07. Dezember 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Start des Weihnachtsbaumverkaufs: Ökologie wird wichtiger

In den Weihnachtsbaumplantagen wird wieder kräftig gesägt. Bis Weihnachten sollen mehr als 20 Millionen Bäume verkauft sein. Die Kunden sind wählerisch, Klimaschutz und Ökologie werden ihnen immer wichtiger.

Weihnachtsbaumzüchter Herbert Baumann läuft mit einer Nordmann-Tanne auf der Schulter über seinen Hof, auf dem hunderte Christbäume zum Verkauf stehen Foto: dpa

Bühl (dpa) – Schön gleichmäßig soll er sein, frisch und duftend: Bei der Suche nach dem besten Weihnachtsbaum drehen sich die Gespräche aber immer öfter auch um ökologische Aspekte. Es gehe um Transportwege, Verpackung, Klimabilanz oder den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger, Martin Rometsch. «Das ist ein großes Thema, das uns beschäftigt

Ein natürlicher Weihnachtsbaum speichere beim Wachsen Kohlendioxid (CO2). Wenn er in der Region verkauft werde, entstünden nur geringe Belastungen durch den Transport, betonte der Geschäftsführer. Neu sind bei ersten Händlern Transportnetze aus nachwachsenden Rohstoffen, die ebenfalls kompostiert werden können.

Mit Sorge sehen die Weihnachtbaumerzeuger die immer häufigeren Plastikweihnachtsbäume. In ihrer Ablehnung der Plastiktannen bekommen die Weihnachtsbaumerzeuger Unterstützung von Umweltverbänden, die aber auch immer wieder Kritik am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger in den Plantagen äußern. Schon wegen des Problems der Entsorgung heißt es bei der Umweltorganisation BUND: «Hände weg vom Plastikweihnachtsbaum». Immerhin dürfte nach einer Marktumfrage bereits fast jeder siebte Weihnachtsbaum in Deutschland künstlich sein, sagt Rometsch.

Wer sein Wohnzimmer mit einem Baum aus heimischer Plantage schmücken möchte, kann mit stabilen Preisen rechnen. Die Spanne für die beliebte Nordmanntanne, liege wie im Vorjahr für die beste Qualität bei 18 bis 23 Euro pro Meter, sagte Rometsch.

Er rechnet mit einem stabilen Absatz von geschätzt 20 bis 22 Millionen Stück. Den Löwenanteil macht seit Jahren die Nordmanntanne mit ihren festsitzenden und weichen Nadeln aus, aktuell etwa 75 bis 80 Prozent. Die Blaufichte kommt auf rund 15 Prozent Anteil. Auch Rotfichte und Nobilistanne haben ihre Fans. Die Direktvermarktung ab Hof beginne um den 1. Dezember.

Die Qualität der Bäume in diesem Jahr sei gut, versprach Rometsch. Die Sommertrockenheit mache zwar den Jungpflanzen Probleme, nicht aber den erntereifen Nordmanntannen. Sie hätten mit ihren starken Pfahlwurzeln auch den Dürresommer 2018 gut überstanden.

Auch bei der Dekoration spielt die Ökologie eine zunehmende Rolle. «Naturmaterialien aus Bast, Stroh, Schleifen, Holz oder stilvoller Glas-Schmuck spiegeln die Vorfreude aufs Fest – nachhaltig und in eher sanften Tönen», teilte der Fachverband Deutscher Floristen mit. Aktuell in diesem Jahr sei selbst gemachter Christbaum-Schmuck: Aus Papier, Stroh oder Holz. «Auf allzu viel Bling-Bling, Plastik und Kitsch verzichten viele Verbraucher mit Blick auf die Fridays for Future-Bewegung», sagte Pressesprecherin Nicola Fink.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Weihnachtsbaumplantagen – Christmas tree farms
wählerisch – choosy
drehen – revolve
Einsatz – use of
Dünger – fertilizers
Pflanzenschutzmitteln – pesticides
Weihnachtsbaumerzeuger – Christmas tree growers
uns beschäftigt – concerns us
speichere – stores
entstünden – occur
geringe Belastungen – limited strain on the environment
Transportnetze – tree wraps
aus nachwachsenden Rohstoffen – made from natural materials
Ablehnung – condemnation
Unterstützung – support
schon wegen – just on account of
Entsorgung – disposal
künstlich – artificial
heimischer – local
schmücken – decorate
Spanne – range
-tanne – fir
Absatz – sales
geschätzt – estimated
Löwenanteil – lion’s share
-fichte – spruce
Direktvermarktung – consumer sales
erntereifen – mature
Pfahlwurzeln – tap roots
Dürresommer – summer drought
überstanden – survived
zunehmende – increasing
Bast – bast; plant fibers
Stroh – straw
Schleifen – bows
Holz – wood
Vorfreude – anticipation
verzichten – renounce

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Thomas Dreßen mit Traum-Comeback – «Herausragender Abfahrer der Historie»

Thomas Dreßen ist Kitzbühel-Sieger und allein deshalb einer der ganz Großen seines Sports. Mit einem Sieg im ersten Rennen nach einem Jahr Verletzungspause hat der 26-Jährige ein weiteres Kapitel deutscher Skigeschichte geschrieben.

Thomas Dreßen aus Deutschland jubelt nach der Abfahrt im Ziel. Foto: dpa

Von Maximilian Haupt und Manuel Schwarz
Lake Louise (dpa) – Als wäre er nie weg gewesen, stand Thomas Dreßen nach seinem Sensations-Comeback ganz oben auf dem Podium und zeigte unter einem weißen Cowboy-Hut sein breitestes Siegerlachen. Dabei konnte er das, was da in Kanada gerade passiert war und die ganze Ski-Welt verblüffte, selbst nicht fassen. «Wahnsinn», stammelte der Abfahrer nach seinem unglaublichen Sieg von Lake Louise. Nach einem Jahr Verletzungspause wegen eines Sturzes samt Totalschaden im Knie.

Dreßen war überwältigt. Dieses Wintersport-Märchen kam in der ersten Euphorie gar an seinen Coup auf der Streif 2018 heran. «Kitzbühel ist einzigartig», meinte er zwar am ARD-Mikrofon. «Aber ich würde trotzdem sagen, dass dieser Sieg eigentlich fast der schönste ist.»

Schon nach dem Zieleinlauf hatte er gejubelt wie damals in Kitzbühel, mit beiden Fäusten in der Luft und laut schreiend. Danach hieß es, diese unfassbaren gut 24 Monate seines Lebens zu verarbeiten, die den deutschen Alpinchef Wolfgang Maier zu großen Worten verführten.

«Man muss ihn als den herausragenden Abfahrer der Historie bezeichnen. Obwohl er noch so jung ist», sagte Maier der Deutåhen Presse-Agentur über den 26-Jährigen. «Der Thomas ist in der Abfahrt sicher das Beste, was wir in Deutschland bislang zu bieten hatten.»

Denn auf den Tag genau ein Jahr nach seinem folgenschweren Unfall in Beaver Creek gewann Dreßen am Samstag nicht nur das Rennen in Lake Louise, sondern machte sich auch zum besten deutschen Abfahrer der Weltcup-Geschichte. Drei Siege in der Königsdisziplin dieses Sports, das hatte weder Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier geschafft noch der zweimalige Kitzbühel-Sieger Josef Ferstl senior. «Der Dreßen bringt noch einen Ticken mehr mit», sagte Maier über den Sportler aus Mittenwald. «Er hat wirklich noch eine große Zukunft vor sich.»

Auch der geschlagenen Konkurrenz nötigte das Comeback großen Respekt ab. «Super. Da muss man schon einen Hut ziehen. Kommt nach einem Jahr zurück und gewinnt das Rennen. Gewaltig», sagte Super-G-Weltmeister Dominik Paris aus dem italienischen Team. Er war um 0,02 Sekunden von Dreßen geschlagen worden.

«Ich freue mich wahnsinnig. So ein Comeback hinzulegen, das ist definitiv gewaltig», sagte Felix Neureuther der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Der einstige deutsche Erfolgsgarant lobte seinen ehemaligen Teamkollegen für eine «überragende Leistung» und erkannte den Stellenwert des Sieges für das ganze Team. «Jetzt kann der Winter definitiv starten.»

Im Super-G am Sonntag war Dreßen auf Rang zehn erneut der beste Deutsche. «Ich bin zufrieden. Da kann man jetzt gut drauf aufbauen», sagte er. Auch Andreas Sander, der an diesem Wochenende ebenfalls erstmals nach seinem Kreuzbandriss wieder am Start stand, zeigte als 17. eine gute Leistung.

Dass Dreßen für die Besten seines Fachs eine ernstzunehmende Gefahr ist, hatte er zum ersten Mal vor ziemlich genau zwei Jahren bewiesen. Da holte er auf der Raubvogel-Piste in Beaver Creek, die nicht wenige für mindestens so schwer halten wie die Streif in Kitzbühel, den dritten Platz und sein erstes Podest. Es folgten: Der Sieg auf der legendären Hahnenkamm-Abfahrt im Januar 2018 und sein zweiter Weltcup-Sieg in Kvitfjell im März 2018. Dann aber passierte der folgenschwere Sturz im November 2018, ausgerechnet bei der Rückkehr nach Beaver Creek rauschte er mit hoher Geschwindigkeit ins Fangnetz.

Neben dem gerissenen, vorderen Kreuzband im rechten Knie waren auch der Innenmeniskus, Außenmeniskus, das Innenband und der Knorpel lädiert. Das Knie war, «ich sage es, wie es ist, im Arsch», erzählte Dreßen jüngst. Seither bestritt er kein Weltcup-Rennen mehr – bis zur Sensation von Lake Louise. «Das ist einfach nur verrückt», meinte er.

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Feuilleton

Stolz oder Scham? Kolonialdebatte
erreicht niederländische Museen

Das nachgebaute Segelschiff «Halve Maen» der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC).
Foto: Remko De Waal/epa/dpa

Von Christoph Driessen
Amsterdam (dpa) – Zum 350. Todestag von Rembrandt in diesem Jahr hatte das Niederländische Büro für Tourismus es wieder mal ganz groß beworben – das «Goldene Zeitalter». Gemeint ist die Glanzzeit der Niederlande im 17. Jahrhundert, als das kleine Land weit vor England und Spanien die größte Handelsmacht der Welt war und gleichzeitig bedeutende Künstler und Wissenschaftler hervorbrachte. Doch am Ende des Jubiläumsjahrs steht dieses positive Selbstbild mehr denn je zur Debatte.

Das Amsterdam Museum – das historische Museum der Stadt Amsterdam – hat angekündigt, den Begriff «Goldenes Zeitalter» künftig nicht mehr zu verwenden – schließlich sei die Zeit für die von Niederländern versklavten Afrikaner alles andere als golden gewesen. Gleichzeitig wird über die Umbenennung von Straßen, Museen und Schulen und über den Abbau von Standbildern diskutiert.

Einige warnen schon vor einem «Bildersturm» gegen Kulturdenkmäler. «Was ist das für ein Unsinn», schimpfte etwa der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte über die Streichung des Begriffs «Goldenes Zeitalter». Der Rechtspopulist Geert Wilders twitterte: «Stolz sein auf die Niederlande ist tabu, wenn es nach diesen gestörten linken Selbsthassern geht. Sie machen die Niederlande kaputt mit ihrer falschen politischen Korrektheit.»

Die Gegenseite vertritt ihren Standpunkt teilweise ebenso kompromisslos. Eine Aktionsgruppe mit dem Namen «Das Graue Zeitalter» ging 2016 soweit, den Sockel des Denkmals von Jan Pieterszoon Coen in Hoorn am Ijsselmeer mit dem Wort «Genozid» zu beschmieren. Als Generalgouverneur der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) hatte Coen 1621 die Bevölkerung einer ganzen Inselgruppe getötet oder versklavt, um das Gewürzmonopol der Handelsgesellschaft zu sichern. Das «VOC Cafe» in Amsterdam änderte dieses Jahr seinen Namen, nachdem der Inhaber Drohmails bekommen hatte. Auch eine Schule, die nach Coen benannt war, hat sich lieber einen neuen Namen gegeben.

Müssen auch Straßen umgetauft werden? Nein, meinen die einen, denn dann werde Geschichte aus der Erinnerung getilgt. Außerdem dürfe man frühere Epochen nicht nach heutigen Maßstäben beurteilen. Ja, sagen dagegen andere, denn wer aus heutiger Sicht ein Kriegsverbrecher sei, könne kein Vorbild sein und verdiene keine Ehrung.

Das Witte de With Contemporary Art Center in Rotterdam will seinen Namen ändern, weil Witte de With (1599-1658) ebenfalls eine umstrittene Gestalt der Kolonial- und Militärgeschichte ist. Keine Namensänderung erwägt das Mauritshuis in Den Haag, eines der bedeutendsten Museen der Niederlande mit Meisterwerken von Rembrandt und Vermeer. Doch auch sein Namensgeber und Erbauer steht in der Kritik: Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679) – auf Niederländisch Johan Maurits – war als Generalgouverneur der kurzlebigen Kolonie Niederländisch-Brasilien am Sklavenhandel beteiligt.

Das Mauritshuis reagierte, indem es dieses Jahr eine Sonderausstellung zu dem umtriebigen Adligen organisierte. Darin wurden unterschiedliche Sichtweisen der historischen Persönlichkeit einander gegenübergestellt. Der Besucher war aufgerufen, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

Dass die Debatte nächstes Jahr weitergeht, steht schon fest: Im September startet das Rijksmuseum in Amsterdam eine große Ausstellung über den niederländischen Anteil am Sklavenhandel. Der Name «Goldenes Zeitalter» soll dort trotz aller Schattenseiten erst einmal beibehalten werden. Direktor Taco Dibbits glaubt, dass viele den Begriff in erster Linie auf die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts beziehen: «Und auf dem Gebiet war es wirklich ein Goldenes Zeitalter.»

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Gesundheit

Gerstenkorn heilt meistens von allein

Es schmerzt: Das Gerstenkorn am Auge. Foto: dpa

Köln (dpa) – Wenn die Immunabwehr geschwächt ist, kann am Auge ein Gerstenkorn entstehen. Dagegen gibt es viele Mittelchen aus der Apotheke – abwarten allein reicht aber vielleicht schon.

Es schmerzt, stört und sieht meistens auch nicht schön aus: das Gesternkorn am Auge. In der Regel verschwindet der ungeladene Gast aber von allein wieder, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Nach etwa einer Woche öffnet sich das Gerstenkorn, der Eiter darin fließt ab, die Schwellung geht zurück.

Betroffene können aber versuchen, den Prozess zu beschleunigen. Wichtig dabei: Nicht am Gerstenkorn herumdrücken! Sinnvoll ist es aber eventuell, den Lidrand mit dem Gerstenkorn kurz und vorsichtig zu reinigen. Dafür gibt es Reinigungstücher oder -flüssigkeiten in der Apotheke.Warme Kompressen beziehungsweise Augenmasken oder eine Rotlichtbestrahlung – dreimal täglich für je zehn Minuten – können ebenfalls dafür sorgen, dass sich ein Gerstenkorn schneller öffnet. Feuchte Kompressen sind aber keine gute Idee, warnen die Experten: Sie weichen die Haut auf, eventuell breitet sich die Entzündung dann weiter aus.

Ein weiteres Hilfsmittel aus der Apotheke sind keimtötende Salben oder Gels, die sich auf das Korn auftragen lassen. Antibiotika dürfen aber nur nach ärztlicher Beratung zum Einsatz kommen. Den Arzt sollten Betroffene auch aufsuchen, wenn sich das Gerstenkorn nach zwei Wochen nicht von selbst geöffnet hat, so das IQWIG. Eventuell ist dann ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig.

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Reise

Skigebiete in den Alpen öffnen nach Wintereinbruch früher

Schon am Wochenende können sie etwa in Kitzbühel oder ab Freitag auf der Planai in Schladming ihre Schwünge ziehen. Archivfoto dpa

Wien (dpa) – Zahlreiche Skigebiete in Österreich und der Schweiz nehmen nach den starken Schneefällen der vergangenen Tage schon früher ihren Betrieb auf als ursprünglich geplant. So können Skifahrer und Snowboarder schon Mitte November etwa in Kitzbühel oder auf der Planai in Schladming ihre Schwünge ziehen.

In der Schweiz beginnt am Wochenende der Pistenspaß etwa am Aroser Hörnli im Kanton Graubünden und auch im Skigebiet Grindelwald-Wengen. In Oberbayern und im Allgäu sind die Betreiber dagegen noch etwas zurückhaltender und bleiben bei ihren bisherigen Planungen.

Die meisten bayerischen Skigebiete starten Ende der ersten oder zweiten Dezemberwoche mit dem Betrieb, während am Freitag an der Zugspitze der Saisonauftakt ansteht. Zunächst fahren an der Zugspitze nach Angaben der Bayerischen Zugspitzbahn zwei Sessellifte, vier von einem Dutzend Pisten werden geöffnet sein.

Auf den Gipfeln im Allgäu ist noch Warten angesagt. „Wenn wir Weihnachten genug Schnee haben, würden wir uns freuen“, sagte eine Sprecherin von Buron Skilifte in Wertach (Landkreis Oberallgäu). Die meisten der Allgäuer Skilifte öffnen zwischen dem Nikolaus-Wochenende und dem 20. Dezember.

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Kreativ: Weihnachtsbäckerei

Die gebackenen Plätzchen werden mit gefärbtem Zuckerguss überzogen und nach belieben mit Perlen oder Dekorschrift verziert.
Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa

Waalkirchen/Wörthsee (dpa) – Der Fantasie und der Lust an Glanz und Glimmer sind beim Verzieren von Plätzchen keine Grenzen gesetzt. Kreativität ist gefragt – nicht zwingend die große Backkunst. «Es müssen nicht immer ausgefallene Rezepte sein», sagt Christiane Kührt, Autorin des Buches «Weihnachten ganz easy».

Auch aus nur ein oder zwei einfachen Teigen könnten viele leckere kleine Kunstwerke entstehen. «Das Backen artet so nicht in Stress aus und macht auch Kindern Spaß», sagt Kührt. Sie schlägt vor, für die Weihnachtsbäckerei zwei Nachmittage einzuplanen. Am ersten Tag wird ausgestochen und gebacken, am zweiten Tag wird verziert.

Wer mit kleinen Kindern backt oder nicht ganz so viel Zeit hat, finde im Handel ein umfangreiches Angebot an Streudeko, die aus jedem Plätzchen schnell einen bunten Hingucker zaubert, erklärt Kührt. Von kleinen Tannenbäumen über Fertigguss in allen Farben bis hin zu edlem Goldstaub ist alles zu haben.

Muße, Geduld und eine entspannte Atmosphäre sind auch aus Sicht von Koch, Foodstylist und Autor Andreas Neubauer wichtige Zutaten der Weihnachtsbäckerei. Ein großer Fundus an Ausstechformen muss nicht unbedingt vorhanden sein. Warum nicht einfach mit einem Glas einen Kreis ausstechen und mit der entsprechenden Deko zur Plätzchen-Weihnachtskugel machen, schlägt Neubauer vor.

Versehen mit einem kleinen Loch und einer Kordel seien solche kleinen Kunstwerke auch hübsche Geschenkanhänger, sagt Kührt. Sie geben jedem Präsent eine persönliche Note und sind ein kleines Pröbchen aus der Backstube, ohne dass gleich eine ganze Tüte Plätzchen den Besitzer wechselt – und die Keksdose kurz vor Weihnachten womöglich schon leer ist.

Der Teig für Ausstecher ist meist ein klassischer Mürbeteig. Neubauer empfiehlt, diesen möglichst mit einer Küchenmaschine und nicht von Hand zu kneten. So werde der Teig reißfester und weniger klebrig. Um einen besonders glatten und elastischen Teig zu bekommen, rät er zudem, statt Kristallzucker Puderzucker zu verwenden und mit den Eiern etwas eiskaltes Wasser in den Teig einzuarbeiten.

Ein Klassiker der Weihnachtsbäckerei, der ganz ohne zusätzliches Dekomaterial auskommt und trotzdem alle Blicke auf sich zieht, ist Schwarz-Weiß-Gebäck. «Eigentlich besteht Schwarz-Weiß-Gebäck aus ganz simplem hellen und dunklem Knetteig», sagt Food-Bloggerin Kathrin Runge. Das Besondere sei die Kombination der beiden in schönen Mustern, zum Beispiel als Schnecken, Schachbrett oder marmoriert.

Das Backen von Schwarz-Weiß-Gebäck braucht ein wenig mehr Zeit und Fingerfertigkeit als die Herstellung von Ausstechern, dafür entfällt später das Dekorieren. Runge rät zum Beispiel für die Zubereitung einer Schwarz-Weiß-Schnecke beim Übereinanderlegen der hellen und der dunklen Teigplatte die unterste Platte mit etwas Eiweiß zu bestreichen, damit die zweite besser hält und die Plätzchen später nicht auseinanderbrechen.

Eine besonders individuelle Gestaltungsidee für Weihnachtsplätzchen sind sogenannte Stempelkekse. «Keksstempel und Sets für Buchstabenkekse gibt es in jedem Haushaltswarengeschäft und im Internet», sagt Runge, deren Blog unter dem Motto «Backen macht glücklich» steht. Stempel mit individuellen Texten oder Motiven, sei es das Firmenlogo oder eine Liebeserklärung, könne man anfertigen lassen.

«Der Teig für Stempelkekse darf auf keinen Fall zu weich sein und im Ofen auseinanderlaufen, da sonst die gewünschten Muster oder Prägungen nach dem Backen nicht mehr zu sehen sind», betont die Backexpertin. Ideal sei ein Teig aus 500 Gramm Mehl, 250 Gramm kalter Butter, 180 Gramm Zucker und zwei mittelgroßen Eiern. Empfehlenswert sei es auch, auf die Stempel etwas Mehl zu geben, damit der Teig nicht kleben bleibt. Und ganz wichtig: Schriften im Stempel müssen spiegelverkehrt angeordnet werden!

Ganze Weihnachtsbäume zaubert Kührt in ihrer Weihnachtsbackstube aus Brownieteig: Dafür backt sie aus dem Teig eine Platte und schneidet diese in viele spitze Dreiecke. Auf die Dreiecke werden mit weißer Kuvertüre aus dem Spritzbeutel Schlangenlinien als Girlanden gezogen. Bunte Schokolinsen als Kugeln darauf setzen, und fertig ist der süße Weihnachtsbaum. «Dafür ist jeder Brownieteig geeignet», sagt Kührt.

Weihnachtsbäume haben auch die Backfantasie von Andreas Neubauer angeregt: Für seine dreidimensionalen Bäumchen füllt er einen Rührteig mit dem Spritzbeutel in kleine selbst zugeschnittene Tütchen aus Backpapier und backt die Kuchenkegel stehend in einer ofenfesten Espressotasse. Die fertigen Baumküchlein werden dünn mit weißer Kuvertüre bestrichen und in gemahlenen Pistazien gewälzt. Zuckerperlen sind die Weihnachtskugel und weißer Zuckerguss die Schneespitze auf dem Baumwipfel.

Aber auch wer es nicht ganz so süß mag, soll auf dem Plätzchenteller fündig werden. Runge backt die klassischen «Spitzbuben» auch mal mit einem salzigen Mürbeteig und füllt die Doppeldecker mit Frischkäse statt der üblichen Marmelade.

Und auch beim Verzieren von Ausstechern greift sie unter anderem auf Herzhaftes zurück: «Ich verziere besonders gern mit natürlichen Zutaten statt mit Lebensmittelfarbe und Co.», sagt die Backexpertin. Sie schlägt vor, auf Plätzchen oder Lebkuchen mit Schokoguss rote Chilifäden, gefriergetrocknete Himbeerstückchen oder roten Pfeffer zu streuen. Das sehe «nicht nur super aus», sondern bringe auch gleich «ein tolles Aroma mit».

Christiane Kührt: «Weihnachten ganz easy», ZS Verlag GmbH, 96 S., 14,99 Euro, ISBN 978-3-8988-3800-9 Andreas Neubauer: «Weihnachtsplätzchen», Gräfe und Unzer Verlag, 64 S., 9,99 Euro, ISBN 978-3-8338-7074-3 Kathrin Runge: «Die kleine Weihnachtsküche», BLV, 128 S., 14,99 Euro, ISBN 978-3-8354-1440-2

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