09. November 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

30 Jahre Mauerfall: Von Jammerossis, Besserwessis und Klischees

Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Wie steht es um Ost und West heute? Stimmt es, dass die Gräben wieder tiefer geworden sind?

Von Caroline Bock
Berlin (dpa) – Wer mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, spürt an einem kleinen Holpern, dass die Stadt 28 Jahre lang von einer Mauer geteilt war. Eine Schwelle mit Pflastersteinen zeichnet die Grenze zwischen Ost und West nach. Ein Blick auf die Straße, dann der Gedanke an einen berühmten Satz: Als vor 30 Jahren die Mauer fiel, hat Willy Brandt gesagt, dass jetzt zusammenwächst, was zusammengehört.

Danach war viel von der «Mauer in den Köpfen» die Rede. Die 90er Jahre waren die Zeit der Klischees: vom Jammerossi, der Opfer der Besserwessis wurde, der sich die «neuen Länder» einverleibte. Seit dem Ende der DDR ist im Osten alles anders, im Westen wenig. Wer heute nach Köln oder Mainz fährt, könnte denken: Das ist die alte BRD, aber mit Latte Macchiato. Ex-Innenminister Thomas de Maizière brachte es in einer ZDF-Doku so auf den Punkt: «Für die Ostdeutschen hat sich mit der Wende alles geändert, für die Westdeutschen nur die Postleitzahl.»

Fast alle Ostdeutschen (95 Prozent) waren laut einer Umfrage schon im Westen. Für nicht wenige Westdeutsche ist der deutsch-deutsche Tourismus aber eine Einbahnstraße, jeder Fünfte war noch nie im Osten. Wobei man das einschränken sollte: Die DDR war viel kleiner als die BRD, im ganzen Osten leben etwa so viele Menschen wie in Nordrhein-Westfalen. Zu den Klischees: Ein Drittel der Wessis sagt, dass Ostdeutsche immer jammern. Das sagt allerdings auch ein Viertel der Ostdeutschen über sich selbst.

Das Klischee vom Besserwessi hält sich ebenfalls nach wie vor, genauso wie der nostalgische Blick auf den Osten, wenn es um Solidarität und Nachbarschaft geht.

Typisch ist, was Ilka Bessin, früher die Comedy-Figur Cindy aus Marzahn, in einem dpa-Interview erzählte. Sie wuchs in einem Neubaublock im brandenburgischen Luckenwalde auf. «Wie meine Mutter immer sagt: Eine Hand wäscht die andere, zwei waschen ein Gesicht. So war das auch», erinnert sich die 47-Jährige. «Da hat man zusammen gefeiert, zusammen gesessen und dann hat man den Partykeller zusammengebaut, da hat der ganze Block zusammen gefeiert.» Auf das DDR-System generell blickt Bessin anders: «Politisch, da brauchen wir gar nicht drüber reden. Da vermisse ich nichts.»

Was vielen im Osten nicht bewusst scheint: Dörfliches Miteinander und Oma-Tugenden wie Vorräte horten oder Einkochen hat es auch im Westen früher mehr gegeben. Es war vielleicht nicht so überlebensnotwendig wie in der DDR.

Gerade in jüngster Zeit heißt es oft, die Gräben zwischen Ost und West würden wieder tiefer. Die Erfolge der AfD auf Ostseite werden damit erklärt, dass die Partei den Abgehängten und der nach der Wende gedemütigten DDR-Seele eine Stimme gibt, für die Westseite gibt es für AfD-Erfolge keine spezielle Lesart.

Wie sieht es heute mit den Befindlichkeiten aus? Nachgefragt bei zwei Autoren aus West und Ost.

Die Schriftstellerin Tanja Dückers (50) kann sich gut an das Lebensgefühl in West-Berlin erinnern, als die Stadt noch eine schwer zugängliche Insel war. «Ich habe 21 Jahre hinter dieser Mauer gewohnt. Erst nachdem die Mauer gefallen ist, habe ich richtig begriffen, wie absurd das war», erzählt sie. «Für mich gab es so einen retrospektiven Schreck, und den habe ich tatsächlich vor der Wende nicht gehabt, weil ich nichts anderes kannte. In den 90ern habe ich dann oft gedacht: Bin ich da wirklich aufgewachsen?»

Sie weiß, wie unterschiedlich sich Ost und West wahrnehmen. Klar werde sie noch als Wessi angeguckt: «Das ist nicht unbedingt negativ, sondern eher ein Distanzmoment», sagt Dückers. «Du bist aus dem Westen», das bedeute eigentlich erst mal nur: «Du bist anders.»

Für ein Missverständnis auf Ostseite hält sie, dass es den Westlern immer gut gegangen sei und sie immer Geld gehabt hätten. «Es ist eine Überschätzung der Situation des Westens. Vom Westen her betrachtet hat man es individualbiografisch unterschätzt: Nicht jeder, der bei der SED war, war ein Monster.»

Dückers lebt im Prenzlauer Berg, also im Osten Berlins. Sie hat Verständnis für die Schicksale nach dem Ende der DDR, das für viele nicht nur Chancen und Freiheit, sondern auch den Verlust von Arbeitsplätzen und Gewissheiten brachte. «Ich stelle mir zum einen vor, wie man das umgekehrt erlebt hätte. Zum anderen ist es psychologisch so, dass man immer die frühere Zeit verklärt, vor allem die Kindheit und das Aufwachsen in der Zeit, in der man gesund und munter war.»

Was Ostdeutsche über das dörfliche Miteinander von früher erzählen, kennt Dückers aus BRD-Zeiten selbst. Ihr Buch «Mein altes West-Berlin» kam im Osten gut an, weil viele merkten: Die Westhälfte, das war nicht nur Jeans, KaDeWe und Autos von Mercedes. Sie hörte von ostdeutschen Lesern: «Wir hatten uns das alles glänzender und schöner vorgestellt. Aber wie du das beschreibst, mit den Kohleöfen, der Armut, den Ratten, Tauben, dem Dreck und den komischen Leuten – das war wie bei uns.» Dückers fühlt sich Ost-Berlin näher als Bayern oder Köln. «Westdeutschland ist nicht mein Land.»

Was die Erfolge der AfD angeht: «Irgendwie stört mich die Haltung, zu glauben, das Böse sitzt nur im Osten von Deutschland.» Sie verweist dabei auf die hohen Zustimmungswerte für die AfD in Bayern und die Neonazi-Szene in Dortmund.

Dass sich Gräben zwischen Ost und West vertiefen, findet sie etwas populistisch als Aussage. «Ich bin anderer Meinung. Ich sehe, dass sehr viele Ehen zwischen Ost und West geschlossen werden und sich viele Kinder überhaupt nicht mehr darüber definieren, wo die Eltern herstammen. Ich glaube aber, dass man die Zeit unterschätzt hat, die dieses Zusammenwachsen braucht.» Ihrer Meinung nach spielt eine andere Kluft in Deutschland eine größere Rolle als die zwischen Ost und West: die zwischen Stadt und Land. «Man sollte eigentlich mehr unterscheiden zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen.»

Der in Dresden geborene Schriftsteller Ingo Schulze (56, «Adam und Evelyn», «Simple Storys») hat in vielen Büchern Ost-West-Geschichten erzählt. «Nach meiner Erfahrung konnte man Ende der 90er Jahre gelassener über den Osten sprechen als heute», sagt er. «Dann kam eine Politik, für die Hartz IV zum Synonym geworden ist und die tatsächlich Armut säte, darauf folgte die Finanzkrise von 2008.» Die habe das jetzige System in Frage gestellt.

Die allergrößten Meinungsverschiedenheiten hat Schulze auch mit anderen Ostlern. «Ost und West sind ja in sich nicht homogen. Und natürlich kann und muss man zur Erklärung von Unterschieden bis in die Zeit der Reformation und der Bauernkriege zurückgehen oder noch weiter. Nichts ist vergangen. Das vorausgeschickt würde ich sagen: Die Mehrheit im Osten war 1990 auf eine schon fast kindliche Art und Weise bereit, alles vom Westen zu übernehmen, vom Westen zu lernen, es genau so gut zu machen.»

Er sei überzeugt, dass die Erfahrungen von Beginn der 90er Jahre keinesfalls weniger prägend gewesen seien als die Erfahrungen in der DDR. Diese hätten ja auch die Erfahrung gebracht, ein System friedlich ändern zu können. Natürlich werde die Herkunft immer eine Rolle spielen, findet Schulze. Es komme halt auf den Kontext an. «Die Frage ist, wie damit umgegangen wird.

Und ob immer nur die eine Seite infrage gestellt wird.»

Was Ingo Schulze sagt, findet sich auch in der Ost-West-Geschichtsschreibung: Für die Museen ist der Blick auf die 90er Jahre wichtiger geworden. So etwa im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, wo die Dauerstellung deswegen umgestaltet wurde. «Man hätte viel mehr sprechen müssen, auch genauer hinhören, und die Nöte und Sorgen der Menschen ernst nehmen müssen», sagt Direktor Jürgen Reiche. Das sei heute immer noch ein Grundproblem. Man rede zu sehr übereinander und nicht miteinander. Deswegen gibt es in dem Leipziger Haus viele Diskussionsrunden.

Ihn stört aber auch das «populistische Getöse»: wenn die Treuhand, die die DDR-Betriebe privatisierte, als «Schlachthaus Europas» bezeichnet wird und wenn von einer Kolonialisierung des Ostens die Rede ist. «Da werden alle Register gezogen. Das drängt die Menschen im Osten vielfach in eine Opferrolle, die nicht angebracht ist. Von Honecker wurden wir über den Tisch gezogen, und heute ist es genauso, hört man immer wieder. Dagegen muss man angehen.»

Ähnlich kritisch sieht Reiche es, wenn pauschal über den Osten im Allgemeinen oder Sachsen im Besonderen geschimpft wird. Er nennt es «Ost-Bashing». Gerade das liberale und boomende Leipzig würde da manchen angereisten Fußballfan aus dem Westen positiv überraschen.

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind Reiche nach wie vor bewusst: Dass die Leute im Westen durchschnittlich mehr verdienen und mehr erben oder dass es kein DAX-Unternehmen im Osten gibt.

Grundsätzlich findet er: Man solle ein bisschen den Ball flach halten, aber Probleme ernst nehmen, Ungerechtigkeiten bekämpfen und sich um die Menschen kümmern.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Mauerfall – fall of the Berlin Wall
Gräben – here: divisions
Holpern – bump
Schwelle – threshold
Jammerossi – complaining Easterner
Besserwessi – know-it-all Westerner
Einverleibte – made off with
die Wende – unification of East & West Germany
überlebensnotwendig – necessary for survival
AfD (Alternative für Deutschland) – far-right German political party
Partei – political party
Abgehängten – dependents
gedemütigten – humiliated
Befindlichkeiten – mental state
Schriftstellerin – author
unterschätzt – underrated
SED (Socialist Unity Party of Germany) – East Germany’s only political party
Verlust – loss
Gewissheiten – certainties
KaDeWe (Kaufhaus des Westens) – Berlin’s largest department store
Armut – poverty
Haltung – attitude
Böse – evil
verweist auf – contradicted by
Kluft – gap
Hartz IV – long-term unemployment benefits law
kindliche Art und Weise – childish manner
überzeugt – convinced
prägend – shaped
Nöte und Sorgen – needs and worries
Getöse – din
(Erich) Honecker – General Secretary of the SED & responsible for the construction of the Berlin Wall
DAX – Germany’s stock exchange
Ungerechtigkeiten kämpfen – fight injustices

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Hamiltons «Meisterwerk»: Sechster WM-Titel – und kein Ende in Sicht

Schon wieder ist Lewis Hamilton Formel-1-Weltmeister. Dem Briten fehlt nur noch ein Titel, um mit Michael Schumacher gleichzuziehen. Auf dem Weg dorthin scheint ihn derzeit niemand aufhalten zu können.

Weltmeister Lewis Hamilton aus Großbritannien von Team Mercedes jubelt nach dem Rennen auf dem Circuit of the Americas über seinen Saison-Sieg und feiert seinen sechsten WM-Titel. Foto: dpa

Von Thomas Wolfer
Austin (dpa) – Vom Champagner durchnässt ließ sich Lewis Hamilton vor der Mercedes-Garage feiern und streckte jubelnd sechs Finger für ebenso viele Formel-1-Titel in die Luft. Die kurze Party nach dem WM-Coup genoss der britische Mercedes-Star in den USA ganz besonders – und wollte in Austin noch nicht an die spätestens jetzt greifbare Bestmarke von Michael Schumacher denken. «Michael zu erreichen, war nie ein Ziel für mich. Ich hätte gedacht, dass es nicht möglich ist, überhaupt nur in die Nähe von Michael zu kommen», sagte Hamilton.

Eine Weltmeisterschaft muss er noch gewinnen, um mit Ikone Schumacher gleichzuziehen. Kaum jemand zweifelt daran, dass dem 34-Jährigen das schon 2020 gelingen kann. Die Regularien der Formel 1 verändern sich kaum, die Silberpfeile dürften sich nach der Dominanz der letzten Jahre nicht plötzlich von der Konkurrenz überrumpeln lassen. Auch Teamchef Toto Wolff sieht keinen Grund, «warum er keinen siebten Titel holen sollte». Dafür will ihm der Rennstall den richtigen Wagen bauen und eigene Fehler weiter minimieren.

«So nah, aber doch so weit weg» sei die siebte WM-Krone, sagte Hamilton am Sonntag nach Platz zwei in Texas. Unmissverständlich klar machte er, dass das Ende noch lange nicht in Sicht ist. «Dieser Wunsch, immer mehr und mehr zu wollen, ist das, was Hamilton zu einem der Größten aller Zeiten macht», befand die spanische Zeitung «Mundo Deportivo».

Fast poetisch sagte der 83-malige Grand-Prix-Sieger: «Ich arbeite an einem Meisterwerk. Ich habe es noch nicht beendet und es dauert seine Zeit.» Er habe «jetzt gerade die besten Werkzeuge dazu». Deswegen will er auch nach seinem Vertragsende nach der nächsten Saison weitermachen und in der neuen Formel-1-Ära mit komplett überholten Regeln «ein Pionier» sein.

Bevor es mit dem Flugzeug noch am Sonntagabend nach England ging, bezeichnete der einzige aktuelle Weltstar der Szene die noch nicht ganz beendete Saison als die härteste seiner Laufbahn. «Jetzt ist der Zeitpunkt, so viele gute Sachen zu schreiben, wie ihr könnt. Wenn jemand sechsmal den Titel gewinnt, dann verdient er das», sagte der erneut geschlagene Ferrari-Star Sebastian Vettel: «Ich freue mich sehr für ihn, aber nicht für uns, weil wir so weit hinterher waren.»

Der Heppenheimer Vettel schied in Austin schon in der achten Runde wegen eines Aufhängungsschadens aus und fiel in der WM-Wertung auf Rang fünf zurück. Auch im fünften Jahr war er mit der Scuderia völlig chancenlos gegen Hamilton und Texas-Sieger Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil. Ferrari verschlief die erste Hälfte der Saison komplett, und war erst da, als Mercedes sich schon einen gehörigen Vorsprung erarbeitet hatte. Nächstes Jahr soll sich das ändern. Aber es scheint schwer vorstellbar, dass die fehleranfälligen Italiener dauerhaft gegen das perfekt funktionierende System Mercedes bestehen können.

Zum sechsten Mal nacheinander gewann das Werksteam die WM bei den Fahrern und Konstrukteuren. Hamilton holte insgesamt 101 Podestplätze und allein 2019 zehn Siege. Zwei Möglichkeiten in Brasilien und Abu Dhabi gibt es noch. «Ich will so weitermachen», sagte Hamilton. Diese Einstellung unterscheide ihn von vielen anderen, sagte Wolff: «Talent trifft bei ihm den Willen, sich selbst ständig zu verbessern. Diese Kombination lässt ihn aus seiner Generation herausstechen.»

«Er hat seinen Platz im Pantheon der sportlichen Größen bestätigt, nicht nur in der Formel 1», schrieb die britische «Times». Vom Einzelgänger hat sich Hamilton zum Teamplayer entwickelt. Im Moment des großen Erfolgs zeigte er sich auch nachdenklich. Die Tode von Aufsichtsratsboss Niki Lauda und Nachwuchsfahrer Anthoine Hubert haben ihm in diesem Jahr schwer zugesetzt. «Wenn so etwas passiert, kommen Zweifel auf. Ist es Zeit aufzuhören oder soll ich weitermachen?», sagte Hamilton zum Unfalltod von Nachwuchsfahrer Hubert in Spa: «Es gibt ja auch ein Leben nach der Formel 1 – und ich will irgendwann eine eigene Familie haben.»

Die negativen Gedanken schob er weg und konzentrierte sich auf das Positive. Dabei halfen ihm seine Eltern, die in Texas samt aktueller Lebenspartner mitjubelten. Für das offizielle Teamfoto holte er alle zu sich. Kurz vorher sagte Hamilton, der aus einfachen Verhältnissen in Mittelengland stammt, stolz: «Sie haben einfach alles geopfert, damit ich die Chance hatte, das zu machen, was ich jetzt mache.»

Mit Vater Anthony saß er einst zusammen vor dem Fernseher und sah die Rennen der Generation von Ayrton Senna. Umso komischer sei es jetzt, «wenn man selbst die Person im Fernsehen ist», erzählte Hamilton: «Es ist schon mehr als surreal, dass meine eigene Lebensgeschichte mich so weit gebracht hat, dass ich jetzt diese sechs Titel habe.»

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Feuilleton

Im Beethoven-Jahr 2020 will Wien mit Klassik-Image glänzen

Wien: Blick auf den Volksgarten. Foto: dpa

Wien (dpa) – Im Beethoven-Jahr 2020 will sich Wien stärker denn je als «Welthauptstadt der Musik» positionieren. «In Wien hören jeden Abend 10 000 Musikbegeisterte klassische Musik in Opern- und Konzerthäusern von Weltrang», sagte Tourismusdirektor Norbert Kettner der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Aus Anlass des 250. Geburtstags Beethovens erwarteten die Besucher Sonderschauen in großen Museen, die einzige Beethoven-Oper «Fidelio» in gleich drei Fassungen und viele weitere Events, sagte Kettner. So inszeniert der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz im März 2020 «Fidelio» in der Fassung von 1806 im Theater an der Wien. Dort hatte das Werk auch seine Uraufführung. Der in Bonn geborene Beethoven (1770-1827) war als junger Mann nach Wien gezogen. In nicht weniger als 40 Wohnungen soll der für seine Unrast bekannte Komponist in Wien gelebt haben.

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Gesundheit

Blutdrucksenker: Wirkung bei abendlicher Einnahme günstiger

Viele Menschen mit Bluthochdruck nehmen ihre Medikamente morgens ein. Günstiger wäre einer aktuellen Analyse zufolge in vielen Fällen wohl, sie abends vor dem Schlafengehen zu schlucken. Foto: dpa

Vigo (dpa) – Viele Menschen mit Bluthochdruck nehmen ihre Medikamente morgens ein. Günstiger wäre einer aktuellen Analyse zufolge in vielen Fällen wohl, sie abends vor dem Schlafengehen zu schlucken. Die erzielten Blutdruckwerte seien dann im Mittel besser, berichten die Forscher im «European Heart Journal». In der Folge sank die Gefahr einer ernsthaften Folgeerkrankung demnach fast um die Hälfte.

Menschen mit zu hohem Blutdruck müssen meist täglich Medikamente nehmen. Diese halten die Werte über den Tag hinweg und auch nachts niedriger. Ein spanisches Forscherteam um Ramón Hermida von der Universität Vigo untersuchte nun im Rahmen des Forschungsprojektes «Hygia» an über vierzig medizinischen Zentren in Spanien, wann Blutdrucksenker am besten eingenommen werden sollten.

Von den über 19 000 Studienteilnehmern mit Bluthochdruck nahmen die Hälfte die Medikamente abends, die übrigen nach dem Aufwachen. Sechs Jahre lang überprüften Ärzte mindestens einmal im Jahr den Blutdruck der Probanden – mit Blutdruckmessgeräten, welche die Patienten über 48 Stunden am Körper behielten. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe, die ihre Medikamente abends einnahm, bessere Werte erzielte. Zudem war das Risiko ernsthafter Folgeerkrankungen vermindert. Zu diesen zählen Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Eingriffe aufgrund von verstopften Blutgefäßen.

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Reise

Ende der Hauptsaison der Kreuzschifffahrt in Warnemünde

Mit dem Anlauf des Luxusliners „Aidaaura“ geht die Hauptsaison für die Kreuzschifffahrt in Rostock zu Ende. Foto: Aida Cruises/dpa

Rostock (dpa) – Mit der „Aidaaura“ war das letzte Schiff der diesjährigen Kreuzfahrt-Hauptsaison in Warnemünde eingelaufen. Das Schiff hatte 1300 Passagiere an Bord und verließ Rostock dann in Richtung Tallin.
Nach dieser Tour geht die „Aidaaura“ von Hamburg aus auf eine 117 Tage dauernde Weltreise, teilte die Reederei Aida Cruises mit. Endgültig zu Ende ist die Saison in Rostock erst am 4. Dezember, wenn das Kreuzfahrtschiff „Balmoral“ der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines Warnemünde verlassen hat.

Bei 196 Schiffsanläufen werden dann seit April dieses Jahres 906.000 Seereisende an und von Bord der 40 Kreuzfahrtschiffe gegangen sein. Diese Zahl liege auf Vorjahresniveau, teilte der Rostocker Hafen mit. Rund 30 Prozent der Passagiere kamen aus Deutschland, mehr als 10 Prozent aus den USA. Die Saison 2019 sei erfolgreich und reibungslos verlaufen.

Etwa 186.000 Passagiere machten in diesem Jahr als Tagesgäste Erkundungstouren in Warnemünde, Rostock oder Mecklenburg-Vorpommern. Rund 86.000 internationale Gäste unternahmen per Bahn, Bus oder Auto einen Tagesausflug nach Berlin.

Für das kommende Jahr stehen laut Hafen-Geschäftsführer Jens Scharner wichtige Neuerungen an: Der Testbetrieb der Landstromanlage, die Eröffnung des zweiten Passagierterminals und die Inbetriebnahme des dann umgebauten Warnemünder Bahnhofs.

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Bunt statt beige: Warum Styling keine Frage des Alters ist

Das Alter verändert einiges – und manches Lieblingskleidungsstück fühlt sich plötzlich nicht mehr passend an. Doch das ist kein Grund, mit Modetrends abzuschließen. Denn schickes Aussehen ist zeitlos.

Passt das Teil noch zu mir? In Kleidungsfragen sind ältere Frauen manchmal unsicher. Foto: Christin Klose/dpa

Berlin (dpa) – «So kannst du nicht rumlaufen!» Viele Teenager müssen sich diesen Satz anhören – und ältere Menschen manchmal auch, vor allem Frauen. Weil sie knallige Farben statt Beigetöne wählen oder Schuhe mit hohen Absätzen statt flacher Bequemtreter. Und, oh großer Schreck, vielleicht sogar noch einen kurzen Rock.

«Es gibt tradierte Bilder, dass ältere Frauen sich optisch zurückzuziehen haben. Das haben viele verinnerlicht und erwarten es auch von anderen», erklärt Elke Giese. Die 69-jährige Trendforscherin und Modedesignerin aus Berlin leitete fast 20 Jahre lang das Ressort Mode beim Deutschen Mode-Institut.

Zugleich erreicht nun eine Generation das Seniorenalter, die so aktiv, fit und junggeblieben ist wie keine vor ihr. Und die deshalb auf gar keinen Fall alt aussehen möchte. In diesem Spannungsfeld als älterer Mensch seinen Modestil zu finden, ist gar nicht so leicht.

Der oft zitierte Spruch «Kleider machen Leute» hat in jedem Alter seine Berechtigung, ist Elke Giese überzeugt. Für eine Studie wollte sie vor einigen Jahren von Frauen im Alter zwischen 45 und 70 Jahren wissen, was ihnen modisch wichtig ist und wie sich ihr Stil im Laufe der Jahre gewandelt hat. Ergebnis: Sie wollen nicht mit Jüngeren konkurrieren – aber attraktiv sein.

«Man drückt mit seinem visuellen Erscheinungsbild immer sich selbst aus», sagt Giese. «Und das beeinflusst, wie man angesprochen, wie mit einem umgegangen wird.» Wer durch einen betont unauffälligen Stil optisch verschwindet, werde auch als Person weniger wahrgenommen.
Das gilt besonders für eine Farbe, die viele Älteren nach wie vor gerne tragen: «Beige ist zum in Mitteleuropa vorherrschenden Hautton grundsätzlich keine gute Wahl. Es lässt die Konturen verschwinden, man wirkt weniger klar, weniger strukturiert», erklärt die Farb- und Stilberaterin Jasmin Link aus Stromberg (Rheinland-Pfalz).

Ein lockeres Verhältnis zu sich selbst entwickeln
Viele ihrer älteren Kundinnen kommen zu ihr in einer Phase, in der sich im Leben etwas verändert, erzählt Link. Wenn sie in Rente gehen zum Beispiel. «Sie wollen weiterhin aktiv und agil wirken.» Und sie merken gleichzeitig, dass sich der Körper verändert: die Haarfarbe, die Haut – und dass sich manches Kleidungsstück und mancher Look früherer Jahre nicht mehr passend anfühlt.

«Man rutscht zusammen, am Hals, in der Taille. Die Arme sehen nicht mehr so schön aus», beschreibt Mode-Expertin Elke Giese. Es sei zwar nicht immer ganz leicht, die Veränderungen zu akzeptieren, lohne sich aber. Denn: «Frauen sollten nicht zwanghaft versuchen, jünger auszusehen, das geht immer nach hinten los.» Ein lockeres Verhältnis zu sich selbst mache attraktiv – für Männer gelte dies übrigens auch.

Ganz praktisch bedeutet das: lieber eine leichte Leinenbluse mit Kragen anstelle eines ärmellosen Sommerkleids abziehen, lieber eine gerade Hose statt einer eng anliegenden Skinny-Jeans oder ein buntes Tuch zum Shirt kombinieren. «Es lohnt sich, nach guten Schnitten zu schauen, die mit einer leichten Taillierung die Figur unterstreichen», sagt Giese.

Schluppenbluse und klassische Kostüme machen alt
Auch Typberaterin Jasmin Link empfiehlt eine gute, nicht zu enge, aber auch nicht zu weite Passform. Längere Oberteile und Cardigans seien meistens eine gute Wahl. Eine Schluppenbluse – mit einem Textilband am Kragen – und klassisches Kostüme dagegen «machen alt».

Die Farben dürften kontrastreich sein, «besonders zu grauen und weißen Haaren», sagt Link. Das gelte in ähnlicher Weise für das Make-up: Zart nachgezeichnete Brauen und Lippenstift sorgen für Kontur. Und mit Rouge, das von der Mitte der Wangenknochen Richtung Schläfen verstrichen wird, lasse sich ein natürlicher Lifting-Effekt erzielen. Puder ist keine gute Wahl: Es setzt sich in Fältchen ab.

Auch ältere Männer sind in Stilfragen unsicher
Unsicherheit in Stilfragen beobachtet Trendforscherin Elke Giese nicht nur bei Frauen: «Viele Männer versuchen, mit den Jüngeren und deren starkem Körperkult zu wetteifern.» T-Shirts, Jerseyhosen oder nackte Beine – da seien «gruselige Dinge» zu sehen. Dabei gebe es auch für ältere Männer stilvolle Casual-Mode, etwa Polohemden.

Oft fehlen jedoch inspirierende Vorbilder, wenn Frauen oder Männer nach einem Stil suchen, der zum Lebensalter passt und nicht altbacken aussieht. Die Models auf den Laufstegen sind jung, auch die meisten Modelabel haben eine jüngere Zielgruppe im Blick.

Modeblogs zeigen stylische ältere Menschen
Doch allmählich werden die Älteren sichtbarer. Die 97-jährige New Yorkerin Iris Apfel, die ihre Styles auf Instagrampostet, ist Kult. Ari Seth Cohen fotografiert den Streetstyle älterer Menschen in aller Welt und zeigt die Bilder in seinemBlog.

Gabriele Thiel-Hebborn aus Bonn ist eine der wenigen Ü60-Modebloggerinnen in Deutschland. Als «Gabriele immerschön»schreibt die 61-Jährige seit 2015 auf, was sie bewegt und antreibt, und zeigt dazu ihren ganz persönlichen Look. Viele Kleidungsstücke stammen aus Second-Hand-Läden. Schnelllebige Trend-Teile, die nach einer Saison in den Container wandern, sind ihr ein Graus. Man brauche sie auch gar nicht, um attraktiv aufzutreten.

Präsenz ist ein Geschenk des Älterwerdens
«Modisch bin ich mit dem, was zu meiner Lebensweise passt», sagt die Bloggerin. «Grundvoraussetzung, um zu wissen, was ich tragen möchte, ist, mich zu fragen, wer ich bin. Nicht, wie mich die anderen sehen.»

Modetrends hinterher zu hecheln, sei der falsche Weg. Das hätten ältere Frauen auch gar nicht nötig, findet Thiel-Hebborn. Sie will auch kein modisches Vorbild sein – eher eine Mutmacherin für andere Frauen, zu sich und zur eigenen Lebensweise zu stehen und weniger die Last des Alterns zu sehen als die Freiheiten, die sich bieten, wenn die Pflichten in Job und Familie weniger werden.

«Präsenz, darum dreht sich alles bei Frauen in unserem Alter», sagt Thiel-Hebborn. «Diese Präsenz ist nur möglich, wenn ich bei mir bleibe. Das zu können, ist auch ein Geschenk des Älterwerdens.»

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