09. Mai 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Die Renaissance des Wanderns

Was tun, wenn Cafés, Restaurants, Kinos und Bars geschlossen sind? Viele Menschen scheint es als Wanderer in die Natur zu ziehen – ein Trend, der im Sommer und während der Corona-Krise zunehmen könnte.

Wanderer gehen bei Einruhr in der Eifel auf einem Wanderweg. Viele Menschen scheint es in der Corona-Krise als Wanderer in die Natur zu ziehen – ein Trend, der im Sommer noch zunehmen könnte. Foto: dpa

Von Simon Sachseder
Berlin (dpa) – Urlaub wie zu Großmutters Zeiten würden Kritiker vielleicht zu dem sagen, was den Deutschen bevorsteht. Denn die Drinks am Ballermann, der Surf-Urlaub auf Bali oder die Kreuzfahrt durchs Mittelmeer werden in diesem Sommer der Corona-Pandemie aller Wahrscheinlichkeit nach ausfallen. Stattdessen: Wandern in der Natur vor der eigenen Haustüre als eine der wenigen Arten, seinen Urlaub zu verbringen.

Langweilig? Auf keinen Fall, sagt Wanderpapst Manuel Andrack der Deutschen Presse-Agentur und wirbt mit den freien Flächen der Rhön, dem Abwechslungsreichtum der Eifel und den Traufkanten der Schwäbischen Alb. «Ich habe noch nie verstanden, warum die Leute ins Flugzeug steigen, um auf Malle zu wandern.»

Das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes erwartet, dass sich der Binnentourismus deutlich früher erholt als der internationale Tourismus. «Da fällt natürlich auch das Wandern drunter», sagt der Sprecher des Wanderverbandes, Jens Kuhr. Schon alleine deshalb könne man davon ausgehen, dass die Zahl der Wanderer in Deutschland im Sommer zunehmen werde.

Und schon jetzt – vor der eigentlichen Urlaubssaison – spricht einiges dafür, dass Wandern eine Renaissance erlebt. «Ich bin fast jeden Tag draußen, das sieht man schon», sagt Andrack, der bekannt wurde als Sidekick des Moderators Harald Schmidt und mehrere Bücher über das Wandern geschrieben hat.

Auch in der Wanderszene, in der er gut vernetzt sei, werde darüber gesprochen, dass mehr Menschen unterwegs sind. Vor allem auch solche, die vorher nicht unbedingt auf den Wegen anzutreffen waren. Das sieht auch der Deutsche Wanderverband so und geht aufbauend auf Beobachtungen von «massiven Steigerungen» der Zahlen aus.
Offizielle bundesweite Statistiken gibt es nicht, zumindest einen kleinen Einblick gibt aber eine Zählung des nordrhein-westfälischen Landesbetriebes Wald und Holz von Ende März: Demnach war in der Eifel und im Waldgebiet Kottenforst bei Bonn eine auffällige Steigerung von Besuchern registriert worden. Teilweise wurde sogar eine Verdopplung der Zahlen festgestellt.

Doch können Wald und Weg diesen zumindest augenscheinlichen Wander-Boom überhaupt verkraften oder wird es nicht langsam zu voll? «Das ist doch Unsinn», antwortet Manuel Andrack darauf. Es habe schon immer Leute gegeben, die am liebsten einen Zaun um ihren Wald gehabt hätten, er freue sich aber total, wenn mehr Menschen unterwegs sind. Das sieht auch der Wanderverband so und ergänzt, dass es in Deutschland auch in Corona-Zeiten genug Wege gebe, damit alle ausreichend Sicherheitsabstand halten könnten.

Dabei helfe es Tageszeiten auszuprobieren, an denen nicht jeder gehe oder auch Ziele anzusteuern, die nicht jeder ansteuere, heißt es vom Verband. Und: Wenn man raus wolle, müsse man sich natürlich an die gesetzlichen Regelungen zur Eindämmung der Pandemie halten und «sich vor Ort erkundigen, was erlaubt ist und was nicht».

Auch die Naturschützer sehen grundsätzlich erstmal keine Probleme durch einen möglichen Anstieg der Wandererzahl. «Wir sind froh um jeden Menschen, der sich für die Natur interessiert und sie zu schätzen weiß», sagt die BUND-Expertin für Waldpolitik, Nicola Uhde. Rehe und andere Wildtiere seien flexibel – die könnten sich problemlos an mehr Menschen auf einem Weg gewöhnen.

In Gebieten, in denen zum Beispiel sensible Vögel brüten, müssten Wanderer allerdings durchaus gelenkt werden – das passiere aber meistens schon. Die verbreitete Einschätzung «Wir dürfen nicht in die Natur, daran geht sie kaputt», bezeichnete Uhde als Märchen. Das Wälder derzeit Probleme haben, liege vielmehr an einer oftmals zu intensiven Forstwirtschaft und dem Klimawandel.

Aus Sicht von Wanderverbandssprecher Jens Kuhr kann die Bewegung in der Natur den für viele sehr grauen Corona-Alltag etwas bunter machen. Zu den gestiegenen Zahlen sagt er: «Ich hoffe, dass das auch nach Corona ein bisschen erhalten bleibt.» Vielleicht muss es also gar nicht immer Mallorca, Bali oder ein Kreuzfahrtschiff sein.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Wandern – hiking
bevorsteht – instore for
Kreuzfahrt – cruise
Wahrscheinlichkeit – probability
ausfallen – won’t take place
stattdessen – instead of that
verbringen – spend time
auf keinen fall – no way
wirbt – promotes
Abwechslungsreichtum – diversity
Traufkanten – drip edges
Binnentourismus – in-country tourism
deutlich – clearly
erholt – recover
eigentlichen – real
Urlaubsaison – vacation season
vorher – previously
nicht unbedingt – not necessarily
anzutreffen – meet up
Beobachtungen – observations
zumindest – at least
kleinen Einblick – glance
auffällige – noticeable
teilweise – in part
Verdopplung – doubling
augenscheinlichen – evident
verkraften – bear
Zaun – fence
ergänzt – adds
ausreichend – ample
Sicherheitsabstand – here: social distance
Ziele – destinations
anzusteuern – head to
gesetzlichen – legal
Eindämmerung – get under control
erkundigen – inquire
schätzen – value
Rehe – deer
gewöhnen – get used to
sensible – sensitive
brüten – are nesting
verbreitete – widely circulated
Einschätzung – judgment
Forstwirtschaft – forestry

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Bundesliga: Neue Zweifel am Geisterspiele-Szenario

Geisterspiele als Grundlage für eine umfassende Studie zur Corona-Pandemie? Sportmediziner Fritz Sörgel hat diesen Vorschlag in die Debatte um Partien ohne Zuschauer in der Bundesliga eingebracht. Der Fußball will endlich loslegen – es gibt aber neue Bedenken.

Von Ulrike John und Holger Schmidt
Frankfurt/Main/Köln (dpa) – Nach dem Fall 1. FC Köln mit drei positiv auf das Coronavirus getesteten Personen sind neue Zweifel am Geisterspiele-Plan der Bundesliga aufgekommen. Debatten gibt es vor allem über die Quarantäne-Regel für Fußballprofis. Zudem hat mit Kölns Mittelfeldspieler Birger Verstraete erstmals ein Spieler öffentlich Bedenken und Ängste geäußert. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison hält der 26 Jahre alte Belgier für «naiv».

Tim Meyer, Leiter der Task Force der Deutschen Fußball Liga, räumte am Wochenende eine Rest-Anfälligkeit des Hygiene-Konzepts der DFL ein. «Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage», sagte der Nationalmannschaftsarzt bei Sport1. Deswegen sei «extreme Disziplin» aller Beteiligten auch abseits des Spielfeldes wichtig.

Da fast 2000 Personen in der Bundesliga getestet worden seien, habe man «einige positive Fälle erwartet», sagte Meyer: «Ich möchte nicht ausschließen, dass es weitere gibt.» Es sei natürlich auch möglich, dass zunächst negativ getestete Spieler «nachträglich positiv werden. Das ist auch einer der Gründe, warum wir wiederholt testen.» Beim geplanten Einstieg ins Mannschaftstraining dürfen nur zweimal negativ getestete Spieler teilnehmen. Es gebe, so Meyer, «kein einhundertprozentiges System, das war auch kein realistisches Ziel».

Beim 1. FC Köln waren zwei Spieler und ein Betreuer positiv getestet worden. Das Trio war in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Der Rest des Teams setzt das Training wie bisher in Kleingruppen fort. Dies ist auch im medizinischen Konzept der DFL für den Neustart der Bundesliga so vorgesehen. «Die sogenannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der Kategorie 1 vorgesehen. Nicht wir, sondern das Gesundheitsamt bewertet, auf wen dies zutrifft», sagte Kölns Mannschaftsarzt Paul Klein.

Am Sonntagabend teilte der FC mit, dass man im Fall der Fortsetzung der Saison plane, ein «quarantäne-ähnliches Trainingslager» zu beziehen. «Der 1. FC Köln wird einen möglichen Einstieg ins Mannschaftstraining freiwillig unter den Bedingungen eines Trainingslagers absolvieren», teilte der Club mit. Zuvor hatte die «Bild» von den Plänen berichtet. Die Rheinländer hätten neben Hotels auch die Sportschule Hennef südöstlich von Siegburg geblockt.

Die Bundesligisten hatten in der Hoffnung, an diesem Mittwoch nach der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten die Genehmigung für den Liga-Start noch im Mai zu bekommen, am Donnerstag mit Corona-Tests aller Spieler und Betreuer begonnen. «Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert», betonte Meyer.

«Ich fand es, ehrlich gesagt, ein bisschen bizarr», sagte der belgische Mittelfeldspieler Verstraete dem TV-Sender VTM auf die Frage, warum er nicht in Quarantäne sei. «Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet», sagte Verstraete in dem Interview, über das «Het Laatste Nieuws» berichtete.

Es sei daher «nicht ganz richtig», dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Verstraetes Freundin zählt wegen einer Herz-Vorerkrankung zur Risikogruppe. «Ich will, dass erst jeder wieder gesund ist und dann erst wieder Fußball spielen», betonte er. Am Sonntag verschickte der FC eine ausführliche Pressemitteilung mit Erläuterungen zu dem Vorgang. «Nachdem die drei positiven Fälle in unserem Kreis bekannt wurden, habe ich einem Interview über meine persönlichen Sorgen vor einer Ansteckung meiner Freundin berichtet. Dabei habe ich mich an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut», wurde Verstraete zitiert.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigt sich offen für einen Wiederbeginn des Profifußballs im Mai, forderte aber zugleich strenge Auflagen. «Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai», sagte Seehofer, der zugleich Sportminister ist, der «Bild am Sonntag»: «Für mich ist aber auch klar, dass es keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben kann.»

Grundbedingung seien unter anderem strikte Auflagen im Falle eines Positiv-Tests: «Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne.» Das Interview wurde nach Auskunft der Zeitung vor dem Bekanntwerden der Fälle in Köln geführt. Seehofers Einschätzung habe sich auch nach deren Bekanntwerden nicht geändert, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Nachfrage.

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Feuilleton

Kinderdrama «Systemsprenger» räumt beim Deutschen Filmpreis ab

Schauspieler Ronald Zehrfeld auf dem Motorrad bei der Verleihung 
des Deutschen Filmpreises, im Hintergrund ist der Schriftzug des Films 
«Systemsprenger» eingeblendet. 
         Foto: Florian Liedel/Deutsche Filmakademie/dpa

Berlin (dpa) – Beim Deutschen Filmpreis hat das Mädchendrama «Systemsprenger» gleich acht Auszeichnungen gewonnen, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm. Regisseurin Nora Fingscheidt erzählt darin von einer Neunjährigen, die es anderen nicht leicht macht. Jetzt gewann sie dafür eine Lola für Regie und Drehbuch – zugeschaltet aus der Ferne. Denn der Filmpreis wurde nicht bei einer Gala, sondern als Fernsehsendung im Ersten verliehen. Die Zuschauerzahl war so niedrig wie nie zuvor. Lediglich 0,52 Millionen (3,0 Prozent Marktanteil) sahen zwischen 22.34 Uhr und 01.00 Uhr zu. Im vergangenen Jahr waren noch etwa doppelt so viele Zuschauer dabei. Prominente wurden diesmal aus ihren Wohnzimmern und Küchen eingeblendet. Die elfjährige Helena Zengel gewann für «Systemsprenger» die Lola als beste Hauptdarstellerin.

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Gesundheit

Fünf Tipps rund um die Alltagsmaske

Viele Menschen tragen auf der Straße schon Stoffmasken. Und in allen Bundesländern ist dies an bestimmten Orten Pflicht. Was muss man zur Maske wissen?

Zwei kleine Büsten im Schaufenster eines Schmuckladens tragen Mund-Nasen-Bedeckungen. Wer shoppen möchte, muss ebenso wie in Bussen, Bahnen und Taxen einen Mundschutz tragen. Foto:dpa

Berlin (dpa) – Maske auf beim Einkaufen oder in Bus und Bahn: Immer mehr Bundesländer machen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an bestimmten öffentlichen Orten zur Pflicht, um so die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Gemeint sind Alltagsmasken, die aus Stoff gefertigt sind. Fünf Tipps rund um diesen Schutz:
Der Begriff Alltagsmaske kommt nicht von ungefähr. Diese Masken sind ein Behelf und genügen in aller Regel nicht den Normen und Anforderungen, die etwa an einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz gestellt werden. Auch mit Masken sollte man die Abstandsregeln einhalten und richtig husten und niesen. Also: von anderen weggedreht und in die Armbeuge hinein.

Doch die Maske hilft auch: So ist sie ein sichtbares Signal an andere, dass man angesichts des Coronavirus achtsam ist. Zudem soll sie Tröpfchen abfangen, die man beim Sprechen oder Lachen ausstößt – und damit andere in einem gewissen Maß vor Ansteckung schützen, falls man Sars-CoV-2 in sich trägt. Auch als Träger schützt man sich ein Stück weit: So kann die Maske zum Beispiel verhindern, dass man sich mit verschmutzten Händen an Nase oder Mund fasst und dadurch möglicherweise Erreger in den Körper gelangen.

  • Eine Frage des Stoffs:
    Fest gewebte Stoffe sind für die Zwecke besser geeignet als leicht gewebte, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ( BfArM). Das heißt: Die Maschen sollten möglichst eng gezogen sein – allerdings nicht so eng, dass einem das Atmen schwerfällt. Idealerweise besteht der Stoff der Maske aus 100 Prozent Baumwolle, empfiehlt das Bayerische Gesundheitsministerium in einem FAQ.
  • Heiß waschen, notfalls mit Stock:
    Nach dem Tragen wäscht man die Alltagsmaske am besten sofort bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel. Wer nicht immer gleich die Waschmaschine anwerfen möchte, lässt entsprechend heißes Wasser mit etwas Waschmittel ins Waschbecken. Um sich bei der Handwäsche nicht die Finger zu verbrühen, hilft man sich erstmal mit einem Stock und wendet die Maske damit im Wasser hin und her. Ist es ausreichend abgekühlt, wringt man sie noch einmal ordentlich per Hand durch.

    Apropos Hände: Vor dem Aufsetzen wäscht man diese gründlich, damit die Maske sauber bleibt. Nach dem Absetzen ebenfalls – denn an der Außenseite des Gesichtsschutzes könnten sich Erreger tummeln.
  • Vorsicht mit der Mikrowelle:
    Wenn der Stoff das aushält, kann die Maske auch durch heißes Bügeln oder eine Runde im warmen Ofen wieder sauber werden. Vorsicht bei der Reinigung in der Mikrowelle: Masken mit Drahtbügeln gehören dort auf gar keinen Fall hinein – hier droht Brandgefahr.
  • Kaufen, Nähen – oder Schal vor den Mund:
    Textilhersteller produzieren jetzt teils Masken. Auch viele Stoffläden, Schneider oder Designer verkaufen sie. Im Netz bieten Privatpersonen ihre Masken an, etwa über die Plattform Etsy. Wer mit Nadel und Faden umgehen kann, näht sich den Schutz einfach selbst – online gibt es Vorlagen für Schnittmuster.

    Fehlt es an diesen Fertigkeiten oder auch an notwendigen Materialien wie Gummizügen, und bekommt man auf die Schnelle keine Maske zu kaufen? Dann kann es eventuell ausreichen, Mund, Nase und Wangen mit einem Schal oder Tuch zu bedecken. Das nennen einige Bundesländer explizit als Alternative, andere gehen darauf nicht ein. Wie bei Masken sollte der Stoff möglichst dicht sein und aus Baumwolle bestehen, erläutert das Bayerische Gesundheitsministerum. Und nach dem Tragen gelte ebenfalls der Rat: bei mindestens 60 Grad waschen.

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Reise

Italiens Sehenswürdigkeiten kommen ins Netz

Cecilie Hollberg, Chefin der Galleria dell’Accademia, setzt zu Zeiten von Corona
 auf soziale Medien. 
    Foto: Sergio Garbari/Galleria dell’Accademia/dpan vor. Foto: dpa

Rom (dpa) – Italien lebt von seinem Kulturerbe und dem Tourismus. Doch die Corona-Pandemie versetzt Museen, Theatern und Sehenswürdigkeiten einen extremen Schlag.

„Es ist eine Katastrophe für sehr viele Menschen und Einrichtungen“, sagte Cecilie Hollberg, deutsche Direktorin der Galleria dell‘Accademia in Florenz, wo Michelangelos David-Statue steht. Wann die Galleria, das Kolosseum, die Uffizien, Pompeji und Co. wieder öffnen, ist vollkommen unklar.

Besucher aus dem Ausland gibt es derzeit keine. „Dass Touristen aus dem Ausland so bald wieder kommen werden, glaube ich kaum“, sagte Hollberg weiter. „Niemand will riskieren, möglicherweise irgendwo festzusitzen.“ Niemand wisse, wann und in welcher Form die Museen wieder öffnen. „Wenn es so weiter geht wie bisher, kommen in diesem Jahr mancherorts womöglich 90 Prozent weniger Einnahmen zusammen“, sagte Hollberg. Italien ist weltweit eines der am schwersten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffenen Länder. Seit Anfang März gelten strenge Ausgangsbeschränkungen, auch alle Museen, Theater und Kinos sind geschlossen. Die Sperren gelten noch bis mindestens 3. Mai. Mehr als 21.000 Menschen in Italien sind bereits in der Pandemie gestorben.

Virtuelle Touren durch Pompeji
Museen und Sehenswürdigkeiten versuchen, mit Internet-Aktionen die Menschen für Kultur und Kunst bei der Stange zu halten. So macht der Chef von Pompeji, Massimo Osanna,virtuelle Touren durch die Ausgrabungsstätte. Die Stadt Rom bietet Kulturprogramme aus der Ferne für Kinder, das Kulturministerium bespielt Youtube und die sozialen Netzwerke mit Filmen und kleinen Aktionen.

Leonardo da Vinci gibt es ebenfalls online. Einen Museumsbesuch, ein Theater oder eine Besichtigung vor Ort können der Computer oder das Smartphone allerdings nicht ersetzen. Und die Einnahmen fehlen den Einrichtungen dennoch.

Die deutsche Kunstakademie Villa Massimo in Rom, deren Künstler nun auch in Quarantäne sind, hat sich ein Projekt für die Nachbarn ausgedacht. Dabei präsentieren die Künstler jeden Abend Videos, Bilder und Musik den Nachbarn. Die sind eingeladen, aus dem Fenster zu schauen und die Kunst zu genießen.

„Wir bekommen täglich Nachrichten von den Nachbarn, die sich bei uns bedanken oder auch die Präsentationen aufnehmen“, erklärte Villa-Massimo-Sprecherin Allegra Giorgolo.

Schlechte Aussichten für kleine Museen
Auch in der Galleria in Florenz versucht Direktorin Hollberg die Menschen via sozialen Medien zu unterhalten. Das Museum gehört mit 1,7 Millionen Besuchern pro Jahr zu den Hauptattraktionen des Landes. Für kleinere, weniger bekannte Museen seien die Aussichten besonders düster.

„Die Krise wird einige Museen endlos zurückwerfen. Viele leben ohnehin in einer schwierigen Situation, und sie können schon in normalen Zeiten kaum Strom- oder Wasserrechnungen bezahlen, weil sie nicht so viele Besucher haben. Für solche wird es besonders mühsam werden, wieder auf die Beine zu kommen.“ Möglicherweise würde der Staat dann auch entscheiden, die ein oder andere Kultureinrichtung zeitweise „herunterzufahren“. Denn Instandhaltung der Gebäude und der Kunstwerke kosten den Staat viel Geld.

Michelangelos David macht derweil auch als „Covid“ im Netz Furore. Dabei ist der durchtrainierte David neben dem in der Quarantäne dick gewordenen „Covid“ zu sehen. Hollberg kann über solche Scherze hinwegsehen. „Das sind Witzchen, die durch das Netz flattern. Eintagsfliegen verfolgen wir nicht.“

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