyed greeting all our guests and welcomed them.

Tommy Schober, Stimmungsmacher, and his Sorgenbrecher played fantastische Music for dancing. That when I was greeting the newcomers I danced to the music and sang along.

At the first music break, Dennis Hogan announced the results of the competition shooting.
First Place was taken by our friends from Peoria; they did great.
Second Place was the Deutsch Amerikanische Schützenverein;
Third Place was given to Cincinnati and the Detroit Kolping Society.

The high shooters for the day were: Paul Bishop of Peoria with 59 out of 60; and Ted Hundich, from the DASV, with a 58. Congratulations to all.

Some of the guests from Peoria, I had met several weeks before at the National Sängerfest in Peoria. lt was nice and enjoyable to see them and it felt like we had met just a few days before. I was like old homeweek. But, all good things come to an end. The weather was a draw back for our guest. But overall everyone had a good time among us friends. Many, many thanks to ALL of the members who helped in the kitchen to serve the great pig roast to the hungry crowd; the members at the bar who helped serving the thirsty; wihout you, and your dedication and tireless enthusiasm the PIG Roast would not have been so wonderful and successful regardless of the weather. Thanks again members for coming through when you are needed.

Now our Next Big Shindig is our upcoming „Schützenfest“ on Sunday, July 28th at the Schützen Park were a NEW Schützenkönig will be crowned. Who will it be? Come and join us to find out.

http://www.dasv.org

Lisa Gerstheimer

Visiting Firefighters from the Auburn Hills department enjoy the BBQ

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