12. Dezember 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Viel Ärger bei den Royals – Wird 2021 wieder ein Schreckensjahr?

Ein Missbrauchsskandal, abtrünniger Nachwuchs und Corona-Infektionen im Familienkreis – die Royals haben ein schweres Jahr hinter sich. Es ist sehr fraglich, ob die nächsten Monate besser werden.

Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, verlassen die St. Paul’s Cathedral im Anschluss an eine Gedenkfeier zum Ende der Kampfeinsätze in Afghanistan. Ein Missbrauchsskandal, abtrünniger Nachwuchs und Corona-Infektionen im Familienkreis – die Royals haben ein schweres Jahr hinter sich. Es ist sehr fraglich, ob die nächsten Monate besser werden. Foto: dpa

Von Silvia Kusidlo
London (dpa) – Annus horribilis, das Schreckensjahr. So nannte Königin Elizabeth II. in einer Rede das Jahr 1992, an das sie nur mit Grauen zurückdenkt. Damals gingen die Ehen von drei ihrer vier Kinder in die Brüche, und ihr geliebtes Schloss Windsor brannte lichterloh. Doch auch dieses Jahr hatte es in sich, und die Aussichten sind nicht rosig: 2021 könnte zu einem Schreckensjahr für die Royals werden.

Denn besonders heikel dürfte das kommende Jahr für Prinz Andrew sein, den zweitältesten Sohn der Queen. Dem 60-Jährigen wird eine Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen Jeffrey Epstein vorgeworfen. Der US-Geschäftsmann soll Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Ghislaine Maxwell, eine gute Freundin von Prinz Andrew, zählte laut US-Staatsanwaltschaft zu Epsteins «engsten Verbündeten» und spielte eine «entscheidende Rolle» bei dessen Machenschaften.

Zu den Opfern gehört nach eigenen Angaben die US-Amerikanerin Virginia Giuffre. Sie behauptet, als Minderjährige vor etwa 20 Jahren mehrmals zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden zu sein. Andrew, der der Lieblingssohn der Königin sein soll, bestreitet das vehement. Im Zuge des Skandals legte er aber alle öffentlichen Aufgaben für die Royals nieder und lässt sich seit vielen Monaten kaum noch in der Öffentlichkeit blicken. Sein Image in Großbritannien ist ohnehin nicht gut. Die Presse verspottete ihn früher wegen seiner Affären häufig als «Randy Andy» (etwa: geiler Andy).

Mit den US-Ermittlern liegt der Prinz im Streit. Sie möchten ihn vernehmen – als Zeugen, nicht als Angeklagten. Doch angeblich ist er nicht zur Zusammenarbeit bereit. «Wenn Prinz Andrew wirklich ernsthaft an einer Kooperation mit der laufenden Ermittlung interessiert ist, dann stehen unsere Türen offen», teilte der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman mit. Andrews Team zeigte sich «verblüfft» und wies die Vorwürfe zurück. Richtig unangenehm könnte es nun ab kommenden Juli für den Royal werden. Dann soll der Prozess gegen Maxwell beginnen. Wird sie möglicherweise Andrew belasten?

Andrew ist keineswegs das einzige Sorgenkind der Queen. Auch Enkel Harry (36) und dessen Frau Meghan (39) haben mit ihrer Loslösung vom Königshaus – dem «Megxit» – in diesem Jahr für mächtig Aufregung gesorgt. Das Paar wollte finanziell unabhängig sein und sich von seinen royalen Pflichten zurückziehen. Inzwischen leben die beiden mit Sohn Archie (1) in Kalifornien. Dort erlitt Meghan im Sommer eine Fehlgeburt, wie sie kürzlich öffentlich machte.

Erklärtes Hauptanliegen von Harry und Meghan ist es, sich im sozialen Bereich zu engagieren. «Scheut euch nicht davor, das zu tun, von dem ihr wisst, dass es richtig ist – auch wenn es nicht populär ist, auch wenn es nie zuvor getan wurde, auch wenn es den Leuten Angst macht», appellierte Meghan an Mädchen und Frauen auf einer Online-Konferenz im Sommer – und schien auch über sich selbst und Harry zu sprechen.

Sich sozial stark zu engagieren, zugleich ein aufwendiger Lebensstil – wie finanzieren die beiden das? Die Ex-Schauspielerin («Suits») und der Prinz haben unter anderem einen lukrativen Vertrag mit dem Streamingdienst Netflix abgeschlossen: Sie wollen Dokumentationen, Spielfilme sowie Angebote für Kinder produzieren.

Im kommenden Jahr will die Queen alle mit dem Paar getroffenen Vereinbarungen auf den Prüfstand stellen. Dazu zählen auch der Verzicht auf die lukrative Marke «Sussex Royal» und die Anrede «Königliche Hoheit». Fraglich ist aber, wann die Monarchin angesichts der Pandemie die kleine Familie wiedersehen kann. Seit Frühjahr trennt die Corona-Krise die Royals in den USA und Großbritannien.

Trotz aller Vorsicht infizierten sich Mitglieder der Königsfamilie mit dem Virus: Thronfolger Prinz Charles (72) litt nur unter leichten Erkältungssymptomen. Schwerer hat es der «Sun» zufolge seinen 38-jährigen Sohn William im Frühjahr erwischt, der Palast wollte das nicht kommentieren. Die Queen (94) und Prinz Philip blieben gesund. Sie verbrachten viel Zeit gemeinsam auf Schloss Windsor in der Nähe von London – abgeschirmt von Corona-Gefahren. Wegen ihres hohen Alters gehören sie zur Hochrisikogruppe.

Sollten 2021 nach Impfungen die Infektionszahlen in Großbritannien stark zurückgehen, dann wird Philip wohl wieder wie gewohnt fast das ganze Jahr auf der ruhigen Wood Farm unweit des Meeres in Ostengland leben. Dort malt er, liest und fährt sogar manchmal noch auf dem Kutschbock. Eine Party zumindest im Familienkreis dürfte im Sommer aber wohl anstehen: Am 10. Juni wird Prinz Philip 100 Jahre alt.

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Sport

Aufstieg als Champion: Mick Schumacher holt Formel-2-Titel

Flammen schießen aus dem zerstörten Haas. Auf einmal springt Romain Grosjean Mick Schumacher macht es bis zum Schluss spannend, ehe sein Titel in der Formel 2 feststeht. Im Saisonfinale kann er jubeln, auch wenn er nur 18. wird. Jetzt beginnt für Michael Schumachers Sohn das Abenteuer Formel 1.

Formel 2, 24. Saisonlauf, Bahrain International Circuit in Sakhir: Mick Schumacher ballt bei der Siegerehrung die Faust. Schumacher ist neuer Formel-2-Champion. Der 21-Jährige sicherte sich den Titelgewinn in der Nachwuchsserie am Sonntag trotz einer Punkte-Nullnummer als 18. im letzten Saisonrennen. Foto: dpa

Von Christian Hollmann
Sakhir (dpa) – Ergriffen kniete sich Mick Schumacher kurz neben sein Auto, dann stürzte sich der neue Formel-2-Champion in die Jubeltraube seiner Mechaniker. Nach einer Zitterfahrt verabschiedete sich der Sohn von Michael Schumacher am Sonntag beim Saisonfinale in Bahrain mit dem erhofften Titelgewinn in Richtung Formel 1. «Diese Erinnerungen werden für immer bleiben, auch wenn ich es erst in ein paar Tagen richtig verstehen werde», sagte der 21-Jährige, der im nächsten Jahr für das US-Team Haas in der Königsklasse fahren wird.

Bis zum Schluss hatte Schumacher es spannend gemacht. Nur dank einer tollen Aufholjagd von Rang 18 auf sechs im Hauptrennen am Samstag rettete der Prema-Pilot seine 14-Punkte-Führung vor Rivale Callum Ilott in den Finallauf. Dort handelte sich der als Dritter gestartete Schumacher kurz nach dem Start einen Bremsplatten ein und musste zur Rennmitte einen ungeplanten Boxenstopp einlegen. Als 18. kam er ohne Punkte ins Ziel. Doch weil der Brite Ilott als Zehnter ebenfalls keine Zähler einfuhr, reichte es für den Deutschen. «Mir fehlen die Worte», flüsterte Schumacher in den Boxenfunk.

«Es ist definitiv ein gutes Gefühl, heute war es alles andere als leicht», versicherte Schumacher. Aber schnell hatte er den Stress und die Sorgen des durchwachsenen Schluss-Wochenendes abgehakt. «Egal, wir sind Champion, daran werden sich die Leute erinnern, dieses Rennen wird vergessen sein», sagte Schumacher.
Zwei Jahre nach dem Gewinn der Formel-3-Europameisterschaft bewies der Ferrari-Junior in dieser Saison erneut seine Lernfähigkeit. Anfang September holte er sich in Monza den ersten Sieg des Jahres, eine Woche später übernahm er die Spitze des Klassements und gab sie nicht mehr her. «Wir haben es uns verdient», sagte Schumacher und erinnerte an viele Zusatzschichten mit seinem Team.

Den ersehnten Lohn hatte er schon am Mittwoch erhalten, als Haas seine Verpflichtung als Stammpilot für das nächste Jahr verkündete. Am kommenden Freitag darf Schumacher im Formel-1-Training in Abu Dhabi erstmals das Auto seines künftigen Arbeitgebers bewegen. «Es ist toll, dass jetzt die nächste Schumacher-Generation in die Formel 1 stürmt. Mick überzeugt nicht nur mit seinem Speed, er hat auch eine ganz besondere Persönlichkeit», übermittelte Mercedes-Teamchef Toto Wolff via «Stuttgarter Nachrichten/Stuttgarter Zeitung».

Spekulationen, dass Schumacher sogar im letzten Grand Prix des Jahres auf dem Yas Marina Circuit für den verletzten Romain Grosjean fahren könnte, beendete Haas indes am Sonntag. Der Franzose wird zwar nach seinem schweren Feuer-Unfall nicht rechtzeitig fit, für ihn springt aber erneut der Brasilianer Pietro Fittipaldi ein.

Dafür darf Schumacher dann kurz danach beim Nachwuchsfahrer-Test in Abu Dhabi noch einmal Runden im Haas drehen, ehe ein turbulentes Jahr für ihn endet. «Dann ist Weihnachten und alle können sich erholen», sagte Schumacher und entschwand zur Pokal-Übergabe.

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Feuilleton

Deutsch-russische Ausstellung zeigt Eisenzeit als Europa ohne Grenzen

Die Ausstellung mit mehr als 1600 Exponaten wurde jetzt in St. Petersburg eröffnet.
Das Projekt ist Teil des Deutschlandjahres in Russland.
Foto: Janine Schmitz/photothek.net/SPK /dpa

St.Petersburg/Berlin (dpa) – Die Ausstellung «Die Eisenzeit. Europa ohne Grenzen» markiert eine neue Etappe der deutsch-russischen kulturellen Zusammenarbeit. Nach den Ausstellungskooperationen zur «Merowingerzeit» (2007) und «Bronzezeit» (2013) steht nun die Epoche im Zentrum, die das erste Jahrtausend vor Christus umspannt.

Gezeigt werden dafür in der kleinen Eremitage in St. Petersburg (bis zum 28. Februar) mehr als 1600 Exponate auch aus den archäologischen Sammlungen des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Anschließend soll die Ausstellung vom 15. April bis zum 15. Juli im Staatlichen Historischen Museum Moskau präsentiert werden. Das Projekt ist Teil des Deutschlandjahres in Russland.

Knapp die Hälfte der gezeigten Objekte gelangte als Folge des Zweiten Weltkriegs von Berlin in die damalige Sowjetunion. Dies sei aber «keine Beutekunstausstellung», sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie baue jedoch auf den kriegsbedingt verlagerten Objekten auf. Parzinger sprach von einem «neuen Baustein in der langen Erfolgsgeschichte deutsch-russischer Zusammenarbeit». Mit der Ausstellung werde eine dynamische Epoche präsentiert, die Europa in Wallung gebracht habe.

Viele der Objekte sind erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder zu sehen. Von einigen Stücken waren Lagerort und Zustand über Jahrzehnte nicht oder kaum bekannt. Die kriegsbedingt verlagerten Objekte sind in der Ausstellung gemeinsam mit rund 250 Objekten aus dem Bestand des Berliner Museums zu sehen. Damit werden die Fundkomplexe aus der Eisenzeit erstmals seit 80 Jahren wieder zusammengeführt.

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Gesundheit

Erwachsene brauchen mindestens
21 Minuten Bewegung pro Tag

Nach Schätzungen der WHO könnten im Jahr weltweit fünf Millionen 
vorzeitige Todesfälle verhindert werden, wenn Menschen körperlich aktiver seien.  
                                Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Genf (dpa) – Über 25 Prozent der Erwachsenen und rund 80 Prozent der Jugendlichen bewegen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht genug. Auch in Zeiten von Corona-Lockdowns sei sportliche Betätigung wichtig, schreibt die WHO in ihren neuen Richtlinien zu körperlichen Aktivitäten: «Jede Bewegung zählt», so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Wir müssen uns alle jeden Tag bewegen, auf sichere und kreative Weise.»

Für Erwachsene empfiehlt die WHO jede Woche mindestens zweieinhalb bis fünf Stunden Bewegung. Das sind rechnerisch im Schnitt mindestens 21 Minuten pro Tag. Das gelte auch für Menschen, die mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen leben. Auch Schwangere und stillende Mütter sollten aktiv bleiben.

Für Kinder und Jugendliche seien sogar 60 Minuten täglich angebracht. Menschen ab 65 sollten zusätzlich Gleichgewicht und Koordination trainieren und Muskelkraft aufbauen, um Stürze zu vermeiden.

Nach Schätzungen der WHO könnten im Jahr weltweit fünf Millionen vorzeitige Todesfälle verhindert werden, wenn Menschen körperlich aktiver seien. Mangelnde Bewegung und die daraus resultierenden Krankheiten kosteten Gesundheitssysteme weltweit 54 Milliarden Dollar (45 Mrd Euro) im Jahr. Regelmäßige Bewegung trage dazu bei, Herzkrankheiten, Diabetes Typ II und Krebs vorzubeugen. 

Sie könne Symptome von Depression und Angst mildern, einen Abbau der geistigen Fähigkeiten verlangsamen und das Gedächtnis verbessern.

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Reise

Marokko: Tanger ist eine Stadt zwischen zwei Welten

Wie aus Tausend und einer Nacht: Die Architektur Tangers bezaubert.         
 Foto: Andreas Drouve/dpa

                

Bitte beachten Sie: Bei diesem Korrespondentenbericht handelt es sich um eine zeitlose Destinationsgeschichte. Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Situation ist das Reisen gerade sehr erschwert und in großen Teilen sogar unmöglich. Diese Texte und Fotos sollen helfen, den Leserinnen und Lesern jetzt Inspiration zu bieten für die Zeit, wenn das Reisen wieder möglich ist.

Von Andreas Drouve
Tanger (dpa) – Nur Mut! Der Neugier folgen, dem Instinkt und den Gerüchen, sich verlieren und treiben lassen durch das Wirrwarr an Gassen. Das ist die richtige Herangehensweise für Tanger.

Das altstädtische Herz pulsiert einerseits in der Uptown Kasbah und andererseits in der Downtown Medina. Da, wo sich Häuserwürfel asymmetrisch übereinander stapeln, Wäscheleinen von Fenstergitter zu Fenstergitter spannen, das Licht auf Pflanzengehänge fällt.

Bougainvilleen umkränzen Fassaden, Katzen dösen auf Bänken. Wände tragen Farbschichten von Türkis bis Gelb, während andere kalkweiß in der Sonne reflektieren. Vielfach blättert der Putz.

Die marokkanische Küstenstadt ist eine Wucht, vor allem für die Sinne. Man bewegt sich durch labyrinthische Gassen. Menschen verschwinden im Dunkel einer Backstube, in winzigen Schneidereien. Hier plätschert ein Brunnen, dort knickt eine Treppe ab.

Das Grab
des großen Entdeckers

Dann steht man vor dem Grabbau des Entdeckers und Abenteurers Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts lebte. Der Abenteurer – auch als «Marco Polo Marokkos» bezeichnet – stammte von hier, reiste durch Syrien und Persien, von Südrussland bis China, legte Zehntausende Kilometer zurück. Tangers Flughafen trägt seinen Namen.

Der Zugang zum Grab ist verschlossen, so scheint es. Schade. Ein Ruckeln an der Tür. Nichts. Noch eins. Plötzlich öffnet sich die Tür und man schaut in die erblindeten Augen eines alten Mannes.

Der Wächter gewährt Einblick in den Raum, verlangt aber ein Bakschisch, ein Trinkgeld. Prüfend wiegt er das Geldstück in der Hand. Dann murmelt er etwas und verschließt das Allerheiligste wieder.

Schmelztiegel
und «Tangeritis»

Einer der unbekannteren Söhne Tangers heißt Aziz Begdouri. In der Kasbah hat sich der 50-Jährige den Traum eines Boutique-Hotels erfüllt. «Wir leben hier zwischen zwei Welten», sagt er über seine Heimatstadt, die im nördlichsten Nordafrika an der Grenze zu Europa liegt, an der Schnittstelle zwischen Atlantik und Mittelmeer.

Das erklärt die strategische Lage, die lange Geschichte als Hafen- und Handelsstützpunkt, die wechselnde Herrschaft. Begdouri kommt immer wieder auf diesen «Schmelztiegel» zu sprechen, auf diesen «Mix aus Menschen, Kulturen, Architektur und religiösen Hintergründen». «Wir leben friedlich zusammen», sagt er.

In Tanger, ruft Begdouri ins Gedächtnis, habe Henri Matisse gemalt und Barbara Hutton gelebt, eine Kaufhauserbin und vormals die reichste Frau der Welt. Die Stadt sei traditionell weltoffen und liberal gewesen, die schwulen Schriftsteller Tennessee Williams, William S. Burroughs und Truman Capote kamen nach Tanger.

Im Vergleich zu seiner Kindheit und Jugend hat Begdouri allerdings einen befremdlichen Unterschied ausgemacht, einen Rückschritt, wie er sagt. «Früher gingen wir im Winter zum Fußballspielen an den Strand und im Sommer baden, in Shorts und Bikinis, auch Marokkanerinnen», erinnert sich der Hotelbesitzer. Heute sehe er viel mehr Kleidung, was an der Vielzahl an Zugezogenen aus konservativeren Landesteilen liegt. Mittlerweile hat Tanger knapp eine Million Einwohner.

Ein deutscher Hotelierskollege, Jürgen Leinen, fühlt sich auch dank seiner marokkanischen Frau Farida in der Stadt verwurzelt. Er berichtet schmunzelnd von einer Krankheit, die er «Tangeritis» nennt: «Die kriegt man, wenn man sich von der Magie Tangers verzücken lässt», sagt Leinen. «Vorsicht, einmal mit dem Virus infiziert, muss man immer wieder zurückkommen.» Sein Leben hier sei ruhig und entspannt. Junge Einheimische empfinden das ganz anders.

Der Traum
von Europa

Yahya Radi und seine Kumpels Outmane Rammach und Salaheddine Gritit, Studenten und Hobbymusiker, alle um die zwanzig, treffen sich oft auf einer Caféterrasse zu Füßen der Medina. Dann trinken sie Minztee, pusten Rauchwolken in den Abendhimmel und sinnieren über das Leben.

«Nach Europa will doch jeder Marokkaner», sagt Yahya und deutet mit einer Armbewegung in jene Richtung, in der sich die Konturen der Südküste Spaniens abzeichnen. «Klar will ich da auch hin», pflichtet ihm Salaheddine bei. «Aber nicht schwimmend oder auf einem Boot versteckt, sondern ganz legal.»

Duft der
Freiheit

Yayha beklagt den Mangel an Möglichkeiten für junge Menschen und auch den Mangel an Freiheit – und führt, ohne es zu wissen, die Worte der staatlichen Touristenbroschüre ad adsurdum. «Ein Gefühl von Freiheit, die in der milden Luft fließt wie der Duft der Orangenblüte», heißt es darin über Tanger. Dieses Gefühl bleibt Reisenden vorbehalten.

Zerstreuung und Zuflucht finden die Freunde in der Musik. Sie wollen eine Band gründen und komponieren gemeinsam Lieder auf Englisch. «Damit schaffen wir uns unsere eigene Welt», sagt Outmane. «Aber ohne schlechte Energie, bei uns gibt‘s nur gute Schwingungen.»

Outmane stammt aus einer muslimischen Familie. Dass er «geformt» wurde, ein Moslem zu sein, das störe ihn. Er befinde sich in einer Reflexionsphase. «Menschen sollten nicht nach ihrer Religion beurteilt werden», fügt er noch hinzu.

Plötzlich ist Houda el Idrissi da, eine Kameradin, Abiturientin, 19. Sie pafft wie ein Schlot, trinkt manchmal auch, wie sie einräumt. Ein Kopftuch trägt sie nicht, lackiert sind die Fingernägel. Alleine das sei ein Kampf im familiären Umfeld, doch selbstbewusst stellt sie klar: «Ich muss ich sein.» Soweit zu gehen, in der Öffentlichkeit Shorts zu tragen, will sie aber nicht. Die trage sie nur Zuhause.

Ein Lob
auf den Alltag

Überschwänglich in ihren Beschreibungen Tangers waren seit jeher vor allem die auswärtigen Besucher. US-Literat Paul Bowles (1910-1999) «liebte» diese Stadt, in der er lange Zeit seines Lebens verbrachte. Und der französische Maler Eugène Delacroix (1798-1863) fühlte sich beim Unterwegssein in Tanger wie jemand, «der träumt und der Dinge sieht und Angst hat, dass sie ihm entkommen.»

Es ist der stete Strom an bunten Alltagsbildern, der mitreißt: Freiluftbasare, Straßenhändler mit Eiern, Scheren, Kämmen, Teekannen, Hühnerfutter und, gebrauchten Schuhen. Es riecht nach Minze, Gewürzen und Leder. Ein Motorradkarren zwängt sich durch die Enge. Eine Frau trägt Henna-Bemalung auf, ein Junge rotzt herzhaft aus.

Entenmuscheln
und
Schwertfische

In der Rue de la Kasbah steht Grillmeister Hassan Metmari in seinem Restaurant am Rost und tischt Spießchen auf. Nahe der Hauptmoschee der Medina schnibbelt Frisör Mohammed Hamza Salmoun bis spät in den Abend hinein. Menschen füllen die Stadt, auf die der Reisende seine Sehnsüchte projiziert, mit Namen und Gesichter.

Das gilt auch für Abdelarahim Bakkali. Sein Reich ist die Fischmarkthalle. Hier verkauft er zum Kilopreis von umgerechnet zwanzig Euro seine Entenmuscheln, die in Spanien mehr als doppelt so viel kosteten, wie er sagt. Mit ihrer Ästhetik können Entenmuscheln nicht punkten. Eher sehen sie aus wie abgehackte Schildkrötenfüßchen.

Das Muschelsammeln an den Klippen ist ein lebensgefährlicher Job. Wie zum Beweis streckt Bakkali seine geschundenen Hände aus. Hinter ihm wird gerade Frischware abgeladen: Schwertfische, gefolgt von einem kapitalen Hammerhai und säckeweise Eis.

Übergangslos setzt sich das Markttreiben mit der Fleischsektion fort. Hähne baumeln kopfabwärts, Rindsfüße hängen an Haken. Anderswo türmen sich Fladenbrote und Olivenberge auf. Um einen Hinterhof reihen sich Weberwerkstätten. Eine gehört Mohamed Agoueiz, dem ein zweiköpfiges Team zur Fertigung von Dschellabas untersteht, wollenen Männer- und Frauengewänder, landestypische Tracht im Norden Afrikas.

Geschichte
und Strand

Artefakte der Geschichte verwahren der museale Bau der Amerikanischen Gesandtschaft und der Palastkomplex Dar al-Makhzen, wo kunstvolle Zedernholzdecken, Innenhöfe und Stuckarabesken begeistern – da geraten die Exponate zu den mediterranen Kulturen zur Nebensache.

Ins Jetzt katapultieren die Promenaden am Stadtstrand, der Sporthafen, die restaurierte Kinothek am Platz Grand Zocco. Drinnen gibt es Alkoholausschank, draußen auf der Terrasse nicht.

Am Ende des Besuchs geht noch einmal in die Altstadt von Tanger, zurück zu Aziz Begdouri: «Wenn ich aufwache, schaue ich raus auf die See, die Straße von Gibraltar. Das gibt mir Kraft, Energie, Leben.»

Info-Kasten: Tanger
Reisezeit:
Tanger eignet sich als Ziel für jede Jahreszeit. Im Sommer ist es nicht erdrückend heiß, im Winter mild.
Anreise:
Vor Corona gab es saisonal Direktflüge nach Tanger, ansonsten mit Umsteigen etwa in Madrid oder Lissabon.
Einreise
Deutsche Reisende benötigen eine gültigen Reisepass, ein Visum ist jedoch nicht notwendig.
Geld
Landeswährung ist der Dirham. 1 Euro sind etwa 10,90 Dirham (October 2020). Bargeld kann in Wechselstuben und Hotels getauscht oder am Bankautomaten abgehoben werden.
Informationen: 
http://www.visitmorocco.com

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Stilberater erklärt:

Die richtige Farbe kann jeder finden

Viel anprobieren hilft oft dabei, die richtigen Farben und Schnitte zu finden. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Köln (dpa) – Es ist einer der beliebtesten Tests in Frauenzeitschriften: die Bestimmung des persönlichen Farbtyps. Doch ganz so leicht ist es mit den Farben nicht. Jede Saison kommen neue Modefarben in die Läden – und nicht jeder hat ein Gespür dafür, welche einem stehen.

«Viel anprobieren hilft, die richtigen Farben und Schnitte zu finden», sagt Trendanalyst Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut in Köln. Beim Blick in den Spiegel sollte man sich nicht nur die Frage stellen, ob es ein tolles Kleidungsstück ist, sondern auch, ob dieses etwas für einen tut. Das heißt einen frischer und strahlender aussehen lässt als ohne.

Bei Zweifeln kann eine Farb- und Stilexpertin zur Seite stehen, wie Nicola Schmidt. In ihrem Workshop in Köln erklärt sie: «Wenn wir Farben tragen, die nicht mit dem Hautunterton korrespondieren, wirkt das Gesicht auf einmal blasser und fleckiger.»

Die Haut unter der Oberfläche ist demnach entscheidend bei der Farbbestimmung. Anders als die Hautfarbe, die sich bei Sonne verändert, oder den Haaren, die irgendwann ergrauen, bleibt der Unterton ein Leben lang gleich.

Um die richtigen Farben für jeden Einzelnen zu finden, nutzt Schmidt, wie viele ihrer Kollegen, die Farbtypenlehre nach Jahreszeiten. Die Einteilung geht auf den Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten zurück. Er untersuchte in den 1920er-Jahren, welche Auswirkungen Farben auf die Gesichtszüge der Menschen haben. Der größte Unterschied liegt zwischen kühlen (Sommer/Winter) und warmen (Frühling/Herbst) Tönen.

Ob kühl oder warm findet man heraus, indem man sich abwechselnd einen goldenen und silbernen Stoff unter das Kinn hält. Schmidt benutzt hierzu Farbkrägen, die um den Hals gebunden werden und so das Dekolleté verdecken. Wenn der goldene Kragen die Person vital aussehen lässt, gehört sie zum Farbtyp Frühling oder Herbst. Bringt sie die silberne Kragenseite zum Strahlen, ist die Person entweder ein Sommer- oder Wintertyp.

Bei den meisten passt an diesem Vormittag im Workshop Silber besser. Das soll an dem blassen, bläulich oder Rosé unterlegten Hautton liegen. So einfach ist das für den Laien aber nicht immer zu erkennen.

Die kalten Farbtypen: Sommer und Winter
Weiter geht es mit den Farben der Jahreszeiten. Anders als der Sommertyp es vermuten lässt, harmoniert zur kühlen Haut zarte Farben wie Hellblau, Flieder, Mint oder Rosa.

Dort, wo es mittels Farbkragen nicht so leicht zu bestimmen ist, werden Tücher in weiteren Farbnuancen des Sommers dazu geholt. Vielleicht ist die Person auch ein Wintertyp: Diesem werden etwas kräftigere Töne wie Kirschrot, Zitronengelb und Smaragdgrün empfohlen. Auch Schwarz-weiß-Kombinationen sind möglich.

Die warmen Farbtypen: Frühling und Herbst
Die Farben des Frühlings sind klare, helle Töne, wie Apricot, Lindgrün oder Honig-Gelb. Diese schmeicheln oft hellen Menschen mit einem warmen, gold-gelblichen oder pfirsichfarbenen Hautton. Die Haut des Herbsttyps ist ebenfalls warm und golden. Erdige und warme Töne wie Schokobraun oder Tannengrün werden empfohlen, sowie leuchtendes Kupferrot.

Jede Farbe verändert etwas im Gesicht, im besten Fall werden der Teint eben, Mund und Wangen hervorgehoben oder die Augen leuchtender. Mindestens 20 Minuten braucht jeder Teilnehmer, um seinen Farbtyp zu bestimmen.

Eine Teilnehmerin ist enttäuscht: Bislang mochte sie Orange gern an sich. Jetzt hat die Gruppe sie als Sommertyp, also mit pastelligen Farben, bestimmt. «Wenn die Lieblingsfarben bei dem Träger eher unvorteilhaft wirken, dann kann er sie gut als Accessoire einsetzen – als Gürtel, Tasche oder Schuhe», rät Schmidt. Hauptsache, die weniger vorteilhafte Farbe befindet sich nicht direkt unterm Gesicht.

Um nichts falsch zu machen, tragen vielen Menschen schwarze Kleidung. «Sie schluckt das Licht und damit die Binnenzeichnung von uns. Daher ist sie gut geeignet, um zu kaschieren und uns schlanker erscheinen zu lassen», sagt Trendexperte Tillessen. Schwarz könne zudem geheimnisvoll und intellektuell wirken, weil sie vom Körper ablenke und sich auf den Geist konzentriere, so der Farbanalyst.

Es gibt aber auch Situationen, in denen sie nicht passt: «Schwarz im Neukundengespräch ist eher unvorteilhaft, da es sehr distanzierend wirkt», erklärt Schmidt. Einen autoritären Eindruck können zudem gegenpolige Farben wie Schwarz und Weiß hinterlassen.

Auch andere Farben sind inhaltlich codiert. «So wirkt Rot energetisch und kraftvoll, Weiß sehr gepflegt, frisch und sauber und Grün natürlich und naturverbunden», erklärt Tillessen.

Was vielen steht: Petrol und kräftiges Blau
Wer mehr Farbe zulassen will, kann sich zunächst an Blautönen orientieren. «Viele Menschen können Türkis oder Petrol tragen. Vielen Mitteleuropäern, wie wir es sind, steht ein kräftiges Dunkelblau», weiß Schmidt. Das liegt daran, dass viele den kühleren Farbtypen entsprechen.

«Kräftiges Blau ist eine sehr schmeichelhafte Farbe, weil es die Komplementärfarbe zu Orange ist und somit auch das Orange in unserem Hautton verstärkt», sagt Tillessen. Das wirkt sich positiv auf unsere Gesichtsfarbe aus.

Was nicht mehr geht: Nudetöne
Nudefarben, also sanfte Pudertöne, Sand- und Cremefarben, die wie Fleischfarben aussehen, stehen hingegen nur wenigen Menschen. Der Grund: «Von weiten wirkt eine enge Hose im wahrsten Sinne des Wortes wie nackte Beine und Popo», sagt Schmidt. Nudetöne auf heller Haut lassen die Person blasser und fülliger wirken, sofern sie nicht gertenschlank ist, so die Expertin.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Lachen gegen Corona: Warum Humor in der Krise wichtig ist

Witze über Klopapier, Homeoffice oder Hygieneregeln – mit einem Lachen lässt sich die Corona-Krise etwas leichter ertragen. Vor allem schwarzer Humor kann helfen. Aber auch in der Corona-Krise gilt: Man sollte nicht über alles lachen.

Bayern, Haßfurt: Ein Aufsteller mit der Aufschrift «Humor ist die beste Medizin und Kuchen» steht vor einer Bäckerei. Foto: dpa

Von Jordan Raza
Berlin (dpa) – Zwei Dinosaurier sitzen auf der Erde, während sich am Himmel ein Objekt nähert. Der eine ruft: «Ein Meteorit!» Und der zweite sagt: «Komm! Lass uns sofort Klopapier kaufen gehen!» Witze, die das Verhalten der Menschen in der Corona-Krise verhöhnen, gibt es viele. «Humor schafft eine gewisse Erleichterung und emotionale Distanz. Wir können Sorgen und Ängste so leichter bewältigen», sagt die Autorin und Leiterin des Deutschen Instituts für Humor, Eva Ullmann.

Seit Monaten bestimmt die Corona-Pandemie den Alltag vieler Menschen – kein Wunder also, dass sie auch Auswirkungen darauf hat, welche Witze kursieren. «Eine Krise verändert und beeinflusst den Humor aller Betroffenen», schreibt Ullmann in ihrem Buch «Humor ist Chefsache», in dem sie sich auch der Corona-Krise widmet. Demnach fördert die Pandemie bei Privatpersonen, aber auch in der Werbung neuen Humor – den Corona-Humor.

Das Besondere daran: Er findet vor allem online statt und verbreitet sich über die sozialen Medien. So zeigt ein Comic auf Instagram einen Sanitäter, der zu einem Notfall kommt: «Gott sei Dank ein Herzinfarkt. Der Corona-Scheiß geht mir echt auf die Nerven.» Zu Ostern wurden viele Witze gepostet wie: «Und wo haben Sie dieses Jahr das Klopapier versteckt?» Auch ein Spruch wie «Der Osterhase ist systemrelevant. Natürlich darf der raus!» wäre in keinem anderen Jahr witzig gewesen.

Auch Unternehmen entwickeln neuartigen Humor. So sorgte etwa ein Wiener Bestattungsunternehmen im Oktober für Aufruhr im Netz. Es hatte auf Alltagsmasken den Spruch drucken lassen: «Corona leugnen sichert Arbeitsplätze

Derartige Witze werden als aggressiver Humor bezeichnet. «Man macht sich auf Kosten anderer lustig. Das hat etwas Ausgrenzendes», weiß Humorforscherin Tabea Scheel von der Uni Flensburg. Dazu gehören in der Pandemie nicht nur gehässige Scherze über Corona-Leugner, sondern etwa auch über Politiker.

Doch böser Humor ist laut Ullmann gerade in der Corona-Krise wichtig. «Er schafft Distanz und macht das Problem erträglicher.» Denn viele Menschen fühlten sich in Krisen ohnmächtig. Aggressiver, schwarzer Humor könne ihnen ein Gefühl von Handlungsfähigkeit vermitteln, erklärt die Expertin.

Demgegenüber steht der soziale Humor, der sich etwa über kollektiven Klopapier-Mangel lustig macht. «Hier lacht man zusammen. Wir gemeinsam gegen Corona», so Scheel. In Zeiten von Isolation und Kontaktbeschränkungen sei das besonders wichtig. «Sozialer Humor ist positiv und schafft Nähe zwischen Menschen

In einem sind sich beide Expertinnen einig: Humor in der Corona-Krise darf viel, aber nicht alles. «In der Regel ist es gesellschaftlich schwierig, wenn sich Witze etablieren, die permanent zu Lasten einer bestimmten Gruppe gehen», sagt Scheel. Zu Beginn der Corona-Krise verbreiteten sich online beispielsweise lustige Fotos mit der Aufschrift «Oma, gib mir deine Handtasche, sonst huste ich dich an» oder «Das Coronavirus ist wie die Pasta. Die Chinesen haben sie erfunden und die Italiener haben sie verbreitet».

Außerdem bezeichnet Ullmann Witze als gefährlich, die Lügen verstärken. «Wenn sich Humor auf Falschinformationen draufsetzt, ist das nicht produktiv für die Bewältigung einer Krise», sagt die Humorexpertin. In einer Zeit, in der ohnehin viele Falschnachrichten kursierten, sollten solche Witze nicht verbreitet werden.

Diese Ansicht teilt auch Peter Wittkamp, einer der Hauptautoren der ZDF-Satire-Sendung «heute-show». In «Übermedien», einem Onlinemagazin für Medienkritik, schrieb Wittkamp: «Trage, auch wenn es nur Scherze sind, nicht zu Panik, Lügen oder Resignation bei» und «Keine Scherze über erkrankte Menschen oder das Leid der anderen».

Fest steht: Humor ist immer individuell und abhängig von persönlichen Umständen. «Generell gehen wir humorvoll durch die Krise», sagt Scheel. Aber es gebe ja auch Menschen, die mit Kindern in Quarantäne seien oder im Krankenhaus auf der Intensivstation lägen. «Denen ist wahrscheinlich nicht zum Lachen zumute

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Witze – jokes
ertragen – to bear
Verhalten – behavior
verhöhnen – mock
bewältigen – cope with
bestimmt – has defined
Wunder – surprise
Auswirkungen – effects
kursieren – circulate
aller Betroffenen – everyone who’s affected
widmet – devoted to
Sanitäter – first responder
Herzinfarkt – heart attack
Unternehmen – undertakers
Bestattungsunternehmen – funeral home
Aufruhr – uproar
Corona leugnen – Corona denials
sichert Arbeitsplätze – means job security
Ausgrenzendes – malicious
gehässige – malicious
böse Humor – black humor
erträglicher – bearable
ohnmächtig – helpness
Handlungsfähigkeit vermitteln – being able to deal with
Mangel – shortage
Kontaktbeschränkungen – limited contact
schafft Nähe…Menschen – brings people closer
einig – united
etablieren – establish
Lasten – detriment
Oma – here: old lady
sonst huste…an – otherwise I’ll cough on you
verbreitet – spread
Lügen verstärken – support lies
kursierten – circulated
Ansicht – point of view
trage bei – lead to
Scherze – making fun
erkrankte – ill
abhängig – dependent
Umständen – circumstances
zum Lachen zumute – expected to laugh

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*