08. Juni 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Lust und Leid beim Fahrradfahren

Zum Himmelfahrtswochenende und zu Pfingsten geht die Freiluftsaison richtig los. Fahrradfahren steht für viele auf dem Programm. Dabei liegen Frust und Freude oft dicht beieinander. Was spricht für, was gegen Radfahren?

Brandenburg, Kleinmachnow: Kinder mit Fahrradhelmen radeln zur Schule. Foto: dpa

Von Iris Auding
Berlin (dpa) – Radfahren im Straßenverkehr kann gefährlich sein, also besser darauf verzichten? Auf der anderen Seite ist es ziemlich angesagt, also lieber machen? Je schöner das Wetter Ende Mai und Anfang Juni wird, desto mehr Radfahrer stehen vor allem in großen Städten wie Berlin, München und Hamburg vor den Ampeln.
Eine kleine Liste Pro und Contra:

GESUNDHEIT: Radfahren hält fit. Und dazu muss man nicht mal besonders sportlich sein, bereits kurze Strecken haben eine Wirkung. «Schon mit der ersten Sekunde des Radfahrens wird die Durchblutung der Muskeln und Organe angeregt, genau wie der Stoffwechsel sowie Herz und Kreislauf, das Immunsystem wird aktiviert», sagt Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zudem könne Radfahren «ein Ausgleich für Stress» sein. Radeln stärkt Knochen und Koordination. Gelenkfreundlich ist es auch, das Knie baut Muskulatur auf und wird so stabiler.

GEFAHR: Anfang April stellte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club seinen «Fahrradklima»-Test vor. Etwa 170 000 Menschen hatten Fragebögen ausgefüllt. Der Test ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer. Den Angaben zufolge fühlen sich die Teilnehmer immer unsicherer beim Radfahren: Note 4,2 gegenüber 3,9 im Jahr 2016. Das Gefühl der Gefahr ist real: 2018 kamen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts 445 Radfahrer auf Deutschlands Straßen ums Leben, im Januar dieses Jahres waren es demnach 29. Zahlen für das erste Quartal liegen noch nicht vor. Einer der Gründe: Immer mehr Radfahrer müssen sich mit Auto- und Lkw-Fahrern den knappen Platz auf den Straßen teilen – vor allem in den Städten. Auch Radfahrer selbst verhalten sich manchmal rücksichtslos und können so für andere Radfahrer gefährlich werden.

GLÜCK:
«Man ist draußen in der Natur, erreicht Orte, an die man sonst nicht hinkommt», sagt Sportwissenschaftler Froböse. «Geräusche, Gerüche und Geschwindigkeit werden unmittelbar empfunden.» Gerade längere Fahrten könnten dazu führen, dass Glückshormone ausgeschüttet werden. Wenn dann noch die Sonne scheint, die Reifen über den Asphalt surren, die Kette geschmeidig über die Ritzel springt – viel besser kann es für manchen Radler nicht mehr werden. Sebastian Herrmann beschreibt in seinem Buch «Gebrauchsanweisung fürs Fahrradfahren» ein «Gefühl von Autonomie und Freiheit». Für ihn ist das Rad «eine Escape-Taste, eine, die Fenster zur Welt öffnet», «eine Form der mobilen Meditation». Ein Radler kann häufig lässig am Stau im Berufsverkehr vorbei rollen – mit einem Gefährt, von dem viele verblüfft sind, «dass etwas derart Simples und Naheliegendes (…) nicht schon sehr viel früher erfunden worden war».

GESCHMACK: Wie sieht das denn aus, mit Helm fahren? So denken immer noch viele Radfahrer. Das Bundesverkehrsministerium stellte kürzlich fest, der Kopfschutz gelte als «unpraktisch, unbequem und unästhetisch». Von Radfahrenden zwischen 17 und 30 Jahren trügen lediglich acht Prozent einen Helm. Die Behörde machte mit einer umstrittenen Kampagne Schlagzeilen. Der Titel lautete: «Looks like shit. But saves my life.» – auf Deutsch: «Sieht scheiße aus. Aber rettet mein Leben.» Nicht nur der Helm nervt viele, auch dass man verschwitzt bei der Arbeit ankommen könnte, wird oft als Minuspunkt angeführt.

GEWISSEN: Wer radelt, schont die Umwelt, verbraucht weniger Platz und macht weniger Lärm. Ein mit Muskelkraft betriebenes Fahrrad stößt keinerlei Kohlendioxid aus, ein Auto produziert laut Umweltbundesamt durchschnittlich 139 Gramm an Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan pro Personenkilometer (zurückgelegte Kilometer multipliziert mit der Zahl der Reisenden). «Für viele Wege in der Stadt ist das Fahrrad eine prima Lösung», sagt Katrin Dziekan, Fachgebietsleiterin Umwelt und Verkehr beim Umweltbundesamt. «Fast jeder zehnte mit dem Auto in der Stadt zurückgelegte Weg ist kürzer als ein Kilometer, 20 Prozent sind kürzer als zwei Kilometer. Das ist viel Potenzial fürs Rad.» Der Blogger Martin Randelhoff gibt an, dass etwa acht Fahrräder auf einem Parkplatz abgestellt werden können.

GEZERRE: Wer mehr Raum fürs Fahrrad will, muss anderen etwas wegnehmen. Ohne Konflikte wird dieser Verteilungskampf nicht ablaufen. «Wenn wenig Platz ist und viele Menschen sich eine Infrastruktur teilen müssen, dann kommt es natürlich zu Drängeleien und zu einem erhöhten Stresslevel und vielleicht auch zu mehr Aggressivität, nicht nur unter Fahrradfahrenden, sondern insbesondere auch mit anderen Verkehrsteilnehmenden», sagt Dziekan, die Verkehrsplanerin und Psychologin ist. Laut Kraftfahrt-Bundesamt gibt es etwa 47 Millionen Autos in Deutschland, die Zahl der Fahrräder erreicht nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands 75,5 Millionen – davon sind 4,5 Millionen E-Bikes.

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Himmelfahrt – Ascension
Pfingsten – Pentecost
Freiluftsaison – outdoor season
verzichten – to forgo
angesagt – “in”; trendy
Wirkung – effect; impact
angeregt – stimulated
Stoffwechsel – aerobic metabolism
Kreislauf – circulation
Gelenkfreundlich – easy on the joints
Gefahr – danger
ums Leben kommen – to die
knapp – limited; scant
s. rücksichtslos verhalten – to behave heedlessly
Geräusche, Gerüche & Geschwindkeit – sounds, smells & speed
unmittelbar empfunden – directly sensed
häufig – frequently
verblüfft – baffled
Behörde – government agency
umstrittenen – controversial
nerven – to annoy; to bug
verschwitzt – all sweaty
angeführt – mentioned
keinerlei – no…whatsoever
Treibhausgasen – greenhouse gases
zurückgelegte Kilometer – km (distance) covered
Gezerre – here: dragged into the debate
Verteilungskampf – allocation conflict
nicht ablaufen – here: won’t go away
erhöhte – elevated
nicht nur unter – not only among
laut – according to

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Sport

Golfer Kaymer findet zur Form zurück

Für den Sieg reichte es zwar nicht, dennoch zeigt die Formkurve bei Martin Kaymer wieder deutlich nach oben. Deutschlands Top-Golfer scheint bereit für das nächste Major-Turnier

Martin Kaymer aus Deutschland in Aktion. Foto: dpa

Dublin/Ohio (dpa) – Zehn Tage vor der US Open hat sich Martin Kaymer in der Golf-Weltspitze zurückgemeldet. Der 34-Jährige aus Mettmann verpasste beim PGA-Turnier in Dublin im US-Bundesstaat Ohio zwar knapp seinen ersten Turniersieg seit fünf Jahren, doch die Formkrise scheint endgültig überwunden. Im Muirfield Village Golf Club musste sich Kaymer am Sonntag mit insgesamt 273 Schlägen als Dritter nur dem US-Amerikaner Patrick Cantlay (269) und dem Australier Adam Scott (271) geschlagen geben.

«Ich habe die ganze Woche gutes Golf gespielt. Heute habe ich einfach nicht so viele Putts gemacht», sagte Kaymer nach seiner 72er-Schlussrunde. «Heute Par zu spielen, war nicht meine größte Runde, aber insgesamt bin ich sehr glücklich, wie ich Golf gespielt habe – speziell mit Blick auf die kommenden Wochen.»

Schließlich findet ab dem 13. Juni am Pebble Beach in Kalifornien das dritte von vier Major-Turnieren des Jahres statt: Die US Open. Kaymer hat gute Erinnerungen an das mit 12,5 Millionen Dollar dotierte Turnier. 2014 feierte der frühere Weltranglistenerste bei der US Open seinen letzten Turniersieg – damals allerdings auf einem anderen Kurs in Pinehurst in North Carolina.

Fünf Jahre später war Kaymer wieder ganz nah dran. Beim Einladungsturnier der US-Golf-Legende Jack Nicklaus in Ohio war er mit zwei Schlägen Vorsprung auf Scott als Spitzenreiter in den Finaltag des mit 9,1 Millionen US-Dollar dotierten Events gestartet. Auf Cantlay hatte Kaymer sogar fünf Schläge Vorsprung. Anders als in den ersten drei Runden leistete sich der zweimalige Major-Sieger am vierten Tag – gehandicapt durch eine Blase an der Hand – zu viele Schlagverluste. Zudem spielte der 27-jährige Cantlay auf dem schweren Par-72-Kurs eine überragende 64er-Schlussrunde. Der Kalifornier erhielt für seinen zweiten Erfolg auf der US-Tour ein Preisgeld von rund 1,64 Millionen US-Dollar.

«Alle Ehre gebührt Patrick. Er hat eine tolle Runde Golf gespielt. Er hat den Sieg verdient – 19 unter Par ist unglaublich», meinte Kaymer, der in seiner Formkrise zwischenzeitlich sogar auf Rang 191 der Weltrangliste abgerutscht war. Im nun neu veröffentlichen Ranking sprang der Rheinländer nach seinem dritten Platz in Dublin als 97. wieder in die Top 100. Einzig die verpasste Chance, mit einem Sieg in Ohio eine dreijährige Spielberechtigung für die PGA-Tour zu ergattern, dürfte Kaymer ärgern. Doch das kann er ja an der Westküste in zehn Tagen schon nachholen.

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Feuilleton

90 Jahre Mickey Maus – Große Ausstellung von deutschem Disney-Zeichner

Der deutsche Trickfilm-Zeichner Andreas Deja. Foto: dpa

Von Barbara Munker
San Francisco (dpa) – Ohne die kleine Maus würde es Disney-Hits wie «Bambi, «Schneewittchen» und «Das Dschungelbuch» vermutlich nicht geben. Denn mit Micky Maus in «Steamboat Willie», in Schwarz-Weiß und nur acht Minuten lang, fing alles an. Es war einer der ersten Zeichentrickfilme mit Ton, der im November 1928 in einem New Yorker Kino Premiere feierte. «Das war der Clou und schlug voll rein, ein Riesenerfolg», erzählt der deutsche Trickfilm-Zeichner Andreas Deja.

Deja (62), Kurator der Ausstellung «Mickey Mouse: From Walt to the World» im Walt Disney Family Museum in San Francisco, muss es wissen. 30 Jahre lang war er Chefzeichner in Hollywoods Disney Studios, arbeitete dort ab 1980 an berühmten Figuren wie «Roger Rabbit», Jafar aus «Aladdin», Scar aus «Der König der Löwen» und natürlich auch an der weltberühmten Maus.

Zu Ehren der 90 Jahre alten Figur hat der aus Dinslaken stammende Wahl-Kalifornier mehr als 400 Exponate zusammengetragen, darunter Filmszenen, Comics und seltene Spielzeuge. In Archiven, bei Sammlern und Familienangehörigen spürte er vergilbte Skizzen und andere Mäuse-Raritäten auf, viele sind nun erstmals öffentlich zu sehen.

Auf den ersten Blick ist Micky ganz einfach gestrickt: ein großer Kreis, zwei kleine Kreise als Ohren, dazu eine pfiffige Stupsnase. «Aber gar nicht so leicht zu zeichnen, wenn man ein Gefühl für diese fleischigen Finger und die weichen Füße vermitteln will», meint Deja.

Für den damals 27-jährigen Walt Disney war die Maus eine Notlösung. Er hatte gerade die Rechte für seinen bis dahin erfolgreichen Comic-Hasen Oswald verloren und brauchte eine neue Figur. Der zunächst geplante Name Mortimer Mouse gefiel Disneys Frau Lillian allerdings nicht. Der Mäuserich wurde Mickey Mouse getauft.

Disney habe Mickeys Persönlichkeit entwickelt und dabei auf sich selbst geschaut, erzählt Deja. «Denn Mickey ist clever und sehr erfindungsreich, nicht so tölpelhaft wie Donald Duck oder dumm wie Goofy». Disney machte anfangs auch einige Skizzen, aber dann habe er schnell herausgefunden, dass andere Leute besser zeichnen, als er selbst, sagt der Kurator. Vor allem Ub Iwerks, ein Zeichner mit ostfriesischen Wurzeln. «Der war so schnell, der konnte pro Tag bis zu 600 Zeichnungen machen», begeistert sich Deja. Er präsentiert den Besuchern faszinierende Skizzen aus Mickeys Anfangsjahren.

In einem anderen Ausstellungsraum ertönt die merkwürdig quietschende Mäusestimme – von Walt Disney. 15 Jahre hat der Filmproduzent seine Lieblingsfigur selbst vertont, nach ihm gab es nur vier weitere Sprecher.

«Mickey Maus ist nicht nur die Symbolfigur für Disney, er ist das Symbol für den Trickfilm schlechthin», würdigt Deja den Zeichentrick-Superstar, der die Welt seit 90 Jahren zum Lachen bringt.

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Gesundheit/Umwelt

Richtig Händewaschen schützt gegen Krankheiten

Richtig Hände waschen: «Happy Birthday» summen hilft. Foto: dpa

Köln (dpa) – Hauptsache angenehm! Beim Händewaschen kommt es nicht so sehr auf die Temperatur an – sondern eher auf die Länge, reichlich Seife und die richtige Technik. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hin.

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen ist ein effektiver Schutz vor Krankheiten. Deren Erreger gelangen sonst über die Hände an Mund, Nase oder Augen und von dort über die Schleimhäute in den Körper.

Das gilt für Erwachsene und noch mehr für Kinder: „Aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems und ihrer täglichen Nähe zu anderen Kindern ist das Ansteckungsrisiko hier höher“, sagt Prof. Philippe Stock, Chefarzt am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg. Am saubersten werden die Hände unter fließendem Wasser und mit Seife überall – auch an Daumen und Handrücken sowie in den Fingerzwischenräumen. 20 Sekunden sollte die Prozedur mindestens dauern, bei stark verschmutzen Händen länger. Danach sollte man die Hände gründlich abtrocknen und nicht einfach trocknen lassen. Auch die letzten Keime, die noch an den Händen haften, werden so entfernt.

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Reise

Die schönsten Surf-Camps in Europa

Surfschüler bei Trockenübungen. Foto: Ride on Retreats Surfcamp/dpa

Hörnum (dpa) – Das Wellenreiten liegt voll im Trend. Und Europa bietet eine Vielzahl an Surf-Camps. Von „öko“ bis „mondän“.

Es kann nicht immer Bali oder Sri Lanka sein. Und das muss es auch nicht. Wer Surfen ausprobieren möchte, hat auch in Europa jede Menge Möglichkeiten. Nordsee und Atlantik warten. Diese Meere haben zwar wahrlich keine Badewannentemperatur. Dafür bieten professionelle Surfcamps die richtigen Kniffe für Anfänger und Fortgeschrittene.

Nordische Brise: Surfen auf Sylt
Das nördlichste Surfcamp Deutschlands ist nicht nur wegen seiner Lage am Sylter Südkap attraktiv: Sonnenaufgänge über dem Wattenmeer, Holzplankenwege durch Dünenlandschaften, Syltrosen auf dem Weg zum Surfspot – das riecht nach Meer. Auf der beliebten Ferieninsel muss man Restaurants und Bars außerdem nicht lange suchen.

Das Wassersportcenter Südkap Surfing in Hörnum hat ein Programm für jedes Alter und Level: Windsurfen, Kitesurfen, Segeln, Stand-up-Paddling (SUP). Am zweiten Standort Wenningstedt wird Wellenreiten angeboten. Ausrüstung lässt sich leihen. Die Unterkunft ist im jeweils örtlichen Hostel („Klaarstrand“ oder Jugendherberge Hörnum) separat zubuchbar.

Tipp: Mit dem Sportpaket nie die perfekte Welle verpassen – denn es bietet Zugriff auf den Materialpool beider Standorte. So sind Gäste flexibel. Neben Windsurf-Equipment gibt es auch SUP-Boards, Wellenreiter, kleine Segeljollen und Kajaks.

http://www.suedkap-surfing.de

Sauna in den Dünen: Wellen und Wellchen in Holland

Bloemendaaler Strand /Holland (dpa) – Eine Bretterbude inmitten von Sand, daran ein Holzschild mit der Aufschrift „Surfana Receptie“: Adieu Alltag, willkommen Freizeit! Eine halbe Stunde mit dem Auto von Amsterdam entfernt, campt man nur 200 Meter hinter dem breiten Bloemendaaler Strand in einer herrlichen Dünenlandschaft. Der Nationaal Park Zuid-Kennemerland grenzt direkt an den Campingplatz. Ein großes Gemeinschaftszelt, kleinere Zelte und Bungalows für bis zu 12 Personen schmiegen sich an die Dünen.

Wichtig zu wissen: Wer in das Surfana-Surfcamp Bloemendaal kommt, nimmt die häufig wechselnden Bedingungen in Sachen Wellen und Wetter in Kauf – und lehnt sich gegen Strömungen und Sandbänke auf. Dafür bedient die Surfschule jedes Surf-Level. Dazu gibt es SUP, Kite, Yoga und eine Gratissauna – wenn man sich mal aufwärmen muss.

Tipp: Vom 6. bis 8. September findet das dreitägige Surfana Festival mit Wassersportkursen, Musikalischem und Spirituellem statt.

http://www.surfana.com
(Mehr nächste Woche)

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Wickel-Verweigerer und stolz darauf: Gibt es noch Retro-Väter?

Schweigen. Geld verdienen – und ansonsten alles der Frau überlassen: Lange galt das Modell des abwesenden Alleinverdiener-Papas als ganz normal. Väter in Elternzeit haben das Bild radikal verändert. Doch haben sie sich tatsächlich schon durchgesetzt?

Vater Johannes Albers wickelt seinen Sohn. Albers ist für Zehn Monate in Elternzeit. Foto: dpa

Von Jonas-Erik Schmidt
Köln (dpa) – Johannes Albers kennt das Gefühl, allein unter Frauen zu sein. Das passiert ihm ständig. Wer es nicht glauben mag, kann einen Blick auf sein Smartphone werfen – dort ist er Mitglied in WhatsApp-Gruppen, die «Mamikreisel» heißen. «Die ganzen Angebote, die es für Eltern gibt, sind doch noch eher weiblich dominiert», erzählt er. «Ich bin da beim Krabbeln oder im Musikkurs oft der einzige Mann.» Der 33-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer in Köln und bereitet sich darauf vor, dass der Grund, warum er zu all diesen Kursen geht, bald aufwacht. Es ist sein kleiner Sohn, der noch im Nebenzimmer schläft. Johannes Albers ist in Elternzeit – zehn Monate.

Für das Jahr 2019 ist Johannes Albers ein ungewöhnlicher und zugleich ein gewöhnlicher Vater. Ungewöhnlich an ihm ist, wie lange er eine Job-Pause einlegt. Viele Männer nehmen deutlich weniger Elternzeit und oft auch gemeinsam mit der Mutter des Kindes. Das erklärt, warum Albers in den einschlägigen Krabbel-Gruppen nicht gerade auf Massen von Geschlechtsgenossen trifft. Gewöhnlich ist, dass er es überhaupt tut. Männer, die Elternzeit nehmen, sind völlig normal geworden. Es lässt sich festhalten: Die Vater-Rolle hat sich gewandelt. Die Frage ist zugleich: Wie sehr?

Schaut man sich das deutsche Vater-Land an, landet man nämlich nicht nur bei Leuten wie Johannes Albers – sondern auch bei Jack White. Der Schlager-Produzent («Schöne Maid»), der im März sein sechstes Kind bekommen hat, ließ schon während der Schwangerschaft in der Zeitschrift «Bunte» wissen, dass Windelnwechseln für ihn nicht infrage komme: «Das habe ich im Leben noch nicht gemacht und das werde ich auch jetzt nicht machen.» Er sei immer der Meinung gewesen, dass die Mutter für das Kind verantwortlich sei.

Man kann einwenden, dass White 78 Jahre alt ist und womöglich für eine andere Generation von Vätern steht. Es ist der Sound, den man eigentlich nur noch aus Retro-Serien wie «Mad Men» zu kennen glaubt, in denen Männer während der Geburt wortkarg vor dem Kreißsaal warten und Whiskey trinken. Zu Hause halten sie sich aus allem raus, was im weitesten Sinne mit den Körperfunktionen des Kindes zu tun hat.

Mann kann indes auch argumentieren, dass der Schlagerkönig nur ausspricht, was viele denken, aber nicht mehr sagen, weil sich der Zeitgeist gedreht hat. Noch ein Beispiel für so einen Satz? 2015 sagte der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn (heute 76) im «Spiegel» über einen Vater, der drei Monate Elternzeit genommen hatte: «Wenn ein Mann, der Karriere machen will, so lange Elternzeit nimmt, dann muss er sich danach wieder hinten anstellen.»

Gibt es sie also noch, die Fraktion der Retro-Väter? Katja Sabisch, Expertin für kritische Männlichkeitsforschung an der Uni Bochum, zögert bei der Antwort. «Man kann ja schon den Eindruck bekommen, dass sich etwas grundlegend gewandelt hat – weil man mehr Väter mit Kinderwagen sieht», sagt sie. Allerdings könne das daran liegen, dass man heute mehr darauf achte. Die Aufteilung der Familienarbeit bei der Versorgung des Kindes sei «immer noch ganz klar weiblich konnotiert». Sabischs Einschätzung: «Die Frage ist nicht, wer ab und zu mal eine Windel wechselt – sondern wer geht in Elternzeit und in Teilzeit. Das sind in der Regel noch die Frauen.»

Laut «Väterreport» (2018) des Bundesfamilienministeriums entscheiden sich fast 60 Prozent der Männer, die Elterngeld beziehen, für die Mindestbezugszeit – zwei Monate. Für drei bis neun Monate entscheiden sich rund 21 Prozent, für zehn bis zwölf Monate nur noch rund 15. Fast 60 Prozent der Väter mit Kindern unter sechs Jahren wünschen sich aber, mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung zu übernehmen. Man kann sagen, dass das kaum zusammenpasst.

Forscherin Katja Sabisch nimmt die Väter in Schutz. «Es ist nicht so, dass die Männer das einfach anordnen. Das ist zum Teil schon selbst gewählt. Frauen wollen diesen Aufgabenbereich manchmal einfach nicht abgeben, sie sagen: Ich mache die Elternzeit, ich kann das besser.» Es handele sich um erlernte Stereotype und Geschlechterbilder. Hinzu komme die Sorge der Väter vor Sanktionen des Arbeitgebers.

Auch Jürgen Kura, Vorsitzender des Vereins Väter in Köln, sieht das Problem nicht unbedingt bei den Vätern selbst. Deutschland hinke der ganzen Diskussion einfach hinterher. «Es gibt zwar das Elterngeld, aber ansonsten tut der Staat nicht viel, um die Strukturen für moderne Väter zu fördern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen», beklagt er. Das werde noch immer als Privatsache betrachtet.

Johannes Albers, der für ein großes Technologie-Unternehmen arbeitet, hat sich daran gewöhnt, als Mann in einem Eltern-Kind-Kurs manchmal ein Exot zu sein. «Die Leute sind einem ja entweder sympathisch oder nicht», sagt er. «Das hängt nicht vom Geschlecht ab.»

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Aus Allen Staaten

Nationales Sängerfest in Peoria, Illinois, am 17. und 18. Mai 2019

Altes deutsches Liedgut wurde von den Chören des Michigen Sängerbezirks in Peoria präsentiert.
Das Familienfoto nach dem Frühschoppen im Hickory Grove Park

Wie bereits in der Ausgabe vom 25. Mai berichtet, fand das 63. Nationale Sängerfest des Nordamerikanischen Sängerbundes am 17. + 18. Mai 2019 in Peoria, IL statt. Alle drei Chöre des Michigan Sängerbezirkes, nämlich der Carpathia Gemischte Chor, der GBU Saxonia/Rheingold Chor, sowie der Schwäbische Männerchor, nahmen daran teil. Das Buch mit den ausgewählten Liedern für das Hauptkonzert war schon lange Zeit in unserem Besitz, und es wurde fleissig geübt. Für das Empfangskonzert wurden für den Bezirk separat drei Lieder ausgesucht und einstudiert. Einige Massenchorproben wurden vor der Fahrt nach Peoria angesetzt – und wir alle waren bereit!

Da Marlina Voigt-Groele im Vorstand des NASB ist und sie zu einer Besprechung um 15:00 Uhr da sein sollte, machte sich der GBU Saxonia Chor bereits am Donnerstag (16. Mai) früh um 7:00 Uhr vom Carpathia Parkplatz per Bus auf den Weg für die 7 Stunden lange Fahrt. Unterwegs gerieten wir in einen gewaltigen Sturm, und unser Busfahrer war weise genug, unter einer Brücke anzuhalten, um das schlimmste Wetter vorbeigehen zu lassen. Nach einer kurzen Strecke gerieten wir in einen Stau, der über eine Stunde dauerte. Das Problem war ein umgekippter Lastwagen, der wahrscheinlich zu schnell gefahren war. Wegen diesem Unfall kamen wir erst um 16:30 Uhr beim Mariott Hotel an, erhielten unsere Zimmer zugewiesen, stellten die Koffer ab, stiegen erneut in den Bus und fuhren zum Lindenhof Clubhaus zum Dämmerschoppen. Wir waren froh, dass dies für uns arrangiert war, denn wir waren alle hungrig. Für 16:00 Uhr am Freitag waren die Proben aller Distrikts in der Civic Arena für das abendliche Empfangskonzert angesetzt. Jeder Distrikt bekam einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt, um die jeweiligen drei Lieder durchzusingen. Unsere Dirigenten (Erwin Aufdemberge und David Carle, sowie Rebecca Hohnstadt am Piano) waren nach einigen Versuchen mit unseren Sängern zufrieden. Im grossen Ballsaal trafen sich um 18:30 Uhr alle anwesenden Chöre aus Southern Ohio, Kentucky, Indiana, Illinois, Central Ohio, Chicago, Michigan, Pittsburgh, Southern, St. Louis und Wisconsin. Den Anfang machte um 19:00 Uhr die Ehrengarde des Deutsch-Amerikanischen Vereins Peoria, dann wurde das Deutschlandlied und das Star Spangled Banner gesungen. Danach gab es Willkommensgrüsse und Vorstellung des neuen Vorstands. Marlina wurde als 5. Vizepräsidentin eingeschworen. Sie repräsentiert den Michigan Sängerbezirk. Zum Vorstand gehört ebenfalls noch Präsidentin Emeritus Blondine Klimach. Alle Sänger unseres Bezirks sangen “Mein Mund der singet”, das Potpourri “Wohlauf in Gottes schöne Welt” und der Männerchor “Schwer mit den Schätzen des Orients beladen”, wofür wir besonders starken Applaus bekamen. Nach dem Konzert versammelten wir uns zu geselliger, froher Runde im Zimmer von Peter und Ursula Herrmann, um auf Ursula’s Geburtstag anzustossen und ihr alles Gute zu wünschen.

Am Samstagmorgen von 10 bis 12 Uhr mussten alle Sänger in der Civic Arena zu den Proben für das abendliche Hauptkonzert erscheinen. Anschliessend war auch die Aufstellung für die Flaggenparade. Es blieb dann gerade noch Zeit, um eine Kleinigkeit zu essen, denn um 16:30 Uhr sollten wir alle auf unseren Plätzen sein, damit ein Gruppenphoto gemacht werden konnte. Das Konzert begann um 17:00 Uhr, wieder mit dem Aufmarsch der Peoria Ehrengarde, dem Deutschlandlied, dem Star Spangled Banner, einem Willkommensgruss und der Flaggenparade der einzelnen Chöre. Der GBU Chor wurde vertreten von Sigfried Charow, Helga Gaiser und Adele Reinke. Die Fahne vom Caparthia Chor wurde von Leo Zoller getragen, Rudi Zoller und Erika Zoller waren Fahnenbegleiter. Die Fahne vom Schwäbischen Männerchor wurde von Jim Plecher, Heidi Jarmolinski and Kurt Schmid getragen.

Der Bürgermeister von Peoria, James Ardis, hiess alle Sänger und Gäste willkommen, bevor das Konzert mit dem Sängergruss begann. Abwechselnd sangen die Männer, die Frauen, oder alle gemeinsam unser altes deutsches Liedgut. Zum Abschluss erklang “God Bless America”, mit Enthusiasmus von allen Sängern und Gästen in der Arena gesungen. Es ist ein wunderbarer, gewaltiger Klang, wenn etwa 600 Stimmen zu hören sind und es war für jeden von uns emotionell.

Im Ballsaal, an weiss gedeckten Tischen ,wurden wir dann belohnt mit einem guten Dinner und Tanzmusik von einer tollen Kapelle, die “Spitzbuam” aus St. Louis. Die Sänger des GBU Chores versammelten sich am Sonntag Morgen um 9:30 Uhr, stiegen in unseren Bus und fuhren zum Frühschoppen zum Hickory Grove Park, wo wir unseren Lunch unter Bäumen einnahmen.

Der Wettergott meinte es gut – die Sonne schien und es war angenehm warm. Um 12:30 Uhr verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern und machten uns auf den Rückweg nach Michigan, wo wir wohlbehalten um 21:00 Uhr auf dem Carpathia Parkplatz ankamen. An diese erlebnisreichen Tage werden wir uns noch lange erinnern und sind froh, dabei gewesen zu sein, denn ein Sängerfest findet nur alle drei Jahre statt.
A.R.

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