06. Juni 2020 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit/Umwelt / Reise / Tipps und Trends / Aus Allen Staaten

Aus Aller Welt

In der Natur und gemeinsam am Tisch: Warum Spielen wichtig ist

Puzzles und Brettspiele – das war in den vergangenen Wochen besonders gefragt. Kein Wunder, verbrachten Eltern und Kinder doch wegen der Corona-Pandemie viel Zeit zusammen. Es gibt viele Gründe, warum das gemeinsame Spielen gerade jetzt eine gute Idee ist.

«Raus in die Natur!» lautet das Motto des diesjährigen Weltspieltages. Doch egal ob im Freien oder mit Familie und Freunden am Wohnzimmertisch – Spielen ist nach Ansicht von Experten überaus wichtig. Fotos: dpa

Von Cordula Dieckmann
München (dpa) – Keine Termine, kein Zeitdruck. Für viele Kinder sind die Einschränkungen der Corona-Pandemie eine Zeit des Aufatmens. «Die sind richtig froh, dass sie sich in Ruhe konzentrieren und ihr Ding machen können und dass sie in ihrem Zimmer mit ihren Spielsachen sitzen und sich selber die Zeit einteilen können», sagt Fabienne Becker-Stoll, die in München das Staatsinstitut für Frühpädagogik leitet. Eine Pause im Alltag, der in normalen Zeiten mitunter sogar schon bei Kindergartenkindern durchgetaktet ist. Dabei haben Kinder ein Recht auf Spiel, fordert etwa das Deutsche Kinderhilfswerk und ruft wie jedes Jahr zum Weltspieltag auf. Am Donnerstag ist es wieder soweit. Das diesjährige Motto: «Raus in die Natur!».

«Zeit in der Natur trägt zur Erholung bei, sie fördert zudem die mentale und soziale Entwicklung von Kindern, ihre Kreativität, ihre Entdeckerfreude sowie ihre Konzentration», erklärt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerkes. Doch das allein reicht nicht. Eltern seien heutzutage oft übervorsichtig. Er rät, wo es möglich ist, die Kinder auch alleine etwas machen zu lassen. «Die allermeisten Kinder haben eine natürliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit, die sie von allein nach draußen ziehen. Das sollten die Erwachsenen unterstützen und hier nicht auf der Bremse stehen.»

Ähnlich sieht es Jens Junge vom Berliner Institut für Ludologie, das sich der Spielforschung widmet. Bei der intensiven Mediennutzung heutzutage sei das Spiel im Freien für die Entwicklung und das Körpergefühl von Kindern unverzichtbar, sagt der Spiele-Experte der privaten SRH Hochschule für Kommunikation und Design. Auf Bäume klettern, hüpfen, irgendwo herunterspringen oder auf einem Baumstamm balancieren – eine wichtige Art des Spielens, die auch völlig ohne Spielsachen funktioniert. «Kinder sind kreativ genug, da sollte man sich darauf verlassen, dass ihnen nicht langweilig wird, sie greifen nach allem, was sie finden.»

Doch nicht nur Toben im Freien ist wichtig – Spielen an sich ist nach Ansicht von Experten gut, für Kinder und Erwachsene. «Spiele schaffen einen Ausgleich, erzeugen Entspannung, schaffen neue Erfahrungsräume, sie sorgen für Reflexion, damit für Erneuerung», ist Junge überzeugt. «Spiele haben den schönen Vorteil, dass sie Erfolge verschenken.» Auch Becker-Stoll ist von der positiven Wirkung überzeugt: «Das schweißt die ganze Familie zusammen, auch die Geschwister».

Ein schönes Bild: Fröhlich sitzt die Familie um den Tisch und ist begeistert bei der Sache. Doch in der Realität geht es auch anders: Einer macht nervtötende Geräusche, die andere steht mittendrin auf und kommt ewig nicht zurück («Ich bin auf der Toilette»). Ein Glas Wasser ergießt sich über den Spielplan («Oops, Entschuldigung»). Zwei diskutieren erbittert über die Spielregeln und am Ende fegt jemand wutentbrannt die Spielsteine vom Brett.

Gerade zwischen Geschwistern eskaliert der Streit dann schnell. Der Schweizer Psychologe Jürg Frick findet tröstende Worte: «Wenn die sich messen und miteinander streiten, ist es ein Zeichen, dass sie eine Beziehung zueinander haben. Reibung ist auch ein Ausdruck, dass sie aneinander Interesse haben.»

Außerdem ließen sich beim Spielen Kompetenzen einüben, soziale und emotionale, erläutert Becker-Stoll. «Das setzt voraus, dass Eltern das gemeinsame Spiel feinfühlig und altersangemessen moderieren – damit es allen Beteiligten und insbesondere den Kindern richtig Spaß und Freude macht.» Ihr Tipp für aufbrausende Gemüter: Spiele, die das Miteinander stärken und in denen der Sieg des einen nicht auf Kosten des anderen geht. Zudem sollten alle gleiche Chancen haben. «Und Eltern sollten gute Vorbilder sein, wenn es darum geht, Niederlagen mit Humor einzustecken.»

Und manchmal hilft es auch, einfach nur zusammen zu sein, ganz unspektakulär. «Zeit haben, Zuhören, eine Geschichte erzählen, mal den Vater oder die Mutter für sich haben», erklärt Frick. «Da ist es gut, wenn die Eltern weniger am Handy sind, sondern die Zeit auch nützen, mit den Kindern etwas zu machen. Das ist auch sehr wichtig für die Eltern.» Auch Becker-Stoll hat einen Tipp, sollten die Gefühlswogen hochschlagen: «Man kann auch mal richtig miteinander Quatsch machen, sich Beschimpfungen ausdenken, eine Kissenschlacht, irgendetwas, wo man diesen aufgestauten Druck spielerisch und mit Humor rauslassen kann.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Zeitdruck – time pressure
Einschränkungen – limitations
Aufatmens – exhaling
Frühpädagogik – early childhood education
Raus in die Natur – back to nature
Entdeckerfreude – joy of discovery
übervorsichtig – overly cautious
Neugierde – curiosity
Begeisterungsfähigkeit – capacity for enthusiasum
unterstützen – support
Ludologie – academic study of games (ludology)
unverzichtbar – essential
Bäume klettern – climb trees
hüpfen – hop
Toben – romping
Ausgleich – equilibrium
Erzeugen Entspannung – result in relaxation
Erfahrungsräume – realms of experience
Erneuerung – rejuvenation
überzeugt – persuaded
begeistert – enthusiastic
mittendrin – in the middle of play
ergießt – spills
fegt – sweeps
wutentbrannt – furiously
Streit – discord
Reibung – friction
Ausdruck – expression
einüben – practice
feinfühlig – with sensitivity
altersangemessen – age appropriate
Beteiligten – participants
aufbrausende Gemüter – tempermental personality
Vorbilder – examples
Niederlagen – defeat
einzustecken – accept
nützen – utilize
Gefühlswogen – tempers escalate
Beschimpfungen – insults
Kissenschlacht – pillow fight
ausgestaunten – pent-up
Druck – pressure

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

Top

Sport

«Justice for George Floyd»: BVB-Profis protestieren auf Shirt

Dortmunds Jadon Sancho trägt einen Trikot mit dem Schriftzug «Justice for George Floyd» als er bejubelt das zweite Tor seiner Mannschaft. Foto: dpa

Paderborn (dpa) – Die Torschützen Jadon Sancho und Achraf Hakimi haben sich am Sonntag in der Bundesliga-Partie von Borussia Dortmund beim SC Paderborn den Protesten zum Tod des Afroamerikaners George Floyd angeschlossen. Nach seinem Treffer zum 2:0 in der 57. Minute zog der 20 Jahre alte Engländer Sancho sein Trikot über den Kopf und zeigte ein Shirt mit der Aufschrift «Justice for George Floyd». Danach sah er die Gelbe Karte. Nach dem Tod von Floyd nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis hatte es am Wochenende in den USA neue Proteste gegeben. Auch Teamkollege Achraf Hakimi, der das zwischenzeitliche 4:1 erzielte, trug ein Shirt mit diesem Schriftzug.

Der Schalker Fußball-Profi Weston McKennie hatte am Samstag in der Partie gegen Werder Bremen (0:1) mit einer Armbinde seine Unterstützung für Floyd gezeigt. Marcus Thuram bejubelte seinen ersten Treffer für Borussia Mönchengladbach beim 4:1 in der Partie gegen den 1. FC Union Berlin am Sonntag mit einem Kniefall. Der 22 Jahre alte Franzose kniete nach seinem Tor zum 2:0 im Strafraum nieder und senkte den Kopf. «Er hat es auf den Punkt gebracht, er hat ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt, was wir natürlich alle komplett unterstützen», sagte Trainer Marco Rose über die Szene.

Im American Football hatte Quarterback Colin Kaepernick 2016 eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet. Der heute 32-Jährige war während der Nationalhymne auf ein Knie gegangen.

Top

Feuilleton

Kupferstich-Kabinett Dresden richtet Jubiläumsschau ein

Die Kunstwerke «Selbstbildnis mit zwölf Jahren» von 
Anton Raphael Mengs, «Der heilige Georg zu Pferd 
mit totem Drachen» von Lucas Cranach, «Bildnis 
des Charles de Solier, Sieur de Morette» von Hans Holbein 
sowie «Die Entführung des Ganymed» von Rembrandt
Harmenszoon van Rijn stehen im Studiensaal des 
Kupferstich-Kabinett in Dresden auf einem Tisch.
                                           
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Dresden (dpa) – Mit Verspätung wegen Corona holt das Dresdner Kupferstich-Kabinett etwa 250 seiner Preziosen aus dem Depot. Die Jubiläumsausstellung «300 Jahre Sammeln in der Gegenwart» mit Meisterwerken aus allen Epochen vom Mittelalter bis zur Gegenwart ist nun ab dem 12. Juni im Residenzschloss zu sehen. Direktorin Stephanie Buck spricht von einer Rückschau auf den Ort, «wo seit 1720 Wissen und Kreativität, kritisches Denken und ästhetischer Genuss erfahrbar sind».

Bis Mitte September werden Arbeiten aus allen Epochen seit dem Mittelalter gezeigt – von Jan van Eyck, Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Rembrandt, Caspar David Friedrich, Käthe Kollwitz, Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso, Gerhard Altenbourg, aber auch Zeitgenössisches und Fotografie. Rund 60 der Werke sollen dann 2021 nach New York reisen. Die eigentlich ab Mitte Oktober geplante Ausstellung «Van Eyck to Mondrian» in der Morgan Library wurde laut Buck wegen der Corona-Pandemie um genau ein Jahr verschoben.

Der Dresdner Auftakt am 25. April fiel dem Lockdown zum Opfer, samt Jubiläumsfest. Die Exposition ist einer der Höhepunkte des Jubeljahres und zeugt von der Geschichte des Sammelns in dem Museum, beginnend 1720 mit der Gründung als «Kabinett der Fürsten» über die Hofkunst, die Entwicklung zum Museum ab 1820 und den Aufbruch in die Moderne sowie die Zeit ab 1920 und die DDR bis ins wiedervereinigte Deutschland. Das Kupferstich-Kabinett Dresden ist nach dem Pariser Louvre die älteste grafische Sammlung ihrer Art in der Welt und die älteste im deutschsprachigen Raum. Der Bestand eines der wichtigsten Kunstmuseen für Zeichnungen, druckgrafische Werke und Fotografien umfasst etwa 520 000 teils unikate Arbeiten von über 22 000 Künstlern aus acht Jahrhunderten.

Top

Gesundheit

Was Schokolade im Körper auslöst

Schokolade schmeckt. Und sie macht, so sagt man, glücklich. Foto: dpa

München (dpa) – Satt macht sie nicht wirklich. Aber Schokolade schmeckt. Und sie macht, so sagt man, glücklich. Oft bleibt es nicht bei einem Stück. Manchmal muss es gleich eine ganze Tafel sein. Oder noch mehr. Und prompt ist es da: das schlechte Gewissen. Doch ist Schokolade im Allgemeinen ungesund?

„Das hängt von der Sorte ab“, sagt Prof. Johannes Georg Wechsler, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München. Dunkle Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 70, besser 80 Prozent kann sich sogar positiv auf den Körper auswirken.

Eine Frage der Flavanole
Dafür verantwortlich sind die im Kakao enthaltenen Flavanole. Sie sorgen dafür, dass die Blutgefäße elastisch bleiben. Zudem wird ihnen nachgesagt, den Blutdruck geringfügig zu senken.

Dunkle Bitterschokolade weist im Vergleich zu helleren Schokoladensorten einen höheren Anteil von Flavanolen auf, da der Kakaoanteil höher ist. Bei helleren Sorten sei wiederum der Zucker- und Fettanteil höher als bei dunkleren, so Wechsler, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) ist.

„Unter dem reinen Gesundheitsaspekt betrachtet, sollte man also dunklere Schokoladensorten den helleren vorziehen“, erklärt Wechsler. So gebe es wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien, wonach dunkle Bitterschokolade – vor allem, wenn sie zudem Nüsse enthält – das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.

Was auch fürs Naschen von Schokolade spricht: Häufig enthält sie Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium sowie Vitamine. Was in einer Tafel steckt, zeigt die Nährstofftabelle auf der Rückseite der Verpackung. Wechsler: „Es lohnt sich, beim Einkaufen darauf einen Blick zu werfen und mehrere Sorten miteinander zu vergleichen.“

Schoko ist „ein Wohlfühlessen“
Doch egal, für welche Schokolade man sich entscheidet: Der psychologische Effekt beim Naschen ist enorm. „Schokolade hebt die Stimmung, es ist ein regelrechtes Wohlfühlessen“, sagt Ingrid Acker, Ernährungsberaterin in Rödermark (Hessen).

Auslöser für den positiven Effekt soll etwa die in der Schoko enthaltene Aminosäure Tryptophan sein. Sie sorgt dafür, dass im Körper das Glückshormon Serotonin entsteht. Allerdings ist fraglich, ob die in Schokolade enthaltenen Mengen ausreichen, um letztlich im Gehirn dieses Wohlgefühl auszulösen. Das gilt auch für den Inhaltsstoff Theobromin, der ähnlich wirken soll.

Für wahrscheinlicher hält Ingrid Acker, dass man das Essen von Schokolade mit positiven Erinnerungen verknüpft. „Man isst sie und denkt dabei mehr oder weniger bewusst an gute, alte Zeiten, etwa an eine schöne Situation in der Kindheit.“

Insofern tut Schokolade durchaus der Psyche gut. Sie kann nach Angaben von Ernährungsmediziner Wechsler sogar antidepressive Wirkungen haben.

Bestandteil einer ausgewogenen Kost
Manche essen täglich Schokolade. Andere lehnen die Leckerei rundheraus ab – aufgrund des vergleichsweise hohen Zucker- und Fettgehalts in bestimmten Sorten. Doch von einem strikten Verbot hält Ingrid Acker nichts. „Streng genommen gibt es kein Lebensmittel, das das Adjektiv ungesund verdient“, sagt die Ernährungsberaterin, die Mitglied im Berufsverband für Oecotrophologie (VDOE) ist.

Zu sagen, Zucker oder Fett seien böse und damit sei Schokolade tabu, sei unnatürlich, so Acker. Auch Schokolade gehöre in einem richtigen Mix mit anderen Lebensmitteln zu einer ausgewogenen Kost.

Selbst bei einer Diät hilft es nicht unbedingt weiter, Schokolade gänzlich vom Speiseplan zu verbannen, so Acker. Es gilt also: Weniger Schokolade – ja. Aber keine Schokolade – eher Nein. „Eine völlige Abstinenz führt nur dazu, dass der Heißhunger auf Schokolade wächst“, erläutert sie.

Auch Facharzt Johannes Georg Wechsler ist gegen Verbote in Sachen Ernährung. „Letztendlich muss die Gesamtenergiebilanz eines Tages, die individuell verschieden ist, stimmen“, betont er. Schokolade zu essen, ist unbedingt erlaubt – in Maßen und vor allem mit Genuss.

Top

Reise

Vor Reisen nach Österreich Vignette besorgen

Bald dürfen Deutsche wieder nach Österreich verreisen – dabei dürfen sie aber nicht die Vignette vergessen. Foto: Tobias Hase/dpa

München (dpa) – Bald heißt es für Urlauber wieder: Ab nach Österreich! Aber nicht ohne Vignette. Denn sonst drohen laut ADAC eine „Ersatzmaut“ von 120 Euro oder ein Bußgeld ab 300 Euro. Die Pkw-Jahresvignette kostet 91,10 Euro und lohnt sich für Urlauber, die mehrmals nach Österreich fahren. Sie rechnet sich für Vielfahrer erst ab August nicht mehr, so der Autoclub. Der Preis für zwei Monate liegt bei 27,40 Euro, das 10-Tage-Pickerl kostet 9,40 Euro. Auf bestimmten Streckenabschnitten in Österreich ist zusätzlich eine Sondermaut zu zahlen.

Die Vignetten gibt es unter anderem an grenznahen Tankstellen und bei den Autoclubs. Wer sich das Pickerl nicht auf die Autoscheibe kleben möchte, kann sich eine digitale Vignette besorgen, etwa auf der Webseite der österreichischen Autobahnengesellschaft ASFINAG. Wichtig: Die digitale Vignette gilt bei Bestellung im Internet erst ab dem 18. Tag nach dem Kauf und ist daher nichts für Spontane. Laut ADAC wurden 2019 in Österreich insgesamt 220 325 Vignettensünder erwischt. Ein gutes Drittel (36 Prozent) kam aus Deutschland.

Top

Die richtige Jeans für jeden

Als Begleitung zu flachen Schuhen machen sich Mom- oder Boyfriend-Jeans gut.   
        Foto: Wrangler/dpa

Von Sabine Metzger
Berlin/Ulm (dpa) – Sie kam 1872 erstmals auf den Markt – und hält sich seitdem: Die Jeans ist nicht nur als Einzelstück langlebig, sondern auch als Modetrend. «Jeans ist eine Liebe, die niemals endet», sagt Tanja Croonen, Sprecherin des Verbands Mode+Textil.

Zu den eher romantischen Assoziationen wie Freiheit und – auch noch 65 Jahre nach James Dean – Rebellentum gesellen sich ganz praktische Vorteile, die für die Jeans sprechen. Etwa, «dass die Jeans weder schnell schmutzig wird, noch schmutzig aussieht. Einfach zu pflegen, sieht sie nach jedem Waschen wie neu aus», sagt Croonen.

Der größte modische Vorteil aber ist ihre Vielseitigkeit, findet Sonja Grau, Personal Shopperin aus Ulm. «Weil die Jeans immer neu interpretiert werden kann. Sie hat das Zeug, mit einer jeden Kombination einen neuen, stilvollen, bleibenden Auftritt zu hinterlassen. Das individuelle Styling mit der Jeans ist unendlich und damit unschlagbar.»

Grundlage für die richtige Kombination allerdings ist das individuell richtige Modell. Und das kann je nach Typ ganz anders aussehen – hier eine kurze Übersicht über die perfekte Jeans:

  • für Sparfüchse
    «Leute mit kleinem Budget sollten keine Billig-Jeans kaufen, sondern sich eher an einem Sale-Angebot orientieren», rät Shoppingberaterin Grau. Wer nur das Geld für eine einzige Jeans aufbringen kann, dem empfiehlt sie eine gerade geschnittene Jeans mit gleichmäßiger Waschung – die ist auch am vielseitigsten kombinierbar.

  • für Umweltbewusste und sozial Engagierte
    «Dabei kommt es auf das gesamte Verfahren an, sagt Silke Gerloff, Stilberaterin aus Offenbach. «Im ersten Schritt ist das die Frage: Welches Material wird benutzt? Hier ist Bio-Baumwolle gut.» Der nächste wichtige Aspekt ist der Färbeprozess. «Helle Waschungen und Tragespuren werden mit einer Chlorbleiche oder im Sandstrahlverfahren hergestellt, das ist auch für die Arbeiter problematisch.»


    Verbandssprecherin Croonen setzt dagegen: «Wir beobachten und unterstützen es, dass immer mehr Jeans nachhaltig hergestellt und gewaschen werden – ohne Kaliumspray, ohne Bimssteine, mit sehr wenig Wasser. Die Bleiche findet mit Ozon statt.» Wer sichergehen will, kann sich an Siegel wie Ökotex, GOTS oder Bluesign halten.

  • für Modebewusste
    «Für Damen sind derzeit Paperbag-Jeans aktuell», sagt Gerloff. Diese Hosen sind auf Taille geschnitten und werden dort mit einem Stoffgürtel gebunden. Einige Modelle haben auch Bundfalten, sind also im Hüftbereich eher etwas weiter und laufen unten schmaler zusammen.


    Ebenfalls angesagte Formen sind die etwas weiter geschnittenen Marlene-Jeans und die sehr weiten und knöchellangen Culottes. «Es gibt auch wieder mehr Bootcut-Formen», beobachtet Gerloff.
    Außerdem kommt nun Farbe ins Spiel: für Frauen etwa sanfte Pastelltöne. Außerdem können sie besonders auffällige Waschungen finden, etwa Batik-Effekte oder zwei verschiedene Waschungen innerhalb einer Hose. Für Frauen wie Männer sind Jeans in Weiß oder Ecru, einem Hellbeige, angesagt, für Herren insgesamt helle Jeans.

  • für füllige Figuren
    Besonders füllige Menschen sollten laut Gerloff eher auf senkrechte und streckende Linien achten und Jeans mit langem Bein wählen – dabei nicht zu eng, sondern lieber gerade geschnitten. «Ein kleiner Bootcut kann von einer breiteren Hüfte ablenken», lautet der Tipp der Stilberaterin. Zu weit ausgestellt sollte das Bein aber nicht sein, da das die optische Erscheinung wieder stauchen kann.

  • für schmale Figuren
    Die Hose sollte eine waagerechte Linienführung haben, eine niedrige Leibhöhe etwa macht den Beckenbereich breiter. Auch eher seitlich angesetzte, vielleicht mit einer Ziernaht betonte Taschen können das Becken optisch etwas auffüllen.

  • für Frauen mit den typischen Problemzonen
    Frauen mit einem Bäuchlein rät Gerloff zu Jeans mit einer höheren Leibhöhe. «Ein Bund oberhalb des Bauches betont die Taille. Taschen und Reißverschluss sollten nicht zu sehr auftragen.»


    Ein großer Po lässt sich mit eher seitlich gesetzten, flachen Gesäßtaschen bei niedriger Leibhöhe kaschieren. Ein kleiner Po kann mit mittig aufgesetzten Taschen, die auch ein wenig auftragen dürfen, optisch aufgepolstert werden. Modeberaterin Grau empfiehlt: «Trägerinnen mit kräftigen Oberschenkeln lassen Skinny-Jeans besser sein und entscheiden sich für eine Jeans mit gerade geschnittenem Bein.» Mom- oder Marlene-Jeans lassen hier ein wenig mehr Spielraum.

  • Männer mit den typischen Problemzonen
    Bei Männern mit zu viel Bauch gilt, anders als bei Frauen, dass die Hose besser unterhalb des Bauches enden sollte. Die Taille zu betonen ist hier schließlich keine Option.


    Männer mit vergleichsweise kurzen Beinen sollten ihre Hosen lieber nicht hochkrempeln, sondern gleich abschneiden. Auch von verkürzten Formen ist abzuraten. Sie meiden besser auch eine niedrige Leibhöhe und tief angesetzte Taschen – beides verkürzt die Beine optisch zu sehr. Anders liegt der Fall bei einem besonders flachen Po, findet Stilberaterin Gerloff: «Tief angesetzte, große Taschen stützen den Po optisch und füllen ihn auf.»

  • für Liebhaber von High Heels
    «Frauen sollten beim Einsatz von High Heels generell eher zu schmal geschnittenen Jeans greifen», rät Grau. «Bei einer Schlag-Jeans kommt der High Heel zum Beispiel gar nicht zur Geltung.» Für die Stilberaterin Gerloff hingegen ist ein kleiner Bootcut durchaus eine Option. Sie betont außerdem: «Hohe Schuhe helfen das Bein optisch zu verlängern, wenn die Hose eher auf Hüfte geschnitten ist.»

  • für Liebhaber von flachen Schuhen
    Hier kommt es nicht nur auf die Jeans, sondern vor allem auch auf den Schuh an. «Superskinny Jeans sehen sehr schön aus mit Ballerinas», sagt Gerloff. Als Begleitung zu Sneakern hingegen würde sie eher zu den etwas weiteren Mom- oder Boyfriend-Jeans raten. «Alles, was lässiger ist, passt gut zu flachen Schuhen.»

Top

Aus Allen Staaten

•••••••

Top