10. August 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Miss Germany» will künftig Persönlichkeit statt Posing

Die #MeToo-Bewegung hat ein Aus der Bikini-Runden bei «Miss America» und «Miss Germany» gebracht. Der deutsche Schönheitswettbewerb geht nun noch weiter. Um sich zu qualifizieren, müssen junge Frauen nicht mehr auf den Laufsteg. Das Äußere alleine soll nicht entscheiden

ARCHIV: Kandidatinnen stehen während der Wahl der “Miss Germany 2018” auf der Bühne. Die Kandidatinnen für «Miss Germany» müssen sich künftig nicht mehr auf den Laufsteg qualifizieren. Foto: dpa

Von Jürgen Ruf
Rust (dpa) – Das Schaulaufen auf Stöckelschuhen bekommt weniger Bedeutung, Vorstellungsrunden im Bikini gehören der Vergangenheit an. «Miss Germany», laut Veranstalter der älteste und bedeutendste Schönheitswettbewerb in Deutschland, verlässt den Laufsteg und sucht künftig digital nach jungen Frauen. Statt sich einer Jury zu präsentieren und das Äußere zu betonen, sollen Kandidatinnen künftig per Video und Social Media ihre Persönlichkeit zur Schau stellen. Eine Folge der #MeToo-Bewegung. Und ein Gegenentwurf zu Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel», sagen die Veranstalter.

«In der bisherigen Form war die Veranstaltung nicht mehr zeitgemäß», sagt Organisator Max Klemmer (24) am Donnerstag in Rust bei Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. «Miss Germany» gibt es seit 1927, der Ablauf hat sich seither in den mehr als 90 Jahren kaum verändert: Junge Frauen qualifizierten sich bei regionalen Wahlen auf Städte-, Regional- und Bundesländerebene. In Einkaufszentren, Hotels und früher auch in Diskotheken stellten sie sich auf dem Laufsteg dem Publikum und einer überwiegend männlichen und oft auch älteren Jury.

Im Wesentlichen wurden die Frauen nach ihrem Aussehen beurteilt, so wie bei anderen Schönheitswettbewerben auch. Dies stieß immer auf Kritik. «Solche Schönheitswettbewerbe sind sexistisch hoch 10», sagt die Soziologin und Geschlechterforscherin Nina Degele von der Universität Freiburg. Frauen würden auf ihr Äußeres und ihre Rolle als «schmückendes Beiwerk» reduziert. Auch die #MeToo-Bewegung sorgte zuletzt dafür, dass Frauenbilder hinterfragt wurden.

«Miss Germany» will nun neue Wege gehen und kooperiert hierfür mit dem Verlag Bauer Media Group («Closer», «Cosmopolitan», «Bravo», «inTouch».) Regionale Vorwahlen auf dem Laufsteg wird es nicht mehr geben, sagt Klemmer. Junge Frauen, die «Miss Germany» werden wollen, könnten sich nun über Social Media und Videopräsentationen bewerben. Influencer sollen die jungen Frauen dabei begleiten. Dabei gehe es um die Persönlichkeit, den Charakter und die Lebensgeschichte der Frauen – und nicht mehr vorrangig um ihr Aussehen.

Bis Ende August laufe diese Bewerbungsphase, die Resonanz sei positiv. Klemmer rechnet deutschlandweit mit mehr als 5000 Bewerberinnen. 16 von ihnen werden es ins Finale schaffen. Dort beschreiten sie dann erstmals den Laufsteg. Fragerunden und Videoporträts der Kandidatinnen sollen dort dann aber im Mittelpunkt stehen. Gewählt wird die «Miss Germany» mit dem neuen Konzept am 15. Februar kommenden Jahres im Europa-Park in Rust bei Freiburg.

Eine wesentliche Änderung hat es bereits in diesem Jahr gegeben. Die Vorstellungsrunde im Bikini oder anderer Bademode wurde ersatzlos gestrichen. Sie soll es auch künftig nicht mehr geben, sagt Klemmer. Außerdem können im nächsten Jahr neben einer Jury erstmals auch Publikum und Online-Zuschauer abstimmen. «Miss Germany» werde damit komplett neu aufgestellt – und ein Model-Contest fürs digitale Zeitalter. Die Siegerin darf dann auf das Titelbild einer Modezeitschrift.

Um ein anderes Frauenbild in der Öffentlichkeit geht es bei den Neuerungen nicht alleine, sagt Klemmer. Das Rollenverständnis habe sich mit der Zeit verändert. «Junge Frauen von heute sind in einer anderen Lebenswelt unterwegs als früher. Sie kommunizieren, vernetzen sich und präsentieren sich bei Social Media als eigenständige und selbstbewusste Persönlichkeiten.» Der Schönheitswettbewerb reagiere darauf und nähere sich dieser Lebenswelt an – auch aus eigenem Interesse. Ein paar Minuten auf dem Laufsteg reichten heute nicht mehr aus, um junge Frauen für einen Wettbewerb zu gewinnen.

Die Polizistin Nadine Berneis (29) ist amtierende «Miss Germany». Der Wettbewerb entwickle sich weg von einer reinen Fleischbeschau, sagt sie. Die Persönlichkeit der Kandidatinnen sei immer mehr gefragt. «Wenn das nicht so wäre, hätte ich mich auch gar nicht beworben.»

Vor «Miss Germany» hatte 2018 bereits der US-Schönheitswettbewerb «Miss America» auf die Bikini-Runde verzichtet. Andere, wie etwa die Veranstalter der «Miss Deutschland», halten daran noch fest.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

Bewegung – movement
Aus – here: exit
Laufsteg – runway
Äußere alleine – outward appearance alone
Schauflaufen – runway walk
auf Stöckelschuhen –in high heels
Vorstellungsrunden – introductory rounds
angehören – belong
Vergangenheit – past
künftig – in the future
Gegenentwurf – alternative
zeitgemäß – up-to-date
überwiegend – predominantly
Wesentlichen – essentially
beurteilt – judged
Geschlechterforscherin – gender researcher
«schmückendes Beiwerk» – arm candy
hinterfragt – challenged
begleiten – accompany
vorrangig – primarily
Aussehen – outward appearance
schaffen – here: compete
beschreiten – step onto
gewählt – chosen
gestrichen – eliminated
abstimmen – cast a vote
digitale Zeitalter – digital age
Öffentlichkeit – public
unterwegs – on the move
vernetzen – network
eigenständige – independent
selbstbewusste – self-confident
amtierende – holds the office of
verzichtet – cut out
Veranstalter – organizer

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Premierensieg für Mick Schumacher in der Formel 2: «Nur glücklich»

Mick Schumacher hat es geschafft. Erstmals gewinnt er in der Formel 2. Auf dem Hungaroring, der auch zu den Erfolgsstrecken seines Vaters zählte, fährt er von der Pole Position zum Sieg. Und ist einfach nur happy

Mick Schumacher von Prema Racing jubelt auf dem Podium nach seinem Sieg im Sprintrennen bei der FIA Formel-2-Meisterschaft 2019 auf dem Hungaroring. Schumacher hat seinen ersten Rennsieg in der Formel 2 gefeiert. Der 20 Jahre alte Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher verteidigte am Samstag beim Sprintrennen über 28 Runden auf dem Hungaroring bei Budapest seine Pole Position bis ins Ziel. Foto: dpa

Von Jens Marx
Budapest (dpa) – Mama Corinna zeigte den Daumen und lächelte stolz und zufrieden ihrem überglücklichen Sohn auf dem Siegerpodest zu. Mick Schumacher raste am Sonntag in Ungarn mit reichlich familiärer Unterstützung auf dem Hungaroring zu seinem ersten Sieg in der Formel 2. Im 16. Saisonrennen klappte es für den 20 Jahre alten Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher.

«Es ist großartig, es war nicht einfach», sagte Mick Schumacher und versicherte: «Ich bin einfach nur glücklich.» Es sei schon richtig: «Der erste Sieg ist immer der härteste.» 15 Rennen versuchte Mick Schumacher vergeblich, in der zweithöchsten Rennklasse überhaupt aufs Podium zu kommen. Platz vier beim Sprintrennen in Spielberg stand als bestes Ergebnis bisher auf dem Konto des Formel-3-Europameisters.

Am Samstag in Budapest, wo Vater Michael in der Formel 1 viermal gewonnen und siebenmal auf der Pole Position gestanden hatte, kam er nach Startrang vier auf dem achten Rang ins Ziel. Immerhin brachte es ihm gemäß Regelwerk Startplatz eins für das Rennen am Sonntag über 28 Runden auf dem 4,318 Kilometer langen Kurs. Die ersten Acht des Hauptrennens beginnen das Sprintrennen in umgekehrter Reihenfolge.

Startrang eins verteidigte Schumacher bis ins Ziel. Verfolger Nobuharu Matsushita aus Japan machte permanent Druck, lag oft weniger als eine Sekunde hinter Schumacher, der sich aber keinen Fehler leistete. «Er hat einen fantastischen Job gemacht», lobte der Japaner. Mit nunmehr 45 Punkten verbesserte sich Mick Schumacher im Klassement auf den elften Gesamtrang.

Wie vor einem Jahr, als er nach einer eher durchwachsenen ersten Saisonhälfte mit einem Sieg in Michael Schumachers berühmtem «Formel-1-Wohnzimmer» Spa-Francorchamps eine famoses zweites Halbjahr hinlegte, hofft der Prema-Pilot auch jetzt auf einen Schub durch den Premierensieg. Zumal es nach der Sommerpause auf dem Ardennen-Kurs in Belgien weitergeht – «da fühle ich mich besonders wohl», sagte Schumacher. Danach folgen die hochemotionalen Rennen in Monza für den Ferrari-Nachwuchsmann.

Noch vor einer Woche hatte Schumacher in einem alten Ferrari seines Vaters vor jubelnden Fans auf dem Hockenheimring eine Showfahrt absolviert. Das Gefühlshoch nahm er mit nach Ungarn. Doch auch nach seinem Premierensieg in der Formel 2 ließ er sich nicht zu einer unbedachten Aussage über den Zeitpunkt eines Aufstiegs in die Formel 1 hinreißen. «Die Zeit wird es zeigen», wiederholte er stattdessen seine Standard-Antwort zu einem der heiß diskutiertesten Themen in der Königsklasse.

«Ob nächstes Jahr, in zwei Jahren oder in drei – ich weiß es nicht», betonte er und kündigte an, den Sieg erstmal mit der Familie feiern zu wollen. Neben seiner Mutter waren auch seine Schwester, deren Freund und die Großmutter in Budapest. Vater Michael befindet sich nach seinem schweren Schädel-Hirntrauma, das er Ende 2013 bei einem Sturz beim Skifahren erlitten hatte, zur Rehabilitation in der Schweizer Wahlheimat.

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Feuilleton

Mit und ohne Religion – «Parsifal» in Bayreuth stürmisch gefeiert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) kommt zusammen mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und dessen Frau, Karin Baumüller-Söder, zum Beginn der Bayreuther Festspiele 2019 an. Foto: dpa

Bayreuth (dpa) – Erst feiern sie weihevoll Abendmahl, die Gralsritter laben sich am Blut des verletzten Amfortas, der Gral auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses kann gar nicht groß genug sein. Doch am Ende beerdigen Muslime, Juden und Christen gemeinsam die politisch instrumentalisierten Symbole ihres Glaubens. Sie finden den Frieden ohne Religion. Sinnbildlicher kann Regisseur Uwe Eric Laufenberg in seiner Inszenierung des «Parsifal» bei den Bayreuther Festspielen gar nicht ausdrücken, dass er die Religionsausübung in Frage stellen will. Die Aufführung wurde am Dienstagabend stürmisch gefeiert.

Zur Unterstützung von Laufenbergs These wird im Programmheft gar der Dalai Lama mit dem Satz zitiert: «Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.» Als der Regisseur Richard Wagners letzte Oper 2016 für die Festspiele inszenierte, wütete gerade islamistisch motivierter Terror in Europa. Laufenbergs Infragestellung der Religion war hochaktuell. Drei Jahre später ist der Terrorismus seltener in den Schlagzeilen, dem Bayreuther Publikum scheint die Deutung Laufenbergs aber nach wie vor zu gefallen.

Und es gibt noch einen Bezug zur politischen Lage vor drei Jahren: Gleich zu Beginn der Inszenierung müssen Flüchtlinge aus dem Kirchenasyl verschwinden, damit die Gralshüter ungehindert Gottesdienst feiern können. Die von Granateneinschlägen beschädigte Kirche befindet sich freilich in einem Kriegsgebiet irgendwo im Nahen Osten. 2015 war die Flüchtlingskrise in Deutschland auf ihrem Höhepunkt gewesen.

Das verwöhnte Bayreuther Publikum erlebte am Dienstag eine glanzvoll auftrumpfende Sängerriege. Vor allem Günther Groissböck als stimmlich wie körperlich Autorität ausstrahlender Gurnemanz, Elena Pankratova als besonders in der Höhe stimmgewaltige Kundry und Andreas Schager mit seinem in jeder Tonlage durchdringenden Tenor in der Titelpartie wurden vom Publikum regelrecht mit Ovationen bedacht.

Auch Derek Welton als Klingsor, Ryan McKinny in der Rolle des Amfortas und Wilhelm Schwinghammer als Titurel überzeugten. Frenetisch gefeiert wurde zudem Dirigent Semyon Bychkov. Wie immer in Topform präsentierten sich Chor (Einstudierung: Eberhard Friedrich) und Orchester der Festspiele. Für das Regieteam um Uwe Eric Laufenberg fiel der Applaus nicht ganz so stürmisch aus.

Die Bayreuther Premierenwoche geht am Donnerstag mit «Tristan und Isolde» in der Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner zu Ende. Ihre Interpretation des Opernstoffes ist dieses Jahr ebenso wie die des «Parsifal» zum letzten Mal zu sehen. Beide Werke machen 2020 Platz für den neuen «Ring des Nibelungen», den der junge Österreicher Valentin Schwarz auf die Bühne bringen soll. Die Festspiele waren am Donnerstag vergangener Woche mit einer umjubelten Neuinszenierung des «Tannhäuser» eröffnet worden. Sie dauern bis zum 28. August.

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Umwelt

Hunderte Waldbrände in Alaska

Während Beobachter wegen ungewöhnlich vielen Feuern im hohen Norden Alarm schlagen, versuchen die Brandbekämpfer in Alaska die ausgetrockneten Wälder zu schützen. An etwa 250 Stellen lodern die Flammen – und es könnten noch mehr werden.

Ein Conair AVRO RJ85 AT Löschflugzeug lässt Löschmittel über einem in der Nähe von Montana Creek brennenden Wald ab. In der Arktis und anschließenden Regionen toben Forschern zufolge Waldbrände in einer bislang nicht gemessenen Zahl. In Alaska, Kanada und Sibirien gebe es Dutzende Brandherde, teilte das von der EU finanzierte «Copernicus Atmosphere Monitoring Service» (Cams) im britischen Reading mit. Foto: dpa

New York/Anchorage (dpa) – Im von Waldbränden heimgesuchten US-Bundesstaat Alaska ist die Gefahr für weitere Feuer derzeit so hoch wie noch nie. «Was die Voraussetzungen angeht, befinden wir uns auf einem Allzeithoch», sagte der Chef der Feuerbekämpfung Alaskas, Norm McDonald, der Deutschen Presse-Agentur. Die Kennzahlen für die Gefahr von Waldbränden seien in diesem Sommer «beispiellos» und im Vergleich zu normalen Jahren doppelt so hoch.

In den vergangenen Tagen hatte das von der EU finanzierte «Copernicus Atmosphere Monitoring Service» (Cams) im britischen Reading Alarm geschlagen: In der Arktis und anschließenden Regionen tobten Waldbrände in einer bislang nicht gemessenen Zahl. Neben Alaska verzeichnete Cams Feuer in Kanada und Sibirien. Ihre Zahl sei um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren.

Ein aktueller Lagebericht des Koordinationszentrums in Alaska weist alleine dort knapp 250 aktive Brände aus, von denen etwa 200 unkontrolliert lodern. Betroffen ist demnach eine Fläche von rund 9000 Quadratkilometern, was knapp der Hälfte Sachsens entspricht. Waldbrände, meistens ausgelöst von Blitzen oder durch Menschen, sind in den Sommermonaten im dicht bewachsenen Alaska dabei keine Seltenheit. Norm McDonald zufolge gab es Jahre mit ähnlich großen Brandflächen wie zurzeit.

Allerdings seien die Voraussetzungen für Feuer – beispielsweise trockene Böden und hohe Temperaturen – so günstig wie noch nie. Die besonders betroffene Region des oberen Yukon-Tals an der Grenze zu Kanada brauche kräftige Regenfälle, damit sich die Lage entspanne, hieß es in einem Bericht von vor gut einer Woche.

Experten von Cams machen für die hohe Zahl an Brandherden auch die Temperaturen verantwortlich, die in der Arktis weitaus schneller stiegen als im globalen Mittel. «Bei wärmeren Bedingungen können Feuer leichter anwachsen und auch länger andauern, wenn sie einmal entfacht sind», hatte Wissenschaftler Mark Parrington gesagt. Zudem trage unter anderem Trockenheit zu den Bränden bei.

Die Lage in Alaskas Nachbarland Kanada dagegen ist Behörden zufolge entspannter.

Der Sommer sei die Feuer betreffend «ziemlich durchschnittlich», sagt Waldbrand-Bekämpfer Brian Simpson vom nördlichen Forst-Zentrum der Regierung. Zwar gebe es vor allem in den Bundesstaaten der Northwest Territories und Yukon einige Brände, diese seien für die Saison aber nicht weiter ungewöhnlich. Die abgebrannte Fläche sei für die Zeit des Jahres im Vergleich ebenfalls durchschnittlich.

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Reise

Weinfest auf Madeira

Weinfest in Funchal. Foto: Tourismo da Madeira/dpa

Funchal /Madeira (dpa) – Zur Erntezeit, die Ende August bis Anfang September stattfindet, versucht dieses Event die zur uralten Tradition des Weinbaus zugehörigen Bräuche der Einwohner Madeiras wieder aufleben zu lassen. Das Weinfest auf Madeira findet zu Ehren der uralten Bräuche der Einwohner statt und zeigt die Bedeutung des Weines von Beginn an für die Inselbewohner. Denn mit der Entwicklung und Erzeugung dieses kostbaren Nektars begann das Wachstum der Insel.

Musik und
Tanz beim Weinfest

Wie jedes Jahr beginnt im Dorf Estreito de Câmara de Lobos das Fest mit der typischen Weinernte. Die Trauben werden typischerweise noch mit der Hand geerntet. 2019 findet das berühmte Festa do Vinho (Weinfest) vom 25. August bis 08. September statt. Die Kolonne der Weinbauern und das Traubentreten wird als gesamtes Ritual gefeiert.

Hier kann der ganz frische Wein probiert werden und das Stadtzentrum von Funchal verwandelt sich ein ein großes Folklorefest, wo an jeder Ecke die köstlichen Spezialitäten der Insel probiert werden können.

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Ein Schwabe für Hollywood – Star-Friseur Udo Walz wurde 75

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrer Ankunft zu den Bayreuther Festspielen in den Jahren 2012 – 2015 (oben, l-r) und 2016 – 2019 (unten, l-r). Es gab eine Zeit, in der Angela Merkels Haarschnitt das Lieblingsmotiv der Karikaturisten war. Daran erinnert sich heute kaum noch jemand – Udo Walz sei Dank. In kleinen Schritten und mit gekonnten Schnitten holte der Friseur die Haare der Kanzlerin aus den Schlagzeilen. Foto: dpa

Von Taylan Gökalp
Berlin (dpa) – Es gab eine Zeit, in der Angela Merkels Haarschnitt das Lieblingsmotiv der Karikaturisten war. Daran erinnert sich heute kaum noch jemand – Udo Walz sei Dank. In kleinen Schritten und mit gekonnten Schnitten holte der Friseur die Haare der Kanzlerin aus den Schlagzeilen. Walz, Feind der Dauerwelle und Freund diskreter Haareingriffe, feierte am 28. Juli seinen 75. Geburtstag. Die Kanzlerin schaut auch immer wieder vorbei.

Wie ein König sitzt Walz auf dem Sessel in seinem Berliner Salon am Kurfürstendamm und beäugt seine Mitarbeiter beim Lockenwickeln und Stufenschneiden. Quer durch den Raum ruft er dem jungen Nachwuchs Anweisungen zu und versucht dabei vergeblich, streng auszusehen. Er lebe ja sehr in Demut, sagt er und blickt auf die Porträts, die im Salon hängen. «Das war meine Lieblingskundin», sagt er und zeigt auf Romy Schneider. «Sie hat mich sehr geschätzt, weil ich die Presse nie anrief, wenn sie da war.»

Der Meister hatte sie schon alle – noch bevor er zum Coiffeur der Berliner Republik aufstieg: Marlene Dietrich, Romy Schneider, Claudia Schiffer, Sabine Christiansen, Julia Roberts, Jodi Foster. Bis nach Hollywood reicht die Liste seiner prominenten Kunden.

Zwar heißt es immer wieder, Schweigsamkeit zähle nicht zu den Kerntugenden der Friseurzunft. Walz jedoch konnte schweigen, was seine berühmten Kunden sehr zu schätzen wussten, wie er berichtet. Wenn es um ihn selbst geht, wird der verschwiegene Schnittvirtuose zum redseligen Medienanimateur.

Buchveröffentlichungen, Fernsehauftritte, zwischendurch eine eigene Radiosendung – der Promi-Friseur wurde im Laufe der Jahre so prominent wie einige seiner Kunden. Das Management seines medialen Schaffens überlässt er seinem Partner Carsten, mit dem er seit 2008 verheiratet ist.

«Ich war nicht talentfrei», sagt der gebürtige Waiblinger, wenn er von seinem erfolgreichen Aufstieg erzählt, der allerdings keineswegs vorgezeichnet war. Dass er überhaupt die Gesellenprüfung schaffte, verdankt er dem gnädigen Urteil seiner Prüfer, die ihn gerade noch bestehen ließen – als drittschlechtesten unter 600 Prüflingen. Nach Abschluss seiner Ausbildung hielt es den jungen Schwaben nicht länger im Ländle. Über Umwege landete er im Schweizer Nobelort St. Moritz, wo er sich «Monsieur Boris» nannte, weil das besser klang als Udo. Kurze Zeit später saß Marlene Dietrich auf seinem Stuhl und ließ sich die Haare von dem 18-Jährigen richten.

Während der gesellschaftlich turbulenten 60er Jahre zog es den ehrgeizigen Nachwuchsfriseur Walz in das Zentrum des Kalten Krieges, in den Westteil Berlins. Auf den ersten Salon 1968 am Kudamm folgten später weitere – bis nach Mallorca. In den 80ern modellierte er für Modemacher wie Wolfgang Joop und Jean-Paul Gaultier die Haare der Models.

Das Wort Ruhestand nimmt der Altmeister nicht in den Mund. «Ich würde auch im Rollstuhl hier reinfahren», sagt er. Während er spricht, betreten immer wieder Stammkunden den Salon. Walz begrüßt sie persönlich. Bussi links, Bussi rechts, kurzer Hinweis auf den anwesenden Journalisten, kleiner Smalltalk mit Einladung zum Geburtstag und weiter geht’s. Wo waren wir stehengeblieben?

Bei Angela Merkel sei er behutsam vorgegangen. Der Begriff «Prinz-Eisenherz-Frisur» fand sich regelmäßig in den Blättern, und sogar das Werbeplakat eines Autovermieters machte sich über ihre Frisur lustig. Merkel habe darum gebeten, mit kleinen Veränderungen anzufangen.

Nach mehreren Terminen habe die Frisur dann so ausgesehen, wie er sie sich vorgestellt habe, erzählt Walz: «Ich dachte, ich kriege mal das Bundesverdienstkreuz dafür.»

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