11. Dezember 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Was Sie so noch nicht über Weihnachten wussten

24 Mal werden wir noch wach – heißa, dann ist Weihnachtstag! Um die Wartezeit bis dahin zu überbrücken, gibt es 24 Einheiten aus der Reihe Weihnachts-Fakten für den Advents-Smalltalk.

Uelzen: Weihnachtsmann Willi Dahmen schaut aus dem Fenster
in seinem Büro in Uelzen. Foto: dpa

Von Alexandra Stober
Berlin (dpa) – Eine riesige Tanne im Einkaufszentrum, schräge Weihnachtsgeschenke im Sketch-Klassiker und ein rotnasiges Rentier zum Ausmalen – hier sind die Details und noch viel mehr:
Wie wäre es, wenn es immer Lebkuchen-Herzen und Spekulatius im Supermarkt gäbe? Nicht erstrebenswert: Nur ganze zwei Prozent der jüngst befragten Erwachsenen in Deutschland wünschen sich das.

Eine knapp 65 Meter hohe Douglasie, die 1950 in einem Einkaufszentrum im amerikanischen Seattle stand, gilt bis heute als der höchste Weihnachtsbaum der Welt, so das Guinness-Buch der Rekorde.

Gans im Ofen, Weihnachtsbeleuchtung an, Fernseher läuft. Droht der Blackout? Nein. Ein «möglicherweise höherer Stromverbrauch über die Weihnachtstage» werde durch geringeren Verbrauch in der Industrie überkompensiert, so der zuständige Bundesverband.
Die historisch belegte Volkszählung des Quirinius im Lukas-Evangelium passt zeitlich nicht zu anderen Bezügen in der Weihnachtsgeschichte. Nicht schlimm, so die Theologie. Für sie zählt allein die Symbolik.

Aus manchem Fenster leuchtet in der Weihnachtszeit ein Stern mit besonderer Geometrie: ein Herrnhuter Stern. Die Idee dazu entstand im 19. Jahrhundert in einem Internat der Herrnhuter Brüdergemeinde.

Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden? Nein. Das rot-weiße Gewand geht tatsächlich auf eine Werbekampagne des Unternehmens zurück. Aber die Figur gab es in Deutschland bereits im 19. Jahrhundert.

Die Blätter in «O Tannenbaum» sind meist grün, doch in manchen Versionen treu. Diese Formulierung stammt aus einer Liebesweise vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Einige Jahre später ergänzte ein Dichter sie und machte ein Weihnachtslied daraus.

Post für den Weihnachtsmann? Kann man in Deutschland etwa nach Himmelpfort schicken. Santa Claus’ offizielle Postfiliale findet man nahe dem finnischen Rovaniemi am Polarkreis.
Das thüringische Lauscha ist bekannt für sein Glasbläser-Handwerk, besonders für mundgeblasenen Weihnachtsbaumschmuck. Dessen Herstellung gehört seit 2021 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Die Besatzung der amerikanischen Apollo-8-Mission sendete am 24. Dezember 1968 live Weihnachtsgrüße aus der Umlaufbahn des Mondes. Der Großteil der Botschaft bestand darin, dass die drei Astronauten das biblische Buch Genesis zur Erschaffung der Erde zitierten.

Auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean laufen jedes Jahr Millionen Rote Landkrabben vom Inneren ihrer Heimatinsel zur Küste, wo sie sich paaren. Sie werden auch Weihnachtsinsel-Krabben genannt.

In Loriots Sketch-Klassiker «Weihnachten bei Hoppenstedts» bekommt Kind Dicki ein Spielzeug-Atomkraftwerk, Mutter einen «Saugblaser Heinzelmann», Vater diverse Krawatten und Opa einen Plattenspieler.

Bing Crosbys Version von «White Christmas» (Komponist war Irving Berlin) gilt als meistverkaufte Single. Geschätzte 50 Millionen Mal wurde sie laut Guinness-Buch bis zum Jahr 2012 gekauft.

War der 14-Millionen-Euro-Weihnachtsbaum in einem Hotel im spanischen Marbella der teuerste der Welt? Im Guinness-Buch landete die exklusiv geschmückte Kreation der Designerin Debbie Wingham (bislang) nicht.

Johann Sebastian Bach «parodierte» in seinem Weihnachtsoratorium. Nein, er machte sich dabei nicht über etwas lustig. Im Barock bedeutete das vielmehr: Bach verwendete darin Stücke, die er für frühere Werke komponiert hatte.

In Rot steht der Weihnachtsstern auf vielen Fensterbrettern. Die auffälligen farbigen Teile sind keine Blüten, sondern Hochblätter – Blätter oberhalb der normalen, die in Farbe und Form abweichen.
I’m dreaming of a white…» genau, das mit dem Schnee bleibt im deutschen Flachland oft ein Traum. Schuld daran ist regelmäßig milde atlantische Luft rund ums Fest, erklärt der Deutsche Wetterdienst.

Der rotnasige Rudolf, das wohl bekannteste Rentier der Welt, wurde als Protagonist für das Weihnachts-Malbuch eines amerikanischen Kaufhauses im Jahr 1939 erschaffen.

Stollen – ein typisch deutsches Weihnachtsgebäck. Auch der Rekord für den längsten der Welt geht an ein deutsches Unternehmen. Doch gebacken wurde der gut 72 Meter lange Hefekoloss in den Niederlanden.

Das letzte traditionelle Lametta aus Stanniol, also aus dünner Zinnfolie, wurde in Deutschland 2015 produziert. Zuletzt waren es jährlich nur noch ein paar Hundert Kilo, so der Hersteller damals.
Die einen lieben es, die anderen hassen es: «Last Christmas» von Wham! aus dem Jahr 1984. Das Video dazu wurde im Schweizer Alpen-Ort Saas-Fee gedreht. Die Crew wollte dort mit der Stretch-Limousine herumfahren – doch daraus wurde nix: Der Ort war und ist autofrei.

Der beliebteste Weihnachtsbaum in Deutschland trägt seinen Namen als Erinnerung an den finnischen Biologen Alexander von Nordmann. Die Samen der hierzulande angebauten Bäume stammen meist aus Georgien.

«Stille Nacht, heilige Nacht» wurde zum ersten Mal in einer Kirche im österreichischen Oberndorf gesungen. An deren Stelle steht seit gut 80 Jahren eine Kapelle, zu der vor allem Touristen aus Asien pilgern.

Am zweiten Feiertag ist alles vorbei? Nicht aus kirchlicher Sicht: Liturgisch gesehen endet die Weihnachtszeit bei den Katholiken am Sonntag nach Epiphanias (6. Januar), in der evangelischen Kirche sogar einige Sonntage später.

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Sport

Kiez-Party vor vorsichtigen Fans: FC St. Pauli ist Herbstmeister

Der FC St. Pauli holt einen inoffiziellen Titel und positioniert sich immer deutlicher als Aufstiegskandidat. Im Spitzenspiel gegen Schalke kommen deutlich weniger Zuschauer als erlaubt ans Millerntor.

Millerntor-Stadion. St. Paulis Co-Trainer Loïc Favé (l) feiert beim Abpfiff mit seinen Assistenten. Foto: dpa

Von Stefan Flomm
Hamburg (dpa) – Flutlicht, Dom und vorzeitige Herbstmeisterschaft – beim FC St. Pauli kommt vorweihnachtliche Festtagsstimmung auf. Bevor in der kommenden Woche die Zuschauerzahlen bei Großveranstaltungen auch in Hamburg eingeschränkt werden, hat der Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga dank des überragenden Doppel-Torschützen Guido Burgstaller noch einmal eine ausgelassene Kiez-Party gefeiert.

Das 2:1 über den FC Schalke 04 war der achte Sieg im achten Heimspiel für die Hanseaten. Das schaffte keiner der Konkurrenten. Die Mannschaft schöpft zudem Zuversicht aus der Statistik: 27 von 39 Zweitliga-Herbstmeistern sind am Saisonende in die Bundesliga aufgestiegen. Die Verfolger wie Darmstadt 98 und Jahn Regensburg, die ihre Spiele am Wochenende gegen Fortuna Düsseldorf (1:3) und den 1. FC Heidenheim (0:2) verloren, bleiben bis zum Start nach der Winterpause auf jeden Fall hinter dem FC St. Pauli.

Da auch der Hamburger SV nach zwölf Spielen ohne Niederlage bei Hannover 96 mit 0:1 verlor, ist der Vorsprung des Stadtrivalen auf den dritten Platz auf sieben Punkte angewachsen. Den Siegtreffer für die Niedersachsen, die sich auf Rang 15 verbesserten, erzielte Linton Maina in der 14. Minute.

19 950 Zuschauer waren ans Millerntor gekommen und hatten damit ein Zeichen gesetzt. Laut der noch geltenden Hamburger Eindämmungsverordnung hätte das 29 546 Plätze bietende Stadion komplett gefüllt werden dürfen. Für den am Mittwoch wiedergewählten St.-Pauli-Präsidenten Oke Göttlich war die Zurückhaltung nicht verwunderlich: «Wir haben vorsichtige und verantwortungsvolle Menschen in Hamburg», sagte der 46-Jährige am Sky-Mikrofon.

Auch wenn St. Pauli in diesem Jahr kein Heimspiel mehr hat, bleibt der Blick auf die Corona-Pandemie geschärft. «Wir müssen vorsichtig sein und vorsichtig bleiben», mahnte Göttlich, der aber auch betonte: «Wir müssen im Rahmen der wissenschaftlichen Möglichkeiten operieren können.»

Mann des Abends auf dem Spielfeld war Hamburgs Top-Stürmer Burgstaller, der gegen seinen Ex-Club aus Gelsenkirchen in der 20. und 39. Minute seine Treffer Nummer 13 und 14 in dieser Saison erzielte. Damit setzte sich der Österreicher an die Spitze der Torjägerliste.

Groß darüber reden wollte der 32-Jährige nicht. Er mahnte trotz der Tabellenführung Bodenhaftung an: «Wir wissen, dass wir uns davon heute noch nichts kaufen können und für solche Erfolge hart arbeiten müssen.» Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die Demut berechtigt ist: Von den letzten fünf sogenannten Herbstmeistern schaffte nur Arminia Bielefeld nach der Spielzeit 2019/20 tatsächlich auch den Aufstieg. Dagegen scheiterten Eintracht Braunschweig, Holstein Kiel und zweimal auch der Stadtrivale Hamburger SV.

Der Stimmung auf dem Kiez tat diese Statistik keinen Abbruch. Das taten eher zwei Begleiterscheinungen des Abends: zum einen das nasskalte Schmuddelwetter und zum anderen, dass Chefcoach Timo Schultz erneut coronabedingt fehlte. Für ihn hatte Co-Trainer Loic Favé das Kommando. «Es war eine brutale Energieleistung von allen», fasste der 28 Jahre alte Franzose das Spiel zusammen.

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Feuilleton

Jelinek erhält Theaterpreis Nestroy fürs Lebenswerk

Die österreichische Autorin und Dramatikerin Elfriede Jelinek, in ihrem Haus in Wien.
Foto: Roland Schlager/APA/EPA/dpa

Wien (dpa) – Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat den Theaterpreis Nestroy für ihr Lebenswerk erhalten. Die 75-Jährige sei die wohl wichtigste Gegenwartsdramatikerin deutscher Sprache, hieß es bei der TV-Übertragung der Preisverleihung am Sonntagabend. Sie bedanke sich herzlich und «zwar ganz unironisch, eher melancholisch, weil das Leben bald vorbei ist und das Werk mit ihm gehen wird oder auch nicht», sagte Jelinek in einer akustischen Einspielung. Sie räumte ein, dass sie bei der Betrachtung ihrer Stücke auf einem Bildschirm manchmal vor Schmerz aufschreie, weil ihr bewusst würde, «dass etwas, was ich geschrieben habe, der Bühne nicht genügt hat.»    

Regisseur Nicolas Stemann, der als Jelinek-Spezialist gilt, sagte, die Autorin sei von einem «unglaublichen Gerechtigkeitsbedürfnis» getrieben, weshalb sie zur aktuellen Politik einfach nicht schweigen könne.

Seit dem Nobelpreis 2004 hat Jelinek viele neue Stücke geliefert – zu den jüngsten Werken gehören «Am Königsweg», das sich mit dem Phänomen Donald Trump beschäftigt, und «Schwarzwasser», das sich die österreichische Ibiza-Korruptionsaffäre rund um rechte und konservative Politiker vorknöpft.

Der Wiener Theaterpreis Nestroy wird in 13 Kategorien vergeben. Die diesjährige Verleihung fand coronabedingt ohne Publikum statt.

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Gesundheit

EU-Gesundheitsbehörde warnt vor schwierigem Corona-Winter

Ein Mann mit Maske läuft an einem Schild vorbei, das auf Abstand und das Tragen einer Maske hinweist. Ohne sofortige Corona-Maßnahmen und höhere Impfzahlen steht Europa nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC ein schwieriger Winter bevor.  Foto: Fabian Sommer/dpa 

Stockholm (dpa) – Ohne sofortige Corona-Maßnahmen und höhere Impfzahlen steht Europa nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC ein schwieriger Winter bevor. Modellierungsszenarien wiesen darauf hin, dass dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) im Dezember und Januar eine möglicherweise sehr hohe Krankheitsbelastung durch die Delta-Variante drohe – es sei denn, man wende umgehend sogenannte nicht-pharmazeutische Interventionen (NPI) an, teilte die Behörde mit. Zu solchen Maßnahmen zählen zum Beispiel Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Gleichzeitig müssten mehr Menschen geimpft werden, hieß es in der neuen Corona-Risikoeinschätzung des ECDC.

Die Festtage zum Jahresende seien traditionell mit Zusammenkünften, Shopping-Touren und Reisen verbunden, schrieb die in Stockholm ansässige Behörde weiter. Dies stelle ein erhebliches Risiko einer noch stärkeren Infektionsverbreitung dar.

Weil die Impfstoffe einen hohen Schutz gegen schwere Krankheitsfolgen bieten, werden Ungeimpfte laut ECDC-Direktorin Andrea Ammon eine große Zahl neuer Krankenhauseinweisungen ausmachen, darunter vor allem Ungeimpfte in Risikogruppen. Die derzeitige Gesamtimpfrate im EWR werde unzureichend sein, um die Belastung durch Corona-Fälle und Einweisungen in den Wintermonaten zu begrenzen. Europa müsse Immunitätslücken in der erwachsenen Bevölkerung schließen.

Da der Impfschutz mit der Zeit offenbar abnehme, müssten nicht-pharmazeutische Maßnahmen aufrechterhalten oder wiedereingeführt werden, sagte Ammon in einer Videobotschaft.
Es gehe nicht darum, entweder zu impfen oder Maßnahmen zu ergreifen. Vielmehr sei beides notwendig, um die Infektionsausbreitung zu minimieren. «Wir sollten nicht auf die Zunahme von Fällen warten, um persönliche Schutzmaßnahmen einzuführen.»

Nicht ausreichende Impfzahlen und die weitgehende Maßnahmenlockerung haben laut ECDC dazu beigetragen, dass die Corona-Zahlen im Oktober und Anfang November im Großteil der EWR-Länder angestiegen sind.

Bislang sind demnach 65,4 Prozent der Gesamtbevölkerung und 76,5 Prozent der Erwachsenen im EWR vollständig gegen Covid-19 geimpft worden. Zum Wirtschaftsraum zählen neben der Europäischen Union außerdem noch Norwegen, Island und Liechtenstein

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Reise

Sie rollen wieder: Die Rückkehr der Busreisen

Der Vorteil einer Busreise: Das Gepäck reist im Bus überall hin mit.  Foto: Alexander Heinl/dpa

Von Andreas Drouve
Kriftel (dpa) – Mit einer Vollbremsung kamen sie zum Stillstand, im übertragenen Sinne. Niemand wusste, wann und wie es weitergehen würde. Nun rollen sie wieder und finden seit dem Sommer allmählich in die Erfolgsspur zurück. Gemeint sind Reisebusse, die dort anknüpfen wollen, wo sie vor der Corona-Krise aufgehört hatten.

Lange boomte die Branche, doch in den Destinationen hat nicht jeder gejubelt. Busreisen standen für nervigen Overtourism. Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer sorgten für verstopfte Altstadtgassen, Burgen, Kathedralen und Caféterrassen. Manch einer echauffierte sich auch über den regelmäßigen Ansturm aufs Frühstücksbüfett, wenn die Abfahrt schon um 8.00 Uhr angesetzt war und wenig Zeit blieb.

Aus ökologischer Sicht bieten Reisebusse aber einen Vorteil. Ein mit Urlaubern vollgepackter Bus stößt weniger CO2 aus, als wenn man die Passagiere auf Autos verteilen würde. Und im Vergleich mit dem Flugzeug liegt das Verkehrsmittel Bus ohnehin vorne.

Im Reisebus über den Brenner
Besi Trendtours aus Kriftel in Hessen waren im Herbst allein in Italien wieder mehr als 200 Busse im Einsatz. Zum Brot- und Buttergeschäft gehören derzeit auch Gruppenreisen in Deutschland, Spanien, Polen und den Niederlanden, teilt der Veranstalter mit.

Touren zu weiter entfernten Zielen würden aktuell kaum durchgeführt. Das liege teils an den schwierigen Einreisebedingungen und auch daran, dass manch einer die lange Reise mit Maske scheue.

Für das kommende Jahr nimmt man auch wieder Fernreisen ins Visier: Die Vorausbuchungen für Nordamerika, die Seidenstraße oder auch Kuba, Singapur und Malaysia seien bereits jetzt gut.

Alle finden in ihre alten Rollen zurück
Auch die Reiseleiter freuen sich. Und stehen nun wieder vor den gleichen Fragen wie vor Corona: Konzentrieren sie sich bei den Erklärungen auf das Interessante und Wesentliche? Oder bewegen sie mit Jahreszahlen und Nebensächlichkeiten nur die Luft vor dem Mund?

Gleichfalls aus der Übung gekommen sind die Reiseteilnehmer. Nun können sie die vom Guide präsentierten Fakten wieder mit dem Inhalt ihrer gedruckten Reiseführer vergleichen. Und Einspruch erheben: «Hier im Band auf Seite einhundertdreiunddreißig steht aber, dass…»
Rüdiger Tramsen, Geschäftsführer von Biblische Reisen aus Stuttgart, sieht noch eine Baustelle, und zwar bei Stadt- und Ortsrundgängen: die Ausstattung aller Reisegäste mit Audiosystemen. Warum das? «Um die Rudelbildung um die Reiseleitung herum zu vermeiden.»

Doch auch Corona ist natürlich noch ein Thema. Ab kommendem Jahr gilt bei Biblische Reisen übrigens ausnahmslos die 2G-Regel. Andere Anbieter praktizieren dieses Konzept bereits.

Wenn die Jungen älter werden
Hört man sich in der Branche um, ist deutlich zu spüren, dass die Gäste einen großen Nachholbedarf an Reisen haben. Doch wie sieht es mit dem Nachwuchs in Kundenkreisen aus?
Bei Busgruppenreisen liegt die Altersstruktur gewöhnlich bei 50 plus. Sind jüngere Menschen in Sicht? Prinzipiell ja. Sie werden irgendwann älter und könnten in Zukunft zur Klientel zählen. Man muss nur lange genug warten, bis Individualisten zu Herdentieren werden. Und die Vorzüge einer Busreise zu schätzen wissen.

Wer mit dem Bus reist, muss sich um nichts kümmern. Er hat sich dafür entschieden, rundum versorgt zu werden: Transport, Quartiere, Essen, Öffnungszeiten. Einfach aus dem Fenster schauen, mitmachen, zuhören. Sollte der Reiseleiter zu jenen zählen, die ihre Gäste ohne Unterlass mit belanglosen Fakten beschallen, schaltet man einfach ab.

Man könnte sagen, dass Busgruppen als Sinnbilder für die Rückkehr zur Reisenormalität stehen. «Wir spüren eine große Dankbarkeit von den Reisenden, denn man ist froh, überhaupt wieder unterwegs sein zu können», sagt Rüdiger Tramsen von Biblischen Reisen.

Der Neubeginn ist aber kein Selbstläufer. Ständig gilt es, an den allerneuesten Aktualisierungen der Hygienekonzepte zu feilen. Und am Ort des Geschehens kräftig wischen zu lassen: Haltegriffe, Armlehnen, Kopfteile – alles wird in den Vehikeln regelmäßig desinfiziert.

Dunkle Wolken am Horizont
Für Busreiseveranstalter sind die Zeiten noch längst nicht so rosig wie vor der Pandemie. Aber auch nicht pechschwarz wie vor einem Jahr.

Bei innerdeutschen Busreisen dürfte der Umsatzrückgang 2021 im Vergleich zu 2019 im Schnitt bei rund 65 Prozent liegen, schätzt der Internationale Bustouristik Verband RDA. Außerhalb Deutschlands rechnet man mit minus 75 Prozent. «Das Reiseland Deutschland stand im Fokus der Reiseziele, dicht gefolgt von unseren Nachbarländern.»

Bei Trendtours rechnet man damit, das Vorkrisenniveau voraussichtlich erst wieder 2023 zu erreichen. Rückschläge und Stornierungen sind nie auszuschließen. Das zeigt die aktuelle Corona-Situation.


Fast 80 Prozent der Befragten des RDA-Branchenbarometers erwarten für die kommenden sechs Monate einen ungünstigen Geschäftsverlauf. Der Wert sei wegen der strenger werdenden Corona-Auflagen im Vergleich zu September «sprunghaft angestiegen».

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Das erste graue Haar – und nun?

Früher oder später haben wir sie alle: Graue Haare.
Foto: Christin Klose/dpa

Von Evelyn Steinbach
Worms/Aachen (dpa) – Früher oder später haben wir sie alle: Graue Haare. Manche bekommen sie mit Mitte 20, andere erst ab 40. Wann immer es auch so weit ist, die wenigsten wollen direkt Grau tragen. Tipps zum Umgang damit.

Verlangsamen
Es gibt sogenannte Anti-Grau-Lotionen für die Kopfhaut. Stylist Jens Dagné von der Friseurvereinigung Intercoiffure Mondial empfiehlt die seinen Kunden und Kundinnen bei den ersten grauen Fäden im Haar. Die Lotionen schützen «vor der weiteren schnellen Depigmentierung des Haars und reaktivieren an der Haarwurzel neue Pigmente.» Erste Erfolge seien nach etwa drei Monaten sichtbar. Eine ähnliche Wirkung versprechen Anti-Grau-Shampoos.

Kaschieren
Anfangs wird generell gerne kaschiert. «Eine Intensivtönung deckt die ersten grauen Haare ab und hält etwa zehn bis 15 Haarwäschen», sagt Antonio Weinitschke, Art Director im Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Die Alternative sind Strähnen im Haar. Ihre Anwendung belastet die Kopfhaut im Vergleich zu anderen Färbe-Methoden am wenigsten, da zwischen ihr und den Haaren eine Folie liegt.

Strähnen haben bei Grau auch einen optischen Vorteil, gerade bei dunkleren Haaren. Da sie ein bis zwei Töne heller als die Naturhaarfarbe sind, fällt durchschimmerndes einzelnes Grau nicht so auf, erklärt Weinitschke. Und im Vergleich zu einer Tönung des ganzen Haares lassen sich Strähnen in mehreren Farbnuancen setzen – auch das Haar in seinem natürlichen Zustand hat nie nur eine, sondern viele Nuancen.

Blonden Menschen empfiehlt Jens Dagné Strähnen in ihrem natürlichen Haarton oder einem kühleren Ton. Für Mittelblonde kommen «Babylights» infrage. Das sind ganz feine und dezente Strähnchen, die den natürlichen Look des Haares unterstreichen sollen. «In der Mischung mit den ersten grauen Haaren wirkt das wie von der Sonne geküsst», so Dagné.

Überfärben
«Eine Färbung macht erst dann Sinn, wenn es wesentlich mehr graue Haare sind», sagt Antonio Weinitschke. Im Vergleich zu einer Tönung dringt eine Färbung tief in die Haarstruktur ein und hält sich damit länger.

Auch wenn man Haare in nahezu jedem Farbton färben kann, sollte dieser weiterhin zum eigenen Hautton passen. Und der wird im Alter blasser. «Je älter der Kunde, desto heller sollte der Farbton der Haare sein», rät Jens Dagné daher. Helle und sanft wirkende Töne sind ein Weichzeichner für die faltig werdende Haut. «Dunkle Farben lassen uns oftmals älter wirken, als wir schon sind – und Frauen sind an ein stärkeres Make-up gebunden», so der Friseurmeister.

Der Nachteil des Färbens: der nachwachsende Ansatz. Nach vier bis sechs Wochen kommen seine Kunden und Kundinnen zum Nachfärben, so Friseurmeister Weinitschke. Seine Lösung: «Mit der sogenannten Webtechnik ist der Übergang nicht so intensiv zu sehen.»

Bei dieser Methode werden kleine Strähnen mit einem Kamm abgetrennt und nur diese gefärbt – die wellenartige Bewegung erinnert an das Weben, daher die Bezeichnung der Methode. Der Rest des Haars bleibt, wie er ist.

Ein Tipp für mehr Volumen sind in diesem Zusammenhang dunklere Strähnchen. «Sogenannte Lowlights bringen optisch mehr Fülle und durchbrechen den grauen Ansatz», sagt Dagné. «Vor allem bei mittelblonden bis dunkelblonden Haaren sollte mit Aschblond bis Hellbraun gearbeitet werden.» Aber Lowlights zum Kaschieren von Grau sollten nur zwei bis drei Nuancen dunkler als die eigene Haarfarbe sein – sonst ähnelt man einem Streifenhörnchen, so der Experte.

Zum Grau stehen und passend pflegen
Das Grau gehört zum Alter und damit zu unserem Leben einfach dazu. Und das sollte man auch zeigen können. Zumal: Grau und Weiß – ob natürlich oder sogar gefärbt – sind schon seit Längerem in Mode. Selbst Supermodels zeigen sich so auf den Laufstegen. Und die Mode-Zeitschrift «Vogue» schrieb zuletzt: «Graue Haare sind ein Frisurentrend und Klassiker der Zukunft»

Allerdings brauchen graue Haare eine etwas andere Pflege, um schön auszusehen. So bekommen sie durch Sonneneinstrahlung und weitere Umwelteinflüsse häufig einen Gelbstich, sagt Weinitschke. Hinzu kommt, dass unpigmentierte Haare widerspenstiger sind als Naturhaar. Bei längeren Haaren kann das viel Pflegeaufwand bedeuten.

Der Friseurmeister rät daher zu einer guten Pflege etwa mit speziellen Silbershampoos und entsprechenden Conditionern. Sie enthalten Silberpigmente, die dem Gelbstich entgegenwirken.

Und man sollte seinen Stiltyp neu bewerten: Das Grau verändert die Optik, es lässt einen oft etwas unauffälliger wirken. Man spricht nicht von ungefähr auch von der «grauen Maus». Friseurmeister Jens Dagné sagt daher: «Ein etwas stärkeres Make-up oder farbige Kleidung schmeicheln einer grauen Frisur sehr.» Auch eine auffällige Brille bringt optisch Frische ins Gesicht.

Warum werden wir grau?
Mit der Zeit geht immer mehr körpereigenes Melanin verloren, das für die Produktion des Farbpigments des Haars verantwortlich ist. An seiner Stelle entstehen sogenannte Vakuolen – kleine Luftlöcher, die das Haar farblos beziehungsweise weiß aussehen lassen, erläutert der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks.

Übrigens: Streng genommen gibt es keine grauen Haare. Die Farbe entsteht aus einer Mischung von weißem und noch pigmentiertem Haar.

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Aus Allen Staaten

‘Buwe, Mädle, was ham mir heut – KIRCHWEIH …’

The Jugendgruppe delighted the crowd during the bidding of the Kirchweihstrauss
The new King Timothy Landenberger and Queen Kylie Kapraun.

The very traditional Kirchweih is still held in many European countries.

This custom goes back centuries to celebrate the annual dedication or consecration of the local church. Historically it is 3 days of activities beginning with beautiful decorations, a procession through the town and a special mass; all followed by delicious meals, dancing and fun for all.
The date of Kirchweih varies from town to town, city to city, depending on the original dedication date, or on their Patron Saint’s day.

On November 13th it was good to see Carpathia Club nicely decorated and filled with friends ready to celebrate this traditional dance again. Kirchweih is surely the longest held dance within the club’s history. This year the event was sponsored by the newly created Carpathia Foundation, Inc. I must say, for our first event, it was a success.

Guests were greeted at the door with a pin of Rosmarein and ribbons – for luck and health. In Carpathia fashion a delicious Schnitzel dinner was served followed by a warm welcome to guests from near and far; far being Milwaukee, Philadelphia and the Landesjugendleiterin, Kathleen Martini from ’everywhere’.

The Kindergruppe charmed the audience during their performance.

The program began with the Carpathia Jugendgruppe crowning the new Royalty. Outgoing king and queen, Sebastian Cole and Alexandra Sehling, who reigned for a record setting 2 years, passed the crown to new King Timothy Landenberger and Queen Kylie Kapraun. Congratulations to you both! The new royalty was immediately put to work. Taking the colorful beribboned Strauss, they led the Kirchweih march throughout the hall, inviting guests to join in along the way. The procession ended with the dance floor full of happy participants ready to begin the celebration. ‘was ham mir heut? Ja, Kirchweih!

The Kindergruppe charmed the audience, as usual, with their entertaining performance. Even the broom made it to the dance floor for a fun ‘Besen Tanz’. Great job Kinder and Leiterinen Karin Schulz and Kimmy Furtah.

Next up – the lively Strauss auction. Between the bidding, the Jugendgruppe delighted the crowd with spins, flying girls, flips and dancing to music provided by Rob Schwalbe. The lucky winner: Helga Kniep, who coaxed husband Burkhard to join her for the Ehrenwalzer. Thanks to auctioneers George Schleis and Kurt Seiberling.

The Jugendgruppe performance began with much enthusiasm. Marching in holding decorated arches, the first dance included a nod back to the Kronen Tanz of years ago. A new program of up-tempo dances showed their dancing skills and delighted the audience. Jugendleiter Paul Schwalbe is credited for the new choreography; with Tammy Kapraun as assistant.

Und zur Musik…the Carpathia Blasmikanten provided music for our listening and dancing pleasure. A traditional evening requires a traditional music and the Blasmusikanten fit that perfectly.

We are proud of all our groups that have persevered through the pandemic to keep our culture alive and hope everyone appreciates their continued efforts. The Carpathia Foundation supports these customs and groups; and strives to preserve our heritage.
Karin Schwalbe
Carpathia Foundation

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68TH ANNIVERSARY GERMAN MEMORIAL SERVICE

Fort Custer: ‘Volkstrauertag’

The Memorial Service was held Sunday afternoon (11/14/21) at Fort Custer National Cemetery in Battle Creek, to honor the 26 German prisoners of war that are buried there and all Veterans. 4,000 German prisoners of war were housed in several camps at Camp Custer from 1943 to 1946. 26 men died during that time and are buried at the German POW gravesites in Section B of the Fort Custer National Cemetery.

Special guests included Thomas Maynard, Director, Fort Custer National Cemetery, WelcomePastor Karl Strenge, Redemption Lutheran Church, InvocationChristopher Fuchs, Deputy Consul General, Chicago, Memorial AddressGBU/Saxonia Reingold choir, Choir PresentationHonor Guard, Mid-Michigan All Airborne Chapter 82nd Airborne Division AssociationAmerican veterans honor their former adversaries because they were men whose government had called them to defend their homeland, as men have been doing throughout history. By honoring those 26 graves they are honoring fallen men of all nations all over the world.

Taps, Lt. Col. Nicholas Batch, John R. Edwards.
Many thanks go to Randy O’Neil, Master of Ceremonies and event organizer, also to Michelle O’Neil for her behind the scenes work getting everything ready for the ‘Afterglow’ at the VFW hall in Augusta, MI. And to Karen O’Neil Myers for the beautiful photography.

We also thank our sponsors: Honor Credit Union and St. Paul Lutheran Church.
Respectfully submitted by: D. Lippert

Hardcore Krauters come together for annual harvest!

30 years Sauerkraut-Tradition – wondering who will be doing the dishes..?

The Schwaben Male Chorus got together on October 30 to put together 200 gallons of specialty handmade sauerkraut or kapusta! Due to concerns of the virus and other commitments by choir members, our crew was down to 12 workers this year. However, the kraut makers who attended worked diligently. Two 4-foot tall pallets of fresh cabbage from the fields of Oliver Farms were processed. The krauter’s‚ 200 gallons of the good stuff is now secretly fermenting throughout metro Detroit in the singer’s‚ garages or cellars. Soon, we will all be tasting and enjoying the fruits of our labor. This year $400 will be donated in Oliver’s name to Gleaners food bank to help families out at Christmas time. We have been carrying out this relished tradition for 30 years.

Speaking of tradition . . . our 2019 Christmas concert was well attended and filled the hall. After having no concert last year, we are excited to be back on schedule for 2021. Our annual Christmas concert will be held on December 18 at the Carpathia Club and all are welcome. Protocols will be set in place to provide safety measures for our guests. Come and enjoy the holiday season with our German and American heritage in song. We look forward to seeing all our friends, families, and members of affiliated clubs to celebrate the holidays. Please contact Richard Gerstner for ticket availability at 313-885-7852.

Frohe Weihnachten to all!

Kurt Schmid

WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Fast Food auf dem Vormarsch – 50 Jahre McDonald’s in Deutschland

Das goldene M der Burgerkette McDonald’s ist ein weltweit bekanntes Emblem für Fast Food. Vor 50 Jahren eröffnete die erste Filiale in Deutschland. Die Expansion des Unternehmens ist auch Spiegel des gesellschaftlichen Wandels.

ARCHIV – 02.09.2003, Bayern, München: «Ronald McDonald» steht während einer Pressekonferenz hinter dem neu gestalteten Logo von «McDonald’s». Das goldene M der Burgerkette McDonald’s ist ein weltweit bekanntes Emblem für Fast Food. Vor 50 Jahren eröffnete die erste Filiale in Deutschland. Foto: dpa

Von Carsten Hoefer
München (dpa) – 95 Pfennig. So viel kostet ein Hamburger, als die US-Burgerkette McDonald’s am 4. Dezember 1971 in München ihren ersten (west-)deutschen Standort eröffnet. Daneben stehen auf der Speisekarte damals lediglich Cheeseburger, Pommes, Coca-Cola, Limo und Kaffee.

Heute ist McDonald’s Weltmarktführer der Burgerketten, mit über 38 000 Standorten rund um den Globus und 1448 in Deutschland. Und es sollen noch mehr werden: «Wir haben für die nächsten Jahre ein erklärtes Wachstumsziel und suchen aktiv nach neuen Standorten», sagt ein Sprecher.

Die Expansion des Unternehmens spiegelt auch den gesellschaftlichen Wandel der vergangenen Jahrzehnte wider. «In den Siebziger Jahren ist das Interesse an Essen und Esskultur und auch an internationaler Küche erwacht», sagt Margareta Büning-Fesel, die Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE). «Deswegen gab es auch eine große Offenheit für Fast Food und Fertiggerichte

Begonnen hatte die Veränderung der Essgewohnheiten jedoch schon vorher. «Seit der Nachkriegszeit sehen wir eine starke Zunahme des Zuckerkonsums, das kam mit den zuckerhaltigen Getränken aus den USA», meint Hans Hauner, Leiter des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München. «Was ebenfalls in die falsche Richtung geht, ist die Zunahme des Konsums von Fleisch und Fleischprodukten.» Beides stagniere aber seit einigen Jahren, beziehungsweise sei leicht rückläufig.

«Der Anteil des Fast Food hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten dramatisch zugenommen», sagt der Wissenschaftler. «Bratwurst, Döner, Hamburger, Pizzen, oder in Bayern auch die Leberkassemmel. Nur in vierzig Prozent der Haushalte wird noch einigermaßen regelmäßig gekocht.» Das liege unter anderem an dem hohen Anteil von Single-Haushalten.

Begünstigt wurde der Trend zum schnellen Essen durch eine weitere US-Erfindung, die in den Achtziger Jahren weite Verbreitung fand: «Es kam die Mikrowelle in die deutschen Küchen», sagt Büning-Fesel.

«In die Siebziger Jahren kann man aber auch die Anfänge einer deutlichen Aufmerksamkeit für das Thema Übergewicht datieren», meint die Chefin des Bundeszentrums für Ernährung. «Die Ernährungskommunikation und -information wurde stärker. Was in den Achtziger Jahren dazukam, das war das Thema Vollwerternährung und Umwelt, die Müsliwelle

Doch dass sich gesunde Ernährung und gesunder Lebensstil deswegen durchgesetzt hätten, würde wohl niemand behaupten. «Ein Teil der Bevölkerung ist heute schlechter ernährt als vor 50 Jahren», sagt Ernährungsmediziner Hauner. «Viele besser Gebildete achten auf ihre Gesundheit und legen Wert auf gesunde Ernährung. Auf der anderen Seite haben wir wirtschaftlich schwächere Bevölkerungsgruppen und sozial Benachteiligte, die sich häufig ungesund ernähren.»

Die Datenlage zu den Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung sei indes schlecht, meint Büning-Fesel. «Klar ist, es gibt auf jeden Fall ein Gefälle, und auch Ernährungsarmut in Deutschland. Es gibt wirklich Bevölkerungsschichten, die vom Einkommen her Schwierigkeiten haben, sich genug zu essen zu kaufen.»

Denn Ernährung ist auch eine Geldfrage. Ein Restaurant verlangt höhere Preise als eine Imbissbude, hochwertige und frische Lebensmittel sind teurer als billige Tiefkühlware und Fertiggerichte. Doch auch in gut situierten Familien bleibt heute weniger Zeit zum Kochen als zu Beginn der Siebziger Jahre, da in der Regel beide Elternteile arbeiten.

Das aus den USA importierte Geschäftsmodell der Systemgastronomie hat sich flächendeckend verbreitet: «Der Außer-Haus-Markt boomte und mit ihm die Systemgastronomie», sagt eine Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga zur Lage vor Beginn der Corona-Pandemie. «Fast jeder dritte Euro wurde in einem Betrieb der Markengastronomie umgesetzt.» 

In absoluten Zahlen noch viel stärker expandiert als die Selbstbedienungsketten haben Imbisse jeder Art. Das Statistische Bundesamt zählte 2005 insgesamt 1544 «Restaurants mit Selbstbedienung», 2019 waren es dann schon 3790. Doch «Imbisstuben und Ähnliches» vermehrten sich von 14 648 auf 35 656.

«Auf jeden Fall gab es Ende der Sechziger Jahre weniger übergewichtige Menschen in Deutschland als heute», sagt Büning-Fesel. «Von 1999 bis 2013 ist die Zahl der adipösen – also der wirklich schwer übergewichtigen – Männer um 40 Prozent gestiegen, bei den Frauen waren es 24 Prozent.» Der Trend zum Übergewicht hat seither nicht nachgelassen, nachzulesen in den Berichten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
 
Auch im ganz langfristigen Vergleich sind die heutigen Deutschen mutmaßlich nicht besser ernährt als ihre Ur- und Ururgroßeltern: «Vor dem Ersten Weltkrieg wurden deutlich mehr Brot und Kartoffeln gegessen», sagt Ernährungsmediziner Hauner. «Das Brot war sehr viel gröber und ballaststoffreicher. Ich denke nicht, dass die Bevölkerung damals grundsätzlich viel schlechter ernährt war als heute, auch wenn es heute ein breiteres Angebot an Lebensmitteln gibt.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Vormarsch – advance
Burgerkette – hamburger chain
eröffnete – opened
Filiale – branch
Spiegel – mirror
gesellschaftlichen Wandels – changes in society
Standort – location
lediglich – merely
Weltmarktführer – world market leader
Wachstumziel – expansion goal
spiegelt wider – reflects
erwacht – awakened
Ernährung – nutrition
Offenheit – enthusiasm
Fertiggerichte – pre-packaged food
Zunahme – increase
zuckerhaltigen – sugary
beziehungsweise – or even
Anteil – share
einigermaßen – somewhat
regelmäßig – regularly
begünstigt – a preference
Erfindung – invention
Verbreitung – spread
deutlichen – clear
Aufmerksamskeit – attention
Übergewicht – overweight
datieren – date
Vollwerternährung – nutritious food
Müsliwelle – “granola wave”
durchgesetzt – intersperst
niemand – no one
behaupten – claim
Bevölkerung – population
Gebildete – educated people
achten auf – pay attention
Datenlage – factual situation
gewohnheiten – habits
indes – meanwhile
armut – pverty
schichten – levels
verlangt – demands
Tiefkühlware – frozen foods
Fertiggerichte – ready to eat foods
Elternteile – parents
Geschäftsmodell – business model
Markengastronomie – brand name foods
umgesetzt – spent
nachgelassen – diminished
nachzulesen – can be read
langfristigen – long-term
Vergleich – comparison
mutmaßlich – presumably
gröber – coarser
ballaststoffreicher – had more roughage
grundsätzlich – fundamentally

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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