08. Mai 2021 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit/Umwelt / Reise / Tipps und Trends / Aus Allen Staaten

Aus Aller Welt

Oktoberfest erneut abgesagt – «A bisserl Wiesn geht nicht»

Die Aussagen der Politik für die zweite Jahreshälfte haben Hoffungen auf mehr Normalität geweckt. Doch jetzt ist klar: Für München wird hierzu etwas ganz Wichtiges fehlen. Zum zweiten Mal in Folge gibt es einen Herbst ohne Oktoberfest.

ARCHIV – 21.09.2019, Bayern, München: Auftakt zum Oktoberfest. Wiesnbesucher feiern in einem Festzelt. Das Oktoberfest findet wegen der Corona-Pandemie auch 2021 nicht statt. Foto: dpa

Von Sabine Dobel, Marco Hadem und Christoph Trost
München (dpa) – Viele hatten es kommen sehen: Auch dieses Jahr gibt es wegen der Corona-Pandemie kein Oktoberfest. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begründeten die Entscheidung am Montag mit der nicht absehbaren Entwicklung bei den Infektionszahlen. Bereits 2020 war die Wiesn abgesagt worden – zum ersten Mal seit gut 70 Jahren.

Eine sichere Durchführung von Volksfesten mit Hygienemaßnahmen wie Masken sei nicht realistisch, erläuterte Söder. Bei einer späteren Absage drohe ein noch größerer wirtschaftlicher Schaden. Die Wiesn wiederum sei «eine der größten, vielleicht die größte Visitenkarte», die Bayern in der Welt habe – und die könne beschädigt werden.

Reiter sagte, auch für ihn persönlich sei es keine leichte Entscheidung. Es mache aber keinen Sinn, länger zu warten. Um ein Volksfest feiern zu können, müsse das Volk auch hingehen können. Zudem müsse es eine angstfreie und sichere Atmosphäre geben. «A bisserl Wiesn geht nicht.»

Schausteller und Wirte äußerten sich enttäuscht. Für viele ist es kaum fassbar, das das Volksfest zwei Mal in Folge abgesagt wird. Im vergangenen Jahr war es erstmals sei seit gut 70 Jahren ausgefallen – und alle hatten fest auf 2021 gesetzt. Nur im Ersten Weltkrieg gab es länger keine Wiesn: Von 1914 bis 1918 feierte München nicht.

Vom 18. September bis 3. Oktober hätte die Wiesn stattfinden sollen. Auch wenn bis dahin viele geimpft sein könnten: Wie wäre es mit der Ansteckungsgefahr in voll besetzten Bierzelten und im Gedränge der Gassen? Etwa ein Testzelt vor dem Bierzelt, ein Impfpass zum Reservieren, Feiern mit 1,50 Metern Abstand oder gar ein Verzicht aufs Bier, damit die Gäste die Regeln nicht vergessen – das wäre kaum vorstellbar.

Der Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) stellte sich hinter die Absage. Die Entscheidung sei «völlig richtig – nicht nur aus Rücksicht auf die Gesundheit der Besucher, sondern auch aus Rücksicht auf den guten Ruf des Münchner Oktoberfestes als qualitätsvolles, sicheres Fest». Er setze nun auf 2022.

«Dass wir zwei Jahre keine Wiesn haben, ist für alle Kollegen ein schwerer Schlag – wir hätten uns nie vorstellen können, dass es so kommen könnte», sagte der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer. Trotz aller Ungewissheit hatten sich laut Inselkammer die allermeisten Stammgäste vor allem aus der Region ihre Plätze gesichert. Zu 95 Prozent hätten sie ihre Tische so bestellt wie 2019.

«Uns trifft das ins Mark», sagte der Vorsitzende des Münchner Schaustellerverbandes, Peter Bausch. «Uns fehlt wieder ein ganzes Jahr.» Schließlich werde nicht nur das Oktoberfest abgesagt – «sondern wieder eine ganze Saison». Dabei hätten Aussagen der Politik Hoffnung aufkeimen lassen: «Wenn es im Herbst Normalität geben soll, dann gehört zur Normalität auch ein Volksfest», sagte Bausch.

Viele Fahrgeschäfte und Betriebe sind ebenso wie die Bierzelte seit der Wiesn 2019 im Winterlager. Sie stehen nur auf dem Oktoberfest, etwa das legendäre Varieté-Theater «Schichtl» und das historische Karussell Krinoline, das sich bei Live-Blasmusik wie ein Reifrock der Damenwelt früherer Jahrhunderte schwingend dreht.

Die erneute Absage trifft wirtschaftlich nicht nur Schausteller, Wirte und Budenbesitzer, sondern auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler. Die Wiesn 2019 hatte nach Angaben der Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro.

«Es sind hunderte Millionen Euro, die die Besucher in die Kassen des Einzelhandels bringen», sagt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern. «Er ist enorm, was da dranhängt.» Die Wiesn sei «das Aushängeschild für die Welteinkaufsstadt München». «Die Wiesn spielt in einer Liga mit dem FC Bayern und mit BMW. Das sind die drei Trümpfe der Stadt.»

Söder und Reiter äußerten sich zuversichtlich, dass die Chance auf die Wiesn im nächsten Jahr besser sein werde – und dass der Ausfall nicht geschadet habe. Wenn es wieder eine Wiesn gebe, werde sofort Wiesn-Feeling zurückkehren, sagte Reiter. «Ich bin ganz sicher: Wenn die Menschen wieder feiern dürfen, dann werden sie wieder feiern.» Auch Söder sagte, die Menschen hungerten und dürsteten danach. Er warnte aber mit Blick auf mögliche neue Mutanten, man wisse noch nicht genau, was im nächsten Jahr sei. Er glaube zudem, dass «die Maske uns bleiben wird» – wenngleich nicht als Verpflichtung.

Top

Sport

DFB-Beben: Landeschefs fordern Keller-Rücktritt wegen Nazi-Vergleich

«Inakzeptabel» und «fassungslos»: Nach seinem Nazi-Vergleich wird Fritz Keller das Vertrauen der Chefs der Landes- und Regionalverbände entzogen. Der DFB-Chef erbittet Bedenkzeit, sein Aus scheint unausweichlich. Ein anderer geht als Gewinner des Machtkampfs hervor.

DFB-Pokal, Borussia Dortmund – Holstein Kiel, Halbfinale im Signal Iduna Park. Dortmunds Mateu Morey liegt verletzt auf einer Trage und wird vom Platz gebracht. Foto: dpa

Von Florian Lütticke, Ulrike John und Jan Mies
Potsdam (dpa) – Kurz nachdem Fritz Keller den DFB-Krisengipfel durch den Hinterausgang verlassen hatte, verkündeten die Landeschefs ihr vernichtendes Urteil im Skandal um den Nazi-Vergleich des Präsidenten. Keller, der zunächst schwieg, soll zurücktreten! Dem 64-Jährigen wurde von den Chefs der Landes- und Regionalverbände während der Konferenz in Potsdam das Vertrauen entzogen, wie DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann stellvertretend am Sonntagmittag verkündete.

Kellers verbale Entgleisung werde «auf das Schärfste verurteilt». Sein Rücktritt erscheint unausweichlich. Gut einen Monat vor der Europameisterschaft auch im eigenen Land hat sich die Führungskrise im Deutschen Fußball-Bund noch einmal massiv verschärft.

Im Dauer-Streit zwischen Keller und seinen Widersachern wurde dabei auch Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen. «Wir haben es respektiert, dass die Herren Keller und Curtius sich nicht sofort und unmittelbar zu diesen Entscheidungen äußern möchten und um Bedenkzeit gebeten haben», sagte Zimmermann vor den TV-Kameras. Die Entscheidung gegen Keller fiel mit 26 Ja-, neun Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen klar aus – das Votum der Landeschefs hat dabei je nach Größe des Verbands unterschiedliches Gewicht.

Schatzmeister Stephan Osnabrügge und Vizepräsident Rainer Koch, beide dem Anti-Keller-Lager zuzurechnen, sei hingegen in einer geheimen Abstimmung das Vertrauen ausgesprochen worden, sagte Zimmermann. Koch, Chef des Bayerischen Fußballverbands und früher schon mal Interimsboss beim DFB, war damit zunächst der große Gewinner im Machtkampf mit Keller.
Allerdings genießt er auch nicht uneingeschränkte Rückendeckung: Die Vertrauensfrage fiel mit 21 Ja-, 13 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen zugunsten von Koch aus.

Zudem habe sich die Versammlung gegen einen außerordentlichen Bundestag ausgesprochen, hieß es weiter. Der öffentliche Druck auf den DFB in seiner massiven Führungs- und Außendarstellungskrise war in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Der 64 Jahre alte Keller war nach einem Nazi-Vergleich in einer Präsidiumssitzung in den vergangenen Tagen in Erklärungsnot geraten. Er hatte Koch als «Freisler» bezeichnet und so mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, verglichen.

Keller hatte daraufhin Koch um Entschuldigung gebeten. Nach dpa-Informationen nahm der Vizepräsident diese aber auch in einem persönlichen Gespräch am Sonntag nicht an. Koch hörte sich die nochmals ausformulierte Entschuldigung an, aber er akzeptierte sie nicht. Die Landes- und Regionalchefs waren in ihrer Beurteilung zuvor eindeutig.

«Eine derartige Äußerung ist völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos», teilte der DFB als Ergebnis der Konferenz in Potsdam mit. «Die Regional- und Landesverbände des DFB stehen für eine demokratische, tolerante und vielfältige Gesellschaft. Die Äußerung des Präsidenten ist mit den Grundsätzen und Werten der Verbände nicht vereinbar.»

Abzuwarten bleibt, wie sich die Deutsche Fußball Liga, die Keller vor dessen Nazi-Vergleich stets gestützt hatte, positioniert. Sollte Keller zurücktreten, dürfte es wie schon 2015 nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach und 2019 nach dem Aus von Reinhard Grindel erneut eine Interimsführung geben. Bislang war geplant, dass der nächste DFB-Bundestag, der den Präsidenten wählt, erst im kommenden Jahr stattfinden soll.

Generalsekretär Curtius und Schatzmeister Osnabrügge hatten Keller für den Nazi-Vergleich öffentlich scharf kritisiert. Nach «Spiegel»-Informationen hat Curtius die Verfehlung des DFB-Bosses bei der Ethikkommission des Verbandes angezeigt. Das Ethikgremium hatte zuletzt stets darauf verwiesen, sich nicht zu laufenden Verfahren zu äußern.

Die Verbandsspitze ist schon länger zerstritten. Seit Monaten stehen sich die Lager um Keller und Curtius nahezu unversöhnlich gegenüber. Dies führte an der Basis zu großem Unmut, den zahlreiche Vertreter der Landes- und Regionalverbände vor der Sitzung in einem Protestbrief artikuliert haben.

Mit seinem Nazi-Vergleich hatte Keller ein nicht nur peinliches, sondern folgenschweres Eigentor geschossen. Schon zu seiner Zeit als Präsident des SC Freiburg war der Winzer und Gastronom für seine manchmal cholerischen Ausbrüche bekannt.

Intern hatte der DFB-Betriebsrat bereits vor der Konferenz in Potsdam in einem Schreiben, über das die «Bild am Sonntag» berichtete, kritisiert, dass der Verband ein «desaströses Bild» abgebe und «richtungsweisende Entscheidungen» gefordert: «Bei einem Neuanfang dürfen sowohl strukturelle als auch personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen werden.»

Für die Amateurvertreter und auch für DFL, die von den ständigen Negativ-Schlagzeilen ihres Frankfurter Nachbar- und Partnerverbands genervt waren, galt Keller zumindest vor der folgenschweren Präsidiumssitzung als glaubwürdige Figur für einen Neuanfang. Zumal Vorgänger Grindel unter anderem ein Uhren-Geschenk eines ukrainischen Funktionärs zum Verhängnis geworden war.

Keller, dessen Patenonkel die gestorbene Fußball-Legende Fritz Walter war, war auf Empfehlung einer Findungskommission durch die Konferenz der Regional- und Landesverbände sowie die Generalversammlung der DFL nominiert – und im September 2019 einstimmig gewählt worden. «Wer mich gewählt hat, der hat Veränderung gewählt. Mir ist wichtig, dass wir den DFB zusammen in eine erfolgreiche Zukunft führen, mit neuen Strukturen, effizient und transparent», versprach er damals.

Der Vergütungsausschuss des DFB, dessen Einrichtung Keller noch vor seiner Wahl angekündigt hatte, legte für den neuen Verbandsboss eine Bezahlung von 246 000 Euro pro Jahr fest.

Top

Feuilleton

E-Books und E-Reader:
1000 Bücher in der Tasche

Leicht und kontraststark: E-Book-Reader lassen sich
auch im hellen Sonnenlicht wie ein gedrucktes Buch lesen. Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin/Hannover (dpa) – Der Roman «Krieg und Frieden» von Leo Tolstoi hat mehr als 1500 Seiten. Ein schwerer Wälzer. Leichter wird der Roman als E-Book auf einem E-Reader. «Die Geräte sind klein, leicht und handlich», sagt Benjamin Barkmeyer von der Stiftung Warentest. «Auf einem E-Book-Reader lassen sich Tausende Bücher speichern. Dadurch fallen ganze Bücherregale weg. Auch für den Urlaub sind solche Geräte eine wunderbare Investition.»

Viele Reader sind wasserfest und haben eine eingebaute Beleuchtung, mit der sich selbst nachts ohne Lampe schmökern lässt. Die Preise starten bei rund 70 Euro. Die Schrift lässt sich beliebig vergrößern, was auch bei nachlassender Sehkraft praktisch ist. Selbst in der Sonne sind die sogenannten E-Paper-Displays der Reader noch gut lesbar.

Doch Barkmeyer weiß auch, dass viele Menschen nicht so recht von gedruckten Werken lassen wollen: «Bücher sind emotional belegt. Vielen Lesern ist die Haptik eines Buchs ohne Strom enorm wichtig.» Das zeigt sich auch in einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom: Nur knapp ein Drittel der Menschen hierzulande liest bislang E-Books.

Top

Gesundheit

Krankheit Zöliakie: Steckt Gluten hinter dem andauernden Bauchweh?

In vielen Getreidesorten steckt Gluten.      Foto: dpa

Stuttgart (dpa) – Hinter ständigen Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeitsgefühlen und Durchfällen kann eine Glutenunverträglichkeit stecken. Deshalb sollte man solche Symptome ärztlich abklären, statt sie dauerhaft mit frei verkäuflichen Medikamenten zu lindern, rät die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG).

Zöliakie ist der medizinische Fachbegriff für eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Das führe dazu, dass die Darmzotten im Dünndarm abflachen und nur noch geringe Mengen an Nährstoffen aufnehmen können, erklärt die DZG.

Neben Problemen mit Magen und Darm zählten Wachstumsstörungen, mangelnde Konzentration, Appetitlosigkeit, Mangelerscheinungen, Antriebslosigkeit sowie Migräne und Missmut zu den häufigen Symptomen einer Zöliakie. Medikamente gegen die Erkrankung gibt es nicht – doch ein Glutenverzicht lässt die Beschwerden abklingen. Aus diesem Grund ist die Diagnosestellung so wichtig. Gluten steckt unter anderem in Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste, weshalb normale Backwaren für Erkrankte laut der DZG tabu sind. Jedoch findet sich das Eiweiß auch in vielen anderen Lebensmitteln, in denen man es nicht unbedingt vermuten würde – es kann etwa in Eiscremes, Gewürzmischungen, Fruchtsäften oder Brotaufstrichen enthalten sein. Auf ihrer Website dzg-online.de hat die Fachgesellschaft Tipps zum glutenfreien Alltag aufgeschrieben. Dort findet sich außerdem eine umfangreiche Übersicht zu Lebensmitteln, die Gluten enthalten, möglicherweise enthalten oder frei davon sind.

Top

Reise

Bon Voyage: Roadtrip entlang der französischen Atlantikküste

Maritimes Flair: Leuchtturm am Quai Valin am Hafen von La Rochelle. 
                                                                         Foto: Andreas Heimann/dpa

Von Von Andreas Drouve
La Rochelle (dpa) – Ans Blau des Atlantiks drängen das Gelb der Sandbänder und das Grün der Pinien. Der Wind spielt im Dünengras. Die Bordeauxweine der Region stehen für Savoir-vivre, genauso wie die Austern aus der Bucht von Arcachon. Willkommen auf einer Tour de France durch den Südwesten des Landes – von der historischen Hafenstadt La Rochelle bis Hendaye an der Grenze zu Spanien. Ein Roadtrip in zehn abwechslungsreichen Stationen:

La Rochelle:
Hafenstimmung

Das Flair um den Alten Hafen, Vieux Port, in La Rochelle ist unvergleichlich. Auf den Terrassen der Kais kommen die Menschen zusammen. Zeugen der Geschichte umrahmen die Bilder der Gegenwart: die Türme Saint-Nicolas und Chaîne, die seit dem Spätmittelalter den Hafeneingang flankieren und den Bootsverkehr überwachten. Chaîne bedeutet Kette – mit einer solchen aus Eisen ließ sich der Hafen versperren. Dritter Turm ist der Tour de la Lanterne, erbaut als Leuchtturm und zeitweilig zweckentfremdet als Gefängnis.

Streifzüge zu Fuß führen durch die Arkaden der Altstadt, zum Markt und ins Viertel Gabut mit moderner Street Art. Für alle, die mehr Zeit haben: La Rochelle ist das Sprungbrett zur Ferieninsel Ré.

Insel Aix: Unsterbliche Erinnerung
Wasserstraße statt Asphalt: Ab Fouras schippert eine Fähre zum Inselchen Aix, Ortsfremde dürfen nicht motorisiert hinüber. Beim Anleger verbirgt sich das einzige Inseldorf hinter Festungsmauern. Die Wiesen laufen auf gleich zwei Leuchttürme zu. Häuser tragen Fensterläden in Rostrot, Blau, Türkis. Eine eigene Welt.

Im Juli 1815 wartete Napoleon auf Aix auf das Schiff in die Verbannung nach Sankt Helena, verbrachte hier also seine letzten Nächte auf französischem Boden. Untergebracht war der bei Waterloo Geschlagene im Gouverneurspalast, heute Napoleon-Museum. Dass am Giebel «in Erinnerung an unseren unsterblichen Kaiser» steht, dürften nur patriotische Franzosen verstehen.

Leihräder oder die eigenen Beine bringen einen rund um die Insel, durch Waldgürtel und zu kleinen Stränden. Von der Südspitze bis zum östlichsten Punkt sind es rund drei Kilometer, an der schmalsten Stelle schnürt sich Aix auf weniger als 300 Meter zusammen.

Lacanau: Perfekt
für Aktive

Salz- oder Süßwasser, Meeres- oder Binnenseestrand, Forstwege oder Promenaden? Die Stadt Lacanau zwischen dem Mündungstrichter der Gironde und der Bucht von Arcachon bietet all dies. Feriengemeinden wie Hourtin und Carcans-Maubuisson profitieren ebenfalls vom Nebeneinander aus Ozean, Inlandsseen, Dünen und Pinienwäldern.

Hier bieten sich eine Fülle von Sport- und Freizeitmöglichkeiten: Surfen, Kitesurfen, Wandern, Stehpaddeln, Radeln, Sonnenbaden, Schwimmen und Strandspaziergänge. Wer sich in den Atlantik stürzt, muss hier und andernorts vorsichtig sein. Tiefen und Strömungen sind unberechenbar. Zudem beträgt der Tidenhub mehrere Meter. Es ist also keine gute Idee, bei Ebbe ein Strandplätzchen mit dem Handtuch zu belegen – bei Flut kann es in den Wellen liegen.

Bordeaux: Die Wiege
des Genusses

Bordeaux liegt zwar landeinwärts, ist aber als Tor zur Küste und kosmopolitische Hauptstadt Neu-Aquitaniens nicht vom Reiseplan wegzudenken. Gelegen an Flussschleifen der Garonne, hat das einstige Burdigala der Römer seit der Jahrtausendwende die Kurve gekriegt – von einer düsteren Metropole zu einer Lichtgestalt unter Frankreichs Städten. Dort, wo vormals Lagerhallen die Ufer verstellten, ging es ans Großreinemachen. So entstanden stolze Promenaden.

Zum Facelifting gehörte die Cité du Vin, ein avantgardistisches Weinmuseum, das in Themenparcours veranschaulicht, warum man sich an den weltberühmten Bordeauxweinen gesundgestoßen hat. Eine Kostprobe ist im Eintrittspreis natürlich enthalten.

Bordeaux punktet mit Baudenkmälern wie der Kathedrale und der Basilika Saint-Michel, Märkten und Gastronomie, einem Theater und dem alternativen Kulturzentrum Darwin. Besuchsziel zum Nulltarif ist der Wasserspiegel: Auf einer riesigen, gefluteten Platte aus Granit nimmt der Börsenplatz gegenüber ein Spiegelbad, was bei Einbruch der Dunkelheit besonders stimmungsvoll ausschaut.

Zusatztipp: die Stadt per Leihbike entdecken. Radwege führen über die moderne Flussbrücke Chaban-Delmas, zum See oder zu Ausstellungen im einstigen U-Boot-Bunker. Tückisch sind allerdings die Rillen der Straßenbahnen – immer schräg anfahren.

Le Teich: Besuch
im Vogelpark

Wer einen Zoo oder ein anderweitig künstliches Areal vermutet, liegt falsch – der Vogelpark von Le Teich ist ein Naturreservat voller Feuchtgebiete östlich der Bucht von Arcachon. Besuchern stehen Unterstände und sechs Kilometer Wege offen, um Vögel in freier Wildbahn zu beobachten. 323 Arten sind dokumentiert, etwa Kormorane, Weißstörche, Blässhühner, Haubentaucher, Fisch- und Seidenreiher. Ein Teil der Spezies nistet hier, andere machen als Zugvögel Station.
Vom Herbst bis ins Frühjahr ergeben sich die besten Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung, im Hochsommer dagegen ist die Ausbeute vor den Kameras und Ferngläsern eher mager.

Arcachon: Mehr als
Austern

Die Stadt Arcachon ist eine Sache, ihre gleichnamige Bucht vor der Haustür aus Promenaden, Molen und Stränden eine andere. Dieses Bassin d‘Arcachon ist ein Meer im Kleinformat, mit schmalem Auslauf zum Atlantik. Gourmets schätzen die Produkte der Austernzucht. Touren auf Ausflugsbooten schippern an Austernparks heran und an Sandbänken vorbei. Im Hintergrund der Leuchtturm von Cap Ferret.

Zurück an Land führt der Weg ins Viertel Ville d‘Hiver (Winterstadt) mit architektonisch wertvollen Villen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Aus ferner Zeit ist ein Wunder überliefert, dem die Kirche Unserer Lieben Frau von Arcachon die Existenz verdankt. Um das Jahr 1519 sah angeblich der Prediger Thomas Illyricus vom Ufer, wie zwei Schiffe in Seenot gerieten. Er flehte Gott um Hilfe an. Darauf glätteten sich die Wogen, ein Marienbildnis wurde vor seine Füße gespült. Dies hat bis heute seinen Ehrenplatz im Heiligtum.

Düne von Pilat: Selfie über dem Meer
Der Sandgigant bei Arcachon gilt europaweit als größter Buckel seiner Art. Die Düne von Pilat ist über 100 Meter hoch, 500 Meter breit und annähernd drei Kilometer lang. Wer hinter dem Parkplatz zum Sturm auf die Gipfelzonen bläst, braucht Kondition. Es geht nur zu Fuß hinauf, am besten unbeschuht. Lohn der Aufstiegsmühen sind Panoramen, die sich zahlreicher Social-Media-Posts im Netz erfreuen: ein grünes Meer aus Pinien und das Blau des echten Meeres und der benachbarten Bucht von Arcachon. Der Sand trägt Windmaserungen und Spuren der Vorgänger. Die Luft schmeckt nach Salz und unendlicher Weite.

Biarritz: Wo der Jetset gastierte
Bescheidenheit ist Biarritz fremd. «Strand der Könige, Königin der Strände», so heißt es gerne. Einst lag hier ein windgepeitschter Flecken am Atlantik, Heimat verwegener Fischer und Walfänger. Das Stadtwappen zeigt einen Wal und ein Walfängerboot. Den Aufstieg zum Seebad verdankte Biarritz Kaiserin Eugénie und Napoleon III., die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Sommerpalais erbauten.

Fortan avancierte Biarritz zur Spielwiese der Hautevolee, bekam Chic und internationales Flair. Der Adel aus ganz Europa strömte Frankreichs Royals hinterher, Geld spielte keine Rolle.
Der Kaiserpalast ist längst ein Spitzenhotel, doch die Stadt hat auch bodenständige Seiten wie den Fischerhafen, die Surferreviere und den Leuchtturm. Nettes Familienziel ist das Aquarium. Und wie wäre es mit einer Thalassotherapie zur Entspannung? Noten historischer Architektur setzen die Kaiserkapelle und die Orthodoxe Kirche.

Kontrastreich sind die Klippen um den Jungfraufelsen, Rocher de la Vierge. Eine Eisenbrücke von Stararchitekt Gustave Eiffel führt zum Aussichtsvorsprung. Unten krachen oft Brecher gegen die Felsen und schicken die Gischt als Gruß hinauf.

Saint-Jean-de-Luz:
Pittoresker Zwischenhalt

Sandstrand, Ausgehzonen, historische Häuserzeilen, Fischkutter und Netzestapel am Hafen: Das kleine Saint-Jean-de-Luzist so etwas wie ein Konzentrat der ganzen Küstenregion. Stil hat die Fußgängerzone mit ihren edlen Boutiquen und Schuhgeschäften. Sehenswert in der Kirche Saint-Jean-Baptiste sind die hölzernen Emporen. Pittoresk wie der Hafen ist auch die Küstenstraße, die zwischen Wiesen und Steilküstenabschnitten nach Hendaye führt. Im Inland werfen sich weithin sichtbar die westlichsten Ausläufer der Pyrenäen auf.

Hendaye: Die Reise endet wild
Das neugotische Schloss, das Naturschutzgebiet Domaine d‘Abbadia über den Klippen, die Marina beim Grenzfluss Bidassoa, die Promenaden – kurz vor Spanien setzt Hendaye einen schönen Schlusspunkt der Reise. Drei Kilometer lang ist der Strand, samt Surfer- und Nudistenterrain. Nackte Tatsache ist aber auch, dass der Mittelteil des Strandes bei Flut komplett verschwindet. Typisch wilde Atlantikküste.

Top

Mode-Accessoire für Maskenträger: Voller Fokus auf den Schuh

Flache Schuhe – das ist der Schuhtrend für diesen Sommer.
Scarosso zum Beispiel hat dafür flache Loafer im Programm (225 Euro).
Foto: Scarosso/dpa

Von Andrea Abrell
Düsseldorf/Offenbach (dpa) – Das Tragen der Masken macht es Accessoires schwer. Große Ohrringe zum Beispiel sind lästig beim Auf- und Absetzen des Mund-Nasen-Schutzes. Hüte verstecken ja noch mehr vom Gesicht. Und so weiter. Aber es gibt einen modischen Gewinner: Schuhe.

Sie stören nicht, und sie sieht man weiterhin sehr gut. Vor allem wandert doch unser Blick gerade häufig weg vom unangenehm maskierten Gesicht des Gegenüber und nach unten – und damit zu den Schuhen. «Vor allem dann, wenn wir wieder vermehrt draußen unterwegs sein können, wird sich diese Tendenz verstärken», glaubt Trendexpertin Karolina Landowski von der Messe Gallery Shoes in Düsseldorf.

Schuhe haben sich auch verändert in der besonderen Zeit, in der wir leben. Schaut man sich bei den internationalen Top-Designern um, stellt man fest: Bequemlichkeit ist angesagt. «Das hat natürlich auch etwas mit der Corona-Epidemie zu tun», sagt die Schuhexpertin Landowski.
«Denn die hat es, nicht zuletzt durch das vermehrte Homeoffice mit sich gebracht, dass der lässige Casual-Stil sich auch in der Schuhmode durchgesetzt hat.»

Sommerschuhe wie Pantoffeln – schnell hineinschlüpfen
Das heißt vor allem: Die Absätze sind flach, die Schuhform bequem. Ballerinas, Slipper und Loafer sind darunter besonders angesagt. «Die aktuellen Schuhformen wirken vielfach so bequem wie Pantoffeln – und man kann auch ebenso leicht hineinschlüpfen», führt Landowski den Trend aus. Aber auch flache Sandalen mit Anleihen aus dem Trekking-Bereich finden sich vielfach in den Kollektionen, berichtet Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut in Offenbach.

In normalen Zeiten müssten wir uns fragen: Ist das nicht langweilig? Ist das nicht bieder? Nein, lautet auch in diesem ungewöhnlichen Modesommer die Antwort.

So sind die flachen Schuhe etwa in besonders leuchtenden Farben gehalten. «Flieder und Salbei werden sich sicher durchsetzen, aber auch Neonfarben, die als Elemente eingesetzt die Aufmerksamkeit auf den Schuh lenken», berichtet Trendexpertin Schulz.

Zu den angesagten Tönen der Saison zählen auch Weiß und eisige Pastelle, darunter ein kühles Rosa und ein strahlendes Hellblau, ergänzt Simone Reiner, Redakteurin beim Fachmagazin «Textilwirtschaft». «Auch Sandalen aus Vinyl in transparenter Optik und Metallics sind Vorboten dieses Trends.»

Kitten-Heels und kleine Blockabsätze – höher geht es nicht
Ein optisches Highlight bilden die fast schon kitschige Plüschsandalen und -schlappen – genau jene Modelle, die wir früher zum Abend an Omas Füßen gesehen haben. Sie werden nun neu aufgelegt, ausgerechnet von hippen Schuhlabeln.

Außerdem finden sich viele weniger schluffige Schuhformen unter den flacheren Varianten. Pumps mit Kitten-Heels und Zehensandalen, zählt Claudia Schulz auf. «Aber auch sommerliche Stiefel sind aus der Mode nicht wegzudenken.» Was zudem in der Saison nicht fehlen darf, sind Sneakers – der modische Dauerbrenner, natürlich mit bequemer Sohle.

Echte Highheels aber finden sich kaum im trendigen Handel. «Auch Schuhe mit Absatz folgen dem Ruf nach Bequemlichkeit», erklärt Claudia Schulz. «Deshalb gibt es jetzt vermehrt Modelle mit Blockabsatz oder aber Kitten-Heels, also kleine Pfennigabsätze.»

Und selbst die Slipper oder Loafer werden mit verschiedenen Absatzvarianten gestaltet, von ganz flach bis zum kleinen Blockabsatz. Damit lassen sie sich auch vielfältiger kombinieren, zur Hose gleichermaßen wie zum Kleid.

Top

Aus Allen Staaten

***************

Top

WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Große Verunsicherung»: Das schwierige Verhältnis von Mensch und Wolf

Vor fünf Jahren wurde in Deutschland der erste sogenannte Problemwolf erschossen: Kurti kam in der Lüneburger Heide Menschen zu nah. Daten zeigen: Der Mensch ist für Wölfe eine weitaus größere Gefahr. Das hat einen bestimmten Grund.

Baden-Württemberg, Bühl: Ein Wolf ist im Jagdrevier Altschweierer Wald zwischen Hundseck und Untersmatt unterwegs. Foto: dpa

Von Sonja Wurtscheid
Munster (dpa) – Kurti galt als Deutschlands erster «Problemwolf». Am 27. April 2016 wurde er im staatlichen Auftrag in Niedersachsen geschossen. Zehn Jahre früher hatte «Problembär» Bruno den Freistaat Bayern aufgemischt. Beide Tiere kamen Menschen regelmäßig zu nah. Dabei sind Wölfe für Menschen in der Regel ungefährlich. Ein gesundes Tier greife sehr selten an, schreibt das Bundesumweltministerium. Angriffe ließen sich auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation oder Futterkonditionierung. Weil Deutschland eine Kulturlandschaft und Tollwut-frei ist, sei die wahrscheinlichste Ursache die Gewöhnung an den Menschen verbunden mit positiven Reizen wie Füttern.

Auch im Fall von Kurti wurde das vermutet: Womöglich sei er als Jungtier angefüttert worden und habe die Scheu vor Menschen verloren, sagte Niedersachsens Umweltminister damals. Kurti musste ferngehalten werden von Dörfern und aufhören, Leute zu verfolgen. Doch selbst ein eigens engagierter Wolfsexperte aus Schweden konnte «MT6», so Kurtis offizielle Kennung, nicht dauerhaft vertreiben. Der Abschuss wurde beschlossen. Die Diskussion über Wölfe dauert an.

WO LEBEN WÖLFE IN DEUTSCHLAND?
Wölfe sind streng geschützt und kommen in Deutschland vor allem in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vor. 128 Rudel zählt der Naturschutzbund (Nabu) bis vorigen Oktober bundesweit. Als Rudel gelten zwei ausgewachsene Tiere mit Nachwuchs. In Deutschland leben außerdem 35 Wolfspaare und 10 Einzeltiere.

Dabei waren Wölfe lange ausgerottet. Erst im Jahr 2000 wurden die ersten Welpen in Freiheit geboren – auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz, wie der Nabu schreibt. Seitdem erobern sich die Wölfe langsam alte Lebensräume zurück.


ZERSCHNITTENE LEBENSRÄUME – TOD AUF DEM ASPHALT
Doch die Lebensräume, die Wälder, sind häufig durchschnitten von Straßen. Der Mensch ist ein Problem für den Wolf, die meisten Tiere sterben auf dem Asphalt – zuletzt 78 Prozent: Von 126 toten Wölfen kamen im vergangenen Monitoringjahr (1. Mai 2019 bis 30. April 2020) 98 Tiere im Straßenverkehr um, wie die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in ihrem jährlichen Bericht schreibt.


Bis 18. April dieses Jahres wurden 50 tote Wölfe gefunden. 37 davon wurden überfahren – jüngst ein Welpe im niedersächsischen Landkreis Verden. Zwar werde nicht jeder tote Wolf gefunden, merkt die Landesjägerschaft Niedersachsen an. Ein krankes Tier etwa ziehe sich zum Sterben zurück. Dennoch: Geht man von den erfassten Totfunden aus, ist der Straßenverkehr die mit Abstand größte Gefahr für Wölfe.


WAS TUN, WENN EINEM EIN WOLF BEGEGNET?
In Niedersachsen folgte ein Wolf jüngst einer Spaziergängerin. Die Frau filmte die Begegnung. Wie reagiert man, wenn ein Wolf auftaucht? «Machen Sie sich bemerkbar durch reden, rufen oder in-die-Hände-Klatschen», schreibt das niedersächsische Umweltministerium. «Entfernen Sie sich dabei langsam und ruhig, immer mit dem Gesicht zum Wolf. Laufen Sie nicht weg.» Folgt das Tier einem weiter, könne man es mit dem Werfen von Steinen und Stöcken oder mit Pfefferspray vertreiben.

Eine Begegnung wie die der Spaziergängerin zeige: «Wölfe sind keine Kuscheltiere.» Es sind Raubtiere, deren natürliches Verhalten bei Laien «große Verunsicherung auslösen und in solchen, für die Betroffenen äußerst unangenehmen Situationen resultieren kann». Gerade junge Wölfe seien oft noch nicht scheu und mitunter dreist.

WIE SICHER SIND NUTZTIERE VOR WÖLFEN?
Mit zunehmender Ausbreitung des Wolfs nimmt laut DBBW die Zahl der Risse zu. Allerdings: Die meisten Übergriffe passierten dort, wo Wölfe neue Reviere erobern und Tierhalter noch nicht auf sie eingestellt sind. Sind die Herden fachgerecht geschützt, gehe in der Regel auch die Zahl der Risse zurück.

Von den 2894 toten, verletzten oder vermissten Nutztieren waren im vergangenen Monitoringjahr 88 Prozent Schafe und Ziegen, 7 Prozent Wild (im Gehege), 4 Prozent Rinder und 1 Prozent andere Tiere. Die meisten Schäden gab es in Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg.

Verliert jemand sein Vieh durch einen Wolf, kann er mit Ausgleichszahlungen rechnen. 418 000 Euro wurden Tierhaltern laut DBBW 2019 gezahlt. Weit mehr, nämlich acht Millionen Euro, erhielten Tierhalter für Schutzmaßnahmen. Diese staatlichen Zuschüsse stehen nicht nur hauptberuflichen Tierhaltern zu. Auch Hobbyhalter haben in den meisten Ländern mit Wolfsbestand Anspruch darauf.

WAS TUN BEI EINEM UNFALL MIT EINEM WOLF?
Der Tierschutzorganisation WWF rät Autofahrern bei einem Unfall mit einem Wolf, den Notruf zu wählen. «Wie bei Unfällen mit Reh oder Wildschwein gilt auch beim Wolf: Im Fall eines Zusammenstoßes sollte auf jeden Fall die Polizei kontaktiert werden. Das gilt auch, wenn das Tier noch lebt und sich vom Unfallort wieder entfernt», sagte der Experte für Wildtiere in Deutschland, Moritz Klose.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

sogenannte – co-called
erschossen – shot
im Auftrag – on the instruction
aufgemischt – stirred up
in der Regel – as a rule
Ursachen – causes
Tollwut – rabies
Reizen – attraction
Scheu – awe
verfolgen – pursue
vertreiben – chase away
Rudel – packs
ausgewachsene – fully grown
Nachwuchs – offspring
ausgerottet – exterminated
Truppenübungsplatz – military exercise field
zerschnittene – fragmented
kamen um – died
überfahren – run over
erfassten – comprehend
begegnet – run into
auftaucht – pops up
Kuscheltiere – cuddly animals
Raubtiere – predators
Laien – amateurs
mitunter – now and then
dreist – brazen
Risse – attacks
Übergriffe – violence
Reviere – territory
Tierhalter – pet & livestock owners
fachgerecht – expertly
Schafe – sheep
Ziegen – goats
im Gehege – in enclosures
Vieh – cattle
Ausgleichszahlungen – compensation
Schutzmaßnahmen – protective measures
Zuschüsse – subsidies
hauptberuflichen – full time
Anspruch darauf – lay claim to
Zusammenstoßes – collisions
Unfallort – accident site

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*