07. September 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Flaschen voller Kippen: Band startet Umweltaktion im Netz

Rund zwei Drittel der Zigarettenkippen landen auf der Straße – sie sind Gift für die Umwelt und es dauert ewig, bis sie abgebaut sind. Eine Band aus Baden kämpft dagegen – und nutzt dafür das Internet.

Freiburg: Till Neumann von der Band Zweierpasch wirft eine Zigarettenstummel in eine Plastikflasche. Er hat mit seinem Bruder bei einer Aktion rund 15 000 Zigarettenstummel gesammelt. Damit bringen sie den ursprünglich aus Frankreich stammenden Instagramtrend #fillthebottle nach Deutschland. Bei der Aktion werden leere Flaschen mit aufgesammelten Zigarettenresten gefüllt und so aus der Natur entfernt – dann wird meist ein Foto geschossen und gepostet. Foto: dpa

Von Marla Hanenberg
Freiburg (dpa) – Eine Zigarette ist in wenigen Minuten geraucht und weggeworfen – doch bis ihre Überreste abgebaut sind, vergehen oft viele Jahre. Doch die Kippen sind Gift für die Umwelt. Die Musiker und Zwillingsbrüder Till und Felix Neumann aus Freiburg und Kehl in Südbaden wollen mit der Internetaktion #fillthebottle (dt.: #fülldieFlasche) nun auf die Problematik aufmerksam machen – und sie gleichzeitig bekämpfen.

«Dass Zigaretten giftig für den Menschen sind, ist schon lange klar», sagt Till Neumann. Es sei daher nur logisch, dass sie auch für die Natur giftig sind. Ein Problem seien auch Filme, in denen es oftmals als etwas Normales dargestellt werde, seine Zigarettenreste auf den Boden zu schnipsen.

«Zigarettenkippen in der Umwelt sind keine Bagatellen,» betont die Deutsche Umwelthilfe. Abfallexperte Thomas Fischer erklärt: «Sie führen zu Abfällen, die Jahre überdauern können, tragen Schadstoffe in die Umwelt und stellen eine ernsthafte Gefahr für Kinder darNur eine Kippe könne 60 Liter Wasser verseuchen und Tieren erheblichen Schaden zufügen.

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2017 landen weltweit bis zu zwei Drittel aller Kippen auf dem Boden – 10 Milliarden der 15 Milliarden pro Tag verkauften Zigaretten. 2014 seien das Schätzungen zufolge zwischen 340 000 und 680 000 Tonnen gewesen.

Unter dem aus Frankreich stammenden Internetschlagwort #fillthebottle veröffentlichen beim sozialen Netzwerk Instagram Nutzer Fotos von Plastikflaschen, in die sie aufgesammelte Kippen gefüllt haben. Sein Bruder Felix sei auf den Trend gestoßen, erzählt Till Neumann.

Mit Kehl und Freiburg hat das Geschwisterpaar die Aktion nach Deutschland gebracht: In Kehl sammelte Felix Neumann mit 14 Helfern rund 5500 Kippen, in Freiburg füllten die beiden 35-Jährigen und 15 Helfer ihre Flaschen mit etwa 9500 Zigarettenstummeln.

Die Resonanz auf der Straße und im Netz sei positiv: «Wir haben sehr viel Zuspruch bekommen, aber auch viele entsetzte Reaktionen darüber, wie viele Zigaretten gefunden wurden», sagt Till Neumann. Er selbst habe in Freiburg in weniger als 45 Minuten seine Eineinhalb-Liter-Flasche füllen können: «Man bekommt einen richtigen “Kippenblick” und sieht plötzlich überall Zigaretten», sagt er. Am Ende habe ihn ein richtiges «Jagdfieber» gepackt.

Weitere Einsätze können sich die beiden Musiker zwar vorstellen, geplant seien aber bislang keine. Sie wollten eher andere dazu bringen, die Aktion auch in anderen Städten zu machen: «Wir wollen sensibilisieren», sagt Till Neumann. So könne man etwas Gutes tun und gleichzeitig mache es Spaß.

Ähnliche Aktionen gibt es bereits in anderen Städten: In Düsseldorf werden unter dem Schlagwort «RhineCleanUp» am Rhein Kippen eingesammelt. Und auch in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) steht der Rhein im Fokus: Einmal die Woche sammeln Jugendliche den Müll am Rheinufer zusammen. Außerdem sammeln beim Trend «Plogging» Jogger beim Laufen Abfall. In Berlin kombinieren Kajakfahrer die sportliche Aktivität mit «Müllfischen».

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

Umweltaktion – environmental campaign
Zigarettenkippen – cigarette butts
Gift – poison
ewig – forever
abgebaut – decomposed
vergehen – (time) passes
Internetaktion – internet campaign
auf…aufmerksam machen – bring attention to
bekämpfen – fight against
schnipsen – here: crush
Bagatellen – petty thing
Schadstoffe – harmful stuff
darstellen – represent
nur eine – a single
verseuchen – contaminate
erheblichen – considersable
Schaden zufügen – cause damage
zwei Drittel – two thirds
Nutzer – users
gestoßen – pushed
Zuspruch – encouragement
entsetzte – shocked
einen richtigen “Kippenblick” – an eye for cigarette butts
plötzlich – suddenly
“Jagdfieber” – “hunting fever”
weitere Einsätze – (make) additional efforts
sensibilisieren – sensitize
Schlagwort – slogan
[Rhein/rein] – [Rhine / pure (clean)]
Kajakfahrer – kayakers

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Fitter Rückkehrer Löw verrät: Sportunfall «war nicht so ungefährlich»

Mehr als fünf Monate war der Bundestrainer nicht bei seiner Nationalmannschaft. Nach der unfreiwilligen Rekordpause will Joachim Löw gleich zu Beginn der Länderspielsaison die Weichen zur EM 2020 stellen. Erstmals schildert er Details seines Hantel-Unfalls.

Bundestrainer Joachim Löw sitzt bei einer Pressekonferenz. Foto: dpa

Von Arne Richter und Klaus Bergmann
Hamburg (dpa) – Joachim Löw kam beschwingt und voller Tatendrang in Hamburg an. Und erstmals gewährte der 59-Jährige am Montag vorm Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unweit der Alster Einblicke in die ganze Dramatik seines Sportunfalls, der ihn im Juni erstmals in seiner 13-jährigen Bundestrainerzeit zum Verzicht auf Länderspiele zwang. Jetzt gehe es ihm aber wieder «soweit ganz gut», beruhigte Löw: «Das war eine Vorsichtsmaßnahme im Sommer.»

Beim Krafttraining war es passiert, eine Hantel landete auf seinem Oberkörper. «Das hat mir das Brustbein gebrochen. Das war nicht das allergrößte Problem, sondern eine Arterie darunter war verletzt. Und die hat ein bisschen für Durchblutungsschwierigkeiten gesorgt. Die war eingerissen», schilderte der Bundestrainer ganz sachlich – und gab zu: «Daher war es nicht so ungefährlich, aber das war relativ schnell wieder behoben.» Er sei nun «mit großer Vorfreude» nach Hamburg angereist, «weil die Mannschaft im Juni alleine war und ich einige Spieler nicht mehr gesehen habe seit März. Wir haben eine spannende und interessante Woche vor uns», erklärte Löw.

Es geht in der EM-Qualifikation erst am Freitag vor eigenem Publikum gegen Erzrivale Niederlande. Und drei Tage später in Belfast gegen Tabellenführer Nordirland. Die Bilanz der DFB-Elf ist mit bislang drei Siegen makellos, die Perspektive ist bestens. Der gut erholte Rückkehrer Löw sieht nach seiner unfreiwillig langen Sommerpause beim Start in die EM-Saison trotzdem viel Arbeit vor sich. «Auf jeder Position müssen sich alle Spieler noch weiter verbessern. Wir wissen, was es nachher heißt, zur absoluten Spitze zu gehören bei einer EM», mahnte der Bundestrainer vor dem Start in sein 14. Amtsjahr als Chef.

Der Neuaufbau im Jahr zwei nach dem WM-Desaster in Russland ist für den 59-Jährigen auch noch lange nicht abgeschlossen. «Wir sind vielleicht auf dem Weg wieder dahin, wo wir mal waren. Das dauert eine gewisse Zeit, das geht nicht von heute auf morgen», sagte Löw. «Diese junge Mannschaft wird wieder ein bisschen brauchen, an Erfahrung, an Erfolgserlebnissen. Wir sind auf dem Weg dahin», erklärte der Bundestrainer, der ausgerechnet auf seinen verletzten Top-Torschützen Leroy Sané lange verzichten muss.

Als erfahrener Stabilisator kehrt Toni Kroos nach seiner freiwilligen Juni-Auszeit zurück ins Team. Auch Torwart Marc-André ter Stegen ist als ehrgeiziger Herausforderer von Kapitän Manuel Neuer wieder im 22-Mann-Kader inklusive Neuling Luca Waldschmidt dabei. Und auch für Löw ist die ungewöhnlich lange Abstinenz von seiner Mannschaft vorbei, nachdem er im Juni seinem Assistenten Marcus Sorg die Chef-Rolle in Weißrussland (2:0) und gegen Estland (8:0) überlassen musste.

«Es war für mich sehr, sehr schwierig, zu Hause zu sein. Zum ersten Mal nicht bei Länderspielen dabei zu sein, ist eine ganz, ganz ungewohnte Situation», erzählte Löw. Nervöser als sonst am Spielfeldrand habe er auf dem heimischen Sofa die Partien verfolgt. Erstmals in 13 Jahren als Bundestrainer war er bei einer Partie nicht im Stadion. Bei seiner Sperre im EM-Viertelfinale 2008 gegen Portugal (3:2) hatte er in Basel wenigstens in einer Loge mitfiebern können.

Auch die Spieler empfanden die Situation trotz der souveränen Siege als ungewöhnlich. «Wenn der Trainer fehlt, ist das Gefühl ein anderes. Es ist ungewohnt, wenn er fehlt, weil das war ja das erste und einzige Mal», sagte Joshua Kimmich. Sein Bayern-Kollege Leon Goretzka vermutet nach Löws Fünf-Monats-Abstinenz viel Engagement: «Er freut sich sicherlich besonders», sagte er. Und: «Natürlich ist das wichtig, dass der Trainer wieder da ist. Es war ja eine absolute Ausnahme, dass er gefehlt hat.»

Löw hat seine Regenerationszeit längst beendet. «Ich war im Sommer
zweieinhalb Wochen auf Sardinien. Ich bin hochmotiviert», sagte er. Von jedem Spieler ließ er in der Sommerpause ein Profil erstellen, um die Hebel nun richtig anzusetzen. Im Vergleich zum September 2018 hat der Rekord-Bundestrainer seine eigene Position total gefestigt. Vor genau einem Jahr war die Lage beim damaligen Neustart in die Nations League für ihn in den großen Turbulenzen nach dem Russland-Desaster durchaus noch prekär.

Mit Siegen gegen Oranje und die bisher viermal siegreichen Nordiren kann nun sogar das EM-Ticket praktisch schon fix gemacht werden. Das 3:2 im März in Amsterdam soll als Blaupause dienen. «Das tut der Mannschaft natürlich gut, weil sie neuformiert ist. Und wenn man solche Spiele wie gegen die Niederlande gewinnt, dann gibt das Kraft, dann gibt das Energie und den Glauben an sich selbst», sagte Löw.

Der Auswärtssieg in Holland kurz nach der Ausmusterung der 2014-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng verdeutlichte Löw aber auch die weiter vorhandenen Defizite. «In der zweiten Halbzeit waren wir schon auch wackelig und sind aus dem Konzept gekommen, wo wir unseren Faden verloren und unsere Abläufe nicht mehr gesehen haben. Das waren gute Ansätze, wo wir klar aufgezeigt bekommen haben, woran wir arbeiten müssen», erinnerte Löw.

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Feuilleton

Stargeigerin Anne-Sophie Mutter spielt große Filmmusik

Das Cover des Albums „Across the Stars“ von Anne-Sophie Mutter, das jetzt erschien. Foto: Deutsche Grammophon/dpa

Von Georg Etscheit
München/Salzburg (dpa) – John Williams ist einer der größten lebenden Filmkomponisten und Anne-Sophie Mutter eine der größten Violinistinnen. Ideale Voraussetzungen für eine neu erschienene CD mit Themen aus Filmklassikern wie Stars Wars und Harry Potter.

Die Geigerin Anne-Sophie Mutter hat keine Berührungsängste. Sie beschäftigt sich seit langer Zeit intensiv mit zeitgenössischer Musik, tritt in angesagten Berliner Szeneclubs auf und scheut auch Crossover nicht, also die Grenzüberschreitung von der Klassik hin zur Unterhaltungsmusik. In ihrer neuen CD «Across the Stars», herausgebracht vom Label Deutsche Grammophon, wagt sie sich an Filmmusik.

Dafür hat ihr John Williams (87), einer der renommiertesten lebenden Filmmusikkomponisten, die Melodien aus Filmklassikern wie «Star Wars», «Harry Potter» und «Schindlers Liste» auf den Leib geschrieben. Bei der Aufnahme in den Studios von Culver City, Kalifornien, wo auch «Doktor Schiwago» vertont wurde, begleitete Williams die 56 Jahre alte Stargeigerin selbst am Pult des «Recording Arts Orchestra of Los Angeles».

Die CD vereint ein Dutzend in Klang, Tempo und Gestus sehr unterschiedliche Stücke aus einigen der bedeutendsten Werke von Williams, darunter Themen aus Star Wars-Episoden, aus einem Harry Potter-Soundtrack, aus «Dracula» und «Die Geisha». Der vielfach Oskar prämierte Komponist hat die ausgewählten Takes eigens für Mutters Stradivari adaptiert. «Das sind keine bloßen Arrangements, sondern eigene, in sich geschlossene Stücke», sagte die Geigenvirtuosin bei der Vorstellung der CD am Rande der Salzburger Festspiele.

Wenn man vorurteilsfrei in die Aufnahme hineinhört, glaubt man bei manchen Stücken tatsächlich an eine zeitgenössische «ernste» Komposition. So erinnert «Hedwig’s Theme» aus «Harry Potter und der Stein der Weisen» frappierend an ein Violinkonzert von Sergej Prokofjew, wobei der russische Komponist selbst Filmmusiken komponiert hatte. Bemerkenswert ist auch das «Sayuri’s Theme» aus «Die Geisha».

Andere Stücke, vor allem die vier Themen aus dem Weltraumepos lassen ihre Herkunft aus der Filmmusik stärker spüren, was kein Makel ist. «Filmmusik ist die Musik unserer Zeit, das ist zeitgenössische Musik und Williams ein großer zeitgenössischer Komponist», sagte Mutter. Der US-Amerikaner hat die Stücke so bearbeitet, dass die Geigenstimme immer klar die Führungsrolle übernimmt und sich das Orchester eher im Hintergrund hält.

Dass Mutter die Kompositionen des großen Filmkomponisten ernst nimmt, hört man der Aufnahme an. Billige Schluchzer und andere Tränendrüsen-Effekte würden der stilsicheren Interpretin niemals passieren. Zugute kommt ihrer Williams-Interpretation wohl auch, dass sie Filmfan ist. Schon als Teenager im Schwarzwald sah sie «Star Wars» im Kino. «Es hat mir den Atem verschlagen», erinnerte sie sich. «Natürlich die visuellen Effekte – aber auch die Musik.

Wie John Williams es geschafft hat, schon in diesem Film die Samen zu pflanzen für jeden einzelnen der Charaktere ist unglaublich – so konnte er die Geschichte auch musikalisch immer wieder weiterschreiben und verjüngen.»

Das letzte Stück von Mutters neuer CD stammt aus Steven Spielbergs Holocaust-Drama «Schindlers Liste». Es ist das einzige echte Geigensolostück in Williams Filmmusik-Schaffen.

«Ich wollte es natürlich auch dabei haben», sagte Mutter, die am 14. September das Williams-Programm auf dem Münchner Königsplatz aufführen wird.

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Gesundheit

Optimisten werden älter

Wer optimistisch in sein Leben blickt, hat diverse Vorteile. Das haben Forscher nun deutlich beleg.

Ein Besucher des Glastonbury Festival trägt eine «Happy»-Brille. Optimisten haben größere Chancen alt zu werden. US-amerikanische Forscher konnten zeigen, dass Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung öfter 85 Jahre oder älter werden. Foto: dpa

Boston (dpa) – Optimisten haben größere Chancen auf ein hohes Alter als Pessimisten. Das zeigten US-Forscher in einer Studie, nach der Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung besonders gute Aussichten haben, 85 Jahre oder älter zu werden. Dabei spielen wahrscheinlich zahlreiche Faktoren eine Rolle. Die Wissenschaftler empfehlen Trainings, die den Optimismus fördern.

Wer lebt länger, Optimisten oder Pessimisten? Die Studienlage zu dieser Frage war bisher widersprüchlich. So wurde Pessimisten zu Gute gehalten, dass sie sich mehr um ihre Gesundheit sorgen, Optimisten hingegen zeigten sich weniger anfällig für bestimmte Krankheiten, wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie zeigt nun: richtig alt werden eher Optimisten. Die Ergebnisse erschienen in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

Das Team um Lewina Lee von der Boston University School of Medicine nutzte zwei Datenbanken, in denen seit Jahrzehnten die Krankengeschichte bestimmter Berufsgruppen gespeichert werden. So bekamen die Forscher Informationen über den Gesundheitszustand und die Lebensführung von fast 70 000 Krankenschwestern und 1429 Veteranen. Bei allen war zudem mit Hilfe von Fragebögen und Tests ermittelt worden, ob sie eher optimistisch oder pessimistisch sind. Die Forscher hatten die Frauen in vier Gruppen – von sehr optimistisch bis sehr pessimistisch eingeteilt. Bei den Männern waren es fünf Gruppen.

Ergebnis: Die Frauen in der besonders optimistischen Gruppe lebten im Schnitt um 15 Prozent länger als die in der pessimistischsten Gruppe. Dabei analysierten die Forscher Frauen, die ähnliche demografische Merkmale und Vorerkrankungen hatten. Bei optimistischen Männern betrug der Unterschied in der Lebenszeit elf Prozent.

Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei der Gruppe der stärksten Optimistinnen um 50 Prozent größer als bei den stärksten Pessimistinnen. Bei den Männern betrug der Unterschied in der Studie 70 Prozent.

Die Wissenschaftler wollten zudem herausbekommen, ob die höhere Lebenserwartung daran liegen könnte, dass Optimisten grundsätzlich gesünder leben, also zum Beispiel regelmäßiger zum Arzt gehen, weniger rauchen oder trinken und mehr Sport treiben. Rechneten die Wissenschaftler solche Unterschiede in der Lebensführung mit ein, schwächte sich das Ergebnis ab, aber weiterhin waren die Optimisten klar im Vorteil. Sie lebten auch bei ähnlicher Lebensführung länger.

Die Forscher vermuten daher, dass Optimisten noch weitere Lebensvorteile haben: «Andere Studien legen nahe, dass optimistische Menschen ihre Emotionen und ihr Verhalten besser regulieren können. Und sie erholen sich besser von Stresssituationen und Schwierigkeiten», so Co-Autorin Laura Kubzansky in einer Pressemitteilung der Boston University School of Medicine. Auch seien Optimisten unter Umständen besser sozial integriert, was sich ebenfalls auf die Lebenserwartung auswirken könnte.

Optimismus sei zwar zum Teil genetisch bedingt, aber auch erlernbar, so die Forscher: «Diese Studie hat eine große Relevanz für die öffentliche Gesundheit, weil sie nahelegt, dass Optimismus einer der psychologischen Faktoren ist, die ein Menschenleben verlängern können. Interessanterweise lässt sich der Grad an Optimismus beeinflussen. Dafür gibt es recht einfache Methoden und Therapien», so Erstautorin Lewina Lee in der Mitteilung.

Theoretisch sei zwar auch die umgekehrte Begründung denkbar, dass sehr kranke Menschen eher pessimistisch seien und sie eben auch früher sterben, schreiben die Forscher in der Studie. Doch sie hatten diejenigen Menschen herausgelassen, die bald nach Studienbeginn gestorben waren. Auch wenn sie Menschen wegließen, die zu Beginn der Studie chronische Krankheiten hatten, blieben die Ergebnisse bestehen.

Die Forscher definierten einen Optimisten als einen Menschen, der daran glaubt, dass gute Dinge passieren werden oder dass die Zukunft erstrebenswert ist, weil bestimmte Ziele durchgesetzt werden können. Diese Selbstwirksamkeit ist laut Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen ein wichtiger Aspekt: «Optimisten haben das Gefühl, dass sie die Dinge unter Kontrolle haben. Und dieses Gefühl kann man auch erlernen. Man kann sich erreichbare Ziele setzen. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Das ist ein Weg zum Optimismus.»

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Reise

Schwarzwein und georgische Snickers

Georgien: Bei den Winzern in Kachetien

Zaza Kbilaschwili stellt die Amphoren (Kwewri) in Handarbeit her. Foto: dpa

Von Annette Meinke-Carstanjen
Tiflis (dpa) – In Georgien gibt es mehr als 500 heimische Rebsorten. Die Weintradition ist hier 8000 Jahre alt. Hier trifft man auch auf Traditionswinzer und solche, die einen Traum verwirklicht haben.

Als Nukri Kurdadse 2004 erstmals auf seinem eigenen Weingut in Akascheni stand, traf er eine harte Entscheidung. Der Großteil der Reben musste zerstört, neue ausgewählte Wurzelstöcke mussten gepflanzt werden. «Zu Sowjetzeiten war die Weinproduktion in Georgien auf Masse ausgelegt, nicht auf Qualität,» sagt Nukri.

Doch der Physiker, der sich mit dem Kauf der Weinberge einen Traum erfüllt hat, wollte Biowein nach alter georgischer Tradition herstellen. In zitronenförmigen Amphoren, den sogenannten Kwewri, die im Boden eingegraben werden.

Während der Winzer aus Kachetien erzählt, deckt seine Frau Keti den Tisch. Es gibt verschiedene Käsesorten: würzigen Guda, ein Schafskäse, geräucherten Sulguni aus Kuhmilch und milden Imeruli, ein Kuhmilch-Weichkäse. Dazu geräucherten Schinken, frisch gebackenes Brot und natürlich Wein.

Zuerst ein Glas bernsteinfarbenen Rkatsiteli, danach einen tiefroten Saperawi. «Wir nennen ihn auch Schwarzwein. 2019 möchte ich einen Saperawi mit 17 Prozent Alkohol herstellen», sagt Nukri. Tatsächlich hatte sein Wein 2017 sagenhafte 17,85 Prozent. Möglich ist dies unter anderem durch die in dieser Mikrozone vorkommenden robusten Hefebakterien.

Kwewri-Variation eines Physikers
In drei unterschiedlich hohe Terrassen hat Nukri seine Kwewri eingegraben, eine Methode aus dem 19. Jahrhundert, die er verfeinert hat. Auf der ersten Etage findet die Gärung statt, auf der zweiten und dritten das Altern. Nukri schreibt alle Beobachtungen seiner Weinversuche auf. Überhaupt ist er Geschichtenerzähler – und Naturliebhaber. Über seine Rebstöcke spricht er wie über seine Kinder. «Sie sind jetzt erwachsen: Hagel, zu viel Wasser oder Hitze – alles haben sie gut überstanden.»

Auf der großzügigen Sonnenveranda mit herrlich weitem Blick bis zum Großen Kaukasus vergeht die Zeit wie im Flug. Man könnte hier ewig sitzen bleiben, Wein trinken und reden.

Doch der Weg führt weiter auf der kachetischen Weinstraße zu Giorgi Dakischwili. Sein Weingut Teleda Orgo in Kisiskhewi liegt seit Generationen in Familienhand. «Mein Sohn hat im baden-württembergischen Heilbronn Önologie studiert», sagt Giorgi bei der Begrüßung. Stolz führt er seine Gäste durch die Räume. In seinem Marani, dem Weinkeller, stapeln sich die Flaschen in gemauerten Regalen. Nebenan sind in den Boden auf einer Ebene zehn 2000-Liter-Kwewri und fünf 200-Liter-Kwewri eingelassen.

Giorgi erklärt, dass Beerenhaut, Kerne und kleine Stiele in den Amphoren mitgären. «Deswegen enthält der Wein einen recht hohen Anteil an Gerbstoffen.» Der Wein aus den kleinen Kwewri hat mehr Volumen und Tannine, der aus den großen ist leichter. Auch Giorgi baut die beiden bekanntesten georgischen Rebsorten an, rote Saperawi und weiße Rkatsiteli. Rkatsiteli heißt übersetzt «Rotes Horn» und ist eine der ältesten Rebsorten im Südkaukasus. Sie wurde bereits vor rund 5000 Jahren angebaut.

Weinverkostung mit georgischen Snickers
«Kennen Sie georgische Snickers?», fragt Georgi bei der Weindegustation und zeigt auf den Teller. Dort liegen bauchige Stangen, die von weitem wie Würste aussehen. Sie werden aus Nüssen, vorzugsweise Walnüssen, und Traubensaft hergestellt und sind nicht so süß, wie man vermutet. «Die Stangen ernährten zu Kriegszeiten Soldaten», sagt Georgi. Dazu passt auch seine Cuvée von 2016 (Kisi, Mtswane und Rkatsiteli). Frisch und spritzig, ein Hauch von Mirabelle vielleicht oder Aprikose.

Amphoren-Herstellung mit Augenmaß
Braucht Georgi einen neuen Kwewri, muss er ihn in einer der drei Töpfereien bestellen, die es noch in Georgien gibt. Zum Beispiel bei Zaza Kbilaschwili in Vardisubani. Man muss ein bisschen suchen, um den Kwewri-Fachmann zu finden. Die Straßen sind schlecht, von außen sieht die Töpferei aus wie ein typisches Einfamilienhaus auf dem Land. Hinten im Garten versteckt sich ein Keller, in dem die etwa 1,70 Meter breiten und zwei Meter hohen Kwewri trocknen. «Ich fange unten an und arbeite mich dann 10-Zentimeter-Weise nach oben», sagt Zaza. Ist das Wetter gut, kommt jeden zweiten Tag die nächste Schicht drauf. Ist es feucht, braucht es drei oder vier Tage.

Sieben Tage lang im Ofen
Anschließend werden die Kwewri in den Brennofen getragen. «Um einen Kwewri zu transportieren, braucht es sechs Mann», so Zaza. Ein Kwewri nach dem anderen wird in dem Ofen aufgestellt, der so groß ist wie ein Schuppen. Die Öffnung, eine ganze Wand, muss vor dem Brennen zugemauert werden. Nur unten bleibt ein Loch für die Befeuerung.

Eine Woche lang brennt es im Ofen, es herrschen 1300 Grad Celsius. Allein vier Tage nimmt sich Zaza Zeit, um die Steine an der Öffnung wieder abzubauen. Langsam, um einen Temperatursturz für die dann noch empfindlichen Kwewri zu vermeiden. Am Ende werden die Amphoren auf die Wiese gelegt und mit einer Mischung aus Kalk und Beton ummantelt.

«Und wollen wir jetzt Wein trinken – oder Tschatscha?», fragt Zaza. Wie nahezu jeder Georgier macht auch er einen Hauswein und Traubenschnaps. «Mein Tschatscha hat rund 50 Prozent». Na dann Prost, «gaumarjos».

Unesco-Welterbe: Weinherstellung in Amphoren
Nicht nur Männer können in Georgien Wein herstellen nach der von der Unesco im Jahr 2013 als Weltkulturerbe anerkannten Kwewri-Art. Auch Winzerinnen sind auf dem Vormarsch. So wie Marina Kurtanidse aus Tschardachi in Kartlien, die 2012 ins Geschäft ihres Mannes Iago Bitarischwili eingestiegen ist. «Die Frauen in Georgien haben immer Wein gemacht, wenn die Männer im Krieg waren», sagt Marina. «Wir können das seit Jahrtausenden.»

Und wie funktioniert das in einem Familienbetrieb, wenn beide vom Fach sind? «Wir sind Konkurrenten», sagt der eher zurückhaltende Iago schmunzelnd. «Nein, im Ernst, wir keltern zusammen», lacht Marina. Aber mit zwei verschiedenen Rebsorten – einem blumigen Mtswane und einem knackigen Tschinuri. «Und jede Rebsorte trägt auf dem Weinetikett einen unserer Vornamen.»

Wer diese Weine trinken will, muss entweder in das kleine Dorf zu dem sympathischen Ehepaar kommen. Oder man geht außerhalb Georgiens in Italien, Frankreich, Deutschland oder auch in Japan in hochpreisigen Restaurants essen. Nur dort werden Marinas und Iagos Weine angeboten.

Zu Fuß ins Tana-Tal
Sie sind nicht die einzigen georgischen Winzer, die ihren Wein nicht für die Masse verkaufen. Einer, der sogar nur auf seinem Weingut Wein ausschenkt, ist Nika Vacheischwili aus Atenuri in Innerkartlien. Der Weg dorthin führt durch das Dorf, vorbei an der Kreuzkuppelkirche Atenis Sioni aus dem 7. Jahrhundert.

Die Straße ist schlecht, die Bewohner sind sehr freundlich, drücken Vorbeikommenden Zweige voller reifer, roter Kirschen in die Hand. Die Straße endet am Fluss Tana. Das Auto muss stehenbleiben. Will man zu Nika, muss man zu Fuß weiter über eine Brücke.

Vom Denkmalschutz-Direktor zum Winzer
Auch Nika hat sich mit dem Winzern einen Traum erfüllt. Ursprünglich arbeitete er als Lehrer für Kunstgeschichte in St. Petersburg und im Dorf Atenuri. Später war er als Direktor der Denkmalschutzbehörde unter anderem mit dem Aufbau des Ateni-Klosters beschäftigt. So erfuhr er vom Verkauf der Weinhänge.

Nun baut er die weißen Rebsorten Tschinebuli, Goruli und rote Budeschuri an. Sein Weißwein wird biologisch hergestellt, mit Maische und im Metalltank. Der Weißwein schmeckt erfrischend und sehr mineralisch, der Rote besonders aromatisch.

Zur Weinprobe gibt es geräucherte Forelle, Salate aus Möhren, rote Bete und Auberginen. «Trinken wir auf die Liebe», sagt der Georgier. «Sie ist das Fundament für ein gutes Zusammenleben.»

Während Nika aus seinem Leben erzählt, füllt sich der Garten. Ein Pärchen, beide haben am gleichen Tag Geburtstag, sitzt zufrieden am Nachbartisch. Sie übernachten in einem der Zimmer des dazugehörigen Gästehauses. Gegenüber nehmen drei junge Frauen Platz, zwei Deutsche aus Mannheim, eine Schweizerin aus Bern. Sie haben gehört, dass man auf diesem Weingut für eine ausgiebige Mittagspause mit schmackhaftem Essen und gutem Wein einkehren kann.

Unten in der Nähe vom Fluss baut eine Schulklasse ihre Zelte auf. Auch sie dürfen hier ein paar Tage Urlaub machen, allerdings ohne Wein – offiziell. «Alle sind hier herzlich willkommen,» sagt Nika. Und überhaupt, für ihn sei es sowieso quasi erwiesen: Wer Wein in Georgien trinkt, werde infiziert. «Die meisten wollen wiederkommen.»

Info-Kasten: Georgien
Anreise: Nonstopflüge nach Tiflis gibt es von mehreren deutschen Flughäfen. Die Flugzeit beträgt etwa drei bis vier Stunden.
Klima: Je nach Höhe der Gebirgszüge, Ebenen und Niederschlag von subtropisch-feucht im Westen bis trocken und gemäßigt im Osten.
Einreise: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, aber einen Reisepass.
Währung: Der Georgische Lari. 1 Georgischer Lari entspricht etwa 0,33 Euro.

Informationen:
http://www.gnta.ge
Zeitverschiebung: Plus zwei Stunden.
Weingüter mit und ohne Übernachtung: Weingut Papary Valley in Akascheni, Kachetien. Nukri Kurdadse, paparivalley@gmail.com. Besuch und Weindegustation auf Anfrage. Die Weine sind über Online-Anbieter erhältlich.
Weingut Teleda Orgo in Kisiskhewi, Kachetien, Giorgi Dakischwili, dakishvili@gmail.com. Besuch und Weindegustation auf Anfrage. Die Weine sind über Online-Anbieter erhältlich.

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Keine Bilder: Wenn Schulen und Kitas das Fotografieren verbieten

Darf ich knipsen oder nicht? Wenn bei der Einschulung ein Foto-Verbot gilt, müssen sich Eltern auch daran halten. Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Keine Fotos bei der Einschulungsfeier: Solche Verbote, die an verschiedenen Schulen ausgesprochen wurden, sorgen bei Eltern für Verunsicherung. Der Urheberrechtsexperte Stephan Dirks erklärt im Interview, was es damit auf sich hat. Und warum beim Thema Bilder Sensibilität gefragt ist – gerade wenn Kinder im Spiel sind.

Frage: Wenn die Schule oder Kita ein explizites Foto-Verbot für eine Veranstaltung ausspricht: Müssen Eltern sich daran halten?
Antwort: Das kann ich klar bejahen. Denn auf dem Gelände, wo sie stattfindet, hat die Schule oder Kita Hausrecht. Da müssen wir gar nicht über Datenschutz reden. Dementsprechend kann man da auch nicht sagen: «Der Abgebildete hat aber zugestimmt.» Wenn gesagt wird, dass hier nicht fotografiert wird, darf man es nicht. Dann müssten Eltern zum Fotos machen zum Beispiel vor die Tür gehen. Oft sind die Verbote auch so gestaltet, dass sie nur für den Zeitraum der Veranstaltung gelten oder einen bestimmten Bereich wie die Aula.

Frage: Warum werden solche Verbote überhaupt ausgesprochen?
Antwort: Das ist eine gute Frage. Auf der einen Seite hat es damit zu tun, dass das Thema Datenschutz durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die öffentlichen Debatten darüber so hochgespült worden ist. Obwohl sich an den Voraussetzungen, unter denen man Menschen ablichten und Fotos veröffentlichen darf, nichts geändert hat.

Das Andere ist, dass im Gegensatz zu früher heute jeder in Form seines Smartphones eine vernetzte Kamera in der Tasche hat. Und dass nicht alle mit der Verantwortung, die das mit sich bringt, gut umgehen. Da haben sich wahrscheinlich Schulen oder Kitas überlegt: Wie lösen wir das auf? Die einen wollen immer alles fotografieren. Die anderen sagen: «Ich möchte nicht in jedem Facebook-Feed sein.» Solche Überlegungen werden zum Teil zu den Verboten geführt haben.

Frage: Macht denn die DSGVO Schulen und Kitas spezielle, neue Vorgaben im Umgang mit Fotos? Dokumente, in denen Eltern angeben müssen, ob ihre Kinder etwa in der Schule fotografiert werden und in welchen Zusammenhängen die Bilder dann genutzt werden dürfen, gibt es doch schon lange.
Antwort: Nein, das ist nichts Neues. Ich glaube, im Zusammenhang mit der DSGVO gibt es bei vielen Menschen ein ziemliches Missverständnis – dass der Datenschutz nun alle Lebensbereiche durchdringt, und man auf einmal ganz viele Dinge beachten muss. Aber das war tatsächlich schon immer so. Das Gesetz, dass für die Veröffentlichung von Bildern gilt, ist das Kunsturhebergesetz und dieses wurde Anfang des vergangenen Jahrhunderts erlassen. Dort steht drin: Wenn Fotos von Menschen veröffentlicht werden, müssen sie vorher gefragt werden.

Frage: Wenn nun bei der Einschulung kein Foto-Verbot gilt: Macht es dann einen Unterschied, ob man ein Foto nur für das private Fotoalbum macht oder es etwa auf Instagram posten möchte?
Antwort: Das macht einen Riesenunterschied. Sein altmodisches Fotoalbum kann man wie vor 30 Jahren befüllen. Das Problem sind mit dem Smartphone aufgenommene Bilder, die oft nicht nur auf dem Gerät sondern in einer Cloud – also auf einem Server – gespeichert werden. Das ist schon etwas, was eine Einwilligung erfordert. Wer ein Bild mit einem Smartphone macht, ist rechtlich gesehen eher in einem Risikobereich als bei Aufnahmen mit einer normalen Kamera.

Wer ein Bild von seinem Kind macht, auf dem auch ein fremdes Kind zu sehen ist, und dieses Foto nur lokal auf dem Smartphone speichert und später etwa in einem Drogerie-Geschäft ausdruckt, um es anschließend in sein Familienalbum zu kleben, darf das aber ohne Zustimmung des anderen machen. Man darf es nur nicht elektronisch verteilen oder etwa auf Instagram posten, ohne vorher gefragt zu haben.

Frage: Macht es einen Unterschied, ob man auf einem Schulfest oder einer Kita-Feier eine Menschenmasse fotografiert, oder sein Kind mit zwei anderen Kindern ablichtet, die klar zu erkennen sind?
Antwort: Ja. Als Faustregel gilt: Je individualisierter Sie eine andere Person fotografieren, desto eher müssen Sie fragen. Wenn Sie eine riesige Gruppe haben, haben Sie keine porträtartige Fotografie mehr. Das ist dann so ähnlich wie eine Versammlung, und solch ein Bild darf man im Grundsatz veröffentlichen.

Allerdings gibt es Ausnahmen. Etwa, wenn ein Kind sich übergeben hat, und in der Gruppe erkennbar ist, sollte man davon absehen. Es ist im Zweifel eine Frage der Abwägung. Wenn ein Verbot erteilt wurde, ist die Sache eh klar: Dann darf man ja schon gar keine Fotos machen.

Frage: Was können Eltern aus dieser Verbots-Diskussion lernen?
Antwort: Ich habe den Eindruck, dass man leicht als Querulant angesehen wird, wenn man darauf aufmerksam macht, dass diese Verbote vielleicht nicht zum Spaß passieren. Das Bewusstsein, dass man sich über Fotos unterhalten muss, muss gestärkt werden, besonders in der Schule.

Bei älteren Kindern etwa geht es schnell um Cyber-Mobbing, wenn Fotos heimlich gemacht und auf Whatsapp geteilt werden.

Wenn man frühzeitig alle Beteiligten an den Tisch holt und sich fragt, wie es mit Fotos laufen soll, wäre das besser als Verbote auszusprechen. Leute müssen eben einsehen, dass es kein Recht darauf gibt, sich ungefragt Datenspeicher mit Fotos anderer Leute zu füllen. So kommt man, glaube ich, auf einen guten Weg.

Zur Person:
Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Hamburg.

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Aus Allen Staaten

Meet the new German Honorary Consul for Michigan

Andrew L. Bemish, German Honorary Consul

Detroit – Andrew L. Bemish “Andy” is an attorney practicing in Plymouth, MI and specializes in the areas of Estate Planning, Elder Law, Real Estate, Probate, Taxation and Corporate Law.

Andy was born in Livonia, MI and raised in Northville, Michigan. After graduating from Northville High School in 1978, he attended Eastern Michigan University and graduated with a Bachelor’s degree in International Trade and German Language and Literature.

Andy attended the Detroit College of Law (now the Law College at Michigan State University) and graduated in 1986, with honors. Approximately one year later, he began advanced study in taxation and later received a Master of Laws in Taxation from the University of Florida Law School. Andy worked in the Tax department at the accounting firm of Coopers and Lybrand before entering the private practice of law. He co-founded the law firm of Bemish & Longe, P.C. with Jeffrey J. Longe. In 1997, Andy began A.L. Bemish, P.C. as a successor to the old law firm of Bemish & Longe, P.C.

He has been licensed to practice law in Michigan since 1987 and is a member of the Estate Planning and Probate Sections of the Michigan Bar Association and speaks frequently on related topics, such as avoiding probate and estate taxation.

In October 2018, Andy proudly became Germany’s Second Honorary Consul for the State of Michigan.

Langjährige Leserin wird 107 Jahre alt

Hedwig Gillhuber

St. Clair Shores, MI (bk) – Hedwig Gillhuber ist seit ihrer Einwanderung in die USA im Jahre 1928 Leserin der N.A. Wochenpost (damalige Detroiter Abendpost). Ihr Geburtsort ist Hettenrodt/Rheinland-Pfalz in der Nähe von Idar-Oberstein. Sie lebte mit ihrem Mann Joe lange auf der Insel Harsen’s Island in Michigan, bis sie im Jahre 1994 nach Florida zogen, wo Joe 1999 verstarb. Im kommenden März wird sie 107 Jahre alt. Ihr Neffe Walter und seine Frau Christine freuen sich bereits heute auf die 107. Geburtstagsfeier.

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