11. Mai 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Knast-Bienen» lehren Häftlinge Geduld: «Ein Fehler, ein Stich»

Ein Häftling klebt ein Etikett auf ein Glas Bienenhonig in der Gefängniswerkstatt. In NRW werden Häftlinge im Kampf gegen das Bienensterben aktiv. Auch harte Jungs lernen im Umgang mit «Maja» und ihren Freundinnen Verantwortung zu übernehmen. Foto: dpa

In Nordrhein-Westfalen sollen rund drei Millionen «Knast-Bienen» helfen, aus Kriminellen verantwortungsbewusstere Menschen zu machen. Was sie bei dem Projekt lernen können? Dass es wehtun kann, sich nicht an Regeln zu halten.

Von Bettina Grönewald

Remscheid/Leichlingen (dpa) – Konzentriert sitzt Mohamed mit Mundschutz und weißen Handschuhen vor dem großen Edelstahl-Behälter und verschraubt sorgfältig ein Glas mit bernsteinfarbenem Honig. Wegen Körperverletzung sitzt der 24-jährige Deutsche mit marokkanischen Wurzeln seit Mai 2018 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Dort nimmt der schüchtern wirkende Hagener an einem Imker-Programm teil, mit dem die Anstalt neue Wege beschreiten will: Gefangene sinnvoll und mit therapeutischem Effekt zu beschäftigen und dabei auch noch etwas für den Umweltschutz zu tun – in Zusammenarbeit mit über drei Millionen «Knast-Bienen».

Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) wirbt dafür, «dass dieses Beispiel über die Landesgrenzen hinaus Schule macht». Vereinzelt gibt es Imkereien zwar auch in anderen Gefängnissen in Deutschland, aber NRW verfolgt einen besonderen Ansatz: Hier beteiligen sich bereits mehrere Anstalten in Arbeitsteilung an dem Projekt, und es gibt eine Kooperation mit Hofläden und Bauern, die Häftlingen im offenen Vollzug erlauben, an den Bienenhäusern in ihren Obsthainen zu arbeiten.

Die fürsorgliche Arbeit mit den Bienen ist ein ungewöhnliches Programm in einem reinen Männer-Gefängnis, in dem sich viele harte Jungs sonst eher über Muskeln und Macho-Gehabe hervortun. Initiator der Honigproduktionsstraße ist der Chef der JVA-Arbeitsverwaltung Jürgen Krämer.

40 Jahre Knast hat er als Justizvollzugsbeamter auf dem Buckel. Seit langem habe er gegrübelt, wie man die Gefangenen sinnvoller auf das Leben nach der Haft vorbereiten könnte, erzählt der 62-Jährige. «Die Beschäftigung draußen hat sich geändert.» Schreiner und Schlosser aus dem Knast seien kaum noch unterzubringen.

Im Frühjahr 2016 ging Krämer nach einem Lehrgang mit seinem Imkerprogramm an den Start und schaffte die ersten Bienen an. Inzwischen haben sich auch Anstalten in Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen und Schwerte angeschlossen. Zusammen arbeiten sie derzeit mit 68 Bienenvölkern und einer Jahrespopulation zwischen drei und vier Millionen Tieren. Damit lässt sich rund eine Tonne Honig produzieren.

Die Anstalten teilen sich die Arbeit: Bienenhäuser schreinern, Wachsplatten fertigen, die Bienen pflegen, Honig ernten, schleudern und alle Materialien regelmäßig penibel reinigen.

Mohamed aus Syrien baut Honig-Präsent-Kästchen aus Restholz und alten Paletten. «Früher war ich aggressiver mit der Familie. Das ist vorbei mit den Bienen. Man braucht seeeehr viel Geduld», erzählt der 48-Jährige, der wegen eines Gewaltdelikts an seiner Ex-Frau seit August 2018 in der JVA Remscheid sitzt. Krämer grinst. «Wer mit Bienen arbeitet, muss sich an Regeln halten, sonst folgt die Bestrafung sofort: ein Fehler, ein Stich – und dann tut es weh.»

Krämer ist überzeugt von der Wirkung des Projekts: «Das ist ein Integrationsprogramm für jeden: für Flüchtlinge, für Häftlinge aus der Türkei, Nordafrika, Russland oder dem Nahen und Fernen Osten, die oft kaum Deutsch sprechen, ebenso wie für viele andere, die nur diese eine Chance haben. Das sind die, die sonst in allen Knästen Theater machen und nur auf Zelle hängen.»

Raus aus der Zelle auf die Felder mit den blühenden Obstbäumen und den hölzernen Bienenhäusern kommen aber nur Gefangene aus dem offenen Vollzug. Der Bergische Bauernhof Conrads in Leichlingen hat der JVA Remscheid erlaubt, die sogenannten Bienenbeuten am Rand ihrer Obstbaumfelder aufzustellen und die Gefangenen dort arbeiten zu lassen. Darüber hinaus werden im anstaltseigenen Bienengarten ein paar Völker gepflegt und betreut.

Tausende Bienen fliegen in der Sonne von Obstblüte zu Obstblüte und bringen die Pollen emsig in ihre Behausungen. «Mit Bienen ist man in der Natur. Man entschleunigt und bekommt ein anderes Bild von der Welt», sagt Krämer, während er über die ländliche Idylle blickt. «Viele kennen das so nicht. In die JVA kommen Menschen mit vielen Defiziten. Sie sind es gewohnt, sich Selbstbestätigung durch Aggression zu holen. Hier nicht.» Aggressive Häftlinge kommen gar nicht erst in das begehrte Bienen-Projekt. «Es gibt Nicht-Therapierbare. Die werden weggesperrt.»

Krämer hofft, dass viele Häftlinge aus dem Bienen-Programm sich später in der Freiheit Imker-Vereinen anschließen. Anders als bei der meist frustrierenden Jobsuche frage hier niemand, was sie in den vergangenen Jahren getan hätten, meint er. Hier könnten sie fortführen, was sie in der Anstalt gelernt haben. «Es gibt noch was anderes als Saufen und in der Kneipe rumhängen. Das heißt nicht, dass das allein schon Straftaten verhindert.»

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Sport

Vorzeitig Meister: Wolfsburgs Fußball-Frauen machen Double perfekt

Der VfL Wolfsburg bleibt das Maß der Dinge im deutschen Frauenfußball. Am Sonntag sicherte sich die Mannschaft von Stephan Lerch vorzeitig die Meisterschaft. Es ist das dritte Double nacheinander

Wolfsburgs Lena Goeßling und Zsanett Jakabfi (r) bejubeln nach dem 1:0-Sieg den vorzeitigen Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Foto: dpa

Düsseldorf/Wolfsburg (dpa) – Vier Tage nach dem DFB-Pokal-Sieg haben die Fußball-Frauen des VfL Wolfsburg auch das dritte Double in Folge perfekt gemacht. Das Team von Trainer Stephan Lerch gewann am Sonntag mit 1:0 (1:0) bei der TSG Hoffenheim und sicherte sich damit einen Spieltag vor dem Saisonende auch erneut die deutsche Meisterschaft. Pia-Sophie Wolter beseitigte mit ihrem Tor in der 43. Minute alle Zweifel am erneuten Triumph auf nationaler Ebene.

«Wolfsburg war über die Saison die Mannschaft, die ihre Leistung mit der größten Konstanz gezeigt hat. Sie sind deshalb ein verdienter deutscher Meister», sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. «Mein Glückwunsch geht an das komplette Team, aber vor allem auch an meinen Kollegen Stephan Lerch, denn es zählt zu den schwierigsten Aufgaben eines Trainers, Erfolge zu bestätigen und fortzuführen.»

Dauerrivale FC Bayern München gewann zwar am Sonntag durch die Tore von Fridolina Rolfö (54./89. Minute) und Gina Lewandowski (58.) mit 3:0 (0:0) gegen den SC Freiburg. Doch den Rückstand von sieben Punkten kann München nicht mehr aufholen.

National ist Wolfsburg in den letzten drei Spielzeiten das Maß aller Dinge. Am 1. Mai gewann der Club aus Niedersachsen das Pokalfinale in Köln mit 1:0 gegen Freiburg. Es war der fünfte Cup-Erfolg in Serie. In einer konstanten Bundesliga-Saison verlor der Titelverteidiger lediglich das Spiel bei Bayern München. Ernüchternd in dieser Saison war für Wolfsburg nur das frühe Aus in der Champions League, wo man im Viertelfinale an Olympique Lyon scheiterte.

«Kein Superlativ kann dieser Mannschaft gerecht werden», sagte auch der Wolfsburger Oberbürgermeister Klaus Mohrs. «Auf den fünften Pokalsieg in Serie folgt die dritte Meisterschaft in Folge. Die Leistungen der VfL-Frauen kann man nicht genug würdigen.»

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Feuilleton

Mit Diplomatie: Wie Caravaggios «Grablegung Christi» nach München kam

Ein Frau fotografiert in der Ausstellung «Utrecht, Caravaggio und Europa». 
Ein Großteil der internationalen Leihgaben ist laut Pinakothek in 
München zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung ist  bis 21.07.2019 
in der Alten Pinakothek zu sehen.    Foto: dpa

Von Cordula Dieckmann

München (dpa) – Wenn berühmte Kunstwerke auf Reisen gehen, ist das aufwendig und teuer. Einen echten Botticelli in Luftpolsterfolie wickeln und ab die Post im Pappkarton? Unvorstellbar. Wenn Museen und Sammler Schätze für eine Ausstellung rausrücken, dann in speziellen, klimatisierten Kisten, die vor Wasser, Feuer und Stößen schützen sollen. Ein Restrisiko bleibt und so geben manche Leihgeber ihre Werke nur ungern her. Auch «Die Grablegung Christi» von Caravaggio ist so ein Schatz. Dass das Ölgemälde aus den Vatikanischen Museen nun in München zu sehen ist, ist dem diplomatischen Geschick zu verdanken, mit dem die Alte Pinakothek und das Centraal Museum im niederländischen Utrecht die Exponate für die Ausstellung «Utrecht, Caravaggio und Europa» zusammengestellt haben, die nach Utrecht nun in München startet.

Die Schau zeigt bis 21. Juli den Einfluss, den Caravaggio auf andere Maler ausübte, die Caravaggisten, zu denen auch die Niederländer Künstler Hendrick ter Brugghen, Gerard van Honthorst und Dirck van Baburen gehörten. Caravaggio war ein revolutionärer Künstler, der aber auch wild war, der sogar einen Mord beging, sich prügelte und betrog.

Doch seine Gemälde besaßen eine unglaubliche Intensität und Strahlkraft. Keine idealisierten Figuren, sondern kraftvolle Menschen mitten aus dem Leben, dargestellt in einem aufregenden Spiel aus dunklen Schatten und hellem Licht.

Eine Offenbarung für die jungen Niederländer, die gerade mal um die 20 Jahre alt waren. Einfach nur Caravaggios Technik kopieren wollten sie nicht, sie verfeinerten sie mit eigenem Stil. «Sie schauen genauer hin, sie treiben den Realismus Caravaggios noch auf die Spitze», erklärt Kurator Bernd Ebert. «Es sind keine idealisierten Figuren, sondern es sind Menschen, nach dem Leben gemalt», inklusive verfaulter zähne und dreckiger Füße, damals ein Skandal.

Höhepunkt der Ausstellung ist «Die Grablegung Christi». Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610) hatte das Bildnis 1602 und 1603 für die Familienkapelle von Girolamo Vittrice in der Chiesa Nuova in Rom gemalt In Deutschland war das Kunstwerk laut Pinakothek noch nie zu sehen.
Doch wie überredet man den Vatikan, das Bild auszuleihen? Auf jeden Fall nicht mit einem simplen Leihgesuch. Das hätte wohl ein klares Nein zur Folge gehabt, vermutet Ebert. Stattdessen war Diplomatie gefragt: «Wann platziert man welches Gesuch und wo?» Und Segen von oben: Die Museen wandten sich an ihre Kardinäle, den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und den Erzbischof von Utrecht, Willem Jacobus Eijk. Sie legten im Vatikan ein gutes Wort ein, ebenso wie die Botschaften Deutschlands und der Niederlande am Heiligen Stuhl.

Am Ende gab es die Zusage – wenn auch nur für vier Wochen. Bis zum 19. Mai hängt «Die Grablegung Christi» in München. Doch auch wenn das kostbare Gemälde wieder mit Polizeieskorte nach Rom begleitet wurde, ist die Schau barocker Malerei immer noch sehenswert. Beeindruckende Werke bedeutender Künstler sind zu sehen: Neben ter Brugghen, van Honthorst und van Baburen auch Bilder von Gentileschi, Nicolas Régnier oder Simon Vouet. Und noch mehr von Caravaggio, unter anderem die «Wahrsagerin», ebenfalls hochbegehrt, wie Ebert verrät.

Pro Woche bekämen die Kapitolinischen Museen dafür sechs Leihanfragen.

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Gesundheit/Umwelt

Ärztemangel auf dem Land

Bahn setzt auf rollende Praxis-Busse.

Die mobile Arztpraxis für Ost- und Nordhessen, der „Medibus“, 
bei der offiziellenVorstellung. Der „Medibus“ soll für mindestens zwei Jahre ausgewählte 
Gemeinden anfahren, um Patienten zu versorgen.        Foto: dpa

Berlin (dpa) – Rollende Arztpraxen sollen den Medizinermangel in ländlichen Regionen mildern – daran will die Deutsche Bahn als Busbetreiber verstärkt mitverdienen. Bis Anfang 2020 will der Konzern sieben solcher «Medibusse» bereitstellen, wie der Bahn-Projektleiter, Arndt Hecker, in Berlin ankündigte. In der Hauptstadt wurde jetzt das vierte derartige Fahrzeug des Unternehmens vorgestellt. Es sieht von außen wie ein Linienbus aus – im Inneren sind Behandlungsbereich, Labor und Warteplätze eingerichtet.

Die Bahn sieht in dem Nischenbereich «Medibus» einen wachsenden Markt für ihre Bussparte. Der Arztmangel macht sich in ländlichen Regionen in Deutschland vielerorts bemerkbar.

Seit Sommer 2018 fährt ein «Medibus» bereits in hessischen Gemeinden mit Arztmangel. Die Kassenärztliche Vereinigung mietet dort den Bus und stellt den Hausarzt und Arzthelfer. Andere Busse kamen etwa schon für Impfkampagnen zum Einsatz. Der neue Bus der Deutschen Bahn soll in der nächsten Woche als Impfbus berufliche Schulen in Sachsen ansteuern.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht den «Medibus» als ein effizientes und innovatives Mittel. «Er kann dazu beitragen, die ärztliche Versorgung auf dem Land vorübergehend zu verbessern», sagte eine Sprecherin.

Neben der rollenden Praxis gibt es auch andere Konzepte für Regionen mit Ärztemangel. Zum Beispiel fährt in Ostfriesland nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung ein Shuttlebus an Wochenenden Hilfebedürftige zu einer Bereitschaftspraxis und nach der Behandlung wieder zurück.

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Reise

Die Stadt des Meisters – Vinci in der Toskana

Blick vom Turm der Guidi-Burg in Vinci – der kleine Ort in der Toskana wurde vom Massentourismus bisher verschont.  Foto: dpa

Vinci (dpa) – Von Vinci hat kaum jemand je etwas gehört. Doch zum 500. Todestag des großen Leonardo rückt der kleine Ort in der Toskana ins Scheinwerferlicht.

Weinberge und silbrig glänzende Olivenhaine erstrecken sich über sanfte Hänge bis nach Vinci. Das unbekannte Städtchen mit dem weltbekannten Namen thront auf einem Hügel irgendwo auf halber Strecke zwischen Florenz und Pisa. Aus seiner Mitte ragen der Burg- und der Kirchturm empor.

Vinci ist der Ort, der einem der bedeutendsten Genies aller Zeiten seinen Namen gab. Es ist der Ort, der den großen Leonardo von frühester Kindheit an inspirierte – und danach jahrhundertelang in der Versenkung verschwand.

Maler, Ingenieur, Philosoph, Naturwissenschaftler, Architekt: Als Leonardo da Vinci am 2. Mai 1519 im französischen Amboise starb, hinterließ er nicht nur ein Lebenswerk aus 6000 Manuskriptseiten in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, er schuf auch Meisterwerke wie die «Mona Lisa» und «Das letzte Abendmahl».

In diesem Jahr wird der Universalgelehrte nun europaweit dafür gefeiert, mit großen Sonderausstellungen in Italien, Frankreich, Großbritannien, Polen und Deutschland. Dass seine kleine Heimatstadt mit den großen Museen kaum konkurrieren kann, ist klar.

Doch auch verglichen mit echten Toskana-Hotspots wie Lucca, Siena und dem winzigen San Gimignano, durch dessen mittelalterliche Gassen Jahr für Jahr mehr als drei Millionen Besucher drängeln, dämmert Vinci in einem durchaus angenehmen touristischen Winterschlaf – sogar im Jubiläumsjahr zum 500. Todestag des berühmtesten Sohnes der Stadt.

Zwischen dem Castello dei Conti Guidi aus dem 12. Jahrhundert und Leonardos schlichter Taufkirche Santa Croce haben im historischen Ortskern nur zwei Souvenirläden ihre Ware vor die groben Steinmauern gehängt. Es gibt T-Shirts mit «I love Vinci»-Prints, wahlweise wird die Zeichentrickfigur Homer Simpson als Leonardos vitruvianischer Mensch dargestellt. Und ein paar Schritte die Straße hinunter serviert das obligatorische «Ristorante Leonardo» Rippchen in dunkler Fruchtsoße, wie es sie schon vor 500 Jahren gegeben haben soll.

Doch insgesamt hat sich das beschauliche Vinci seinen ursprünglichen Charme bewahrt: Die Geschäfte rund um den Marktplatz, die anstelle des üblichen Nippes ganz Alltägliches wie Tischwäsche, Gemüse oder Baumarktartikel verkaufen, haben zur Siesta geschlossen. Und in der Pizzeria isst eine Schulklasse statt einem Dutzend Studienreisender zu Mittag. Zwar quält sich hin und wieder ein Reisebus die steilen Hügel zum Geburtshaus des Universalgenies im Ortsteil Anchiano hinauf. Aber nicht einmal vor dem Aufstieg zum Burgturm mit seiner Aussicht über die Terrakottadächer der Stadt steht eine Schlange.

Auch stört sich niemand daran, dass der neue Ticketschalter für die drei Zweigstellen des Leonardo-Museums – das Geburtshaus, die Villa del Ferrale mit HD-Reproduktionen von allen Gemälden des Künstlers und das eigentliche Museum in der Burg und der Palazzina Uzielli – noch immer eine Baustelle ist.

Info-Kasten: Vinci in der Toskana

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Florenz oder Pisa und weiter mit dem Mietwagen nach Vinci (rund 40 bis 60 Kilometer je nach Route).
Übernachtung: In Vinci gibt es ein paar Drei-Sterne-Hotels, hauptsächlich aber kleine Pensionen, Bed & Breakfasts und Bauernhöfe (sogenannte Agriturismo) im nahen Umland.
Programm: Für das Jubiläumsjahr kann der Eventkalender «Leonardo in Toscana» heruntergeladen werden unter
http://www.visittuscany.com

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Roller-Neuheiten 2019: Elektrische Überraschung und viel Auswahl

Leistungsstarke Roller: Yamaha hat Modelle der X-Max-Familie überarbeitet. 
Foto: Marco Campelli/Yamaha/dpa

Von Thomas Flehmer

Essen (dpa) – Bei den Roller-Neuheiten 2019 setzt eine Kultmarke ein Ausrufezeichen – doch das ist nicht der einzige Höhepunkt für Rollerfans.

Bisher kamen rein elektrisch angetriebene Roller meist aus asiatischer Produktion. Doch Kymco und Co. erhalten nun eine starke Konkurrenz aus Europa: «Das Überraschendste in diesem Jahr ist sicherlich die Vespa Elettrica», sagt Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad (ivm). «Dass ein Markenname als Synonym für Roller elektrisch wird, ist bemerkenswert.» Der 4 kW/5,4 PS starke und 45 km/h schnelle Roller soll mit einer Ladung bis zu 100 Kilometer schaffen und lässt sich auch mit Pkw-Führerschein fahren. Im Gegensatz zu vielen Modellen aus Asien lässt sich die Batterie der 6390 Euro teuren Vespa aber nicht zum Laden entnehmen.

Erfolgreicher wird wohl die große Schwester mit Verbrennungsmotor bleiben, die in einer neuen Generation auf den Markt kommt. Mit nun 17,5 kW/24 PS und dem stärksten von Vespa gebauten Motor soll die GTS 300 Super auch 2019 den Spitzenplatz bei den Rollerverkäufen in Deutschland einnehmen. Mit 5722 verkauften Einheiten sprang 2018 der zweite Rang aller verkauften motorisierten Zweiräder hinter der BMW R 1200 GS, einem Motorrad, heraus. Der Verbrauch wurde um 0,2 Liter auf 3,2 Liter gesenkt, der Preis kletterte um 300 Euro auf 6290 Euro.

Auch Yamaha hat bei seinen leistungsstarken Rollern der X-Max-Familie etwas Hand angelegt. Als Iron Max werden die X-Max 300 und 400 mit spezieller Sitzbank samt Rückenstütze ausgestattet. Alu-Fußrasten und Leder-Applikationen für das Cockpit unterscheiden sich ebenfalls von den normalen Serienmodellen. Zu Preisen ab 6195 Euro steht die 300er-Variante im Laden, der Iron Max 400 kostet 1000 Euro mehr.

Auf Komfortsteigerung zielt auch Honda. Die Forza-Reihe 125 und 300 und die SH-Familie von 125i bis 300i erhalten neue Elemente. «Schwarze und silberne Frontpartien und Fußraum-Seitenteile werten die Premium-Anmutung des Scooters mit praxisgerechtem Durchstieg auf», sagt Honda-Sprecher Erik Mertens. 5875 Euro werden für die größere Variante mit 18 kW/25 PS fällig. Die mit 7 kW/10 PS schwächere 125er-Version kostet 500 Euro weniger.

Auch bei Honda stehen die Zeichen auf Elektro: «In Japan fährt der PCX als reiner Elektroroller oder mit Hybrid als Pilotprojekt über die Straßen», so Mertens, der aber noch keine Angaben über einen möglichen Starttermin in Europa macht. Angesichts steigender Zahlen elektrischer Roller wäre ein Europastart aber keine Überraschung.

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