12. Juni 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Miss Germany 2022: Bewerbungsrunde eröffnet

HANDOUT – 01.06.2021, —: Die neue Staffel von Miss Germany 2021/2022 beginnt am 01.06.2021 mit der Bewerbungsphas. Ab jetzt können sich interessierte Frauen für die Wahl zur Miss Germany 2022 bewerben. Gesucht werden Frauen zwischen 18 und 39 Jahren, die «Verantwortung übernehmen», teilte die Miss Germany Corporation mit.
Foto: Stephan Glathe/MGC-Miss Germany Corporation Klemmer GmbH &CO KG/dpa

Oldenburg (dpa) – Ab jetzt können sich interessierte Frauen für die Wahl zur Miss Germany 2022 bewerben. Gesucht werden Frauen zwischen 18 und 39 Jahren, die «Verantwortung übernehmen», teilte die Miss Germany Corporation am Dienstag mit. «Es geht nicht um körperliche Merkmale, sondern ausschließlich um inspirierende Persönlichkeiten und deren Geschichten», hieß es weiter.

In den vergangenen Jahren wurde das maximale Bewerberalter von 29 auf 39 erhöht. «Wir sind definitiv bereit, auch weitere Anpassungen vorzunehmen, sodass wir in Zukunft auch weiteren 5 Millionen Frauen zwischen 40-50 Jahren eine Teilnahme bei Miss Germany ermöglichen können», sagte der Geschäftsführer der Miss Germany Corporation, Max Klemmer, der Deutschen Presse-Agentur. Der Grund für die Alterseinschränkung liege an der Zahl der Bewerberinnen, und dem Anliegen, eine gute Kommunikation mit ihnen sicherstellen zu können, sagte Klemmer.

Die Bewerbungsphase läuft über den gesamten Juni. Bei der Kür der Miss Germany 2022 soll zudem auf die traditionellen Bundeslandtitel verzichtet werden. Die hätten im Auswahlprozess oft im Weg gestanden, teilte Klemmer mit. «Auf dem Weg zur Miss Germany mussten wir daher oft auf beeindruckende Frauen verzichten. Das ändert sich hiermit». Im Finale am 19. Februar 2022 werden somit nicht mehr 16, sondern 10 von der Region unabhängige Finalistinnen stehen.

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Sport

Deutsche U21 feiert wieder als Europameister

Nach 2009 und 2017 triumphiert die deutsche U21 wieder als Europameister. Für Trainer Stefan Kuntz ist es bereits der zweite Titel mit dem deutschen Fußball-Nachwuchs. Der Erfolg vergrößert auch die Lust auf die nahende Abschieds-EM von Joachim Löw.

U-21 Männer: EM, Portugal – Deutschland, Finalrunde, Finale im Stadion Stozice. David Raum (Deutschland) hält die Trophäe hoch. Foto: dpal the Tokyo Olympics” gegen die Olympischen Spiele. Foto: dpa

Von Miriam Schmidt und Christian Kunz
Ljubljana (dpa) – Stefan Kuntz herzte auf der Tribüne mit Tränen in den Augen die Familie, seine Europameister hüpften und tanzten ausgelassen auf dem Rasen. Deutschlands U21 hat sich mit einer mitreißenden Final-Vorstellung den Traum vom EM-Titel erfüllt. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes gewann am Sonntag in Ljubljana ein hochklassiges und temporeiches Endspiel gegen Angstgegner Portugal verdient mit 1:0 (0:0) und krönte sich zum dritten Mal nach 2009 und 2017 zum Europameister.

Anderlecht-Stürmer Nmecha sorgte in der 49. Minute für den überschwänglich umjubelten Treffer und kürte sich mit insgesamt vier Treffern auch zum Torschützenkönig. Im schwarz-rot-goldenen Konfettiregen feierten die DFB-Jungs mit dem EM-Pokal. «Wenn man ihnen Vertrauen gibt, dann zeigen diese Spieler, dass sie Talent haben und zu sehr Großem fähig sind», sagte der Kuntz bei ProSieben. Im dritten Endspiel unter der Regie des Erfolgscoach gab es den nächsten Triumph nach 2017. Er verneigte sich vor Torschützen Nmecha. «Nicht viele Leute haben an uns geglaubt, aber wir haben an uns geglaubt», sagte der entscheidende Mann des Abends.

Alle freuten sich auf eine lange Party-Nacht. «Das ist so geil, das glaubt man gar nicht», sagte der starke Niklas Dorsch. «Was wir hier abgerissen haben, ist unglaublich.» Die Champions genossen den besonderen Augenblick überglücklich mit dem Publikum. «Es ist unheimlich geil, so einen Moment mit meiner Familie und meinen Freunden feiern zu dürfen», sagte Torhüter Finn Dahmen. «Es ist Wahnsinn, was wir wieder auf den Platz gebracht haben.»

Auch abseits des Teams war die Freude riesengroß. «Jungs, herzlichen Glückwunsch. Wir haben alle mitgefiebert, habt ihr super gemacht, habt ihr euch verdient, ihr wart die beste Mannschaft bei dem Turnier», erklärte Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer. Die DFB-Stars hatten alle die Daumen gedrückt.

«Jawoll!! Was für ein großartiger Kampf, ganz herzlichen Glückwunsch an unsere U21», twitterte 2014er Weltmeister Mats Hummels. «Was für eine fantastische Leistung», hob Bayern-Dauersieger Thomas Müller. Nationalelfkollege Ilkay Gündogan sprach von einer «grandiosen Mannschaftsleistung».

Wenige Tage vor der Europameisterschaft der A-Nationalmannschaft von Bundestrainer Joachim Löw sendete der deutsche Fußball-Nachwuchs vor 4883 Zuschauern ein eindrucksvolles Signal, dass trotz viel Kritik auch viel Qualität vorhanden ist. Die Auftritte in Ungarn und Slowenien dürften auch Löw-Nachfolger Hansi Flick freuen.

Im Gegensatz zur goldenen Generation mit den späteren Weltmeistern um Neuer im Jahr 2009 und deren Nachfolger um Serge Gnabry acht Jahre später zählte die 2021er Auswahl vor dem Endrundenstart nicht zu den Titelkandidaten. Immer wieder hieß es, es sei nicht der stärkste Jahrgang, die Marktwertvergleiche mit Topnationen nervten die Spieler mitunter. Als Turniermannschaft par excellence kämpfte sich die DFB-Elf aber trotzdem bis ins Finale.
In einer schwierigen Gruppenphase und einem packenden Elfmeterkrimi im Viertelfinale gegen Dänemark musste die deutsche Mannschaft Widerstände überwinden – und das war auch im Endspiel erstmal der Fall. Die flinken und technisch versierten Portugiesen erwischten den besseren Start. Ein Schuss von Tiago Tomas ging knapp vorbei (8.), Amos Pieper rettete in höchster Not gegen Diogo Dalot (13.).

Doch die Mentalitätstruppe um Anführer Dorsch (KAA Gent) kämpfte sich schnell ins Spiel, erfüllte wie gefordert den Wunsch von Kuntz. «Macht Zuschauer und Familien stolz», hatte der Erfolgscoach kurz vor dem Spiel gesagt – und das taten seine Jungs.

Nur eine Winzigkeit fehlte dem Leverkusener Florian Wirtz, der per Doppelpack das Halbfinale gegen die Niederlande entschieden hatte, für die Führung. Sein abgefälschter Schuss prallte von der Unterkante der Latte nicht ins Tor und setzte damit das Aluminium-Pech der deutschen Auswahl im Turnier fort. Nmecha (21.) und Arne Maier (29.) scheiterten an Portugals stark parierenden Keeper Diogo Costa.

Insgesamt drängte Deutschland vor der Pause mehr auf die Führung, Portugal blieb bei aber gefährlich. Bezeichnend für den Teamgeist der DFB-Elf war eine Großchance der Iberer, die mit vereinten Kräften und viel Einsatz so gerade noch vereitelt werden konnte (45.+1).

Die DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Peter Peters durften nach dem Seitenwechsel schnell über die Führung jubeln. Der einzige A-Nationalspieler des Teams, Ridle Baku, behielt Ruhe und Übersicht bei seinem Pass auf Nmecha. Und die Tormaschine im deutschen Spiel verwandelte im 20. U21-Einsatz eiskalt zum zwölften Treffer.

In der Schlussphase war wiederholt auch Schlussmann Dahmen gefordert. Bei Kontern fehlte es seinen Vorderleuten an Präzision. Karim Adeyemi verpasste das 2:0 (72./81.). Portugal, das zuletzt fünfmal nacheinander gegen Deutschland gewonnen hatte, drängte vergeblich auf den Ausgleich – und konnte die große deutsche EM-Party nicht mehr verhindern.

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Feuilleton

Verband sieht Chormusik durch
Corona-Krise in Gefahr

Mitglieder vom Chor «Nordstädter Kantorei» proben am Abend unter der Leitung von Chorleiter Daniel Morgner (M) im Georgengarten.
Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Weimar (dpa) – Wegen der Corona-Pandemie können Chöre schon lange Zeit kaum noch proben und auftreten – nun schlägt der Verband Deutscher Konzertchöre (VDKC) Alarm. Seit mehr als einem Jahr sei das Chorsingen de facto zum Erliegen gekommen, teilte der Verband mit Sitz in Weimar am Mittwoch mit. Aus allen Teilen des Landes seien Alarmzeichen des Mitgliederschwunds und massiver Nachwuchsprobleme wahrzunehmen, heißt es demnach in einem Schreiben, das der Verbandspräsident Ekkehard Klemm an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickte.

Besonders betroffen seien Kinder- und Jugendchöre, die vor allem in Schulen völlig neu aufgebaut werden müssten. «Wenn zwei ganze Jahrgangsstufen in solchen Ensembles ausfallen, weil keinerlei gemeinsames Musizieren stattfinden darf, steht in kürzester Zeit die komplette künstlerische Existenz auf dem Spiel», heißt es in dem Schreiben weiter. Proben in Kleingruppen oder über Online-Lösungen seien kein Ersatz. Trotz anstehender Lockerungen gebe es noch keine durchgreifende Besserung der Situation. «Noch immer behindern zu viele Einschränkungen den Neubeginn», hieß es in der Mitteilung.

Chöre müssten von der Politik unterstützt werden, etwa um Belüftungssysteme anzuschaffen und Proberäume anderweitig für die Corona-Lage anzupassen. Generell sollten Vorschriften bundesweit zurückgeschraubt werden und Corona-Maßnahmen sofort aufgehoben werden, wenn die Infektionslage dies zulasse. Die Chormusik in deutschen Amateurchören wird seit 2014 im bundesweiten Verzeichnis für Immaterielles Kulturerbe der Unesco geführt. Dem Bundesmusikverband Chor und Orchester zufolge musizieren 14,3 Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit. Seit Beginn der Pandemie musste ein Großteil dieser Ensembles laut Verband Aktivitäten einstellen oder digital fortführen.

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Gesundheit

«Corona-Krise ist Brandbeschleuniger»:

Bewegungsmangel bei Kindern

Buden bauen im Wald oder stundenlang durch Hinterhöfe tingeln: Inzwischen allerdings sind Bildschirm-Aktivitäten oft gefragter – und Kinder bekommen Diagnosen, 
die einst Senioren vorbehalten waren.
  Foto: Dorothée Barth//dpa

Von Annett Stein
Berlin (dpa) – Seit jeher galt: Landkinder sind fitter als Stadtkinder. «Inzwischen hat sich das aber umgekehrt», sagt der Trainings- und Bewegungswissenschaftler Urs Granacher. Dies gelte für Deutschland ebenso wie für andere Länder. «Der Grund ist, dass es einen extremen Rückgang beim freien Spiel gibt», erklärt der Professor für Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Potsdam. «Bewegung draußen ohne organisierten Rahmen findet kaum noch statt.»

Auch auf dem Land werde lieber am Computer gedaddelt als die Bude im Wald gebaut. Wenn Kinder sich außerhalb des Schulsports überhaupt noch bewegten, dann meist in Sportvereinen – und da sei das Angebot in der Stadt meist weitaus besser als auf dem Land. «Wer dort nicht Fußball spielen möchte, kann schnell ein Problem bekommen.»

Die «Emotikon»-Studie in Brandenburg, in die seit 2009 fast 200 000 Drittklässler einbezogen worden seien, zeige vor allem eine schlechtere Ausdauer von Kindern. Das gelte auch bundes- und weltweit. «Die körperliche Fitness von Kindern ist erheblich schlechter als vor 20, 30 Jahren», sagt Granacher. Ein Begriff aus der Altersmedizin für den Kraftrückgang, die Dynapenie, werde nun auch auf Kinder angewandt und als pädiatrische Dynapenie bezeichnet. «Betroffene Kinder haben nicht mehr ausreichend Muskelkraft für spielerische Aktivitäten wie das Klettern auf einem Klettergerüst.»

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Kinder und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität bei moderaten bis hohen Intensitäten. «Das ist die Minimalempfehlung wohlbemerkt», so Granacher. Weltweit erfüllt ein großer Teil der Kinder die Empfehlung nicht, bei den Jugendlichen bewegen sich nach den zuletzt verfügbaren Daten 80 Prozent nicht genug. «Und das war vor der Pandemie.»

Schul- und Vereinssport, selbst der Weg zur Schule fielen nun aber über Monate weg. «Das ist noch mal ein Brandbeschleuniger», ist der Stuttgarter Bewegungsexperte Clemens Becker überzeugt. Binnen eines Jahres könne sehr viel Muskelmasse, Koordination und Ausdauer verloren gehen. Auch Granacher sagt, gerade weil es inzwischen weniger freies Spiel gebe, wirke sich der Ausfall von Schul- und Vereinssport besonders stark aus.

«70 Prozent der Kinder in Deutschland betreiben normalerweise Vereinssport», sagt Dietmar Pennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Die ohnehin schon vorhandenen koordinativen Verluste hätten sich im Zuge der Pandemie ganz sicher noch einmal verschärft. «Der Profifußball durfte weiter trainieren – mir persönlich wären die Kinder wichtiger gewesen.» Zumindest im Freien wäre da viel möglich gewesen.

Während sich viele Kinder im ersten Corona-Lockdown – bei schönem Frühlingswetter – noch häufig draußen aufhielten, bewegten sie sich gemäß einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im zweiten Corona-Lockdown erheblich weniger als üblich. Eine andere Freizeitaktivität legte dafür immens zu: der Medienkonsum. Im Mittel saßen die in die Studie aufgenommenen 4- bis 17-Jährigen 222 Minuten am Tag vor Bildschirmen, 28 Minuten länger als im ersten Lockdown.

War es lange nur das Fernsehen, das Kinder und Jugendliche stundenlang auf die Couch bannte, kommen heute Videospiele, Youtube-Videos und soziale Medien hinzu. Nach der Ende 2020 vorgestellten JIM-Studie stieg allein die tägliche Internetnutzungsdauer der 12- bis 19-Jährigen nach eigener Einschätzung von 205 Minuten im Jahr 2019 auf 258 Minuten in 2020. Weniger Bewegung bei höherem Medienkonsum – das sei «ein gefährlicher Cocktail», warnt Granacher. Es werde ganz sicher langfristige Auswirkungen für die betroffenen Kinder geben, wenn nicht geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

Davon ist auch Pennig überzeugt. Ein Minus an Bewegung in dieser lebensprägenden Entwicklungsphase habe Auswirkungen auf das gesamte Leben, sagt der Ärztliche Direktor und Chefarzt am St. Vinzenz-Hospital in Köln. Zum einen mieden Kinder, die etwa wegen mehr Gewicht und verschlechterter Motorik beim Spiel mit Gleichaltrigen häufiger verlören, das Toben und Spielen oft ganz. Zum anderen sei es generell so, dass sich das Bewegungsverhalten in Kindheit und Jugend verfestige. Aus inaktiven Kindern werden mit großer Wahrscheinlichkeit inaktive Erwachsene.

Wichtig ist den Experten zufolge nun, den Verlust an Koordination, Kraft und Ausdauer möglichst wieder aufzuholen. Dafür müssten an den Schulen gezielte Förderangebote geschaffen werden, so Granacher. «Sonst droht aus der Covid-19-Pandemie eine körperliche Inaktivitätspandemie mit allen negativen gesundheitlichen Konsequenzen zu werden.» Zu berücksichtigen sei dabei, wenn der Sportunterricht wieder regulär stattfinden kann, dass es nicht auf demselben Fitness-Niveau wie zuvor losgehen könne. «Das Verletzungsrisiko ist vermutlich erheblich größer geworden.» Zunächst müsse zwei bis drei Monate lang die körperliche Fitness wieder gezielt aufgebaut werden.

Das sei umso wichtiger, da diese sich auch auf viele andere Faktoren wie Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit positiv auswirke. «Es gibt bereits den Ansatz, Training so zu verschreiben wie man ein Medikament verschreiben würde», sagt Granacher. «An das breite Wirkungsspektrum von körperlicher Aktivität und Sport kommt keine Pille ran.»

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Reise

Warum Nachtzüge den Zeitgeist treffen

Wer per Nachtzug durch Europa reisen will, muss derzeit Abstriche machen. Angesichts der Klimakrise und anderen Faktoren sehen Forscher jedoch großes Potenzial und viele Versäumnisse in den vergangenen Jahren.  Foto: Bodo Marks/dpa

Brüssel (dpa) – Wer umweltfreundlich etwa per Nachtzug durch Europa reisen will, muss derzeit nicht nur wegen Corona Abstriche machen. Wenige Verbindungen und schlechte Infrastruktur stehen im Weg, aber Forscher sehen dennoch großes Potenzial. Auch die Corona-Pause geht langsam zu Ende.

Seit mehr als einem Jahr werden Reisen storniert, Urlaube abgesagt, sogar kleinere Ausflüge gestrichen. Viele blicken mit Sehnsucht und Fernweh auf den Sommer, in der Hoffnung auf Normalität. Dabei ändert nicht nur Corona die Art und Weise, wie wir Urlaub machen – auch die Klimakrise rückt etwa umweltbewusstes Reisen immer stärker in den Fokus. Auch deswegen attestieren Trend- und Zukunftsforscher Nachtzügen in Europa großes Potenzial. Zwar fehle es noch an Infrastruktur und länderübergreifenden Verbindungen, es bestehe aber die Möglichkeit einer echten Renaissance, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren Forschern.

Womöglich startet der Trend mit kleinen Schritten bereits Pfingstmontag. Dann werden die Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) ihre coronabedingten Einschränkungen aufheben. «Unserer Nachtzüge fahren wieder ab 24. Mai», teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Anfang der Woche hatte sich auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für einen Ausbau europäischer Nachtzugverbindungen ausgesprochen.

«Wir leben heute, gerade nach Corona, im Zeitalter der Comebacks», sagt Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts, auch wenn er im Vergleich zu Kollegen noch vorsichtiger ist. Trendbeobachter Matthias Haas spricht davon, dass eine Renaissance aus verschiedenen Gründen zu erwarten sei. Eine Reise im Nachtzug, in der Langstrecke, biete Sicherheit bei gleichzeitiger Spannung – beispielsweise durch zufällige Begegnungen, sagte er der dpa. Eine Wiederentdeckung der Reise im ursprünglichen Sinne liefere die Bahn mit dem Nachtzug auf höchstem Niveau. Auch Eike Wenzel, Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ), bejaht die Zukunftsfähigkeit dieser Reisemöglichkeit.

Das Potenzial haben verschiedene Unternehmen und Start-Ups erkannt. Von 2022 an soll eine neue Nachtzugverbindung die Moldau-Metropole Prag mit Dresden, Berlin, Amsterdam und Brüssel verbinden. Derzeit wird für das Vorhaben nach Investoren gesucht. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga zufolge werden 500 000 Euro gebraucht. Ebenfalls Anfang April wurde bekannt, dass zwei belgische Unternehmer einen sogenannten Moonlight Express mit Fahrten von Brüssel über Lüttich nach Berlin auf die Schiene bringen wollen.

Die Chancen für eine Renaissance sind laut den Wissenschaftlern und Beobachtern aber mit bestimmten Voraussetzungen verbunden. Trendforscher Peter Wippermann betont etwa, dass Ticketpreise mit denen von Billigfliegern mithalten müssten. «Dass wir keinen europäischen Bahnfahrplan haben, ist eine ziemliche Blamage und geht letztlich darauf zurück, dass Auto- und Flugverkehr – bis in gesetzliche Bestimmungen hinein – nach wie vor bevorzugt werden», betont Wenzel und moniert, dass es nie eine europäische Strategie für ein Bahnnetz gegeben habe.

Horx gibt zu bedenken, dass man eine Reisekultur in einer hochindividualisierten Gesellschaft erst wieder erlernen müsse. Derzeit sieht er eher Nischenchancen. «Das Schienennetz in Europa hat eben doch eine Menge Verbiegungen und mangelnde Verbindungsstrecken», so der Forscher. Ein Umbau der Schienennetze werde viele Jahre dauern. Wippermann spricht davon, dass die richtigen Voraussetzungen frühestens 2023 möglich seien.

Während Horx zudem betont, dass der Nachtzug nicht mit der Geschwindigkeit eines Fliegers mithalten kann, sagt Haas: «Menschen werden teilweise zu Überzeugungstäter und relativieren die Reisezeit bei einem entsprechenden Erlebnis.» Aber auch er sieht noch Nachholbedarf. Es brauche etwa eine lückenlose WiFi-Verbindung. «Über veganes Essen und alkoholfreien Wein im Speisewagen müssen wir nicht reden», solche Aspekte seien im modernen Leben ein Faktor.
Zudem müssten «viele, viele Fotomotive» angeboten werden, so der Beobachter. Denn eine Selbstdarstellung über soziale Medien sei «zweifelsohne» inklusive. «Diese Reiseform ist wie das Kreuzfahrtschiff, nur ohne Scham.»

Auch Umfragen sprechen derzeit nicht gegen ein Comeback der Nachtzüge. Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Umweltorganisation Germanwatch zeigte jüngst, dass in den betrachteten Ländern Deutschland, Polen, Frankreich, Spanien und in den Niederlanden im Schnitt mehr als die Hälfte der erwachsenen Bürgerinnen und Bürger bereit ist, bei einem «vernünftigen Preis» Flüge durch Zugreisen zu ersetzen. In Polen würden 37 Prozent der Befragten dafür auch Reisezeiten von mehr als sieben Stunden in Kauf nehmen. In den Niederlanden, Spanien und Frankreich sind es rund 25 Prozent, wobei Deutschland bei diesem Aspekt Schlusslicht mit 14 Prozent ist.

Derzeit hält vor allem die ÖBB die Nachtzugverbindungen am Leben. Sie bietet entsprechende Reisen unter anderem nach Italien, Deutschland, in die Schweiz, die Niederlande oder nach Osteuropa an. Die Züge werden teils zwar auch von der Deutschen Bahn betrieben. Doch ein eigenes Angebot hatte der bundeseigene Konzern mit Verweis auf die geringe Nachfrage bereits vor Jahren eingestellt. Wie im Dezember verkündet wurde, will er sich jedoch wieder stärker daran beteiligen.

Gemeinsam mit der ÖBB, der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) sowie dem französischen Staatskonzern SNCF will die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren die Nachtzugverbindungen in Europa wieder ausbauen. Schon Ende des Jahres soll es demnach möglich sein, per Nachtzug von Zürich über Köln nach Amsterdam zu fahren sowie von Wien über München nach Paris.

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In Leverkusen gibt es jetzt
Ampelmännchen mit Narrenkappe

Leverkusen (dpa) – An einer Straße in Leverkusen werden Fußgänger neuerdings von Ampelmännchen mit Narrenkappe angeleuchtet. Die karnevalistische Gestaltung der Ampelanlage wurde von der größten Karnevalsgesellschaft der Stadt, der KG Rote Funken, vorgeschlagen und finanziert, wie die Kommune am Freitag mitteilte. Hintergrund war ihr in jecken Zusammenhängen bedeutender 111. Geburtstag im vergangenen Jahr. «Wir möchten den Menschen Freude bereiten, uns gesellschaftlich einbringen und im Stadtbild auch Spuren hinterlassen», erklärte der Präsident der Roten Funken, Lothar Höveler, die Idee

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Unterwäsche von «Sisi» versteigert – Weißes Leinen mit Spitze

Was trug die schöne Kaiserin «Sisi» wohl drunter? Wer sich diese Frage schon immer mal gestellt hat, findet die Antwort derzeit in einem kleinen Ort bei München.

Die österreichische Monarchin im Krönungsornat als
Königin von Ungarn (Aufnahmedaten unbekannt).
Ein Auktionshaus bei München versteigert Unterwäsche von der Kaiserin. Foto: dpa

Grasbrunn (dpa) – Ein Auktionshaus bei München hat die Unterwäsche von keiner Geringeren als Kaiserin «Sisi» versteigert. «Drei Teile Leibwäsche aus der Sommergarderobe» gingen bei Hermann Historica in Grasbrunn für 3800 Euro weg, wie eine Sprecherin des Auktionshauses am Dienstag mitteilte. Außerdem kamen noch weitere Gegenstände unter den Hammer, die einst Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) gehörten. Darunter waren beispielsweise ein Reisekoffer und ein goldenes Sofa. Ein Sommerkleid der Kaiserin brachte 30 000 Euro.

Die Unterwäsche stammt den Angaben nach aus den Jahren 1870/80 und besteht «aus zusammengehörigem Unterleibchen und Wickel-Beinkleid aus feinem weißen Leinen sowie einem Paar langer Baumwollstrümpfe», beschreibt das Auktionshaus die kaiserliche Wäsche. «Das ärmellose Leibchen an Hals und Dekolleté mit Spitzenbordüre, sieben Perlmuttknöpfen und kleiner, in Rot gestickter Krone. Das Beinkleid en suite gefertigt und mit Bordüre an den Beinabschlüssen. Die feinen Strümpfe mit eingearbeiteter Bezeichnung “E.S”.»

Nach Angaben der Sprecherin entspräche die Größe der Unterwäsche heute einer extrem schlanken Konfektionsgröße von weniger als 32 – unter Size Zero also. Die Kaiserin soll eine große und sehr schlanke Frau gewesen sein.

Neben der Wäsche wurden auch weitere Kleidungsstücke der Kaiserin versteigert. Ein «elegantes Salonkleid» bekam bei 16 000 Euro den Zuschlag; ein elegantes, cremefarbenes Cape bei 23 000 Euro.

Angeboten worden war auch ein schwarzer Trauerumhang aus dem Jahr 1889. Damals hatte sich Elisabeths Sohn Rudolf das Leben genommen. Sie soll von da an nur noch schwarz getragen haben. Er war das zweite ihrer Kinder, das die Kaiserin überlebte. Die erstgeborene Tochter Sophie war schon im Alter von zwei Jahren gestorben.

Für einen zweiteiligen Holzparavent, auf dem unter Glas mehr als 90 Familienfotos der Kaiserin angebracht sind, gab ein Bieter 14 000 Euro aus. Die versteigerten Besitztümer der Kaiserin stammen von einer Frau, die eigentlich ein «Sisi»-Museum einrichten wollte, das vor ihrem Tod aber nicht mehr schaffte. Die Villa der Dame war den Angaben nach so voll mit Sammlerobjekten, dass sie zum Lebensende in ihrer Praxis wohnte. Ihre Erben gaben die umfangreiche Sammlung an Hermann Historica weiter.

Das Auktionshaus ist so sicher, dass es sich um Originale aus der Kleidersammlung der Kaiserin von Österreich handelt, weil alle mit «Sisis» offiziellem Kleiderverzeichnis abgeglichen worden seien. «Es gibt Inventarlisten, auch für die Bekleidung, die sehr, sehr genau geführt wurden», sagte die Sprecherin.

Hermann Historica hatte in der Vergangenheit immer wieder Kritik auf sich gezogen, weil dort regelmäßig Nazi-Andenken versteigert wurden – vor einigen Jahren die seidene Unterhose von Nazi-Verbrecher Hermann Göring für 3000 Euro.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

keiner Geringeren als – someone no less notable than
n.b. Kaiserin Elisabeth von Österreich, aka Sissi, was the beloved Princess Diana of her day
versteigert – auctioned off
Leibwäsche – underwear
garderobe – wardrobe
Gegenstände – items
einst – once
Reisekoffer – trunk
zusammengehörigen – coordinating
Unterleibchen – chemise
Wickel-Beinkleid – wraparound breeches
Leinen – linen
Baumwollstrümpfe – cotton stockings
ärmellose – sleeveless
Spitzenbordüre – lace edging
Perlmuttknöpfen – mother of pearl buttons
gestickter Krone – embroidered crown
entspäche – would correspond
Zuschlag – knocked down
Trauerumhang – mourning shawl
überlebte – survived
zweiteiligen – 2-part
Holzparavent – wooden folding screen
angebracht – fixed
gab aus – paid
Bieter – bidder
Besitztümer – possessions
einrichten – establish
schaffte – accomplish
Praxis – doctor’s office
Erben – heirs
umfangreiche – extensive
Kleiderverzeichnis – clothing inventory
abgeglichen – matched
geführt – kept
Vergangenheit – past
immer wieder – again and again
Kritik auf sich gezogen – attracted criticism
regelmäßig – regularly
Andenken – memorabilia
seidene – silk
Verbrecher – war criminal

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*