08. Januar 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Das Matterhorn schwingt hin und her

Das Matterhorn steht nur scheinbar starr und unbeweglich in der Schweizer Landschaft. In Wirklichkeit schwingt es. Das haben Forscher jetzt in der Fachzeitschrift «Earth and Planetary Science Letters» beschrieben. In gut zwei Sekunden bewegt der Gipfel sich demnach aber nur um wenige Nano- bis Mikrometer.

Schnee liegt auf dem Matterhorn. Das Matterhorn steht nur scheinbar starr und unbeweglich in der Schweizer Landschaft, in Wirklichkeit schwingt es. Das haben Forscher jetzt in der Fachzeitschrift «Earth and Planetary Science Letters» beschrieben. Foto: dpa

Zermatt (dpa) – Das Matterhorn steht nur scheinbar starr und unbeweglich in der Schweizer Landschaft. In Wirklichkeit schwingt es. Das haben Forscher jetzt in der Fachzeitschrift «Earth and Planetary Science Letters» beschrieben. In gut zwei Sekunden bewegt der Gipfel sich demnach aber nur um wenige Nano- bis Mikrometer, was mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters, ein Mikrometer entspricht einem tausendstel Millimeter.

Grund seien seismische Wellen der Erde, die etwa durch die Gezeiten, die Meeresbrandung, den Wind und Erdbeben oder durch menschliche Aktivitäten erzeugt werden. Bekannt sei das Phänomen bereits von Hochhäusern und Brücken. «Wir wollten wissen, ob sich solche Schwingungen auch an einem großen Berg wie dem Matterhorn nachweisen lassen», zitiert das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) seinen Mitarbeiter Samuel Weber. Für die Messung wurden Seismometer unter anderem direkt am Gipfel des Matterhorns installiert, auf 4470 Metern über dem Meer.

«Die Messungen zeigen, dass das Matterhorn mit einer Frequenz von 0.42 Hertz ungefähr in Nord-Süd-Richtung und mit einer zweiten, ähnlichen Frequenz in Ost-West-Richtung schwingt», teilte das Institut mit.

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Sport

Olympia, WM und Titelkämpfe in München: Das bringt das Sportjahr 2022

Olympia im Winter, Fußball-WM im Winter: Das Sportjahr 2022 sieht anders aus als in früheren Jahren. Doch auch im Sommer stehen jede Menge – zum Teil verschobene – Großereignisse im Kalender.

Katar, Souq Waqif Doh: Auf die Fassade eines Gebäudes in Souq Waqif Doha, der Hauptstadt von Katar, ist das Logo der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 projiziert. Foto: dpa

Von Patrick Reichardt
Frankfurt/Main (dpa) – Die große Welle an pandemiebedingten Absagen 2020 wirkt auch noch ins Sportjahr 2022 hinein. Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele von Tokio um zwölf Monate mussten auch einige Top-Ereignisse um ein Jahr nach hinten rücken – und stehen nun bevor. Eingerahmt wird ein an Höhepunkten reiches Jahr von den beiden größten Sportereignissen des Jahres: Von Winter-Olympia in China und der Fußball-WM in Katar, die wegen der großen Hitze im Sommer auf November und Dezember verschoben wurde. Die Deutsche Presse-Agentur listet die wichtigsten Sportevents 2022 auf:

Olympische Winterspiele in Peking (4. bis 20. Februar)
Die Athleten erwarten in China strikte Maßnahmen, weil die Gastgeber eine Null-Covid-Strategie verfolgen und möglichst jeden Fall verhindern wollen. Ungeimpfte Sportler müssten im Riesenreich vorab drei Wochen in Quarantäne. Sportlich gilt es für das deutsche Team, die starke Pyeongchang-Bilanz von 2018 mit 14 Olympiasiegen und 31 Medaillen zu bestätigen. Es gibt etwas mehr Entscheidungen als vor vier Jahren, was hauptsächlich an neuen Mixed-Wettbewerben liegt.

Fußball-WM in Katar (21. November bis 18. Dezember)
Menschenrechtsdiskussion und Boykottdrohungen: Rund um die Winter-WM spielt der sportliche Aspekt bislang eine eher nebensächliche Rolle. Amnesty International kritisierte jüngst weiterhin weit verbreitete Verstöße gegen die Rechte von Arbeitsmigranten. Wegen der klimatischen Situation wurde das Turnier aus den Sommermonaten in die Vorweihnachtszeit verschoben. Deutschland, Titelverteidiger Frankreich und Rekordsieger Brasilien sind sicher dabei. Europameister Italien und Ex-Europameister Portugal müssen in die Playoffs im März.


Tour de France (1. bis 24. Juli)
Der Startschuss in Kopenhagen, der Höhepunkt bei der Bergankunft in Alpe d’Huez und das große Finale in Paris: Die Tour bietet auch 2022 wieder ein hoch interessantes Profil. Im Gegensatz zu anderen Sportevents ist das größte Radrennen der Welt zwar nie coronabedingt ausgefallen. Der Kopenhagen-Plan war aber für 2021 vorgesehen und wurde dann verschoben, weil bei der verlegten Fußball-EM im gleichen Zeitraum Spiele in Dänemarks Hauptstadt ausgetragen wurden.

Leichtathletik-WM in Eugene (15. bis 24. Juli)
Erstmals seit über 20 Jahren wird die Leichtathletik-WM wieder in Nordamerika ausgetragen. Eugene erhielt den Zuschlag ohne  Gegenkandidat. Das deutsche Team hat zwei WM-Titel zu verteidigen und würde die Bilanz von 2019 (sechs Medaillen) gerne noch verbessern. Damals in Doha hatten Zehnkämpfer Niklas Kaul und Weitspringerin  Malaika Mihambo Gold geholt.

Frauenfußball-EM in England (6. bis 31. Juli)
In dem eigentlich für 2021 angesetzten Turnier im «Mutterland des Fußballs» sind die deutschen Frauen direkt gefordert. Das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat eine schwere Gruppe mit Spanien, Dänemark und Finnland erwischt. Die Organisatoren erwarten volle Stadien, gespielt wird unter anderem im Wembley-Stadion in London und im Old Trafford in Manchester. Titelverteidiger ist die Niederlande.

European Championships in München (11. bis 21. August)
Die zweite Ausgabe der European Championships (nach Glasgow und Berlin 2018) wird in München ausgetragen, vertreten sind unter anderem die Sportarten Leichtathletik (Olympiastadion), Tischtennis (Audi Dome), Turnen (Olympiahalle) und Beachvolleyball. Nicht Teil des Programms sind diesmal die Schwimmer, die 2022 ihre WM im japanischen Fukuoka bestreiten.

Formel-1-Saison (20. März bis 20. November)
Für die Formel 1 steht eine Rekordsaison mit 23 Rennen auf dem Plan. Zwischen dem Auftakt in Bahrain und dem Finale in Abu Dhabi liegen 21 weitere Rennen, die unter anderem in Saudi-Arabien, Russland, Mexiko und zweimal in den USA (Miami und Austin) ausgetragen werden. Ein Grand Prix in Deutschland fehlt erneut auf der Welttournee.

Basketball-EM in vier Ländern (1. bis 18. September)
Die Vorrunde in Köln, die Endrunde in Berlin: Für Deutschlands  Basketballer um die NBA-Spieler Dennis Schröder und Maxi Kleber steht ein Turnier vor heimischen Fans an. In der Vorrundengruppe hat das Team von Bundestrainer Gordon Herbert aber schwere Lose gezogen: der Olympia-Zweite Frankreich wartet genauso wie Titelverteidiger  Slowenien und Topteam Litauen.

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Feuilleton

Der Boom immersiver Lichtsshows:

Wenn Frida Kahlos Skelette tanzen

Kunstwerke der Künstlerin Frida-Kahlo werden in der
«Viva Frida Kahlo»-Show von Projektoren an die Wände
geworfen. Foto: Christiane Oelrich/dpa

Von Christiane Oelrich
Zürich (dpa) – Furiose Gitarrenklänge, dazu eine Frauenstimme, die mit mexikanischem Akzent deutsche Texte liest, und an den Fabrikwänden jede Menge überdimensionale Frida-Kahlo-Bilder: Das ist die «Viva Frida Kahlo»-Show in Zürich, die innerhalb von zwei Monaten mehr als 50 000 Besucherinnen und Besucher angezogen hat.

In einem einstigen Industrieviertel unweit der Innenstadt ist die ausgediente Halle einer Maschinenfabrik der «immersiven Kunst» gewidmet, mit der ein «Eintauchen» der Besucher, die die virtuelle Illusion als Realität erleben sollen, bezeichnet wird. Die Macher sprechen von einem «Lichtmuseum». Der Shop am Ende mit Kunstwerk-Kommerz auf Socken, Täschchen und Tüchern erinnert ein bisschen an einen Museumsshop. Aber anders als in Museen gibt es keine Originalwerke, keine Wärter, die Besucher in Schach halten, und Kinder können überall nach Lust und Laune fangen spielen.

Das Geschäft mit immersiven Ausstellungen boomt. Tokio, Shanghai, Amsterdam, New York, Melbourne – van Gogh, Monet, Klimt, Dali, Picasso, Hundertwasser – gerade die Superstars der Malerei kommen dabei zum Einsatz, in ehemaligen Lager- und Industriehallen, aber inzwischen auch schon in Museen, die angesichts des Erfolgs ganze Etagen freiräumen für immersive Erfahrungen. Auch in Deutschland sind Veranstalter auf den Erfolgszug gesprungen, in Köln, Bremen, Dresden, Berlin, München und an anderen Standorten.

Monets Seerosen untermalt von wohliger Musik oder Frida Kahlos Selbstporträts ziehen dann überdimensional über die Hallenwände. Die Shows laufen in Endlosschleife. Dass grober Backstein mal eine Beule im Gesicht oder Wandvorsprünge einen Knick im Seerosenteich erzeugen – geschenkt. Dafür erwachen die Kunstwerke zum Leben: Ein Zug aus einem Monet-Bild dampft plötzlich animiert über die Wand, Skelette aus Frida Kahlos Werken legen ein Tänzchen ein. Besucherinnen und Besucher sollen ganz eintauchen in die Werke der Protagonisten. Für «Kunstgenuss mit digitaler Tiefe» werben die Veranstalter die Frida-Kahlo-Show: «Pixel ersetzen Pinselstriche».

Die «Süddeutsche Zeitung» tat solche immersiven Ausstellungen 2019 als «bunten Bombast aus Licht, Skulptur und Digitalem» ab und sprach von Stimmungsduselei und Kitsch. Der Co-Produzent der Kahlo-Show, Darko Soolfrank, spricht dagegen von Edutainment, zusammengesetzt aus Education (Bildungsarbeit) und Entertainment (Unterhaltung), also Wissensvermittlung auf unterhaltsame und spielerische Weise. «Wir versuchen, alle Sinne anzusprechen, und wollen die Menschen über Emotionen erreichen», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Die 45-Minuten-Show kostet am Wochenende knapp 30 Euro pro Erwachsenem.

Vor dem Betreten des Lichtspektakels in der MAAG-Lichthalle gibt es eine Zeittafel mit den Stationen in Kahlos Leben. Neben den Bildern werden auch Fotos an die Wände projiziert und die Stimme mit dem mexikanischen Akzent liest aus Originalschriften von Kahlo. «Wir haben alles, von Schulklassen über den klassischen Museumsgänger bis zu den jungen Urbanen, und TikToker», sagt Darko Soolfrank. Museen kämen eher steif daher. «Bei uns ist es lockerer, es gibt keine Hemmschwelle.»

Elke Kollar, Vorsitzende des Bundesverbandes Museumspädagogik, findet den immersiven Ansatz spannend. Das Eintauchen könne die Wahrnehmung der Kunst schärfen, sagt sie der dpa. «Ich sehe dies nicht als direkte Konkurrenz zu Museen», sagt sie. Auch für Museen selbst könnten solche Formate attraktiv sein, denn für viele sei es eine Herausforderung, mit neuen Medien Schritt zu halten. «Das gibt einen neuen Zugang zur Kunst und bringt neues Publikum ins Haus.»

Aus diesem Grund hat das amerikanische Indianapolis Museum of Art in Newfields 3000 Quadratmeter in der vierten Etage freigeräumt für seinen eigenen Lichtshow-Raum «The Lume». Zur Begründung hieß es, damit könnten Barrieren abgebaut werden zu Menschen, die glauben, nicht viel von Kunst zu verstehen, und die von Museen eher abgeschreckt würden. Zur Zeit wandern Besucher dort durch Van Goghs Kornfelder und unter seinen Sternenhimmeln.

Kollar vom Bundesverband Museumspädagogik sagt, alle Annäherungsweisen an Künstlerinnen und Künstler hätten ihre Berechtigung. Immersive Ausstellungen könnten Distanz zur Kunst auflösen. «Vielleicht sehe ich das Original ganz anders nach einer Immersion», meint sie. Kulturvermittler fragten sich oft, wie Museen zeitgemäßer gemacht werden könnten. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur nach klassischem Zielpublikumsschema arbeiten sondern auch sehen, was die Menschen wünschen», sagte sie.

Hinweis:
Die Viva Frida Kahlo-Show wurde wegen der großen Nachfrage verlängert und läuft nun bis 27. Februar 2022

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Gesundheit

Mahlzeit! – Wie viele warme Gerichte am Tag sind gesund?

Ob eine Mahlzeit warm oder kalt serviert wird, macht für den Körper nur 
wenig Unterschied. Wichtiger ist, dass der Teller gesund bestückt ist. 
Foto: Christin Klose/dpa

Von Christoph Jänsch
München (dpa) – Eine warme Mahlzeit muss sein, so denken viele Menschen. Doch zu welcher Tageszeit esse ich sie am besten – mittags oder abends? Und ist es schlimm, wenn es mal nur kaltes Essen gibt?

Monika Bischoff ist Ernährungsberaterin im Krankenhaus Barmherzige Brüder in München. Sie erklärt, warum es weder auf die Temperatur des Gerichts ankommt noch auf die Uhrzeit der Nahrungsaufnahme.

Frage: Wirkt es sich auf die Gesundheit aus, wenn man seltener oder häufiger als einmal pro Tag warm isst?
Monika Bischoff: Für die Zubereitung einer warmen Mahlzeit wird bei bestimmten Zubereitungsarten viel Fett benötigt. Das macht sich in den Kalorien bemerkbar. Deshalb empfiehlt man nur eine warme Mahlzeit am Tag. Zudem muss der Körper die warmen Mahlzeiten für die Verarbeitung nicht mehr erwärmen. Es lässt sich vermuten, dass bei der Verdauung der Speisen so weniger Energie aufgewendet werden muss.

Wer jetzt auf die Idee kommt, eiskaltes Wasser zu trinken, um mehr Kalorien zu verbrennen: So hoch ist die Energieaufwendung dafür nicht, dass man deshalb mehr essen könnte.

Natürlich ist es auch möglich, bei kalten Mahlzeiten viel Energie aufzunehmen – zum Beispiel wenn man dick Butter auf seine Brote schmiert. Darum kann man nicht sagen, was generell gesünder oder ungesünder ist. Es kommt immer auf die Zusammensetzung der Gerichte an – unabhängig davon, ob sie kalt oder warm sind.

Frage: Was macht eine gesunde Mahlzeit aus?
Bischoff: Für die Zusammensetzung gesunder Mahlzeiten kann man sich an der Teller-Regel orientieren: Auf der Hälfte des Tellers sollte Salat oder Gemüse liegen. Ein Viertel sollte Eiweiß-Beilage sein, zum Beispiel Hülsenfrüchte oder Fisch, ein Viertel Kohlenhydrat-Beilage, zum Beispiel Kartoffeln oder Vollkornnudeln. Hochwertiges Fett sollte man dabei nur sparsam einsetzen. Gesunde Zubereitungsarten, bei denen nur wenig bis gar kein Fett notwendig ist, sind Schmoren und Dämpfen. Nährstoffe und Vitamine bleiben dabei trotzdem erhalten.

Wichtig ist, dass die Mahlzeiten abwechslungsreich und so bunt wie möglich sind – am besten regional und saisonal orientiert. Und immer abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse. Grundsätzlich gilt: alles in Maßen.

Frage: Zu welcher Tageszeit ist eine warme Mahlzeit am bekömmlichsten für den Körper?
Bischoff: Die Bekömmlichkeit ist bei jeder Person unterschiedlich. Darum gibt es auch nicht die eine richtige Tageszeit für eine warme Mahlzeit.

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Reise

Rügen: Deutschlands größte Insel in der Winterruhe

Rügens Nationalpark Jasmund im Winter. 
Foto: Peter Lehmann/dpa

Binz/Sassnitz (dpa) – Die riesigen Rotbuchen haben ihre Blätter längst verloren. Ihre Äste ragen weit über das Steilufer im Nordosten von Rügen hinaus. Mancher Baum steht so nah am Abgrund, dass zu befürchten ist, der nächste Wintersturm könnte ihm gefährlich werden.

Und der kommt bestimmt. Unten, am mit Feuersteinen übersäten Strand, liegt bereits die ein oder andere Buche, die von oben abgestürzt sein muss.

In der kalten Jahreszeit zeigt sich der Nationalpark Jasmund noch einmal von einer anderen Seite. Rund eine Million Besucher kommen jedes Jahr. Im Gegensatz zum Sommer sind im Winter aber kaum Touristen unterwegs. Auch der Strand, an dem sonst manchmal Karawanen von Spaziergängern und Fossiliensammlern entlangziehen, ist an manchen Wintertagen wie verwaist.

So wie im Nationalpark Jasmund sieht es im Winterhalbjahr fast überall auf Rügen aus. Die Touristenmassen haben die sonst so beliebte deutsche Ferieninsel verlassen. Die Winterruhe hat Einzug erhalten. Wer glaubt, Deutschlands größte Insel aus Sommerurlauben in- und auswendig zu kennen, sollte in der kalten Jahreszeit noch einmal wiederkommen. Dieses andere, zweite Gesicht bleibt Sommerurlaubern sonst verborgen.

Karsten Klaene, Ranger im Nationalpark Jasmund, kann der Ruhe durchaus einiges abgewinnen. Führungen bietet er auch im Herbst und Winter an. Mitten in dem rund 500 Hektar großen Buchenwald, der seit 2011 zum Unesco-Weltnaturerbe zählt, ist es dann oft so still, dass Geräusche wie das Krächzen einer Nebelkrähe umso mehr auffallen. Klaene hat deren Ruf sofort erkannt. «Kolkraben haben wir auch», sagt er. Etliche Vogelarten vom Buchfink über den Buntspecht bis zum Seeadler leben im Nationalpark. Klaene trägt an seinem Hut die Feder eines Eichelhähers.

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Der Weinbau reagiert auf den Klimawandel

In einem Weinberg des Instituts für Rebenzüchtung wachsen Trauben der dort gekreuzten Rebsorte mit der Züchtungsnummer Gf.2004-043-0010. Dies ist pilzwiderstandsfähige Rebsorte, kurz Piwi genannt. Foto: Peter Zschunke/dpa

Siebeldingen/Bechtheim (dpa) – Nach drei trockenen Jahren macht den Winzern in diesem Jahr die große Feuchtigkeit zu schaffen. Bei vielen wächst die Sorge, dass die Ausschläge in die eine wie die andere Richtung zunehmend extrem werden. «Der Klimawandel ist eine große Herausforderung», sagt die rheinhessische Winzerin Janine Brüssel in Bechtheim (Kreis Alzey-Worms).

In den heißen und trockenen Jahren von 2018 bis 2020 hatte sie Mühe, die Weine frisch und leicht zu halten. Ein Rotwein habe 2018 im Fass einen Alkoholwert von 16 Prozent erreicht – «das war nur noch brandig und schnapsig» und deswegen nicht zur Flaschenabfüllung geeignet. Seitdem haben die meisten Winzer reagiert: Die Trauben werden möglichst früh gelesen, damit sie nicht zu reif werden.

Über Jahrhunderte hinweg waren die Winzer in Deutschland froh, wenn die Trauben zuckersüß wurden. «In 13 von 23 Jahrgängen vor 1987 ist der Riesling an der Mosel nach heutigen Maßstäben an den meisten Standorten nicht wirklich reif geworden», sagt Edgar Mueller vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach. Mit der Erwärmung von Jahrzehnt zu Jahrzehnt seit den 1990er Jahren sei das kein Thema mehr.

«Inzwischen ist der pH-Wert wichtiger als der Oechsle-Grad», sagt Janine Brüssel. Die Oechsle-Grade zeigen das Mostgewicht des Zuckergehalts und anderer gelöster Stoffe im Traubensaft an. Der pH-Wert für den Säuregrad zeigt an, ob ein Wein sauer schmeckt. Bei pH-Werten über 3,3 gebe es zu wenig Säure für frische Weine, sagt die Winzerin.

Alle Kniffe und handwerklichen Künste in Weinberg und Keller reichen aber auf Dauer wohl nicht aus, um den Weinbau klimawandelresistent zu machen. Deshalb erforscht Reinhard Töpfer am Institut für Rebenzüchtung, wie neue Rebsorten besser mit den Bedingungen der globalen Erwärmung zurechtkommen können. An der Einrichtung des Julius-Kühn-Instituts (JKI), des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen, haben Züchter 15 000 Sämlinge von Reben mit unterschiedlicher genetischer Ausstattung im Blick.

Auf dem Geilweilerhof in Siebeldingen (Kreis Südliche Weinstraße) werden diese in vier Zuchtstufen nach ihren besonderen Eigenschaften selektiert. Nur 160 Rebsorten haben es in die Vorprüfung geschafft, sie zeigten positive Eigenschaften wie Resistenz gegenüber Krankheiten oder Klimastress. Aber auch von diesen werden wiederum etliche aussortiert. In der Zwischenprüfung sind zurzeit 25 Zuchtlinien. «Was dann übrig bleibt, sind sehr gute Kandidaten», erklärt Institutsleiter Töpfer.

Nur zwei dieser pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, kurz Piwi genannt, befinden sich zurzeit in der Hauptprüfung. Eine von ihnen ist die Rotwein-Sorte mit der Züchtungsnummer Gf.2004-043-0010. Sie wurde schon 2004 gekreuzt, wobei ein Elternteil die ebenfalls auf dem Geilweilerhof entstandene Rebsorte Calandro ist, welche wiederum aus den Rebsorten Regent und Domina entstanden ist. Der andere Elternteil kommt aus einer französischen Zuchtlinie. «Wir haben die Resistenzen beider Eltern-Rebsorten vereinigt, sowohl gegen den Echten als auch gegen den Falschen Mehltau», erklärt Töpfer.

Auch hätten die Trauben von Gf.2004-043-0010 in den vergangenen heißen Jahren so gut wie keinen Sonnenbrand gezeigt. Von dieser Schädigung bei zu starker Sonneneinstrahlung waren in den Jahren 2018 bis 2020 klassische Rebsorten wie der Riesling betroffen.

Eine Rebsorte müsse ganzheitlich stimmig sein, sagt Töpfer. Ertrag und Qualität müssten stimmen, die Krankheitsresistenz müsse möglichst breitgefächert sein und ebenso müsse es eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegen klimatische Einflüsse geben. «Was wir als großes Damokles-Schwert sehen, ist die Ausbreitung neuer Schaderreger.» So sei die von einer Rebzikade übertragene Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) seit Jahren auf dem Weg von Süd nach Nord. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann diese Krankheit auch in deutschen Anbaugebieten angekommen sei.

Alle 13 Weinanbaugebiete in Deutschland sind vom Klimawandel betroffen – auch in Sachsen ist deswegen das Interesse an den Piwi-Rebsorten da. Ein großes Problem ist die Vermarktung, aber spätestens mit der Änderung des Weingesetzes in diesem Jahr stehen nicht so sehr die Rebsorten wie vor allem die Herkunft im Mittelpunkt. Und neue Formen der Vermarktung von Piwi-Weinen «bieten die Möglichkeit, besondere Geschichten zu den Weinen zu erzählen, was heutzutage in der Kundenansprache immer wichtiger wird», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut.

Weinanbau-Experte Mueller weist darauf hin, dass sich der Weinbau inzwischen in den Niederlanden, Polen, Dänemark, Schweden und England ausbreite. Selbst in Norwegen gebe es die ersten kleineren Rebflächen. «Aber unsere Probleme sind klein im Vergleich etwa zu Zentralspanien, wo der Weinbau an seine Grenzen stößt.»

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Mit Hund und Waffe: Immer mehr junge Frauen in deutschen Jagdschulen

Wildschweinjagd statt Wursttheke: Die Zahl der Jäger in Deutschland steigt. In den vergangenen Jahren zog es vermehrt Frauen und Städter zum Jagdschein, dem «grünen Abitur», in den Wald.

ARCHIV – 01.11.2019, Niedersachsen, Natendorf:
ILLUSTRATION – Eine Jägerin sitzt mit ihrer Bockbüchsflinte auf einem Hochsitz. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Jägerinnen sind in der einst von Männern dominierten Welt des Pirschens, Treibens und Schießens heute nicht mehr wegzudenken: Der Frauenanteil in Jagdschulen stieg laut einer Befragung unter 6500 Jungjägern innerhalb des vergangenen Jahrzehnts von 20 auf 28 Prozent, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) in Berlin der Deutschen Presse-Agentur mit. «Genauso wie Frauen heute zur Bundeswehr gehen und Soldatinnen werden, genauso wie Frauen heute Kfz-Mechanikerin werden, werden sie eben auch Jägerinnen», sagte Torsten Reinwald, Pressesprecher des DJV.

Die Frauen werden zudem jünger. Der Befragung zufolge sank ihr Durchschnittsalter im vergangenen Jahrzehnt von 36 auf 33 Jahre. Das Durchschnittsalter männlicher Jagdschüler liegt demnach weiterhin konstant bei 35 Jahren. Erstaunlich: Der Anteil derer, die vor dem Beginn des «grünen Abiturs» keine Erfahrung mit der Jagd gesammelt hätten, sei seit 2011 von 15 auf 26 Prozent gestiegen. Generell sei die Tendenz bei Jagdscheininhabern steigend: Knapp 400 000 sind es aktuell.

Auch Städter melden sich immer häufiger zur Jagdprüfung, um etwa Singvögel wie Fitis vom Zilpzalp trennen zu lernen. Fast ein Viertel (23 Prozent) der Jagdschülerinnen und -schüler komme nicht vom Land. Die im Schnitt 2160 Euro teure Ausbildung steht Reinwald zufolge für Stadtmenschen meist im Zeichen der Natur – nicht der Waffe.

Stundenlang auf einem Hochsitz ausharren oder bei klirrender Kälte durch das Unterholz wandern, um dann vielleicht doch nicht zum Schuss zu kommen – die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen auch, was die Menschen heute zur Ausbildung bewegt. Auf Platz 1 steht unverändert das intensive Naturerlebnis. «Ohne Kenntnis der Art, wie sie sich verhält, was sie frisst, welchen Lebensraum sie bewohnt, wo sie am liebsten längs geht, kann ich keine Beute machen», so Reinwald.

Als zweite Priorität wurde am häufigsten angewandter Naturschutz genannt. Darunter fällt dem Verband zufolge unter anderem die Prävention von Krankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest, der Erhalt der Artenvielfalt oder der Schutz von Wäldern.

Auch Wildbret, also das Fleisch jagdbarer, wildlebender Tiere, sei für immer mehr Menschen ein Grund, die Jägerausbildung in Angriff zu nehmen. Das Erbeuten von Fleisch als Motiv rückte bei der Befragung von Platz 4 im Jahr 2011 auf Platz 3 vor. Eine Besonderheit bei Frauen: Auf Rang 4 landete die Jagdhundeausbildung als Anreiz, Jägerin zu werden – bei Männern reicht das den Umfrageergebnissen zufolge nur zu Platz 6.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Waffe – weapon
Wursttheke – sausage counter
vermehrt – more and more
Städter – city dwellers
Jagdschein – hunting license
Wald – woods
einst von Männern dominierten – once male-dominated
Pirschens – stalking
Schießens – shooting
wegzudenken – unthinkable
Befragung – questioning
vergangenen – past
Bundeswehr – military
Kfz-Mechanikerin – truck mechanics
Durchschnittsalter – average age
erstaunlich – astoundingly
Anteil derer – share of those
Erfahrung – experience
aktuell – currently
melden – register
häufiger – increasingly
Jagdprüfung – hunting exam
Fitis – willow warbler
Zilpzalp – chiffchaff (a leaf warbler)
trennen zu lernen – learn to distinguish
Ausbildung – training
Zeichen – symbol
ausharren – hang-out
klirrender Kälte – crystal clear cold (weather)
Unterholz – undergrowth
Schuss – shooting
verdeutlichen – make clear
bewegt – moves
Kenntnis – knowledge
verhält – behave
frisst – eat
längs geht – go along
Beute – (animals) bag
angewandter Naturschutz – applied protection of nature
Erhalt – survival
Artenvielfalt – variety of species
Erbeuten – capture
Anreiz – incentive

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*