11. April 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Mit eigenem Kugelschreiber, aber ohne Gäste: Hochzeit in Corona-Krise

Für viele Menschen ist die Hochzeit der schönste Tag im Leben und will ausführlich geplant sein. Doch was, wenn das Coronavirus die Pläne durchkreuzt? Daran hängt nicht nur das Glück von Paaren – sondern auch eine ganze Industrie

Die Silhouette eines frisch vermählten Hochzeitspaares zeichnet sich im Gegenlicht ab. Blumen, Ringe, Reden… Für viele Menschen ist die Hochzeit der schönste Tag im Leben und will ausführlich geplant sein. Doch was, wenn das Coronavirus die Pläne durchkreuzt? Daran hängt nicht nur das Glück von Paaren – sondern auch eine ganze Industrie. Foto: dpa

Von Regina Wank
Berlin (dpa) – Das Coronavirus macht das Heiraten schnell zu einer einsamen Angelegenheit – und unter Umständen zu einer teuren. Absagen, Verschieben oder trotzdem durchziehen: Wie reagieren Paare, Standesämter und Wedding Planner in der Corona-Krise?

DAS BRAUTPAAR: Angie König und ihr Mann haben im Februar standesamtlich geheiratet, die große Feier war für Juni geplant. «Wir sind eigentlich gerade in der Phase, wo wir alles dingfest machen», erzählt die 29-Jährige. Nun haben sie die Hochzeit auf nächstes Jahr verschoben – «weil alles so unsicher ist». Auch das ist aber nicht ganz einfach. Normalerweise müsse man die Termine mindestens ein Jahr im Voraus blocken. Locations, Trauredner und Fotografen sind schnell ausgebucht, gerade jetzt, wenn viele Paare ihre Feiern verschieben. Denn auch im nächsten Jahr gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Tagen – aber unter Umständen ein Vielfaches an Hochzeitspaaren. Deswegen überlegen die Beiden sogar, ihre Hochzeit auf Frühjahr 2022 zu verlegen.

STANDESÄMTER: Eine normale Trauung ist derzeit in keinem Standesamt mehr möglich. In München werden bereits vereinbarte Termine für die Trauung noch durchgeführt, wie es auf dem Stadtportal heißt. Allerdings ohne Trauzeugen oder Gäste – nur das Ehepaar und gegebenenfalls ein Dolmetscher dürfen bei der Feier dabei sein. Man will im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr auf Nummer sicher gehen: «Bitte bringen Sie zur Eheschließung eigene Kugelschreiber mit», heißt es.

Anders als in München ist im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick den Angaben zufolge noch ein Fotograf erlaubt. Aber auch Trauzeugen müssen hier draußen bleiben. In Frankfurt sitzen in den Standesämtern, die noch geöffnet haben, die Beamten hinter Glas, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wie die Behörde mitteilte. Auch hier sind keine Gäste oder Fotografen gestattet. Die Paare, die bereits einen Termin zur Trauung haben, würden kontaktiert, ob sie ihren Termin auch unter diesen Umständen noch wahrnehmen wollen. Neue Termine werden vorerst keine gemacht.

DIE HOCHZEITSPLANER: «Wir sind gerade sehr beschäftigt mit einem Plan B für die Paare, die in den nächsten Monaten heiraten wollen“, erzählt die Hochzeitsplanerin Marie Alsleben. Sie rät dazu, Feiern im April zu verschieben und bei Hochzeiten im Mai oder Juni einen Ersatztermin zu suchen. Die Veranstaltungsorte zeigen sich meist sehr kulant, sagt Alsleben – allerdings sei es dann nicht immer möglich, an einem Samstag zu heiraten.

Derzeit leidet die ganze Branche: Viele Existenzen seien bedroht, nicht nur bei Hochzeitsplanern, sondern auch bei Stylisten, Fotografen und den Betreibern von Veranstaltungsorten, sagt Svenja Schirk vom Bund Deutscher Hochzeitsplaner. «Wir als Dienstleister haben Angst um unsere Existenz – denn die Umsatzeinbußen sind enorm». Wie es weitergeht, ist auch hier offen: «Vielleicht kommen nach der Krise viele Heiratsanträge, weil sich alle freuen, dass es überstanden ist – oder aber die Paare wollen dann erstmal ihr Geld zusammenhalten und verzichten auf eine Hochzeit», meint Alseben. Sie hofft auf ersteres und blickt positiv in die Zukunft, denn: «Gerade in Krisenzeiten wie jetzt ist es toll zu merken, wie sehr sich die gesamte Hochzeitsbranche gegenseitig unterstützt.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Hochzeit – wedding
ausführlich – elaborately
durchkreuzt – thwarts
einsamen Angelegenheit – lonely affair
unter Umständen – under the circumstances
Absagen – cancellation
Verschieben – postponement
standesamtlich geheiratet – civil wedding ceremony
dingfest machen – locked down
im Voraus – in advance
Trauredner – wedding officiant
ausgebucht – totally booked
gerade jetzt – especially now
begrenzte Anzahl – limited number
Vielfaches – multiple
verlegen – put off
Trauung – marriage ceremony
vereinbarte – agreed upon
allerdings – nevertheless
Trauzeugen – witnesses to the wedding
Ehepaar – bride and groom
gegebenenfalls – where applicable
Dolmetscher – interpreter
Hinblick – in view of
Ansteckungsgefahr – danger of infection
auf Nummer sicher gehen – err on the side of caution
Eheschließung – marriage service
eigene Kugelschreiber – own pen
draußen – outside
Behörde – authorities
keine…gestattet – not permitted
einen Termin…wahrnehmen – keep the appointment
vorerst – for the time being
Ersatztermin – back-up date
Veranstaltungsorte – venues
kulant – accomodating
bedroht – threatened
Betreibern – operators
Dienstleister – service providers
Heiratsanträge – marriage proposals
überstanden – survived
zusammenhalten – scrape together
verzichten – forego
gegenseitig unterstüzt – support one another

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

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Feuilleton

Eintritt frei zu Nofretete:

Osterhasenpostamt antwortet wieder auf Kinderbriefe

Eine Mitarbeiterin sortiert im Postamt Antwortschreiben von Hanni Hase an die Kinder, die ihm geschrieben haben. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Zeven (dpa) – Der Osterhase aus dem Dörfchen Ostereistedt in Niedersachsen antwortet für vier Wochen wieder auf Kinderbriefe aus aller Welt. Die seit 38 Jahren stattfindende Aktion begann wegen der Coronavirus-Epidemie aber erstmals ohne Öffentlichkeit, wie die Deutsche Post am Montag in Hamburg mitteilte. Im Postamt Zeven (Kreis Rotenburg) beantwortet traditionell ein Team von Freiwilligen die Briefe. Vergangenes Jahr gingen 40 560 Briefe ein, davon etwa 1500 aus dem Ausland. Die Aktion soll Kindern das Briefeschreiben nahebringen. Bei der Post hat der Osterhase diese Adresse: Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt.

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Gesundheit

Mit Ablenkung und Austausch
gegen die Corona-Angst

Menschen mit Depressionen sollten sich während der Coronakrise auch öfters draußen bewegen.
Foto: Tobias Hase/dpa

Leipzig (dpa) – Das Coronavirus breitet sich aus – und mit ihm die Angst vor Infektionen. Menschen mit Depressionen macht das besonders zu schaffen. Wie Betroffene gegensteuern können.

Das Coronavirus macht vielen Angst – und die soziale Isolation kann dieses Gefühl noch verstärken. Gerade für Menschen mit Depressionen ist das eine Belastungsprobe. Wie können sie gegensteuern? Aktiv bleiben und sich ablenken, lautet der Rat der Deutschen Depressionshilfe.

Auch in Zeiten verordneter sozialer Isolation hilft der Austausch mit anderen: Depressive Menschen sollten viel mit Freunden und Familie sprechen. Allerdings darf es dabei nicht nur um das Thema Corona gehen. Bewegung ist wichtig, am besten draußen, sofern möglich.

Auch wenn die Coronakrise gewohnte Tagesabläufe auf den Kopf stellt: Mehr zu schlafen oder länger im Bett liegen zu bleiben, ist für Menschen mit Depressionen nicht gut. Erschöpfungsgefühl und Depressionsschwere nehmen dadurch nicht ab, sondern werden mehr. Hilfreich ist ein detaillierter Tages- und Wochenplan.

Für Menschen ab 15 Jahren mit leichteren Depressionen bietet die Depressionshilfe ein kostenfreies Online-Selbstmanagement-Programm an. Es wird eigentlich durch einen Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten begleitet.

Da jedoch manche Patienten in häuslicher Isolation sind und Ärzte an ihre Belastungsgrenzen stoßen, ist das in zwölf Sprachen verfügbare Programm nun für sechs Wochen auch so zugänglich. Die Anmeldung erfolgt formlos per E-Mail ( ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de).

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Reise

Urlaubs-Pause:

Was uns fehlt, wenn wir nicht mehr reisen können

Ich reise, also bin ich – aber was, wenn das plötzlich nicht mehr möglich ist? Wegen der Corona-Krise müssen wir alle vorerst zu Hause bleiben. Was macht das mit uns?

Nicht nur die Kreuzfahrtgesellschaften haben wegen Corona vorerst alle Reisen abgesagt.
Foto: Philipp Laage/dpa

Von Philipp Laage
Berlin (dpa) – Urlaub heißt Glück: Diese Gleichung durchzieht die Geschichte vom Tourismus. Die Tui zum Beispiel wirbt mit dem Spruch „Discover your Smile“ (Entdecke dein Lächeln). Fast so, als gäbe es erst dann einen Grund zur Freude, wenn man endlich die Koffer packen kann. Doch damit ist es nun vorbei.

Nicht nur Tui hat wegen Corona vorerst alle Reisen abgesagt. Urlaub ist generell unmöglich geworden, ohne Ausnahmen und Schlupflöcher: Die Reisewarnung der Bundesregierung gilt weltweit. Statt in die Welt hinaus zu fliegen, werden die Bürger nach Hause gebracht.

Die große Erzählung vom Traumurlaub
Nicht nur kommerzielle Veranstalter preisen in der Aussicht auf dicke Umsätze das Reiseglück, es sind vor allem die Urlauber selbst. Selfies auf Instagram und per Whatsapp senden die Botschaft: Ich habe eine tolle Zeit! Die Sommerferien gelten als „die schönsten Wochen des Jahres“, als Höhepunkt unseres Daseins. Da kann gerade noch Weihnachten mithalten.

Was macht es mit uns, wenn der Glücksfaktor Reisen plötzlich wegfällt? Wenn wir alle auf unabsehbare Zeit daheim bleiben müssen? Spazieren im Park statt Sardinien oder San Francisco.

Der Zukunfts- und Tourismusforscher Prof. Horst Opaschowski hat das Reisen mehr als 30 Jahre untersucht – warum die Menschen unterwegs sind, wohin sie fahren, was sie in der Ferne suchen. Dass sie plötzlich nirgendwo mehr hin können, gab es aber noch nie.

Die Angst vor den eigenen vier Wänden
Der Befund des Experten ist eindeutig: „Ohne das Reisen drohen den Menschen Entzugserscheinungen“, sagt Opaschowski. „Denn das Reisen gehört einfach zum Menschen. Wir waren mobil, bevor wir sesshaft wurden.“ Die Geschichte des Menschen sei eine Geschichte der Mobilität und des Reisens. Die Fallhöhe ist also groß.

Opaschowski verweist auf einen bekannten Spruch des französischen Gelehrten Blaise Pascal (1623-1662), der sinngemäß besagt: Alles Unheil rührt allein daher, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrem Zimmer sitzen können. Horror vacui: die Angst vor der Leere.

Wir können jetzt niemand anderes mehr sein
„Reisen ist die populärste Form von Glück“, sagt Opaschowski. Das liege an zwei Dingen: „Reisen ermöglicht den Ortswechsel und auch den Rollenwechsel.“ Beides sei im Moment nicht möglich. „Jeder spielt im Urlaub und auf Reisen eine andere Rolle, was man oft schon an der Kostümierung sieht.“ Nun sei jeder auf sich selbst zurückgeworfen – der Ausbruch aus dem Gewohnten fehlt.

Und es gibt noch einen anderen Effekt: Ohne das Reisen ist einfach weniger Action. „Die treibende Kraft für Mobilität und Reisen ist die Angst, im Leben etwas zu verpassen“, sagt Opaschowski. Je jünger die Menschen, umso bedeutender das Reisen. In der Tat konnte man in den vergangenen Jahren den Eindruck gewinnen, dass das Reisen zu dem Statussymbol und Sinnstifter schlechthin geworden ist. Gefühlt musste jeder auch einmal nach Bali und New York.

Wäre nun die Zeit, den Billigflieger-Hedonismus zu hinterfragen, die hektischen Wochenendtrips nach London, Rom oder Barcelona? Der Experte ist skeptisch: „Das ist die Wunschvorstellung, aber ich glaube, sie wird so nicht funktionieren. Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass wir immer wegkönnen.“ Die Tourismusindustrie sei gleichzeitig Langweile-Verhinderer und Langweile-Produzent. Wie das? „Weil man abhängig wird“, sagt Opaschowski.

Angenehme Ruhe hat ein Verfallsdatum
Aber ist es nicht auch mal schön, das Zuhause zu genießen? Es kommt wohl darauf an, wie lange der Reisestopp andauern wird. „Das eigene Haus kann noch so schön gestaltet sein, irgendwann muss man einfach raus“, schätzt Opaschowski. „Da ist dieses Bedürfnis: raus aus dem Alltag, raus den Gewohnheiten, den Terminen und der Routine.“ Der Mensch brauche einfach den Kontrast zum Alltag.

Opaschowski glaubt auch nicht daran, dass die verordnete Ruhe, die nun ins Leben einkehrt, auf Dauer wirklich gut tut. Er vergleicht das mit der Sehnsucht nach dem Ruhestand. „Es gibt viele, die sich darauf freuen, wenn das Arbeitsleben zu Ende ist. Die freuen sich riesig darauf, mal die Wohnung aufzuräumen. Aber das hält dann nicht ewig an“, glaubt der Zukunftsforscher.

Natürlich sei jede Form von Langeweile eine Chance, zu sich zu kommen. „Man kann das vorübergehend auch genießen. Aber der Mensch ist ein tätiges Wesen, er muss etwas um die Ohren haben“, sagt Opaschowski. Der Kreislauf sei folgender: Die Unrast, etwas tun zu müssen, führt zu Stress. Und so sehnt man sich nach Ruhe. Wenn die dann aber da ist, kann man sie auf Dauer nicht ertragen.

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Aus Allen Staaten

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