07. März 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

55 Jahre Reue – Amerikanerin schickt Bierkrug ans Hofbräuhaus zurück

Es ist der Sommer ‘65, eine junge Amerikanerin reist durch Deutschland. Ost-Berlin schockt sie, im Münchner Hofbräuhaus lässt sie einen Krug mitgehen. Nach 55 Jahren schickte sie ihn nun zurück. Was trieb sie? Ein Besuch in Maryland.

Celeste Sweeney zeigt ein Foto von einem Musikanten, das nach ihrer Erinnerung 1965 im Hofbräuhaus aufgenommen wurde. Im Sommer 65 reist die junge Amerikanerin durch Deutschland. Ost-Berlin schockt sie, im Münchner Hofbräuhaus lässt sie einen Krug mitgehen. Nach 55 Jahren schickte sie ihn nun zurück. Foto: dpa

Von Benno Schwinghammer
Washington (dpa) – Als Celeste Sweeney damals «ihren Krug» im Trenchcoat versteckte, hätte sie nicht für möglich gehalten, dass er ihr mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein schlechtes Gewissen bereiten würde. Es war an einem ausgelassenen Sommerabend 1965, als die 18-jährige Amerikanerin im Hofbräuhaus zuerst das bayerische Bier trank – und dann das zugehörige Steingefäß mitgehen ließ.

Nach 55 Jahren hat der Krug nun seinen Weg zurück in die Münchner Bierstube gefunden, dabei ein Zettel mit drei Sätzen: «Ich habe diesen Steinkrug aus ihrem Haus im Sommer 1965 mitgenommen, als ich wild, rücksichtslos und unbedacht war. Entschuldigen Sie, dass Sie ihn nicht früher zurückbekommen haben. Hoffentlich kommt er heil an.»

Was die heute 73-Jährige dazu trieb, soll ein Besuch im US-Bundesstaat Maryland vor den Toren Washingtons herausfinden. Sweeney lebt in einem hübschen, weißen Haus in einem dieser amerikanischen Vororte, in denen jedes Grundstück Platz für vier Autos zu haben scheint. Dass jemand an der Geschichte zu ihrem Bierkrug interessiert ist, kann sie kaum glauben. Doch sie bittet den Gast hinein und führt ins Arbeitszimmer. Das Fotoalbum ist schon aufgeschlagen.

Damals, 1965, hatte ihre ältere Schwester sie auf eine Europa-Tour mit ihren Freundinnen mitgenommen, erzählt sie. Sie blättert in den alten Fotos, sie zeigen Rom, Paris und London. Auf einem Bild prangt Stacheldraht. Es ist die Grenze nach Ost-Berlin.

Damals habe sie bei Deutschland an die Care-Pakete gedacht, die sie mit ihrer Mutter für die Notleidenden in der Nachkriegszeit gepackt hatte, erzählt Sweeney. Und nun besuchte sie den Ostteil Berlins und war «zutiefst erschüttert». Ihre Erinnerungen sind düster, da war eine Frau, die tief gebeugt über die Straße huschte, alles wirkte bedrohlich. «So etwas hatte ich noch nie gesehen», sagt sie.

Umso größer war der Kontrast zu München. «Endlich war es lustig und leicht und fröhlich. Das Lächeln, die Musik, die Wärme!», schwärmt Sweeney. Vom Abend im Hofbräuhaus erinnert sie noch Einiges. Die Jungs mit den Lederhosen ganz besonders, aber auch die Frauen mit den Puffärmeln.

Stundenlang seien die jungen Frauen an ihrem langen Holztisch geblieben. Sie hätten gegessen und getrunken, getanzt und gesungen – und ihre Steinkrüge dabei in der Luft geschwenkt. Als sie schließlich gehen wollten, fassten die jungen Frauen einen Plan. Zwar hätten sie auch einen Bierkrug als Andenken kaufen können, «aber wir hatten so viel Spaß, wir wollten unsere Krüge». Celeste Sweeney und ihre Freundinnen versteckten sie unter ihren Jacken.

Wieder in den USA habe sie das Steingefäß auf ein Regal gestellt und mit Stolz betrachtet. Daraus getrunken habe sie nie wieder. Doch es schlich sich auch noch ein anderes Gefühl ein. Das von Schuld. «Ich besaß etwas, das nicht zu mir gehörte. Das wieder im Hofbräuhaus sein sollte». Sweeney betont, wie wichtig ihr auch in diesem Zusammenhang der Glaube sei. Aus ihrer weißen Bluse schaut ein goldenes Kreuz hervor.

Unterdessen ging das Leben mit voller Geschwindigkeit weiter, die Pädagogin zog in andere Bundesstaaten, wohnte an der Westküste in Kalifornien, schließlich verschlug es sie in den Vorort von Washington. Doch die Schuld zog immer mit. Manchmal landete sie nach einem Umzug in einer Box, manchmal in einem Schrank. Und immer wieder fiel Sweeney ein, dass da noch etwas war. Etwas Unerledigtes. «Eines Tages» werde sie den Krug zurückschicken, dachte sie immer wieder.

«Eines Tages» kam nach fast 55 Jahren. Im Dezember beschloss Sweeney, dass es an der Zeit war: Im Internet fand sie die Adresse des Hofbräuhauses in München, sie fuhr zum Walmart, kaufte eine Box, Luftpolsterfolie und legte den Steinkrug hinein. Danach ging’s zur Postfiliale, wo sie den Versand auf 100 Dollar versicherte. Falls das Gefäß zerbrach, so die Rechnung, könnte sie dem Brauhaus wenigstens das Geld überweisen. Danach erzählte sie ihren Enkeln, dass es niemals zu spät sei, einen Fehler wiedergutzumachen.

Mittlerweile hat das Hofbräuhaus, das den Brief bei Facebook veröffentlichte und sich über die Aufmerksamkeit freut, mit einem weiteren Paket reagiert: Als Dankeschön für so viel Ehrlichkeit befindet sich gerade ein neuer Steinkrug auf dem Weg in die Staaten. «Dieses Mal können Sie es mit ruhigem Gewissen behalten», steht in einem beiliegenden Brief. Als Sweeney davon hört, ist sie gerührt. Den neuen Krug werde sie dann auch benutzen, meint sie.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Reue – remorse
trieb – drove
Gewissen – conscience
ausgelassenen – cheerful
zugehörige – related
Zettel – note
rücksichtlos – inconsiderate
unbedacht – thoughtless
aufgeschlagen – open
Stacheldraht – barbed wire
prangt – stands out
Notleidenden – destitute people
zutiefst erschüttert – deeply moved
düster – dim
gebeugt – bent over
huschte – darted
schwärmt – raved
Puffärmeln – puffy sleeves
geschwenkt – swung
Andenken – souvenir
versteckten – hid
Schuld – guilt
besaß – possessed
voller Geschwindigkeit – full speed ahead
Unerledigtes – unsettled; not taken care of
beschloss – decided
Luftpolsterfolie – air pillow packing or bubblewrap
Versand – shipment
versicherte – insured
veröffentlichte – published
Aufmerksamkeit – attention
Ehrlichkeit – honesty

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Quarantäne, Absagen, Angst: Sport immer tiefer in Corona-Nöten

Die Folgen der Coronavirus-Ausbreitung haben immer mehr Auswirkungen auf den Sport. In der Schweiz wurde hart durchgegriffen, ein deutscher Radsportler sitzt am Persischen Golf in Quarantäne. Auch der deutsche Fußball ergreift Vorsichtsmaß-nahmen.

Die Eishockeyspieler aus Bern und Lausanne tragen das Spiel ohne Zuschauer aus. Wegen des Coronavirus wurden in der Schweiz vorerst bis mindestens Mitte März alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt. Foto:dpa

Von Manuel Schwarz und Christoph Sicars
München (dpa) – Das sich weiter ausbreitende Coronavirus bringt auch den Sport immer mehr in Not. In Abu Dhabi und Berlin sitzen Radprofis in Quarantäne, bei Weltcup-Skirennen in Norditalien wurde Körperkontakt praktisch untersagt und die Schweiz hat aus Sorge vor Covid-19 gleich alle größeren Sportveranstaltungen inklusive Toppartien im Fußball und Eishockey verboten. Auch in Deutschland bestimmen die Vorsichtsmaßnahmen vor dem Virus den Alltag. RB Leipzig stornierte alle Reisen seiner Spieler, Scouts und Mitarbeiter, nicht nur beim SC Freiburg wird auf Händeschütteln verzichtet.

In der Schweiz griffen die Behörden durch: Der Bundesrat verbot am Freitag bis zum 15. März alle Sportevents mit mehr als 1000 Zuschauern. Alle Fußball-Erstligapartien des Wochenendes wurden auf einen unbestimmten Termin verlegt. Über die folgenden Spieltage soll in der kommenden Woche entschieden werden, teilte der Ligaverband mit. Im Eishockey stehen vom 7. März an die Meisterschafts-Playoffs an, die letzten beiden National-League-Qualifikationsrunden davor finden vor leeren Rängen statt, wie die Liga mitteilte. Im Mai findet in der Schweiz außerdem die Weltmeisterschaft statt.

Auch der Fußball in Deutschland reagierte bereits auf die Lage, wenn auch (noch) nicht so folgenreich wie in der Schweiz. «Aktuell wurden alle Reisen storniert», berichtete Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. Beim SC Freiburg teilte Coach Christian Streich mit, «dass wir uns nicht die ganze Zeit die Hand geben». Eine zentrale Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung des Virus ist, sich regelmäßig und intensiv die Hände zu waschen und zu desinfizieren.

Bayern-Trainer Hansi Flick kündigte an, sich nochmal mit dem Teamarzt zu besprechen. «Es ist wichtig, dass wir alle Vorkehrungen treffen, dass wir wirklich auf der sicheren Seite sind», sagte er. Titelrivale Borussia Dortmund hat sich gegen mögliche Spielabsagen gewappnet: Der Verein habe eine Ausfallversicherung, sagte ein Sprecher.

Während der internationale Spitzenfußball von Infektionen bislang verschont blieb, kam der Radsport bereits in direkten Kontakt mit dem neuartigen Coronavirus. Die UAE Tour in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde vor der Etappe am Freitag gestoppt, weil zwei italienische Mitarbeiter eines Teams positiv getestet wurden.

«Um vier Uhr nachts wurde bei uns im Hotel hier in Abu Dhabi an die Tür geklopft und uns gesagt, dass das Rennen abgesagt wurde und wir sofort zum Medizincheck müssen», sagte der deutsche Sprinter Pascal Ackermann der Deutschen Presse-Agentur. Der Fahrer vom Team Bora-hansgrohe ist nun unter Quarantäne in einem Hotel. «Eigentlich wissen wir gerade gar nicht, was hier Sache ist», sagte er. «Erst einmal müssen wir schauen, ob wir hier aus Dubai wegkommen oder im schlimmsten Fall zwei Wochen im Hotel bleiben müssen.»

In Berlin wurde der dänische Radprofi Michael Mørkøv in einem Hotel isoliert, nachdem er von der UAE Tour angereist war. Er wollte eigentlich bei der Bahn-WM am Wochenende starten. «Wir prüfen derzeit die Situation mit dem Chefarzt, den örtlichen Gesundheitsbehörden und anderen betroffenen Parteien», teilte der Weltverband UCI mit.

So wenig Körperkontakt wie möglich, das ist generelle Maxime auch im Sport. Beim Ski-Weltcup in La Thuile im norditalienischen Aostatal müssen Journalisten bei Interviews mit Athletinnen mindestens eineinhalb Meter Abstand halten, Handshakes sind untersagt.

Der Sportmediziner Wilhelm Bloch rät Athleten, direkt nach den Wettkämpfen weder Interviews zu geben noch Autogramm zu schreiben. Nach hohen Belastungen würde die Barriere für Erreger in den oberen Atemwegen etwas «löchriger», weil sie dann mehr atmen, sagte der Professor von der Deutschen Sporthochschule in Köln der dpa.

In der Formel 1 ist der China-Grand-Prix am 19. April in Shanghai bereits abgesagt, Zweifel gibt es um Austragung der Rennen in Bahrain am 22. März und in Vietnam am 5. April. Der Saisonauftakt in Melbourne am 15. März gilt noch als sicher. Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt warnte vor Panikmache und vor zu großen Einschnitten im Alltag. «Gehen Sie ins chinesische Restaurant, gehen Sie zum Football oder Grand Prix oder zum Netzball», sagte er.

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Feuilleton

«Monet.Orte» – Museum Barberini zeigt große Monet-Ausstellung

Ausstellung „Monet.Orte“ im Museum Barberini in Potsdam: „Getreideschober in der Mittagssonne“ (1890), „Getreideschober“ (1890) und „Verschneiter Getreideschober in der Sonne“ (1891, r). Foto: Soeren Stache/dpa

Potsdam (dpa) – Der Seerosenteich in Giverny, die Waterloo Bridge in London oder die Landschaft der französischen Gemeinde Argenteuil: In seiner neuen Ausstellung zeigt das Museum Barberini auf drei Etagen die Vielfalt der porträtierten Orte des Malers Claude Monet.

Das Potsdamer Museum Barberini geht in seiner neuen Ausstellung Orten nach, die den französischen Maler Claude Monet (1840-1926) inspirierten. Bis zum 1. Juni ist die Ausstellung «Monet.Orte» mit 110 Werken des Impressionisten zu sehen – von seinem allerersten dokumentierten Werk im Alter von 16 Jahren bis zu seinen Seerosenbildern in seinem Garten von Giverny, wie das Museum jetzt mitteilte. Die Schau sei die größte Monet-Ausstellung, die es in Deutschland bislang gegeben habe, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider.

Über drei Etagen zeigt das Kunsthaus Bilder des impressionistischen Malers, sortiert nach den Orten, die er besuchte und die ihn zu seinen Werken inspirierten. «Was bei Monet immer wieder auffällt in seiner ganz umfangreichen Korrespondenz, ist, dass er immer darüber schreibt, dass er eine Landschaft erstmal erschließen, erkunden muss», sagte Kurator Daniel Zamani.

Zu den Gemälden, die Besucher im Museum anschauen können, gehören Serien wie der Seerosenteich in Giverny oder die Waterloo Bridge, die Monet nach Angaben von Kurator Zamani bei seinen Besuchen in London 41 Mal porträtierte. In einem weiteren Raum kann man dem in Paris geborenen Künstler auf seinen Zugfahrten durch Frankreich folgen, von seinem Gemälde des Pariser Bahnhofs Saint-Lazare (1877) zu der nur 15 Minuten Fahrtzeit entfernten französischen Gemeinde Argenteuil. Immer wieder fuhr er zwischen den Orten hin und her, bepackt mit Staffeleien und Farbpaletten, um dort «sur place» («vor Ort») zu malen.

Den Grundstock der Ausstellung bilden die Sammlungen des Museumsstifters Hasso Plattner sowie des Denver Art Museum. Ergänzt wird er durch zahlreiche Leihgaben, etwa aus dem Musée d’Orsay, der National Gallery in London und dem Metropolitan Museum of Art in New York. 34 Bilder von Plattner sind in der Orte-Schau zu sehen. Ab dem 5. September sollen aus seiner Sammlung weitere Werke von über 20 Impressionisten und Post-Impressionisten hinzukommen. Das Museum will dann 104 Bilder von Künstlern wie Pierre-Auguste Renoir, Henri-Edmond Cross und Alfred Sisley als Dauerausstellung zeigen.

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Gesundheit

Wissenschaftler: Schwerhörigkeit erhöht Demenzrisiko

Eine an Demenz leidende Frau gestaltet auf einem Blatt Papier ein Bild. Mehr als eineinhalb Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Foto: dpa

München (dpa) – Mehr als eineinhalb Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Heilung gibt es bisher nicht. Aber immer mehr zeigt sich, dass Faktoren zu dem krankhaften Vergessen beitragen, an die man zunächst gar nicht denkt.

Wer im fortgeschrittenen mittleren Alter schwer hört, hat später ein höheres Risiko für Demenz. Hierfür gebe es handfeste neue Belege, sagte Robert Perneczky vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität am Freitag zum Auftakt des Demenz-Kongresses «ResDem» in München mit rund 200 Wissenschaftlern aus aller Welt. «Wir wissen mittlerweile auch, dass der Einsatz von Hörhilfen eine günstige, wirksame Methode ist, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern und eventuell auch das Demenzrisiko zu senken», sagte der Psychiater und Leiter des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums an dem Klinikum. Menschen, die von Geburt an taub seien oder in jungen Jahren eine Gehörverlust erlitten, haben laut Perneczky aber eher kein generell erhöhtes Demenzrisiko.

Eine relativ neue Studie aus Taiwan mit Gesundheitsdaten von rund 16 000 Menschen zeigt, dass insbesondere hörbeeinträchtigte Menschen, die zwischen 45 und 64 Jahren alt sind, ein höheres Demenzrisiko haben wie Gleichaltrige ohne Hörschwierigkeiten. «In der Liste der neuen Risikofaktoren ist Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter der wichtigste Faktor», sagte Perneczky. Diese unerwartete Erkenntnis eröffne neue Möglichkeiten, effektiv gegen die Erkrankung vorzugehen.

Grundsätzlich ist der Zusammenhang zwischen Demenz und Schwerhörigkeit schon länger bekannt. «Fehlende akustische Reize können die Entstehung einer Demenz begünstigen oder den Verlauf beschleunigen», heißt es in einem Merkblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zu Schwerhörigkeit und Demenz. Eingeschränktes Hören und Demenz könnten auf unterschiedliche Weise zusammenhängen. «Symptome einer Demenz und Folgen einer Hörbehinderung können sich ähneln. Dies kann zu Fehldiagnosen führen», heißt es weiter.

Ellen Nickel, Beraterin am Alzheimer-Telefon der Gesellschaft, ergänzte: «Sicherlich ist es ein Problem, wenn Hochbetagte, die an Demenz erkrankt sind, auch schwerhörig sind – und das eine das andere bedingt.»

Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Demenz, zwei Drittel davon Alzheimer. Bis 2050 wird bei steigender Lebenserwartung mit drei Millionen Demenzpatienten gerechnet. Bis heute ist die Krankheit nicht heilbar.

Die Forscher wollen auf dem Kongress auch diskutieren, wie sie die neuen Erkenntnisse konkret umsetzen können. «Vielleicht sollte man früher zum Hörgerät greifen», sagte Perneczky. Oft bleibe Schwerhörigkeit unerkannt. Zwar sei hierzulande die Versorgung mit Hörgeräten gut. «Aber die Leute benutzen es oft nicht. Hörgerät heißt, dass man alt ist.»

Für Demenz gibt es laut Perneczky bestimmte Risikofaktoren, darunter Schwerhörigkeit im fortgeschrittenen mittleren Alter, Depressionen, Diabetes, Rauchen, wenig Bewegung, Bluthochdruck und Übergewicht. «Wenn die Gefäße geschädigt sind, steigt das Demenzrisiko.»

Warum eine unbehandelte Schwerhörigkeit später das Risiko von Demenz und kognitivem Verfall erhöht, ist nicht ganz klar. Zum einen ziehen sich Menschen, die schlecht hören, oft aus ihrem Sozialleben zurück – und haben so weniger Impulse für das Gehirn. Sie entwickeln auch leichter eine Depression, für sich wiederum ein Risikofaktor. Ein Grund könnte sein, dass ein Mangel an auditiven Reizen die Hirnaktivität senkt, und das Gehirn nicht trainiert wird. Eine andere These geht umgekehrt davon aus, dass das ständige Analysieren von Geräuschen über die Jahre hinweg für das Gehirn einen enormen Kraftakt bedeutet und die Überforderung anfälliger macht für Demenz.
Redaktionelle Hinweis:
Die Studie aus Taiwan wurde am 31.7.2019 veröffentlicht.

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Reise

Nicht nur Prag:

Badestrand auf Wangerooge fast komplett weggespült

Ab Mitte März sollen die Laster mit Sand rollen, um den Strand wieder aufzuschütten. Foto: dpa

Wangerooge (dpa) – Mit ihrem rund einen Kilometer langen Traumstrand lockt die ostfriesische Insel Wangerooge jeden Sommer Tausende Besucher an. Doch die jüngsten Sturmfluten haben den beliebten Küstenabschnitt stark beschädigt.

Nach einer ungewöhnlichen Serie von Sturmfluten in Folge von Sturmtief „Sabine“ ist der Badestrand auf Wangerooge größtenteils verschwunden. „80.000 Kubikmeter Sand sind weg von 100.000“, sagte Bürgermeister Marcel Fangohr. Ob der Sand für das gewohnte Bild vom rund einen Kilometer langen Traumstrand bis zum Sommer wieder aufgefüllt werden kann, ist ungewiss. Normalerweise wird das, was in der Sturmflutsaison abgetragen wird, mit Sand aus dem Osten der Insel aufgefüllt.

In den vergangenen Jahren waren das laut Bürgermeister je rund 50.000 bis 55.000 Kubikmeter Sand. Doch die Vorräte gingen zur Neige. Die Kurverwaltung hoffe darauf, zusätzlich etwas von Sandbänken entnehmen zu dürfen. „So wie der Strand jetzt ist, können wir nicht mal 100 Strandkörbe hinstellen“, sagte Fangohr. Rund 1400 stünden dort normalerweise zur Hauptsaison. Aktuell trenne eine Abbruchkante von stellenweise bis zu vier Metern die Promenade vom Strand. Ab Mitte März sollen die Laster mit Sand rollen, um den Strand wieder aufzuschütten. „4000 Touren über sechs Wochen.“

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Genf führt Verkehrsschilder mit Senioren ein

Neue Schilder braucht die Stadt und in Genf werden
sie jetzt auch angebracht. Foto: Partial Trezzini/dpa

Genf (dpa) – Die Stadt Genf in der Schweiz will mit neuen Verkehrsschildern ein Zeichen in Sachen Gleichberechtigung setzen. Jetzt stellte die Stadt sechs Variationen für die Verkehrsschilder an einem Zebrastreifen vor. Darauf sind unter anderem Paare, Senioren und (schwangere) Frauen zu sehen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur sda handelt es sich um eine Premiere in der Schweiz.

«Die Idee der Feminisierung bestimmter Verkehrszeichen mag anekdotisch erscheinen», sagte die Genfer Stadtpräsidentin Sandrine Salerno. Es sei jedoch keine Spielerei. Es gehe vielmehr darum, die Entwicklung der Gesellschaft zu zeigen. Historisch betrachtet sei der öffentliche Raum von Männern für Männer gedacht worden. Unter dem Vorwand der Neutralität sei die Beschilderung überwältigend männlich, kritisierte Salerno. Der Austausch von Verkehrsschildern solle das Gefühl der Legitimität für alle im öffentlichen Raum fördern. Insgesamt sollen 250 Schilder mit den sechs neuen Variationen aufgehangen werden. In Genf läuft derzeit zudem ein Projekt zur Feminisierung von Straßennamen.

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Aus Allen Staaten

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