09. Januar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

2021 versus 1921 – 100 Jahre Deutschland

Vor genau 100 Jahren kam ein berühmter Film von Charlie Chaplin ins Kino. Deutschland bekam einen neuen Nationalfeiertag. Und die Lebensmittelläden waren weit weniger gut gefüllt als heute die Supermärkte.

ARCHIV – 06.02.1919, Thüringen, Weimar: Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert. Höhepunkt ist ein Festakt der Bundesrepublik am 6. Februar in Weimar. Im Jahr 1921 wurde erstmals am 11. August der Nationalfeiertag begangen – der Verfassungstag. Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – Neunzehnhunderteinundzwanzig, in Ziffern 1921: Vor 100 Jahren war der Erste Weltkrieg etwas mehr als zwei Jahre vorbei, die Republik war gegründet. Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus standen den Menschen noch bevor. Auch die Goldenen Zwanziger waren noch nicht da, denn damit sind eigentlich nur die Jahre des Wirtschaftsaufschwungs 1924 bis 1929 gemeint. 100 Jahre später, im Jahr 2021, steckt Deutschland wieder in einer schwierigen Phase. Die Corona-Pandemie zeitigt viele Folgen. Doch ein Vergleich kann unsere heutigen Probleme einordnen.

2021 und 1921 in einigen Punkten:
ZEITGEIST und VIRUS: Heute moralisieren viele und glauben, alles äußern zu müssen. In den sozialen Netzwerken geben Leute ihren Mitmenschen Haltungsnoten, ärgern sich entweder über zu viel Lockerheit oder aber zu viel Strenge im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Das war vor 100 Jahren noch unmöglich. Die Spanische Grippe 1918 bis 1920 war kein großes Thema im Alltag, auch wenn in Deutschland etwa 300 000 Menschen daran starben, weltweit 25 bis 40 Millionen. Die Deutschen sprachen auch 1921 noch eher über die Kriegsfolgen und den Friedensvertrag von Versailles als über die Pandemie. In der Presse stand wenig über die Spanische Grippe. Die Regierungen hatten verboten, darüber zu informieren, mit der Begründung, dass das die Moral der Bevölkerung schwächen würde. Das einzige Land, in dem groß berichtet wurde, war das neutrale Spanien. So kam es auch zum Namen Spanische Grippe und dem Eindruck im Ausland, die Iberische Halbinsel sei viel stärker betroffen.

LEBENSERWARTUNG: Werte für die Lebenserwartung werden in der amtlichen Statistik auf Basis von Sterbetafeln nicht für Einzeljahre, sondern für Mehrjahreszeiträume berechnet. Eine Sterbetafel, die das Jahr 1921 einschließt, liegt dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden nicht vor. Nach den Ergebnissen der nächstvorliegenden Sterbetafel für 1924/1926 hatten Männer damals eine Lebenserwartung bei Geburt von 56 Jahren und Frauen von knapp 59 Jahren. Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2017/2019 betragen diese Werte mittlerweile fast 79 (Männer) beziehungsweise 83 Jahre (Frauen).

ESSEN: Heute sind die Supermärkte und Discounter bekanntlich voll, jedes Jahr kommen Tausende neue Produkte auf den Markt. In der Broschüre «Zeitreise durch die Ernährung» des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heißt es zu der Zeit um 1920: «In den ersten Jahren nach dem Krieg herrscht ein chronischer Mangel an Grundnahrungsmitteln. Wie zu Kriegszeiten fahren die Stadtbewohner aufs Land, um dort Wertgegenstände gegen Nahrungsmittel zu tauschen.» Oberstes Ziel der Ernährung sei das Sattwerden und weniger die Ausgewogenheit gewesen. «Kartoffeln und Rüben stehen ganz oben auf dem Speiseplan.» Butter, Obst, Südfrüchte waren damals Mangelware. Statt Butter gibt es mehr Brot und billiges Schmalz oder Margarine.

HAUSHALTSGRÖßE: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hatte ein Haushalt in der Bundesrepublik zuletzt (2019) durchschnittlich 1,99 Haushaltsmitglieder. Nach alten Statistiken für das «Reichsgebiet» waren es vor hundert Jahren gut doppelt so viele.

NATIONALFEIERTAG: Seit der Wiedervereinigung 1990 ist der 3. Oktober der deutsche Nationalfeiertag. Im Jahr 1921 wurde erstmals am 11. August der Nationalfeiertag begangen – der Verfassungstag. Er blieb es bis 1932. Die Nazis schafften ihn ab. Der Verfassungstag wurde auf Initiative der SPD, der linksliberalen DDP und der katholischen Partei Zentrum eingeführt. Am 11. August 1919 hatte Reichspräsident Friedrich Ebert die in Weimar erarbeitete Verfassung des Deutschen Reiches unterschrieben. Gleichzeitig wurde 1919 auch die schwarz-weiß-rote Flagge durch die Farben Schwarz-Rot-Gold ersetzt.

FILM: Streamingdienste und Mediatheken machen heute jedem, der möchte, unzählige Spielfilme und andere Bewegtbildangebote zu Hause zugänglich. Vor 100 Jahren waren Film und Kino noch etwas Besonderes. 2021 sind wegen Corona viele Kinostarts unsicher, unter anderem aber soll ein neuer James Bond anlaufen («007: Keine Zeit zu sterben») und die Komödie «Der Boandlkramer und die ewige Liebe» mit Michael Herbig und Hape Kerkeling. Vor 100 Jahren war noch Stummfilmzeit. In Amerika startete unter anderem «The Kid» (Der Vagabund und das Kind) von Charlie Chaplin, in Deutschland kam das Werk erst 1923 ins Kino. Dafür feierten hierzulande unter anderem der Fantasyfilm «Der müde Tod» von Fritz Lang, das Melodram «Sehnsucht» von Friedrich Wilhelm Murnau und der Bergfilm «Die Geierwally» mit Henny Porten Premiere.

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Sport

Deutsche Rodler in WM-Form – Seriensieger Felix Loch «im Rausch»

Stammplatz Podest: Das deutsche Rodelteam räumt auf der WM-Bahn am Königssee richtig ab und dominiert in allen Wettbewerben.

Die deutsche Rennrodlerin Julia Taubitz startet auf der Kunsteisbahn am Königssee. Foto: dpa

Von Morten Ritter
Schönau am Königssee (dpa) – Bundestrainer Norbert Loch war nach dem perfekten Jahresauftakt der Rodler mit deutschen Siegen in allen Wettbewerben hochzufrieden. «Das geht richtig gut los. Unser Team hat sich sehr gut verkauft», sagte der 58-Jährige nach dem deutschen Triumph am Wochenende beim Weltcup auf der Bahn am Königssee, wo in vier Wochen die Weltmeisterschaft stattfindet. Nach dem Sieg bei den Männern und den Doppelsitzern glänzten auch die Rodlerinnen mit einem Doppelerfolg von Julia Taubitz (Oberwiesenthal) vor Rückkehrerin Natalie Geisenberger (Miesbach), die zum fünften Mal auf Rang zwei kam. Lediglich in der Team-Staffel reichte es nicht zum Sieg. Österreich gewann den Wettbewerb vor Deuschland und Russland.

«Besser hätte ich mir den Start nicht vorstellen können. Das gibt Selbstbewusstsein für die WM», sagte Taubitz nach ihrem souveränen Erfolg. Mit vier Rodlerinnen unter den fünf Bestplatzierten dominierten die deutschen Frauen den Wettbewerb. Doppel-Olympiasiegerin Geisenberger wartet damit weiterhin auf ihren 50. Weltcupsieg. «Langsam ist es ein bisschen ärgerlich, dass es nicht zum ersten Platz reicht. Aber der Abstand ist einfach noch zu groß und mit der Konstanz bin ich schon zufrieden», sagte die 32-Jährige.

Aushängeschild der deutschen Rodler war einmal mehr Felix Loch, der im fünften Weltcuprennen den fünften Sieg landete. «Das war eine perfekte WM-Generalprobe», sagte Loch, der am Samstag vor Weltmeister Roman Repilow (Russland) und seinem Teamkameraden Johannes Ludwig (Oberhof) siegte. Die Konkurrenz ist derzeit gegen den deutschen Vorzeige-Rodler chancenlos. «Felix fährt sich derzeit in einen richtigen Rausch. Da wird es schon schwer, ihn zu schlagen. Wir müssen auf Fehler von ihm warten und dann zuschlagen», sagte Ludwig, der im Gesamtklassement bei den Männern auf Platz zwei liegt.

Mit dem zweiten Doppelerfolg in dieser Saison haben auch die deutschen Doppelsitzer ihre Ansprüche unterstrichen. Auf der WM-Bahn gewannen die Weltmeister Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) vor den Olympiasiegern Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee). «Das war ein guter Test für die Weltmeisterschaft. Die Bahn ist sensationell gut. Wenn man hier gewinnt, geht man mit mehr Selbstvertrauen in die WM», sagte Eggert.

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Feuilleton

Christbaumschmuck aus dem Riesengebirge nun Unesco-Kulturerbe

Diese Ornamente aus Glas werden seit mehr als
hundert Jahren von Hand gefertigt. Foto: P. Radek/dpa

Prag (dpa) – Kurz vor Weihnachten ist eine besondere Form des Christbaumschmucks aus dem Riesengebirge in die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden. Das teilte das tschechische Kulturministerium mit.

Es handelt sich demnach um Schmuck aus handgeblasenen Glasperlen, die an einer Schnur gereiht sind. In der Gemeinde Ponikla, rund 30 Kilometer östlich von Liberec (Reichenberg), werden solche Ornamente seit mehr als hundert Jahren von Hand gefertigt. Bei den Kunden besonders beliebt sind bis heute traditionelle Formen wie Sterne.

Die Eintragung gelang nach einer abgelehnten Bewerbung vor zwei Jahren nun im zweiten Anlauf. «Wir haben ungeduldig auf die Entscheidung gewartet», sagte der tschechische Kulturminister Lubomir Zaoralek. Er sei sehr froh darüber, dass es gelinge, diesen alten und einzigartigen Herstellungsprozess am Leben zu halten. Die Bewerbung erfolgte federführend durch das Museum des Böhmischen Paradieses in Turnov (Turnau). Für Tschechien ist es der siebte Eintrag auf der Liste des repräsentativen immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

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Gesundheit

Das Jahr der Virologen

Die Bildkombo zeigt Christian Drosten (lr), Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, Jonas Schmidt-Chanasit, Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hendrik Streeck, Direktor am Institut für Virologie im Universitätsklinikum Bonn, und Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.     Foto: dpa

Berlin (dpa) – Wahrscheinlich gibt es demnächst irgendwann eine Fernsehserie mit einem Virologen als Helden. Ein schlaksiger Doktor, die Haare ein wenig struppig, das Gesicht übernächtigt, die Kleidung zerknittert. Wenn er von Reportern interviewt wird, wirkt er einen Tick ungeduldig, so als müsste er eigentlich schon wieder bei der Arbeit sein. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen wäre rein zufällig.
Virologe mit sieben Buchstaben – vor einem Jahr hätte man da passen müssen, jetzt ist es eigentlich zu einfach. Drosten, Christian Drosten, ist der Aufsteiger des Jahres, und in seinem Gefolge viele andere Virologen. Hendrik Streeck, Jonas Schmidt-Chanasit, Melanie Brinkmann zum Beispiel. Ihre Prominenz kommt so unvorhergesehen wie die ganze Pandemie. In der Corona-Krise sind sie die Superhelden, die das Monster niederringen müssen: In dem Video der Berliner Punkband ZSK zu ihrem Song «Ich habe Besseres zu tun» tötet Christian Drosten Corona-Erreger nur mit seinen Blicken.

Auch bei Twitter wurde Drosten im Corona-Jahr zum Star. Der Virologe hat in dem sozialen Netzwerk 2020 deutschlandweit das größte Wachstum an Followern verzeichnet, wie der Jahresrückblick des US-Unternehmens für Deutschland gerade erst zeigte. Und der Hashtag #corona belegte Platz eins der Liste am häufigsten verwendeter Schlagwörter bei Twitter.

Zuweilen wird gar von einer Herrschaft der Virologen gesprochen – schließlich behaupten Politiker mitunter, sie würden nur ausführen, was die Experten ihnen vorgäben. Der Soziologe Armin Nassehi von der Universität München – der selbst immer wieder von Bundespolitikern um Rat gefragt wird – glaubt das allerdings nicht: «Es gibt keine Herrschaft von Wissenschaftlern. Wissenschaftler stellen Forschungsergebnisse zur Verfügung, aber die Politik muss das in Entscheidungen umsetzen.»

Das geschehe nie eins zu eins, schon deshalb nicht, weil die Erkenntnisse und Empfehlungen der Wissenschaftler selten eindeutig seien. «Schon die einzelnen Virologen ziehen ja oft sehr unterschiedliche Schlüsse», sagt Nassehi. «Und dann werden ja nicht nur sie gefragt, sondern auch Psychologen, Pädagogen, Juristen, Sozialwissenschaftler…»

Die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Katja Becker, würde sich wünschen, dass zumindest die Virologen öfter mit einer Stimme sprächen. «Wenn Sie zehn Virologen eine Frage stellen, erhalten Sie unter Umständen mehrere verschiedene Antworten.» Das sei einerseits zwar verständlich, denn jeder habe seinen eigenen Erfahrungshorizont. Zielführender wäre aber gerade in der aktuellen Pandemiesituation, wenn die Wissenschaftler zunächst untereinander diskutieren und sich dann möglichst auf eine gemeinsame Linie einigen würden. «Das wird aktuell leider zu selten getan», bedauert Becker.

Christian Drosten hält schon seit Anfang des Jahres die Pole-Position unter den Pandemie-Erklärern. Sein «Coronavirus-Update» hatte allein bis zur Sommerpause mehr als 60 Millionen Abrufe und wurde mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Daraus dürfe man allerdings nicht schlussfolgern, dass Millionen Drosten-Hörer den Ehrgeiz hätten, das Corona-Thema wirklich zu durchdringen, schränkt der Medienpsychologe Frank Schwab von der Universität Würzburg ein.

«Aus der Nachrichtenforschung wissen wir, dass die Leute die Tagesschau nicht unbedingt einschalten, um sich zu informieren. Die meisten können kurz nach dem Ende der Sendung weniger als 20 Prozent der Meldungen wiedergeben.» Das Nachrichtenschauen habe eher die Funktion eines Screenings: Ist noch alles in Ordnung? Viele Menschen mögen es auch, den Abend mit Marietta Slomka oder Ingo Zamperoni abzuschließen – sie sind für sie wie gute Nachbarn, die man zu kennen glaubt. Die Medienforschung bezeichnet das als «parasoziale Beziehung». «Und das ist bei Herrn Drosten vermutlich ähnlich», sagt Schwab.

Eine Kölner Medizinerin – die lieber nicht namentlich genannt werden will – ist wochenlang mit dem Drosten-Podcast eingeschlafen, weil sie seine Stimme so angenehm und beruhigend findet. Der Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar ist überzeugt: «Christian macht das super, aber er ist absolut nicht verständlich. Ich glaube eher, dass er für die meisten Menschen die Funktion eines Flugkapitäns hat: Der klingt auch bei Turbulenzen noch so, als ob er alles im Griff hat.»

Kann man aber zumindest davon ausgehen, dass die Wissenschaft im Corona-Jahr 2020 einen Ansehenszuwachs verbucht hat? «Auf der einen Seite gibt es schon eine große Achtung vor der unfassbaren Leistung, in so kurzer Zeit Impfstoffe zu entwickeln», bestätigt der Soziologe Nassehi. «Auf der anderen Seite erleben wir aber auch Wut und Unverständnis, etwa darüber, dass sich die Wissenschaft permanent selbst korrigiert.»

Manche Virologen, die heute die Maskenpflicht verteidigen, äußerten sich vor einem halben Jahr noch skeptisch dazu. «Was aber eben daran liegt, dass sie heute mehr wissen als damals. Aber für die Öffentlichkeit ist das unheimlich schwer. Das Publikum denkt: „Was sollen wir damit anfangen? Einmal sagen sie dies, einmal jenes.“» So kommen in diesem Jahr Hochachtung und Enttäuschung zusammen. Aber das sei unvermeidbar, meint Nassehi, «denn das gehört zur Arbeitsweise von Wissenschaft: permanente Selbstkorrektur und Weiterentwicklung.»

Wollen kleine Kinder jetzt Virologen werden? DFG-Präsidentin Becker kann sich das durchaus vorstellen. «Das wäre ein schöner Effekt. Ich glaube, dass gerade von der biomedizinischen Forschung eine enorme Faszination ausgeht.» 

Ranga Yogeshwar schränkt allerdings ein, dass es immer wieder Phasen gegeben habe, in denen die Wissenschaft besonders gefragt gewesen sei – ein Beispiel dafür sei die Atomkatastrophe von Fukushima vor fast zehn Jahren. Damals wurde auch er als Experte durch die Talkshows gereicht: «Heute erinnert sich niemand mehr daran.»

Yogeshwar rechnet damit, dass die Menschen die Pandemie möglichst schnell verdrängen werden, wenn sie erst einmal überstanden ist. «Dann wird man bestimmte Namen und Gesichter mit dieser schlimmen Zeit assoziieren, und schlechte Zeiten will man vergessen.»

Der Medienprofi Yogeshwar hat Christian Drosten deshalb schon im Frühjahr vorgewarnt. «Ich habe zu Christian gesagt: Jetzt wirst du gefeiert, am Ende wirst du verbrannt.» Dieser habe ihn daraufhin ein bisschen verdutzt angesehen. «Aber ich glaube, inzwischen weiß er genau, was ich gemeint habe.»

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Reise

Kanadas Nationalparks: Sommer-Reservierungen erst ab April

Der Moraine Lake im Banff-Nationalpark in der Provinz Alberta, Kanada. Foto: dpa
                

Ottawa (dpa) – Sommer-Reservierungen für die Nationalparks in Kanada sind 2021 erst vom April an möglich – und nicht bereits im Januar. Erst ab April ließen sich Aufenthalte und Touren in der Zeit von Mai 2021 bis März 2022 reservieren, informiertKanadas Parkbehörde. Durch die Verschiebung bekommen Reisende mehr Zeit, die Corona-Maßnahmen abzuwägen, so Parks Canada. Außerdem könnten auf diese Weise mögliche Stornierungen vermieden werden. Übernachtungen, touristische Führungen und andere Services für 38 kanadische Nationalparks, historische Stätten und Meeresschutzgebiete lassen sich online reservieren. Dadurch haben Reisende einen Platz garantiert. In den Sommermonaten wird es in vielen Parks sehr voll.

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Echte Kostbarkeit: Warum reines Parfüm so teuer ist

900 Milliliter reinen Parfüms kosten mitunter 6000 Euro. Ein stolzer Preis. Damit man besonders lange etwas davon hat, tupft man es auch nur auf und sprüht nicht. Und es gibt noch mehr Geheimnisse.

Echte Parfüms sind eine Rarität und sehr teuer. Sie werden in der
Regel von Parfümeueren hergestellt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Von Andrea Abrell
Berlin (dpa) – Geburtstag der Partnerin: Was läge da näher, als einem geliebten Menschen ein ganz besonderes Geschenk zu machen: ein echtes Parfüm. Allerdings gibt es vor dem Kauf ein paar Dinge zu beachten, damit die duftende Überraschung auch gelingt.

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass reines Parfüm sich nicht allein über die Duftkonzentration definiert. «Vielmehr beinhaltet ein reines Parfüm die gesamte kreative Idee des Duftdesigners», erklärt Marc vom Ende. Er muss es wissen, immerhin ist er einer der wenigen Parfümeure in Deutschland.

Tatsächlich ist es so, dass «die Herz-, Kopf- und Basisnote in einem reinen Parfüm komplett erhalten ist», ergänzt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbands der Parfümerien. Dazu muss man wissen: «In der klassischen Parfümlehre benutzt man das reine Parfüm als Grundlage. Ein Eau de Parfum oder Eau de Toilette dagegen ist dort lediglich eine Ergänzung, wenn beispielsweise die Kopfnote verfliegt», erklärt vom Ende.

Parfüm als Geschenk
Aber wie findet man nun das passende Parfüm als Geschenk? Ins Badezimmer zu gehen und zu schauen, was die Beschenkte als Duft dort stehen hat, sei die einfachste Methode, meint Keldenich. Wer jedoch ein neues Parfüm verschenken möchte, müsse ganz detektivisch Anhaltspunkte sammeln.

Eine Bodylotion mit Kokosduft bringe dabei ebenso auf die richtige Spur wie eine Leidenschaft für Vanilleeis oder eine Vorliebe für Basilikum beim Essen, sagt Keldenich. «Denn das deutet auf ein Faible für krautige Düfte hin.»

Beratung beim Kauf des neuen Dufts
«Das A und O beim Kauf eines echten Parfüms ist aber eine fachkundige Beratung», sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer beim VKE-Kosmetikverband in Berlin. «Die findet man vielfach nicht in großen Ketten, die mehr auf das Basissortiment aus Eau de Parfum und Eau de Toilette ausgerichtet sind.»

Stattdessen verweist Ruppmann auf kleine, spezialisierte Parfümerien wie etwa Harry Lehmann in Berlin. Der kleine Laden für individuelle Parfüms existiert bereits seit 1926.

Doch nicht nur nach einer geeigneten Parfümerie muss man ein wenig suchen. «Es gibt heute auch nicht mehr so viele Hersteller, die reine Parfüms produzieren», weiß Keldenich. «Auf Anhieb fallen mir da Chanel und Guerlain ein. Von Armani gibt es zudem die Kollektion Privée.»

Chanel dagegen bietet nahezu alle Düfte auch in der Parfüm-Variante an – zu teilweise stolzen Preisen: So kosten 900 Milliliter des Dufts Mademoiselle als «Parfum Les Grandes Extraits» mal eben 6000 Euro. Allerdings ist diese Variante auch streng limitiert.

Tupfen, nicht sprühen
Wie auch andere echte Parfüms, wird dieses Sammlerstück mit einem Glasstopfen geliefert. Denn ein reines Parfüm tupft man und sprüht es nicht. Das liege daran, dass hier tatsächlich nur wenige Tropfen für ein intensives Dufterlebnis genügen, sagt vom Ende.

Bei der Exklusivität eines reinen Parfüms ist es nicht verwunderlich, dass auch allerlei Fälschungen im Umlauf sind. Davor könne man sich allerdings schützen, indem man das Luxusgeschenk im autorisierten Fachhandel kaufe, meint Keldenich. Das gelte auch, wenn man über die Homepage einer Parfümerie einkaufe. Er erklärt: «Hochwertige Parfüms dürfen nur an Fachgeschäfte geliefert werden, die auch Beratung bieten.»

Darüber hinaus schütze auch ein Blick auf den «Beipackzettel» vor unschönen Überraschungen, wie Ruppmann ergänzt. «Auch reines Parfüm unterliegt der Kosmetik-Verordnung. Deshalb müssen alle Ingredienzen transparent gemacht werden – übrigens gut lesbar und nicht in einer Minischrift.»

Wer seinem Duft-Geschenk eine ganz besondere Note geben möchte, entscheidet sich für ein sogenanntes Tailor-Made-Parfüm. Hinter diesem Begriff verbergen sich Duft-Kostbarkeiten, die es nicht fertig zu kaufen gibt. Stattdessen werden die Ingredienzen nach den Vorlieben der Trägerin gemischt – wobei wir wieder bei der detektivischen Forschungsarbeit wären.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language.

Schnipp, schnapp, Haare ab: Selber schneiden im Lockdown

Die Friseure sind geschlossen, doch die Haare wachsen trotzdem: Wer seine Corona-Matte satt hat, greift selbst zur Schere oder lässt andere schneiden. Anleitungen gibt es genug. Die Ergebnisse lassen allerdings manchmal Wünsche offen.

Joshua Otto, ein Tischler in der Ausbildung, schneidet sich im Lockdown die Haare selber. Er nutzt dazu einen Staubsauger mit Abstandhalter, um die Haare alle gleich lang zu schneiden. Der Industriestaubsauger ist zwar laut, aber man muss hinterher nicht kehren. So kann er das sogar in seinem Zimmer auf der Couch machen. Foto: dpa

Von Anja Sokolow
Berlin/Duisburg (dpa) – Ordentlich frisiert Weihnachten feiern oder ins neue Jahr kommen – dieser Wunsch wird nicht allen vergönnt sein, denn bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Friseure geschlossen. Diese appellieren zwar an die Geduld, doch nicht jeder will warten, bis die «Corona-Matte» oder der Bart unansehnlich werden. Und Not macht bekanntlich erfinderisch. So manch einer greift inzwischen selbst zu Schere, Rasierer und Farbe. Anleitungen gibt es auf Youtube, Instagram und Co. jede Menge – und gleichzeitig auch genügend Zeugnisse von mehr oder weniger Selbstversuchen.

Ganz klassisch zeigt zum Beispiel Friseur-Weltmeisterin Sonja Fischer, wie man Corona-Nothaarschnitte für Männer selbst meistert. Bloggerin und Haarschneide-Autodidaktin Patricia Wons veröffentlichte in der ersten Corona-Welle im März eine Anleitung für einen Jungen/Männer-Haarschnitt. «Ich bekomme viele Rückmeldungen. Bei vielen klappt es, bei manchen auch nicht», so die Duisburgerin. Tipps, wie man Pony, Spliss oder Locken schneidet, gibt es seit Corona zum Beispiel auf den Seiten einer Drogeriekette. Tutorials bieten auch Hersteller von Haarschneidegeräten.

Äußerst kreativ ist die Anleitung vom sogenannten Heimwerkerking und Youtuber Fynn Kliemann: Bei ihm werden die Haare mit einem Staubsauger angesaugt und einer Schablone geschnitten. Joshua Otto aus Berlin hat es nachgemacht und ist begeistert: «So bekommt man gut alle Haare auf eine Länge, nichts juckt oder kratzt

Der 25-Jährige hat sich bereits mehrmals so die Haare geschnitten und will auch gar keinen Profi mehr ranlassen. Er habe absolut keine Lust, mit einer Maske beim Friseur zu sitzen, sagt er. Und außerdem lasse sich viel Geld sparen. Die neue Frisur sei zwar chaotisch, passe aber viel besser zu seinem Typ, als die früher geschniegelten Haare, sagt der ehemalige BWL-Student, der jetzt Tischler lernt. Seine Freunde seien begeistert. Seine Mutter habe die Frisur nur mit «Oh Gott!» kommentiert, so Otto.

Die Berliner Friseur-Innung sieht Selfmade-Frisuren kritisch: «Das finden wir als Branche nicht toll. Es ist Umsatz, der Betrieben vorenthalten wird», sagt Geschäftsführer Markus Feix. «Und es ist auch die Frage, ob man hinterher so aussieht, wie man aussehen will», ergänzt er.

Das hat auch Beatrice Hübschmann schon oft erlebt. «Mal gelingt es, mal nicht. Ich sah schon aus wie ein Trottel. Aber Haare wachsen ja nach und es gibt Mützen», sagt die Berlinerin, die Videos ihrer Versuche auf Instagram und Tiktok zeigt. In den vergangenen Monaten habe sie ihre Schnitt- und Färbetechnik aber verbessert. «Seit Corona bin ich mein eigener Friseur», erklärt Hübschmann jetzt.

Dass der Trend zum Selberschneiden Existenzen zerstöre, glaubt sie nicht. «Das Bäckerhandwerk stirbt ja auch nicht aus, nur weil einige Leute ihr eigenes Brot backen. Zum Haareschneiden braucht man Mut, und den bringen die meisten nicht auf», ist sie überzeugt.

In der ersten Corona-Welle, als die Friseure in Deutschland sechs Wochen zwangsweise geschlossen hatten, hat immerhin jeder siebte Bundesbürger sich selbst die Haare geschnitten (14 Prozent), wie damals eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Weitere 11 Prozent suchten Hilfe und ließen sich die Haare von jemand anderem schneiden.

«Ich wäre da vorsichtig. Friseure haben ihren Beruf nicht umsonst gelernt. Allerdings gibt es ja nichts, was man auch nicht mit Youtube lernen kann», sagt Stilexperte und Buchautor Bernhard Roetzel («Der Gentleman»). Ein einmonatiger Lockdown sei allerdings auch noch kein Zusammenbruch der Zivilisation. «Haare wachsen langsam, nur etwa zwölf Zentimeter im Jahr», erklärt er. Roetzel verweist auch auf Bartträger, die nun wieder Wildwuchs im Gesicht fürchten müssen, wenn sie es gewohnt waren, sich den Bart vom Barbier stutzen zu lassen.

Allerdings scheint es auch hier zunehmend Männer zu geben, die nun selbst zu Schere und Rasierer greifen, zumindest stieg der Absatz für Geräte. «Mit Blick auf das Jahr 2020 lässt sich festhalten, dass das Haartrimmer- und (Bart-)Styling-Produktsegment einen Anstieg erfahren hat, was sich sicherlich auf die aktuelle Situation zurückführen lässt», berichtet etwa Nina Knecht von Procter & Gamble.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

satt – fed up with
greift – grabs
Anleitungen – how-to’s
Ergebnisse – results
vergönnt – granted to
appellieren – appeal
Geduld – patience
unansehnlich – unsightly
erfinderisch – inventive
Zeugnisse – ratings
gelungenen – successful
Meistert – masters
Rückmeldungen – feedback
klappt es – it works
Spliss – split ends
Drogeriekette – drug store chain
Hersteller – producers
Haarschneidegeräten – hair cutting tools
Heimwerkerking – DIY-king
Staubsauger – vacuum cleaner
angesaugt – sucked in
Schablone – stencil
es nachgemacht – copied it
juckt – itches
kratzt – scratches
geschniegelten – spruced up
BWL = Betriebswirtschaftlehre – business major
Tischler – carpentry
Umsatz – sales
vorenthalten – holding back
hinterher – afterwards
ergänzt – concluded
erlebt – experienced
Trottel – idiot
zerstöre – ruin
stirbt aus – dying out
Mut – courage
bringen auf – muster
überzeugt – convinced
zwangsweise – forcibly
ergab – amounted to
umsonst – for nothing
Zusammenbruch – collapse
verweist auf – referred to
stutzen – trim

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*